Nov 292013
 

BKW Eschweiler, Grube Inden, 2013

Grube Inden, im Hintergrund das Braunkohlekraftwerk Eschweiler (Foto: Carin Schomann @bohrplatz.org)

Der Trägerkreis der Demonstration „Energiewende retten“ – .ausgestrahlt – gemeinsam gegen Atomenergie, Attac, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz BBU, Campact – Demokratie in Aktion, NaturFreunde Deutschlands teilt mit:

Berlin, 28. November 2013

Massenprotest gegen schwarz-roten Frontalangriff auf die Energiewende

Demonstration „Energiewende retten“ am Samstag in Berlin / Busse aus 70 Städten / Umzingelung des Kanzleramtes

Nur wenige Tage nach dem Abschluss der Koalitionsverhandlungen werden am Samstag in Berlin Tausende gegen die geplante Energiepolitik der künftigen Bundesregierung auf die Straße gehen. Zu der Demonstration unter dem Motto „Energiewende retten – Sonne und Wind statt Fracking, Kohle und Atom“ erwarten die Veranstalter Busse aus bundesweit 70 Städten. Aus weiteren 30 Städten sind gemeinsame Anreisen mit der Bahn organisiert. Über 60 Organisationen rufen zum Protest auf, von der örtlichen Bürgerinitiative bis zu großen Umweltverbänden und Energiewende-Organisationen.

Die Demonstration beginnt mit einer Auftaktkundgebung am Samstag, 30. November, um 13 Uhr auf dem Washingtonplatz vor dem Berliner Hauptbahnhof. Nach einem Protestzug durch das Regierungsviertel werden Tausende das Kanzleramt umzingeln. Auf der Wiese vor dem Reichstagsgebäude lassen die Aktivistinnen und Aktivisten hunderte Protest-Drachen steigen.

Den Abschluss bildet eine Kundgebung wieder auf dem Washingtonplatz. Zu Wort kommen unter anderen:

* Franz Alt, Journalist und Ökologe
* Christoph Bautz, Geschäftsführer Campact
* Martin Donat, Vorsitzender BI Lüchow-Dannenberg
* Christina Hacker, Umweltinstitut München
* Oliver Kalusch, Vorstandsmitglied Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz BBU
* Michael Müller, Vorsitzender Naturfreunde Deutschlands
* Luise Neumann-Cosel, .ausgestrahlt – gemeinsam gegen Atomenergie
* Eva Stegen, Elektrizitätswerke Schönau
* Stefan Taschner, Sprecher Berliner Energietisch
* Christian Woltering, Paritätischer Gesamtverband

Bei einer Pressekonferenz zur Stunde in Berlin vor dem Reichstagsgebäude erklären Vertreter aus dem Trägerkreis der Demonstration ihre Beweggründe:

Christoph Bautz, Geschäftsführer des Kampagnennetzwerks Campact:
„Schwarz-Rot plant einen Frontalangriff auf die Energiewende. Während Kohle-Dreckschleudern noch mehr Subventionen erhalten sollen, drohen die Erneuerbaren mit einem Ausbaudeckel ausgebremst zu werden. Diese Klientelpolitk für RWE, Eon und Vattenfall wird am Samstag auf den Widerstand von uns Bürgerinnen und Bürgern treffen. Zu Tausenden gehen wir für eine konsequenten Energiewende und einen raschen Ausstieg aus der Kohlekraft auf die Straße.“

Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt:
„Die Atomlobby hat sich in den Koalitionsverhandlungen durchgesetzt. Deutschland soll nach den Plänen von Merkel und Gabriel auch am Ende dieser Legislaturperiode noch zweitgrößter Atomstromproduzent der EU sein. Das hat mit Atomausstieg nichts zu tun. Statt den Ausbau der Erneuerbaren Energien abzuwürgen, ist es viel besser, die gefährlichen Altmeiler abzuschalten. Dafür demonstrieren wir am Samstag in Berlin.“

