Feb 052017
 

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Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 04.02.2017

Heute berichte ich zum Zeitraum Januar 2017 vom 07.01.2017 bis zum 03.02.2017.

Die im Januar 2017 im Einsatz befindlichen Bohrtürme in den USA und Kanada, nach den Baker-Hughes fortlaufenden Listen, zeigen für Januar eine starke Belebung, wie sie in Nordamerika – nach Stillegungen zum Jahreswechsel durchaus üblich ist.

Gegenüber der Zunahme um nur 16 weitere Reaktivierungen im Vormonat stieg im Berichtszeitraum  die Zahl der Bohrtürme um 202 Stück in USA und Kanada zusammen an. Eine derartige Zunahme in einem Monatszeitraum hat es seit 2014 nicht mehr gegeben.

Auch international, in der übrigen Welt –so zeigen es die jetzt vorliegenden Auswertungen des Monats Dezember 2016, beginnt sich die Bohrindustrie wieder zu  beleben, zunächst im asiatisch-pazifischen Raum und ein wenig in Lateinamerika. Insgesamt 26 zusätzliche Bohrtürme wurden gemeldet.

Der vorsichtige Optimismus wegen der über 55.- EUR/barrel angezogenen Ölpreise hat sich in den vergangenen Wochen verfestigt, nachdem die Rohölpreise im Januar 2017 bei 55,00,50 USD/barrel für Sorte BRENT gehalten werden konnten und  zum Berichtsmonatsende sogar die 57,00 USD/barrel BRENT übersprangen.

In der Fachpresse ist man weiterhin sich nicht ganz einig, wie es weiter gehen wird. Mit Amtsantritt des neuen U.S.-Präsidenten Donald Trump ist die Unsicherheit wieder gestiegen, nachdem seine ersten Präsidenten-Erlasse bekannt geworden sind.

Einige Kommentatoren meinen, dass die OPEC-Beschlüsse vom November 2016 bereits physische Auswirkungen haben können. Das erscheint jedoch eher unwahrscheinlich weil weltweit zu viel Rohöl in Tankern zwischenlagert. Dieses Überangebot drückt nach wie vor auf die Preise. Und die erklärten Absichten des neuen U.S.-Präsidenten, die heimische Öl- und Gasförderung ankurbeln zu wollen, wird zu einer Vergrößerung des am Markt abzusetzenden Volumens führen, wenn sie umgesetzt wird – mit der Folge einer Verbilligung wegen Überangebot. Es erscheint eher zutreffend, dass spekulative Aufkäufe von freien Spotmengen – in Erwartung bald höherer Preise – zum Jahreswechsel und im Januar zum Anziehen der Notierungen  geführt haben.

Die Zunahme in Nordamerika gegenüber dem Jahreswechsel beträgt insgesamt 23 Prozent  wobei in den USA die Zunahme mit 64 Bohrtürmen als „weitere Belebung“ zu sehen ist, dagegen in Kanada die massiven Stilllegungen zum Jahreswechsel offenbar wieder reaktiviert wurden, so dass der Anstieg um 138 Bohrtürme im Berichtszeitraum  in Kanada auch diese kurzfristigen Reaktivierungen beinhaltet. In den USA und in Kanada lag dabei das Schwergewicht auf Ölbohrtürmen mit über 70 Prozent Anteil.

Hier noch einmal die Gesamtübersicht der Entwicklungen der letzten Monate:

Juni 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 50 Türme + 14 Öl + 22 Öl
+ 3 Gas + 11 Gas
Juli 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 67 Türme + 41 Öl + 12 Öl
+ 0 Gas + 14 Gas
August 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 48 Türme + 39 Öl + 17 Öl
– 10 Gas Gas + 2 Gas
September 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 26 Türme + 9 Öl + 10 Öl
+ 7 Gas + 0 Gas
Oktober 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 64 Türme + 16 Öl + 15 Öl
+ 14 Gas + 19 Gas
November 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 40 Türme + 20 Öl – 1 Öl
+ 10 Gas + 12 Gas
Dezember 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 110 Türme + 46 Öl + 29 Öl
+ 10 Gas + 25 Gas
Dez./Januar 2017 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 16 Türme + 34 Öl – 13 Öl
+ 7 Gas -12 Gas
Januar 2017 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 202 Türme + 54 Öl + 93 Öl
+ 10 Gas + 45 Gas

 

Insgesamt wurden im Berichtsmonat Januar 202 Bohrtürme wieder aktiviert. Der Abbau der Bohrkapazitäten in den USA ist praktisch zum Stillstand gekommen, der deutliche Zuwachs erfolgte aber nur in wenigen Bundesstaaten. In diesem Berichtszeitraum liegen die stärksten Zunahmen in den Bundesstaaten Texas (+ 28), Oklahoma (+16) und New Mexico (+9) .

