Nov 272015
 

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Mit dem chinesischen Paukenschlag verschieben sich alle Maßstäbe der bisherigen Betrachtung der „Unconventionals“ noch weiter dahin zurück, wo sie in schöner Eintracht von den Förderkonzernen und den Börsenspekulanten der Wall Street hergeholt worden sind. Durch den Wegfall Chinas fallen 15% der weltweit von der US Energiebehörde für “förderbar“ eingeschätzten unkonventionellen Erdgaspotentiale weg.

 

Quellen: siehe unten

 

Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang, dass es den Konzernen und ihren Lobbyisten sogar gelungen war, den US-Präsidenten und dessen Umfeld zu der Aussage hinzureißen, dass die USA auf dem Wege seien, zu einem der großen Exporteure von Öl und Gas zu werden, weil durch die „Unconventionals“ Energie im Überfluss in den USA zur Verfügung stehen werde; die USA hätten genügend gesicherte Vorkommen um über 100 Jahre den gesamten Bedarf an Öl und Erdgas aus eigenen Vorkommen zu decken.

Und heute?

Die offiziellen Behörden der USA haben inzwischen massive Fehler in den Abschätzungen der Förderunternehmen entdeckt, die zu einer gewaltigen Überbewertung der möglichen Förderpotentiale der USA führten. Die Folge war eine Verringerung der Potentialeschätzung durch die US-Behörden. Sie gehen heute davon aus, dass evtl. 25 Jahre rechnerisch der Bedarf der USA an Erdgas gedeckt werden könnte (von denen ja schon einige vergangen sind), und dass beim Rohöl ein völliger Wegfall der Importe gar nicht eintreten wird, ehe dann die Importe wieder ansteigen und den Hauptanteil ausmachen werden.

 

Und die USA und Kanada sind bisher nur die Länder, in denen überhaupt erst in größerem Umfang Fracking-Förderung betrieben wird. Australien befindet sich noch in der Einstiegsphase.

 

Es deutet sich an, dass die Angaben zu möglichen Fracking-Förderpotentialen überall auf dem Globus aus taktischen Gründen gemacht worden sein könnten, denn die „Herausgeber“ dieser Informationen sind die selben, die mit ihren großzügigen Schätzungen den „Run“ an der New Yorker Börse auf Fracking-Optionen ausgelöst und später weiter beflügelt haben.

 

Europa:

Polen: wir erinnern uns, Donald Tusk, der polnische Premier mit US-Hintergrund, ließ sich von der US-Außenpolitik dazu verführen, auf die Energie-Unabhängigkeit seines Landes von Russland zu setzen. Polen wurden die größten unkonventionellen Gasreserven in Europa zugesprochen. 2015 hat der letzte internationale Förderkonzern Polen verlassen. Alle Versuche verliefen im „NICHTS“, bis auf geringste Fördermengen.

 

Ukraine: die US-Konzerne waren seit 2010 schon in der Ukraine aktiv, um die dortigen

prognostizierten Potentiale zu erschließen und die ständigen hohen Devisenkosten für die Gasversorgung aus Russland zu reduzieren. In der Ost-Ukraine zogen sich ExxonMobil und  Shell zurück, nachdem der Krim- und Donezk-Konflikt ausgebrochen waren und im Westen zog sich Chevron als letztes ausländisches Unternehmen Ende 2014 zurück, weil auch an der Westgrenze zu Polen keine passable Förderung von ihnen für möglich erachtet wird.

 

Deutschland: die IEA-Prognosen zeigten 2011 bedeutungslose Mengen an. Die BGR hat in 2012 – ohne das Vorliegen neuer Geo-Daten – die als „förderbar“ bewerteten „Unconventionals“ um das Siebenfache höher geschätzt, als die vorherigen Abschätzungen – und plötzlich schien Deutschland ein interessanter Förderstandort zu sein und die Politik horchte interessiert auf.

