Möglicher „Super-Gau“ bei RWE in Völkersen – BI „No Fracking“ Völkersen berichtet

Ein möglicher Super-Gau bei der RWE in Völkersen sorgt für große Unruhe. Die Bürgerinitiative „No Fracking“ fühlt sich in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt, denn die RWE-DEA scheint die Technik nicht im Griff zu haben.

Am Montag, den 9.Januar hatte die BI aus Völkersen nach dem aktuellen Störfall an einer Lagerstättenwasserleitung ein Treffen mit Vertretern der RWE DEA organisiert. Es wurden Detailfragen wie z.B. die Höhe der gemessenen Benzolbelastung und die genaue Lage der Benzolfundorte erläutert. Die Vertreter, u.a. Betriebsleiter Sven Burmester, berichteten, daß auf Initiative des Landesbergbauamtes (LBEG) alle Lagerstättenwasserleitungen auf Dichtigkeit überprüft werden sollten. Dabei beprobte man von dem ca. 20 km langen Leitungsnetz, welches quer durch die Gemeinde verläuft, zunächst direkt an den Förderstellen, da dort durch die hohen Temperaturen des Abwassers die höchste Belastung des Rohrmaterials zu erwarten seien. An der Leitung von Z1 Nord in Völkersen zur Zentrale nach Schülingen wurde 300m neben der Stelle der Leckage vom August letzten Jahres ein Benzolwert von ca. 5.700 Mikrogramm an der betroffenen Leitung gemessen, also doppelt so hoch wie beim Unfall vor fünf Monaten. Zur Kontrolle wurde ein weiterer Meßpunkt ca. 1,5 Km entfernt an der Straße „Lustiger Strump“ gewählt. Und ab da war „Schluß mit Lustig“, denn auch der dort gemessene Benzolwert war über 100mal so hoch wie der gesetzlich zulässige Höchstwert von 5 Mikrogramm.

In dieser Woche werden an der betroffenen ca. 5 km langen Leitung alle 100m Proben genommen, da umfangreiche Druckprüfungen keine Befunde erbracht hätten. Die Sorge der Bevölkerung rund um Völkersen ist groß, da augenscheinlich „Rotenburger Dimensionen“ oder vielleicht sogar noch schlimmere erreicht werden. 2007 trat durch undichte Rohrleitungen Benzol und Quecksilber aus Lagerstättenwasserleitungen im Erdgasfeld Söhlingen von ExxonMobil aus. An 9 Stellen kam es zu Kontaminierungen, deren Beseitigung bis 2011 andauerte, ca. 200.000 cbm Erdreich mussten abgefahren, entsorgt und neu aufgefüllt werden. Verwendung fand hier der in der Diskussion stehende Kunstoff PE 80. Trotz gegenteiliger Versicherung der RWE und des LBEG scheinen auch die in Völkersen verwendeten PE 100-Rohre, ein angeblich hochwertigeres Material, ungeeignet zum Transport der agressiven Lauge. Eine akute Gefahr für Mensch und Tier wird von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Verden z.Zt. nicht gesehen. Ob diese Einschätzung so hingenommen werden kann, wagt die BI zu bezweifeln.

Zu einer möglichen Sanierungsmaßnahme konnte man bis jetzt noch nicht konkret Stellung beziehen. Das Lagerstättenwasser aus Völkersen und Langwedelermoor wird bis auf Weiteres per LKW abgefahren. Vor dem nächsten Treffen der Bürgerinitiative am 17 Januar um 19°° im „Alten Krug“ in Völkersen, soll ein weiteres Gespräch mit der RWE stattfinden, wo genauere Meßergebnisse bekannt gegeben werden. Auf Anregung der BI und Bürgermeister Andreas Brandt erklärten sich die RWE-Verantwortlichen dazu bereit, auf ihrer Internetseite einen Link „Bürgerinfo Völkersen“ einzurichten, um aktuelle Informationen schnell und direkt an die Bevölkerung weiterzugeben. Auch soll über das Gesundheitsamt die Frage möglicher gesundheitlicher Beinträchtigungen für die Anwohner geklärt werden. Die RWE-Verantwortlichen betonten, daß sie an einem konstruktiven Dialog mit der Bevölkerung interessiert sind. Die Forderung der BI ist klar: Die Genehmigung für die Lagerstättenwasserleitungen muß umgehend widerrufen werden.

Presse-Mitteilung von Andreas Noltemeyer
Pressesprecher der Bürgerinitiative „No Fracking“, Völkersen

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Jörn Krüger

Jörn Krüger ist Software Entwickler und engagiert sich in verschiedenen Organisationen, die Internet und bürgerliches Engagement verbinden.

Im Oktober 2010 begann er mit dem Blog unkonventionelle-gasfoerderung.de, auf dem aktuelle und internationale Nachrichten, Meinungen und Berichte zur unkonventionellen Gasförderung veröffentlicht werden. Als informierter Laie schreibt er Gastbeiträge, informiert über Fracking und steht als Gesprächspartner für Parteien und Institutionen zur Verfügung. Zum Thema kam er, als ExxonMobil im September 2010 ankündigte, in seinem Wohnort Nordwalde nach unkonventionellen Gasvorkommen zu bohren. Nach wenigen Stunden Recherche über die weltweiten Folgen von Fracking und dem geringen Informationsstand auf allen Ebenen der Entscheidenden in Politik und Wirtschaft war für ihn klar, dass hier Handlungsbedarf besteht.

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