Nachrichten aus USA

Okt 132013
 

20131010_Tesoro_NDakotaFast zwei Wochen ließen sich die zuständigen Behörden in North Dakota Zeit, bevor sie die Öffentlichkeit informierten: Im Nordwesten des Landes war am 29. September “eine der schlimmeren Öl-Verschmutzungen des Landes” entdeckt worden — vom Landwirt Jensen. Schon tageland hatte er auf seinem Weizenfeld Ölgeruch wahrgenommen, bis dann das Öl an den Rädern seines Traktors klebte. 20.600 Barrel Rohöl, das sind rund 3,28 Millionen Liter, seien ausgelaufen, wie die staatliche Gesundheitsbehörde 11 Tage nach der Entdeckung und auch nur auf Nachfrage von AP mitteilte.

Damit ist hier jetzt rund viermal so viel Öl ausgelaufen wie letztes Jahr in Mayflower, Arkansas, wo die Pegasus Pipeline von ExxonMobil leck schlug, und etwa halb so viel, wie bei der Flut im letzten Monat in Colorado offiziell in die Umwelt gelangt sei.

Weit über 3 Mio Liter Rohöl auf einem Acker in North Dakota (Oktober 2013; Bildquelle: Desmogblog)

Weit über 3 Mio Liter Rohöl auf einem Acker in North Dakota (Oktober 2013; Bildquelle: Desmogblog)

Dies sei eine der schlimmeren Unfälle mit Öl, sagte der staatliche Geologe Kris Roberts. Menschen und Tiere seien nicht zu Schaden gekommen, auch das Grundwasser sei nicht in Gefahr. Die defekte Leitung läge rund 1,80 Meter tief in einer Lehmschicht. Die gut 12 Meter dicke Lehmschicht würde verhindern, dass das Öl ins Wasser gelangen kann, bekräftigten Behörden und Unternehmen.

Das Leck sei eine durchgerostete Stelle mit weniger als einem Zentimeter Durchmesser, sagte Eric Haugstad von Tesoro. Der betroffene Streckenabschnitt der Pipeline war erst vor Kurzem gewartet und wiedereröffnet worden. “Wir machen hier sauber, 4 Millionen Dollar sind dafür veranschlagt”, sagte Haugstad.

Landwirt Jensen verglich sein einst schönes Weizenfeld mit einem Schlachtfeld. Die nächsten Jahre wird er hier nichts anbauen können, sagte er.

Siehe auch: Desmogblog: Over 865,200 Gallons of Fracked Oil Spill in ND, Public In Dark For Days Due to Government Shutdown

 Veröffentlicht von am 13. Oktober 2013
Sep 292013
 
Karte Kohlenwasserstoff-Industrie in Nordamerika.

Kohlenwasserstoff-Industrie in Nordamerika.
Quelle: Le Monde diplomatique

Benzol, Methan, Chloroform, Butan, Propan, Toluol und Xylol in der Atemluft, große Konzentrationen an Sulfaten, Chrom und Strontium im Brunnenwasser — alles Stoffe, die mit Fracking in Verbindung gebracht werden. Dies ist kein Lehrbucheintrag, sondern reales Messergebnis auf der Farm von Jacki Schilke, North Dakota. Ja, das North Dakota, von der Herr Umweltminister Altmaier unlängst erzählte, es sei so dünn besiedelt, dass das Fracken keinen Menschen stören würde, höchstens wäre ein Kojote mal verwundert über den Krach oder würde auch mal umfallen.

In Jacki Schilkes Gehirn wurden neurotoxische Substanzen entdeckt, in ihrem Blut Spuren mehrerer Schwermetalle, schreibt der Journalist Maxime Robin in “Dreckiger Ölboom” (Le Monde diplomatique, 13.09.13).

Robin weiter:

Dieser Fall ist bei Weitem nicht der einzige. Der Bundesstaat North Dakota kann seine Böden inmitten eines Ölbooms, der zur nationalen Erfolgsstory hochgejubelt wird, offenbar nicht angemessen schützen. Seit 2011 bringen TV-Sender immer wieder die gleichen Bilder: Ansammlungen von Bohrtürmen, die sich über die weite Prärie verbreiten, endlose Kolonnen von Tanklastern und improvisierte Trailercamps, in denen die Arbeiter hausen. In keinem dieser Berichte wird gefragt, welche Umweltschäden dieser Ölrausch anrichtet. Und das bleibt ein Geheimnis: Die lokalen Behörden wissen nicht, wie viel Öl und Chemikalien aus Versehen oder aus Fahrlässigkeit in der Prärie versickern. Die Unfallberichte, die die Unternehmen im Schadensfall selbst ausfüllen, werden häufig gefälscht. Das hat Gründe: Der bevölkerungsarme und ländliche Bundesstaat – die Hauptstadt Bismarck hat nur knapp 60 000 Einwohner – ist für die Ölgesellschaften politisch wie juristisch leicht zu kontrollieren. Für sie ist North Dakota das Paradies.

Eine Analyse der globalen Bedeutung des Schiefergases, im Hinblick auf internationale Abhängigkeiten und daher auch auf die globale Sicherheitspolitik, bringt Régis Genté, ebenfalls in der Septemberausgabe der Monde diplomatique: Mit Schiefergas wird alles anders

Wirklich alles? Es darf bezweifelt werden, ob Entscheidungsträger beim hochriskanten, aber für manche extrem lukrativen Schiefergasfracking jemals anders über den Kojoten in North Dakota denken werden als so: “Na ja, was soll’s, dann fällt er halt um.”

 Veröffentlicht von am 29. September 2013
Jul 042012
 

Bericht aus den USA.

