Nov 212013
 

Das Braunkohlekraftwerk Weisweiler und seine Kohlegrube Inden, NRW

Das Braunkohlekraftwerk Weisweiler und seine Kohlegrube Inden, NRW (Foto: Carin Schomann @bohrplatz.org)

Es sind nur ganz wenige, nämlich rund 90 von Tausenden Unternehmen, die zwei Drittel des menschgemachten Klimawandels seit Beginn der Industrialisierung zu verantworten haben. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Richard Heede, Klimaforscher in Colorado, USA, die demnächst in der Fachzeitschrift Climate Change (Springer) erscheinen wird.

Ganz oben auf der Liste der 90: Die Produzenten von Erdöl, Erdgas und Kohle. Die Öl- und Gasproduzenten ExxonMobil, Chevron, Royal Dutch Shell und BP sowie die Kohleproduzenten British Coal Corp, Peabody Energy und BHP Billiton sind auch hier führend. Etwa 50 privatwirtschaftliche Unternehmen stehen auf der Liste, 31 sind staatliche Unternehmen wie Aramco (Saudi-Arabien), Gazprom (Russland) und Statoil (Norwegen). Gelenkt werden diese Unternehmen von ganz wenigen:

 

„Es gibt Tausende Öl-, Gas- und Kohleproduzenten auf der Welt“, wird der im amerikanischen Bundesstaat Colorado arbeitende Klimaforscher und Studienautor Richard Heede zitiert: „Aber die Entscheider, die Firmenchefs oder die Öl-Minister (…) hätten Platz in nur ein oder zwei Greyhound-Bussen“. (FAZ, 22.11.2013)

Auf dem eben zu Ende gegangenen Weltklimagipfel in Warschau haben diese Entscheider massiv Lobbyarbeit verrichtet und ihre falschen Lösungen propagiert, die da lauten: Weiter so und noch ein bisschen mehr von allem.

Dabei ist, wie aus Heedes Studie klar wird, die Hälfte der bisherigen Emissionen gerade mal in den letzten 25 Jahren ausgestoßen — als längst schon klar war, dass die zunehmend anfallenden Klimagas-Emissionen aus der Verbrennung von Kohle und Öl den gefährlichen Klimawandel verursachen.

Half of the estimated emissions were produced just in the past 25 years – well past the date when governments and corporations became aware that rising greenhouse gas emissions from the burning of coal and oil were causing dangerous climate change.(Richard Heede, zit. n. The Guardian, 20.11.2013)

Ex-US-Vizepräsident und Klimaaktivist Al Gore begrüßte Heedes Studie, meinte laut The Guardian, dass eine neue CO2-Budgetierung die Debatte neu aufrollen könnte, wer eigentlich schuld ist an der Klima-Krise.

Das Braunkohlekraftwerk Weisweiler (Foto) steht weiter unten auf der Liste der weltweiten Klimakiller und kann als Vergleich dienen, um das Ausmaß der katastrophalen Luftverschmutzung zu erahnen. Sein Schadenskonto beläuft sich „nur“ auf geschätzte 824 – 1135 Mio Euro — u.a. wegen „bescheidener“ 19 Mio Tonnen ausgestoßenen CO2 und einen schlappen halben Tonne Feinstaub im ganzen Jahr 2011. Damit steht Weisweiler zwar auf Platz 9 der 28.000 von der Europäischen Umweltagentur untersuchten klimabelastenden Emittenten, sieht aber gegen die „Großen“ wie ein Waisenknabe aus.

Fracking beschleunigt den Klimawandel
33 Initiativen und NGOs haben die Regierungsparteien darauf hingewiesen: Exploration und Produktion von unkonventionellem Gas/Öl belasten das Klima durch eine 3- bis 15-mal höhere CO2-Belastung als bei konventionellem Gas/Öl; unverbrannt in die Atmosphäre entweichendes Methan (in mehreren Feldern nachgewiesen bis über 10 % der Produktion) ist ein 25- bis 40-mal wirksameres Klimagas als CO2. Experten gehen heute davon aus, dass die Klimabilanz des Fracking nicht besser ist als die von Kohle.

 Veröffentlicht von am 21. November 2013

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