Sep 302013
 

Selbst die Möwen haben was gegen Fracking

Sogar die Möwen haben was gegen Fracking

Geplantes Fracking-Gespräch in Schleswig-Holstein: Intransparentes Verhalten des Umweltministeriums im Vorfeld stößt BBU und Bürgerinitiativen vor den Kopf

(BBU: Bonn, Kiel, 30.09.2013) Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und die Anti-Fracking-Initiativen Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager e.V., IG gegen Fracking in Schleswig-Holstein, Regionalgruppe „Frackingfreier Kreis Plön“ und die Bürgerinitiative Frackingfreie Zukunft sowie Vertreter der Bürgerinitiative FrackingFreies Hamburg mussten zu ihrem Bedauern einen angebotenen Gesprächstermin zum Thema Fracking im schleswig-holsteinischen Umweltministerium absagen.

In einem Schreiben an das Ministerium begründeten sie diesen Schritt mit der aus ihrer Sicht mangelhaften Vorbereitung des Termins seitens des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR). Statt des von den Initiativen geforderten Austauschs über die Entwicklung, Konkretisierung und Überprüfung eines Konzepts zur Verhinderung von Fracking in Schleswig-Holstein wollte das Ministerium offenkundig eine unverbindliche Gesprächsrunde über längst Bekanntes stattfinden lassen. Auf vorbereitende Vorschläge der Initiativen zu Gesprächsinhalten gab es keine Reaktion, Fragen blieben unbeantwortet.

Oliver Kalusch vom Geschäftsführenden Vorstand des BBU erklärt hierzu: „Wir haben bereits im Vorfeld gefordert, dass uns das Umweltministerium eine Strategie zur Verhinderung von Fracking in Schleswig-Holstein präsentiert. Stattdessen sollte es primär um die Darstellung der bekannten Rechtsauffassungen des Ministeriums gehen. Es ist kein in die Zukunft gerichtetes Vorgehen, mit dem Fracking in Schleswig-Holstein verhindert werden könnte, wenn das MELUR uns lediglich ein weiteres Mal seine Auffassungen präsentiert. Es ist an der Zeit, dass konsequente Schritte zu einer Verhinderung des Frackings erfolgen.“

Als Ergebnis der mangelhaften Vorbereitung sehen die Initiativen zudem, dass trotz ihrer Bitte im Vorfeld keine Tagesordnung bekannt gegeben wurde, zumal die Initiativen das Ministerium vorab mit einem strukturierten Tagesordnungsvorschlag unterstützt hatten. Eine Vorbereitung auf den Termin seitens der Initiativen war so nicht möglich.

Konsterniert mussten die Initiativen auch zur Kenntnis nehmen, dass das Ministerium den Kreis der Gesprächsrunde erweitert und Vertreter der Landtagsfraktionen zu dem Gespräch eingeladen hatte, ohne dies offen gegenüber der Mehrheit der eingeladenen Anti-Fracking-Organisationen zu kommunizieren. Die Bitte der Initiativen, abschließend über alle Ministeriums- und Behördenteilnehmer an dem Gespräch informiert zu werden, wurde nicht erfüllt.

Trotz des Scheiterns dieses Gesprächs bereits im Vorfeld bleiben der BBU und die Bürgerinitiativen gegen Fracking im Interesse der Sache weiter gesprächsbereit. Sie erwarten allerdings vom schleswig-holsteinischen Umweltministerium sowie der Landesregierung konkrete Impulse und Vorschläge, um Fracking effektiv zu verhindern. In dem Brief an das MELUR, in dem sie ihre Absage begründen, heißt es abschließend: „Gerne sind wir auch unter veränderten Rahmenbedingungen und mit einer guten Vorbereitung von Treffen bereit, im Rahmen eines offenen, konstruktiven und zielgerichteten Prozesses auf Augenhöhe dem MELUR unsere Sachkompetenz zur Verfügung zu stellen. Wir würden uns freuen, wenn sich auch Herr Dr. Habeck aktiv in diesen Prozess einbringen würde. Mit Interesse sehen wir daher Ihren Vorschlägen für einen solchen Prozess entgegen.“

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Selbst die Möwen haben was gegen Fracking

Selbst die Möwen haben was gegen Fracking

 Veröffentlicht von am 30. September 2013
Sep 302013
 

Plenarsaal des Europa-Parlaments in Straßburg (Foto: CherryX

Plenarsaal des Europa-Parlaments in Straßburg (Foto: CherryX)

Verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung bei Fracking-Vorhaben!

