Bericht: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung

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Feb 152020
 
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Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 01.02.2020

Bericht zum Januar 2020 Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika
Berichtszeitraum 04.01.2020 bis 31.01.2020

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme drastisch wieder zu, um 156 Stück nach umfangreichem Abbau – zuletzt um 56 Stück im Dezember 2019.
Das sieht nach einer neuen Entwicklung aus.
Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um über 25 Prozent unter der damaligen Gesamtbohrkapazität.

Die starke Januar-Zunahme ergibt sich hauptsächlich durch die Wiederinbetriebnahme von 130 Ölbohrtürmen und 32 Gasbohrtürmen in Kanada. Die Zahl der Türme in den USA sank auf 790 Stück. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin deutlich unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen.
Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel und am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel. Derzeit sind sie auf 52,95 USD/barrel gesunken.

Die befürchtete größere Auseinandersetzung zwischen den USA und Persien, sowie deren Kampfgruppen außerhalb Persiens ist nach dem 03.01.2020 und der Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani bisher ausgeblieben.
Die persische Führung hat sich mit dem Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran, die von Teheran aus gestartet war, in eine Lage gebracht, die sie vorsichtiger agieren lässt.
Die internationalen Ölmärkte haben sich daraufhin wieder entspannt, mit der Folge sinkender Rohölpreise.
Die von der OPEC im Dezember beschlossene drastische Förderkürzung zur Stabilisierung der Rohölpreise zeigt bisher noch keine Wirkung.

Allerdings reicht die beschlossene Kürzung nach Ansicht der IEA auch nicht aus um die Überproduktion zu beseitigen. Dazu müsste noch stärker reduziert werden, zumal der weltweite Rohölbedarf in der ersten Hälfte 2020 ebenfalls abnehmend beurteilt wird. Die IEA hält es für möglich, dass beide Einflüsse auf den Rohölpreis sich im Ende aufheben werden und dass die Preiserhöhungsabsicht der OPEC ins Leere laufen könnte.
Zudem bleibt zu bedenken, dass die USA und Kanada die Rohölförderung ganz kurzfristig durch die Fracking-Förderung im Volumen erhöhen können, wenn die Weltmarktpreise wieder Gewinne erlauben, während die OPEC in dieser Hinsicht vergleichsweise schwerfällig ist.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Januar unterschiedlich, wobei in Kanada, mit der starken Wiederinbetriebnahme der Ölfördertürme, weit über die Dezember-Stillegungen hinaus, eine Trendwende erfolgt ist.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis Januar 2020:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
30.09.17 1155 935 220 52,13
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
30.11.17 1123 915 208 56,18
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
16.03.18 1209 990 219 60,85
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
13.07.18 1251 1054 197 70,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
12.10.18 1258 1063 195 71,31
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
07.06.19 1078 975 103 51,7
12.07.19 1075 958 117 60,27
09.08.19 1074 934 140 52,31
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32
03.01.20 881 796 85 62,8
31.01.20 1037 790 247 52,95

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 832 Ölbohrtürme und 202 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (395), New Mexico (109), Louisiana (52), North Dakota (52), Oklahoma (53), Wyoming (23), Pennsylvania (25), Colorado (22), Kalifornien (14), West Virginia (15) und (11).

Den etwa 25-prozentigen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Zur Zeit wird er bei 1,841 USD/mmBtu notiert, wo doch im Norden und Nordosten der USA ein winterlich erhöhter Bedarf besteht.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruhiges Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee.
Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mm Btu im Henry Hub erzielen.

Die internationalen Bohraktivitäten belebten sich leicht um 8 Türme. 1.104 Bohrtürme werden weltweit im Dezember/Januar im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet.
Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand, jedoch mit dem Vorbehalt, dass Persien Aktivitäten entwickeln wird, um den USA auf den verschiedensten Gebieten zu schaden. Das kann zur Folge haben, dass auch die Länder der EU in diesem Konflikt Stellung beziehen müssen, was sie bisher wachsweich vermieden haben.

Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden, denn er hat sich großsprecherisch als „Friedenspräsident“ gegenüber seinen Stammwählern vorgestellt, der „unsere amerikanischen Jungs“ nach Hause holt. Nun muss er auch liefern.
Doch Trump hat wiederholt dem Iran gedroht und Stimmung gemacht.
Wegen der Botschaftsbedrohung in Bagdad hat Trump zusätzlich Tausende US-Soldaten in den Nahen Osten und nach Saudi-Arabien verlegen lassen, um die US-Präsenz wieder zu verstärken.
Nun hat Trump mit der Tötung des Generals agiert und damit zugleich seine Position in dem Konflikt entscheidend geschwächt, denn gegen 80 Millionen Iraner kann er einen offenen Krieg kaum mit einfachen Mitteln gewinnen.

Die Infektionswelle in China mit dem Corana-Virus und die drastischen Gegenmassnahmen der Zentralregierung in Peking führen zu einem Rückgang der Wirtschaftsentwicklung, zunächst in China, aber wohl zu erwarten auch weltweit.
Dadurch wird der Rohölbedarf – zunächst des Großabnehmers China, doch dann auch anderer Länder – zurückgehen oder zumindest stagnieren.
Mit einem Anstieg der Rohölpreise ist daher in der ersten Jahreshälfte 2020 eher nicht zu rechnen.

Volker Fritz
im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 15. Februar 2020

Jetzt mitmachen – Aktion gegen die Förderung von Gasprojekten mit EU-Geld

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Feb 082020
 

Die Europäische Union hat sich – zu Recht – sehr ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt.1
Darüber hinaus hat das Europäische Parlament Ende 2019 den Klimanotstand ausgerufen. 2
Der „Grüne Deal“ und das „Europäische Klimagesetz“ sollen ebenfalls bald vorgestellt werden.3

Von einigen Seiten wird fossiles Gas in der Debatte um Klimaschutz und Energiewende als klimafreundlicher und grüner Energieträger oder als Brücke zu den erneuerbaren Energien bezeichnet. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind jedoch eindeutig und weisen nachdrücklich daraufhin, dass fossiles Gas massiv zur Klimaerwärmung beiträgt und die Klimabilanz im gesamten Lebenszyklus genauso schlecht wie die von Kohle ist.4

Im Zeitraum 10 – 13 Februar wird das Europäische Parlament erneut über die Liste der „Vorhaben im gemeinsamen Interesse“5 (Englisch: Projects of Common Interest, abgekürzt PCI) abstimmen. Diese Vorhaben sollen zur Verwirklichung der energie- und klimapolitischen Ziele der EU beitragen, d. h. eine Versorgung aller Bürgerinnen und Bürger mit nachhaltiger Energie sowie die langfristige Umstellung auf eine Wirtschaft mit geringen CO2-Emissionen gemäß dem Übereinkommen von Paris garantieren.6

Ohne die Erfüllung dieser Vorgaben dürfen Projekte nicht auf die PCI-Liste gesetzt werden und damit grundsätzlichen Anspruch auf öffentliche Fördermittel und beschleunigte Umweltverträglichkeitsprüfungsvefahren erhalten.

Während der Sitzung des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie am 17.10.2019 gab der stellvertretende Generaldirektor DG ENER Klaus-Dieter Borchardt zu, dass die EU Kommission – entgegen den eigenen Vorgaben – niemals eine Klimaverträglichkeitsprüfung für die fossilen Gasprojekte auf der Liste durchgeführt habe.7

Eine aktuelle Studie zur vierten PCI-Liste verdeutlicht, dass Europa keine neue Gasinfrastruktur braucht, um die Energieversorgungssicherheit zu gewährleisten. Der Bericht warnt eindringlich vor dem berechtigten Risiko, dass bis zu 29 Milliarden Euro für die unnötigen Gasprojekte auf der aktuellen Liste verschwendet werden könnten.8

Die Förderung des Ausbaus bzw. des Neubaus von Gasinfrastruktur mit einer Lebenszeit von 30 – 50 Jahren mit öffentlichen Mitteln bzw. rechtliche Ausnahmen zur Reduzierung oder Befreiung von der Steuerlast riskiert das Kreieren von Lock-In-Effekten über Zeitpunkt der vollständig benötigten Dekarbonisierung hinaus bzw. generiert „Investitionsruinen“ mit der möglichen Folge einer neuen Finanzkrise. Der Ausbau von zusätzlichen Infrastrukturen für Gas (wie z.B. Pipelines oder LNG-Terminals) und den Gebrauch von Gas als Rohstoff für die petrochemische Industrie muss verhindert werden, um das Entstehen von Lock-In-Effekten bei der Nutzung fossiler Energieträger zu vermeiden.

