Jun 172015
 


 

Kommentar zum neuen EPA-Studien-Entwurf von 6.2015 zur Trinkwasserschädigung durch FrackingStop_Fracking-2.jpg

 

Vor wenigen Tagen wurde der Inhalt eines Studien-Entwurfes der Umweltschutzbehörde EPA der USA im Juni 2015 öffentlich gemacht.

 

Die Studie befasst sich mit der Abschätzung der potentiellen Beeinträchtigung der Trinkwasservorkommen der USA durch die Öl- und Gas-Frackingförderung.

 

Der bereits eifrig von der Lobby verbreitete Kernsatz in der Zusammenfassung des noch nicht geprüften Entwurfes lautet, dass keine nennenswerten Trinkwasserbeschädigungen in den USA durch die Fracking-Förderung von der EPA festgestellt wurden.

 

Auf der Basis zahlreicher vorliegender anderslautender Informationen und Berichte
aus den USA entbehrt dieser Kernsatz jedoch des Realitätsbezuges.

 

Aber von den Lobbyisten in aller Welt wird gerade er jetzt allen Politikern vorab präsentiert, ehe der Studienentwurf gegengeprüft ist, zum Beispiel um sie zur Zustimmung zu den Fracking-Gesetzen in Deutschland zu bewegen und um in Brüssel Gelder zur „Entwicklung“ der Frackingförderung in der EU zu generieren.

 

Es drängt sich der Eindruck auf, dass sich die Verfasser des Entwurfes der Zusammenfassung bewusst waren, dass ihr Kernsatz im Widerspruch zu den Darstellungen im EPA-Gutachten steht. Denn in der Zusammenfassung haben sie beschrieben, dass ihre Aussage nicht auf einem sicheren Datenfundament ruht.

 

Die 25-seitige Zusammenfassung der Ergebnisse der fast 1000-seitigen Studie
enthält neben der „Entlastungsbehauptung“ für die Industrie die Aufzählungen der möglichen Kontaminationspfade und -Wege bei den verschiedenen Stufen des Gesamtprozesses, bis hin zu den Verpressbohrungen und der Abfallflüssigkeiten-Entsorgung generell.

 

Dann werden einzelne Beispiele aufgezeigt, bei denen Trinkwasservorkommen tatsächlich beschädigt wurden, mit der Bemerkung, dass es sich immer nur um Einzelfälle gehandelt habe, die bei der Gesamtzahl der gefrackten Bohrungen keine signifikante Größenordnung aufwiesen.

 

Ausdrücklich ist auf die umfangreich beschriebene mangelhafte Bohrungsintegrität und Bohrungsausführung zu verweisen. die die Ursache für Trinkwasserbeschädigungen bildet, wobei bei der Fracking-Förderung zwei wesentliche Migrationspfade von der Fracking-Ebene bis zur Ebene des trinkbaren Grundwassers benannt werden:

 

1.) Migration außen an der Bohrung entlang durch undichte und unvollständige Zementierung und Austritte an Leckstellen in den Steigbohrungen und dann Aufstieg zum Grundwasserbereich für Trinkwasser im Bereich außen um die Förderleitung herum

 

2.) Migration von der Fracking.-Ebene aus durch gebildete vertikale Risse in der Geologie direkt durch das Gestein nach oben, bis Trinkwasserschichten erreicht werden.

 

Dann aber wird ausführlich erläutert, dass bei den Untersuchungen die notwendige Datenbasis gefehlt habe, um einigermaßen zuverlässige Aussagen machen zu können. In 70% aller untersuchten Fälle bei 9 Förderfirmen in 2009 u. 2010 seien Teile der Fracking-Fluid-Mischungen nicht angegeben worden wegen „Betriebsgeheimnissen“, wodurch die Zuordnung von Trinkwasserschädigungen zu bestimmten Fracking-Aktivitäten nicht möglich gewesen sei, Trinkwasserschädigungen von privaten Brunnenbesitzern seien nicht gemeldet worden:

  • man kenne die genaue Zahl aller gefrackten Bohrungen nicht,
  • man wisse nicht genau, welche Mengenanteile aus der Fracking-Förderung in der Gesamtmenge der entsorgten Abfallflüssigkeiten enthalten seien,
  • man kenne nicht den genauen Umfang der wiederverwendeten Frac-Fluide,
  • man habe nur ganz wenige Berichte von Grundwassermonitoring mit dem Vergleich Zustand vor dem Fracking – Zustand danach,
  • man wisse von Einzelfällen, dass Abfallflüssigkeiten aus der Frackingförderung als „brine“, also als vermeintlich reines Salzwasser, in der Landwirtschaft und zur Pflege der Verkehrswege (als Tausalzlösungen und zur Staubbindung) verwendet worden sei, aber genaue Angaben lägen nicht vor.

 

Daher sei eine zuverlässige quantitative Aussage zum Umfang der Schädigung der Trinkwasservorkommen in den USA nicht möglich, die verfügbare Datenbasis reiche dafür nicht aus. Es könne durchaus so sein, dass das tatsächliche Ausmaß der Trinkwasserschädigungen wesentlich größer sei, als ihre vorliegenden
Zahlen dies aussagten.

 

Mit anderen Worten: Durch die Eingrenzungen, die die Verfasser der EPA zur Aussagekraft der ermittelten Trinkwasserschädigungen im hinteren Teil der Zusammenfassung vornehmen, entwerten sie den Kernsatz, dass nennenswerte Trinkwasserschädigungen nicht festgestellt worden sind.  Sie wissen es einfach nicht.

 

Der Entwurf der EPA-Studie vom Juni 2015 kann heruntergeladen werden unter

 

https://www.documentcloud.org/documents/2093442-epa-draft-fracking-study-2015.html

 Veröffentlicht von am 17. Juni 2015

Kommentare sind derzeit nicht möglich.