Apr 152016
 

 

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Ignoranz gefordert wird, endlich die technisch äußerst anspruchsvolle und auch gefährliche Förderung von Kohlenwasserstoffen unter großflächigem Einsatz der Fracking-Technik in Deutschland gesetzlich zu erlauben. Schon die bisherigen Förderaktivitäten bei uns haben große gesundheitliche und umweltbelastende Probleme erzeugt, deren Altlasten jetzt weitestgehend die Allgemeinheit zu tragen hat. Große Mengen Bohrschlamm sind noch so zu entsorgen, so dass von ihnen keine Gefahr mehr ausgeht.

Ferner steht die Erdgas- und Erdölförderung aus deutschem Boden im Verdacht für schwere bis tödliche Krebserkrankungen verantwortlich zu sein. Die Bereitschaft der einschlägigen Industrie und ihres Verbandes, an der Aufklärung der Gründe für die Häufung der sonst seltenen Blutkrebse an Förderstandorten für Kohlenwasserstoffe mitzuwirken, erschöpft sich im Wesentlichen in der Erklärung, dass nicht die Förderung damit in Zusammenhang gebracht werden dürfe. Dafür gebe es keine Beweise.

Seltsam ist es schon, auch aus Fördergebieten in den USA und in Kanada berichtet zu bekommen, dass auch dort sonst seltene Blutkrebse gehäuft auftreten, weit über dem Landesdurchschnitt. Diese Korrelation führt zu dem Gedankenansatz, dass die Kohlenwasserstoffe, und ihre teils extrem giftigen und krebserregenden Bestandteile im Rohgemisch, doch einen Einfluss ausgeübt haben können. Insbesondere Emissionen von Förder-und Aufbereitungsplätzen stehen im Verdacht.

Der „geopolitische Wert der Energierohstoffe im deutschen Boden“ wird so gern von Herrn Gernot Kalkoffen von ExxonMobil hervorgehoben. Tatsache ist jedoch, dass die erwartete Größenordnung der mittels Fracking förderbaren Gasmengen viel zu gering ist, um „geopolitisch“ nennenswert sein zu können. Die WEG rechnet selbst vor, dass Erdgas von der deutschen Energienachfrage 20% abdeckt (Oktober 2015). Bei 90 Mrd. m3 Erdgas Jahresverbrauch betragen die geförderten Erdgas-mengen gerade mal ca. 9 Mrd. m3 – also 10%. Im Klartext: Erdgas aus deutschem Boden deckt gerade mal 2% der gesamten deutschen Energienachfrage ab. Diese Größenordnung würde sich auch bei breitflächiger Anwendung der Fracking-Technik zur Gasförderung nicht wesentlich ändern, denn der spezifische Gasgehalt der anvisierten Gesteinsschichten ist nur sehr gering. Der weitere Abfall der Fördermengen würde durch den Aufbau der Fracking-Förderung abgefangen.

Und noch ein wichtiger Gesichtspunkt: Die Produktionskosten für Schiefergas aus deutschem Boden wären viel zu hoch, als dass sich damit ohne staatliche Zuschüsse Geld verdienen ließe. Der Steuer-zahler in Deutschland hätte es also zu finanzieren, dass die Erdgasförderer die Gesundheit der An-wohner im dicht besiedelten Deutschland gefährden und ebenso die Umwelt und das Grundwasser, das wir zur Gewinnung von Trinkwasser brauchen.

Nach dem Zusammenbruch der internationalen LNG-Gaspreise auf praktisch die Hälfte des Niveaus von 2015 und vor dem Hintergrund des weiteren massiven Aufbaus von LNG-Verflüssigungs- und -Verschiffungsanlagen in vielen Teilen der Welt, sind die erwartbaren erzielbaren Erdgas-Großhandelspreise so niedrig, dass eine Förderung aus deutschem Boden nicht rentabel sein könnte.

Herr Kalkoffen soll deutschen Verbrauchern doch bitte einmal erklären, warum sie eine vorhersehbar unrentable und dazu noch gefährliche Förderung von Kohlenwasserstoffen aus deutschem Boden begrüßen sollen, deren Nebenwirkungen und Hinterlassenschaften sie anschließend noch mit Milliardenbeträgen subventionieren müssen. Denn eines ist sicher: diese Kosten sind und bleiben „heimisch“

 

Kommentar von

Volker Fritz

im Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 15. April 2016

Kommentare sind derzeit nicht möglich.