Sauberes Erdgas? Erdgasförderung in der Altmark zu DDR-Zeiten: Hunderte vergiftete Arbeiter!

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Jun 212016
 

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In der Sendung „EXAKT“ des MDR am 15.06.2016 wurden die zwei ehemaligen Mitarbeiter des VEB Erdgas Salzwedel, Wienhold Weber und Klaus Stajenski interviewt und ihre Schicksale vorgestellt, sowie die menschenverachtenden Produktionsmethoden des VEB Erdgas Salzwedel. Die hohen Belastungen der Arbeiter durch Quecksilber und Quecksilberdämpfe, Blei, Cadmium und Arsen sowie durch das frei werdende Benzol führten zu schwersten Erkrankungen und bei vielen Kollegen zum frühzeitigen Versterben.
Bereits über 130 ehemalige Betriebsmitarbeiter des VEB sind frühzeitig verstorben, viele andere leiden an ihren Vergiftungen und den Folgeerscheinungen. Sie werden heute von den Kommunen und Behörden allein gelassen und mühen sich vergeblich um Anerkennung. Ein ursächlicher Zusammenhang der Erkrankungen der noch Lebenden, mit ihrer Tätigkeit beim VEB im Betrieb, wird von der zuständigen Berufsgenossenschaft nicht gesehen. Die in den Körperflüssigkeiten nachgewiesenen
Metalle könnten ja auch woanders her stammen. 

In dem 7-minütigen Streifen wird mit alten Filmaufnahmen aus dem Betrieb verdeutlicht, dass die Arbeiter völlig ungeschützt tätig waren, dort wo heute Mitarbeiter nur in schweren Schutzanzügen arbeiten dürften. Erdgas ist eben kein sauberer, sicherer Brennstoff, sondern muss erst aufwändig aufbereitet werden.

Volker Fritz

http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/stendal/quecksilbervergiftung-100_zc-84111809_zs-41442984.html

Veranstaltung der DUH (Deutschen Umwelt Hilfe) mit dem Ecologic Institute, Washington, USA, am 11.09.15 in Rotenburg

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Sep 152015
 
Camera

Samantha Rubright, MPH, CPH, Manager of Communications & Partnerships, FracTracker Alliance zusammen mit Volker Fritz vom AK Fracking Braunschweiger Land

 

Versuch mit dem Fracking-Widerstand ins Gespräch zu kommen

Etwa 50 Personen nahmen an dem von der DUH im Ratssaal von Rotenburg veranstalteten Treffen mit Vorträgen zum Thema „Gesundheitsgefahren durch die Öl- und Gasförderung“ teil, darunter die Mitglieder zahlreicher BIs von Gegen Gasbohren aus der Region, aber auch sogar aus Hamburg, Südost-Niedersachsen und Hessen.

Der in den Einladungen der DUH betitelte Zweck des Gedankenaustausches zwischen US-Experten und Fracking-Widerständlern in Deutschland konnte nur bedingt erfüllt werden, da der Vertreter des “Ecologic Institute” aus Washington nur über allgemeine Kenntnisse zum Thema verfügte. Seine Organisation bezeichnet sich als „Denkfabrik“, die bei Transformationsprozessen im Energiebereich begleitend und beratend tätig wird. Er berichtete, dass in den USA zu Gesundheitsfolgen der Fracking-Förderung bisher kaum belastbare Ergebnisse vorlägen und dass die Erforschung von seltenen Krebsen gar noch ganz am Anfang stehe. Er hatte sich zwei junge Leute der US-Organisation „Frac-Tracker Alliance“ mitgebracht, die Informationen und Daten über die Fracking-Aktivitäten in den USA gesammelt, bewertet und veröffentlicht haben.

Über ihre Organisation, die aus dem Hochschulbereich in Pennsylvania kommt und dann ausgegliedert wurde, führten beide Referenten aus, dass sie politisch und wirtschaftlich neutral tätig sei. Frac-Tracker betrachte sich als wissenschaftlichen Begleiter der Fracking-Förderung in den USA, nicht als Fracking-Kritiker. Beide Referenten von Frac-Tracker haben an Erfassungs- und Bewertungs-aktionen vor Ort in Pennsylvania und in Kalifornien teilgenommen, so ihre Ausführungen.

Der Ecologic-Repräsentant übersetzte deren Vortragsinhalte ins Deutsche.

In der Diskussion nach ihren Vorträgen zeigte sich dann aber schnell, dass ihnen Wissen in der Breite fehlte. Sie verwiesen immer wieder auf die auf der homepage von „Frac-Tracker Alliance“ öffentlich zugänglichen Statistiken und Untersuchungsergebnisse, die man dort abrufen könne.