 

Doch im November 2014 bekam der BGR-Chef Prof. Kümpel „kalte Füße“ wegen der außergewöhnlichen Hochschätzung und kündigte eine „Neubewertung“ an, verbunden mit einer Rücknahme der Förderprognose auf „max. 1Bio m3 Erdgas“. Mit der gleichen Systematik reduziert, wie vorher hochgerechnet, bedeutet das jetzt, dass theoretisch – ohne sonstige Abschläge durch Einschränkungen – weniger als 500 Mrd m3 Erdgas als „aus deutschem Boden förderbar“ gelten. Damit sind wir fast wieder bei den Werten der IEA-Abschätzung von 2011.

 

Doch die Bundesregierung hat sich in ihrem Handeln nicht dadurch beeindrucken lassen, dass mehr als die Hälfte der BGR-Hochrechnung von 2012 einfach „verschwunden“ ist und damit auch mehr als die Hälfte der Jahre, in denen rechnerisch eine zusätzliche Versorgung mit in Deutschland gefördertem Erdgas möglich wäre.

Nein, die Fracking-Erlaubnisgesetze müssen dennoch kommen.

Doch auch diese reduzierten Schätzungen sind nichts als Schätzungen, auch sie müssen erst durch praktische Produktion bestätigt werden.

International:

Es fällt auf, dass gerade in Ländern mit gering entwickelter Infrastruktur die aktuellen Potentialschätzungen der US-Energiebehörde vergleichsweise hoch liegen. Und wer hat die Daten dafür geliefert? Es sind dieselben Konzerne und deren Zuträger, die schon 2005 bis 2012 durch massive und höchst optimistische Informationen (Anreize) in den USA die Kurse der Förderleasing-Verträge mit den Grundeignern in schwindelnde Höhen trieben. Leasing-Weiterverkauf war „das“ Geschäft“ für die Investmentbanker der Wall Street.

In den USA und in Kanada laufen jetzt die Dinge überschaubarer ab und die großen Verluste der Investoren in den letzten Jahren bei der Fracking-Förderung – noch verstärkt durch den niedrigen Rohölpreis seit Herbst 2014 – lassen Anleger aus dem Geschäft aussteigen.

Bei hohen Schulden fehlt den Förderern nun frisches Kapital, da die Förderung auch weiterhin keine Gewinne einbringen wird.
Zahlreiche Firmenzusammenbrüche unter den Förderfirmen in den USA waren die Folge und die „Bereinigung“ ist noch lange nicht zu Ende.

Gerade in diesen Wochen fallen für viele der Förderfirmen weitere Schutzmechanismen weg, die es bisher gestatteten, trotz erheblicher Belastungen, die Unternehmen weiter zu fahren.

 

Und da werden neue „Angeln“ ausgelegt. in der nachfolgenden Grafik muss man sich die bisherige Nr. 1 China wegdenken, so, dass Argentinien den Spitzenplatz besetzt bei verbleibenden 6.200 Billionen Kubikfuß weltweit.

Anteile an den Schiefergas-Reserven weltweit förderbar 7.299 Billionen Kubikfuß

Schiefergasreserven

Zahlen: US-Ministerium für Energie

 

Das Muster ist immer wieder vergleichbar:

„Tolle Chance viel Geld zu verdienen, wenn man jetzt rechtzeitig einsteigt. Wir sehen da tolle Anlagemöglichkeiten für Sie“ ….

„Ja, es ist weit weg, aber wir haben Top-Gewährsleute vor Ort ….. und Widerstand wegen Umweltproblemen werden wir dort nicht zu erwarten haben (sprich: „Da kann profit-orientiert recht beliebig gefördert werden, ohne große Umweltrücksichten)“..

 

„Die Marktpreise? Keine Sorge, die Felderschließung dauert 2 bis 3 Jahre, ehe in großen Mengen Erdgas produziert und dann auch in die Internationalen Märkte gebracht werden kann – und der Aufbau eines LNG Erdgas-Verflüssigungs- und Verladekomplexes an der Küste dauert mindestens 3 Jahre. Bis dahin haben sich die Preise längst wieder „normalisiert“.

