Bericht zum Mai 2020 Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Mai 232020
 

Berichtszeitraum 25.04. bis 22.05.2020. Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme erneut drastisch ab – um 31% gegenüber dem Vormonat nach fast 38% Verringerung im April und liegt inzwischen weit unter dem Tiefststand nach dem Crash 2014 im Juni 2016 mit 497 Türmen im Einsatz.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker H.A. Fritz. – Wolfenbüttel, den 22.05.2020

248 Bohrtürme wurden im März stillgelegt, überwiegend für Öl. 291 Bohrtürme wurden im April stillgelegt, überwiegend für Öl. 152 Bohrtürme wurden im Mai stillgelegt, fast ausschließlich für Öl. Damit wurden in den nur 3 Monaten 67% der nordamerikanischen Bohrkapazitäten, bezogen auf den Stand Februruar 2020, stillgelegt. Im Vergleich mit dem bereits im Februar 2018 erreichten Stand der Reaktivierung der Bohrtürme von 1293 Stück ergibt sich eine Verringerung um 87%.

Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wird nun immer spürbarer zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der über 3 Mrd Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie inzwischen nicht mehr ihr gewohntes Leben und Arbeiten fortsetzen können, sondern zum großén Teil „abgesperrt“ leben müssen und weiterhin auch nicht mehr zur Arbeit gehen können, da ihre Unternehmen Zwangspausen einlegen müssen.

In der Woche vor dem 24.04. brach sogar kurzzeitig der Rohölpreis auf Basis WTI zusammen, wegen nicht absetzbarer, aber vertraglich georderter Rohölmengen. Der WTI-Preis in New York fiel erstmals in der Geschichte ins Minus und Verkäufer zahlten Abnehmern noch eine Prämie, wenn sie ihnen die Rohölmengen abnahmen, bis zu 25 USD/barrel.

Das hat sich zum Ende des Monats April zwar wieder leicht erholt – WTI-Öl in New York bei 18 USD/barrel – aber dann drohte ein Trend der Verstetigung auf diesem Niveau. Doch dieses Preisniveau ist mörderisch für die US-Förderindustrie und besonders für die teure Fracking- Ölförderung, aber auch Saudi-Arabien rutscht damit immer weiter ins Staatsminus, da der Staatshaushalt des Landes weit überwiegend durch Öl-Einnahmen finanziert wird.

Weiterhin gilt abseits des Handelsplatzes New York: In Nordamerika und auch anderwärts sieht es noch viel schlechter aus, weil ein großer Teil des Handels direkt beim Förderer abgeschlossen wird und diese Preise lagen noch deutlich unter WTI-Niveau.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl liegt über 20% unter der globalen Fördermenge. Das Fördervolumen muss dem angepasst werden. Die Rohöllager sind weltweit alle restlos gefüllt und es wird verzweifelt nach Zwischenlösungen gesucht durch Tankschiff-Leasing und durch die Nutzung zur Zeit ungenutzter Pipelines als Rohöllager.

Die Hauptölproduzenten haben ihre Notlage erkannt und ihre Förderungen kurzfristig drastisch reduziert, viel mehr als vorher angekündigt, um den Ölpreis wieder auf ein ökonomisch besseres Gleis zu bringen. Die Saudis haben ihren Hauptabnehmern die Liefermengen drastisch reduziert, in Asien, in Europa aber auch gegenüber den USA. Auf der Abnehmerseite hat die Reaktivierung der Industrie in China auch den leichten Wiederanstieg des Rohölbedarfes bewirkt. Die Folge ist, dass der Rohölpreis bereits begonnen hat, sich zu stabilisieren. Seit Anfang Mai stieg WTI von 19,06 EUR auf 32,80 (Stand 22.05.20)

In Nordamerika nimmt die Katastrophe ihren Lauf

Seit Januar haben 8 Förderfirmen Konkurs angemeldet, darunter Whiting Petroleum 3,4Mrd USD Verbindlichkeiten und Diamond Offshore 2 Mrd Verbindlichkeiten. Ebenso geht es bei den Service-Unternehmen zu, 8 Konkurse: McDermott International Inc. 7,85 Mrd USD Verbindlichkeiten, Pioneer Energy Services Corp. 475 Mio USD als die beiden größten. Branchenbeobachter rechnen damit, dass sogar Chesapeake Energy und Oasis Petroleum in Kürze Konkurs anmelden werden.

