Okt 252013
 

Die Wümme bei Fischerhude. Foto: Heiner Otterstedt

Scheinbar intakte Natur: Die Wümme bei Fischerhude. Foto: Heiner Otterstedt

Dr. Manfred Damberg, Kreistagsabgeordneter: „Hier passiert jeden Tag eine Riesensauerei.“

Dr. Ulrich Windhaus, Landesbergamt: „Wir sind keine Handlanger für die Industrie.“

In Rotenburg/Wümme, Zentrum des seit den frühen 1960ern am heftigsten ausgebeuteten Kohlenwasserstoffareals in Deutschland, hat sich am vergangenen Mittwoch erstmals eine „Arbeitsgruppe Fracking“ konstituiert, die den Kreistag beraten soll. Unter dem Vorsitz der Grünen Landtagsabgeordneten Elke Twesten debattieren hier Angehörige von Bürgerinitiativen, lokaler Politik und Verwaltung, Wasserversorgungsunternehmen, Kreisabgeordnete und mit Dr. Ulrich Windhaus einem Vertreter derjenigen Behörde, die die Genehmigungen für den Bergbau in Norddeutschland verantwortet und die die tatsächlichen Abläufe bei der Erkundung, Förderung und Transport von Erdöl und -gas sowie die dazugehörige Abfallentsorgung mitverantwortet.

Die Rotenburger Kreiszeitung berichtet:

Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Bohrstelle Bötersen Z11, wo Fracking-Maßnahmen geplant sind und die fünf Verpressstellen für Lagerstättenwasser. Außerdem die im Raum Sittensen geplanten Erdölbohrungen. Abteilungsleiter Ulrich Windhaus vom Bergamt wies in diesem Zusammenhang darauf hin, Umweltminister Wenzel habe Z11 und das Fracking-Genehmigungsverfahren zu seiner persönlichen Sache gemacht. Außerdem stehe fest: „Ohne Umweltverträglichkeitsprüfung gibt es keine Genehmigung.“
… Elke Twesten: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir anhand der thematischen Ausrichtung – Fracking, Lagerstättenwasser und die sich ankündigende Frage um die Erdölförderung – die wichtigsten Handlungsfelder aufgemacht haben.“

Quelle: Rotenburger Kreiszeitung, 23.10.2013: Fracken, Verpressen, Erdöl fördern

Eine etwas zugespitztere Sicht auf diese erste Sitzung des Arbeitskreises gibt der Blog der BI „Kein Fracking in der Heide“ wieder:

Es stehen keine konkreten Aktionen der Erdölindustrie ins Haus, beruhigte Kreisrat Dr. Lühring. Und auch die Bürgermeisterin von Scheeßel wiegelte ab: PRD habe zugesagt, die Stadt in Kenntnis zu setzen, wenn sie konkrete Anträge zur erneuten Ausbeutung der schon früher aktiven alten Bohrstelle stellen. Sie habe aber von PRD bisher nichts gehört und gehe davon aus, dass also derzeit nichts zu befürchten sei…

Eine andere Ankündigung betrifft das Exxon-Projekt in Bötersen, wo Fracking zum Antragsvolumen gehört. Der LBEG-Vertreter berichtete, ein erster Antrag dazu sei von Exxon 2011 gestellt worden, aber als nicht prüffähig zurückgeschickt worden. Ein weiterer Antrag Ende 2012 wurde vom LBEG erneut als nicht prüf- und nicht genehmigungsfähig beschieden. Seitdem habe das LBEG von Exxon nichts mehr gehört. … Herr Windhaus vom LBEG betonte dazu: nach Ansicht des LBEG ist die Förderung von gefracktem Erdgas aus oberflächennahen Schiefergesteinen (unkonventionelle Lagerstätten) derzeit und in absehbarer Zeit nicht genehmigungsfähig. … Unser Problem sei also aktuell, was man bei konventionellen Vorkommen von Erdgas und Erdöl beachten müsse.

Im Kreis Rotenburg gibt es fünf Verpressstellen, in die seit mehreren Jahrzehnten die giftigen Abwässer aus der Öl- und Gasförderung versenkt werden. Bisher sind fast vier Millionen Kubikmeter in die Erde gepresst worden, … Der Bürgermeister der Gemeinde Wittorf, wo RWE Dea seit Jahren mehr Lagerstättenwasser verpresst als genehmigt wurde, stellte die eindeutige Forderung: Stopp der Verpressung sofort! In der Umgebung gibt es z.T. hundert Jahre alte Bohrungen, die die angeblich nach oben abdeckende Tonschicht durchlöchert haben. Keiner weiß, wo die giftigen Wässer jetzt schon angekommen sind. Die Vergiftung des Trinkwassers ist eine Frage der Zeit.

Quelle: BI „Kein Fracking in der Heide“: Die schmutzigen Dollars von Exxon…

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Landkreis Rotenburg. Bislang wird giftiges Abwasser aus der Erdgasförderung einfach ins Erdreich gepumpt. Das soll bald vorbei sein, heißt es vom Landesbergamt. „Wir haben die Industrie aufgefordert, bis Ende 2014 neue Entsorgungskonzepte fürs Lagerstättenwasser vorzulegen“, sagte ein Behördenvertreter jetzt im Rotenburger Kreishaus. Das Abwasser müsse so gereinigt werden, dass es völlig unbedenklich ist.

 Veröffentlicht von am 25. Oktober 2013

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