Mai 052017
 

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Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 05.05.2017 VF

heute berichte ich zum Zeitraum April 2017 vom 01.04.2017 bis zum 28.04.2017.

Die im April 2017 im Einsatz befindlichen Bohrtürme in den USA und Kanada, nach
den Baker-Hughes fortlaufenden Listen, zeigen, nach der starken Belebung
im Januar , einer Stagnation der Wiederinbetriebnahme im Februar, einen
deutlichen Rückgang im März, auch im Monat April eine abnehmende Tendenz.
Gegenüber der Zunahme um 202 Stück in USA und Kanada im Januar wurden für
Februar zusammen nur 19 weitere Reaktivierungen gemeldet und im März sogar ein
deutlicher Rückgang von minus 112 Bohrtürmen. Auch im April setzt sich dieser
Trend fort, wobei Kanada sehr starke Rückgänge verzeichnet, bei gleichzeitig
mäßiger Zunahme in den USA.

International, in der übrigen Welt –hat nach den nun vorliegenden Märzzahlen –
die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegenüber dem Februar-Bericht im
März um 2 Stück auf 943 Stück gering zugenommen (1 Monat Zeitverzug).

Der vorsichtige Optimismus wegen der über 55.- EUR/barrel angezogenen Ölpreise
hat sich im April weiter abgeschwächt, da die Rohölpreise im Verlauf von 55,00
USD/barrel für Sorte BRENT auf ca. 50,50 USD fielen und nicht, wie erwartet, weiter anzogen.

In der Fachpresse ist man weiterhin sich nicht ganz einig, wie es weiter gehen wird.
Die Stimmen, die das Geschäft im Verlauf des Jahres 2017 deutlich belebt
erwarteten, sind leiser geworden.
.
In den letzten Monaten seit Mitte Dezember 2016 bis zum 20.02.2017 sind die
Konkurse von weiteren 98 Bohr- und Service-Firmen in den USA und in Kanada
registriert worden, wobei die vergleichsweise geringen offenen Forderungen zeigen,
dass es sich hierbei weit überwiegend um kleinere Firmen handelt.
Es zeigt sich, dass mit Jahresbeginn 2017 die Zahl der Konkurse deutlich gesunken
ist, auf nur noch einige wenige pro Monat. Die Stabilisierungsentwicklung in den
USA zeigt auch hier ihre Wirkung. Insgesamt sind seit 2015 somit 312 Unternehmen in Nordamerika in Konkurs gegangen –

mit einer Gesamt-Schuldensumme von 98,5 Mrd USD

Die Maßnahmen und Erlasse des U.S.-Präsidenten Donald Trump zu Gunsten der
fossilen Industrien werden tendenziell zu einer Belebung der Industrie und der
Förderung in den USA führen, zu Lasten der Umwelt und der Gesundheit der
Bürger. Die Reduzierung des Fördervolumens weltweit durch die OPEC-Beschlüsse
im November 2016 und die gleichzeitige Ankündigung Russlands, auch seine
Ölproduktion ab Anfang 2017 zu drosseln, werden dadurch zu einem großen Teil
konterkariert. Saudi hat in der zweiten Hälfte Februar seine zurückgenommene
Förderleistung wieder zu einem großen Teil aufgehoben und fördert wieder mehr.
Das kurzfristige Anziehen der Rohölpreise zum Jahreswechsel und Januar 2017
hat sich nicht verstetigt.
Es verfestigt sich daher die Annahme, dass spekulative Aufkäufe von freien
Spotmengen – in Erwartung bald höherer Preise – zum Jahreswechsel und im
Januar zum Anziehen der Notierungen geführt haben.
Das wieder vergrößerte Ölangebot, durch Saudi, durch den Iran und durch die
Steigerung der US-Förderung führt erneut zu einem Fortbestand des Überangebotes
an Rohöl in den Märkten. Das wird zu einer Fortdauer der Rohölpreise um 50 USD/
Barrel, oder gar darunter, führen.

Der Rückgang der Bohrtürme in Nordamerika im April gegenüber dem März 2017
beträgt etwa 2,5% wobei in den USA die Zunahme mit 46 Bohrtürmen als „ weitere
Belebung“ zu sehen ist, dagegen in Kanada die Stilllegungen von 70 Bohrtürmen
zu einer Verringerung um weitere 55 % führte. In diesem Monat betrafen die
Stillegungen in Kanada mehrheitlich den Gasbereich.

Hier noch einmal gerafft die Gesamtübersicht der Entwicklungen der letzten Monate:

Insgesamt wurden im Berichtsmonat April 70 Bohrtürme stillgelegt, alle Kanada.
Der Abbau der Bohrkapazitäten in den USA ist beendet. Die Zunahme im April
konzentrierte sich auf die Staaten Oklahoma + 9, Texas + 26, New Mexico + 5
und Wyoming + 4. Mehr als 75% der U.S.-Zunahme lag im Ölbereich.

Die Fracking-Ölförderer in den USA, die bisher überlebt haben, bemühen sich
weiterhin nach Kräften, ihre Produktionskosten noch weiter zu senken und sic h
auf die lukrativsten Fördergebiete zu konzentrieren.

