Mrz 012011
 

Folgendes haben wir auf der Seite www.peak-oil.com gefunden!

Der New York Times liegen interne Dokumente der Environmental Protection Agency  (EPA) vor, die sich mit den Auswirkungen der Förderung von „Natural Gas“ (Schiefergas) per sogenanntem „Fracking“ auf die Umwelt befassen. Bei dieser Fördermethode werden große Mengen Wasser versetzt mit Chemikalien in den Boden gepresst, um in kleineren Mengen vorkommenden Gas-Reserven in Steinschichten herauszupressen und herauszulösen. Das Gas wird gefördert, die Lösung (unvollständig) wieder abgepumpt. Diese Technik die insbesondere in den  USA eingesetzt wird, erlaubt es völlig neue Gas-Vorkommen zu nutzen und führte in den vergangenen Jahren zu einem neuen Gas-Boom. Allein in Pennsylvania stieg die Zahl der Förderstellen von 36.000 im Jahr 2000 auf heute 71.000, in den USA gesamt gibt es inzwischen 493.000 solcher Anlagen. Da Gas „sauberer“ verbrennt als Erdöl und Kohle wird der Ansatz als Umweltschutz verkauft, auch wenn er es offensichtlich nicht ist, wie die NYT berichtet:

Der GAU aus der Erde

Denn mit dem Gas und der ins Erdreich verpressten Lösung werden auch Stoffe ausgespült, die radioaktiv sind. So ist beispielsweise von Radium die Rede. Damit ist das „Wasser“ radioaktiv kontaminiert. Die Verschmutzungswerte erreichen laut NYT teilweise ein hundert- oder gar tausendfaches von dem, was gesetzlich erlaubt ist. Die Hälfte dieser Flüssigkeiten wurden in den Jahren 2008 und 2009 zu Wasseraufbereitungsanlagen gefahren, die aber nur unzureichend dafür ausgerüstet sind, radioaktive Elemente aus dem Wasser zu filtern. Deshalb wurde offenbar ein Großteil der Flüssigkeiten in Flüsse geleitet, darunter auch oberhalb von Trinkwasseranlagen.

Die Suche nach neuen Energiequellen führt offenbar dazu, dass Risiken ausgeblendet werden. Die NYT spricht auch davon, dass die Förderstellen die Luftbelastung erhöhen, zitiert werden Ärzte, die von erhöhten Asthma-Raten sprechen.

In den USA ist die Regulierung der Firmen sehr lax. Der NYT-Artikel spielt deshalb insbesondere darauf an, die Überwachung der Firmen nicht nur sich selbst zu überlassen, sondern staatliche Regelungen zu finden, dass die Abwässer ordentlich gereinigt werden. Fraglich ist jedoch bei dem Boom, dem Schiefergas vorhergesagt wird und bei den Mengen, die an Abwässern anfallen, Überwachung allein hilft. Hauptproblem bei der Ausspülung radioaktiver Stoffe aus dem Erdinneren und deren Verbreitung über das Wasser auf der Erdoberfläche ist, dass radioaktive Substanzen sich über den Wasserkreislauf und die Nahrungsketten auf dem gesamten Globus verbreiten können. Die kriminelle Energie ist bei den Verdienstmöglichkeiten groß genug, sich nicht um Umweltauflagen zu scheren. „Es ist billiger, Abwasser wegzuschütten, als es aufzubereiten“ wird der ehemalige Chef der Umweltbehörde EPA zitiert.

Quelle:
http://www.peak-oil.com/2011/02/schiefergas-und-radioaktivitaet/

Anmerkung:

  1. Wenn man bedenkt, dass es in den USA sogar Grenzwerte für radioaktive Stoffe im Grundwasser und Trinkwasser gibt, sind die uns schon mal einen Schritt voraus. In Deutschland gibt es für natürliche Radioaktivität keine Grenzwerte.
  2. Es wird angemerkt, dass die Regulierung in den USA sehr lasch sei. Das ist aber in Deutschland nicht anders. Auch hier kontrolliert sich die Industrie selber. Beispiel: Die Entsorgung ausgespülter, radioaktiver Stoffe wird erst ab einer Menge von 2000 Tonnen staatlich kontrolliert. Der Wirtschaftsverband der Erdgasindustrie WEG schätzt jährlich 20 Tonnen Abfall an. Unlogischer weise schätzt Exxon-Mobil die Menge alleine schon auf 200 Tonnen.
  3. Bereits zuvor hatten wir auf diese Thematik aufmerksam gemacht. So war der WDR-Redakteur Jürgen Döschner im Januar in Nordwalde vor Ort.  Zu diesem Thema gibt es hier weitere Informationen.u.a. können Sie hier das Radiofeature hören


Related Post

  3 Antworten zu “Der GAU aus der Erde”

  1. Und hier der GAU über der Erde,
    die Sichtweise der Landesbergämter!?

    Horizontalbohrung mit Fracking wird in Deutschland seit 2005 praktiziert, von der BASF-Tochter Wintershall und der Gaz de France Produktion Exploration Deutschland GmbH.

