Mai 292016
 

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Solidaritätsbotschaft an die Teilnehmer des Aktionstags mit Menschenkette gegen Gasbohren und für erneuerbare Energien am Sonntag, 22.5.2016

 

Am Sonntag, dem 22.5.2016 fand am Bohrgelände in Herbern-Nordick (Münsterland) ein Aktionstag mit Menschenkette gegen Gasbohren und für erneuerbare Energien statt. Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) hat sich mit den Teilnehmern solidarisiert und die nachfolgende Grußbotschaft übermittelt, die auf der Veranstaltung auch verlesen wurde.

 

Der Vorstand des Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz spricht allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des heutigen Tages die Solidarität aus. Auch wenn wir heute nicht hier sein können, da wir zeitgleich in Hamburg tagen – wir kämpfen den gleichen Kampf: Gegen Umweltzerstörung, gegen Risikotechniken, gegen die Gefahren des Gasbohrens und für erneuerbare Energien. Und Euer Kampf ist besonders wichtig, weil er zeigt: Auch ohne Fracking führt Gasbohren zu Gesundheitsschäden und Umweltschäden. Den Profit bekommen die Gaskonzerne, die Zeche zahlt die Bevölkerung vor Ort. Das dürfen wir nicht zulassen.

 

Während die NRW-Landesregierung betont, dass es in diesem Bundesland kein Fracking geben wird, blendet sie die Gefahren der konventionellen Erdgasgewinnung vor Ort aus. Sie lässt zu, dass die Firma PVG eine Aufsuchungserlaubnis nach der anderen mit dem Zauberwort „Tektomechanik“ erhält. Eine nach dem Bundesberggesetz vorgeschriebene Prüfung der Beeinträchtigung öffentlicher Belange findet in Nordrhein-Westfalen entgegen Recht und Gesetz nicht statt. Das ist ein Armutszeugnis für eine Landesregierung und die Missachtung des Amtseids der Regierung.

 

Stattdessen erklärt uns das Bergamt bei der Bezirksregierung Arnsberg, dass die Prüfung der öffentlichen Belange im Betriebsplanverfahren erfolgt. Doch wer die Akten anfordert, stellt fest: Auch diese Behauptung ist falsch. Diese Genehmigungsbehörde weiß noch nicht einmal, was sich unter dem Namen „Tektomechanik“ verbirgt. Daher kann sie auch nicht die Umweltauswirkungen im Detail ermitteln. Auf einer derartigen Grundlage einen Betriebsplan zuzulassen, ist ein Skandal. Wir fordern die Landesregierung auf, dafür zu sorgen, dass der Betriebsplan unverzüglich aufgehoben wird. Bestehende Bohrungen müssen sofort gestoppt werden. Geplante Bohrungen dürfen nicht erfolgen.

 

Die Gefahren des Gasbohrens hier vor Ort liegen auf der Hand. Grundwasserverseuchungen durch Lagerstättenwaser können nicht ausgeschlossen werden. Entgegen aller Beteuerungen hat der Schutz des Grundwassers gerade nicht höchste Priorität.

 

Nach Erdbeben bei der konventionellen Gasförderung in Groningen müssen wir auch hier mit Erdbeben rechnen. Während die Niederlande diese Gasgewinnung weitgehend gestoppt haben, steigt NRW hier vor Ort gerade in das gefährliche Gasbohren ein. Diese Politik, die sich nicht von Tatsachen beeindrucken lässt, ist völlig unakzeptabel.

 

Die Landschaft wird sich in erschreckender Weise verändern. Aneinander gereihte Bohrtürme werden aus einer ländlichen Region eine zerstörte Industrielandschaft machen. Das dürfen wir nicht zulassen.

 

Und in Niedersachsen zeigt sich das gesamte, erschreckende Ausmaß der Folgen der Erdgasgewinnung. Auch in Fördergebieten, in denen nicht gefrackt wurde, sind deutlich erhöhte Krebsraten festgestellt worden. Krebserregende Stoffe wie Benzol und sehr giftige Substanzen wie Quecksilber vergiften uns und unsere Umwelt. Es ist zynisch, vor diesem Hintergrund weitere Gasbohrungen zu genehmigen.

 

Wem dient das Ganze? Der Sicherung der Energieversorgung jedenfalls nicht. Denn Erdgas aus Deutschland kann gerade einmal zu 2% den Energieverbrauch decken. Das können wir problemlos durch Einsparungen beim Energieverbrauch, einer erhöhten Energieeffizienz und eine verstärkte Förderung der Nutzung regenerativer Energiequellen ausgleichen. Wir brauchen kein Gasbohren.

 

Wem es nutzt, macht aber die Berichterstattung der letzten Tage deutlich. Es sind nicht nur die Gaskonzerne, die vor dem endgültigen Durchbruch der erneuerbaren Energien ihre schmutzigen, fossilen Energieträger verkaufen wollen. Es sind auch Bohrfirmen wie Daldrup und Söhne, die sich einen Profit auf Kosten von Mensch und Umwelt erhoffen. Und federführend sind alte, reaktionäre Männer wie der ehemalige NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement, der symbolisch den Hebel zum Bohrbeginn in Nordick betätigt hat. Als Aufsichtsratsvorsitzender von Daldrup wird er gut verdienen – auf Kosten von uns allen. Genauso wie er es bei seiner Lobbytätigkeit für Atomenergie und Kohlekraftwerke getan hat – ohne jeden Skrupel. Wir dürfen nicht zulassen, dass rückwärtsgewandte Gestalten von gestern unsere Zukunft und die unserer Kinder zerstören. Wir müssen ihnen entschiedenen Widerstand entgegen setzen.

 

Wir haben eine positive Utopie. Wir wollen Energie aus Sonne, Wind und Wasser statt Atomenergie, CO2-Killer und Gasbohren. Wir kämpfen für die konsequente Durchsetzung der Energiewende. Wir wollen eine dezentrale Energieversorgung und keine Großkonzerne, die über unser Schicksal entscheiden.

 

Der heutige Aktionstag ist ein wichtiger Schritt gegen das Gasbohren und für erneuerbare Energien. Dabei seid Ihr nicht alleine. Wir als Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz unterstützen euch. Gemeinsam werden wir die Gaskonzerne stoppen und die Politik verändern.

 

 Veröffentlicht von am 29. Mai 2016

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