Sep 302014
 

 

Programmhinweis. Donnerstag 02.10.2014 um 21.45 Uhr

Nach den letzten gezielten Berichten des Politmagazins #Panorama und den teilweise zeitgleich erfolgten Propaganda Anzeigen von ExxonMobil berichten auch manche Politiker der Regierungskoalition in Berlin davon, dass Fracking für Deutschland in der Zukunft unbedingt notwendig ist. Diese These unterstützen manche Gutachter der Bundesregierung. Doch sind diese Experten wirklich neutral und wem nützt Fracking in Deutschland? Darüber berichtet Monitor am Donnerstag 02.10.2014 um 21.45 Uhr. monitor

Sep 292014
 
„End fracking now / let’s save the water / and build a life for our sons and daughters.“

20130612_ZamaCity_Spill_whos_gonna_stand_up„Who’s gonna stand up and save the world“ – Wer steht auf und rettet die Welt, so lautet der Refrain in Neil Youngs neuem Stück „Stand Up and Fight“. Young schrieb dieses Stück als Hymne für die Klimabewegung.

Young steht so sehr hinter diesem Song, dass er drei ganz unterschiedliche Versionen davon herausgebracht hat. Die Crazy-Horse-Version, die zu hören ist, wenn man das Bild anklickt, wurde am 26.09.2014 in Liverpool live aufgenommen. Weiter gibt es eine Solo-Acoustic-Version und eine grandiose Orchesterversion mit 92 Instrumenten und Chor, die in diesem Beitrag im Rolling Stone verlinkt ist.
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Text:

Protect the wild, tomorrow’s child
Protect the land from the greed of man
Take down the dams, stand up to oil
Protect the plants, and renew the soil

Who’s gonna stand up and save the earth?
Who’s gonna say that she’s had enough?
Who’s gonna take on the big machine?
Who’s gonna stand up and save the earth?
This all starts with you and me

Damn the dams, save the rivers
Starve the takers and feed the givers
Build a dream, save the world
We’re the people know as earth

Who’s gonna stand up and save the earth?
Who’s gonna say that she’s had enough?
Who’s gonna take on the big machine?
Who’s gonna stand up and save the earth?
This all starts with you and me

Ban fossil fuel, draw the line
Before we build, one more pipeline
Ban fracking now, save the waters
And build a life, for our sons and daughters

Who’s gonna stand up and save the earth?
Who’s gonna say that she’s had enough?
Who’s gonna take on the big machine?
Who’s gonna stand up and save the earth?
This all starts with you and me

Who’s gonna stand up
Who’s gonna stand up
Who’s gonna stand up
Who’s gonna stand up
Who’s gonna stand up

 Veröffentlicht von am 29. September 2014
Sep 292014
 

Zur Vorbereitung der Bundesratsmitglieder sandten Mitglieder des BBU einen informativen Brief, verbunden mit dem dringenden Appell, die Augen gegenüber den Gefahren des Fracking nicht zu verschließen.

BBU, Bonn, c/o Oliver Kalusch
An die Mitglieder des Umweltausschusses
des Bundesrates
– nur per Email –

Sitzung des Umweltausschusses des Bundesrates –
Ergänzende Informationen zur Behandlung des Themas Fracking

3.9.2014

Sehr geehrte Damen und Herren,

am Donnerstag, dem 4.9.2014 stehen die Rechtsänderungsentwürfe und Vorschläge der
Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hessen und Baden-Württemberg auf
der Tagesordnung der Sitzung des Umweltausschusses des Bundesrates.

Als bundesweit agierender Dachverband zahlreicher Bürgerinitiativen, insbesondere zum
Thema Fracking, sind wir besorgt, dass mit den vorliegenden Entwürfen der Bundesländer
der Gewinnung von Erdgas mittels der Methode des Hydraulic Fracturing der Weg geebnet
wird. Fracking in Kohleflözen, Schiefergestein oder Sandstein gefährdet die Gesundheit
der Menschen und die Umwelt, unabhängig davon, ob es mit oder ohne „umwelttoxische
Stoffe“ erfolgt oder in welcher Tiefe es stattfindet.

