Sep 282013
 

Oil and Water on Battenberg

Oil and Water on the Wattenberg. Foto: Cliff Willmeng

Nach der Flut: Verursacher spielen Schadensbilanz herunter – Ausmaß des Disaster noch erst zu erahnen

Die Flut, die vor einer Woche den South Platte River in Weld County, Colorado, USA, hat anschwellen und die rund 1.900 Öl- und Gasquellen in seinem Tal mitreißen lassen, fließt ab gen „Big Muddy“ Missouri River und „Ol‘ Man River“ Mississippi River, auf dem Weg nach New Orleans, zum Meer. Wo einst die Pawnee ihr bescheidenes Leben lebten, hat längst die unmäßige Industrie das Land mit Förderquellen überzogen – ein fataler Fehler, wie sich jetzt herausstellt.

Es gibt etwa 20.000 Öl- und Gasquellen in Weld County; etwa 1.900 von ihnen hat die Industrie am Vorabend der Flut geschlossen, wie es heißt.[1] Der örtliche Industrieverband Colorado Oil and Gas Association und Colorados Gouverneur John W. Hickenloper werden nicht müde zu behaupten, es sei alles nicht so schlimm. „Nur“ etwa 37.800 Gallonen Öl seien bisher ausgelaufen, eine Menge die gerade mal 5 Prozent eines olympischen Schwimmbeckens füllen würden.

Geht man von der Faustformel aus, dass 1 Liter Rohöl etwa 1 Million Liter Wasser unbrauchbar machen, dann würde dieses Wasser fast 57.000 olympische Schwimmbecken füllen. Allein, es wird nicht bei der Kontamination des Wassers bleiben, auch der Oberboden mit seinen Wohngebieten, Acker- und Weideflächen wird vergiftet und müsste aufwändig saniert werden.

Tisha Conoly Schuller, Präsidentin des genannten Industrieverbandes, meinte laut New York Times: „In Relation zu den Regenmengen und den Millionen Gallonen ungeklärten Abwassers in der Flut sind 37.000 Gallonen recht wenig.” Der Gouverneur indes wies die Forderung von Umweltschützern zurück, die Öl- und Gasförderung im betroffenen Gebiet auszusetzen. Die Menge des ausgelaufenen Öls sei relativ gering, verglichen mit den Regenmengen, und außerdem habe die Flut auch noch andere Giftstoffe freigesetzt, als sie durch Industriegebiete, Viehmastanlagen und Kläranlagen rauschte.

Die staatliche Colorado Oil and Gas Conservation Commission erklärte am 26. September,[2] dass 12 „erhebliche“ Öl- und Gaslecks zu verzeichnen seien. Weiterhin gebe es 14 Bohrstellen mit „geringeren“ Lecks und etwa 60 mit sichtbaren Beschädigungen.[2] „Im Kontext mit diesem historischen Geschehen [gemeint ist die Naturkatastrophe Flut] sind diese Lecks nicht unerwartet,“ schreibt die Kommission in einer Stellungnahme. „Es hat durch die Flut viele weitere Verschmutzungsquellen gegeben, wie sehr große Mengen an ungeklärten, städtischen Abwässern und andere Gefahrstoffe, wie sie im Haushalt, in Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie vorkommen.“

ColoradooilspillDie Industrie unternimmt jede erdenkliche Anstrengung

Die Industrie wird jetzt jede nur denkbare Anstrengung unternehmen, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen, weiß[3] Cliff Willmeng, Familienvater und Fractivist in Weld County. Die Industrie wird versuchen, Öffentlichkeit wie Investoren davon zu überzeugen, dass sie alles unter Kontrolle hat und dass sie alles unternimmt, um den katastrophalen Schaden in erträglichen Grenzen zu halten, der sich gerade vor unser aller Augen entwickelt.

Anadarko, Ölmulti mit einem Jahresgewinn von 14 Milliarden US-Dollar und Eigentümer der ersten großen Lecks am South Platte River, hat großzügige 300.000 US-Dollar für die Fluthilfe gespendet.

Dass es „so schlimm nicht ist“, beweisen auch die Aufräumhelfer, die ohne Vollschutzanzüge arbeiten. Würde man Menschen in solchen HAZMAT-Anzügen sehen, käme vielleicht doch der Verdacht auf, dass sich eine größere Umweltkatastrophe anbahnt.

All dies, meint Cliff, ist das direkte Ergebnis der Kolonisierung des Landes durch die Öl- und Gasindustrie, mit der Unterstützung der Regierung. „Während Kohlenwasserstoffe im Boden versickern, zuckt die Umweltbehörde mit ihren kollektiven Schultern, und die Colorado-Flut zieht weiter nach Nebraska und darüber hinaus, und unsere Gemeinden sollen auch weiterhin den Lückenbüßer machen, wo Regierung, Gas und Öl die menschliche Gesundheit und Sicherheit vernachlässigen. Die Tragödie, von der wir alle ein Teil sind, fordert uns auf, unsere Entschlossenheit in jeder Hinsicht zu verstärken. Und wenn es um die Frage geht, was höher wiegt – das Schürfrecht oder die öffentliche Sicherheit und die demokratische Kontrolle unserer Welt -, dann wird dies die Frage sein, vor der sich weder die Industrie noch die Menschen in Colorado noch John W. Hickenloper drücken können. Colorado wird durch diese enormen Geschehnisse verändert werden, das ist sicher, und es werden die unglaublichen Anstrengungen unseres Volkes sein, die uns alle an einen höheren Standort bringen.“

[1] After the Floods in Colorado, a Deluge of Worry About Leaking Oil
New York Times , 27.09.13

[2] Colorado Oil Spills Hearing Called For By Rep. Jared Polis, Following Flooding
Huffington Post, 27.09.13

[3] Cliff Willmeng, Colorado: Oil and Water on the Wattenberg, 24.09.13

 Veröffentlicht von am 28. September 2013

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