Die Aktien der großen Öl- und Service-Firmen haben an der Börse New York seit Januar 2020 insgeamt schon über 40% ihres Wertes verloren. Auch sogar ExxonMobil ist mit -38% dabei. Über 2/3 ihres Börsenwertes verloren Noble Energy, Halliburton, Marathon Oil und Occidental. Chesapeake Energy verlor über 95% ihres Börsenwertes, Oasis Petroleum 90%, California Resources 76% und Denbury Resources 70%. Wenn der WTI-Ölpreis bei 20 USD bleibt, werden in 2020 400 Firmenpleiten in den USA erwartet, wenn er sich bei 30 USD einpendelt erwartet man noch 170 Firmenpleiten.

Die Investoren haben offenbar endgültig die Nase voll, denn die Förderindustrie kann kein neues Kapital loseisen, um ihre Schulden zu decken und macht seit Jahren Verluste.

Viele der mittleren und kleinen Unternehmen mit Förderung können zu den derzeitigen Preisen nicht mehr kostendeckend fördern und werden in 2020 den Betrieb einstellen. In Kanada haben die großen Ölsand-Verarbeiter begonnen, ihre Produktion herunter zu fahren und lassen Pläne für neue und erweiterte Produktionen in der Schublade. Sie können bei diesen Preisen nicht mehr mit Kostendeckung arbeiten. Seit 35 Jahren haben nicht so viele Förderbohrungen in Nordamerika still gestanden, wie jetzt.

Im Permian und Anadarko Basin in den USA gibt es 400.000 Pferdekopfpumpen-Förderbohrungen, die von meist kleineren Familienunternehmen betrieben werden. Sie beschäftigen bisher ca. 143.000 Arbeiter, die ihre Anlagen betreiben und warten und sie fördern bisher zusammen ca. 850.000 barrels/Tag.

Davon könnten in Kürze ca. 500.000 barrels wegfallen und ca. 100.000 Arbeitsplätze, meist in ländlichen Gebieten. Das birgt jede Menge Sprengstoff für die Nachwahl von Präsident Trump. Wenn der WTI-Preis in New York unter 24.-USD/barrel bleibt, werden viele dieser Unternehmen aufgeben müssen. Sie befürchten das Schlimmste. Nach dem letzten „Schock“, dem Einbruch der Ölpreise nach 2014, sind die meisten dieser Unternehmen so geschwächt, dass sie keine Reserven mehr haben.

Und auch die Zulieferer-Industrie hat mit der Reduzierung angefangen

Der Rohrhersteller Tenavis SA kündigte 223 Mitarbeitern in seinem Werk in Houston. Halliburton beurlaubte in seiner Stammfirma in Houston zunächst 3.500 Beschäftigte. In Kanada hat der Spezial-Spediteuer Mullen Group Ltd. mit Sitz in Calgary, der auch Ölfeld Logistik-Aufgaben und Schwerst-Transporte aller Art durchführt, im April 1.000 Mitarbeiter entlassen, um die Auswirkungen der CORONA -Pandemie abzufangen. Die Firma hatte im 1.Q 2020 noch einen Gewinn von 318 Mio Dollar ausgewiesen.

Und die Angst geht weiter in den Ölcamps in den USA und in Kanada um, dass die CORONA- Pandemie auch dort einschlagen wird, zumal die Container-Wohnanlagen ein Leben auf engem Raum und in körperlicher Nähe der Bewohner zu einander bedingen.

Wird einer der Mitbewohner infiziert, ist es unausbleiblich, dass alle anderen auch erkranken. Und die Menschen auf den Bohr- und Förderplätzen, die meist weitab von Städten angelegt sind, wissen aus Erfahrung, was es heißt, dort ernsthaft krank zu werden. Es ist dann nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Leben ernsthaft bedroht. In den USA haben sich inzwischen 39 Mio Beschäftigte arbeitslos gemeldet – in nur 9 Wochen.

Wenn auch in China so getan wird, als sei die CORONA-Pandemie so gut wie überwunden, ist es doch so, dass mit der Wiederaufnahme der Aktivitäten der Industrie und der Wirtschaft auch bisher unbekannte Infektionsträger wieder „unters Volk“ gelangen und eine zweite Welle auslösen können. Die Stadt Wuhan mit 12 Mio Einwohnern wird gerade vollständig auf den CORONA-Erreger getestet, nachdem erste Neuansteckungen vermerkt wurden.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal die USA ja gerade erst am Anfang der größeren Ausbreitung stehen und zumal das US-Gesundheitssystem in keiner Weise auf eine solche Pandemie vorbereitet ist. Besonders in den mittleren und südlichen Bundesstaaten wurde in den vergangenen 20 Jahren das öffentliche Gesundheitswesen kannibalisiert. Jetzt breitet sich in den ländlichen Gegenden in Georgia usw. die CORONA-Pandemie aus und es fehlt an allem. Zum Wochenende werden insgesamt 100.000 Tote in den USA erwartet, bis Ende August 2020 werden weitere 100.000 befürchtet. Diese Volkswirtschaft wird monatelang lahm gelegt werden und ihre Haupt-Handelspartner, wie zum Beispiel Deutschland, werden von den Nachfrageausfällen getroffen werden.

Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen haben bereits zu wirken begonnen. Hinzu kommt die inzwischen zwar geringere aber immer noch deutliche Zunahme der Zahl der Infizierten. Die landesweiten Isolier- und Sperrmaßnahmen und Reisebeschränkungen haben Schlimmeres verhindert. Aber viele Unternehmen haben die Produktion eingestellt, um ihre Mitarbeiter zu schonen und/oder weil der Teilenachschub aus der internationalen Vernetzung aus blieb.

Und die frühe erste teilweise Öffnung der Sperrmaßnahmen ab dem 25.04.2020 war eine sehr riskante Aktion, denn das Ansteckungsrisiko steigt dadurch wieder. Fachwissenschaftler befürchten den Ausbruch einer zweiten „Welle“ größerer Ansteckungszahlen, auch wenn es bis jetzt noch keinen so dramatischen Anstieg der gemeldeten Neuinfektionen gibt.

Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird inzwischen mit einem deutlichen Minus von über 8% erwartet. Die Absagen wichtiger international ausgerichteter Messen und Tagungen in Deutschland tragen ebenso dazu bei, wie die praktisch als Zusammenbruch des Luftverkehrs wirkende Reise- und Einreisesperre, die das Einschleppen weiterer Infizierter verhindern soll. Auch die Hauptzielländer für deutsche Reisende haben ja Einreisesperren verhängt. Die Tourismus- und Reiseindustrie, einschließlich der Kreuzfahrten, ist ein Hauptverlierer.

Die groß angelegten Hilfspakete der Regierung Merkel sollen die Belastungen aus der Situation für Großunternehmen, für den Mittelstand und für kleine Selbständige – aber auch für die Menschen mit Niedriglohn und Teilzeitarbeit – erträglicher gestalten. Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland wird im Jahresdurchschnitt auf 2,5 Mio Personen erwartet, in der Spitze über 3,0. Im Detail haben sich bei der Abwicklung der Hilfspakete manche Hindernisse gezeigt, die kostbare Zeit verschlingen und zusätzliche Pleiten verursachen. Pleiten, besonders im unteren Bereich des Mittelstandes, sind vorprogrammiert und viele, viele Arbeitslose.

Zu den Zahlen der Bohrtürme

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 bei 33% von der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin mit 339 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel, am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Am 24.04. lagen sie 18,06 USD/barrel. Zur Zeit werden 32,80 USD/barrel notiert.

Die OPEC hat mit verstärkten Förderkürzungen und neuen Verhandlungen mit Russland vereinbart, die Ölmenge der stark gefallenen internationalen Nachfrage anzupassen, um einen Preisabsturz des Rohöles zu begrenzen. 10 Mio barrel/Tag Reduzierung kam dabei heraus. Zusätzlich hat Saudi-Arabien, als größter Förderer der OPEC noch deutlich mehr reduziert, um den Ölpreis zu einem Niveau von über 30 USD/barrel WTI zu heben.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weis niemand, wie lange wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen. Inzwischen wird mit einer Dauer von mehreren Monaten gerechnet und erst für 2021/ 2022 wird eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erwartet, ausgehend von dem bis dahin erreichten, stark verminderten Niveau. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann es mehr als 5 Jahre dauern, ehe die Weltwirtschaft wieder einigermaßen „rund“ läuft. Wirtschaftskundler schätzen, dass der Einbruch stärker ausfallen kann, als bei der Weltwirtschaftskrise in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Mai unterschiedlich, da Kanada bereits im März fast alle Ölbohrtürme stillgelegt hatte. Der Löwenanteil der Stilllegungen erfolgte in den USA.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis Mai 2020:

Monat/ Jahrgesamt im Einsatz in NordamerikaUSAKanadaUS Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17117895822046
31.10.17111591320251,94
15.11.17109088919254,27
15.12.17116893023856,64
19.01.18126193632563,72
16.02.18129397531860,74
13.04.181110100811766,74
15.06.181198105913966,6
14.09.181281105522670,3
09.11.181277108119661,59
14.12.181245107117451,2
18.01.191259105020952,32
15.02.191275105122453,34
15.03.191187102616158,34
12.04.19108810226664,47
10.05.1910519886361,99
12.07.19107595811760,27
13.09.19102088613455
11.10.19100285614654,6
08.11.1995781714056,39
06.12.1993779913856,32
03.01.208817968562,8
31.01.20103779024752,95
28.02.20103079024044,67
27.03.207827285421,6
24.04.204914652618,06
22.05.203393182132,8

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika noch 245 Ölbohrtürme und 92 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(138), New Mexico(63), Louisiana (35), Pennsylvania(22), North Dakota(14), Oklahoma(12), West Virginia(8), Ohio (8), Colorado(6) und Kalifornien(5).

Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt die Entwicklung zu geringerem Energieverbrauch wider. Am 07.06.2019 lag der Preis bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Ende Februar wurde er bei 1,75 USD/mmBtu notiert und blieb seither immer unter 2 USD/mmBtu. Am 24.04. wurde er mit 1,815 USD/mmBtu notiert. Zur Zeit er bei 1,71 USD/mmBtu.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mmBtu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA – und in der Folge auch beim Erdgas zu noch größeren Verlustabschlüssen führen. Die Investoren haben begonnen, sich auch aus den LNG-Projekten zu verabschieden, da auch dort keine Rendite zu erwarten ist.

Die internationalen Bohraktivitäten nahmen auch deutlich ab, um 144 Türme auf 915 Bohrtürme.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden. Die weltweite Rezession gewaltigen Ausmaßes entwickelt sich weiter, da die CORONA-Pandemie sich jetzt auch in Mittel- und Südamerika und in Afrika ausbreitet und hohe Todesraten erwarten lässt. Und nicht zu vergessen, die USA haben das Schlimmste noch vor sich, mit einem Präsidenten, der heute schon verkündet, dass im Falle einer zweiten Infektionswelle ein zweiter „Shutdown“ nicht in Frage kommt. Geschäft geht vor Menschenleben. Die Zukunft einer Wiederbelebungsphase steht derzeit völlig ungewiss da. Mit Jahren ist zu rechnen, nicht in Monaten, so auch bei uns in Deutschland.

Wir alle müssen diese Krise erst einmal durchstehen, dann kann die Neuorientierung beginnen und danach der internationale, vernetzte Wirtschaftskreislauf wieder belebt werden. Es ist aber auch bei einigen Produkten deutlich geworden, dass eine nationale zuverlässige Fertigungsbasis in Deutschland unabdingbar ist, denn die nächste Pandemie mit einem Virus aus der CORONA-Viren-Familie wird kommen, die Frage ist nur, wann.

Volker Fritz – im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 23. Mai 2020

Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika – Bericht zum März 2020

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Mrz 292020
 

Berichtszeitraum 29.02.2020 bis 27.03.2020

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Fritz im AK Fracking Braunschweiger Land

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme drastisch ab – um fast 25% in nur einem Monat!!

248 Bohrtürme wurden insgesamt stillgelegt, überwiegend für Öl. Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wird nun mehr und mehr zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der über 2 Mrd Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie inzwischen nicht mehr ihr gewohntes Leben und Arbeiten fortsetzen können, sondern „abgesperrt“ leben müssen und zunehmend auch nicht mehr zur Arbeit gehen können, da ihre Unternehmen Zwangspausen einlegen müssen.

So wirken sich die Niedrigpreispolitik der Saudis und der Russen und der Nachfrageausfall mehrerer sehr großer Volkswirtschaften geradezu verheerend aus und der Rohölpreis WTI wurde heute – nach noch 47,50 USD/barrel am 03.03.20 – mit 21,60 USD/barrel gehandelt. In Nordamerika und auch anderwärts sieht es noch viel schlechter aus, weil ein großer Teil des Handels direkt beim Förderer abgeschlossen wird und diese Preise liegen noch deutlich unter WTI-Niveau.

Marktinformationen lauteten heute: Sibirisches russisches Rohöl wird für 10 USD/barrel abgegeben, westkanadisches Auswahlöl fiel auf 6,45 USD/barrel und North Dakota Light Sweet wurde für 9,95 USD/barrel verkauft. Der Ölpreis ab Bohrung in dieser Woche betrug in Wyoming 1,75 USD/barrel. Hinzu kommen 15 bis 30 USD/barrel Transportkosten, um es zu den Raffinerien zu bringen. Aus China verlautet: die chinesischen Inlandspreise sind unter 10 USD/barrel gefallen.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl liegt gut 20% unter der globalen Fördermenge. Das Fördervolumen muss dem angepasst werden. In wenigen Wochen werden weltweit alle Rohöllager restlos gefüllt sein. Es bleibt nur eine Lösung: die Weltproduktion an Rohöl muss der aktuellen Abnahme durch Reduzierung folgen.

In Nordamerika bahnt sich eine Katastrophe an.