1 https://ec.europa.eu/clima/policies/strategies/2030_de
2 https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20191121IPR67110/europaisches-parlament-ruft-klimanotstand-aus
3 https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20191203IPR68087/green-deal-fur-europa-reaktionen-des-europaparlaments
4 https://www.research.manchester.ac.uk/portal/en/publications/natural-gas-and-climate-change(c82adf1f-17fd-4842-abeb-f16c4ab83605).html / http://www.howarthlab.org/ https://theicct.org/sites/default/files/publications/Climate_implications_LNG_marinefuel_01282020.pdf
5 https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Allgemeines/DieBundesnetzagentur/Internationales/Energie/PCI/pci.html
6 https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:bEsRh9dLmj8J:https://ec.europa.eu/commission/presscorner/api/files/document/print/de/memo_17_4708/MEMO_17_4708_DE.pdf+&cd=3&hl=de&ct=clnk&gl=de&client=firefox-b-d
7 https://www.youtube.com/watch?v=hQqF_YtNQ1w&feature=youtu.be
8 https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/milliardenausgaben-fuer-unnoetige-gasprojekte/

https://www.foodandwatereurope.org/wp-content/uploads/2019/10/CSO-letter-PCI.pdf

Bürgerinitiativen warnten vor zu erwartenden Falsch-negativ-Werten

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Jan 302020
 

Pressemitteilung, 13.01.2020

Anlässlich der Veranstaltung zur HBM-Studie[1] in der SG Bothel – Bürgerinitiativen warnten rechtzeitig vor zu erwartenden Falsch-negativ-Werten 

Am Tag der Veröffentlichung der HBM-Studie titelte die Presse ungefähr gleich: „Studie ergibt keine erhöhten Benzol- und Quecksilberbelastungen für Bevölkerung in der Nähe von Erdgasförderanlagen“ (hier Uelzener Presse). Dies ist eine interpretierbare Aussage. Zwar mag die Studie dies ergeben haben, die entscheidende Frage wird aber nicht gestellt: hat aber das Studiendesign überhaupt die notwendigen Voraussetzungen mitgebracht, eine solche Aussage zu treffen?

Zwei Bürgerinitiativen aus dem Landkreis Rotenburg/Wümme und das Gemeinnützige Netzwerk für Umweltkranke“, GENUK e.V., haben sich bereits seit Vorlage eines ersten Ausschreibungsentwurfs im Sommer 2017 zu einer anderen Aussage durchgerungen: „Nach reiflicher Überlegung müssen wir angesichts der derzeitig noch völlig unbekannten Expositionslage[…]die zu erwartende Aussagekraft der geplanten HBM-Studie erheblich in Frage stellen und befürworten deshalb zum derzeitigen Zeitpunkt eine solche Maßnahme unter dem vorgesehenen Studiendesign – auch angesichts des Kosten-Nutzen-Verhältnisses – nicht. Die sehr kostenaufwändige Untersuchung birgt in sich die hohe Gefahr von falsch negativen Werten.“[2]

„Es geht uns nicht um ein ohnehin bitteres Gefühl, Recht behalten zu haben“ sagt Kathrin Otte, Vorsitzende von GENUK. „Im 6. Jahr seit Feststellung der signifikant – und möglicherweise auch weiterhin – erhöhten Krebsraten im Landkreis Rotenburg/Wümme betrachten wir die Aufklärung als vor die Wand gefahren.“ Das jahrelange Bitten um eine komplette epidemiologische Fall-Kontrollstudie von Seiten der 210 Rotenburger Ärzt*innen, Bürgerinitiativen und GENUK ist komplett ignoriert worden. Dabei hat die Botheler Bevölkerungsbefragung und die LMU-Studie durchaus Ergebnisse produziert, die die Gasförderanlagen in einen engeren Ursachenzusammenhang gebracht haben. „Das Problem ist, dass die Landesbehörden sich seit 2014 weigern zu erklären, wann ausreichend Hinweise eingegangen sind, um politische Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vorzunehmen. Dabei wird dies vom Vorsorgeprinzip eindeutig vorgesehen, und zwar noch bevor die Ursache festgestellt wurde“, so Otte weiter.