Uwe Hiksch, Mitglied im Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands:
„Mit vielen Tausenden werden wir NaturFreunde den außerparlamentarischen Druck erhöhen, damit die Energiewende gegen die Atom- und Kohlelobby durchgesetzt werden kann. Wir NaturFreunde fordern von der Bundesregierung ein Kohleausstiegsgesetz, das einen schnellen Ausstieg aus der Kohleverfeuerung gesetzlich festschreibt und den Aufschluss weiterer Tagebaue verhindert.“

Jens-Martin Rode von der bundesweiten AG Energie Klima Umwelt von Attac:
„Angesichts der verheerenden Auswirkungen des Klimawandels für den globalen Süden ist es ein Skandal, den Ausbau der Erneuerbaren Energien jetzt auszubremsen. Die neue Bundesregierung tut alles, um die Strukturen der fossilen und atomaren Energiewirtschaft aufrecht zu erhalten. Wir fordern eine dezentrale Energieversorgung auf Grundlage der Erneuerbaren Energien in BürgerInnenhand.“

[Foto: BKW Eschweiler, Grube Inden (Z | 2013)]

 Veröffentlicht von am 29. November 2013
Nov 262013
 

Einer der überraschendsten Fakten zum neuen Koalitionsvertrag betrifft lau Huffington Post auch das Thema Fracking. Überraschend will ich das nicht nennen. Ich nenne das einfach unvernünftig, weil es gegen den Bürgerwillen durchgesetzt werden soll. Die Frack-Lobby scheint nicht untätig gewesen zu sein.

Kein Fracking-VerbotIn Deutschland wird es kein Fracking-Verbot geben, wenn es nach Union und SPD geht. Trotzdem wird in dem Entwurf des Koalitionsvertrages wortreich vor den Folgen des unkonventionellen Rohstoffabbaus gewarnt: „Nach den vorliegenden Untersuchungen zur Umweltrelevanz ist der Einsatz der Fracking-Technologie bei der unkonventionellen Erdgasgewinnung insbesondere bei der Schiefergasförderung eine Technologie mit erheblichem Risikopotential. Die Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt sind wissenschaftlich noch nicht hinreichend geklärt. Trinkwasser und Gesundheit haben für uns absoluten Vorrang.“ Statt eines Verbots soll es komplizierte Genehmigungsverfahren geben.

via Entwurf des Koalitionsvertrags: Das sind die zehn überraschendsten Fakten.

Nov 242013
 

lobbyErinnert ihr euch noch an Jürgen Großmann? Ja, genau der Großmann, der auch mal mit der Kanzlerin dinieren durfte. Damals ging es um die Neustrukturierung des Strommarktes. Heute geht es um die Energiewende. Und wisst ihr, was der inzwischen ex-Boss von RWE mit den Bossen von E.ON, EnBW, Shell und ExxonMobil, aber auch dem Herrn von Klaeden (früher Staatsminister, heute im Auftrag der Daimler AG unterwegs) und der Frau Hildegard Müller (früher Merkels Staatssekretärin, heute BDEW-Hauptgeschäftsführerin) gemeinsam hat? Genau: Sie alle sind bei Frau Dr. Merkel und noch mehr bei ihrem Gefolgsmann, Kanzleramtschef Pofalla gern gesehene Berater, pardon: Gesprächspartner. Dies berichtet abgeordnetenwatch.de:

Wenn es um die Gestaltung der Energiewende geht, hört die Bundesregierung bevorzugt auf Ratschläge von Lobbyisten großer Energiekonzerne. Wie jetzt bekannt wurde, lud allein Kanzlerin Merkel ein gutes Dutzend Mal zum Einzelgespräch. …

Sehr viel häufiger noch trafen sich Kanzleramtschef Roland Pofalla und der frühere Staatsminister Eckart von Klaeden, inzwischen Lobbyist bei Daimler, mit Vertretern aus der Energiebranche. Dokumentiert sind u.a. Zusammenkünfte mit dem Europachef von Vattenfall, dem damaligen Präsidenten des Lobbyverbandes Deutsches Atomforum sowie dem früheren RWE-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann…

Vertreter der erneuerbaren Energie haben dagegen kaum Zugang zum Zentrum der Macht.