Viele der mittleren und kleinen Unternehmen mit Förderung können zu den derzeitigen Preisen nicht mehr kostendeckend fördern und werden in den nächsten Wochen den Betrieb einstellen. In Kanada haben die großen Ölsand-Verarbeiter begonnen, ihre Produktion herunter zu fahren und lassen Pläne für neue und erweiterte Produktionen in der Schublade. Sie können bei diesen Preisen nicht mehr mit Kostendeckung arbeiten. Seit 35 Jahren haben nicht so viele Förderbohrungen in Nordamerika still gestanden, wie gerade jetzt.

Im Permian und Anadarko Basin in den USA gibt es 400.000 Pferdekopfpumpen-Förderbohrungen, die von meist kleineren Familienunternehmen betrieben werden. Sie beschäftigen bisher ca. 143.000 Arbeiter, die ihre Anlagen betreiben und warten und sie fördern bisher zusammen ca. 850.000 barrels/Tag. Davon könnten in Kürze ca. 500.000 barrels wegfallen und ca. 100.000 Arbeitsplätze, meist in ländlichen Gebieten. Das birgt jede Menge Sprengstoff für die Nachwahl von Präsident Trump. Wenn der WTI-Preis in New York unter 24.-USD/barrel liegt, machen viele dieser Unternehmen Verluste. Sie befürchten das Schlimmste. Nach dem letzten „Schock“, dem Einbruch der Ölpreise nach 2014, sind die meisten dieser Unternehmen so geschwächt, dass sie aufgeben werden müssen.

Und auch die Zulieferer-Industrie hat mit der Reduzierung angefangen: Der Rohrhersteller Tenavis SA kündigte 223 Mitarbeitern in seinem Werk in Houston. Halliburton beurlaubte in seiner Stammfirma in Houston zunächst 3.500 Beschäftigte. Und die Angst geht in den Ölcamps in den USA und in Kanada um, dass die CORANA-Pandemie auch dort einschlagen wird, zumal die Container-Wohnanlagen ein Leben auf engem Raum und in körperlicher Nähe der Bewohner zu einander bedingen.

Wird einer der Mitbewohner infiziert, ist es unausbleiblich, dass alle anderen auch erkranken. Und die Menschen auf den Bohr- und Förderplätzen, die meist weitab von Städten angelegt sind, wissen aus Erfahrung, was es heißt, dort ernsthaft krank zu werden. Es ist dann nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Leben ernsthaft bedroht. Es wird befürchtet, dass viele der Arbeiter die Bohr- und Förderplätze verlassen werden, um dieser Gefahr zu entgehen.

Wenn auch in China so getan wird, als sei die CORONA-Pandemie so gut wie überwunden, ist es doch so, dass mit der Wiederaufnahme der Aktivitäten der Industrie und der Wirtschaft auch bisher unbekannte Infektionsträger wieder „unters Volk“ gelangen und eine zweite Welle auslösen können. Die nächsten Wochen werden das zeigen.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal die USA ja gerade erst am Anfang der größeren Ausbreitung stehen und zumal das US-Gesundheitssystem in keiner Weise auf eine solche Pandemie vorbereitet ist. Diese Volkswirtschaft wird monatelang lahm gelegt werden und ihre Haupt-Handelspartner, wie zum Beispiel Deutschland, werden von den Nachfrageausfällen getroffen werden.

Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen haben bereits zu wirken begonnen. Hinzu kommt die immer deutlicher spürbare und sich von Tag zu Tag vergrößernde Zahl der Infizierten, deren Zunahme – nach landesweiten Isolier- und Sperrmaßnahmen – noch immer ungebrochen ist. Mehr und mehr Unternehmen haben die Produktion eingestellt, um ihre Mitarbeiter zu schonen.

Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird inzwischen mit einem deutlichen Minus erwartet. Die Absagen wichtiger international ausgerichteter Messen und Tagungen in Deutschland tragen ebenso dazu bei, wie die praktisch als Zusammenbruch des Luftverkehrs wirkende Reise- und Einreisesperre, die das Einschleppen weitere Infizierter verhindern soll. Das groß angelegte Hilfspaket der Regierung Merkel soll die Belastungen aus der Situation für Großunternehmen, für den Mittelstand und für kleine Selbständige erträglicher gestalten. Doch im Detail wird bei der Abwicklung mancher Haken vermutet, der kostbare Zeit verschlingen wird. Pleiten sind vorprogrammiert und viele, viele Arbeitslose.