Auf unsere Fragen zu Kalifornien und der dortigen Dürre bekamen wir die Antwort, dass dort trotzdem weiter gefrackt und Wasser dafür in erheblichem Umfang verbraucht werde.

Kathrin Otte vom Gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkranke (GENUK) e.V., das ebenfalls Mitglied bei „Gegen Gasbohren“ ist, stellte in ihrem Vortrag die Schwerpunkte bisher bekannt gewordener Gesundheitsschädigungen von Anwohnern und Mitarbeitern deutscher Fördergebiete vor.

Die gehäuft aufgetretenen seltenen Krebsarten bei Männern im Fördergebiet Rotenburg/Wümme, speziell in der Samtgemeinde Bothel und im Stadtgebiet Rotenburg, sind ernstzunehmende Hinweise, dass es einen Zusammenhang mit der dortigen langjährigen Erdgasförderung geben könnte.

Der eindeutige Beweis muss nun erbracht werden. Zeitraubend und erschwerend dabei ist , dass krebsauslösende Substanzen erst nach einer langen Inkubationszeit zu Krebsbildungen im Körper führen. Zehn und mehr Jahre können vergehen, ehe der Krebs sich manifestiert. Nur bei Kindern kann es auch eher sein.

Um einmal die richtige Relation der Krebshäufungen darzustellen, zeigte Frau Otte eine Folie mit der Häufigkeit hämatologischer Krebserkran-kungen von Männern pro 100.000 Neuerkrankungen für verschiedene Regionen. Und da stehen dann die SG Bothel und das Stadtgebiet Rotenburg, vor Sottrum, ganz oben, auch im internationalen Vergleich (siehe Abbildung).

K.Otte_14.09.15_Inzidenz hämatologische Erkrankungen Männer aus Vortrag Rotenburg-1_11.09.15

K.Otte_14.09.15_Inzidenz hämatologische Erkrankungen Männer aus Vortrag Rotenburg-1_11.09.15

Erhöhte Krebszahlen des blutbildenden Systems wurden auch in der Nachbarschaft eines Kohlenwasserstoff-Verarbeitungszentrums in Alberta, Kanada, festgestellt, wo Anwohner mit den Emissionen zu kämpfen haben.

Ferner berichtete Kathrin Otte auch über die Erlebnisse vieler Betroffener in der Altmark in Sachsen-Anhalt im ehemaligen Fördergebiet Salzwedel. Zu DDR-Zeiten war dieses Gebiet die zweitgrößte europäische Erdgas-Förderregion. Die hochgradigen Quecksilbervergiftungen vieler Mitarbeiter, in Verbindung mit der gleichzeitigen hohen Belastung durch Schwermetalle und Radionukleide, führte zu stark verringerten Lebenserwartungen mehrerer hundert Mitarbeiter des Förderbetriebes, verbunden mit mehr oder minder schweren Erkrankungen mit zunehmendem Alter. Mehr als 130 dieser Personen sind bereits verstorben.

Seitens der DUH wurde das Interesse an einem weiteren Meinungsaus-tausch allgemein geäußert, um eine bessere Vernetzung zu erreichen. Die bereits bestehende Vernetzung im Zusammenschluss „Gegen Gasbohren“ wurde dabei ignoriert.

 Veröffentlicht von am 15. September 2015
Okt 152013
 
verkrüppelte Hand nach Quecksilbervergiftung

Quecksilber-Vergiftungen rufen schwere neurologische Schädigungen hervor: Verkrüppelte Hand nach Quecksilbervergiftung
Foto: „Tomoko’s hand“ von W. Eugene Smith in 1971; Copyright Aileen Archive.

Es ist etwas im Gange…
Das Quecksilber steigt im Boden wie Wasser,
das im Bohrloch eines Brunnens emporklettert.

Enoch in Neil Stephensons Quicksilver

Die Giftigkeit von Quecksilber ist seit der Antike bekannt. Dennoch kam für das Schwermetall erst Ende der 1950er-Jahre die Zeit der Aufklärung, als massenhaft schwere Vergiftungen durch die quecksilberhaltigen Abwässser der Chisso Chemiefabrik im japanischen Minimata aufgetreten waren. Jetzt, 50 Jahre später, haben die Vereinten Nationen ein Internationales Quecksilber-Abkommen verabschiedet. Dieses internationale, Minimata-Abkommen genannte Papier zur Reduzierung der globalen Quecksilberemissionen ist am Donnerstag bei einer Konferenz im japanischen Minamata verabschiedet worden. Mit ihm soll der globale Quecksilber-Ausstoß in die Umwelt drastisch reduziert werden.

