Dez 132016
 

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Volker H.A. Fritz                               Wolfenbüttel, den 10.12.2016

Heute berichte ich zum Zeitraum  Dezember 2016  vom 12.11. bis zum 09.12.2016.

Die im Dezember 2016 im Einsatz befindlichen Bohrtürme in den USA und Kanada, nach den Baker-Hughes fortlaufenden Listen zeigen für Oktober/November schon eine recht stabile aber mäßige Zunahme. Im Dezember zeigt sich nun jedoch eine deutliche Beschleunigung der Wiederinbetriebnahme von Bohrtürmen in Nordamerika. Offenbar haben die OPEC-Beschlüsse im November die Erwartung bei den US-Fracking-Förderern genährt, dass nun bald wieder höhere Rohölpreise zu verzeichnen sein werden.

Die Zunahme in Nordamerika gegenüber November beträgt insgesamt etwa 14,8 Prozent. Nach Bohrtürmen ist diese Zunahme etwa gleich zwischen Kanada und den USA aufgeteilt.
In den USA lag dabei das Schwergewicht auf Ölbohrtürmen, während in Kanada bei überwiegend eingesetzten Ölbohrtürmen der Gasbohranteil deutlich größer war, als in den USA.

Hier noch einmal die Gesamtübersicht der Entwicklungen der letzten Monate:

Juni 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 50 Türme + 14 Öl + 22 Öl
+ 3 Gas + 11 Gas
Juli 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 67 Türme + 41 Öl + 12 Öl
+ 0 Gas + 14 Gas
August 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 48 Türme + 39 Öl + 17 Öl
– 10 Gas Gas + 2 Gas
September 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 26 Türme + 9 Öl + 10 Öl
+ 7 Gas + 0 Gas
Oktober 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 64 Türme + 16 Öl + 15 Öl
+ 14 Gas + 19 Gas
November 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 40 Türme + 20 Öl – 1 Öl
+ 10 Gas + 12 Gas
Dezember 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 110 Türme + 46 Öl + 29 Öl
+ 10 Gas + 25 Gas

 

Insgesamt wurden im Berichtsmonat Dezember 110 Bohrtürme wieder aktiviert. Der Abbau der Bohrkapazitäten in den USA geht vereinzelt in einigen Förderfeldern in geringem Umfang weiter, in denen die Förderkosten besonders hoch sind. Zunahmen sind in Colorado, Oklahoma, Pennsylvania und Texas zu verzeichnen.

Der inzwischen auf knapp über 53- USD/barrel leicht gestiegene Rohölpreis, nach der OPEC-Entscheidung zur Fördervolumenrücknahme, dürfte sich in den nächsten Wochen wieder „beruhigen“ und auf ca. 50 USD oder sogar darunter „normalisieren“. Denn die Preis-Hausse – direkt nach dem OPEC-Beschluss- hatte spekulative Gründe und wurde nicht durch erhöhte Nachfrage ausgelöst.

Die Fracking-Ölförderer in den USA, die bisher überlebt haben, bemühen sich nach Kräften, ihre Produktionskosten noch weiter zu senken. Erste Ankündigungen von künftigen Produktionspreisen für Fracking-Öl von 50.-USD/barrel -bei Vollkostendeckung, incl. Steuern – waren in New York zu hören.

International ist der Rückgang der Bohrtürme im November 2016 zum Stillstand gekommen, nach einem kontinuierlichen Rückgang  von 1.350 im Mai 2014 auf 925 im November 2016 mit einer leichten Zunahme von 5 Stück im asiatisch-pazifischen Raum und zehn Stück in Europa bei Rückgang in Mittelost.

Weiterhin ist genug Rohöl weltweit im Angebot und die Speicher sind mit bereits gefördertem Rohöl voll. Weitere Millionen to Rohöl lagern in Schiffstanks auf Reede vor den großen Handelsplätzen und warten auf möglichst günstige Kontrakte auf Spotmengen. Das drückt weiter die Spotpreise, trotz der zum Teil schon eingetretenen Verringerung der US-Ölproduktion und der weiter von der EIA prognostizierten Abnahme bis Spätherbst auf ca. 4 Mio barrels /Tag gesamt und weiterer Verringerung über das Jahresende hinaus. Die OPEC-Staaten fördern ab Januar 2017 mit 3,5 Prozent reduzierter Förderung und Russland, obwohl nicht OPEC-Mitglied, hat sich der Gruppe angeschlossen und auch eine spürbare Reduzierung seiner Ölförderung angekündigt. Im Lichte vergangener OPEC-Entscheidungen, die dann von den Mitgliedern doch nicht eingehalten wurden, sind Energie-Fachleute noch skeptisch, ob die Umsetzung des OPEC-Beschlusses vom 29.11.2016 Bestand haben wird.