Argumente, das wissenschaftliche Design zu hinterfragen gibt es viele. Darunter: ORSA-Röhrchen sind nicht sensibel genug. In toxikologischen Instituten werden Röhrchen mit Absorbentien verwandt, wie zum Beispiel Tenax. Die schnelle Verflüchtigung von Benzol im Organismus lässt eine direkte Bestimmung im Blut nur wenige Stunden nach Exposition zu. Kurz ist auch die Zeit, in der Benzol-Metaboliten nachweisbar sind – weshalb Toxikologen heute über  Monate nachweisbare Hämoglobinaddukte, wie bei der Epichlorhydrin-Katastrophe in Bad Münder verwenden. Selbst in der Human Monitoring Kommission (siehe Homepage Umweltbundesamt) wurde eine 24-Stunden-Urinsammlung zur Feststellung einer tatsächlichen Körperbelastung mit deponierten Schwermetallen wie Quecksilber für unsinnig erachtet. Auf eine saubere Abstandsstatistik von Expositionsquelle zu Probanden zu verzichten ist aus unserer Sicht ebenfalls ein Fehler.

Über die Jahre seit 2014 hat die Landesregierung doch weitaus weniger als 1.000.000 € in die Aufklärung chemisch bedingter Körperverletzung mit Todesfolge investiert. Die epidemiologischen Studienansätze müssen aufgrund der verfestigten Hinweise weitergeführt werden und dabei darf die Zurückhaltung von Geldern absolut kein Argument sein.

Kathrin Otte, GENUK e.V., Gemeinnütziges Netzwerk für Umweltkranke, www.genuk-ev.de, vorstand@genuk-ev.de


[1] Human-Biomonitoring (HBM) in der Allgemeinbevölkerung in der Nachbarschaft von Anlagen der Kohlenwasserstoff-Förderung in Niedersachsen

[2] Stellungnahme von zivilgesellschaftlicher Seite zu dem Entwurf einer Leistungsbeschreibung für die

Ausschreibung einer „Studie Human-Biomonitoring (HBM) in der Allgemeinbevölkerung in der Nachbarschaft von Anlagen der Kohlenwasserstoff-Förderung“ vom 18.08.2017, siehe Anlage zur PM

 Veröffentlicht von am 30. Januar 2020

Wendland und Altmark im Schulterschluss gegen Öl- und Gasbohrungen!

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Jan 242020
 

Gemeinsame Pressemitteilung

Die AG Erdgas-Erdöl-Fracking der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (www.erdgas-erdoel-fracking-wendland.de),
die BI Saubere Umwelt & Energie Altmark (bi-altmark.sunject.com) und
die BUND-Kreisgruppe Salzwedel

laden gemeinsam ein zur öffentlichen Veranstaltung

Bergämter ermöglichen weitere Suche nach Kohlenwasserstoffen im Wendland und in der Altmark

Dienstag 28.1.2020,19 Uhr Dorfkrug Rondeler Str. 2, D-29491 Prezelle

Die sich in letzter Zeit häufenden Havarien bei der Öl- und Gasförderung halten die Bergämter nicht davon ab, neuen Umweltzerstörungen und hren Gesundheitsfolgen Tür und Tor zu öffnen.

Während auf Regierungsebene von „Klimaschutz“ schwadroniert wird, sorgen die Bergämter für die Eröffnung neuer Treibhausgasquellen.

Im Juli 2019 erteilte das Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) des Landes Sachsen-Anhalt der Mainzer Firma Geo Exploration Technologies (GET) die Aufsuchungserlaubnis Thielbeer für Öl und Gas rund um den Arendsee. Das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) verlängerte der GET im Dezember 2019 die direkt nördlich angrenzende Aufsuchungserlaubnis Prezelle.

Die GET beabsichtigt, in den nächsten drei Jahren zwischen Lemgow und Schnackenburg eine Erdölbohrung abzuteufen. Bereits im Jahr 2019 wollte diese Firma bohren, damals nahe Schletau in der Gemeinde Lemgow.  Durch die Weigerung aller Grundbesitzer in Schletau und weiterer in umliegenden Dörfern, Grundstücke zur Verfügung zu stellen, wurde die GET ausgebremst.

