Offener Brief an Svenja Schulze

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Sep 232020
 

Offener Brief an die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Frau Svenja Schulze

„Nationale Wasserstrategie“, Prioritätenliste

Sehr geehrte Frau Bundesministerin,

aus öffentlichen Berichten haben wir entnommen, dass Sie in Anbetracht des sich immer deutlicher abzeichnenden Klimawandels und der hierdurch gefährdeten Wasserversorgung infolge zu geringer Niederschläge, eine „Nationale Wasserstrategie“ planen. Der niedersächsische Umweltminister Lies hat die drohende Wasserknappheit ebenfalls öffentlich angesprochen.

Gutachten haben schon vor längerer Zeit davor gewarnt, den sehr hohen Nutzungsgrad unseres Grund- und Oberflächenwassers weiter zu intensivieren. Nachlassende Niederschläge und damit sinkende Grundwasserspiegel könnten schnell zu ernsten Problemen führen.Schon jetzt müssen Landwirte ihre Felder beregnen, und Wasserwerke machen sich Gedanken über die Zuteilung von beantragten Wassermengen.Medien schreiben über Befüllen von Schwimmbecken oder Bewässerung von Gärten.

Wir, die Mitglieder von Gegen Gasbohren, sehen die extreme Gefahr für unser Wasser in der Technik des Frackings, der Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten, mit immensem Wasserverbrauch. Wir beobachten äußerst aufmerksam und mit einigem Misstrauen die Tätigkeit der Expertenkommission Fracking, gemäß § 13a Abs. 6 S. 1 WHG.

Mit wissenschaftlicher Begleitung könnenmaximal 4 Versuchsbohrungen (gemäß § 13a Abs. 2 WHG) unter Anwendung von Fracking in Schiefer-, Ton-, Mergel-, oder Kohleflözgestein unter deutschen Bedingungen durchgeführt werden. Bis dato sind uns keine Versuchsbohrungen bekannt geworden.

Unsere Befürchtung ist, dass am Ende dem Bundestag die Aufhebung des Frackingverbotes empfohlen wird und dann in Deutschland in unkonventionellen Lagerstätten gefrackt werden darf.Dies würde bedeuten, dass riesige Mengen sauberen Grundwassers bei den Frackvorgängen benutzt werden.

Überlegungen der Erdgasindustrie1 sehen z.B. für einen ca.12 x 10 km zu erschließenden Förderplatz 9-12 Cluster mit je 20 Bohrungen vor.Jede einzelne Bohrung im Schiefergestein wird mit ca. 20 000-30 000 m3 Frackfluid, das zu 95-98 % aus Wasser besteht, beaufschlagt. Für einen Cluster werden 600 000 bis 700 000 m3 Frischwasser benötigt und aufgrund der beigesetzten Chemikalien dauerhaft dem Wasserkreislauf entzogen.

Für einen 12 x 10 km großenFörderplatz mit den darauf geplanten 9-12 Clustern würden im Laufe der Förderung ca. 5 bis 7 Millionen m3 Wasser benötigt. Von ExxonMobil war geplant, nach und nach weit über 100 Förderplätze zu errichten.Ein großer Teil des Wassers, kontaminiert mit Lagerstättenwasser, das bei der Gasförderung zu Tage tritt, wird später wieder in die Erde verpresst, wo es eine Gefahr für das trinkbare Grundwasser darstellt.

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 Veröffentlicht von am 23. September 2020
Aug 152020
 

Im Berichtszeitraum stagnierte die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme auf dem niedrigen erreichten Niveau vom Juni, da die Rohölpreise zwar wieder etwas gestiegen sind, aber noch keine ausreichende weltweite Abnahme der reduzierten Fördermengen erkennbar ist.

Die 744 stillgelegten Bohrtürmen der Monate März bis Juni umfassen über 70% Stillegung der nordamerikanischen Bohrkapazitäten vom Jahresanfang. Im Juli kam zwar die Wende, nachdem die Rohölpreise WTI wieder bis auf 40 USD/barrel angestiegen waren, aber die erwartete weitere Steigerung über 50 USD/barrel blieb aus, da auch die stark reduzierten Förderkapazitäten der OPEC und weiterer Partner noch zu groß sind und der CORONA-bedingte weltweite Verbrauchsrückgang nicht beendet ist.

Weitere Stilllegungen blieben aus und erste Unternehmen besonders in Kanada haben trotz der schlechten Gesamtlage begonnen, wieder stärker ins Bohrgeschäft zu investieren, während in den USA noch ein leichter weiterer Rückgang zu verzeichnen ist.

Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wurde April/Mai immer spürbarer zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der inzwischen über 19 Mio Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie ihr gewohntes Leben und Arbeiten unterbrochen haben und „abgesperrt“ zu Hause leben mussten und weiter müssen. Viele Unternehmen haben Zwangspausen einlegen müssen. In China hat die Industrie die Produktion wieder aufgenommen, es herrscht aber große Sorge vor einer 2. CORONA-Ansteckungswelle.

