Aug 252018
 

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Bericht zum Monat August 2018: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

Berichtszeitraum 14.Juli 2018. bis 17. August.2018 (verlängerter Zeitraum, 5 Wochen)

Der August 2018 erlebt eine Stagnation mit geringster Zunahme – nach Zunahme im Juli – der im Einsatz befindlichen Bohrtürme. Der Rückgang nach Februar 2018 ist weiterhin noch nicht durch den neuen Anstieg der im Einsatz befindlichen Bohrtürme ausgeglichen.

Die Rohölpreise auf WTI-Basis nahmen im Juni deutlich zu bis auf über 74 USD/barrel und fielen Mitte Juli auf knapp unter 71 USD/barrel. Am 17. August 2018 notierten sie bei knapp unter 65,00 USD/barrel.
Nach den Ankündigungen der US-Förderindustrie sind die US-Rohölpreise ab 60 USD/barrel interessant. Dennoch kam die Wiederinbetriebnahme von Bohrtürmen im August, gemessen an den aktuellen Marktpreisen, fast völlig zum erliegen.
Besonders erstaunlich im Berichtszeitraum ist zu vermerken, dass in den USA fast kein Zuwachs an Bohrtürmen im Einsatz eintrat. Doch auch in Kanada ging es viel ruhiger zu, als im Vormonat. Im Ergebnis vergingen so weitere 5 Wochen im Juli/August, ohne dass die Zahl der Bohrtürme im Einsatz den Umfang von Februar 2018 wieder erreichte.

Hier bleiben weiterhin – und verstärkt – Fragen offen, deren Klärung evtl. demnächst möglich sein wird.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Monat August etwa gleichsinnig. In den USA  stagnierte die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme. Auch in Kanada gab es nur geringe Zunahmen. So ergab sich eine Gesamtzunahme von 18 Türmen im August (5 Wochen-Zeitraum!), die aus einer Zunahme in den USA von 3 Bohrtürmen und einer Zunahme in Kanada von 15 Bohrtürmen entstand. Die Zunahme setzt sich wiederum aus 8 Ölbohrtürmen und 10 Gasbohrtürmen zusammen.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn:

Monat
gesamt im Einsatz USA
Kanada
USA Rohölpreis WTI USD/barrel
Ende 7 1.178 958 220 46,00
Ende 8
1.157 940 217 46,81
Ende 9 1.155 935 220 52,13
Ende 10
1.115 913 202 51,94
Mitte 11
1.090 889 192 54,27
3. Wo 11
1.110 907 203 57,03
4. Wo 11 1.123 915 208 56,18
15.12.17
1.168 930 238 56,64
19.01.18
1.261 936 325 63,72
16.02.18
1.293 975 318 60,74
16.03.18
1.209 990 219 60,85
13.04.18
1.110 1.008 117 66,74
18.05.18
1.129 1.046 83 71,50
15.06.18
1.198 1.059 139 66,60
13.07.18
1.251 1.054 197 70,60
17.08.18
1.269 1.057 212 65,00

 

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika noch 1.012 Ölbohrtürme und 257 Erdgasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (525), Oklahoma (140), New Mexico 104), Louisiana (61), North Dakota (56), Pennsylvania(41), Colorado(30), Wyoming (29) und Ohio (22).

Der Ölpreis war seit Mitte März stetig gestiegen, auf zwischenzeitlich am 18. Mai 2018 71,50 USD/barrel für WTI , am 15. Juni 2018 etwas nachgegeben auf 66,60 USD/barrel, danach wieder gestiegen bis 74,30 mit Abfall Mitte Juli auf 70,60 USD/barrel.. Zurzeit liegt er bei knapp unter 65,00 USD /barrel.

Die Unsicherheit an den Börsen sei der Grund für diese Rohstoffpreisentwicklung, kommentieren die Händler an der Wall Street in New York. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 3,20 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu.
Das Erdgas-Überangebot in den US-Netzen drückt die Preise, die zurzeit bei 2,90 USD/mmBtu liegen, praktisch konstant sind.

Die vom US-Statistik-Amt festgestellte Verringerung der gelagerten Ölvorräte der USA besteht weiter. Bisher wurde davon ausgegangen, dass in 2018 die Auswirkung der Rücknahme der Förderkapazitäten der OPEC-Länder und der mit ihnen kooperierenden Nicht-OPEC-Förderländer zur Stabilisierung der Rohölpreise bei 60 bis 70 Dollar/barrel WTI-Qualität beitragen könnte.
Die sprunghafte Außenpolitik der USA, unter Missachtung aller internationalen Vereinbarungen, die gültig abgeschlossen wurden, wesentlich in der Vergangenheit forciert von den USA, bietet für Zocker natürlich zusätzliches Wett-Potential und verschärft generell die Situation.
Die Aktivitäten von Präsident Trump gegen die NATO, als gemeinsame Allianz, vergrößert natürlich die Unsicherheit noch weiter.