Doch nun zu den Zahlen der Bohrtürme

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um über 40% unter der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin mit 782 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel und am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Zur Zeit liegen sie bei 21,60 USD/barrel. Die OPEC wird mit verstärkten Förderkürzungen und neuen Verhandlungen mit Russland versuchen, die Ölmenge der stark gefallenen internationalen Nachfrage anzupassen, um einen Preisabsturz des Rohöles zu begrenzen.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weis niemand, wie lange wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen. Inzwischen wird mit einer Dauer von mehrerenm Monaten gerechnet und erst für 2021 wird eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erwartet. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann sich daraus eine Weltwirtschaftskrise entwickeln, die noch gravierender ausfallen kann, als die in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im März unterschiedlich, aus Kanada wurden die weitaus meisten der stillgelegten Ölbohrtürme gemeldet.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis März 2020:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
12.07.19 1075 958 117 60,27
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32
03.01.20 881 796 85 62,8
31.01.20 1037 790 247 52,95
28.02.20 1030 790 240 44,67
27.03.20 782 728 54 21,6

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 642 Ölbohrtürme und 138 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(368), New Mexico(109), Louisiana (44), North Dakota(48), Oklahoma(39), Pennsylvania(24), Wyoming (19), Colorado(19), West Virginia(15), Kalifornien (12), u. Ohio( 9).

Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt die Entwicklung zu geringerem Energieverbrauch wider. Am 07.06.2019 lag der Preis bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Ende Februar wurde er bei 1,75 USD/mmBtu notiert und fiel im März noch weiter ab auf zuletzt 1,637 USD/mmBtu.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mmBtu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA – und in der Folge auch beim Erdgas zu noch größeren Verlustabschlüssen führen.

Die internationalen Bohraktivitäten nahmen leicht zu, um 7 Türme auf 1.085 Bohrtürme.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden. Alle müssen diese Krise erst einmal durchstehen, dann die Neuorientierung beginnen und danach den internationalen, vernetzten Wirtschaftskreislauf wieder beleben.

 Veröffentlicht von am 29. März 2020

Bericht zum Dezember 2019: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Jan 042020
 

Berichtszeitraum 07.12. 2019 bis 03.01.2020

Von unserem Redaktionsmitglied Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 04.01.2020

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme weiter deutlich ab. Im Dezember reduzierte sich die Zahl der im Einsatz befindlichen Türme um weitere 56 Stück. Allerdings sind hier auch Ausstiegszeiten zum Jahresende mit enthalten, weil dann die Bohrfirmen gern ihre Anlagen generalüberholen oder generalchecken lassen. In wieweit dieser Einfluss in diesem Jahr von Bedeutung ist, wird sich an den Zahlen Ende Januar 2020 ablesen lassen. Dann werden generalüberholte Anlagen schon wieder im Einsatz sein. Nach dem derzeitigen Zahlenbild nahm die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um über 30% der Gesamtbohrkapazität ab.

Die Dezember-Abnahme ergab sich durch eine weitere Stilllegung von Ölbohrtürmen in Kanada. Die Zahl der Türme in den USA sank auf 796 und in Kanada auf 53 Stück. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika zunehmend deutlicher unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel und notierten am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel. Derzeit notieren sie bei 62,80 USD/barrel.

Der Drohnen-Angriff der USA in der Nacht vom 02.auf den 03.01.2020 – auf Anordnung von Präsident Trump – führte zur Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani. Damit sind alle bisherigen Überlegungen zu einer möglichen Entwicklung in Nah- und Mittelost unter Einbindung des Irans Illusion geworden. Die Lage hat sich krisenhaft verschärft und die iranische politische Führung hat Vergeltung angekündigt. Bei unglücklichem weiterem Agieren des Präsidenten Trump ist ein Flächenbrand nicht auszuschließen, der für die USA sehr nachteilig werden kann, denn der Iran wird nicht in einem „klassischen“ Krieg gegen die USA antreten, sondern mit vielen Nadelstichen in vielen Gebieten der Erde aktiv werden.

Die OPEC hat am 06.12.19 eine drastische Kürzung der Ölförderung auf ihrer Sitzung beschlossen. 500.000 barrel/Tag sollen in den nächsten Monaten weniger produziert werden. Man will die Marktpreise nach oben stabilisieren. Nach Abschätzungen der IEA (Intern. EnergieAgentur) produziert die OPEC zur Zeit über dem internationalen Bedarf und das drückt die Ölpreise. Allerdings reicht die beschlossene Kürzung nach Ansicht der IEA nicht aus um die Überproduktion zu beseitigen. Dazu müsste noch stärker reduziert werden, zumal der weltweite Rohölbedarf in der ersten Hälfte 2020 ebenfalls abnehmend beurteilt wird.

