Jun 092011
 

Hier etwas verspätet der Bericht von Heike Wentland über den Exxon-Dialogprozess am 27.05.2011 in Münster. Frau Wentland ist die Vorsitzende der Bürgerinitiative BIST Herbern und war bei der Veranstaltung zugegen.

Die zweite Veranstaltung des sogenannten Dialogprozesses bestand darin, dass aus etwa 300 Einzelfragen eine Vorgehensweise erarbeitet wurde, die darin bestand, dass lediglich eine Risikoanalyse als Zielbeantwortung extrahiert wurde.

  1. Die Risikoanalyse im geologischen System
  2. Die Risikoanalyse im technischen System.
  3. Eine Arbeitsgruppe Toxikologie und Grundwasserschutz erstellt wurde.

Beim dritten Punkt wollte man lieber nicht einmal ausformulieren: Risiken aus dem Toxikologischen Bereich oder Risiko für das Grundwasser!!!

Der Dialog bestand zu 99 Prozent aus Fragen und Anmerkungen von Kritikern sowohl aus diversen BI’s, von 11 vertretenen Wasserverbänden, von engagierten Politikern (besonders Baudezernent Pfeffer aus Borken), vom Landesverband der Bergbaubetroffenen und von besorgten Privatpersonen. Einziger Beitrag aus dem Kreis der Befürworter war (völlig unsachlich) von einem Brunnenbauer aus Ascheberg. Dieser Beitrag wurde sofort von Herrn Pfeffer widerlegt, so dass der Brunnenbauer dann ziemlich schnell und betreten den Saal verließ.

Die Fragesteller waren alle ausgesprochen gut informieret und traten den Wissenschaftlern mit Achtung und Kompetenz gegenüber, was Ihrerseits nicht erwartet wurde. Es war an mehreren Stellen echte Betroffenheit bei einigen Wissenschaftlern zu spüren (Prof. Roßnagel, Fr. Dr. Schmitt-Jansen)

Problematisch sind in der Darlegung der bisherigen Vorgehensweisen zwei wichtige Punkte:

  1. Es wird sehr häufig auf Modelliervorgänge in hohem Maße zurückgegriffen.
  2. Es werden zwar internationale Datenbanken wirklich glaubhaft benutzt, aber bei einigen Problemstellungen ist einzig Exxon der Zulieferer von Daten.

Die Glaubhaftigkeit von Exxon wurde natürlich sofort diskutiert bzw. stand immer wieder unangenehm im Raum.

Mein Beitrag bestand darin, den Expertenkreis darauf hinzuweisen, das Gefahrenpotential unbedingt zu beachten, welches in der prognostisch wissenschaftlichen Arbeitsweise dieses Arbeitskreises liegt. Wie in der Medizin bekannt, werden Prognosen nach wenigen Jahren häufig durch kausale Wissenschaft vollkommen widerlegt. Prof. Borchard bestätigte, dass diese Thematik der „zentrale Problempunkt der Arbeit sei und einen ständigen schwierigen Spagat erfordere“.

Die Modelliervorgänge sind immer extrem fehlerbehaftet, weil lebendige Systeme wie die Erde oder der Mensch sich nicht in Rechenformeln einzwängen lassen. Sie sind in sich geschlossene Systeme, die auf äußere Eingriffe immer komplex/regulativ reagieren und einzig sicher durch Beobachtung erschlossen werden können.

Die Toxikologin Frau Dr. Schmitt-Jansen wies selbst den Geologen Prof. Sauter daraufhin, dass Abbau von Chemikalien im Gestein eben bedeuten kann: im schlimmsten Fall Vervielfachung der Toxizität und nur besten Fall Abschwächung oder Neutralisation.

Und das bei 700 verschiedenen Chemikalien! Im Modelliervorgang der toxikologischen Arbeitsgruppe wird mit drei Stoffen gerechnet!

Prof. Borchard betonte ausdrücklich, dass dieser Arbeitskreis keine Forschungsarbeit leiste.
Der wissenschaftliche Arbeitskreis liefert also nur eine Risikobetrachtung, oftmals gespeist aus Daten, die lediglich von Exxon stammen!!! Einem Ansatz zur beobachtenden Auswertung von Fakten aus bereits weltweit bebohrten Gebieten folgt dieser Arbeitskreis nicht. Dies wäre wohl Forschungsarbeit, an der Exxon  kein Interesse hätte.

Am Ende der Tagung bedankte sich Prof. Borchardt bei allen Fragestellern dafür, dass die Gesprächsbeteiligung konstruktiv und seriös verlaufen sei.

Als nächstes stehen fünf nicht öffentliche Veranstaltungen auf der Programmliste des „Dialogprozesses“. Erst im November darf die Öffentlichkeit beim geplanten und aber als „eventuellen Probe-frac“ ausgewiesenem Vorhaben wieder dabei sein. Das nennt Exxon Transparenz.

Autorin: Heike Wentland, http://www.bist-herbern.de

Zur Erinnerung; Ein Bericht von Heike Wentland über die Gefahren durch das beim Fracking mitgeförderte Radium 226: http://www.gegen-gasbohren.de/2011/03/31/gesundheitliche-folgen-durch-strahlenbelastung-ueber-radium-226/

  Eine Antwort zu “Bericht über den Exxon-Dialogprozess am 27.5.11 in Münster”

  1. Die Celler Firma Halliburton erzeugt in 3900 Meter Tiefe Fracking-Risse unter der Erde von Hannover…

    Das Netz aus millimeterschmalen Rissen, das auf diese Weise erzeugt wird, erreicht eine horizontale (waagerechte) Ausdehnung von 3000 Metern; in der Vertikalen (senkrecht) sind es 300 Meter.
    Wir versuchen, das Knistern und Knacken (mit Spezialdetektoren, sogenannten Geophonen) genau zu lokalisieren.

    An den ersten beiden Tagen sei bereits ein 400 bis 500 Meter langer „Bilderbuchriss“ entstanden… mehr unter der Quelle:
    http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Risse-unter-der-Erde-von-Hannover

    Und was sagten die Exxon Frack-Ingenieure in der sogenannten Exxon-Dialogveranstaltung am 27.05.2011 in Münster:

    „Risse entstehen nur vertikal (senkrecht)… bis zu einer Länge von 300 Meter.

    Und wer bohrt in Lünne für Exxon, na…?… die Celler Firma Halliburton(!) – wenn’s gut werden soll.

    Mein Rat: Fragen SIE Exxon… wenn sie die Wahrheit “scheibchenweise“ hören wollen.

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