Feb 172013
 

Interview in der NOZ mit dem Ministerpräsedenten von Schleswig-Holstein.
Auffällig: 1 Frage zur Atomkraft und 5 zum Fracking? Ist Fracking jetzt in der Bevölkerung angekommen?

Die Regierung will Fracking, die Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten, nicht komplett verbieten, aber sehr schwer machen. Verlassen Sie sich auf das Wort von Umweltminister Peter Altmaier?

Nein, darauf verlasse ich mich nicht und andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bremen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen unter der neuen rot-grünen Landesregierung mit Stephan Weil an der Spitze auch nicht. Schleswig-Holstein hatte gemeinsam mit NRW und Baden-Württemberg eine Bundesratsinitiative gegen Fracking gestartet und schnell bei anderen Ländern Zustimmung gefunden.

Beim Fracking wird mit Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck das Gestein aufgebrochen, damit aus den Rissen Gas entweicht. Wächst der Widerstand in den Ländern?

Wir haben schon einen breiten Widerstand, und ich bin mir sicher, dass weitere Länder hinzukommen. Kein Rumexperimentieren an unserer Erde nach dem Motto „Wird schon irgendwie gut gehen“. Was machen unsere Kinder, wenn es nicht gut geht? Vergiftetes Grundwasser trinken? Das gilt es zu verhindern. Wer das jetzt will, der hat nicht begriffen, was Fukushima uns gelehrt hat.

Gerhard Schröder, Altkanzler und Gazprom-Lobbyist, rät den Deutschen, Russland beim Gas lieber treu zu bleiben. „Versuchen Sie mal, eine Bohrgenehmigung unter Osnabrück zu erhalten, um da mit Chemie zu hantieren. Das wird nicht gelingen“, sagte Schröder unserer Zeitung…

Er hat recht! Solange wir nicht zweifelsfrei wissen, dass Fracking keine Gefahr für das Grundwasser und damit für die Menschen in unserem Land mit sich bringt, wird es aus Schleswig-Holstein keine Zustimmung geben. Ich lasse keine giftigen Chemikalien in schleswig-holsteinischen Boden pumpen, ohne genau zu wissen, dass dies keine negativen Folgen hat.

Unter der Bundesrepublik lagern bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Gas. Damit könnte Deutschland über zehn Jahre auskommen…

Wir sollten nicht noch einmal den Fehler machen, uns in eine Technologie zu begeben, deren Folgen wir nicht eindeutig abschätzen können. Wir müssen solche Prozesse offen und transparent gestalten. Wir müssen alle, die in Sorge sind, auf diesem Weg mitnehmen und ernst nehmen. Wir müssen die betroffenen Bürgerinnen und Bürger rechtzeitig und umfassend über die möglichen Gefahren des Frackings aufklären. Und wir müssen über konkrete Aufsuchungs- und Erkundungsvorhaben informieren. Wer das nicht tut, mag möglicherweise den Boden aufbrechen können, in jedem Fall würde das Vertrauen der Menschen in unsere Politik zerbrechen.

Fracking lässt die US-Energiepreise purzeln. Lockt das die Verbraucher?

Ich glaube nicht. Das Fracking hat in den USA vor allem geostrategische Gründe: Durch die Gasgewinnung über Fracking wollen sich die Amerikaner von Gaslieferungen aus anderen Teilen der Welt unabhängiger machen. Eine mehr als zweifelhafte Politik, die die mögliche Verseuchung des Grundwassers leider billigend in Kauf nimmt. Auch ist leider noch nicht jeder in den USA ausreichend sensibel dafür, dass die Botschaft „Wir machen alles, was wir machen können – Hauptsache, es bringt Geld“ eine des letzten Jahrhunderts ist. Heute fährt man damit vor die Wand.

Quelle:
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident: Keine Zweifel, dass er Kanzler wird – Torsten Albig sagt Fracking Kampf an – Nachrichten, Kommentare, Bilder aus Deutschland und der Welt | noz.de.

Kommentare sind derzeit nicht möglich.