Die IEA hält es für möglich, dass beide Einflüsse auf den Rohölpreis sich im Ende aufheben werden und dass die Preiserhöhungsabsicht der OPEC ins Leere laufen könnte. Zudem bleibt zu bedenken, dass die USA die Rohölförderung ganz kurzfristig durch die Fracking-Förderung im Volumen erhöhen können, wenn die Weltmarktpreise wieder Gewinne erlauben, während die OPEC in dieser Hinsicht vergleichsweise schwerfällig ist.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im November unterschiedlich, wobei Kanada mit der starken Rücknahme seiner Ölfördertürme im Einsatz den Löwenanteil des Rückganges im Dezember verursachte.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März bis Dezember 2019:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
30.09.17 1155 935 220 52,13
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
30.11.17 1123 915 208 56,18
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
16.03.18 1209 990 219 60,85
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
13.07.18 1251 1054 197 70,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
12.10.18 1258 1063 195 71,31
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
07.06.19 1078 975 103 51,7
12.07.19 1075 958 117 60,27
09.08.19 1074 934 140 52,31
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32
03.01.20 881 796 85 62,8

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 697 Ölbohrtürme und 181 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(403), New Mexico(104), Louisiana (58), North Dakota(50), Oklahoma(51), Wyoming (25), Pennsylvania(24), Colorado(22), Kalifornien (14), West Virginia(16) u. Ohio(11).

Den etwa 20%igen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und wird zur Zeit bei 2,130 USD/mmBtu notiert, das bedeutet zunächst weiterhin „ruhiges Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mm Btu im Henry Hub erzielen.

Aber: der Mordanschlag auf den iranischen General birgt so viel politische Brisanz in sich, dass alle bisherigen Entwicklungen – besonders im Rohölmarkt – in nächster Zeit eine völlig andere Richtung und Dynamik entwickeln, als das bisher vorstellbar schien.

Die internationalen Bohraktivitäten verringerten sich um 34 Türme. 1.096 Bohrtürme werden weltweit im Dezember 2019 im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet. Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand, jedoch mit dem Vorbehalt, dass Persien Aktivitäten entwickeln wird, um den USA auf den verschiedensten Gebieten zu schaden. Das kann zur Folge haben, dass auch die Länder der EU in diesem Konflikt Stellung beziehen müssen, was sie bisher wachsweich vermieden haben.

Am 14.09.2019 erfolgte der Raketenangriff auf die größte der saudischen Raffinerien, der zu dem Ausfall von über 50% der saudischen Ölproduktion führte. Der Iran wird als Verursacher angesehen. Am 11.10.2019 erfolgte der „Zwischenfall“ im Roten Meer vor der saudischen Küste, nahe Dschidda. Ein iranischer Tanker wurde, nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna von 2 Raketen getroffen und 2 Laderäume wurden beschädigt. Das Schiff blieb aber manövrierfähig und hat mit geändertem Kurs das Rote Meer verlassen.

Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden, denn er hat sich großsprecherisch als „Friedenspräsident“ gegenüber seinen Stammwählern vorgestellt, der „unsere amerikanischen Jungs“ nach Hause holt. Nun muss er auch liefern. Doch Trump hat wiederholt dem Iran gedroht und Stimmung gemacht. Wegen der Botschaftsbedrohung in Bagdad hat Trump zusätzlich Tausende US-Soldaten in den Nahen Osten und nach Saudi-Arabien verlegen lassen, um die US-Präsenz wieder zu verstärken. Nun hat Trump am 02.01.2020 agiert und damit zugleich seine Position in dem Konflikt entscheidend geschwächt, denn gegen 80 Mio Iraner kann er einen offenen Krieg kaum mit einfachen Mitteln gewinnen.

Die Rohölspekulanten warten nur auf die erste Chance, um die Preise massiv anzuheben, obwohl es noch keine Ölknappheit gibt. Der aktuelle Rohölpreis in den USA mit 62,80 UDS/barrel für WTI-Öl zeigt, dass es noch keine wirkliche Verknappung gibt.

Volker Fritz im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 4. Januar 2020

Staatssekretär Doods (Umweltministerium NI) im Brookmerland wegen Vermilion-Klage

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Nov 132019
 

Besuch des Staatssekretärs Frank Doods des Niedersächsischen Umweltministeriums am 08.11.2019 im Süd-/Brookmerland wegen der Vermilion-Klage gegen das erweiterte Wasserschutzgebiet des Wasserwerkes Siegelsum.

Wiard Siebels (SPD und MdL im Wahlkreis Ostfriesland) hatte ihn dazu eingeladen, wie bereits vor fast 18 Monaten bei einer Podiumsdiskussion zugesagt.

