Mai 302011
 

Die Veranstaltung zur unkonventionellen Gasförderung am 31. Mai 2011 im Landtag NRW findet – unter anderem – unter dem Motto “Sorgen der Bürger ernst nehmen” statt.

Das sollte eigentlich das Minimum sein, was die Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen von ihrer Regierung, den Oppositionsparteien, den zuständigen Behörden, den abhängigen und unabhängigen Experten und den gasfördernden Unternehmen erwarten sollten.

“Sorgen” sind subjektive und gedanklich vorweggenommene Nöte, die sich im Fühlen, Denken und Handeln des Betroffenen auswirken. “Ernst nehmen” bedeutet, sich in den Betroffenen hinein zu versetzen und aus seiner Sicht auf die möglichen Nöte zu schauen.

Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger sind keine Experten auf dem Gebiet der unkonventionellen Gasförderung und wollen das auch gar nicht werden.

Sie sehen, wie in Söhlingen im Abstand von wenigen hundert Metern Bohrtürme stehen, Verarbeitungsanlagen, Versenkbohrungen und Leitungen. Bohrungen laufen dort über Monate – rund um die Uhr – an sieben Tagen in der Woche. Laut wie ein vorbeifahrender Regionalexpress.

Nachts sieht man den Feuerschein, wenn wieder Gas abgefackelt wird. Gelegentlich kommt es auch zu Unfällen. Blowouts, undichte Rohrleitungen und die ständige Sorge, daß Fracking vielleicht doch nicht so harmlos ist, wie behauptet.

Aus Söhlingen ziehen Menschen fort. Nicht mehr hin. Hinter vorgehaltener Hand wird gesagt, dass es für die Häuser keine Käufer in dieser Gegend mehr gibt. Dabei ist Söhlingen eigentlich wunderschön. Waldgebiete, kleine Teiche und Seen, alte Backsteinhäuser. Perfekt für naturverbundene Menschen. Doch die wollen nicht dort wohnen, wo sie in ständiger Sorge um die Luft, das Trinkwasser und den Boden leben müssen. Soll es so auch in den vielen schönen Regionen in NRW werden, die inzwischen in „Claims“ aufgeteilt sind?

Wie nehmen Bürgerinnen und Bürger die Diskussion um die unkonventionelle Gasförderung wahr?

  • sie hören, Gas sei nur halb so klimaschädlich wie Kohle und denken, “Warum mit dem schlechtesten vergleichen?”
  • sie hören, dass sie keinerlei Mitbestimmungsrecht haben, aber die alles entscheidende Behörde arbeitet so eng mit den gasfördernden Unternehmen zusammen, dass sie sich Werbematerialien und Präsentationsmaterial teilten
  • sie hören, das alles “ganz harmlos” sei, aber Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen auch viele Gegenbeispiele
  • sie hören, daß “hunderte Meter Deckgebirge” ihr Trinkwasser schützen und sehen die Bilder von oberirdischen Blowouts
  • sie hören, die Umweltauflagen in Deutschland seien viel strenger und lesen von der Verklappung hochgiftiger Chemikalien in Flüssen und ausgedienten Bohrlöchern
  • sie hören, die Frack-Spülung sei harmlos und sehen Warnkreuze und Totenköpfe
  • sie hören von Moratorien in anderen Ländern, vom weltweitem Protest, von Menschen die beim Schutz ihres Landes verhaftet werden
  • sie hören “Alles sei sicher” und denken an die Asse, an Seveso und Fukushima

Sorgen sind subjektiv. Ist es Unverständnis wenn die Verantwortlichen darauf mit Beschwichtigungen und semantischen Spielereien reagieren? Die Menschen als Wutbürger beleidigen. Ist es Ignoranz? Oder geht es nur um den Profit, wie so häufig unterstellt?

Die heutige Veranstaltung wird Berge von Fakten und Meinungen zusammentragen. Die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger wird es nicht lindern.

Die Antworten der Bürgerinitiativen auf die Fragen des Landtages finden Sie hier:
Stellungnahme der IGs „Gegen Gasbohren“ zum Fragenkatalog des Landes NRW zur unkonventionellen Gasförderung (PDF)

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