Jul 232011
 

Pressemitteilung der IHK Nord Westfalen vom 22. Juli 2011:

IHK-Regionalausschuss fordert Sicherheit für Trinkwasser

Mehrheit der Unternehmen für Gaserkundung

Kreis Steinfurt/Altenberge. – Mit einem umstrittenen Thema, das alle anderen Tagesordnungspunkte verdrängte, befassten sich die Unternehmer im IHK-Regionalausschuss für den Kreis Steinfurt während der Sitzung am 20. Juli bei der Fa. Jüke Systemtechnik in Altenberge: Wie steht die Wirtschaft zu der geplanten Erkundung möglicher Gaslagerstätten im Münsterland? Könnte nicht ein zusätzliches Angebot die Energiewende stützen? Oder machen Gasbohrungen „Trinkwasser explosiv“, wie manche Kritiker einwenden?

Auf der Grundlage umfassender Informationen zur geologischen Situation im Münsterland durch Dr. Ulrich Pahlke vom Geologischen Dienst NRW machten es sich die 40 Unternehmerinnen und Unternehmer mit ihrer Einschätzung nicht leicht. Nach einer zweieinhalbstündigen Diskussion stimmten sie schließlich mehrheitlich dafür, eine weitere Exploration zu befürworten, wenn hohe Sicherheitsstandards eingehalten werden. Dies sollte vor allem für die Sicherheit des Trinkwassers gelten. Schäden durch Erdbeben hielt Pahlke angesichts der in Frage stehenden Verfahren und der Bodenbeschaffenheit im Münsterland für eher unwahrscheinlich.

Für eine weitere Erkundung spricht nach Ansicht von Pahlke, dass man die Zugänglichkeit und die wirtschaftliche Gewinnbarkeit der unkonventionellen Gasvorkommen in NRW derzeit noch nicht genau einschätzen könne. Beim Flözgas sei darüber hinaus noch unklar, ob es überhaupt mit dem umstrittenen Fracking gefördert werden kann.

Gustav Deiters, Ausschussvorsitzender aus Ibbenbüren, unterstrich, dass Erkundung noch nicht die Entscheidung über eine Förderung beinhalte, über die fallweise zu entscheiden sei. „Gas ist unter Umweltgesichtspunkten eine vergleichsweise saubere Energiequelle und kann dazu beitragen, die Abhängigkeit von Gasimporten zu verringern“, gab er außerdem zu bedenken. Die Mitglieder des Ausschusses befürworteten die Erkundung auch vor dem Hintergrund des beschlossenen Ausstiegs aus der Kernenergie. Angesichts der großen Herausforderungen durch den Umstieg auf erneuerbare Energien könne nicht kategorisch auf die Nutzung heimischer Energiequellen verzichtet werden.

Deutlich wurde in der Diskussion außerdem, dass es in der Erschließung der Geothermie, also der Nutzung der Erdwärme zur Energieerzeugung aus großen Tiefen, zu ähnlichen Erschließungsmethoden komme wie bei der Gasexploration. Es sei ein Widerspruch, auf der einen Seite aus Umweltgründen auf Erdwärme zu setzen, auf der anderen aber eine Gasförderung von vornherein auszuschließen.

Quelle: http://www.ihk-nordwestfalen.de/mittelstand/oeffentlichkeitsarbeit/pressemeldungen/details/artikel/mehrheit-der-unternehmen-fuer-gaserkundung/3/?cHash=d4c0fed7a6

Der Vorsitzende der IGGG Nordwalde, Herr Mathias Elshoff, hat darauf hin der IHK nachfolgendes Schreiben zukommen lassen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrter Herr Guido Krüdewagen,

mit Erstaunen habe ich heute den Bericht bezüglich möglicher Erdgasbohrungen gelesen. An mehreren Stellen sind mir Dinge aufgefallen, die richtiggestellt werden sollten.

1.            Der Geologische Dienst NRW steht der Erdgasindustrie sehr nahe. Auf Infoveranstaltungen wurden uns  die gleichen Powerpointpräsentationen- einmal mit dem Exxon Logo und das andere Mal vom Geologischen Dienstes gezeigt. In mehreren Infoveranstaltungen sprach der Mitarbeiter Dr. Volker Wrede davon, dass „wir“ hier bohren werden. (gemeint war aber Exxon)

2.            „Wir glauben auch nicht, dass es hier zu starken Erdbeben kommen kann.“ Der Leiter des geologischen Dienstes NRW räumte aber anders als Herr Dr. Pahlke die Möglichkeit schwächerer bis mittlerer Erdbeben ein.

3.            Der Trinkwasserschutz muss 100 % gewährleistet sein. Wasser ist unser höchstes Gut. Der Vorstandsvorsitzende von Gelsenwasser Herr Dr. Manfred Scholle hat sich, wie sie vielleicht wissen, in den USA über Fracking informiert. Beim Fracking kommt es zu massiven Eingriffen in die Natur. Wenn es auch in 95 % der Bohrungen zu keinen Belastungen kommt, zeigen die anderen 5 % erschreckende Erkenntnisse aus den USA. Fracking muss unbedingt schärfer reglementiert werden muss. Deshalb fordern wir, dass unbedingt UVP notwendig werden müssen und es bestimmte Tabuzonen (Wasserschutzgebiete, Siedlungen) geben muss, in denen man Fracking im Vornherein verbieten muss.

4.            Ihr Ausschussvorsitzender Gustav Deiters behauptet: „Gas ist unter Umweltgesichtspunkten eine vergleichsweise saubere Energiequelle und kann dazu beitragen, die Abhängigkeit von Gasimporten zu verringern“ Diese These trifft für unkonventionelles Gas nicht zu. Unabhängige Studien zeigen, dass die Gewinnung von unkonventionellem Erdgas umweltschädlicher ist, als die von Kohle.

5.            Gerade weil der Atomausstieg beschlossen wurde, dürfen wir durch das zusätzliche Verbrennen von fossilen Rohstoffen den Klimawandel nicht noch beschleunigen. Es gibt nur einen richtigen Weg und der geht zu den regenerativen Energien und leistungsstarken Stromspeichern.

6.            Die richtige Meinung kann man sich nur bilden, wenn zu einem Thema die Positionen beider Lager berücksichtigt werden. Der Geologische Dienst NRW ist eng mit der Erdgasindustrie verbandelt. Warum laden Sie nicht einen Experten  (z.B. Dr. Werner Zittel) ein, der sich kritisch mit der unkonventionellen Erdgasförderung beschäftigt ein. Warum nicht den BUND? Warum nicht einen lokalen Wasserversorger? Auch wir von den mittlerweile über 12 Bürgerinitiativen wären sicherlich gerne einer Einladung gefolgt.

Hier noch ein paar Informationen:

-Interview mit Dr. Scholle (Gelsenwasser): http://www.youtube.com/watch?v=P5eIhBW5eZ4&feature=player_embedded)

Weitere Kritische Artikel finden Sie auf:

www.gegen-gasbohren.de

www.unkonventionelle-gasfoerderung.de

 

Mit freundlichen Grüßen

Mathias Elshoff

Vorsitzender der IGGG

Interessengemeinschaft gegen Gasbohren in Nordwalde

Werden sich die westfälischen Unternehmer in der Hoffnung auf den einen oder anderen Auftrag aus der Erdgasindustrie wirklich von derartigen Werbemethoden blenden lassen?

 

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