Die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA könnte sich auf die inzwischen schon wieder recht starke Ölförderung des Iran auswirken und diese reduzieren.
Die damit auf dem Weltmarkt befürchtete Verknappung des Rohöles ist nicht zu erwarten. Erst kürzlich haben mehrere wichtige Erdölförderländer angekündigt, ihre Förderung wiederhoch fahren zu wollen. Und die Länder der EU haben betont, dass sie im Atomabkommen mit dem Iran bleiben wollen und dem Iran Möglichkeiten schaffen wollen, sich wirtschaftlich weiter zu erholen. Das bedeutet, dass sie Öllieferungen des Iran gegen das US-Embargo an die EU organisieren wollen.
Das Drohpotential der Iraner, den Golf von Hormuz zu schließen, wenn man ihnen den Verkauf ihres Rohöles unmöglich macht, ist zwar erheblich, da dann Tankerlieferungen von Irak, Kuwait, Saudi, Bahrain, Katar und Vereinigte Arabische Emirate eingeschränkt würden, was etwa 20 Prozent des weltweiten Ölhandels ausmacht, aber schon vor Jahren haben die Emirate eine Pipeline an die Golfküste im Golf von Oman gelegt, um ihr Rohöl dort zu verschiffen und die Bedrohung in der Straße von Hormuz zu entkräften. Die Tanker bleiben dann draußen im Golf, vor der gefährlichen Passage der Straße von Hormuz.

Die riesigen weltweit zwischengelagerten Rohölmengen, die kurzfristig verfügbar und auch umdirigierbar sind (Lagerung in Großtankerflotten auf Reede), animieren die Rohstoff-Spekulanten zu Preiswetten und  überlagern das eigentliche Rohöl-Liefergeschäft.

Das erwartete Reaktivieren von Bohrtürmen bei Rohölpreisen von 60 USD/barrel WTI und darüber  in den USA und in Kanada ist weiterhin ausgeblieben. Die Gründe dafür sind weiterhin nicht klar auszumachen.
Die US-Förderunternehmen behaupten, dass sie aus ihren Förderbohrungen in Shale-Vorkommen durch optimierte Maßnahmen viel mehr Produktion herausholen als vorher und daher eher wettbewerbsfähig sind (bei niedrigeren Preisen als vorher).

Da insgesamt im Bereich der Ölförderung in Nordamerika der Hauptrückgang in den Monaten März und April 2018 stattgefunden hat und die anschließende Zunahme bis jetzt diesen starken Rückgang nicht ausgleichen konnte, wird im Verlauf des Herbstes und zum Winter 2018 hin das Ölangebot aus nordamerikanischer Förderung deutlich geringer sein, als die Prognosen der Wirtschaft dies noch im Monat Februar 2018 besagten.

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Die Situation der Kohlenstoff-Energiebranche wird von großen institutionellen Anlegern weiterhin kritisch gesehen, weil der große Zuwachs bei den regenerativen Energien, gerade und auch in den USA, den fossilen Erzeugern Märkte wegnimmt.
Und die Erzeugung der regenerativen Energien wird immer preiswerter. Neueste Meldungen berichten, dass die Fotovoltaik durch weitere Verbesserungen der Effizienz inzwischen in den USA wettbewerbsfähiger als die fossilen Stromerzeuger ist.
Die Zubauraten an Fotovoltaik-Anlagen in  den USA sind rasant gestiegen. Der US-Präsident Trump versucht jetzt durch Maßnahmen den weiteren Ausbau zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen.

International ist wieder Bewegung in das Bohrgeschäft gekommen. Im Juli sind fast 40 Bohrtürme in Betrieb genommen worden, so dass Ende Juli weltweit 997 Bohrtürme im Einsatz waren (im Vergleich: nur USA und Kanada allein hatten 1250 Stück im Einsatz).
Die Zunahme setze sich zusammen aus: plus 10 Südamerika, plus 8 Mittelost, plus 14 Asien/Pazifik, plus 4 Afrika, plus 2 Europa. Vom Volumen her ist Mittelost mit 400 Türmen im Einsatz die aktivste Region, gefolgt von Asien/Pazifik mit 229 Türmen.

Weiterhin versuchen große institutionelle Anleger, die bisher im Energiebereich bedeutende Teile ihres investierten Portfolios angelegt haben, aus den fossilen Energien auszusteigen.

Die Freigabe des Offshore-Gürtels vor den Küsten der US-Bundesstaaten für die Förderung von Kohlenwasserstoffen durch Präsident Trump wird weitestgehend von den betroffenen Bundesstaaten abgelehnt.
Sie bestehen auf der Beibehaltung der Schutzsperre der Obama-Regierung. Sie fürchten um die Küstenfischerei, um die Gefährdung der Natur und der Küsten durch Unfälle und Störungen und insgesamt um die Beeinträchtigung des Tourismusgeschäftes an ihren Küsten.
Der zuständige Minister, Bryan Zynke, hat von fast allen Gouverneuren entsprechende ablehnende Bescheide erhalten, außer von dem von Alaska, der allen Ernstes behauptet, die Einnahmen aus der Ölförderung Offshore dringend zu benötigen, um die Strukturkosten des Klimawandels für Alaska damit zu einzuspielen. Das ist schon paradox.


Volker Fritz

im AK Fracking Braunschweiger Land

 

 Veröffentlicht von am 25. August 2018

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