Die Ökostrombranche saß am Katzentisch, wie der stern es ausdrückte. Das Energiekonzept im Koalitionsvertrag soll maßgeblich aus der Feder des BDEW stammen.

„Energiewende retten!“ — Ein mächtiger Widerspruch wird am kommenden Samstag in Berlin erschallen, soviel ist klar.

 Veröffentlicht von am 24. November 2013
Nov 222013
 

Auf dieseNachricht haben wir Bürgerinitiativen lange gewartet. Finden wir sehr gut!

 

Ein 700 Unternehmen umfassendes Bündnis fordert aus Sorge um die Reinheit der Wasservorkommen in Deutschland strikte gesetzliche Regeln für das Gas-Fracking. Das von Union und SPD im Falle einer Großen Koalition geplante Moratorium für die Gasförderung aus tiefem Gestein wird zwar begrüßt. Aber eine gesetzliche Klarstellung sei dringend geboten.Getragen wird das Bündnis von Gelsenwasser, den Wasserwerken an der Ruhr, dem Deutschen Brauer-Bund, dem Verband Deutscher Mineralbrunnen und der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke – also Unternehmen, für die sauberes Wasser existentiell wichtig ist.

via Fracking: Bündnis von 700 Wasser-Unternehmen fordert strenges Gesetz – SPIEGEL ONLINE.

Gelsenkirchener Erklärung downloaden

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Nov 212013
 

Zittel_1612

*Montag, 16. Dezember 2013, 18:30 Uhr*
Technische Universität, Pockelsstraße 4, Hörsaal PK 4.4

Fracking – ist die Erprobung das Risiko wert?

Vortrag von Dr. Werner Zittel, Ludwig-Bölkow-Stiftung, Ottobrunn

Moderation: Prof. Dr. Antje Schwalb, TU Braunschweig

Fracking ist eine Methode der Erdgasgewinnung, bei der durch Tiefbohrung eine Flüssigkeit unter hohem Druck in das erdgashaltige Gestein gepresst wird. Sie ist wegen der möglichen Gefahren durch den Einsatz von Chemikalien und die Veränderung der Gesteinsformationen umstritten. Beobachtungen in den USA haben die Befürchtungen teilweise bestätigt.

Trotzdem wird sie immer wieder ins Spiel gebracht. Nachdem in diesem Jahr eine Expertenkommission die Erprobung empfohlen hat, ist damit zu rechnen, dass auch in Deutschland Erprobungen verstärkt stattfinden.

Was sind genau die Gefahren? Ist auch eine Erprobung bereits unvertretbar gefährlich? Gibt es gute wirtschaftliche Argumente für die Einführung dieser Technik? Warum wird wieder auf den Abbau einer absehbar endlichen Ressource gesetzt?

Dr. Werner Zittel*ist promovierter Physiker. Nach Tätigkeiten in verschiedenen Forschungsinstituten ist er seit 1989 bei der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH (LBST) in Ottobrunn, einem Beratungsunternehmen für Energie und Umwelt, seit Juli 2011 ist er im Vorstand der Ludwig-Bölkow-Stiftung in ehrenamtlicher Funktion. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen zur Problematik der fossilen Energie bzw. zur Energiewende und hat eine Expertise zum Thema Fracking verfasst.

Die Veranstaltung wird organisiert von der Gruppe „Wissen und Kritik“ an der TU Braunschweig.
Kontakt: Tel.: 0531-3915997
Email: b[punkt]wahrig[rollmops]tu-braunschweig[punkt]de
http://www.tu-braunschweig.de/zukunftsfragen

 Veröffentlicht von am 21. November 2013
Nov 212013
 

Das Braunkohlekraftwerk Weisweiler und seine Kohlegrube Inden, NRW

Das Braunkohlekraftwerk Weisweiler und seine Kohlegrube Inden, NRW (Foto: Carin Schomann @bohrplatz.org)

Es sind nur ganz wenige, nämlich rund 90 von Tausenden Unternehmen, die zwei Drittel des menschgemachten Klimawandels seit Beginn der Industrialisierung zu verantworten haben. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Richard Heede, Klimaforscher in Colorado, USA, die demnächst in der Fachzeitschrift Climate Change (Springer) erscheinen wird.