Mit Besorgnis stellen wir fest, dass in den letzten Tagen von interessierter Seite
kampagnenartig Werbung für Fracking betrieben wird. Wir gehen davon aus, dass die
Lobby der Gasindustrie Sie und damit die Entscheidung von Bundesrat und Bundestag in
ihrem Sinne beeinflussen will.

Aus diesem Grund erlauben wir uns, ihnen über die Ihnen sicherlich bereits bekannten
Fakten hinaus weitere Informationen über den zu Unrecht als vorbildlich dargestellten
niedersächsischen Dialogprozess zu Fracking und die Fracking-Erfahrungen in
Niedersachsen zur Verfügung zu stellen. Desweiteren möchten wir Ihnen neue
Erkenntnisse hinsichtlich der von Fracking ausgehenden Risiken und Umweltgefahren
darstellen. Diese Informationen sind weiter unten aufgeführt. Sie wurden vom BBU und
seinen Mitgliedsinitiativen zusammengestellt.

Wir appellieren an Sie, auf der Grundlage dieser Erkenntnisse den
Rechtsänderungsentwürfen der vier Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein,
Hessen und Baden-Württemberg nicht zuzustimmen. Wir möchten betonen, dass lediglich
ein ausnahmsloses Fracking-Verbot den erforderlichen Schutz der Gesundheit und der
Umwelt gewährleisten kann. Wie der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags
festgestellt hat, begegnet ein derartiges Fracking-Verbot auch keinen rechtlichen
Bedenken; Grundrechte werden nicht verletzt. In diesem Sinne bitten wir Sie, sich für ein
ausnahmsloses Fracking-Verbot zu entscheiden und dem Bundestag einen
entsprechenden Vorschlag zu unterbreiten.

Begriffsumdeutungen
Seitens der niedersächsischen Landesregierung wird derzeit im Einklang mit der Industrie
versucht, den Begriff der unkonventionellen Gasförderung umzudeuten. Bislang und
international üblich ist eine Klassifizierung anhand der Durchlässigkeit (Permeabilität) der
Lagerstätte. International ist 0,1 Millidarcy (mD) üblich, wobei Niedersachsen hingegen
schon ab 0,6 mD 75% Rabatt auf die Förderabgabe gewährt. Zugleich folgt aus der
Durchlässigkeit die etwaige Notwendigkeit des Frackens, sodass auch das Frac-
Erfordernis alternativ als Kriterium zur Unterscheidung gesehen wird.

Um die sich gegen unkonventionelles Erdgas aussprechende Formulierung des eigenen
Koalitionsvertrags zu unterlaufen, versucht die niedersächsische Landesregierung im
Einklang mit der Industrie nun, stattdessen in Speichergesteine und Muttergesteine zu
unterscheiden. Ziel dessen ist es, sogenanntes Tightgas trotz der Fracking-Erfordernis als
konventionell zu titulieren. Damit versucht man, es mit echt-konventioneller, frackingfreier
Gasförderung gleichzusetzen, ja sogar zu suggerieren, dass jegliche Gasförderung auf
Fracking angewiesen sei. 70% der deutschen Produktion kommt jedoch ohne Fracking
aus, nur etwa ein Drittel wird gefrackt.

Ebenfalls tauchten in den letzten Wochen Medienberichte auf, die augenscheinlich das
Frac-Verfahren selbst in konventionell und unkonventionell zu unterscheiden versuchten.
Wenn überhaupt, ist hier lediglich eine Abgrenzung von reinen Wasserfracs unter
Ausnutzung vorhandener Scherspannungen (üblich in der Geothermie) von den
Stützmittel-Gel-Fracs der Erdgasförderung sinnvoll. Hinsichtlich der Gaslagerstätten
unterscheiden die Verfahren sich kaum. Einzelne Risikoaspekte mögen sich untereinander
leicht anders gewichten, eine generelle Unbedenklichkeit des Tightgas-Frackings kann
jedoch keineswegs attestiert werden. So sind beispielsweise die Chemikalien tendenziell
kritischer als in Schiefergas-Vorhaben.

