Feb 152020
 
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Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 01.02.2020

Bericht zum Januar 2020 Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika
Berichtszeitraum 04.01.2020 bis 31.01.2020

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme drastisch wieder zu, um 156 Stück nach umfangreichem Abbau – zuletzt um 56 Stück im Dezember 2019.
Das sieht nach einer neuen Entwicklung aus.
Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um über 25 Prozent unter der damaligen Gesamtbohrkapazität.

Die starke Januar-Zunahme ergibt sich hauptsächlich durch die Wiederinbetriebnahme von 130 Ölbohrtürmen und 32 Gasbohrtürmen in Kanada. Die Zahl der Türme in den USA sank auf 790 Stück. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin deutlich unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen.
Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel und am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel. Derzeit sind sie auf 52,95 USD/barrel gesunken.

Die befürchtete größere Auseinandersetzung zwischen den USA und Persien, sowie deren Kampfgruppen außerhalb Persiens ist nach dem 03.01.2020 und der Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani bisher ausgeblieben.
Die persische Führung hat sich mit dem Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran, die von Teheran aus gestartet war, in eine Lage gebracht, die sie vorsichtiger agieren lässt.
Die internationalen Ölmärkte haben sich daraufhin wieder entspannt, mit der Folge sinkender Rohölpreise.
Die von der OPEC im Dezember beschlossene drastische Förderkürzung zur Stabilisierung der Rohölpreise zeigt bisher noch keine Wirkung.

Allerdings reicht die beschlossene Kürzung nach Ansicht der IEA auch nicht aus um die Überproduktion zu beseitigen. Dazu müsste noch stärker reduziert werden, zumal der weltweite Rohölbedarf in der ersten Hälfte 2020 ebenfalls abnehmend beurteilt wird. Die IEA hält es für möglich, dass beide Einflüsse auf den Rohölpreis sich im Ende aufheben werden und dass die Preiserhöhungsabsicht der OPEC ins Leere laufen könnte.
Zudem bleibt zu bedenken, dass die USA und Kanada die Rohölförderung ganz kurzfristig durch die Fracking-Förderung im Volumen erhöhen können, wenn die Weltmarktpreise wieder Gewinne erlauben, während die OPEC in dieser Hinsicht vergleichsweise schwerfällig ist.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Januar unterschiedlich, wobei in Kanada, mit der starken Wiederinbetriebnahme der Ölfördertürme, weit über die Dezember-Stillegungen hinaus, eine Trendwende erfolgt ist.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis Januar 2020:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
30.09.17 1155 935 220 52,13
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
30.11.17 1123 915 208 56,18
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
16.03.18 1209 990 219 60,85
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
13.07.18 1251 1054 197 70,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
12.10.18 1258 1063 195 71,31
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
07.06.19 1078 975 103 51,7
12.07.19 1075 958 117 60,27
09.08.19 1074 934 140 52,31
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32
03.01.20 881 796 85 62,8
31.01.20 1037 790 247 52,95

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 832 Ölbohrtürme und 202 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (395), New Mexico (109), Louisiana (52), North Dakota (52), Oklahoma (53), Wyoming (23), Pennsylvania (25), Colorado (22), Kalifornien (14), West Virginia (15) und (11).

Den etwa 25-prozentigen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Zur Zeit wird er bei 1,841 USD/mmBtu notiert, wo doch im Norden und Nordosten der USA ein winterlich erhöhter Bedarf besteht.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruhiges Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee.
Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mm Btu im Henry Hub erzielen.

Die internationalen Bohraktivitäten belebten sich leicht um 8 Türme. 1.104 Bohrtürme werden weltweit im Dezember/Januar im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet.
Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand, jedoch mit dem Vorbehalt, dass Persien Aktivitäten entwickeln wird, um den USA auf den verschiedensten Gebieten zu schaden. Das kann zur Folge haben, dass auch die Länder der EU in diesem Konflikt Stellung beziehen müssen, was sie bisher wachsweich vermieden haben.

Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden, denn er hat sich großsprecherisch als „Friedenspräsident“ gegenüber seinen Stammwählern vorgestellt, der „unsere amerikanischen Jungs“ nach Hause holt. Nun muss er auch liefern.
Doch Trump hat wiederholt dem Iran gedroht und Stimmung gemacht.
Wegen der Botschaftsbedrohung in Bagdad hat Trump zusätzlich Tausende US-Soldaten in den Nahen Osten und nach Saudi-Arabien verlegen lassen, um die US-Präsenz wieder zu verstärken.
Nun hat Trump mit der Tötung des Generals agiert und damit zugleich seine Position in dem Konflikt entscheidend geschwächt, denn gegen 80 Millionen Iraner kann er einen offenen Krieg kaum mit einfachen Mitteln gewinnen.

Die Infektionswelle in China mit dem Corana-Virus und die drastischen Gegenmassnahmen der Zentralregierung in Peking führen zu einem Rückgang der Wirtschaftsentwicklung, zunächst in China, aber wohl zu erwarten auch weltweit.
Dadurch wird der Rohölbedarf – zunächst des Großabnehmers China, doch dann auch anderer Länder – zurückgehen oder zumindest stagnieren.
Mit einem Anstieg der Rohölpreise ist daher in der ersten Jahreshälfte 2020 eher nicht zu rechnen.

Volker Fritz
im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 15. Februar 2020

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