„Die von der GET zwecks Beschwichtigung vorgebrachte Behauptung, dass in Naturschutzgebieten nicht gebohrt werden dürfe, ist unzutreffend“, klärt Ingenieur Bernd Ebeling auf. „Grundsätzlich ermöglicht das Berggesetz Öl- und Gasbohrungen leider auch in Naturschutzgebieten.“

Auf der Veranstaltung wird zu folgenden Themen referiert:

– Gefahren von Erdöl-/Erdgasbohrungen für Umwelt und Grundwasser, Berg- und Umweltrecht: Wasserwirtschaftsingenieur Bernd Ebeling.

– Warum fraglich ist, ob die Inhaberin der Aufsuchungserlaubnisse, die Firma GET, den Anforderungen des Bundesberggesetzes hinsichtlich Zuverlässigkeit und Finanzkraft genügt, wird  André Sandomeer aufzeigen.

– Über Motive, Formen und Ergebnisse des Widerstands gegen Gas- und Ölförderung in der Altmark wird der Sprecher der  BI „Saubere Umwelt & Energie Altmark“,  Dr. Christfried Lenz, berichten.

Abschließend wird aufgezeigt, wie z. B. Grundbesitzer und Gemeinden Bohrungen verhindern können.


Für Teilnehmer aus der Altmark hat der Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe Salzwedel, Dr. Walter Jakel, einen kostenlosen Bus-Transfer organisiert mit folgenden Zustiegsmöglichkeiten:

  • 17:45 Uhr :  Gardelegen – Lidl Parkplatz
  • 18:00 Uhr :  Kakerbeck  – Gegenüber der Verkaufshalle
  • 18:05 Uhr :  Cheinitz – An der Kreuzung
  • 18:10 Uhr :  Winterfeld – An der Tankstelle
  • 18:20 Uhr :  Stappenbeck – Bushaltestelle
  • 18:30 Uhr :  Salzwedel – Parkplatz direkt am Finanzamt

Fahrtteilnehmer werden gebeten, sich bis zum 25.1.20 anzumelden über die Email-Adresse  drwajakel@online.de

Das Flugblatt (pdf) zur Veranstaltung mit weiteren Infomationen sowie Fotos mit Bildunterschrift (Fotograf: Bernd Ebeling) zur freien Verwendung.

 Veröffentlicht von am 24. Januar 2020

Die Sache mit dem „Blauen Wasserstoff“ und dem „Grünen Wasserstoff“

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Jan 142020
 

„Blauer Wasserstoff“ wird aus Erdgas durch Zerlegung gewonnen, wobei auch CO2 entsteht, das man dann im Untergrund speichern will, obwohl das bis heute nicht überzeugend gelungen ist. Wegen dieses Tricks bezeichnet die Erdgasindustrie ihren „Blauen Wasserstoff“ aus Erdgas „umweltfreundlich“.

In den USA wird CO2 aus Kohlekraftwerksabgasen abgetrennt und in Pipelines nach Texas geleitet zu den großen EOR-Ölförderfeldern und dort in den Boden gepresst, um das „Restöl“ älterer Ölvorkommen noch zu fördern. Man deklariert das als gelungene CO2-Speicherung, obwohl man weiß, dass mit dem heraufkommenden Rohöl das CO2 wieder an die Oberfläche kommt. Vor Norwegen wurde CO2 in ausgeförderte Erdgasbohrungen gepresst und Taucher haben über dem Verpressungsgebiet das Aufsteigen massiver Blasenschleier von CO2 vom Meeresgrund her beobachtet.

Das System „Blauer Wasserstoff“ ist eine Mogelpackung, welche die Erdgasindustrie natürlich zur Absatzsicherung nachhaltig propagandistisch fördert. Deshalb darf dieses System gar nicht erst in Gang gebracht werden. Die klimaschädlichen Methanemissionen, die auf der Strecke von der Förderung bis zur Zerlegung des Erdgases zur Gewinnung des Wasserstoffes anfallen, wirken schon vorweg belastend. Das gilt potenziert für Erdgas in der verflüssigten LNG-Form. Dann kommt noch das bei der Zerlegung anfallende CO2 hinzu.