Eine Aufstellung unzähliger Fundstellen für die Zuordnung von Tightgas als
unkonventionell findet sich im Beitrag der Bürgerinitiativen zum niedersächsischen
Fachgespräch:
http://www.gegen-gasbohren.de/wp-content/uploads/2014/06/FG_2_kom.pdf

Illusion der Einbindung niedersächsischer Bürgerinitiativen

Dem Protokoll der Bundesratssitzung vor der Sommerpause ist zu entnehmen, dass Herr
Lies damit zu werben versuchte, dass an den Landeserlassen doch die Bürgerinitiativen
mitgearbeitet hätten. Nachdem der erste Termin eines „Fachgesprächs
Umweltverträglichskeitsstudie für Fracking“ ohne wirkliche inhaltliche Erkenntnisse
verstrich, wurde zum zweiten Fachgesprächstermin ein angekündigter Vortrag der
Bürgerinitiativen massivst versucht zu verhindern.

Eine daraufhin zur Klärung der ausstehenden Fragen seitens der BIs vorgeschlagene
Tagesordnung für das folgende Gespräch wurde zurückgewiesen, stattdessen die weitere
Erarbeitung in eine behördeninterne Arbeitsgruppe verlagert. Es folgten noch zwei lediglich
zweistündige Nachmittagstermine, die im Wesentlichen nur noch der Ergebnis-Darstellung
der Behördenrunde dienten. BIs und Verbändevertreter waren von der Erarbeitung defakto
ausgeschlossen wurden.

Eine von Herrn Wenzel gegenüber dem Umweltausschuss des Landtags angekündigte1
Veröffentlichung etwaiger Eingaben zur öffentlichen Kommentierung eines Zwischenstands
wurde nicht eingelöst, sondern die Anfrage nach abgegebenen Stellungnahmen vom
Büroleiter zurückgewiesen.

Eine ausführliche Dokumentation des Fachgesprächs findet sich hier:
http://www.gegen-gasbohren.de/wp-
content/uploads/2014/09/Chronik_FG_Fracking_2014_8.pdf

Fracking-Erfahrung in Niedersachsen

Herr Lies verkündete am 17.3., dass man genügend über Schiefergas wisse, um es in
Niedersachsen verbieten zu wollen. Auf die in der Pressekonferenz gestellte Frage, worauf
sich denn dann die Landesregierung stütze, dass sie demgegenüber das Fracken von
Tightgas schnellstmöglich wieder aufnehmen möchte, blieb er jedoch eine inhaltliche
Antwort schuldig.

