Jan 122017
 

Erdgasförderung „für die Energiewende“?
Kommentar zur DBI-Studie vom 15.12.2016 „Kritische Überprüfung der
Treibhausgasvorketten-Emissionen (im Auftrag der Zukunft ERDGAS e.V.)

Die unabhängige Consulting-Firma EXERGIA, tätig auf den Feldern Energie, Umwelt und Wasser, hatte im Juli 2015 im Auftrag der EU-Kommission eine Studie zu den bei der Erdgasnutzung auftretenden „Vorkettenemissionen“ herausgegeben. Sie war zu dem Ergebnis gekommen, dass die im Vergleich zu den anderen fossilen Energiequellen geringere CO2-Emission bei der Verbrennung von Erdgas durch Freisetzung von CO2 und unverbranntem Methan bei Förderung, Reinigung und Transport des Erdgases aufgehoben wird.
Am 15. Dezember konterte die DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH die im Wesentlichen für die Öl- und Gasindustrie tätig ist, mit einer von der Zukunft ERDGAS e.V. in Auftrag gegebenen „Kritischen Überprüfung der Default-Werte der Treibhausgasvorkettenemissionen von Erdgas“, worin die von EXERGIA ermittelten Emissionen erheblich nach unten korrigiert werden

Die Ergebnisunterschiede werden im Wesentlichen auf zwei Ursachen zurückgeführt: 1.) EXERGIA bezieht die Emissionen auf die im Untersuchungsgebiet (Zentraleuropa) verbrauchte Erdgasmenge, DBI bezieht sie auf die (größere) transportierte Menge.
2.) Die Ermittlungen von DBI basieren zusätzlich zu öffentlich zugänglichen Daten auf Daten, die von der Erdgasindustrie zur Verfügung gestellt wurden.
Damit ist im Grunde schon alles gesagt und auch erklärt.

Zusätzlich begegnet der Leser einer Vielfalt von Annahmen, Schätzungen und Umrechnungen, deren Stimmigkeit nur durch detaillierte Kenntnis des Ausgangs-materials und Nachvollzug sämtlicher Ableitungen überprüft werden könnte.
Erwähnt sei noch, dass gefracktes Erdgas, das mit wesentlich höheren Emissionen verbunden ist, von der Untersuchung ausgeklammert bleibt, ebenso das LNG-Verfahren, bei dem 10 – 30% des Energiegehaltes des Erdgases für die Verflüssigung (bei ca. –163 Grad) benötigt werden und entsprechende Emissionen verursachen (für die Zukunft gefracktes Gas aus Russland ebenso angekündigt, wie gefracktes LNG-Gas aus Nordamerika).
Bemerkenswert ist schließlich auch, dass die Studie bei Methan mit der 25-fachen Klimawirkung von CO2 rechnet, welcher Wert sich nach ca. 100jähriger Verweildauer in der Atmosphäre einstellt, während in den ersten 20 Jahren die 86-fache Klimawirkung von CO2 entfaltet wird. Und gerade die nächsten 20 Jahre sind von höchster Bedeutung, da sich in diesem Zeitfenster entscheidet, ob die Klimaerwärmung in die dann in keiner Weise mehr beeinflussbare Selbstverstärkung übergeht oder nicht.
Als Dokument rein sachorientierter Wahrheitssuche wirkt die Studie daher nicht. Vielmehr sind die Geschäftsinteressen der Auftraggeber doch stark im Hintergrund zu spüren.
„Es wird Zeit, dass die Politik die Rolle von ERDGAS für die Energiewende stärkt“ mahnt die Pressemitteilung.
Es geht also nicht um die Stärkung der Energiewende, sondern um die Stärkung der Erdgasindustrie. Die Vokabel „Energiewende“ wird lediglich benutzt, um ihre positive Ausstrahlung für das Erdgas zu vereinnahmen.
Ginge es um die Energiewende, würde die ganze Themenstellung auch anders lauten, nämlich: „Braucht die Energiewende Investitionen in die Erdgasförderung oder in die Versorgung durch erneuerbare Energien?“

Und dann wäre die Antwort ja wohl klar.

Christfried Lenz 06.01.2017
BI Saubere Umwelt und Energie, Altmark

Link zur homepage von Zukunft ERDGAS e.V., wo die DBI-Studie kommentiert wird:

 

Es ist noch anzumerken, dass die Darstellung der drei Kreisringflächen bei
Zukunft-ERDGAS e.V. unter der Überschrift „KLIMAVORTEIL ERDGAS“ in
den dargestellten Flächengrößen nicht den ermittelten Zahlenwerten entspricht.
Dadurch wirkt die Erdgas-Ringfläche viel kleiner –also scheinbar viel vorteilhafter-
als die ermittelten Zahlen dieses rechtfertigen würden.
Zukunft ERDGAS e.V. ist eine Gründung der Unternehmen der deutschen Erdgasförderindustrie.

Link zur kommentierten DBI-Studie vom 15.12.2016: Nach dem Öffnen der DBI-Seite bitte anclicken Projekt „Treibhausgasvorkettenemissionen von Erdgas“ dann auf der sich öffnenden Seite unten anclicken: Bericht-THG-Vorkettenemissionen von Erdgas

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