Abstimmung im EU-Parlament am Dienstag, 08. Oktober 2013!

Schreibt unseren Abgeordneten!

Wenn am 8. 9. Oktober 2013 im EU-Parlament über die Anpassung der UVP-Richtlinie an die relativ neue Bergbau-Technik des Fracking abgestimmt wird, dann ist es wesentlich, dass die Abgeordneten den Willen der Bevölkerung möglichst gut kennen. Andy Gheorghiu aus Korbach hat alles Wichtige zusammengestellt, was man braucht, um den „MEPs“, den Europa-Abgeordneten, die eigene Meinung kundzutun und ihnen so eine Entscheidungshilfe für die Abstimmung an die Hand zu geben.

  1. Beschluss/Empfehlung ENVI (EU-Umweltausschuss)

    Am 11. Juli 2013 stimmte der EU-Umweltausschuss (ENVI) mit überwältigender Mehrheit (49 -13) für die Einführung einer verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfung bei Fracking-Vorhaben (Änderungsanträge des MEP Andrea Zanoni[1] zur UVP-Richtlinie 2011/92/EU).

    Die Änderungen betreffen insbesondere Anhang 1 Nr. 14 der Richtlinie und folgen eindeutigen und klaren Empfehlungen, die große politische Unterstützung in den letztjährigen Beschlüssen (21. November 2012)[2] des Europäischen Parlamentes zum Thema Schiefergasförderung erhielten.

  2. Änderungstext (Antrag 79)

    Die UVP-Richtlinie, Anhang I, Nr. 14 soll gemäß dem Änderungsantrag 79, Buchstabe e[3] wie folgt geändert werden:

    e) Die folgenden Nummern 14a und 14b werden eingefügt:
    „14a. Exploration, Bewertung und Förderung von Erdöl und/oder Erdgas aus Schiefergasschichten oder anderen Formen von Felsablagerungen ähnlicher oder geringerer Durchlässigkeit und Porosität, unabhängig von der geförderten Menge.
    14b. Exploration und Förderung von Erdgas aus Kohlevorkommen, unabhängig von der geförderten Menge.“

  3. Rechtliche Klarstellung

    Hiermit soll eine dringend benötigte rechtliche Klarstellung erfolgen. Nach Auffassung der Europäischen Kommission[4] sind Fracking-Vorhaben bereits jetzt UVP-pflichtig, denn es kann – auf der Grundlage der objektiven Datenlage – nicht ausgeschlossen werden, dass die Vorhaben signifikante Umweltauswirkungen haben. Da aber nicht jeder Mitgliedsstaat bzw. jede Regierung/Behörde dies entsprechend berücksichtigt, ist es notwendig, dass EU-weite Klarstellung diesbezüglich erfolgt.

    Die gesetzliche Klarstellung, dass Fracking-Vorhaben UVP-pflichtig sind, ist notwendig, weil

    • bei einer täglichen Maximum-Förderrate zwischen 115.000 und 250.000 m³ der momentane Schwellenwert von 500.000 m³ (Anhang 1, Nr. 14 UVP-Richtlinie) nicht erreicht wird, so dass keine verpflichtende und systematische UVP für Fracking-Vorhaben garantiert werden kann;
    • Tiefenbohrungen und Fracking-Technik bereits während der Aufsuchung angewendet werden.