Die Daten des Landesbergamts (LBEG) können es wohl nicht sein. Denn wenngleich seit
50 Jahren gefrackt wurde – davon jeder vierter Frac in (oder nahe <2km) Wasserschutzgebieten – fehlt es bis heute an einer systematischen Aufarbeitung. Meiners et. al. fragten 2011 für das NRW- und erste UBA-Gutachten nach Umweltdaten2, die nicht geliefert wurden mit dem Hinweis, dass man gerade eine Datenbank erstelle. Diese ist jedoch bis heute nicht verfügbar. Eine vom LBEG veröffentlichte Liste3 bisheriger 150 gefrackter Bohrungen nach Recherchen der BIs unvollständig, mindestens sieben weitere Bohrungen fehlen. Derweil musste das LBEG eingestehen, dass ohnehin bislang keine systematischen Monitorings begleitend zu den Vorhaben erfolgten. Die Aussage, dass keine Schäden bekannt geworden seien, ist entsprechend wenig wert. Technische Fehlschläge und Schäden gab es hingegen nachweislich, so ist beispielsweise die Bohrung Wittorf Z1 durch die Frac-Behandlung beschädigt4 worden und war nicht mehr befahrbar. Es folgte später ein Umbau zur Versenkbohrung mit sehr viel geringerer Tiefe. Demonstrationsvorhaben Die im nordwestdeutschen Raum auftretenden Schieferschichten sind aufgrund Ihrer flacheren Lage unzählige Male für herkömmliche Gasbohrungen durchteuft worden und in vielen Parametern grundsätzlich bekannt, doch gelten diese Erkenntnisse als Betriebsgeheimnisse.Zudem wurden im Rahmen von Exxons Schiefergassuche bereits eine Reihe von Bohrungen (Schlahe, Lünne, Oppenwehe, Niedernwöhren, 2x Damme) abgeteuft, sowie drei Fracs im Schiefergesteint durchgeführt. Entgegen allen zu etwaigen Demo-Projekten gelobten Transparenz-Beteuerungen der Industrie zeigt sich, dass auch hier praktisch keine Informationen zu erlangen sind. Grundsätzlich ist es fraglich, inwiefern einzelne Vorhaben überhaupt eine Unbedenklichkeit bescheinigen könnten. Auf eine einzelne Bohrung betrachtet ist die Eintrittswahrscheinlichkeit gravierender Schäden in der Größenordnung von 1% zu gering, um eine Beurteilung anhand weniger Vorhaben zu ermöglichen. Umgekehrt ist die vom UBA prognostizierte Anzahl von fast 50.000 Bohrungen hingegen zu hoch, um als Restrisiko vernachlässigt zu werden. Zweites UBA-Gutachten Basierend auf einer im Januar vorgestellten vorab-Fassung wurde eine umfangreiche Stellungnahme durch den Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU) in Zusammenarbeit mit mehreren Bürgerinitiativen erstellt. Wenngleich bei der Vorstellung der Endfassung eine skeptische Haltung des UBA in den Medien vermittelt wurde, zeigt das Gutachten selbst erhebliche wissenschaftliche Defizite. Die Kritik trifft in den meisten Punkten auch weiterhin auf die endgültige Fassung zu. http://www.gegen-gasbohren.de/wp- content/uploads/2014/05/BBU_Stellungnahme_zum_2UBA_Frackinggutachtenentwurf.pdf Rissbildung Eingeschränkte Betrachtung ausschließlich der Risszone als solches Grundsätzlich ist zu unterscheiden in eigentliche Risslängen, Vordringweite der Fracfluide und Reichweite der Druckspitzen. Im Allgemeinen findet heute nur Ersteres in der Betrachtung Berücksichtigung, während tatsächlich zum Einen ein Teil der Fracfluide ins Gebirge sickert (insbesondere bei den durchlässigeren Sandstein-Lagerstätten). Zum Anderen die Druckübertragung durch Verdrängung wesentlich weiter reichen kann. So konnten in der Vergangenheit Druckspitzen noch in über zwei km Entfernung festgestellt werden.5 -5- Unsicherheit in der Rissausbreitung Sauter sprach während der DGMK6-Tagung 2013 davon, dass man Risslängen bislang vor allem beobachtet und danach die Simulationsmodelle passend parametriert habe. Der eigentliche Mechanismus sei jedoch noch nicht ausreichend verstanden, somit die Anwendungsgrenzen der Modelle unsicher. Die Arbeiten von Hou7 zeigen als Nebenresultat, dass verschiedene Frac-Simulatoren Abweichungen in den Rissdimensionen bis zu 50% aufweisen8. Zudem bestätigt sich in Forschungsbericht 680-2, dass erst nach umfangreicher Anpassung des Algorithmus akzeptable Ergebnisse erzielt wurden. Beispiel: Stellungnahme des Gewässerkundlichen Landesdiensts zum Vorhaben Düste Z10: Entscheidendes Kriterium ist hier ausschließlich die Risszone, welche keine bekannten Störungenzonen beträfe. Es wird weder die darüber hinausragende Flüssigkeitsfront, noch eine mögliche horizontale Druckübertragung in die Nachbarbohrung Düste Z9 (welche trotz sich kreuzender Bohrspur gar nicht erst erwähnt wird) noch ein Sicherheitsfaktor für die Unsicherheit der Riss-Prognose berücksichtigt. In der kanadischen Bitumen-Förderung trat in Folge von Dampf-Injektionen eine Rissbildung bis an die Oberfläche auf. Bezeichnend ist dabei, dass das verflüssigte Bitumen sich mit