Jan 112012
 

Ein möglicher Super-Gau bei der RWE in Völkersen sorgt für große Unruhe. Die Bürgerinitiative „No Fracking“ fühlt sich in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt, denn die RWE-DEA scheint die Technik nicht im Griff zu haben.

Am Montag, den 9.Januar hatte die BI aus Völkersen nach dem aktuellen Störfall an einer Lagerstättenwasserleitung ein Treffen mit Vertretern der RWE DEA organisiert. Es wurden Detailfragen wie z.B. die Höhe der gemessenen Benzolbelastung und die genaue Lage der Benzolfundorte erläutert. Die Vertreter, u.a. Betriebsleiter Sven Burmester, berichteten, daß auf Initiative des Landesbergbauamtes (LBEG) alle Lagerstättenwasserleitungen auf Dichtigkeit überprüft werden sollten. Dabei beprobte man von dem ca. 20 km langen Leitungsnetz, welches quer durch die Gemeinde verläuft, zunächst direkt an den Förderstellen, da dort durch die hohen Temperaturen des Abwassers die höchste Belastung des Rohrmaterials zu erwarten seien. An der Leitung von Z1 Nord in Völkersen zur Zentrale nach Schülingen wurde 300m neben der Stelle der Leckage vom August letzten Jahres ein Benzolwert von ca. 5.700 Mikrogramm an der betroffenen Leitung gemessen, also doppelt so hoch wie beim Unfall vor fünf Monaten. Zur Kontrolle wurde ein weiterer Meßpunkt ca. 1,5 Km entfernt an der Straße „Lustiger Strump“ gewählt. Und ab da war „Schluß mit Lustig“, denn auch der dort gemessene Benzolwert war über 100mal so hoch wie der gesetzlich zulässige Höchstwert von 5 Mikrogramm.

In dieser Woche werden an der betroffenen ca. 5 km langen Leitung alle 100m Proben genommen, da umfangreiche Druckprüfungen keine Befunde erbracht hätten. Die Sorge der Bevölkerung rund um Völkersen ist groß, da augenscheinlich „Rotenburger Dimensionen“ oder vielleicht sogar noch schlimmere erreicht werden. 2007 trat durch undichte Rohrleitungen Benzol und Quecksilber aus Lagerstättenwasserleitungen im Erdgasfeld Söhlingen von ExxonMobil aus. An 9 Stellen kam es zu Kontaminierungen, deren Beseitigung bis 2011 andauerte, ca. 200.000 cbm Erdreich mussten abgefahren, entsorgt und neu aufgefüllt werden. Verwendung fand hier der in der Diskussion stehende Kunstoff PE 80. Trotz gegenteiliger Versicherung der RWE und des LBEG scheinen auch die in Völkersen verwendeten PE 100-Rohre, ein angeblich hochwertigeres Material, ungeeignet zum Transport der agressiven Lauge. Eine akute Gefahr für Mensch und Tier wird von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Verden z.Zt. nicht gesehen. Ob diese Einschätzung so hingenommen werden kann, wagt die BI zu bezweifeln.

Zu einer möglichen Sanierungsmaßnahme konnte man bis jetzt noch nicht konkret Stellung beziehen. Das Lagerstättenwasser aus Völkersen und Langwedelermoor wird bis auf Weiteres per LKW abgefahren. Vor dem nächsten Treffen der Bürgerinitiative am 17 Januar um 19°° im „Alten Krug“ in Völkersen, soll ein weiteres Gespräch mit der RWE stattfinden, wo genauere Meßergebnisse bekannt gegeben werden. Auf Anregung der BI und Bürgermeister Andreas Brandt erklärten sich die RWE-Verantwortlichen dazu bereit, auf ihrer Internetseite einen Link „Bürgerinfo Völkersen“ einzurichten, um aktuelle Informationen schnell und direkt an die Bevölkerung weiterzugeben. Auch soll über das Gesundheitsamt die Frage möglicher gesundheitlicher Beinträchtigungen für die Anwohner geklärt werden. Die RWE-Verantwortlichen betonten, daß sie an einem konstruktiven Dialog mit der Bevölkerung interessiert sind. Die Forderung der BI ist klar: Die Genehmigung für die Lagerstättenwasserleitungen muß umgehend widerrufen werden.

Presse-Mitteilung von Andreas Noltemeyer
Pressesprecher der Bürgerinitiative „No Fracking“, Völkersen

  Eine Antwort zu “Möglicher „Super-Gau“ bei RWE in Völkersen – BI „No Fracking“ Völkersen berichtet”

  1. Die Frage möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen für die Anwohner soll über das Gesundheitsamt geklärt werden. Das muss kein Glücksfall sein, denn im Fall der Talliumbelastung aus einem Zementwerk in Lengerich Kreis Steinfurt (NRW) verlief das – gemäß Behördenlogik – so:

    „Es sei beabsichtigt das mit Tallium belastete Gartengemüse an Schweine zu verfüttern, denn dadurch könne man den Gemüseberg erheblich reduzieren und man habe das Tallium konzentriert, in einem viel kleineren Volumen vorliegen“ erklärte das Gesundheitsamt des Kreises Steinfurt seinerzeit gegenüber der Öffentlichkeit (WDR-Mittagsmagazin).

    Auf Nachfrage des WDR-Moderators: „Aber was machen sie dann mit den Schweinen…“ hüllte sich der Kreis(Ober)Medizinalrat dezent in schweigen.

    Da bekommt das Wort Kot(!)lett eine völlig neue Bedeutung. Das Gemüse jedenfalls landete nach Bürgerprotesten auf der Hausmülldeponie Uffeln.

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