Jul 292016
 
Foto: pixabay

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Ein neuer Bericht von Friends of The Earth bestätigt die Beschleunigung des Klimawandels durch Kohlevergasung im Untergrund (UCG) und die Kohleverflüssigung.

Auch im dichtbesiedelten NRW besteht aus heutiger Sicht die Gefahr, dass Anhänger der Kohlevergasung (UCG) und der Kohleverflüssigung diese Methode anwenden, wenn ihre derzeitigen Vorhaben der Förderung von Kohleflözgas sich als nicht realisierbar erweisen.

Umfangreiche Berechtigungen zur Aufsuchung von Kohleflözlagerstätten wurden großflächig erteilt. Ein Ende dieser Genehmigungspraxis zeichnet sich nicht ab.

Übersetzung: (auszugsweise)

„Das Feuer weiter anfachen: die schillernde Geschichte der Kohlevergasung (UCG) und der Kohleverflüssigung rund um die Welt“

Friends of The Earth-Report vom 25.07.2016

Autor: FoE Scotland

Originaltitel: Fuelling The Fire The chequered history of Underground Coal Gasification and Coal Chemicals around the world. (Umfang: 67 Seiten)

Vorwort von Jagoda Munic,

Präsidentin von Friends of the Earth International:

Im Gefolge des gefeierten Pariser Abkommens (vom Dezember 2015) treten wir in das letzte Jahrzehnt ein, in welchem wir durch irgendwelche Maßnahmen die Möglichkeit haben zu agieren, um den globalen Temperaturanstieg unter plus 1,5 Grad Celsius zu halten und dadurch einige der am meisten zerstörerischen Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden. Diese Auswirkungen – Überflutungen, Dürren, Stürme und ansteigende Meeresspiegel – werden die Ärmsten der Welt am härtesten treffen. Um nur irgendeine Hoffnung haben zu können, dass wir innerhalb unseres globalen Kohlenstoff-Verbrauchs-Budgets bleiben werden, ist eine Sache sehr klar: Wir können unsere bestätigten Reserven fossiler Brennstoffe nicht mehr verbrennen, ganz zu schweigen von den noch viel größeren vermuteten Vorkommen. Wir müssen sie im Boden lassen.

Vor dem Hintergrund des geringen Wachstums der konventionellen Kohleindustrie, drohen hoch verschmutzende unkonventionelle Kohle-Technologien das Erdklima noch weiter zu destabilisieren. Wenn diese Technologien angewendet werden, könnten sie das globale Kohlenstoff-Verbrauchsbudget zum Platzen bringen und dadurch eine sichere Katastrophe für unseren Planeten heraufbeschwören. Zu einer Zeit, wo verlässliche erneuerbare Energie sich als sauberer, sicherer und besser für die Menschen herausstellt, macht es keinen Sinn, schmutzige Technologien wie die Kohlevergasung im Untergrund (UCG) und die Kohleverflüssigung einzusetzen, die es weitaus schwieriger machen würden, eine unkontrollierte globale Erderwärmung abzuwehren.

Foto: pixaby

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Während die Mächtigen der Welt fortfahren, wenig sinnvolle Aktionen zu unternehmen, um den planetaren Notstand zu beseitigen, kämpfen Gruppen von Friends of the Earth zusammen mit Verbündeten und sozialen Bewegungen gegen schmutzige und umweltbelastende Energie-Projekte rund um den Globus.
Angesichts der oft verheerenden Auswirkungen auf die örtliche Umwelt und auf die Gesundheit der Anwohner und auf deren Wohlbefinden, ist es essentiell, die Firmen und die verantwortlichen Regierungen zu stoppen. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren auf dem Weg in die Zukunft mit geringem Kohlenstoff-Verbrauch.

Die Kohle, der am meisten verschmutzende der hauptsächlichen fossilen Brennstoffe, muss dringend verlassen werden, während gleichzeitig die weit überwiegende Mehrheit von Öl und Gas ungenutzt im Boden bleiben muss. Reiche Länder, die auf dem Rücken der Förderung fossiler Brennstoffe reich geworden sind, müssen ihren fairen Anteil dazu beitragen, die Umstellung der Energien in den Ländern des globalen Südens zu finanzieren.

Wer heute investiert und eine neue Front fossiler Brennstoffe eröffnet, in diesem so kritischen Stadium des Kampfes gegen den Klimawandel, benimmt sich nicht nur kriminell gegenüber unserem Planeten, sondern auch gegenüber der Menschlichkeit.

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Zusammenfassung der Ergebnisse und der Forderungen (Executive Summary)

Während weltweit die Kohleindustrie schrumpft, wächst das Interesse an neueren unkonventionellen Kohle-Technologien, wie der Kohlevergasung im Untergrund (UCG) und der Kohleverflüssigung. Diese Industrien bringen bedeutende Risiken für die Umwelt in Bezug auf Luft- und Wasserverschmutzung mit sich und haben auch eine riesige Bedeutung für den Kampf gegen den Klimawandel, weil durch sie neue, vorher nicht zugängliche, Vorkommen fossiler Brennstoffe eröffnet werden.