Dem gegenüber steht auf der Abnehmerseite für Rohöl weiterhin das reduzierte Wachstum der großen asiatischen Volkswirtschaften, wodurch sich der Bedarf an Öl und LNG-Erdgas erheblich abgeschwächt hat. Eine Änderung ist zur Zeit weiterhin nicht absehbar. Dieser erhebliche Minderverbrauch und die deutlich abgeschwächten Importmengen an Rohöl in die USA, dank der Fracking-Förderung von Öl in den USA, wirken sich ebenfalls preisdämpfend aus. Eine deutliche Preiserhöhung für Rohöl zu höheren Preisen wird bis weit in 2017 hinein nicht erwartet. Auch die IEA schätzt die Entwicklung so ein. 

Gegenüber September 2014 hat sich im  Dezember 2016 ergeben, einschließlich Offshore und Bohraktivitäten im Golf von Mexiko:

USA von 1931 vermehrt auf 624 Stück (November 568) = -68,7 % zu 9/2014
Kanada von 429 vermehrt auf 230 Stück (November 176) = -46,4% zu 9/2014

 
nach Öl- und Gasförderung unterschieden bedeutet das für USA:

Öl von 1592 vermehrt auf 498 Stück (November 452) = -68,7% zu 9/2014
Gas von 338 vermehrt auf 125 Stück (November 115) = -63% zu 9/2014

 

Die Zunahme an Bohrtürmen im Einsatz im Dezember in den USA erfolgte am deutlichsten in den Bundesstaaten North Dakota (+5), Texas (+35), Colorado (+8), Pennsylvania (+5) und Oklahoma (+5).

nach Öl- und Gasförderung unterschieden bedeutet das für Kanada:

Öl von 246 vermehrt auf 117 Stück (November 89) = -52,4% zu 9/2014
Gas von 183 vermehrt auf 112 Stück (November 87) = -38,8% zu 9/2014

 

Die Ankündigungen der Öl- und Gasförderfirmen im Fracking-Bereich in den vergangenen Wochen lassen aus den USA erkennen, dass trotz der noch immer problematischen Lage optimistische Untertöne zu hören sind. Die am teuersten produzierenden Shale-Gebiete wie Barnett liegen brach am Boden und die Service- und Infrastrukturen wurden abgebaut, aber andere haben wohl begonnen, im Dezember wieder erste Aktivitäten zu entfalten.
Die Rohölpreise pendelten um die Marke 48.-USD/barrel und stiegen nach dem OPEC-Beschluss kurzzeitig auf 54 USD/barrel – mit anschließender Beruhigung.

Durch die anscheinend sehr aussichtsreichen und technisch gut erschließbaren Shale-Vorkommen im Norden von Argentinien im Gebiet „Vaca Muerta“ hat ein großer US-Förderer angekündigt, statt im Permian Basin in den USA lieber zur Gewinnung weiterer Förderkapazitäten in Argentinien investieren zu wollen.

Die weiterhin katastrophale Lage bei den Gaspreisen in den USA mit 2, 60  USD/mmBtu  und teils noch darunter, bei Produktionskosten, die mehrfach höher sind, macht die Erdgasproduktion weiterhin zum Verlustbringer. Auch der begonnene LNG-Export nach Südamerika, Asien und Europa,von den USA aus, bringt keine Gewinne sondern ist nach wie vor verlustbringend.

Eine generelle Trendwende ist in den USA bezüglich des Fördergeschäftes weiterhin noch nicht in Sicht, wenn sich auch die Kostenschwelle erheblich verringert hat. Immerhin hat der starke Anstieg der Bohrtürme im Einsatz in Nordamerika gezeigt, dass es der OPEC bisher nicht gelungen ist, die Fracking-Industrie in den USA und in Kanada als Wettbewerber auszuschalten.
Das Volumen der wieder in Betrieb genommenen Bohrtürme im Dezember zeigt, dass diese Industrie in Nordamerika sehr schnell reaktiviert werden kann.

Im Übrigen verweise ich auf meine Ausführungen in den vorhergegangenen Berichten zu den Monaten Mai bis November 2016.

 

Volker Fritz

im Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land

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