  4. Versuch die rechtliche Klarstellung zu torpedieren (Änderungsanträge 88, 90[5], 112[6], 115[7])

    Ursprünglich sollte die Abstimmung am 11. September 2013 erfolgen. Die Abstimmung wurde jedoch verschoben und weitere Änderungsanträge eingebracht.
    Die Änderungsanträge 88, 90, 112, 115 stellen hierbei einen eindeutigen Versuch dar, die notwendige rechtliche Klarstellung zu torpedieren, da sie den bereits vorhandenen täglichen Schwellenwert von 500.000 m³ weiter aufrecht erhalten.

    UVP-Richtlinie, Anhang I Nr. 14 (aktuelle Fassung)
    Gewinnung von Erdöl und Erdgas zu gewerblichen Zwecken mit einem Fördervolumen von mehr als 500 t/Tag bei Erdöl und von mehr als 500.000 m³/Tag bei Erdgas.

    Änderungsantrag 79 für die notwendige rechtliche Klarstellung der UVP-Pflicht
    „14a. Exploration, Bewertung und Förderung von Erdöl und/oder Erdgas aus Schiefergasschichten oder anderen Formen von Felsablagerungen ähnlicher oder geringerer Durchlässigkeit und Porosität, unabhängig von der geförderten Menge.
    14b. Exploration und Förderung von Erdgas aus Kohlevorkommen, unabhängig von der geförderten Menge.“

    Mogelpackung-Änderungsanträge

    • Änderungsantrag 88
      „14a. Förderung von Rohöl und/oder Erdgas zu gewerblichen Zwecken, das in Schiefergasschichten oder anderen Formationen sedimentärer Quellgesteinsschichten ähnlicher oder geringerer Durchlässigkeit und Porosität eingeschlossen ist, mit einer Fördermenge von mehr als 500 Tonnen Erdöl bzw. 500.000 m³ Erdgas pro Tag.
    • Änderungsantrag 90
      „14b. Förderung von Erdgas zu kommerziellen Zwecken aus Kohleflözen, wenn die Fördermenge 500.000 m³ pro Tag, ausschließlich der Förderung aus Sicherheitsgründen, übersteigt.“
    • Änderungsantrag 112
      „14a. Förderung von Rohöl und/oder Erdgas zu gewerblichen Zwecken, das in Schiefergasschichten oder anderen Formen von Felsablagerungen ähnlicher oder geringerer Durchlässigkeit und Porosität eingeschlossen ist, mit einer Fördermenge von mehr als 500 Tonnen oder 500.000 m³ pro Tag.
      14b. Förderung von Erdgas aus Kohleflözen, wenn die Menge 500.000 m³ pro Tag, ausschließlich der Förderung aus Sicherheitsgründen, übersteigt.“
    • Änderungsantrag 115
      „14a. Förderung von Rohöl und/oder Erdgas zu gewerblichen Zwecken, das in Schiefergasschichten oder anderen Formationen sedimentärer Quellgesteinsschichten ähnlicher oder geringerer Durchlässigkeit und Porosität eingeschlossen ist, mit einer Fördermenge von mehr als 500 Tonnen bzw. 500.000 m³ pro Tag.
      14b. Förderung von Erdgas aus Kohleflözen, wenn die Menge 500.000 m³ pro Tag, ausschließlich der Förderung aus Sicherheitsgründen, übersteigt.“

       

  5. Verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung = Beachtung und Umsetzung des Vorsorge- und Vorbeugeprinzips (Artikel 191 AEUV)[8]

    Der derzeitige Zustand stellt einen dauerhaften Verstoß gegen die umweltpolitischen Ziele und Prinzipien der Europäischen Union (Artikel 191 AEUV) und kann nicht länger hingenommen werden!

    Die schlechten Erfahrungen mit den Umweltauswirkungen – insbesondere aus den USA – zeigen auf, dass:

    • es notwendig ist gesetzlich klarzustellen, dass Fracking-Vorhaben einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterliegen müssen;
    • solche industriellen Vorhaben nicht ohne entsprechende Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt werden dürfen.

