Nov 282015
 

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Die erste globale Grundwasserbilanz der Erde vom 17.11.2015, erstellt von der University of Victoria, Kanada, zeigt unmissverständlich auf, dass wir Menschen Raubbau an dieser Ressource treiben.

Die Schonung und Bewahrung des als Trinkwasser verwendbaren Grundwassers ist vielerorts nicht mehr als eine unverbindliche Absichtserklärung.

Quellen: siehe unten

Diese umfangreiche Untersuchung, durchgeführt von der University of Victoria, Kanada und der University of California hat sich mit den 37 größten bekannten Grundwasser-Reservoiren der Erde beschäftigt. Unter Einsatz der GRACE-Satelliten der NASA wurden die Schwerefeld-Anomalien über den Aquiferen analysiert und über Modelle zu örtlichen Wasserhaushalten ermittelt, wie viel Wasser aus den Reservoiren entnommen wird und wie viel über Niederschläge und Gewässerversickerung nachfließt. So konnte die Belastung der Aquifere quantifiziert werden.

Ergebnis: Rund ein Drittel aller großen Grundwasserspeicher der Erde sind übernutzt.

  • Acht davon verlieren durch ständige Entnahme beträchtliche Wassermengen, ohne nennenswerten Nachschub durch natürliche Prozesse.
  • Fünf weitere davon werden als „extrem gestresst“ klassifiziert. Bei ihnen gibt es
    zwar Nachschub, aber zu wenig um den Verlust auszugleichen.
  • Weltweit am stärksten übernutzt ist das arabische Aquifer-System. Zu den am stärksten gestressten Grundwasservorkommen zählen auch das Indus-Becken unter Nordwest-Indien und Pakistan, das Murzuk-Djado-Becken unter Nordafrika, das Kaukasus-Aquifer, das Canning-Becken in Nord-Australien und das Grundwasser-Reservoir unter dem Central Valley in Kalifornien. Das letztere wird vor allem übermäßig durch die Entnahmen für die Landwirtschaft benutzt.Der Mensch übernutzt viele der Reservoire. In vielen von ihnen fallen die Pegel.„Unsere Ergebnisse belegen, dass Grundwasser eine begrenzte Ressource ist, deren Benutzung wir besser organisieren müssen!“ sagt Tom Gleeson von der University of Victoria.

    Die Wissenschaftler haben die Übernutzungen deutlich herausgearbeitet, sie wissen aber nicht, wie groß die Reserven in den Aquiferen tatsächlich noch sind. Daher können sie auch die Reichweite der Vorräte nicht sicher bestimmen.

    Was sie aber herausgefunden haben, ist dass nur 6% des gigantischen Grundwasservolumens auf unserem Globus durch Niederschläge und Versickerung erneuerbar sind.

    Und diese 6% sind auch noch ungleich auf dem Globus verteilt, abhängig von den Niederschlagsmengen. Der größte Teil dieses „erneuerbaren Grundwassers“ liegt in tropischern Regenwäldern und in Gebirgsregionen.

    Einige der größten Vorkommen liegen im Amazonasbecken, im Kongo, in Indonesien sowie entlang der Rocky Mountains in Nordamerika und den Kordilleren in Südamerika. Siehe hierzu das Bild Nr.11 der begleitenden Unterlagen zu der Studie der University of Victoria, erstellt von Gleeson et al.

    Die Karte zeigt die Verteilung und Menge des „modernen“ erneuerbaren Grundwassers auf der Erde.

    Die Wissenschaftler warnen davor, einfach das uralte, fossile Grundwasser in gigantischen Mengen aus dem Boden zu pumpen. So etwas könne nur in wenigen Ausnahmefällen und für begrenzte Zeit eine Lösung sein, denn der größte Teil dieser Wasservorkommen erneuere sich nicht.

    Das Bevölkerungswachstum in den trockenen Gebieten der Erde, vor allem im Nahen Osten, in Nordafrika und Südasien, verbunden mit Klimaveränderungen, bringt akute Wasserknappheit mit sich. Der Klimawandel könnte diese Entwicklung noch verschärfen.