    „Vor dem Hintergrund der hohen Sicherheitsstandards in der deutschen Erdöl- und Erdgasindustrie sei eine UNFALLFREIHEIT von EINTAUSEND Tagen SCHON SEHR ERFREULICH, von zehn Jahren aber eine AU?ERORDENTLICHE LEISTUNG.“
    Verkündet Lothar Lohff als Präsident des Landesbergamtes Clausthal-Zellerfeld. Hierzu vieles mehr mit klick auf:

    http://www.gdfsuezep.de/cms/front_content.php?&idcat=41

    „Die von den Konsortialpartnern Gaz de France Produktion Exploration Deutschland GmbH als Betriebsführer und der BASF-Tochter Wintershall bei Breinermoor in Ostfriesland niedergebrachte Bohrung Leer Z4 ist fündig. (…) Modernste Technik ermöglicht Förderung aus schwieriger Lagerstätte (…) Nach fünfmonatiger Bohrzeit und einer Gesamtstrecke von 5.683 Metern erreichte die Bohrung Leer Z4 ihr Ziel in einer vertikalen Tiefe von 4.424 Metern. Anschließend wurden erfolgreich mehrere Fracs durchgeführt (…) Hierzu presste man eine mit Spezialsand beladene Flüssigkeit unter hohem Druck in die Bohrung ein (…) um Gas einen Fliessweg zum Bohrloch zu verschaffen.“
    Quelle: http://www.wintershall.com/200.html?&L=1

    Tatsache ist:
    Das Horizontal-Bohrverfahren wurde in den USA aus der Ölbohrtechnik heraus entwickelt.
    Das richtungsgesteuerte Horizontalspühlbohrverfahren (Horizontal Directional Drilling) wurde Mitte der 80er Jahre in Deutschland und Europa eingeführt.
    Quelle: http://www.de.sandb.com/index.php?id=102&L=0

    Bemerkenswert ist:
    Ausgerechnet einer der weltgrößten Öl-Multis EXXONMOBIL verkauft der Öffentlichkeit in Lünne die Horizontalbohrung als “Premiere“. Ist das wieder ein klassischer Norbert Stahlhut PR-Einfall?
    Ich denke, es ist schlicht ein weiteres Beispiel für Verdummung der Bürger am Bohrloch durch ExxonEurope?

    Da verhält sich Wintershall viel geschickter,
    Wintershall verweigert sich der aktuellen Diskussion
    zu den Umweltgefahren des Frackings.

    Für das Landesbergamt Clausthal-Zellerfeld sind bereits
    1000 Tage unfallfreies Fracken “schon sehr erfreulich“!!!

    Ich frage mich:
    ist das noch behördlicher LEICHTSINN oder
    ist das mangelhafte FÜRSORGEPFLICHT gegenüber der Bevölkerung durch die Genehmigungsbehörde(n)?

    Setzen Landesbergämter auf die “Guttenberg-Regel“?
    Die lautet:

    *** HANDELN NACH DEM SCHADENSEINTRITT ***

    Statt GLÜCKAUF
    Fracken auf GUTGLÜCK

  2. Ein echter Knaller!
    Was die Kollegen der New York Times da ausgegraben haben ist sensationell! Das Beste, was ich bislang zu dem Thema gelesen habe! Ich kann nur empfehlen, den Artikel komplett zu lesen. Im Internet sind außerdem die original Dokumente abgedruckt. Eine Fundgrube!

    • Hoffentlich lesen das auch unsere Entscheidungsträger. Ich kann mich nur wiederholen. Es geht hier nicht nur um eine zu genehmigende Probebohrung. Die Umweltauswirkungen der unkonventionellen Erdgasförderung sind nicht hinnehmbar. Sobald uns eine Übersetzung ins Deutsche zur Verfügung steht, werden wir darüber ausführlich berichten!

Kommentare sind derzeit nicht möglich.