Mrz 122011
 

Habe soeben einen Artikel des Weserkurieres gelesen. Es ist ein Interview mit Professor Kurt M. Reinicke, dem Direktor des Instituts für Erdöl- und Erdgastechnik an der Technischen Universität Clausthal. Es ist doch klar, dass eine TU die von Exxon gesponsert wird und sogar einen Hörsaal hat, der ExxonMobil heißt, keine kritischen Worte zum Fracking findet. Das zeigt mir, wie abhängig diese TU von Forschungsaufträgen der Industrie ist. Nun wird aber mehrfach in dem Artikel nicht die Wahrheit gesagt. Das möchte ich hier klarstellen.

Frage:Die Kritiker des Frackings befürchten, dass durch die austretende Flüssigkeit das Grundwasser verseucht werden könnte.

Grundwasser findet sich nur in einer Tiefe von bis zu einigen Hundert Metern. Das Erdgas wird aber üblicherweise aus einer Tiefe von 3000 bis 4000 Metern gefördert. Die in dieser Tiefe durch die üblichen Frackingverfahren erzeugten Risse haben eine sogenannte Risshalblänge von maximal 300 Meter. Da liegt also noch einiges dazwischen.

Feststellung:

Das Tiefe mag bisher zutreffen, bei den neuen , möglichen Bohrstellen im Münsterland und Lünne liegt die Tief nur noch bei 1000-2000 m.

Frage:Wie sicher ist die Fracking-Methode?

…. Die Methode ist weltweit über eine Million Mal angewendet worden, in Deutschland auch einige Hundert Male. Es ist seit den 1950er-Jahren das Standardverfahren, um auch Bohrungen zu machen, die eigentlich unwirtschaftlich sind.

Feststellung: Da weiß der Experte ja wieder mehr als die Politiker in Niedersachsen. Auf eine Anfrage der Grünen im Niedersächsischen Landtag wurden lediglich 160 Fracks zugegeben.

Frage:Vielerorts regt sich Widerstand gegen die Fördermethode, aktuell zum Beispiel in Lünne. Können Sie die Sorgen der Menschen dort verstehen?

Nein. Es gibt dafür keinen Grund. Ich wohne in der Nähe von Burgwedel. Dort ist das Erdgasfeld Tönse. In diesem Erdgasfeld steht ein Dutzend Bohrungen, von denen ist praktisch jede mindestens einmal gefrackt worden. Ich wohne direkt über dem Feld, die nächste Bohrung ist 200 Meter entfernt, ich habe überhaupt kein Problem damit.

Feststellung: Das man so eine Aussage noch nach den Enthüllungen der NY-Times treffen kann, zeigt mir wie betriebsblind diese Professoren sind. Da habe ich kein Verständnis für. Zweitens kann man die Fracks in konventionellen Lagerstätten nicht vergleichen. Zur Gewinnung in unkonventionellen Lagerstätten werden Fracks mit viel mehr Druck ausgeführt.

Nachtrag: (Vielen Dank an Herrn Fehr für diesen Hinweis)

Auf der Website der TU Clausthal gibt es zum Thema Forschung etwas zu lesen.

Im Klartext bedeutet das: Es wird nur noch im Auftrag der Konzerne geforscht. Grundlagenforschung gibt es nicht mehr. Da könnte ja etwas bei herauskommen, was den Sponsoren nicht gefällt.

Und es ist im wahrsten Sinne ein Armutszeugnis für eine Universität!

Damit entfällt aber nach unserer Meinung der Anspruch, sich Universität nennen zu dürfen.
Humboldt würde sich um Grab herumdrehen, könnte er Folgendes lesen.

Zitat:

„Forschung und Lehre bedingen einander wie es nach der Humboldtschen Idee an den deutschen Universitäten im vergangenen Jahrhundert angestrebt wurde. Diese Einheit hat auch weiterhin Gültigkeit, da sie der wesentliche Wertschöpfungsfaktor der universitären Ausbildung darstellt und die Ausstrahlung nach außen hin bewirkt. Die Umsetzung von Forschung und Lehre hat jedoch einen deutlich veränderten Stellenwert in der Orientierung auf die Wirtschaft und in anderen zeitlichen Dimensionen erhalten.
Zukünftige Entwicklungen werden der Tatsache Rechnung tragen, dass technologische Veränderungen meist von der Industrie ausgehen, die komplementären Forschungsverzahnungen aber an den Universitäten und Forschungsinstituten stattfinden und damit Forschung und Lehre am Institut entsprechend beeinflussen.“

Den Originaltext finden Sie hier: http://www.ite.tu-clausthal.de/forschung/

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