Rund 1960 Tonnen Quecksilber entweichen jährlich in die Luft, hat die UN ermittelt und sagt gleich dazu, dass es auch wesentlich mehr sein könnte. Das Abkommen schreibt jetzt verbindliche Kontrollen und Vermeidung von Quecksilber in einer Reihe von Anwendungen vor, wie z.B. in Thermometern, Energiesparlampen, Goldminen, bei der Verfeuerung von Kohle und bei der Zementherstellung, und wird voraussichtlich in wenigen Jahren in Kraft treten, so die UNEP.

Was hat das alles mit Gasbohren zu tun?

Brennende Gasfackeln in Nigeria

Brennende Gasfackeln (Foto: Wikimedia)

Beim Raffinieren von Rohöl sowie bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas beim Endverbraucher werden pro Jahr lt. UN ca. 9,9 (4,5 – 16,3) Tonnen Quecksilber in die Luft abgegeben, wie dem Global Mercury Assessment 2013: Sources, emissions, releases, and environmental transport (Seite 6) zu entnehmen ist. Der Quecksilberanfall aus Teilen der Kohlenwasserstoffindustrie (Kohle, Öl und Gas) wurde erstmalig 2010 in das Inventar aufgenommen und findet sich im 2013er-Report überhaupt zum ersten Mal.

Nicht enthalten sind in diesem Wert die weiteren Quecksilberemissionen, die bei der Produktion (Förderung; Gewinnung) und beim Transport der Kohlenwasserstoffe Öl und Gas sowie beim Abfackeln anfallen. Dass bei der Gasproduktion und seiner Aufbereitung Quecksilber in besorgniserregenden Mengen anfällt, ist bekannt. Einige Erdgaslagerstätten im norddeutschen Becken (z.B. Hemslingen/Söhlingen) weisen mit 700–4400 µg/m³ Rohgas (Zettlitzer 1997) die weltweit höchsten Quecksilbergehalte auf.

Der folgende Anwohnerbericht aus dem Gebiet von Visselhövede bringt eine ganze Reihe unbeantworteter Fragen aufs Tapet:

Von jeder Erdgasbohrstelle [Hemslingen-Söhlingen] führt eine eigene Gasleitung zu der Entquickungsanlage in Bellen. Mittels Durchleitung durch Aktivkohlefilter wird [dort] das Quecksilber aus dem Erdgas entfernt. …

Bei allen Bohrstellen wird ein Abfackelvorgang erforderlich, der ca. 2 Wochen andauert. Während dieses Abfackelns wird mit großem Druck, hoher Geräuschentwicklung, sehr hohen Temperaturen und großer Flamme jeweils eine große Menge Erdgas verbrannt, die noch nicht von Quecksilber befreit wurde. — Welche chemischen Vorgänge passieren? — Entstehen dabei Quecksilberoxide oder andere Schadstoffe, die in die Umwelt gelangen?

Wo bleiben diese Schadstoffe beim Abfackeln? — Werden sie gemessen? — Wird der Vorgang überwacht? — Wie groß sind die Mengen verbrannten Gases, ausgestoßenen CO2, zerstäubten Quecksilbers oder -oxids?

In den Bohrwässern, von den Einzelbohrstellen mit 40-Tonnern TLW abgefahren, befindet sich neben den üblichen Schadstoffen aus dem Feld Hemslingen-Söhlingen zusätzlich noch der ungefilterte Anteil Quecksilber. Diese Bohrwässer, nun Lagerstättenwasser genannt, werden nach dem Versiegen der Gasförderung und nach dem dort praktizierten Fracking in Grapenmühlen Z1 und anderen Altbohrungen versenkt.

All diese unbeantworteten Fragen stehen den Betreibern der Bohr- und Versenkstellen und den genehmigenden Behörden nach wie vor ins Haus. Unverständlich bleibt bis heute, warum diese Emissionen der E&P-Industrie immer noch nicht im Umfang z.B. der Aarhus-Konvention oder auch in Erfassungssystemen wie Thru.de enthalten sind. Außerdem muss darauf gedrängt werden, dass auch diese beschriebenen Quecksilberquellen — das Abfackeln, der Transport von Produktionsabwässern und deren Verpressung in den Untergrund — in das Quecksilberinventar der Vereinten Nationen [PDF, 32 MB] Eingang finden und Vorkehrungen zur Vermeidung dieses Schwermetalleintrags in die Umwelt getroffen werden.