„Grüner Wasserstoff“ entsteht, wenn mittels regenerativ erzeugten Stromes durch Elektrolyse Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. Der so erzeugte Wasserstoff ist gut speicherbar und eine hervorragende Energiequelle. Der Ausbau und Aufbau der Industrie des „grünen Wasserstoffes“ muss mit größter Nachhaltigkeit und mit massivem Druck voran getrieben und fertig entwickelt werden, einhergehend mit der dezentralen Stromerzeugung in Deutschland. Die Speichertechniken, um ungenutzte Generatorstunden in Speicher-Energien umzuwandeln, müssen mit Hochdruck und mit Priorität Eins voran getrieben und praxisverwendbar gemacht werden.

Gleichzeitig müssen gesetzliche Regelungen her, die die Nutzung von Solar- und Windenergie im Privathaushalt erleichtern und fördern und so die Netze in Deutschland generell entlasten. Es geht heute eben nicht mehr darum, durch Monopolstrukturen den Kommunen und den Ländern und den Versorgungskonzernen satte Gewinne zu Lasten der Verbraucher zu sichern, sondern darum, zum Überleben – bei noch halbwegs akzeptablen Bedingungen – den fossilen Verbrauch massiv und sofort herunter zu fahren. Und das gilt natürlich nicht nur für die Strom- und Gasversorgung, sondern genau so für die Industrie, die Bahn, LkW-Verkehr, Pkw-Verkehr, Luftverkehr und Schifffahrt jeder Art.

Und – ebenso bedeutsam – ist die Reduzierung der Überproduktion in der Landwirtschaft mit den damit verbundenen Emissionen und Beeinträchtigungen. Das „immer höher, immer mehr, immer schneller“ hat unsere Erde an den Rand eines Zustandes gebracht, der für die meisten von uns Menschen künftig nicht mehr lebenswert sein würde, wenn wir jetzt nicht drastisch auf die Bremse treten.

LNG – in allen seinen Formen – ist eine der schlimmsten Umweltsünden im fossilen Bereich und ein absoluter Klimakiller durch Methanemissionen und hohen Energiebedarf zur Verflüssigung und für den Lager- und Transportaufwand. Dennoch sind die finanzstarken Internationalen Konzerne zur Zeit massiv dabei, die weltweiten LNG-Verflüssigungskapazitäten auszubauen und nach neuen Absatzmöglichkeiten für ihr LNG zu suchen.

So ist auch das Handeln des US-Präsidenten Trump zu verstehen, der mehr oder weniger in der Hand der großen US-Konzerne ist und sich für deren Forderungen nach außen stark macht ( z. B. Ostsee-Pipeline für Erdgas von Russland nach Deutschland). Dieses „schöne Geschäft“ wollen die US-Konzerne machen.

[S. ergänzend auf dieser Webseite den Beitrag „Blauer Wasserstoff„]

 Veröffentlicht von am 14. Januar 2020

Endet Weltklimagipfel im Fiasko?

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Dez 162019
 

In Madrid geht der Weltklimagipfel oder COP25 genannt langsam zu Ende. In einer anberaumten Verlängerung macht sich allenthalben Enttäuschung breit über das sich abzeichnende schlechte Resultat. Klimaaktivisten haben vor Ort eine Karre Mist entladen, um damit ihre Meinung über das Ergebnis der Verhandlungen kundzutun. Trotz aller Bemühungen konnte sich die Staatengemeinschaft nicht auf ein gemeinsammens Ziel und den Weg dorthin einigen, zu verschieden waren die nationalen Interessen. Greta Thunbergs Rede am 11. Dezember konnte nicht alle teilnehmenden Politiker zu entschlossenem Handeln aufrütteln. Im Gegenteil, Donald Trump empfahl ihr mal richtig zu entspannen und sich mit ihren Freunden einen Film anzuschauen, und Brasiliens  Präsident Bolsonaro bezeichnete sie gar (sinngemäß) als Gör. Auch aus dem deutschen Lager wehte ihr der Wind entgegen. Volker Bouffier (CDU) forderte von ihr mehr Respekt gegenüber den Politikern und nannte ihre Aussagen, dass zuwenig gegen den Klimawandel getan werde „grob falsch“. 


Greta Thunbergs Rede in Madrid im Originalton und mit Übersetzung:
https://truthout.org/video/greta-thunberg-slams-response-to-climate-crisis-at-

 Veröffentlicht von am 16. Dezember 2019