       

  6. Schreibt unseren Abgeordneten im EU-Parlament

    Es ist daher dringend notwendig, dass wir die Abgeordneten im EU-Parlament anschreiben und sie auffordern, für den Änderungsantrag 79 zu stimmen.

    Folgende Dokumente können hierfür verwendet werden:

    Hinweis 1: Schreibt insbesondere die Abgeordneten (MEP’s) aus den Reihen der EPP, ALDE und S&D an.

    Hinweis 2: Der Hinweis ist nicht 100 %ig verifiziert aber anscheinend verwendet der Server im EU-Parlament einen Filter, der alle Mails, in denen mehr als 5 Adressaten verzeichnet sind, in den Spam-Ordner schiebt. Achtet also vorsichtshalber darauf, dass eine zu versendende E-mail nie mehr als 5 Adressaten beinhaltet.

Aufgestellt: 29.09.13
Andy Gheorghiu, Korbach
BI Fracking freies Hessen / BI für ein lebenswertes Korbach
http://www.resolution-korbach.org
_______________________
Fußnoten:

[1] http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+REPORT+A7-2013-0277+0+DOC+XML+V0//DE
[2] http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//NONSGML+TA+20121121+SIT+DOC+PDF+V0//DE&language=DE
[3] http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-%2f%2fEP%2f%2fNONSGML%2bAMD%2bA7-2013-0277%2b001-083%2bDOC%2bPDF%2bV0%2f%2fDE
[4] http://ec.europa.eu/environment/eia/pdf/Annexe%202.pdf.pdf
[5] http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-%2f%2fEP%2f%2fNONSGML%2bAMD%2bA7-2013-0277%2b084-092%2bDOC%2bPDF%2bV0%2f%2fDE
[6] http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-%2f%2fEP2f%2fNONSGML%2bAMD%2bA7-2013-0277%2b109-113%2bDOC%2bPDF%2bV0%2f%2fDE
[7] http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-%2f%2fEP%2f%2fNONSGML%2bAMD%2bA7-2013-0277%2b114-125%2bDOC%2bPDF%2bV0%2f%2fDE
[8] http://dejure.org/gesetze/AEUV/191.html

Europa-Parlament (Foto: Felix König)

Europa-Parlament (Foto: Felix König))

 Veröffentlicht von am 30. September 2013
Sep 282013
 

Oil and Water on Battenberg

Oil and Water on the Wattenberg. Foto: Cliff Willmeng

Nach der Flut: Verursacher spielen Schadensbilanz herunter – Ausmaß des Disaster noch erst zu erahnen

Die Flut, die vor einer Woche den South Platte River in Weld County, Colorado, USA, hat anschwellen und die rund 1.900 Öl- und Gasquellen in seinem Tal mitreißen lassen, fließt ab gen „Big Muddy“ Missouri River und „Ol‘ Man River“ Mississippi River, auf dem Weg nach New Orleans, zum Meer. Wo einst die Pawnee ihr bescheidenes Leben lebten, hat längst die unmäßige Industrie das Land mit Förderquellen überzogen – ein fataler Fehler, wie sich jetzt herausstellt.

Es gibt etwa 20.000 Öl- und Gasquellen in Weld County; etwa 1.900 von ihnen hat die Industrie am Vorabend der Flut geschlossen, wie es heißt.[1] Der örtliche Industrieverband Colorado Oil and Gas Association und Colorados Gouverneur John W. Hickenloper werden nicht müde zu behaupten, es sei alles nicht so schlimm. „Nur“ etwa 37.800 Gallonen Öl seien bisher ausgelaufen, eine Menge die gerade mal 5 Prozent eines olympischen Schwimmbeckens füllen würden.

Geht man von der Faustformel aus, dass 1 Liter Rohöl etwa 1 Million Liter Wasser unbrauchbar machen, dann würde dieses Wasser fast 57.000 olympische Schwimmbecken füllen. Allein, es wird nicht bei der Kontamination des Wassers bleiben, auch der Oberboden mit seinen Wohngebieten, Acker- und Weideflächen wird vergiftet und müsste aufwändig saniert werden.