deutlichem horizontalen Versatz in durchlässigeren Schichten sich jeweils lokale Schwachstellen in den dichtenden Schichten „suchte“, durch die es treppenförmig bis zur Oberfläche dringen konnte.9 (Grafische Darstellung des kanadischen Ereignisses – hier nicht abgedruckt) Altbohrungen Erfahrung aus Kanada In manchen Ölfeldern Kanadas wird bereits jedes dritte Bohrloch von Nachbarvorhaben „angefrackt“,10 sodass Flüssigkeiten eindringen und die Anlagen beschädigen. Zunächst nahm man die benachbarten Bohrungen außer Betrieb, musste jedoch feststellen, dass dann die Rohre häufig untertage barsten. Inzwischen lässt man die Nachbarbohrungen gezielt offen und installiert Überlauf-Tanks um die hinausdrängenden Flüssigkeiten aufzufangen. Dieses funktioniert jedoch nur bei noch aktiven Bohrungen. Verfüllte oder inaktive Bohrungen unterliegen dem Berst-Risiko des durch Nachbar-Fracs beaufschlagten Steigrohrs. Ebenso trat gehäuft ein Versagen der Ringraum-Abdichtungen auf, sodass sich Flüssigkeiten auf der Außenseite der Bohrlochauskleidung nach oben drückten. Dieses bleibt wie auch berstende Alt-Verrohrungen häufig von der Oberfläche aus betrachtet unbemerkt. Datenlage Eine Untersuchung der Universität Durham11 versuchte Daten über Altbohrungen in Erfahrung zu bringen. Das ernüchternde Fazit konstatierte, dass in Europa kaum diesbezügliche Daten zugänglich sind. Auch das zweite UBA-Gutachten führt aus, dass von 10% der niedersächsischen Bohrungen keine Angaben zum Verfüllungsstatus bekannt sind. Eigene Recherchen mit Hilfe der niedersächsischen Bohrdatenbank weisen sogar für 5000 der 21.000 hinterlegten Bohrungen keine Angaben zum Verfüllstatus aus. Zustand der Altbohrungen Bei den verfüllten Bohrungen stellt sich darüber hinaus die Frage, wie dicht sie heute noch sind. Dieser Aspekt ist jedoch mangels Zugänglichkeit nicht mehr zu kontrollieren. Für mindestens zwei Gebiete weist das niedersächsische Bergamt den Vermerk „vagabundierende Gase“ (Erdgasfeld Voigtei) bzw. „Gasentweichungsfläche“ (Speicher Engelbostel) in der Darstellung der Bergbaubeeinflussungsbereiche aus. Unrealistische Annahme von Idealfällen Die in der Fracking-Diskussion behandelten Szenarien gehen zumeist von idealen Rahmenbedingungen aus. Tatsächlich jedoch sind Fehlschläge beim Bohren an der Tagesordnung, welche bei festsitzendem Meißel/Gestänge auch häufig zur Aufgabe des Bohrlochs führen bzw. eine neue Ablenkung oberhalb der Blockade erfordern. Hierbei bleiben die aufgegebenen Abschnitte von etlichen hundert Metern unverfüllt und unzementiert zurück, ein ordnungsgemäßes Verfüllen scheitert an der Blockade. Diese Umstände werden in der Diskussion weitestgehend vernachlässigt. Dabei zeigt die Praxis, dass in Niedersachsen auch bei solcher Überbrückung von 1000m Deckgebirge großzügig ein Fracken der abgelenkten Strecken genehmigt wurde. Siehe Bohrlochbild Völkersen Z7. Zementierung Der DGMK-Forschungsbericht 652 untersucht die Alterungsbeständig von Bohrlochzementen. Unter nachgestellten Lagerstättenbedingungen zeigen die für Tiefen bis 3000 m verwendeten Standardrezepturen erhebliche Zersetzungserscheinungen bereits nach wenigen Wochen. Während man neue Bohrungen zwar mit Spezialzementen erstellen kann, bleiben die Bestandsbohrungen mit ihrer fraglichen Zementierung ein Risiko, das praktisch nicht mehr zu beseitigen ist. Ferner zeigt ein weiterer DGMK-Forschungsbericht 698 auf, dass eine Verdrängung der Bohrspülung durch den Zement nur unzureichend erfolgt und sich zumeist Durchmischungen mit Spülungsresten ergeben sowie Lagen von Spülungsreste an den Wandungen von Casing-Rohr und Gebirge verbleiben. Diese Schwächen in der Zementierung bilden potentielle Ausbreitungspfade für aufsteigende Gase, verdrängtes Lagerstättenwasser und/oder Fracfluide. Wie wenig zuverlässig sich Schäden an Bohrungen tatsächlich feststellen lassen, zeigt der Ölaustritt aus dem Kavernenspeicher bei Gronau. Eine auf den registrierten Druckabfall veranlasste Untersuchung blieb ohne Erkenntnis, bis Wochen später das Öl auf einer Wiese aus dem Boden quoll... Frac-Rezepturen Neue Erfahrungen aus Polens Schiefergassuche zeigen eine Rückkehr zu den Chemikalien-trächtigeren crossed linked-Gelen12 statt der sogenannten Slickwater- Rezepturen, die man bislang als vergleichsweise chemikalienarme Zukunft im Schiefergas sah. Im Bereich des Tightgas benötigt man aufgrund der poröseren Lagerstätte ohnehin stärker gelierte Mischungen, um ein Versickern ins Gebirge zu vermeiden. Zudem erschweren die hinsichtlich Druck und Temperatur deutlich extremeren Lagerstättenparameter, harmlosere Ersatzstoffe zu finden. Klimabilanz Gleich mehrere Untersuchungen des staatlichen