Seit vor über 50 Jahren in Minimata die Kinder mit Quecksilber vergiftet wurden, ist dieser Übeltäter bekannt. Es ist unbegreiflich, dass nach wie vor Teile der Industrie hier offensichtlich Narrenfreiheit haben und mit diesem Gift herumschludern können, wie es ihnen beliebt, und die Kosten, die dadurch entstehen, von der Allgemeinheit zu tragen sein sollen.

 Veröffentlicht von am 15. Oktober 2013
Mai 212012
 

Hört euch das mal an!
Bisher werden mehrere zig Millionen Liter radioaktiver, toxischer oder krebserregender Stoffe einfach in den Boden gepresst und das soll erlaubt sein. Die Politik muss die Industrie einfach stärker kontrollieren!

Bei der Förderung von Öl und Gas fallen gigantische Mengen giftiger Abwässer an. Entsorgt werden diese Stoffe oft dadurch, dass sie einfach wieder in den Boden oder ins Meer gepumpt werden. Die Opposition im Bundestag will das Thema nun stärker auf die Tagesordnung bringen.

Quelle:
Giftige Rohstoffe in Meer und Boden – Opposition kritisiert Umgang mit Abfällen der | Umwelt und Verbraucher | Deutschlandfunk.

Apr 042012
 

… und genau deshalb haben wir uns dem von Exxon initierten Dialogprozess verschlossen. Der Tagesspiegel berichtet, dass die von Exxon bezahlten Wissenschaftler keine nennenswerten Gefährdungen durch die Frackingtechnologie erwarten, im gleichen Atemzug betonen sie aber immer wieder:  Wenn als richtig gemacht wird und die Aufsichtsbehörden richtig kontrollieren. Das darf man in Deutschland wohl nicht viel erwarten, wie es es sonst zu erklären, dass seit über 20 Jahren bekannt ist, dass PE Rohre nicht für die Durchleitung von Kohlenwasserstoffen geeignet sind, diese aber trotzdem Verwendung gefunden haben und nun kilometerlange Leitungen ausgetauscht werden müssen!

Eine offizielle Stellungnahme, ob Fracking eine beherrschbare Technik ist oder nicht, will der Expertenkreis am 25. April präsentieren. In Gesprächen zeichnet sich bereits eine Tendenz ab: Sofern die Anlagen nach dem heutigen Stand der Wissenschaft eingerichtet und betrieben werden, seien die Risiken vertretbar.„Die Gasfirmen werden alles tun, um Pannen zu vermeiden“, sagt der Toxikologe Ewers. „Andernfalls wäre das ohnehin geringe Vertrauen verspielt und die Technik erledigt

Quelle:
Shale Gas: Gefährliches Gemisch – Wissen – Tagesspiegel.

Apr 022012
 

Wurden nicht gerade erst 700km Leitungen in Niedersachsen auf Forderung des LBEG von den Betreiberfirmen überprüft? Und die Konzerne haben einen Bruchteil (in Erinnerung 29km) davon als fehlerhaft gemeldet. Es ist wohl doch ein wenig mehr. So läuft das, wenn man den Bock zum Gärtner macht. Wer überprüft denn die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser ursprünglichen Meldung? Folgende Meldung kommt heute vom Landesbergamt Niedersachsen. Diesmal sind es wieder Exxon Rohre.

Dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) wurde die Stilllegung einer Lagerstättenwasserleitung aus Polyethylen (PE) im Erdölfeld Nienhagen der ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG) mitgeteilt. Die Lagerstättenwasserleitung E4020 befindet sich zwischen den Bohrungen Elwerath 51 und Elwerath 29 in den Gemeinden Adelheidsdorf und Nienhagen im Landkreis Celle.

Das in der Leitung transportierte Lagerstättenwasser hat einen relativ hohen Benzol-Gehalt. Aus diesem Grund wurde die Trasse im Rahmen der Anordnung des LBEG von April 2011 ergänzend zu den bisherigen Untersuchungen detailliert überprüft. Nach dem von einem unabhängigen Gutachter übermittelten Ergebnis der Analyse wurden an zwei Stellen erhöhte Werte für Benzol im Boden festgestellt. Nach den Festlegungen der Anordnung des LBEG war die Leitung deshalb stillzulegen.

Eine detaillierte Stellungnahme des Gutachters steht noch aus. Das weitere Vorgehen wird auf Basis der Stellungnahme mit den zuständigen Wasser- und Bodenschutzbehörden abgestimmt.