Tisha Conoly Schuller, Präsidentin des genannten Industrieverbandes, meinte laut New York Times: „In Relation zu den Regenmengen und den Millionen Gallonen ungeklärten Abwassers in der Flut sind 37.000 Gallonen recht wenig.” Der Gouverneur indes wies die Forderung von Umweltschützern zurück, die Öl- und Gasförderung im betroffenen Gebiet auszusetzen. Die Menge des ausgelaufenen Öls sei relativ gering, verglichen mit den Regenmengen, und außerdem habe die Flut auch noch andere Giftstoffe freigesetzt, als sie durch Industriegebiete, Viehmastanlagen und Kläranlagen rauschte.

Die staatliche Colorado Oil and Gas Conservation Commission erklärte am 26. September,[2] dass 12 „erhebliche“ Öl- und Gaslecks zu verzeichnen seien. Weiterhin gebe es 14 Bohrstellen mit „geringeren“ Lecks und etwa 60 mit sichtbaren Beschädigungen.[2] „Im Kontext mit diesem historischen Geschehen [gemeint ist die Naturkatastrophe Flut] sind diese Lecks nicht unerwartet,“ schreibt die Kommission in einer Stellungnahme. „Es hat durch die Flut viele weitere Verschmutzungsquellen gegeben, wie sehr große Mengen an ungeklärten, städtischen Abwässern und andere Gefahrstoffe, wie sie im Haushalt, in Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie vorkommen.“

ColoradooilspillDie Industrie unternimmt jede erdenkliche Anstrengung

Die Industrie wird jetzt jede nur denkbare Anstrengung unternehmen, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen, weiß[3] Cliff Willmeng, Familienvater und Fractivist in Weld County. Die Industrie wird versuchen, Öffentlichkeit wie Investoren davon zu überzeugen, dass sie alles unter Kontrolle hat und dass sie alles unternimmt, um den katastrophalen Schaden in erträglichen Grenzen zu halten, der sich gerade vor unser aller Augen entwickelt.

Anadarko, Ölmulti mit einem Jahresgewinn von 14 Milliarden US-Dollar und Eigentümer der ersten großen Lecks am South Platte River, hat großzügige 300.000 US-Dollar für die Fluthilfe gespendet.

Dass es „so schlimm nicht ist“, beweisen auch die Aufräumhelfer, die ohne Vollschutzanzüge arbeiten. Würde man Menschen in solchen HAZMAT-Anzügen sehen, käme vielleicht doch der Verdacht auf, dass sich eine größere Umweltkatastrophe anbahnt.

All dies, meint Cliff, ist das direkte Ergebnis der Kolonisierung des Landes durch die Öl- und Gasindustrie, mit der Unterstützung der Regierung. „Während Kohlenwasserstoffe im Boden versickern, zuckt die Umweltbehörde mit ihren kollektiven Schultern, und die Colorado-Flut zieht weiter nach Nebraska und darüber hinaus, und unsere Gemeinden sollen auch weiterhin den Lückenbüßer machen, wo Regierung, Gas und Öl die menschliche Gesundheit und Sicherheit vernachlässigen. Die Tragödie, von der wir alle ein Teil sind, fordert uns auf, unsere Entschlossenheit in jeder Hinsicht zu verstärken. Und wenn es um die Frage geht, was höher wiegt – das Schürfrecht oder die öffentliche Sicherheit und die demokratische Kontrolle unserer Welt -, dann wird dies die Frage sein, vor der sich weder die Industrie noch die Menschen in Colorado noch John W. Hickenloper drücken können. Colorado wird durch diese enormen Geschehnisse verändert werden, das ist sicher, und es werden die unglaublichen Anstrengungen unseres Volkes sein, die uns alle an einen höheren Standort bringen.“