Die von der OPEC und weiteren Ländern beschlossenen massiven Förderkürzungen, um den Ölpreis zu stabilisieren, haben in den vergangenen 9 Wochen Wirkung gezeigt, in Verbindung mit der wieder zunehmenden Nachfrage aus China.

Die angekündigte Verknappung durch Produktionskürzungen führte zu weiterer Stabilisierung auf zwischenzeitlich über 42 USD/barrel. Doch die noch immer weiter zunehmende weltweite CORONA-Ausbreitung – auf inzwischen über 20 Mio nachgewiesene Betroffene und über 700.000 Tote – dämpft den Rohölbedarf so, dass der Preis heute wieder auf 41,93 USD/barrel WTI für Lieferung September 2020 zurück ging.

Neue Infos von Fracking-Ölproduzenten im Permian Basin in Texas besagen, dass sie innerhalb eines Jahres seit Mitte 2019 bis jetzt die Förderkosten um 20% senken konnten und nun in der Lage sind, für 40 USD/barrel zu fördern, statt für 50 bis 60 USD/barrel wie vorher. Die Strategie der OPEC und Russlands ist dabei die, durch die Preisgestaltung die Fracking-Förderer der USA aus dem Geschäft zu halten.

Wir können also erwarten, dass die Fördermengensteuerung dieser Gruppe so erfolgt, dass der WTI-Preis bei 40 bis 45 USD/barrel eintariert werden wird. Zur Zeit liegt der Rohölpreis auf WTI-Basis bei 41,93 EUR/barrel. Weiterhin gilt, dass abseits des Handelsplatzes New York auch Rohöl zu Notierungen gehandelt wird, die deutlich unter WTI-Niveau liegen.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl liegt weiterhin deutlich unter der globalen Fördermenge. Die Hauptölproduzenten haben ihre Notlage erkannt und ihre Förderungen kurzfristig drastisch reduziert, viel mehr als vorher angekündigt, um den Ölpreis wieder auf ein ökonomisch besseres Gleis zu bringen. Die Saudis haben ihren Hauptabnehmern die Liefermengen drastisch reduziert, in Asien, in Europa aber auch gegenüber den USA. Die erfolgte Wiederaufnahme großer Teile der Industrieproduktion in China stimmt die Rohölproduzenten optimistisch.

In Nordamerika entwickelt sich die Katastrophe weiter. Das zeigt auch der Konkurs des größten Frackingförderers in Nordamerika, der Chesapeake Energy, mit einem Volumen an 12 Mrd USD an ungedeckten Schulden. Denbury Resources Inc. mit 3 Mio USD ungedeckter Schulden hat Konkurs Chapter 11 angemeldet. Es geht jedoch weiter: The Plano, Texas und Rosehill Resources Inc. , Texas, haben in Texas Konkurs Chapter 11 angemeldet. BP hat erstmals in einem Jahrzehnt die Dividende halbiert – nach 6,68 Mrd USD Verlust im 2. Quartal 2020. BP will das Kohlenwasserstoff-Geschäft um 40% reduzieren und in die regenerative Stromerzeugung einsteigen. Bis 2030 wollen sie Kapazitäten für 50 Gigawatt installieren. Total S.A. hat in Kanada seine Anteile an der Ölförderung und der Ölgewinnung aus Sandvorkommen von ca. 7 Mrd USD ausgebucht und zieht sich aus Kanada zurück.

ExxonMobil hat im 2.Q. 20 1,1 Mrd USD Verlust gemeldet. Chevron hat im 2.Q. 20 3 Mrd USD Verlust gemeldet.

Baker Hughes meldet, dass seit Mai 2020 in den USA mindestens 100.000 Ölarbeiter ihren Job verloren haben, die meisten davon in Service-Firmen, da die Förderung zurückgeschraubt wurde. Kanadische Servicefirmen befinden sich bereits im „Überlebensmodus“, nur die finanziell starken werden überleben.

Der Kollaps der Fracking-Förderung in Nordamerika wirkt als Zeitbombe, da die Bohrlöcher nicht zuverlässig verschlossen wurden, sondern einfach „zurückgelassen“. Große Mengen Methan treten dort überall aus.

Im Westen der USA werden ungenutzte Raffineriekapazitäten umgerüstet, zur Verarbeitung von Fetten, Speiseölen, Schmierstoffen und Soja-Öl zu „regenerativem“ Diesel, Benzin und Flugbrennstoff, da dafür eine staatliche Prämie von über 3 USD gezahlt wird.

Seit 35 Jahren haben nicht so viele Förderbohrungen in Nordamerika still gestanden, wie gerade jetzt. Was aus den meist als Familienbetriebe arbeitenden Förderunternehmen im Permian und Anadarko Basin in den USA wird, ist im Moment nicht abzusehen. Dort gibt es 400.000 Pferdekopfpumpen-Förderbohrungen, die von meist kleineren Familienunternehmen betrieben werden. Sie beschäftigten bisher ca. 143.000 Arbeiter, die ihre Anlagen betreiben und warten und sie förderten bisher zusammen ca. 850.000 barrels/Tag.