US-Atmosphärenforschungsinstituts NOAA zeigen erhebliche Methanleckagen13 in den amerikanischen Gasfeldern. Dabei wurden tatsächliche Luftmessungen herangezogen, welche in der Spitze auf Methanverluste von 12% der Feldesproduktion deuten. Dieses Bild bestätigte sich innerhalb der letzten zwei Jahren in mehreren Feldern. Die Forscher gehen davon aus, dass die inventarbasierten Abschätzungen auf Basis von Industrie-Angaben zu optimistisch ausfallen. Für Deutschland sind leider keine vergleichbar erhobenen Daten verfügbar. Auch hier basieren die verfügbaren Zahlen zu Leckageraten auf inventarbasierten Abschätzungen des Branchenverbands. Ingraffea14 zeigte auf, dass in den USA gerade die neueren, horizontal abgelenkten und mehrfach gefrackten Bohrungen besonders hohe Versagensraten bei der Zementierung aufweisen und entsprechend größere Mengen des Treibhausgases Methan emittieren. Grundwasserbeeinträchtigungen Die DEP als staatliche Umweltbehörde Pennsylvanias veröffentlichte jüngst eine Sammlung von 243 Vorfällen15, in denen Grundwasser in Folge der Bohraktivitäten allein in den letzten sechs Jahren in Pennsylvania kontaminiert wurde. Auch die in Texas veröffentlichten Daten16 über vorgefallene „well control incidents“ zeigen ein erhebliches Schädigungspotential auf. Osborn et.al.17 sowie Jackson et.al.18 weisen eine deutliche Korrelation von stark erhöhten Methankonzentrationen im Grundwasser und der Nähe zu Erdgasbohrungen nach. Fontenot et.al.19 zeigten ein Auftreten von Ethanol, Barium und Arsen im Grundwasser in der Nähe von Förderplätzen, was auf einen stofflichen Austausch zwischen Tiefenwasser und nutzbarem Grundwasser deutet bzw. eine Folge verdrängte Tiefenwassers sein kann. Seismizität In der britischen Schiefergas-Bohrung Preese Hall ereigneten sich während des Frackens selbst zwei Erdstöße, die zudem das Bohrloch beschädigten20. Auch in der Siedlung Poland, Ohio21, wurde eine Erdbebenserie von den Behörden eindeutig auf die Frac-Behandlungen als solches zurückgeführt und Vorhaben vorerst gestoppt. Erst gestern, am 2.9., ereignete sich zudem wieder ein Erdstoß22 in den niedersächsischen Gasfeldern. Die Beben zuvor in Völkersen und bei Syke gingen jeweils mit Schäden an Gebäuden einher. Inzwischen werden von Bergamt und BGR sämtliche Beben Mittelniedersachsens nachträglich als von der Erdgasförderung verursacht angesehen. Als Mechanismus favorisiert man hier die Absenkung des Lagerstättendrucks in Folge der Förderung als Ursache. Mit freundlichen Grüßen Für den BBU Oliver Kalusch Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands des BBU (Bohrlochgrafik – hier nicht dargestellt) Fußnoten 1 Niederschrift über die 23. - öffentliche - Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Klimaschutz am 17. März 2014 2 http://www.wn.de/NRW/2012/09/NRW-Experten-ueberrascht-von-Antwort-aus-Hannover-Niedersachsen-hat-keine-Fracking- Umweltdaten 3 http://www.lbeg.niedersachsen.de/download/82740/Liste_Fracking-Massnahmen.pdf 4 Sonderbetriebsplan Wittorf Z1 zur Teilverfüllung und Umstellung auf Versenkbetrieb 5 http://thetyee.ca/Opinion/2014/07/02/What-is-Missing-from-Fracking-Debate/ 6 Deutsche wissenschaftliche Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle e.V. (DGMK) 7 DGMK-Forschungsbericht 680-1: Numerische Untersuchungen zur Frac-Ausbreitung in Tight Gas Reservoirs mit dem FDM- Programm FLAC3D 8 Hou, Vortrag „Fracausbreitung“, Statusbericht des InfoDialogs, 18.6.2013 9 CNRL Primrose Flow to Surface Causation Report 10 http://www.ernstversusencana.ca/as-frack-hits-grew-in-alberta-regulator-aer-takes-action-but-years-too-late-high- pressure-frac-hits-have-been-damaging-hydrocarbon-wells-for-decade 11 http://www.bbc.co.uk/news/science-environment-26692050 12 http://brandpetrogas.blogspot.de/2014/08/shale-fracking-in-poland3legs-have.html 13 http://cires.colorado.edu/news/press/2013/methaneleaks.html 14 http://www.pnas.org/content/111/30/10955.full.pdf 15 http://files.dep.state.pa.us/OilGas/BOGM/BOGMPortalFiles/OilGasReports/Determination_Letters/Regional_Determin ation_Letters.pdf 16 http://www.rrc.state.tx.us/data/drilling/blowouts/index.php 17 https://nicholas.duke.edu/cgc/pnas2011.pdf 18 http://sites.nicholas.duke.edu/avnervengosh/files/2012/12/PNAS_Jacksonetal2013.pdf 19 http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/es4011724 20 https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/48330/5055-preese-hall-shale- gas-fracturing-review-and-recomm.pdf 21 http://www.vindy.com/news/2014/mar/10/breaking-news-odnr-halts-shale-drilling-lowellvill/
22
http://www.lbeg.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=564&article_id=127502&_psmand=4