[1] After the Floods in Colorado, a Deluge of Worry About Leaking Oil
New York Times , 27.09.13

[2] Colorado Oil Spills Hearing Called For By Rep. Jared Polis, Following Flooding
Huffington Post, 27.09.13

[3] Cliff Willmeng, Colorado: Oil and Water on the Wattenberg, 24.09.13

 Veröffentlicht von am 28. September 2013
Sep 272013
 

kranke erde, gesunder planetDie Fallstudie „The Social Costs of FRACKING – A Pennsylvania Case Study“ der NGO Food- & Water Watch vergleicht die Entwicklung bestimmter Erscheinungen und Kosten über ein Jahrzehnt hinweg – vor der breiten Einführung von Fracking in Pennsylvania bis 2005 und danach bis 2011. Dabei wird festgestellt, dass die in der nachfolgend übersetzen „Zusammenfassung“ enthaltenen Entwicklungen in direktem Zusammenhang mit der Häufigkeit der Frackplätze in der jeweiligen Region des Marcellus-Gasfeldes in Pennsylvania stehen. Je mehr gefrackt wurde, desto stärker zeigten sich auch die sozialen Belastungen der Gemeinden. Dazu wurden die Statistiken der 35 ländlichen Kreise von Pennsylvania untersucht. In 12 davon gibt es kein Fracking, in 23 findet Fracking statt, davon 8 mit der höchsten Fracking-Belastung.
Volker Fritz, Braunschweig im September 2013

Food- & Water Watch berichtet in der Fallstudie:

„Schon frühere ähnliche Untersuchungen von 1974 in Montana und 1977 in Nord Dakota zu Gemeinden die vom damaligen Kohleboom getroffen waren, ergaben, dass in diesen Gemeinden das Gemeinschaftsgefühl der Bewohner unter den hohen Belastungen zusammenbricht. „Depressionen, Scheidungen, Alkoholismus und Straftaten befallen die Gemeinden im „Wilden Westen“ der Energie“.

Für dieses Phänomen wurde das „Gillette-Syndrom“ als Bezeichnung gewählt, nach dem Örtchen Gillette in Wyoming. Eine Flut fremder Arbeiter strömt in die kleinen Gemeinden, verdient sehr viel Geld und kann damit in der Freizeit dort nichts anfangen. Das Überangebot an Männern sorgt für ein zunehmendes Gefühl der Unsicherheit bei den örtlichen Frauen“.

„Die heutige Entwicklung im Zusammenhang mit Fracking-Aktivitäten hat vergleichbare Belastungen für ländliche Gemeinden gebracht, einschließlich derer im Bundesstaat Pennsylvania. Beinahe alle Fracking-Arbeitsplätze werden während der Bohrphase benötigt und werden, zumindest anfänglich, mit Arbeitnehmern aus anderen Bundesstaaten besetzt, oder mit Zuzüglern, die wegen der Arbeit in die Gas-Förderstädte ziehen und zu einer Zunahme der Bevölkerung führen.

Die Folgen in Pennsylvania waren die Verdoppelung bis Verdreifachung der Hausmietkosten, wodurch örtliche Geringverdiener, die vorher ihr Leben aus eigener Kraft bestreiten konnten, öffentliche Unterstützung beantragen mussten, um die höheren Lebenshaltungskosten bestreiten zu können.

Die Ausdehnung von Bohren und Fracken ist begleitet mit bedeutenden Problemen für die Lebensqualität und die öffentliche Gesundheit in ländlichen Gemeinden von Pennsylvania.“