Davon könnten in Kürze ca. 500.000 barrel wegfallen und ca. 100.000 Arbeitsplätze, meist in ländlichen Gebieten. Das birgt jede Menge Sprengstoff für die Nachwahl von Präsident Trump. Mit dem WTI-Preis in New York über 40.-USD/barrel heute werden aber wohl doch mehr von diesen Unternehmen im Geschäft bleiben, als zunächst zu befürchten war, denn damit können viele von ihnen kostendeckend arbeiten. Nach dem letzten „Schock“, dem Einbruch der Ölpreise nach 2014, sind die meisten dieser Unternehmen so geschwächt, dass sie keine Reserven mehr haben.

Und auch die Zulieferer-Industrie hat reduziert. Der Rohrhersteller Tenavis SA kündigte 223 Mitarbeitern in seinem Werk in Houston. Halliburton beurlaubte in seiner Stammfirma in Houston zunächst 3.500 Beschäftigte. In Kanada hat der Spezial-Spediteuer Mullen Group Ltd. mit Sitz in Calgary, der auch Ölfeld Logistik-Aufgaben und Schwerst-Transporte aller Art durchführt, im April 1.000 Mitarbeiter entlassen, um die Auswirkungen der CORONA -Pandemie abzufangen. Die Firma hatte im 1.Q 2020 noch einen Gewinn von 318 Mio Dollar ausgewiesen. Insgesamt ist die Zahl der Konkursanmeldungen in den ersten 2 Quartalen 2020 laut Haynes-Boone bisher doch noch moderat verlaufen, einmal vom „Brocken“ Chesapeake abgesehen.

Die Angst vor CORONA allerdings geht in den Ölcamps in den USA und in Kanada um, zumal sich die Zahl der Neuansteckungen mehr und mehr aus den Ballungsräumen (New York, Las Vegas, Boston, Florida, Golfküste) in die Fläche verlagert hat. Besonders der Förderstaat Texas ist hart betroffen. Vom 10.06.20 mit 77.250 Infizierten stieg die Zahl rasant auf 338.000 am 20.07. und auf 530.000 am 13.08.20.

In den USA haben sich inzwischen über 47 Mio Beschäftigte arbeitslos gemeldet – in nur 12 Wochen. Allerdings wurden im Juli auch über 5 Mio Menschen neu beschäftigt. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Die US-Arbeitsverwaltung schließt nicht die Arbeitskräfte ein, die nicht dokumentiert sind und arbeitslos werden. Ca. 8 Mio Arbeiter aus dieser Gruppe verloren ihren Job und müssen hinzugerechnet werden, ebenso noch die ganzen Studienabsolventen, die nach Abschluss ihrer Ausbildung arbeitslos sind. Die tatsächliche Arbeitslosenzahl beträgt sicher zwischen 48 und 53 Mio Menschen.

Wenn auch in China so getan wird, als sei die CORONA-Pandemie so gut wie überwunden, ist es doch so, dass mit der Wiederaufnahme der Aktivitäten der Industrie und der Wirtschaft auch bisher unbekannte Infektionsträger wieder „unters Volk“ gelangen und eine zweite Welle auslösen können. Das Geschehen in Peking im Verlauf der Woche vom 19.06.20 zeigt auf, wie schnell aus neuen Infektionsherden wieder größere „Lock-downs“ werden können.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal die USA ja gerade erst inmitten der größeren Ausbreitung stehen mit zur Zeit 5,2 Mio registrierten Infizierten und über 166.000 Toten. Das US-Gesundheitssystem ist in keiner Weise auf eine solche Pandemie vorbereitet und im ländlichen Bereich fehlen – besonders in den Bundesstaaten der „Trump-Freunde“ im Süden der USA – Krankenhäuser und Beatmungseinrichtungen. Die mögliche Zahl von 200.000 Toten rückt immer näher, da die Zahl der Infizierten in den letzten Wochen weiter stark zugenommen hat, besonders im Süden und Südwesten der USA. Mehrere der Gouverneure dieser Staaten haben einen Teil der von Präsident Trump empfohlenen Lockerungen jetzt wieder zurück genommen.

Diese Volkswirtschaft wird weiterhin monatelang lahm gelegt werden – auch wenn Präsident Trump das zu verhindern sucht – ohne Rücksichtnahme auf weitere Zehntausende Tote. Und ihre Haupt-Handelspartner, wie zum Beispiel Deutschland, werden von den Nachfrageausfällen getroffen werden. Weltweit sind inzwischen über 20 Millionen Infizierte erfasst worden. Die Dunkelziffer ist weitaus höher, besonders in den ärmeren Ländern. Und die Zunahme der Infizierten weltweit beschleunigt sich. Die Pandemie hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht.

Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen wirken bereits, der Export schwächelt stark. Hinzu kommt die wieder weiter zunehmende Zahl Infizierter, nachdem die Reiserückkehrer aus den Urlaubsregionen zu Tausenden infiziert sind und sich über das ganze Land verteilen. Die Eröffnung von Reisemöglichkeiten ins Ausland seit 15.06.20 bringt nun die schon vorher absehbaren Folgen mit sich. Das Beispiel „Ballermann“ auf Mallorca zeigte deutlich, dass eine gewisse Gruppe von Deutschen zuallererst ihren „Spass“ haben will. „CORONA? – egal“

Die Wirtschaft in Deutschland hat begonnen, nach vorn zu arbeiten, wenn auch in vielen Bereichen noch mit stark reduzierter Kapazität. Die Auftragseingänge aus dem Ausland beginnen sich wieder zu stabilisieren, wenn auch noch auf niedrigerem Niveau. Doch im unteren Mittelstand, bei den vielen Selbständigen, wird es voraussichtlich im Herbst und Winter 2020 ein großes „Sterben“ geben und damit verbunden den Verlust zig-tausender Arbeitsplätze.

Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird mit einem deutlichen Minus von über 8% erwartet. Den Luftverkehr versucht man, schrittweise wieder zu beleben, aber die Ansteckungsgefahr im Flieger bleibt. Gleichermaßen riskant sind Reisen mit Zug, Bus und Kreuzfahrtschiffen. Die Reiseindustrie mit allen ihren Dienstleistern ist besonders hart betroffen. Erst wenn ein zuverlässiger Impfstoff – in genügender Menge weltweit – das Ansteckungsrisiko minimiert, kann es wieder „unbeschwerte Reisen in alle Welt“ geben.

Die groß angelegten Hilfspakete der Regierung Merkel sollen die Belastungen aus der Situation für Großunternehmen, für den Mittelstand und für kleine Selbständige – aber auch für die Menschen mit Niedriglohn und Teilzeitarbeit – erträglicher gestalten. Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland wird im Jahresdurchschnitt auf 2,5 Mio Personen erwartet, in der Spitze über 3,5. Im Detail wird bei der Abwicklung der Hilfspakete mancher Haken vermutet, der kostbare Zeit verschlingen wird. Pleiten sind vorprogrammiert und viele, viele Arbeitslose.

Zu den Zahlen der Bohrtürme:

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um ca. 75% unter der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin mit 298 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel, am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Am 22.05.20 notierten sie bei 18,06 USD/barrel und am 19.06. bei 40,26 USD/barrel. Am 17.07. wurden 40,77 USD/barrel für WTI gehandelt und heute 41,93.

Die OPEC und Partner haben die Förderkürzung deutlich über die ursprünglich vereinbarte Menge hinaus umgesetzt und dadurch recht schnell die Stabilisierung des Ölpreises bewirkt, unterstützt von den wieder steigenden Abnahmemengen Chinas.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weis niemand, wie lange und in welchem Umfang wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen.

Die Ausbreitungsschwerpunkte haben sich von Europa auf die USA, auf Mittel-und Südamerika, Indien, Russland und auf Südafrika verlagert.

Inzwischen wird mit einer Verschärfung zum Herbst/Winter hin gerechnet und erst für 2021/ 2022 wird eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erhofft, ausgehend von dem bis dahin erreichten, stark verminderten Niveau. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann es mehr als 5 Jahre dauern, ehe die Weltwirtschaft wieder einigermaßen „rund“ läuft. Wirtschaftskundler schätzen, dass der Einbruch stärker ausfallen kann, als der in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im August nicht gleichsinnig. In den USA wurde noch in geringem Umfang weiter abgebaut um 9 Türme, nur im Öl-Bereich. In Kanada wurden hingegen weitere 8 Erdgasbohrtürme und 14 Ölbohrtürme reaktiviert.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis Juni 2020 und Stagnation im Juli und jetzt mit leichter Belebung:

Monat/ Jahrgesamt im Einsatz in NordamerikaUSAKanadaUS Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17117895822046
31.10.17111591320251,94
15.11.17109088919254,27
15.12.17116893023856,64
19.01.18126193632563,72
16.02.18129397531860,74
13.04.181110100811766,74
15.06.181198105913966,6
14.09.181281105522670,3
09.11.181277108119661,59
14.12.181245107117451,2
18.01.191259105020952,32
15.02.191275105122453,34
15.03.191187102616158,34
10.05.1910519886361,99
12.07.19107595811760,27
13.09.19102088613455
11.10.19100285614654,6
08.11.1995781714056,39
06.12.1993779913856,32
03.01.208817968562,8
31.01.20103779024752,95
28.02.20103079024044,67
27.03.207827285421,6
24.04.204914652618,06
22.05.203393182132,8
19.06.202832661740,26
14.08.202982445441,93

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika noch 191 Ölbohrtürme und 105 Gasbohrtürme aktiv. Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(100), New Mexico(45), Louisiana (31), Pennsylvania(20), North Dakota(11), Oklahoma(11), West Virginia(5), Ohio (6), Colorado(5), und Kalifornien(4).

Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt die Entwicklung zu geringerem Energieverbrauch wider. Am 07.06.2019 lag der Preis bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Ende Februar wurde er bei 1,75 USD/mmBtu notiert und blieb seither bis vor wenigen Tagen immer unter 2 USD/mmBtu. Am 22.05. notiete er mit 1,815 USD/mmBtu und 19.06.mit 1,638 USD/mmBtu, 17.07.20 mit 1,723 USD/mmBtu und heute mit 2,182 USD/mmBtu.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mmBtu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA – und in der Folge auch beim Erdgas zu noch größeren Verlustabschlüssen führen.

Die internationalen Bohraktivitäten nahmen erneut ab, um 38 Türme auf 743 Bohrtürme. Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden. Eine weltweite Rezession gewaltigen Ausmaßes kommt auf uns alle zu, die erst nach einer längeren Wiederbelebungsphase Schritt für Schritt überwunden werden dürfte.

Wir alle müssen diese Krise erst einmal durchstehen, dann die Neuorientierung beginnen und danach den internationalen, vernetzten Wirtschaftskreislauf wieder beleben. Und China – von den Köpfen der allgegenwärtigen Kommunistischen Partei gesteuert – strebt im weltweiten Durcheinander nachdrücklich die Position der Weltmacht Nr.1 an, begünstigt durch eine Führungsfigur in den USA, die ihrer Aufgabe in keiner Weise gerecht wird, sondern es als zentrale Aufgabe zu sehen scheint, den Reichtum des Trump-Clans auf Kosten der USA zu mehren und zu vervielfachen.

Volker Fritz – im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 15. August 2020

Bericht: Bohrtürme in Nordamerika

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Jul 212020
 

Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 17.07.2020

Bericht zum Juli 2020

Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika
Berichtszeitraum 20. Juni 2020 bis 17. Juli 2020

Im Berichtszeitraum stagnierte die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme auf dem niedrigen erreichten Niveau, da die Rohölpreise wieder etwas gestiegen sind.
Die 744 stillgelegten Bohrtürmen der Monate März bis Juni umfassen über 70 Prozent Stillegung der nordamerikanischen Bohrkapazitäten. Im Juli kam die Wende, nachdem die Rohölpreise WTI wieder bis auf 40 USD/barrel angestiegen waren.
Weitere Stillegungen blieben aus und erste Unternehmen kündigten trotz der schlechten Gesamtlage an, wieder stärker ins Bohrgeschäft investieren zu wollen.

Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wurde April/Mai immer spürbarer zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der inzwischen über 2 Milliarden Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie ihr gewohntes Leben und Arbeiten unterbrochen haben und „abgesperrt“ zu Hause leben mussten, um die Ausbreitung des CORONA-Virus auszubremsen. Viele Unternehmen haben Zwangspausen einlegen müssen. In China hat die Industrie wieder die Produktion wieder aufgenonmmen, es herrscht aber große Sorge vor eine 2. CORONA-Ansteckungswelle.
Die von der OPEC und weiteren Ländern beschlossen massiven Förderkürzungen, um den Ölpreis zu stabilisieren, haben in den vergangenen 5 Wochen Wirkung gezeigt, in Verbindung mit der wieder zunehmenden Nachfrage aus China.
Die angekündigte Verknappung durch Produktionskürzungen führte zu weiterer Stabilisierungauf heute knapp über 40 USD/barrel.

Das macht offenbar den noch verbliebenen Fracking-Förderunternehmen in den USA Mut, den weiteren forcierten Abbau von Bohrkapazitäten zunächst zu stoppen, in Kanada ist man sogar optimistisch und reaktiviert bereits.
Sie benötigen allerdings WTI-Öl-Preise von 50 bis 60 USD/barrel.
Die Strategie der OPEC und Russlands ist dabei die, durch die Preisgestaltung die Fracking-Förderer der USA aus dem Geschäft zu halten.
Wir können also erwarten, dass die Fördermengensteuerung dieser Gruppe so erfolgt, dass der WTI-Preis bei 40 bis 45 USD/barrel eintariert werden wird.
Zur Zeit liegt der Rohölpreis auf WTI-Basis bei 40,77 EUR/barrel.
Weiterhin gilt, dass abseits des Handelsplatzes New York auch Rohöl zu Notierungen gehandelt wird, die deutlich unter WTI-Niveau liegen.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl weiterhin deutlich unter der globalen Fördermenge.
Die Hauptölproduzenten haben ihre Notlage erkannt und ihre Förderungen kurzfristig drastisch rduziert, viel mehr als vorher angekündigt, um den Ölpreis wieder auf ein ökonomisch besseres Gleis zu bringen. Die Saudis haben ihren Hauptabnehmern die Liefermengen drastisch reduziert, in Asien, in Europa aber auch gegenüber den USA.
Die erfolgte Wiederaufnahme großer Teile der Industrieproduktion in China stimmt die Rohölproduzenten optimistisch.

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 Veröffentlicht von am 21. Juli 2020

Beitrag zum Thema „Weltklima“ von Volker Fritz

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Jul 152020
 

Weltklima wohin gehst Du?