Der inzwischen bei Preisen zwischen 55 und 60 USD/barrel befindliche Rohölpreis lässt gerade bei den zahlreichen Firmen Hoffnung aufkeimen, die sich finanziell übernommen haben und ihre Schuldzinsen nicht oder nicht in vollem Umfang begleichen können. Sie stehen kurz vor der Insolvenz und am Markt will ihnen niemand weitere Kredite gewähren. Viele Milliarden Verluste durch faule Kredite mit Frackingfirmen haben Anleger vorsichtig werden lassen. Die Förderer sehen mit Bangen der Ölpreisentwicklung in den nächsten Wochen entgegen. Sollte sich die Preisanhebung wieder einglätten, wenn die Wintermonate zu Ende gehen, wird die Insolvenzwelle unter den US-Firmen weiter gehen.

Die Fracking-Ölförderer in den USA, die bisher überlebt haben, bemühen sich weiterhin nach Kräften, ihre Produktionskosten noch weiter zu senken.

International steigt die Zahl der Bohrtürme im Dezember 2016 erstmals wieder deutlich an, nach einem kleinen Plus an Türmen im November auf gesamt 929 Stück nunmehr auf 955 Türme im Einsatz. Weiterhin ist genug Rohöl weltweit im Angebot. Das drückt weiter die Spotpreise, trotz der zum Teil eingetretenen Verringerung der US-Ölproduktion.

Die OPEC-Staaten fördern ab Januar 2017 mit 3,5 Prozent reduzierter Förderung und Russland, obwohl nicht OPEC-Mitglied, hat sich der Gruppe angeschlossen und auch eine spürbare Reduzierung seiner Ölförderung angekündigt.

Im Lichte vergangener OPEC-Entscheidungen, die dann von den Mitgliedern doch nicht eingehalten wurden, sind Energie-Fachleute weiterhin skeptisch, ob die Umsetzung des OPEC-Beschlusses vom 29.11.2016 Bestand haben wird.

Dem gegenüber steht auf der Abnehmerseite für Rohöl weiterhin das reduzierte Wachstum der großen asiatischen Volkswirtschaften, wodurch sich der Bedarf an Öl und LNG-Erdgas erheblich abgeschwächt hat. Eine grundsätzliche Änderung ist zur Zeit weiterhin nicht absehbar. Natürlich wird versucht, die winterlichen Heizperioden der nördlichen Hemisphäre und des nordöstlichen asiatischen Raumes zu saisonalen Preisanhebungen zu nutzen. Diese Anhebungen der Preise werden jedoch mit Ende der Winterperiode wieder eingeglättet werden. Eine deutliche Preiserhöhung für Rohöl zu höheren Preisen wird bis weit in 2017 hinein nicht erwartet. Auch die IEA schätzt die Entwicklung so ein.

Gegenüber September 2014 hat sich im Januar 2017 ergeben, einschließlich Offshore und Bohraktivitäten im Golf von Mexiko:

USA von 1931 vermehrt auf 729 Stück (Dezember 665) = -62,3 % zu 9/2014
Kanada von 429 vermehrt auf 343 Stück (Dezember 205) = -20 % zu 9/2014

 

nach Öl- und Gasförderung unterschieden bedeutet das für USA:

Öl von 1592 vermehrt auf 583 Stück (Dezember 592) = -64,4 % zu 9/2014
Gas von 338 vermehrt auf 145 Stück (Dezember 135) = -57,1 % zu 9/2014

 

nach Öl- und Gasförderung unterschieden bedeutet das für Kanada:

Öl von 246 vermindert auf 197 Stück (Dezember 104) = -20 % zu 9/2014
Gas von 183 vermindert auf 148 Stück (Dezember 100) = -19,2 % zu 9/2014

 

Die Ankündigungen der Öl- und Gasförderfirmen im Fracking-Bereich in den vergangenen Wochen lassen aus den USA erkennen, dass trotz der noch immer problematischen Lage optimistische Untertöne verstärkt sind.

Die weiterhin katastrophale Lage bei den Gaspreisen in den USA mit 2, 60  USD/mmBtu, zur Zeit nur durch die Wintereinflüsse kurzfristig auf 3,60 bis 3,80 USD/mmBtu angestiegen, bei Produktionskosten, die mehrfach höher sind, macht die Erdgasproduktion weiterhin zum Verlustbringer. Auch der begonnene LNG-Export nach Südamerika, Asien und Europa, von den USA aus, bringt keine Gewinne sondern ist nach wie vor verlustbringend. Der für 2017 anstehende weitere Zuwachs an neuen LNG-Kapazitäten könnte zu einer Stabilisierung beitragen, wenn das Angebot im Henry-Hub nicht vergrößert wird.

Eine generelle Trendwende ist in den USA bezüglich des Fördergeschäftes weiterhin noch nicht in Sicht, wenn sich auch die Kostenschwelle erheblich verringert hat. Immerhin hat der weitere Anstieg der Bohrtürme im Einsatz in Nordamerika gezeigt, dass es der OPEC bisher nicht gelungen ist, die Fracking-Industrie in den USA und in Kanada als Wettbewerber auszuschalten. Die Überlebenden sind jetzt auf dem Sprung. Wenn Präsident Trump ihnen preiswerte Regierungskredite gewährt, werden sie ihre Aktivitäten schnell weiter hoch fahren.

Im Übrigen verweise ich auf meine Ausführungen in den vorhergegangenen Berichten zu den Monaten Mai bis Dezember 2016.

 

Volker Fritz
im Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land

 

 

 

 

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