Energiekonzernen ist nicht zu trauen, das ahnte Ralph Kisberg schon früh. Und zwar als er selbst für sie arbeitete. 1980 war das, da kehrte er seinem Job an der Wall Street den Rücken und heuerte auf einer Bohrinsel im Golf von Mexiko an, “nur um mal zu sehen, wie das ist.Wie das war, merkte er schon am ersten Tag. Da habe er ein chemisches Reinigungsmittel in die Hand gedrückt bekommen: “Wir hatten letzte Nacht ein Ölleck”, habe sein Boss gesagt. “Schütt das da drauf, damit das Öl versinkt, bevor die Inspektoren kommen.

Quelle:
Roadtrip USA: In Williamsport spielt sich ein Energie-Goldrausch ab – SPIEGEL ONLINE.

Apr 242012
 

Diese Nachricht kann gegensätzlicher nicht sein und passt so gar nicht zu den Erkenntnissen der UNABHÄNGIGEN Exxon-Expertenkommision. Der Energiekonzern Chesapeake hat eine mögliche Luftverschmutzung durch Fracking ebenfalls ausgeschlossen und von harmlosen Dampf gesprochen, der die Anwohner nicht gesundheitlich belasten würde. In Wirklichkeit wurden aber 26 Chemikalien entdeckt, u.a. Schwefelkohlenstoff, ein Nervengift, Benzol, Naphthalin, Carbonylsulfid, Dimethyldisulfid und Pyridin.

“We paid for tests because we can’t depend on the city or the fracking industry,” said Colleyville resident Kim Davis.  She continued, “The tests confirmed our worst fears, while Colleyville ignored their own tests to let fracking continue. Apparently the city represents Titan and the gas industry instead of local residents.”Colleyville City ordinances expressly prohibit the release of any gases: “No person shall allow, cause or permit gases to be vented into the atmosphere or to be burned by open flame.”The community-funded test results, which detected twenty-six chemicals, also showed carbon disulfide, a neurotoxin at twice the state level for short-term exposure. Benzene, a known carcinogen, and Naphthalene, a suspected carcinogen, were both over state long-term exposure levels by more than 9 times and more than 7 times, respectively. Carbonyl sulfide, dimethyl disulfide and Pyridine were all detected above safe limits for long-term exposure.

Quelle:
EARTHWORKS | Independent test results show fracking flowback emissions are dangerous toxics, not steam.

Apr 042012
 

Gillingham aber verkauft nicht. Zwar könnte er das Geld gut gebrauchen, schließlich musste der Farmer nach zwei Rekordfluten innerhalb von fünf Jahren seinen biodynamischen Gemüseanbau aufgeben. Aber er will die Energiekonzerne am liebsten ganz aus den Catskills vertreiben. Gillingham arbeitet heute als Naturschützer für eine lokale Umweltorganisation. Das nehmen ihm einige Freunde übel. Seit die Ölleute mit den Schecks bei den Farmern anklopfen, geht ein Riss durch die Dorfgemeinschaften.

Die größte Sorge der Umweltschützer gilt dem Trinkwasser, das durch die Fracking-Chemikalien verschmutzt werden könnte. Dass die Bohrunternehmen nicht sagen wollen, was genau sie in den Boden spritzen, macht sie umso nervöser. Die Rezepte müssten aus Wettbewerbsgründen geheim bleiben, sagen die Firmensprecher. Doch zu den Substanzen gehören laut Studien Benzole, Formaldehyd und Methanol – allesamt krebsverdächtig.

Das Gesetz schützt da kaum. Für das Fracking gibt es bisher gar keine einheitlichen Regeln. Der ehemalige Vizepräsident Dick Cheney, zuvor Chef des Energiekonzerns Halliburton, sorgte dafür, dass die Methode von den US-Bundesvorschriften für den Wasserschutz ausgenommen wurde.

Wenn es nur das Wasser wäre: In Ohio hat Fracking nach Ansicht der Behörden mehrfach Erdbeben ausgelöst. Fördertürme, Pipelines und Schmutzwasserpools würden Gegenden wie die Catskills in eine Industrielandschaft verwandeln, und neue Wirtschaftszweige wie nachhaltige Landwirtschaft und Tourismus, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt haben, würden geopfert.

Die Anti-Fracking-Bewegung findet neuerdings Anhänger im ganzen Land, die zuständige Behörde wurde mit über 61.000 Bürgereingaben überschwemmt. Der Bundesstaat New York genehmigt erst einmal keine neuen Anträge mehr. »Das ist ein großer Erfolg«, sagt Wes Gillingham.

Die Energiefrage wird zur Grundsatzfrage: Wie viel ist Amerika bereit zu zahlen? »Wir müssen buchstäblich die Erde aufbrechen, um noch an diese fossilen Brennstoffe zu kommen«, sagt der Umweltaktivist Bill McKibben.

Quelle:
Energiepolitik: Grün wird Obama kaum mehr werden | Wirtschaft | ZEIT ONLINE.

Mrz 192012
 

Eine neue Studio zeigt, dass die Luftverschmutzung die durch Fracking verursacht wird, akute und chronische gesundheitliche Probleme bei den Anwohnern von Erdgas Bohrstellen verursachen kann!

“Our data show that it is important to include air pollution in the national dialogue on natural gas development that has focused largely on water exposures to hydraulic fracturing,” said Lisa McKenzie, Ph.D., MPH, lead author of the study and research associate at the Colorado School of Public Health.

The study will be published in an upcoming edition of Science of the Total Environment.

 

 

 

Quelle:
Air emissions near natural gas drilling sites may contribute to health problems.