Ganz oben auf der Liste der 90: Die Produzenten von Erdöl, Erdgas und Kohle. Die Öl- und Gasproduzenten ExxonMobil, Chevron, Royal Dutch Shell und BP sowie die Kohleproduzenten British Coal Corp, Peabody Energy und BHP Billiton sind auch hier führend. Etwa 50 privatwirtschaftliche Unternehmen stehen auf der Liste, 31 sind staatliche Unternehmen wie Aramco (Saudi-Arabien), Gazprom (Russland) und Statoil (Norwegen). Gelenkt werden diese Unternehmen von ganz wenigen:

 

„Es gibt Tausende Öl-, Gas- und Kohleproduzenten auf der Welt“, wird der im amerikanischen Bundesstaat Colorado arbeitende Klimaforscher und Studienautor Richard Heede zitiert: „Aber die Entscheider, die Firmenchefs oder die Öl-Minister (…) hätten Platz in nur ein oder zwei Greyhound-Bussen“. (FAZ, 22.11.2013)

Auf dem eben zu Ende gegangenen Weltklimagipfel in Warschau haben diese Entscheider massiv Lobbyarbeit verrichtet und ihre falschen Lösungen propagiert, die da lauten: Weiter so und noch ein bisschen mehr von allem.

Dabei ist, wie aus Heedes Studie klar wird, die Hälfte der bisherigen Emissionen gerade mal in den letzten 25 Jahren ausgestoßen — als längst schon klar war, dass die zunehmend anfallenden Klimagas-Emissionen aus der Verbrennung von Kohle und Öl den gefährlichen Klimawandel verursachen.

Half of the estimated emissions were produced just in the past 25 years – well past the date when governments and corporations became aware that rising greenhouse gas emissions from the burning of coal and oil were causing dangerous climate change.(Richard Heede, zit. n. The Guardian, 20.11.2013)

Ex-US-Vizepräsident und Klimaaktivist Al Gore begrüßte Heedes Studie, meinte laut The Guardian, dass eine neue CO2-Budgetierung die Debatte neu aufrollen könnte, wer eigentlich schuld ist an der Klima-Krise.

Das Braunkohlekraftwerk Weisweiler (Foto) steht weiter unten auf der Liste der weltweiten Klimakiller und kann als Vergleich dienen, um das Ausmaß der katastrophalen Luftverschmutzung zu erahnen. Sein Schadenskonto beläuft sich „nur“ auf geschätzte 824 – 1135 Mio Euro — u.a. wegen „bescheidener“ 19 Mio Tonnen ausgestoßenen CO2 und einen schlappen halben Tonne Feinstaub im ganzen Jahr 2011. Damit steht Weisweiler zwar auf Platz 9 der 28.000 von der Europäischen Umweltagentur untersuchten klimabelastenden Emittenten, sieht aber gegen die „Großen“ wie ein Waisenknabe aus.

Fracking beschleunigt den Klimawandel
33 Initiativen und NGOs haben die Regierungsparteien darauf hingewiesen: Exploration und Produktion von unkonventionellem Gas/Öl belasten das Klima durch eine 3- bis 15-mal höhere CO2-Belastung als bei konventionellem Gas/Öl; unverbrannt in die Atmosphäre entweichendes Methan (in mehreren Feldern nachgewiesen bis über 10 % der Produktion) ist ein 25- bis 40-mal wirksameres Klimagas als CO2. Experten gehen heute davon aus, dass die Klimabilanz des Fracking nicht besser ist als die von Kohle.

 Veröffentlicht von am 21. November 2013