Dez 182014
 

Titelblatt der StudieEin neuer Bericht Fracking Frenzy – How the fracking industry threatens the planet, den Friends of the Earth zu Beginn der Klimakonferenz in Lima, Peru, am 01. Dezember 2014 veröffentlicht hat, beleuchtet die Ausbreitung der Fracking-Industrie in folgenden 11 Ländern außerhalb der EU/G7-Staaten:

Mexiko, Brasilien, Argentinien, Marokko, Algerien, Tunesien, Südafrika, China, Indien, Indonesien und Russland. Sieben von ihnen sind gemäß der U.S. EIA (Energy Information Agency) unter den TOP 10 der Länder, die die größten technisch förderbaren Schiefergasressourcen besitzen.

Einige Haupterkenntnisse des Berichtes sind:

  1. Tabelle 1

    Tabelle 1

    Geschätzte Reserven mussten teilweise extrem nach unten korrigiert werden
    Die nebenstehende Tabelle zeigt Beispiele der überoptimistischen Schätzungen. Die genauen Volumina werden erst nach dem flächendeckenden abfracken der betroffenen Länder festgestellt werden können.
  2. Schiefergasförderung konkurriert mit Trinkwasserversorgung
    • Vermutete technisch förderbare Schiefergaslagerstätten liegen unterhalb wichtiger grenzübergreifender und großflächiger Grundwasser-Reserven (z. B. Guarani Aquifer in Südamerika, Continental Intercalaire Aquifer in Nord-Afrika oder Karoo Aquifer in Südafrika).
    • Vermutete technisch förderbare Schiefergaslagerstätten befinden sich weltweit zu 38 % in Regionen mit hohem Wasserstress und zu 15 % in Dürre-Regionen.
    • Die Unternehmen brauchen Zugang zu Millionen Liter Frischwasser und garantiert niedrige Preise über die durchschnittlich anvisierte Projekt-Laufzeit von 30 – 50 Jahren.
  3. Globaler Schiefergasboom – Made in USA
    Eine der Haupterkenntnisse des Berichtes ist u.a., dass die „Fracking-Erfolgsstory“ durch ein Wirtschaftsprogramm der USA weltweit „subventioniert“ wird. Mittels UGTEP (Unconventional Gas Technical Engagement Program) benutzt die USA – offen propagiert – administrative Kanäle um Einfluss zu nehmen auf die globale Ausweitung der Fracking-Industrie, z. B. durch Veränderung der rechtlichen Rahmenbedingungen, damit die Fracking-Industrie in den „Partner-Ländern“ des UGTEP Fuß fassen kann.
    Für 2015 wird sich UGTEP ein Budget von 5,9 Millionen US-Dollar mit dem US Bureau of Energy Resources teilen.
  4. Schiefergasförderung konkurriert mit sensiblen Gebieten
    Der Bericht zeigt auf, dass Aufsuchung und Gewinnung auch oftmals unterhalb und innerhalb geschützter bzw. sensibler Gebiete, wie z. B. Naturschutzgebiete, Urwälder, Gebiete indigener Völker oder erdbebengefährdete Gebiete durchgeführt werden soll bzw. durchgeführt wird.
  5. Fracking und Klimaschutz
    Der Bericht weist darauf hin, dass in allen untersuchten Ländern der Energiehunger wächst, was sowohl für die politischen Entscheidungsträger als auch die Gemeinschaft im Allgemeinen eine große Herausforderung darstellt. Die Länder, welche eine lange Geschichte als Erdöl-/Erdgasproduzenten haben (wie z. B. Algerien oder Argentinien), sehen bereits einen Abfall in der Förderung und betrachten Fracking als eine Option, um die Industrie der Erdöl-/Erdgasproduzenten weiter aufrecht zu erhalten.

    Für andere Länder wie China, die ein massives, fühlbares Luftqualitätsproblem durch den Einsatz von Kohle haben, erscheint die Verheißung von gefracktem Gas – auch unter zur Hilfenahme der US administrativen „Werbekanäle“ mittels UGTEP – als eine bessere Alternative.
    Diese kurze Sichtweise verkenne jedoch, dass bereits die Klimavorteile von Erdgas bei einer Methanleckage-Rate von rund 3 % bereits dahinschwinde [Quelle]. Feldstudien in den USA haben aber Methanleckage-Raten von teilweise bis zu 12 % festgestellt [Quelle]. Eine aktuelle Studie prognostiziert, dass sehr wahrscheinlich rund 40 % der Bohrlöcher im Marcellus Shale, einem der sogenannten Sweet-Spots der USA, Methan ins Grundwasser oder in die Atmosphäre emittieren [Quelle]. All diese Fakten machen das Statement von Erdgas als „sauberen Brückentreibstoff“ in die postfossile Ära, zu einer Farce.

  6. Die Fracking-Industrie braucht Steueranreize oder garantierte Mindestpreise
    Entgegen oftmals anderslautender Äußerungen, zeigt der Bericht anhand mehrerer Beispiele ebenfalls auf, dass die Fracking-Industrie – neben der Garantie Millionen Liter Wasser zu günstigen Preisen über Jahrzehnte zu erhalten – Steueranreize oder garantierte Mindestpreise braucht, um die Vorhaben wirtschaftlich durchführen zu können.

    Argentinien beispielsweise hat den bestehenden Rechtsrahmen verändert, um den Unternehmen einen Mindestpreis von 7,50 US$ pro MMBTU (Million British Thermal Unit) für alle zusätzlichen Gasverkäufe innerhalb Argentiniens (oberhalb einer zuvor vierteljährlich vereinbarten Verkaufsmenge) garantieren zu können. Bedenkt man, dass der Durchschnittspreis zuvor rund 2,80 US$ pro MMBTU betrug, entspricht dies einer Steigerung von mehr als 260 %.

    Und während Öl- und Gasunternehmen in Marokko keine Körperschaftssteuer innerhalb der ersten 10 Förderjahre befürchten müssen, werden in Russland während der nächsten 15 Jahren keinerlei Förderabgaben fällig für (Schiefer-)Öl aus dem Bazhenov Basin.

Hauptautor der Studie: Andy Gheorghiu

Der bisher nur in Englisch vorliegende, 80 Seiten Bericht, kann hier downgeloaded werden: https://www.foeeurope.org/fracking-frenzy-report-011214

Links zu Artikeln über den Bericht:
The Ecologist – ‚Fracking frenzy‘ – how the shale gas industry is threatening the planet

Schattenblick – Fracking nicht mit uns … Angriff von hinten: – Umweltorganisation wirft USA intensive Lobbyarbeit vor –
In English:
First Phase of Global Fracking Expansion: Ensuring Friendly Legislation
En Espanol:
Primer paso en la expansion mundial del esquito leyes favorables

Desmogblog – New report highlights fracking’s global hazard

Ecowatch – Fracking Frenzy threatens developing nations

Cotidianul.ro – Nou raport subliniaza pericolul global al fracturarii hidraulice

 Veröffentlicht von am 18. Dezember 2014

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