International ist kaum weitere Bewegung zu verzeichnen. Weiterhin ist über-genug
Rohöl weltweit im Angebot, da die Förderung wieder über dem weltweiten Bedarf
liegt und der Winter auf der Nordhalbkugel zu Ende ist. Das drückt die
Spotpreise.

Dem gegenüber steht auf der Abnehmerseite für Rohöl weiterhin das reduzierte
Wachstum der großen asiatischen Volkswirtschaften, wodurch sich der Bedarf
an Öl und LNG-Erdgas erheblich abgeschwächt hat.
Eine grundsätzliche Änderung ist zur Zeit weiterhin nicht absehbar.
Eine deutliche Preiserhöhung für Rohöl zu höheren Preisen wird bis in die 2.
Jahreshälfte 2017 nicht mehr erwartet. Auch die IEA schätzt die Entwicklung so ein.

Gegenüber September 2014 hat sich im April 2017 ergeben, einschließlich Offshore
und Bohraktivitäten im Golf von Mexiko:
USA von 1931 vermehrt auf 870 Stück (Mrz 824) = – 55 % zu 9/2014
Kanada von 429 vermindert 85 Stück (Mrz 155) = – 80 % zu 9/2014

nach Öl- und Gasförderung unterschieden bedeutet das für USA:
Öl von 1592 vermehrt auf 697 Stück (Mrz 662) = – 56,2 % zu 9/2014
Gas von 338 vermehrt auf 171 Stück (Mrz 160) = -49,5 % zu 9/2014

nach Öl- und Gasförderung unterschieden bedeutet das für Kanada:
Öl von 246 vermindert auf 24 Stück (Mrz 55) = – 91,3% zu 9/2014
Gas von 183 vermindert auf 61 Stück (Mrz 100) = – 66,6 % zu 9/2014

Die Ankündigungen der Öl- und Gasförderfirmen im Fracking-Bereich in den
vergangenen Wochen lassen aus den USA erkennen, dass trotz der noch immer
problematischen Lage optimistische Untertöne verstärkt sind.

Die weiterhin katastrophale Lage bei den Gaspreisen in den USA mit 2,81 USD/mmBtu
Ende Februar – nach 3,15 USD/mmBtu am 01.02.17 Börse NYK, hatte sich im März etwas
erholt, mit Henry Hub Preisen von 3,19 USD/mmBtu zum Monatsende und auch im April
ging die Erholung weiter, bis auf 3,276 USD/mmBtu. Dieses Preisniveau hält die
U.S.-Fracking-Erdgasproduktion dennoch weiterhin in der Verlustzone, nachdem der
kältebedingte Mehrbedarf abgeflaut ist. Auch der zunehmende LNG-Export nach Südamerika, Asien und Europa, von den USA aus, bringt keine Gewinne sondern ist nach wie vor verlustbringend. Die Investoren verfolgen jedoch langfristige Ziele. Da spielen 2 oder 3 Jahre Verluste keine bedeutende Rolle, wenn dafür Absatzwege und Abhängigkeiten für späteren Bedarf etabliert werden können.
Der weitere Zuwachs an neuen LNG-Kapazitäten in 2017 könnte zu einer Stabilisierung
der US-Gaspreise beitragen, wenn das Angebot im Henry-Hub nicht vergrößert wird,
zugleich aber zu einem Absinken der internationalen LNG-Preise.

Eine generelle Trendwende ist in den USA bezüglich des Fördergeschäftes weiterhin
noch nicht in Sicht, wenn sich auch die Kostenschwelle erheblich verringert hat.

Ob die von Präsident Trump initiierte Wiederbelebung des Steinkohleeinsatzes in
den USA für die Stromerzeugung eine große Wirkung entfalten kann, hängt
letztendlich von der Höhe der Erdgas-Großhandelspreise ab. Frühere Erfahrungen
zeigen, dass ab einem Henry-Hub-Großhandelspreis von etwa 4,00 bis 4,50 USD/mmBtu
die Steinkohlefeuerung in Kraftwerken wieder günstiger ist.

Meiner Meinung nach werden viele Stromerzeuger doppelgleisig fahren. Sie haben
beim Aufbau der neuen Gasturbinenkraftwerke ihre „Steinkohle-Möhrchen“ nicht
verschrottet. Der unter Obama verfügte Umbau der älteren Anlagen auf geringere
Emissionen ist noch nicht umgesetzt gewesen, wegen verschiedener Klagen dagegen
und durch die Aufhebung der Obama-Auflagen unter Trump können die alten Anlagen
ungeändert weiter betrieben werden.
Sollten die Gaspreise mittelfristig zu stark steigen, werden die Steinkohle-
Kesselanlagen für die Grundlastabdeckung wieder angeworfen und ihre hohen
Umweltbelasung für die Menschen und die Umwelt fortsetzen. Ihre Schadwirkung auf
die Atmosphäre wäre jedoch geringer als die der Erdgasverbrennung (diese Tatsache
verschweigt die Gasindustrie hartnäckig).

Im übrigen verweise ich auf meine Ausführungen in den vorhergegangenen Berichten
zu den Monaten Mai 2016 bis März 2017

Volker Fritz
im Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land

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