    Experten der UNO schätzen, dass zurückgehende Niederschläge in den Tropen und Subtropen den bereits bestehenden Wassermangel um 20% verstärken werden.

    Die UNESCO zeichnet ein sehr ernstes Bild der Zukunft: „Das Wasserangebot sinkt, während die Nachfrage dramatisch und unaufhaltsam steigt. Während der nächsten 20 Jahre wird daher der durchschnittliche Wasservorrat pro Kopf weltweit um ein Drittel sinken“.

    Mitte des Jahrhunderts werden voraussichtlich bis zu 7 Milliarden Menschen in 60 Ländern der Erde von akuter Wasserknappheit betroffen sein.

    Und Deutschland?

    Wir liegen zurzeit in einer regenreichen Zone mit hohen und recht gleichmäßigen Niederschlagswerten. Die jährliche Neuversickerung ist vielfach größer als der Verbrauch.

    Aber wir haben Probleme mit der Wasserqualität.

    Die Landwirtschaft – mit ihrem Düngereintrag, mit Ihrem Pestizid-Eintrag, mit ihrer Gülle, die auf den Feldern ausgebracht wird, verursacht Verunreinigungen des Trinkwassers im Untergrund. Das kann gebietsweise so weit gehen, dass das Grundwasser nicht mehr als Trinkwasser verwendet werden kann, oder nur durch aufwendige Sonderbehandlungen von unerwünschten Beimengungen befreit werden kann.

    Hier sind insbesondere Pflanzenschutzmittel äußerst tückisch. Denn sie bilden, einmal in den Wasserkreislauf gelangt, bei der Reaktion mit ihrer Umwelt, neue chemische Verbindungen. Diese können unter Umständen noch giftiger und noch langlebiger sein, als die ursprünglichen Ausgangsprodukte.

    Doch auch Dünger haben es in sich In Niedersachsen beispielsweise gelten trotz mittlerweile strengerer Auflagen rund 20% der gesamten Landesfläche als kritisch mit Nitrat belastet (>25mg/l). Weitere 40 % der Landesfläche sind gefährdet. Bei Kalium wurden bereits 8- bis 10-fache Erhöhungen gemessen, in 12% der Fälle lagen die Werte deutlich über den zulässigen Grenzwerten für Trinkwasser. Als Trinkwasser für Kleinkinder und Säuglinge werden Nitratwerte im Trinkwasser von max.10 mg/l als Grenzwerte vorgeschrieben.

    In einigen ländlichen Gemeinden im „Fleischgürtel“ wurden bereits Nitratwerte von über 50 mg/l festgestellt.

    Wir müssen in Deutschland – und besonders in den Gebieten hoher landwirtschaftlicher Nutzungsdichte – mit dem Grundwasser äußerst sparsam und wasserschonend umgehen.

    Der Klimawandel, bringt nach den Prognosen der Klimaforscher, eine Verschiebung der subtropischen und mediterranen Wetterlagen nach Zentral- und Nordeuropa mit sich.

    Auch für Deutschland werden deutlich höhere Temperaturen erwartet. Mit der Erwärmung können sich durchaus auch andere Grundwetterströmungen herausbilden, die zu viel geringeren Jahresniederschlagsmengen in Deutschland führen. Wird etwa die jetzt bei uns vorherrschende Nordwestströmung, über die Nordsee hinweg, durch eine stärker ausgebildete südwestliche ersetzt, die von der Nordbestecke Afrikas zu uns herüber streicht, steigt nicht nur die Temperatur stark an. Auch die Niederschläge werden sich dann ganz anders verteilen, bei insgesamt deutlicher Verringerung.

    Auch die Erosionsgefahren, die zu Verlusten an Ackerböden durch heftige Niederschläge führen können, sind erheblich und im „ersten Bodenatlas“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) erfasst und ausgewiesen.