„Der Erdgas-Boom in Pennsylvania hat Tausende neuer Gasbohrungen gebracht, eine Anzahl durchreisender Arbeiter und eine Menge sozialer Probleme. Food & Water Watch fand heraus, dass Verkehrsunfälle, Unruhen in den Gemeinden und öffentliche Gesundheitsprobleme in den ländlichen Gemeinden von Pennsylvania zugenommen haben, seit der Schiefergas-Rausch im Jahre 2005 begann, wodurch die Lebensqualität der Bewohner der einst ländlichen Gebiete verschlechtert wurde. Konjunkturschwächen wie die Große Rezession sind oft mit negativen Auswirkungen verbunden, aber diese Kosten für Soziales und die öffentliche Gesundheit stiegen in ländlichen Gebieten mit neuen Schiefergasförderbohrungen stärker als in vergleichbaren ländlichen Gebieten ohne solche Bohrungen. Diese negativen sozialen Effekte waren besonders ausgeprägt in den Kreisen mit
der größten Dichte an Schiefergasbohrungen.

Die Öl- und Gasindustrie hat sich in der vergangenen Dekade stark ausgedehnt, durch den Einsatz der Kombination aus Horizontalbohrungen und Hydraulic Fracturing, um so das Gas aus Schieferlagerstätten und anderen Untergrund-Formationen herauszuholen. Beim Fracken werden große Mengen an Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in die Bohrung
gepumpt, um so das fest im Gesteinsverband gebundene Gas herauszulösen. Das Fracking hat sich schnell auf Gebiete überall im ganzen Land ausgedehnt. Aber Pennsylvania war das Epizentrum des Fracking-Booms der Nation mit fast 5.000 Schiefergasbohrungen, die zwischen 2005 und 2011 gebohrt wurden.

Der Fracking-Boom hat zu vielen Schwerlastkraftwagen geführt, die die ländlichen Straßen bevölkerten, sowie zu fremden Arbeitern, die kleine Städtchen überfluteten und die örtlichen Wohnhausmöglichkeiten, die Kapazitäten der örtlichen Polizei und der örtlichen öffentlichen Krankenhäuser oftmals überforderten. Der Zustrom an durchreisenden Arbeitern mit der Möglichkeit Geld auszugeben und mit wenig Beschäftigung in ihrer Freizeit ist ein Rezept für Ärger in den Kleinstädten Amerikas, wo alkoholbezogene Kriminalität, Verkehrsunfälle, Aufsuchung von Notfallambulanzen und sexuell übertragene Infektionen alle zugenommen haben.

Ein Großteil der nationalen amerikanischen Diskussion über Fracking war auf die offensichtlichen Umweltrisiken konzentriert, während die sozialen Kosten des Fracking weitgehend ignoriert wurden. Diese Studie ist die erste detaillierte Langzeitanalyse der sozialen Kosten des Fracking, die durch ländliche Gemeinden in Pennsylvania zu tragen waren.

Die Hauptergebnisse umfassen:

  • Fracking führt zu mehr Unfällen mit Schwerlast-LkWs: die Schwerlastunfälle stiegen um 7,2 % in Gebieten mit hohem Fracking-Einsatz (mit mindestens 1 Bohrung pro 15 Quadratmeilen) und fielen im gleichen Zeitraum in Gemeinden ohne Fracking um 12,4 % nach Beginn des breiten Frackens in 2005.
  • Fracking führt zu mehr Inhaftierungen wegen gesellschaftlicher Störungen: Inhaftierungen wegen ungebührlichen Benehmens stiegen um 17,1 % in Gebieten mit hohem Fracking-Einsatz, im Vergleich zu 12,7% in Gebieten ohne Fracking.
  • Fracking führt zu mehr sexuell übertragenen Infektionen: nach dem Fracken war die durchschnittliche Zunahme an Chlamydien-Infektionen und an Tripper in den ländlichen Kreisen mit hoher Frackingdichte um 62 % höher als in den Kreisen ohne Fracking.

Der Schieferöl und –Gas Boom erzeugt spürbare soziale Kosten, welche die Lebensqualität in ländlichen Gemeinden untergraben. Die Gemeinden und die Bundesstaaten müssen diese Kosten mit in Betracht ziehen, wenn sie die Zulassung des kontroversen neuen Öl- und Gas-Frackings erwägen.

