Feb 062016
 

Wir schreiben das Jahr 2026. In den vergangenen Jahren ist die Energiewende in Nordrhein-Westfalen nicht vorangekommen. Der Energieverbrauch im Verkehr, bei Strom und Wärme konnte nicht gravierend gesenkt werden. Der Ausbau regenerativer Energien ist nicht vorangekommen. Falsche politische Entscheidungen haben Rahmenbedingungen zugelassen, die die Dekarbonisierung Nordrhein-Westfalens zum Stillstand gebracht haben.

Die Folgen für das Münsterland waren verheerend. Der ungebremste Hunger nach fossilen Energieträgern und steigende Rohstoffpreise haben einen Wettlauf auf die Gasreserven unter dem Münsterland ausgelöst. Aufgrund mangelhafter rechtlicher Vorgaben werden Genehmigungen für neue Gasbohr-Anlagen im Wochenrhythmus erteilt. Die ehemalige Parklandschaft zwischen Niederlanden, Teutoburger Wald und nördlichem Ruhrgebiet hat sich in eine Industrielandschaft verwandelt.

Der Schwerlastverkehr fließt nicht mehr nur auf Autobahnen und Bundesstraßen, er dringt über Kreisstraßen und Wirtschaftswege tief in die ehemals landwirtschaftlich geprägte Fläche vor. Bohrtürme und Förderstellen wechseln sich im Abstand von 3 bis 5 Kilometern ab und prägen die industrialisierte Landschaft wie die flächendeckenden Maisfelder, die noch als letzter Rest an eine ehemals kleinteilige Landwirtschaft erinnern. Die Tourismusindustrie ist wie das Baugewerbe vollständig zusammengebrochen. Die Flucht der Bevölkerung in andere Regionen Deutschlands hat eingesetzt. Die verbliebene Wohnbevölkerung fürchtet sich vor Lärm, Erdbeben und Umweltschäden. Grundstücke und Gebäude haben in den letzten Jahren einen erheblichen Teil ihres Wertes verloren. Wanderarbeiter, die für kurze Zeit an einem Ort den Bohrtätigkeiten nachgehen, prägen das Bild der Innenstätte und Supermärkte.

 Das Münsterland ist Gasland!

Wir Bürgerinitiativen gegen Gasbohren im Münsterland haben beschlossen, dass wir eine Zerstörung unserer Heimat durch Gasbohren nicht hinnehmen werden. Wir werden weiter entschlossen Widerstand leisten, um zu verhindern, dass diese Vision aus dem Jahr 2026 Realität wird.

Dies schaffen wir aber nicht alleine. Wir brauchen Verbündete, die sich ebenso entschlossen und eindeutig wie wir der drohenden Zerstörung eines Kulturraums entgegen stellen, der über Jahrhunderte gewachsen ist.

Deswegen appellieren die Bürgerinitiativen gegen Gasbohren im Münsterland an die Grünen in den Kreisen Borken, Steinfurt, Münster, Coesfeld und Warendorf:

„Euer ‚Nein‘ zu Gasbohren muss so laut sein wie das ‚Nein‘ zur Atomenergie!“

Diese Karte zeigt auf,um was es geht:Grafik Muenster
Die Genehmigung von Gasbohren durch die Bezirksregieung Arnsberg im Januar 2016 stellt eine massive Bedrohung des ländlichen Raumes dar, unter dem ausbeutbare Flözgasvorkommen vermutet werden. Der Großteil dieser Vorkommen befindet sich unter dem Münsterland. Bisher gab es keine Technologie, die einen genehmigungsfähigen Zugriff auf diesen fossilen Energieträger ermöglichte. Dies hat sich durch die Erlaubnis der Bohrung in Ascheberg radikal geändert.

Diese Auswirkungen auf die Fördermöglichkeiten von Gasvorkommen sind aber keineswegs auf NRW begrenzt. Sollte die neue Technologie in NRW nun genehmigungsfähig und zur Produktionsreife weiter entwickelt werden, steht der Anwendung in ganz Deutschland und dem Export weltweit nichts mehr im Wege. Dann würden nicht nur zusätzliche fossile Energieträger im Kreis Coesfeld aus der Erde geholt werden – auch in China, Venezuela und Australien wäre eine Ausbeutung von Kohleflözgas der Weg bereitet. Mit entsprechend verheerenden Auswirkungen auf das Klima. Denn statt konsequent fossile Energieträger zu ersetzen, würde eine neue fossile Energiequelle bereit gestellt.

Wir als Bürgerinitiativen gegen Gasbohren im Münsterland appellieren daher an die Grünen im Münsterland, sich mit uns dieser Herausforderung zu stellen, um gemeinsam Widerstand zu leisten. Wir benötigen Eure laute Stimme, damit wir zusammen ein deutliches Stoppsignal setzen können:

Nein zu Gasbohren – hier und anderswo!

Dieser Appell an die Grünen Kreis- und Ortsverbände des Münsterlands wird unterstützt von folgenden Bürgerinitiativen:

BiGG Drensteinfurt e.V.                 BisT Herbern

BIGG Hamm                                 BIGG Werne

 

 Veröffentlicht von am 6. Februar 2016

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