Anzahl der Bohrtürme in Nordamerika_Oktober 2021

Bericht zum Oktober 2021 Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

Berichtszeitraum 18.09. bis 15.10.2021 (4 Wochen)

Bohrtürme vom leicht erhöhten Niveau vom September 2021 weiter deutlich um 45 Stück zu, bei weiter steigenden Rohölpreisen von inzwischen um 80 USD/Barrel für WTI. Die Gesamtlage stärkt verbliebene nordamerikanische Ölförderer und sie haben, besonders in den USA, wieder mehr Bohrtürme in Einsatz bringen können. Die US-Fracking-Öl-Förderung nimmt wieder mehr Fahrt auf und wird im weiteren Verlauf zu vermehrter Ölförderung in 2022 führen. Es ist zu erwarten, dass die OPEC und Russland jetzt wieder das Angebot vergrößern werden, um den Ölpreis deutlich unter 60 USD/barrel zu stabilisieren und so die US-Fracking-Förderung unattraktiv zu machen. Bisher haben die US-Fracking-Förderer den Vorteil, quasi aus dem Stand heraus, ihre Förderung hochfahren zu können, nicht erkennbar genutzt, aber jetzt setzt ein Wandel ein, nachdem sie wieder richtig Geldverdienen können. Die Aktivitäten zur Erschließung neuer Förderbohrungen nahmen  im Oktober entsprechend zu.

Die weltweiten Abnahmemengen haben sich durch den rasanten Wiederanstieg der chinesischen Volkswirtschaft seit Herbst 2020 wieder deutlich erhöht, trotz der Ausbreitung der Pandemie in bevölkerungsstarke Länder wie Indien und Brasilien. In Europa hatte die 3. Infektionswelle der CORONA-Pandemie, wie vorhergesagt, im Februar 2021 begonnen und mehrere Volkswirtschaften waren genötigt, erneut große Aktionen zur Kontaktbeschränkung zu fahren, bis einsetzbare Impfstoffe in ausreichender Menge verfügbar waren. Impfungen sind inzwischen in den meisten Ländern der EU in größerem Umfang durchgeführt. Auch in D wurde, nach zögerlichem und verstolpertem Start im März, landesweit massiv geimpft. Inzwischen ist fast 80% der impfbaren Bevölkerung geimpft und das Impftempo lässt leider nach. So wird wohl CORONA ein Dauerthema bleiben. Nach der „Bundesnotbremse“ im Sommer sank die 7-Tage-Inzidenz auf unter „5“. Nach deren Aufhebung und mit der Ausbreitung der 4. Welle in D liegt sie wieder bei „70“. Die CORONA-Mutante aus Indien hat sich überall in D ausgebreitet. Fachleute befürchten wieder eine starke Zunahme der Neuinfektionen im Spätherbst und Winter.

Die 744 stillgelegten Bohrtürmen der Monate März bis Juni 20 umfassten über 70% Stilllegung der nordamerikanischen Bohrkapazitäten vom Jahresanfang 20. Im Juli kam zwar die Wende, nachdem die Rohölpreise WTI wieder bis auf 40 USD/Barrel angestiegen waren, die erwartete weitere Steigerung über 50 USD/Barrel kam in der 2.Hälfte Dezember. Zur Zeit liegt der Preis bei 71,57 USD, nachdem er am 16.03. schon die 65 USD überstiegen hatte.  Die Reaktivierung der Bohranlagen war daher in den Monaten Oktober/November/Dezember verhalten. Erste Unternehmen in Kanada und in den USA hatten trotz der schlechten Gesamtlage begonnen, wieder mehr ins Bohrgeschäft zu investieren. Zum Jahreswechsel wurden in Kanada umfangreich Bohranlagen stillgelegt, wie gewohnt. In den ersten Wochen im Januar 21 gingen sie dann wieder in Betrieb. Die überraschende deutliche Abnahme im März 21 und April wird durch die Zunahme im Mai ausgeglichen wobei Ölbohrtürme dominierten. Im Berichtszeitraum wurden besonders in Kanada 8 Ölbohrtürme und in den USA 10 reaktiviert, insgesamt erstaunlich wenige, wenn man die derzeitig erzielbaren Rohölpreise bedenkt. Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl nähert sich der derzeitigen globalen Fördermenge. Die erfolgte Wiederaufnahme und Beschleunigung der Industrieproduktion in China, die seit Anfang 21 sogar Höchstwerte erreichte, stimmt die Rohölproduzenten allerdings optimistisch.

Der Kollaps der Fracking-Förderung in Nordamerika wirkt als Zeitbombe, da die Bohrlöcher nicht zuverlässig verschlossen wurden, sondern einfach „zurückgelassen“. Große Mengen Methan treten dort überall aus. Viele Tausende Bohrungen sind nicht ordnungsgemäß verschlossen.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal in den USA die Zahl der Infizierten noch immer zunimmt. Zur Zeit werden über 44,9 Mio registrierte Infizierte gezählt und bereits über 723.700 Tote.  Auch Deutschland ist betroffen. Bisher sind in Deutschland 94.530 CORONA-Tote verzeichnet. Der Anstieg hatte sich deutlich verlangsamt, nimmt jetzt aber wieder zu.