    © BGR Datenquelle: PEGWASSER1000 V1.0, (C) BGR, Hannover, 2014; „Erosionsgefährdung der Ackerböden durch Wasser in Deutschland“

    Vor dem Hintergrund all dieser Unwägbarkeiten hinsichtlich der künftigen Wasserversorgung der Bevölkerung in Deutschland mit ausreichend gutem Trinkwasser sollte heute alles vermieden werden, was zu weiteren Belastungen des Grundwasserkörpers in Deutschland führt.

  • Dazu ist vor allem die großflächige Gefährdung durch die Förderung unkonventioneller Kohlenwasserstoffe und die Verpressung giftiger Abfallflüssigkeiten in den tiefen Untergrund zu zählen, die unvermeidbar zu häufigen Grundwasserbeeinträchtigungen führen, wenn sie zugelassen werden.
  • Dazu ist aber auch die heute praktizierte Überlassung landwirtschaftlicher Flächen an „Fremdgüller“ aus den Niederlanden zu zählen.
  • Auch eine übermäßige Energiemaiserzeugung für die Biogas-Erzeugung ist zu berücksichtigen, denn auch solche Betriebe erzeugen große Mengen Gülle, die bei dem Gärprozess zur Gaserzeugung anfallen.
  • Ebenfalls fallen darunter die Zulassung zu vieler und zu großer Mastbetriebe auf engstem Raum, die beim Wasserbedarf und bei der Abfallentsorgung große Anforderungen stellen.
  • Darunter fällt auch der Anbau von Feldfrüchten mit Bewässerung. Denn Flächen, die von der Lage und vom Boden her für bestimmte Feldfrüchte nicht geeignet sind, werden durch Bewässerungsanlagen so beeinflusst, dass auf ihnen solche Feldfrüchte gedeihen, die sonst dort anzubauen nicht lohnen würden. Derartige Beregnungsanlagen mit Sprühkanonen sind vom Wasserverbrauch her ineffizient und sollten durch andere Systeme ersetzt werden, oder es sollte ganz auf andere Pflanzenarten umgestellt werden.
  • Die in Deutschland bisher übliche Praxis, mit dem Wasser als selbstverständlich verfügbaren Grundstoff gleichgültig und sorglos umzugehen, sollte schnellstens durch ein deutschlandweites gezieltes „Wassermanagement“ abgelöst werden, in welches auch die industriellen wasserverbrauchenden Prozesse mit einbezogen werden. Denn sie benötigen heute noch immer das meiste frische Wasser in Trinkwasserqualität.

    Wir sollten nicht warten, bis die veränderte Natur uns zum notgedrungenen Handeln zwingt, sondern heute gezielt alternative, verbrauchseffizientere Lösungen entwickeln.

    Israel und andere Länder mit vergleichsweise wenig verfügbarem Wasser haben da schon bedeutende Erfahrungen und Erfolge vorzuweisen.

    V. Fritz
    Quellen:
    http://www.scinexx.de/dossier-101-1.html Trinkwasser vom 25.11.2015″ Hat Deutschland ein Wasserproblem?
    http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-18978-2015-06-17.html vom 19.11.2015; Ein Drittel der Grundwasserreservoire sind übernutzt
    http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19536-2015-11-17.html vom 17.11.2015; Bericht in Scinexx über erste Studie zur globalen Verteilung des Grundwassers der University of Victoria, Kanada
    http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19509-2015-11-10.html vom 26.11.2015; Erster Bodenatlas von Deutschland BGR
    http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo2590.html vom 16.11.2015; Studie der Globalen Verteilung und Menge jungen Grundwassers University of Victoria
    http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/extref/ngeo2590-s1.pdf Begleitende Unterlagen zur Studie der Globalen Grundwasser-verteilung , siehe „Figure S 11“ Globale Verteilung jungen Grundwassers, abhängig von den Niederschlägen
    http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/48/deutschlandkarte-hitze-klimawandel 26.11.2015

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