 

„Aber warten wir doch mal ab, wie sich der Wert dieser „assets“ entwickelt, wenn Sie gekauft haben, wenn eine „Rallye“ einsetzt, können Sie ja im passenden Moment Kasse machen und verkaufen!“

 

Auch hier geht es nur bedingt um die Öl- und Gasproduktion. Es geht um Spekulationen und um Wetten in Milliardenhöhe.

 

Und Schutz der Umwelt? Und Klimawandel berücksichtigen? Und die Gefährdung der Gesundheit der wenigen Anwohner von künftigen Fördergebieten? Und die Zerstörung der höchst sensiblen Grundwasserversorgung im Süden Algeriens usw. usw.?

 

Da würden diese Unternehmen wohl antworten:

„Ja lieber Leser, das sind Themen, die hier einfach nicht hin gehören, sondern nach Tatagonien, in die Steppen Südafrikas und die Dürre Australiens, in den Sahel-Gürtel, in den Urwald Brasiliens, in die Ebenen im Norden Mexikos, in die Waldgebiete und den Tundragürtel Kanadas, aber nicht an den Gesprächstisch“.

Und weiter würden sie wohl antworten:

„Doch eines, lieber Leser, sollten Sie sich schon merken: Wo immer wir erfolgreichen Kohlenwasserstoff-Förderkonzerne auf der Welt auch gefördert haben, es ist uns bisher immer gelungen, diesen Gebieten eine besondere Prägung zu geben.

Ein ganz besonders gelungenes Beispiel ist Nigeria in Afrika.Und da wir heute mit gänzlich anderen, weitaus wirkungsvolleren, Methoden und Techniken arbeiten, fällt auch die Prägung entsprechend deutlicher aus“.

Und weiter würden sie sich loben für ihren gesellschaftlichen Beitrag:

„Wir Förderer bewegen uns ja mit der Erschließung der unkonventionellen Erdgasvorkommen in die richtige Richtung. Bei der Verbrennung von Erdgas entsteht fast die Hälfte an CO2, verglichen mit der Steinkohle. Damit wird Erdgas zum Brückenbrennstoff in die CO2-freie Zukunft. Wir Förderkonzerne leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Das müssen Sie doch auch erkennen“.

 

Ja, lieber Leser, es gibt mehr als genug Gründe zum gründlichen Nachdenken.

 

Auch und gerade die sogenannten „Freihandelsabkommen“, die in Wahrheit Knebelverträge sind, dienen im Wesentlichen dazu, den international tätigen Rohstoff-Förderern den Rücken frei zu halten und die „heimgesuchten“ Staaten daran zu hindern, sich für massenhafte Umweltsünden an den Verursachern oder deren Besitz schadlos halten zu können.

Negative Beispiele zum Verhalten von „Investoren“ in Mittel- und Südamerika bei der Erdölförderung gibt es genug.

Lassen Sie nicht zu, dass unsere Regierung und unser Parlament CETA oder TTIP zustimmen. Sie würde damit die mögliche vernünftige Zukunft Ihrer Kinder und Kindeskinder verspielen.

 

Quellen: www.chinadaily.com.cn/business/2015-11/16/content_22464460.htm  Bestätigung nur 500 Billio m3

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-03/ukraine-kredit-iwf-oekonomie vom 12.03.2015 Bericht zur Gasförderung Ukraine

http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-06/fracking-schiefergas-vorkommen  (Archivartikel) nach US-Ministerium für Energie

www.eia.gov/todayinenergy/detail.cfm?id=14431   weltweite förderbare Shale Vorkommen v.02.01.2014

BGR-Energie-Studie-2013.pdf  „Schaubild Schiefergas-Ressourcen in Billionen m3“ (Europa)

Citigroup Bloomberg Grafik „Größte Vorkommen an Schiefergas weltweit“ vom Juli 2012

www.eia.gov/analysis/studies/worldshalegas/pdf/fullreport.pdf weltweit förderbare Saalevorkommen vom Juni 2013

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