Die Menschheit hat seit Dezember 2015, als in Paris das Welt-Klimaabkommen unterzeichnet wurde, keine wesentlichen Schritte zur Reduzierung der Emissionen an Treibhausgasen unternommen, obwohl reichlich wohlfeile Erklärungen abgegeben worden waren.

Wir sind in wenigen Monaten 5 Jahre weiter. Diese kostbaren Jahre an Zeit wurden mehr oder weniger verplempert. Egoistisch wurde hauptsächlich daran gedacht, wie man als Nation mit möglichst wenig Einsatz und Hinhaltetaktik „billig“ davon kommen kann.

2015 wurden noch etwa 20 Jahre Zeitraum geschätzt, die die Menschheit haben wird, um aktiv ins Klimageschehen einzugreifen. Danach, so war die Befürchtung, würden im Zuge der weiteren Erwärmung selbst beschleunigende Regelkreise in Gang gesetzt werden, auf die der Mensch keinen Einfluss mehr hat.

Inzwischen sind viele solcher Wechselwirkungen erkannt worden, die in Summe die Klimaerwärmung beschleunigen. Und im weiteren Fortgang der wissenschaftlichen Bearbeitung der einzelnen Phänomene wurde auch erkannt, dass zahlreiche frühere Annahmen zum Klimageschehen viel zu optimistisch waren und das tatsächliche Bild viel zu freundlich erscheinen ließen. Auch Deutschland handelt ignorant und von Lobbyisten gesteuert.

Die aussichtsreiche neue Sparte „Solarenergie“ wurde wegen angeblich zu hoher notwendiger Staatszuschüsse komplett stillgelegt und das angereicherte Wissen floss ins Ausland ab.

Der Ausbau der Windkraft auf regionaler Genossenschaftsebene wurde Schritt für Schritt immer mehr erschwert, zu Gunsten des großen Kapitals, um letztendlich weiterhin eine zentrale Energieversorgung aufrecht zu erhalten – mit ihren schönen Abschöpfungsmöglichkeiten über „Netzentgelte“, „Bereitstellungskosten“ usw.

Die Schaffung geeigneter Großspeicher für Wind- und Solarstrom zur Überbrückung von Wind- und Sonnenflauten wurde bisher sträflich vernachlässigt, obwohl ohne sie die voll regenerative Energieversorgung nicht möglich ist.

Diese Bundesregierung hat sich auf den breiten Ersatz von Kohle und Erdöl durch Erdgas festgelegt (Treiber: Altmaier und hinter diesem die Gaskonzerne), anstatt konsequent den Umbau auf die Erneuerbaren voranzutreiben.

Diese Bundesregierung sorgt auch dafür, dass LNG über nationale Anlandestellen an Nord- und Ostsee aus billiger nordamerikanischer Fracking-Produktion bei uns vermehrt zum Einsatz kommen wird. Gerade das LNG aus Fracking-Erdgas ist ein besonders großer Atmosphärenschädiger.

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 Veröffentlicht von am 15. Juli 2020

Kommentar von Volker Fritz

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Jul 132020
 
Kommentar zur Erzwingung einer Grundstücksbetretung nach § 40 BergG durch das LBEG im Heidekreis zur Ermöglichung der Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen, gegen den erklärten Willen des Grundstückseigentümers.

https://www.lbeg.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/landkreis-heidekreis-lbeg-erlaubt-betreten-eines-bohrplatzes-190078.html

Das ist ein unerhöhrter Vorgang, der mit Billigung des Dienstherren des LBEG, des Wirtschaftsministers von Niedersachsen, Herrn Althusmann, abgelaufen ist.

Deutschland hat sich im Pariser Klimaabkommen von 2015 auf die schnelle Beendigung der Nutzung fossiler Brennstoffe verpflichtet, es aber im Inneren unterlassen, die notwendigen Gesetzesänderungen in vollem Umfang zu schaffen, damit nach diesen Prämissen auch von den Landesbehörden der Länder und von den Bundesbehörden gearbeitet wird.

Der „Kohlekompromiss“ zur Stillegung der Braunkohlrekraftwerke bis 2038 ist für eine aktive Maßnahme zur Klimarettung viel zu spät, denn 2050 wollte die Bundesregierung die fossile Nutzung völlig abgeschafft haben. Das wird absehbar so nicht erfüllt werden, zumal die Erweiterung der regenerativen Energieerzeugungssysterme offensichtlich ausgebremst wurde. Sie wären sonst schon viel weiter.

Mit der Pressemitteilung der Bundesregierung: „Moderne Kraftwerke schlagen Brücke ins regenerative Zeitalter“ wird erkennbar, wohin die Aktivitäten und Pläne des Ministers Altmaier uns führen. Es ist für Jahrzehnte noch geplant, mit fossilen Energieträgern so weiter zu machen, wie bisher, trotz der Verträge von Paris. Damit hilft Deutschland  dabei, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören. Die Pläne, massiv Erdgas als Ersatz für andere fossile Energien einzusetzen, zeugen in besonderer Weise von der Uneinsichtigkeit der Entscheidungsträger, die eine solche Politik betreiben.