 Veröffentlicht von am 29. September 2014
Sep 282014
 

fracking_cameron

Zuständige Minister weisen über 40.000 Einwendungen gegen die Gesetzesänderung zurück

Ab jetzt kann Fracking auch unter den Wohnhäusern von Briten stattfinden, ohne dass die Hausbesitzer ihr Einverständnis abgeben müssen. Dies berichtete am Freitag The Guardian. Die britische Regierung argumentierte, dass die vorige Befugnis von Grundbesitzern, Fracking unter ihrem Eigentum zu untersagen, für die Frack-Unternehmen zu signifikanten Verzögerungen bei den Zulassungsverfahren führen würde und dass das Rechtsverfahren, mit dem die Unternehmen Zulassungen erzwingen können, kostspielig, zeitraubend und unverhältnismäßig sei.

Insgesamt 40.647 Stellungnahmen zu der geplanten Gesetzesänderung waren aus der britischen Bevölkerung gekommen. Die Gesetzesänderung soll den Öl- und Gasunternehmen Zutritt zum Untergrund unter Privatgrundstücken ohne Einwilligung des Eigentümers geben. 99 Prozent der Einwender sprachen sich gegen die Gesetzesänderung aus. Die 28.821 Einwendungen, die via NGOs gesammelt wurden, weggelassen, blieben immer noch 92 Prozent, die die Gesetzesänderung ablehnten.