Diese mit dem Fracking verbundenen sozialen Kosten demonstrieren ferner die kurzsichtige Investitions- und Expansionspolitik der Industrie der schmutzigen fossilen Brennstoffe. Die Vereinigten Staaten können sich von den fossilen Brennstoffen trennen, aber dazu wird eine Neugestaltung des U.S. Energiesystemes erforderlich sein, um die erwiesenen Lösungen für saubere Energie: Naturschutz, Effizienzsteigerung und Erneuerbare Energien herum.

Diese Umgestaltung der Energieversorgung würde das Fundament für ein breites und nachhaltiges Wirtschaftswachstum bilden und würde gleichzeitig die Umweltbelastungen, und die sozialen und gesundheitlichen Folgekosten der Förderung und der Verbrennung der fossilen Brennstoffe vermeiden. Und sie würde in eine Ära der wirklichen sicheren Energieverfügbarkeit, Unabhängigkeit und Widerstandsfähigkeit der USA überführen.

Originaltitel: „Die sozialen Kosten des Frackings – eine Fallstudie am Beispiel Pennsylvanias“ — „The Social Costs of FRACKING – A Pennsylvania Case Study“, Washington, September 2013
Kommentierte, ausschnittweise Übersetzung: Volker Fritz, Braunschweig

 Veröffentlicht von am 27. September 2013
Sep 202013
 

igbaugegenfrackingFracking gefährdet Grund- und Trinkwasser und Böden, die Entsorgung der Abfälle ist nicht geklärt, Fracking killt Jobs in Land- und Forstwirtschaft, die Erdgasgewinnung mittels Fracking ist entbehrlich — das sind einige der Argumente, die die IG Bau jetzt Position beziehen lassen. War sie vor rund zwei Jahren noch „nur reserviert“ dem Fracking gegenüber, fordert sie jetzt ein generelles Verbot. Jedenfalls so lange, wie eine Gefährdung für Umwelt und Mensch nicht restlos ausgeschlossen werden kann, wie die Umwelt-Gewerkschaft in ihrer Pressemeldung vom 12.09.2013 mitteilt:

Kein Risiko: Umweltgewerkschaft fordert Fracking-Verbot
IG BAU-Gewerkschaftstag: Energiewende ohne Fracking möglich

Umweltgewerkschaft erteilt dem Fracking eine Absage: Ein generelles Fracking-Verbot hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) am Donnerstag auf ihrem Gewerkschaftstag in Berlin gefordert. Die Technologie sei unausgereift und berge Risiken für die Umwelt. „Der Einsatz von Chemikalien gefährdet die Reinheit des Grund- und Trinkwassers und verschmutzt die Böden“, heißt es im IG BAU-Beschluss zum Fracking. Zudem seien die Entsorgungswege für die Abwässer des Frackingprozesses noch nicht geklärt.

Intakte Böden und funktionierende Ökosysteme seien Voraussetzung für die Land- und Forstwirtschaft. Fracking gefährde damit auch Arbeitsplätze in diesen Bereichen.

Die Gewinnung von Erdgas durch Fracking ist für die Energiewende entbehrlich, so die IG BAU. Die Umweltgewerkschaft beruft sich dabei auf den Sachverständigenrat für Umweltfragen. Ziel müsse eine soziale und ökologische Energiewende sein, die nachhaltige Arbeitsplätze schaffe und auf eine CO2-arme Energieversorgung setze. Notwendig sei ein zügiger Umbau der Energieversorgung. Die Nutzung erneuerbarer Energien und die Erhöhung der Energieeffizienz seien dabei zentrale Punkte. „Gerade auch durch eine beschleunigte energetische Gebäudesanierung kann in Deutschland Erdgas beim Heizen eingespart werden“, so die IG BAU.

Die Gewerkschaft fordert die neue Bundesregierung auf, Fracking grundsätzlich zu verbieten, solange eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit und eine Belastung der Umwelt nicht vollständig ausgeschlossen werden können.

 Veröffentlicht von am 20. September 2013