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/energiewende/energie-erzeugen/moderne-kraftwerke-schlagen-bruecke-ins-regenerative-zeitalter-404310

So ist es heute immer noch möglich, dass Bergrecht über vielen anderen Rechten steht. Alle Versuche, diese Vorrangstellung des Bergrechtes abzuschwächen und es verbrauchergerechter und umweltfreundlicher zu gestalten, scheiterten bisher an der erfolgreichen Lobbyarbeit der Förderindustrie bei den politischen Entscheidungsträgern.

 Veröffentlicht von am 13. Juli 2020
Jun 212020
 

Geplante großflächige Zulassung der Fracking-Förderung von Erdgas würde Notlage noch erheblich verschärfen.

Volker H.A. Fritz – den 20.6.2020

An den Umweltminister von Niedersachsen, Herrn Olaf Lies
c/o Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz
30169 Hannover
per e-mail: minister@mu.niedersachsen.de
poststelle@mu.niedersachsen.de

Sehr geehrter Herr Minister Lies,

namens unseres Arbeitskreises nehme ich zu Ihren Warnungen und Ihrer Aussage, dass der Klimawandel schon da sei, dass es aber künftig noch schwieriger werden könnte, aus der Sicht des Widerstandes gegen die Fracking-Förderung Stellung.

Auch wir haben schon vor zwei Jahren bemerkt, dass Gutachten zur Wassernutzung den sehr hohen Nutzungsgrad unseres Grund- und Oberflächenwassers erwähnten und davor warnten, die Wassernutzung in Deutschland noch weiter zu intensivieren. Das könne, bei nachlassenden jährlichen Niederschlagsmengen dann schnell zu Problemen führen.

Jetzt werden die Auswirkungen, insbesondere der großen Agrarberegnungsmengen, bei gleichzeitigen mäßigen bis geringen Niederschlägen, deutlich erkennbar. Die Grundwasserspiegel sinken ab. Und dann droht da immer noch das Projekt „Fracking-Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Vorkommen in Deutschland“ mit riesigem zusätzlichem Grundwasserbedarf.

Wir beobachten äußerst aufmerksam die Tätigkeit – oder besser Untätigkeit – der „Expertenkommission Fracking“ gemäß § 13a Abs. 6 S. 1 WHG , die ja durch wissenschaftliche Begleitung der 4 genehmigten Versuchsbohrungen mit Frackinganwendung im Schiefer-, Ton-, Mergel- oder Kohleflözgestein zu erweiterten Erkenntnissen unter deutschen Bedingungen kommen sollte. Unser Eindruck ist, dass hier ein abgekartetes Spiel läuft, an dessen Ende diese Kommission dem Bundestag die Aufhebung des Fracking-verbotes „empfehlen“ wird. Und die Große Koalition in Berlin dürfte das mit ihrer Mehrheit auch 2021 beschließen.

Thema riesiger zusätzlicher Wasserverbrauch in Niedersachsen

Und was bedeutet das für die Grundwasserverfügbarkeit zur Trinkwassererzeugung und Nutzung in der Landwirtschaft – besonders für das Hauptförderland Niedersachsen?

Riesige Mengen sauberen Grundwassers werden bei der Anwendung der Fracking-Förderung benutzt und kontaminiert. Und anschließend -aus Kostengründen – werden wiederum große Mengen des anfallenden Produktionswassers durch Hochdruck-Verpressung in den tiefen Untergrund „entsorgt“, wo sie eine permanente Gefährdung des trinkbaren Grundwassers sind.

Die Firma ExxonMobil hat für die Fracking-Erdgasförderung allein in Niedersachsen über 30.000 neue Bohrungen projektiert, die sie nach Aufhebung der Fördersperre abteufen will. Insgesamt sind 133 „Förderfelder“ der Kantenabmessung 10 x 12 km und mit je 240 Bohrungen auf Clusterfeldern mit je 20 Bohrungen vorgesehen. Jede einzelne Bohrung wird nach der horizontalen Ablenkung mit bis zu 30.000m3 Fracking Fluid beaufschlagt mit Drücken bis 1.500 bar. Über 95% davon bestehen aus Wasser.

Ist ein „Förderfeld“ zur Förderung gebracht worden, muss bereits nebenan mit dem Aufschluss für das nächste begonnen werden, weil die Erdgasmengen in den „unkonventionellen“ Vorkommen nur gering sind und sich schnell erschöpfen. Es muss dann ständig neu gebohrt und gefrackt werden, um eine etwa gleichbleibende Förderleistung übers Jahr zu ermöglichen.

Für ein „Förderfeld“ werden gewaltige 7.200.000 m³ Frischwasser benötigt und dem Wasserkreislauf zugleich wegen der zugesetzten giftigen Chemikalien entzogen. Für die projizierte Gesamtzahl der Förderfelder kämen so 958 Millionen m³ Wasserverbrauch über die Jahre zusammen.