England, eine konstitutionelle Monarchie im Mäntelchen der Demokratie, regiert von der Plutokratie.

 Veröffentlicht von am 28. September 2014
Sep 262014
 

BBU lehnt Pseudo-Dialog von ExxonMobil zu Fracking ab

(Bonn, 26.9.2014) Als reinen Publicity-Coup und Einladung zu einem Pseudo-Dialog bezeichnet der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) die Pro-Fracking-Anzeigenkampagne von ExxonMobil und die persönlichen Briefe, die Vertreter von Umweltverbänden, Bürgerinitiativen und Abgeordnete in den letzten Tagen erhalten haben. Unter dem Deckmantel der angeblichen Dialogbereitschaft verbreitet ExxonMobil bundesweit altbekannte Irreführungen über die Ungefährlichkeit des republikweit bekämpften Gasbohrens.

Oliver Kalusch vom Geschäftsführenden Vorstand des BBU führt hierzu aus: „Offenbar steht es schlecht um die Fracking-Pläne von ExxonMobil. Es drängt sich der Eindruck auf, als würde der Gaskonzern aus diesem Grund zum Mittel der aggressiven und aufwändigen Medienkampagne greifen. Damit sollen kurz vor den Beratungen zu Fracking in Bundestag und Bundesrat die öffentliche Meinung und die Entscheidungsträger beeinflusst werden. Doch die nun publizierten Argumente des Konzerns sind in der Debatte um Fracking längst widerlegt worden. Die Kampagne von ExxonMobil wird wirkungslos verpuffen.“

Zu den Irreführungen gehört, dass Exxon Mobil seine Fracking-Pläne im Schiefergas als Beitrag zur Energiewende verkaufen will, um Sympathien zu erringen. In realistischen Prognosen kann die deutsche Schiefergasproduktion jedoch lediglich 2 – 3% zum Energieverbrauch Deutschlands beitragen. Im Vergleich dazu legten die Erneuerbaren Energien jährlich um 0,8% zu. Bei einem kontinuierlichen Ausbau der Erneuerbaren Energien, dem Kernpunkt der Energiewende, ist die Förderung des fossilen Energieträgers Schiefergas daher überflüssig und kontraproduktiv.

Auch die Behauptung von ExxonMobil, es würden nur noch ungiftige Frac-Fluide verwendet, führt in die Irre. Denn selbst wenn diese Stoffe ungiftig sind, können sie noch zahlreiche weitere Gefahrenmerkmale nach dem europäischen Chemikalienrecht aufweisen, z.B. die Eigenschaft “gesundheitsgefährdend“. Und Gefahren wie Erdbeben entstehen unabhängig davon, welche Inhaltsstoffe die Frac-Flüssigkeiten enthalten.

Die Aussage, dass die Schiefergasförderung nur zu einem geringen Flächenbedarf führen würde, steht im Widerspruch zu den Erfahrungen aus den USA und zu den Aussagen des zweiten Gutachtens des Umweltbundesamtes zu Fracking. Hier soll anscheinend mit einer pauschalen Aussage ein wichtiges Argument politisch Verantwortlicher, die sich gegen Fracking ausgesprochen haben, ausgehebelt werden.

Nicht mit der Realität in Einklang zu bringen ist die Aussage des Gaskonzerns, dass beim Fracking im Schiefergas „kein salziges Wasser aus dem Untergrund mitgefördert“ würde. Egal, ob eine Förderung im Sandgestein (Tight-Gas-Lagerstätte) oder im Schiefergestein stattfindet: Mitgefördert wird immer Lagerstättenwasser aus dem Untergrund, welches mit Schwermetallen, krebserregenden Stoffen oder radioaktiven Substanzen belastet sein kann.

Der BBU rät daher den von ExxonMobil angesprochenen politischen Entscheidern, Experten und der Öffentlichkeit, der durchsichtigen Kampagne von ExxonMobil nicht auf den Leim zu gehen. Die vorliegenden naturwissenschaftlich-technischen Erkenntnisse zeigen: Fracking ist nicht kontrollierbar, sondern eine unbeherrschbare Risikotechnik, die ausnahmslos verboten werden muss.

 Veröffentlicht von am 26. September 2014