UCG ist eine Technologie im kommerziellen Säuglingsalter. Der Prozess besteht aus dem Anbohren von Kohleflözen und dem Verbrennen der Kohle in situ in Anwesenheit von Dampf, Luft oder Sauerstoff um „Syngas“ herzustellen, (eine Mischung aus hauptsächlich Wasserstoff, Methan, CO2 und CO) das dann durch die Förderleitung zur Oberfläche gesaugt wird.

Diese Industrie wurde anfänglich in Australien, Südafrika, China und Europa vorangetrieben. Obwohl Versuchs- und Demonstrationsprojekte seit Jahrzehnten rund um die Welt betrieben wurden, führten mehrere neuere Versuche zu schweren Kontaminationen des umgebenden Grundwassers und zu Oberflächenabsenkungen. Der Prozess erzeugt giftige Wasserprodukte und verunreinigtes Wasser, und beide sind sehr problematisch zu entsorgen. Die UCG-Vergasung ist ein Hauptbeiträger zum Klimawandel. Ungefähr 860 Gigatonnen (Gt) Kohle sind derzeit durch konventionellen Bergbau zugänglich und etwa 88% davon müssen im Boden bleiben, wenn wir eine Chance haben wollen, unter den 2 Grad Celsius maximaler Erwärmung zu bleiben. Um unter der 1,5 Grad-Grenze bleiben zu können, wie im Pariser Klimaabkommen angestrebt, müsste sehr wahrscheinlich der gesamte Kohlevorrat ungenutzt bleiben. UCG könnte möglicherweise die verwendbaren Kohlereserven um ca. 600 Gt erweitern, was zu einem zusätzlichen CO2-Volumen von 1650 Gt führen würde, wenn sie verbrannt würden. Das Syngas, das aus dem UCG-Prozess entsteht, ist extrem schmutzig und emittiert acht mal so viel CO2, wenn es zur Stromerzeugung benutzt wird, als es gemäß dem britischen Komittee für Klimawandel der noch zulässige Standard im Jahre 2030 sein darf. Das bedeutet, dass UCG nicht vereinbar mit einem Wechsel zu sauberen Energien ist.

Grafik: pixabay

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Kohle-Chemikalien oder Kohleverflüssigung ist der Prozess bei dem die Kohle in flüssige Brennstoffe, synthetisches Erdgas und chemische Produkte umgewandelt wird.

Die Industrie ist hauptsächlich in China etabliert, aber es gibt auch Entwicklung in Australien, Südafrika und den USA. Der Prozess hinterlässt umfangreiche Spuren in der Form von Kohlegewinnung, Wasserverbrauch, Energieverbrauch und der Entstehung giftiger Abfälle und deren Beseitigung. Es werden große Mengen Treibhausgas emittiert. Chinas Plan von 2014, mindestens 40 Kohle-zu-Gas Anlagen zu bauen, könnte möglicherweise während der nächsten 40 Jahre weitere 110 Gt CO2 hinzufügen.

Fürsprecher für UCG und Kohle-Verflüssigung argumentieren, dass diese Technologien machbar sind in Verbindung mit der CO2-Abtrennung und Verpressung im Boden (CCS).

Jedoch hat bis heute CCS es wirtschaftlich nicht vermocht, in Gang zu kommen und es gibt auch noch technische Fragen zu klären. Es bleibt eine falsche Lösung, die riskiert, dass Firmen und Technologien Erlaubnisse zur Anwendung erhalten, die die Atmosphärenverschmutzung weiterführen und so der Klimakrise weiteren Zündstoff geben.

Erfahrung von überall auf der Welt – Australien, China, Südafrika und den USA –zeigt, wie zerstörerisch diese Industrien wirken können. Jüngste Erfahrung in Australien von einem großen Störfall im UCG Versuchsprojekt von Linc Energy beleuchtet die wirklichen Risiken bei der Entwicklung dieser Industrien. Erfahrung aus China belegt, dass große Kohle-Umwandlungsprojekte die Umwelt in Trockengebieten durch hohen Kohle- und Wasserverbrauch belasten.

Diese Technologien können nicht ausgedehnt werden und müssen beendet werden, wenn wir die Hoffnung erhalten wollen, den globalen Temperaturanstieg irgendwo in der Nähe eines sicheren Wertes zu halten.

Für viele Menschen rund um den Globus sind sichere Werte bereits verloren. Die Abwendung einer Klimakatastrophe ist nur zu diesem Zeitpunkt in unserem Zugriff. Wir können nicht riskieren, diese gefährliche Industrie der hohen CO2-Emissionen weiter zu verfolgen, welche den Übergang zu einer Welt mit niedrigem CO2-Ausstoß beeinträchtigt und verzögert.

 

Grafik: pixabay

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Wir rufen auf:

  • Kein öffentliches Geld in Forschung und Entwicklung der Verfahren zur Kohlevergasung m Untergrund (UCG) und zur Kohle-Verflüssigung
  • Beendigung der öffentlichen Förderung für existierende Anlagen dieser beiden Arten
  • Verbot neuer Anlagen der beiden Arten
  • ein schnelles Beenden vorhandener Anlagen der beiden Arten

übersetzt: Volker Fritz

Quellen:

www.foei.org/wp-content/uploads/2016/07/FoEI_Fuelling_the_Fire_July2016.pdf

www.foei.org/resources/publications/unconventional-coal

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