Eine riesige durchgehende Fläche von etwa 60 x 265 km würde so im Untergrund durchwühlt und gefrackt werden. Und Sie können, sehr geehrter Herr Minister Lies, voll und ganz auf die Erfahrungen in den USA bauen, wo -zig Tausende Brunnen durch Fracking verdorben wurden. Ähnliches ist dann auch bei uns zu erwarten, wenn auch möglicherweise in abgeschwächter Form. Von den Erdbeben, verursacht durch Fracking, Förderung und Verpressung der Abwässer, möchte ich hier nicht weiter ausführen. Auch sie werden verstärkt auftreten.

Thema Grundwassergefährdung durch zusätzliche Verpressung von Abfallwasser

Und dann fallen etwa 4.300.000 m³ Rücklaufwasser je Förderfeld an, die mit der anschließenden Förderung zusammen hochkommen und in „Verpressbohrungen“ entsorgt werden müssen. Es ist längst bekannt, dass derart verpresste Rücklaufwässer nicht stationär im Bereich der Verpressbohrung verbleiben, sondern dass sie sich im Untergrund bewegen, je nach dem, wo sich eine Ausdehnungsmöglichkeit ergibt.

Somit können sie auch entlang aufgegebener Bohrungen oder durch aufgebrochene Gesteins- schichten (entstanden durch die ungeheuren hydraulischen Kräfte beim Hochdruckfracking) nach oben aufsteigen, bis in den Bereich des trinkbaren Grundwassers, von dem wir leben. Das besonders Gefährliche dabei ist, dass diese verpressten „Zeitbomben“ im Untergrund auch Jahrzehnte nach der Beendigung der Verpressung und Verschließung der Bohrung ihre Gefährlichkeit nicht verlieren.

Sie sind heute, sehr geehrter Herr Minister Lies, in der bemerkenswerten Lage, einem Ministerium vorzustehen, das einerseits die Umwelt und andererseits die Energie in seinem Arbeitsfeld verwaltet.

Thema Fracking vermeiden zum Klimaschutz

Nutzen Sie bitte diese Möglichkeit, die klimabezogen völlig falsche Absicht der Bundesregierung und der Förderkonzerne auszubremsen, die Fracking-Förderung in Niedersachsen, dem geplanten Haupt-Fracking-Förderland, durch gezielte Parlamentsbeeinflussung in Berlin „durchzuwinken“. Unser Ziel muss es vielmehr sein, den Ausbau der Windkraft und der Solarkraft bei uns massiv zu beschleunigen, anstatt wie bisher durch vermehrt eingebaute Hemmnisse abzubremsen, zum Vorteil der „alten“ fossilen Energien.

Jetzt, sehr geehrter Herr Minister Lies, haben Sie öffentlich vor dem bevorstehenden Wasser-mangel in Niedersachsen gewarnt und Vorschläge zur Wassereinsparung für demnächst angekündigt. Es wäre wünschenswert, dass Sie ebenso große Besorgnis ob der riesigen Wassermengen äußern würden, die durch ausgedehntes Fracking in Niedersachsen für die Nutzung durch Mensch und Landwirtschaft verloren gingen, da sie ja nicht wieder in den Wasserkreislauf eingeschleust werden können.

Thema Gesundheitsgefährdung der Anwohner

Und dann erinnern wir Sie aus diesem Anlass daran, dass die gehäuften rätselhaften Krebserkrankungen von Anwohnern der Förderschwerpunkte Rotenburg, Hemslingen/Söhlingen und Rodewald (SG Steimbke) nach wie vor nicht geklärt sind. Es bestehen dringende Verdachtsmomente, dass die dortige Kohlenwasserstoff-Förderung der Verursacher ist.

Es wäre umweltpolitisch unverantwortlich, die Fracking-Erdgasförderung zuzulassen, so lange nicht definitiv ausgeschlossen werden kann, dass es an der Förderung lag. Bodenproben an verschiedenen Förderplätzen haben jedenfalls überall erhöhte Quecksilberwerte und teils auch Benzol enthalten. Sie sind ein klarer Beleg dafür, dass es Emissionen bei der Förderung und Aufbereitung gibt. Hier auf „zulässige“ Grenzwerte zu verweisen ist Augenwischerei. Und, es wird Sie nicht wundern, die gleichartigen Erkrankungen wurden auch in den USA und in Kanada in Gebieten intensiver Förderung und Aufbereitung von Kohlenwasserstoffen festgestellt. Ja, seltsam, niemand bei uns in den Ministerien und Ämtern, im Landesbergamt und nicht bei den Förderunternehmen, will daraus einen Zusammenhang erkennen können.

Gern würden wir dazu von Ihnen hören.

Mit freundlichen Grüßen,

für den Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land
Volker Fritz (Mitglied im bundesweiten Zusammenschluss Gegen Gasbohren)

 Veröffentlicht von am 21. Juni 2020