Nun zu den Zahlen der Bohrtürme und der Ölpreisentwicklung, Basis WTI:          

Nach dem derzeitigen Zahlenbild  liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit  Februar 2018 um ca. 62  % unter der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika auch mit 587 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 22.05.20 bei 18,06 USD/Barrel und am 19.06. bei 40,26 USD/Barrel. Am 12.12.20 wurden 46,70 USD/Barrel notiert. Danach ging der Anstieg zügig weiter auf zeitweise bis zu 53 USD/Barrel und bis über 65 USD/Barrel. Zuletzt ging der Wert auf unter 62.-USD/Barrel zurück und steht dann auf über 70 USD und danach weiter bis auf zur Zeit 81,59 USD/Barrel.

Die OPEC und Partner haben die Förderkürzung deutlich über die ursprünglich vereinbarte Menge hinaus umgesetzt und dadurch recht schnell die Stabilisierung des Ölpreises bewirkt, unterstützt von den wieder gestiegenen Abnahmemengen Chinas. Inzwischen wird erst für Ende 2021/ 2022 eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erhofft, ausgehend von dem bis dahin erreichten, verminderten Niveau. Der Wechsel des US-Präsidenten am 20.01.2021 wurde international sehr begrüßt.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Oktober unterschiedlich. In Kanada wurden 3 Ölbohrtürme reaktiviert und 11 Gasbohrtürme, in den USA kamen 34 Ölbohrtürme dazu und 2 Gasbohrtürme wurden stillgelegt.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte, folgte ein Stillstand und danach ein Rückgang. Wobei eine erneute Belebung zum Jahresbeginn 2019,  gefolgt von einem kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis Juni 2020 zu beobachten war. Ab Juni 2020 konnte man eine Stagnation im Juli sowie eine leichte Belebung im August mit weiter leichter Zunahme von September bis Dezember 2020 verzeichnen Zum Jahreswechsel erfolgte wiederum eine starke Zunahme. Danach konnte man eine ruhige Entwicklung bis Mai 2021 sowie eine Belebung von Juli bis September beobachten. Im Oktober fiel die Ölbohrbelebung deutlich aus.

Monat/Jahrgesamt im Einsatz in NordamerikaUSAKanadaUS Rohölpreis WTI USD/barrel   
30.07.171178958220$46,00
31.10.171115913202$51,94
15.11.171090889192$54,27
15.12.171168930238$56,64
19.01.181261936325$63,72
16.02.181293975318$60,74
13.04.1811101008117$66,74
15.06.1811981059139$66,60
14.09.1812811055226$70,30
09.11.1812771081196$61,59
14.12.1812451071174$51,20
18.01.1912591050209$52,32
15.02.1912751051224$53,34
15.03.1911871026161$58,34
10.05.19105198863$61,99
12.07.191075958117$60,27
13.09.191020886134$55,00
11.10.191002856146$54,60
08.11.19957817140$56,39
06.12.19937799138$56,32
03.01.2088179685$62,80
31.01.201037790247$52,95
28.02.201030790240$44,67
27.03.2078272854$21,60
24.04.2049146526$18,06
22.05.2033931821$32,80
19.06.2028326617$40,26
14.08.2029824454$41,93
18.09.2031925564$41,11
16.10.2036228280$40,97
11.12.20449338111$46,70
15.01.21534373161$52,35
19.02.21569396172$59,85
19.03.2150341192$61,22
23.04.2149343855$61,88
21.05.2151345558$62,92
18.06.21587470117$71,61
16.07.21634484150$71,54
14.08.21664500164$68,79
17.09.21666512154$71,57
15.10.21711543168$81,95

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 543 Ölbohrtürme und 168 Gasbohrtürme aktiv.

Anzahl der Bohrtürme in Nordamerika_Oktober 2021
Anzahl der Bohrtürme über den Zeitraum Juli 2017 bis Oktober 2021

Auch die Entwicklung der US-Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub geht jetzt mit der Steigerung der WTI-Ölpreise mit.

Nach langer Zeit bei Notierungen 3,00 USD/mmBtu steigt er seit Ende Juli 2021 deutlich an und notiert inzwischen bei 5,687 USD/mmBtu. Damit erfüllt sich das langjährige Ziel der Erdgasproduzenten in den USA, den Handelspreis auf 5 USD, oder auch darüber anzuheben.

Jetzt können sie auch im US-Inlandsgeschäft Geld verdienen.

Für den LNG-Export ist diese Entwicklung aber gegenläufig negativ, weil sich dadurch der Preis des angelieferten Roh-Gases zu den LNG-Anlagen praktisch verdoppelt hat. Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Es ist zu erwarten, dass der internationale LNG-Absatz der USA deutlich sinken wird.

Die internationalen Bohraktivitäten nahmen im September um 10 Bohrtürme auf 787  Bohrtürme zu. Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden.

Volker Fritz im AK Fracking Braunschweiger Land

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