Okt 212014
 

Schadstoff-Ausstoß unbekannt: Entquickungsanlage Bellen (Niedersachsen)(Foto/Grafik: Carin Schomann @bohrplatz.org CC BY-SA 3.0)

Schadstoff-Ausstoß unbekannt: Entquickungsanlage Bellen (Niedersachsen)(Foto/Grafik: Carin Schomann @bohrplatz.org CC BY-SA 3.0)

Am 8. Oktober diskutierten in Berlin rund 50 Experten aus Ärztekammern, Gesundheitsbehörden, wissenschaftlichen Instituten und dem Umweltbundesamt Gesundheitsrisiken und Fragen der Prävention, die sich aus modernen Methoden der Energieerzeugung ergeben können. Im Fokus standen Fracking, Windenergie, Kohlekraftwerke und der Ausbau der Hoch- und Höchstspannungsnetze. Ziel der Veranstaltung war es, eine andauernde Diskussion darüber anzustoßen, ob die neuen technischen Optionen eher geeignet sind, die Prävention von Gesundheitsschäden zu unterstützen oder ob sie zusätzliche Risiken für die Gesundheit bedeuten. Den Experten­workshop hatte die Bundesärztekammer (BÄK) zusammen mit der „Health and Environment Alliance“ (HEAL) und der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventionsmedizin (GHUP) organisiert. Die BÄK ist der größte bundesdeutsche Berufsverband von Ärzten und vertritt über 470000 Mediziner. Ihre Mitglieder stehen immer häufiger vor der Herausforderung, Rat und Empfehlungen zu Energiefragen vor Ort zu geben.

Aus dem Deutschen Ärzteblatt:

Zum Thema Fracking stellte Bernd Kirschbaum vom Umweltbundesamt (UBA) die Ergebnisse zweier aktueller Gutachten vor, die das UBA in Auftrag gegeben hatte. „Das Umweltbundesamt empfiehlt, wegen der bestehenden Wissenslücken derzeit auf eine flächendeckende kommerzielle Gewinnung von Schiefergas durch Fracking in Deutschland zu verzichten“, erklärte Kirschbaum. Zudem solle vor jeder Fracking-Operation eine Risikobewertung vorgenommen werden. Ein generelles Fracking-Verbot sei aber von den Gutachtern nicht empfohlen worden.

„Sehr kritisch betrachten wir den sogenannten Flowback, der auch bei der konven­tionellen Erdgasförderung auftritt“, betonte Kirschbaum. Bei jedem Bohrloch fördere man auch Lagerstättenwasser zutage, das unter anderem Schwermetalle, radioaktive Stoffe oder Benzol enthalten könne. Bei der Behandlung und Entsorgung dieses Lagerstätten­wassers bestehen große Defizite, da derzeit weder national noch auf europäischer Ebene ein „Stand der Technik“ festgeschrieben sei.

Der volkswirtschaftliche Nutzen des Schiefergases spiele überdies im Rahmen der Energiewende keine Rolle, so Kirschbaum. Denn weder würde es kurz- und mittelfristig den Gaspreis verändern noch die Importabhängigkeit Deutschlands, da das Gas nur langsam und schrittweise gefördert werden könne. Zudem sei mit einem Förderbeginn erst in zehn Jahren zu rechnen.

Eine ähnliche Präsentation von Bernd Kirschbaum ist hier:
http://www.bfr.bund.de/cm/343/fracking-chancen-und-risiken.pdf

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat dem Fracking bereits letztes Jahr eine eindeutige Absage erteilt: „Die Vertreterversammlung der Landesärztekammer Baden-Württemberg lehnt einen Schiefergasabbau durch Fracking ab.“

 Veröffentlicht von am 21. Oktober 2014

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