Dez 142015
 

Riesen-Erdgasaustritt aus Kavernenspeicher in Kalifornien mit einer Schadenswirkung von mehr als 800.000 to CO2 bis 04.12.15 (und täglich treten weitere Mengen aus)

USA  12.1-3.15

http://www.theguardian.com/us-news/2015/dec/04/california-natural-gas-leak-methane-climate-change-old-infrastructure?CMP=twt_a-environment_b-gdneco

Am 04.12.2015 wurde öffentlich, dass in Kalifornien, am Erdgas-Kavernenspeicher „Aliso Canyon“, in der Nähe von Porter Ranch, nordwestlich von Los Angeles Gasaustritt festgestellt worden ist. Man hat hier ausgeförderte Ölvorkommen zu Erdgasspeichern umgenutzt, nachdem die Vorkommen vor 60 Jahren erschöpft waren.

Schon seit dem 23.10.15 bläst dort das Erdgas mit großem Volumen ins Freie. Bisher ist die Schadenswirkung des ausgetretenen Erdgases bereits größer als der von 800.000 to CO2 und das Ausströmen wird noch 3 bis 4 Monate so weitergehen, ehe die begonnenen Verschließungsmaßnahmen zur Abdichtung des Lecks führen können.

Damit wird dieser Schaden den Umfang des Deepwater Horizon-Schadens 2010 im Golf von Mexiko, weit überschreiten, da ja täglich weiter Gas austritt.Hunderte Familien in der Nachbarschaft von Porter Ranch mussten ihre Häuser verlassen, weil die Familienmitglieder Nasenbluten, Kopfschmerzen und  Übelkeit erlitten von dem nach faulen Eiern riechenden Gas.

Der Betreiber SoCalGas will eine Entlastungsbohrung an die Förderleitung in größerer Tiefe gezielt heranbringen und dann von dort aus die Leitung verschließen. Alle bisherigen Versuche, die Leitung, über die das Gas nach draußen strömt, zu schließen, schlugen fehl. Die Speichertiefe geht bis in 8.500 Fuß.

Wegen des erforderlichen Zeitaufwandes, bis man mit dem Bohrkopf an der geplanten Stelle vor der Förderbohrung angekommen sein wird, wir das Gesamt-Austrittsvolumen weit über 1.000.000 to CO2-Equivalent entsprechen und damit wohl alle bisherigen Havariefälle mit massenhaften Austritten übertreffen.

Wieder einmal zeigt sich, dass die Prozesse im Rahmen der Gasförderung und
–       Lagerung nicht absolut sicher sind, wie uns das die Industrie immer weismachen will.

Aber auch bei Erdöl sind viele große Schäden öffentlich bekannt geworden.

Ich verweise auf eine Aufstellung der 10 größten bekannten Ölaustritte in der Vergangenheit:

http://environment.about.com/od/environmentalevents/tp/worst-oil-spills.htm

Golf Krieg 1991 kriegsbedingter Ölaustritt  durch Öffnen der Ventile mehrerer Tanker im Persischen Golf am See Insel Terminal in Kuwait liefen 380 bis 520 Millionen gal Öl ins Meer, ausgelöst von irakischen Streitkräften

Lakeview Gusher 1910 im Kern County Kalifornien 378 Millionen gal Öl
Ixtoc 1 Oil Spill 1979 im Golf von Mexiko 140 Millionen gal Öl
Öltanker Kollision 1979 vor der Küste von Trinidad 90 Millionen gal Öl
Kolva River Oil Spill 1994, Russland 84 Millionen gal Öl
Nowruz Oil Field Oil Spill 1983, Persischer Golf, Iran 80 Millionen gal Öl
Castillo de Bellver Oil Spill 1983, Süd Afrika 79 Millionen gal Öl
Amoco Cadiz Oil Spill 1978, im Ärmelkanal 69 Millionen gal Öl
ABT Summer Oil Spill 1991, vor der Küste von Angola 51 bis 81 Millionen gal Öl
M/T Haven Tanker Oil Spill, 1991, vor der Küste von Genua 45 Millionen gal Öl
Ocean Odyssey Oil Spill, 1988, vor der kanadischen
Ostküste
43 Millionen gal Öl

 

Ob der Deepwater Horizon-Schaden im Golf von Mexiko mit zu den 10 größten Schäden der Welt zu rechnen ist, steht noch nicht endgültig fest.

Der derzeitige massive Methanaustritt in die Atmosphäre in Kalifornien wirft jedenfalls erneut ein Schlaglicht auf die alternden  Erdgas-Infrastrukturen in den USA. Solche großen Ausbrüche sind leicht möglich, ebenso wie das allmähliche Entweichen aus Gas Lecks.

Der undichte Gasspeicher ist einer der größten im Westen der USA.

Wir lernen also ein weiteres Mal, dass diese Industrie die ihr zur Verfügung stehende Technik nicht mit dem Ziel der „maximalen Sicherheit“ betreibt, sondern kaufmännische Abwägungen vornimmt, welchen Sicherheitsaufwand sie treiben will oder wegen örtlicher Wachsamkeit treiben muss.

Den Zusicherungen in Deutschland, wegen vermeintlicher Sicherheit, wegen eingespielter Prozesse, können wir auf keinen Fall Glauben schenken, denn ein voller Einblick wird uns nicht gewährt.

Die Landesbergämter, als Aufsichtsbehörden, sehen sich als Partner der Förderunternehmen. Sie unterstehen den Wirtschaftsministerien der Förderländer, die möglichst Förderabgaben von den Förderunternehmen kassieren wollen.

Es gibt Vereinbarungen der Landesbergämter mit den Förderunternehmen, dass diese sich im Wege der freiwilligen Selbstkontrolle selbst überwachen und darüber an die Aufsichtsbehörden schriftlich berichten.

Na toll.

Es ist zu fordern, dass die Aktivitäten der Kohlenwasser-Förderunternehmen und der für sie tätigen Unterauftragnehmer in Deutschland endlich einer effektiven behördlichen Kontrolle unterstellt werden und dass die dafür zuständigen Überwachungsbehörden personell und technisch so ausgestattet werden, dass sie diese Aufgabe auch wahrnehmen können.

Und diese Überwachung darf sich nicht nur auf bergrechtliche Aspekte beziehen sondern muss den Gesundheitsschutz der Anwohner gleichwertig mit einbeziehen.

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