Mit Schildern, Treckern, Fahnen und Transparenten protestierten ca. 200 Menschen vor dem verschlossenen ehemaligen Bohrplatz der Firma Vermilion Energy in Engerhafe bei dem Ortstermin mit Frank Doods.

Bürgerprotest vor Erdgasförderstelle in Engerhafe
Versammlung der Anwohner im Brookmerland vor dem Zaun der ehemaligen Erdgasförderstelle in Engerhafe (im Hintergrund sind die Wohnhäuser zu sehen). [Theo Gehrken 08.11.2019 Bild 009]

Die Bürgerinitiative gegen Bohrungen im Südbrookmerland und Brookmerland sowie Anwohner und Landwirte begleiteten den Besuch von Doods vor den Zaun der verschlossenen Anlage. Beim Vor-Ort-Termin wurde dem Staatssekretär mehr als deutlich vor Augen geführt, wie dicht die Förderstelle an der direkt daneben befindlichen Wohnbebauung liegt. Am Endes des Ortstermins sagte MdL Wiard Siebels auch vor den Teilnehmern zu, eine Anfrage an die Landesregierung zu stellen, da auch er denke, dass das Preußische Bergrecht aus den 30er Jahren durchaus verbesserungswürdig sei.

Vor Beginn des Ortstermins hatten Doods, Siebels und Vertreter des Landkreises im Rathaus in Victorbur etlichen Vertretern der lokalen Politik und der BI Rede und Antwort gestanden. Auch erster Kreisrat Dr. Puchert nahm an dem Gespräch im Rathaus Victobur und der anschließenden Ortsbegehung in Engerhafe teil.

Die Frage, ob eine Wiederaufnahme der Erdgasförderung am ehemaligen und 1992 verfüllten Bohrplatz im Südbrookmerlander Ortsteil Engerhafe verhindert werden kann, konnte auch der angereiste Staatssekretär aus dem Niedersächsischen Umweltministerium vor Ort nicht beantworten.

Von MdL Siebels wurde eine weitere Informationsveranstaltung für die Bürger angeboten, wenn es Neuigkeiten bzw. eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg gibt, wo seit Dez. 2017 eine Normenkontrollklage von Vermilion Energy anhängig ist, die der ebenfalls in 2017 erfolgten Vergrößerung des hiesigen Wasserschutzgebietes widerspreche, in dem nunmehr die alte Bohrung Engerhafe liegt.

Die Bürgerinitiative sowie die Grünen begrüßten dies, machten aber auch deutlich, dass zu diesem noch offenen Termin kein Staatssekretär, sondern der Umweltminister persönlich anwesend sein sollte.

MdL Siebels wurden etliche – noch zu klärende – Fragen durch die Bürgerinitiative mitgegeben, für deren Beantwortung er sich in Hannover einsetzen will.

Thomas Puhahn – für die Bürgerinitiative gegen Bohrungen im Süd-/Brookmerland – Mitglied im Zusammenschluss „Gegen Gasbohren“

 Veröffentlicht von am 13. November 2019

Bericht zum Oktober 2019 – Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Nov 092019
 

Berichtszeitraum 12.10. bis 08.11.2019 / Volker H.A. Fritz, Wolfenbüttel, den 08.11.2019

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme weiter deutlich ab. Nach insgesamt 88 stillgelegten Bohrtürmen im Februar, 99 im März, 37 im April und einer leichten Zunahme im Mai um 27 Türme, einer Abnahme um 3 Türme im Juni und um 1 Turm im Juli nahm sie im August um 54 Türme und im September um 18 und im Oktober um weitere 45 Türme ab. Seit Februar 2018 nahm die Gesamtzahl der eingesetzten Türme um 336 Stück ab. Das entspricht ca. 26% der Gesamt-Bohrkapazität.

Die Oktober-Abnahme ergab sich durch eine weitere kräftige Stilllegung von Ölbohrtürmen und in geringerem Maß von Gasbohrtürmen in den USA bei gleichzeitig geringer Abnahme in Kanada. Die Zahl der Türme in den USA sank auf 817 und in Kanada auf 140 Stück. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika zunehmend deutlich unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen.

Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20, sackten dann bis zum Jahreswechsel auf 46,32 USD/barrel ab und stiegen danach wieder kontinuierlich bis auf 53,34 USD/barrel an und bis Ende Frbruar auf 58,34 USD/barrel. Zur Zeit werden 64,47 USD/barrel gehandelt. Damit lagen die erzielbaren Marktpreise für US-Fracking-Öl wieder über der Rentabilitätsschwelle von ca. 60 USD/barrel für US-Fracking-Öl. Im Verlauf des April gaben die WTI-Notierungen aber wieder leicht nach auf 61,99 USD/barrel und auch im Mai fielen die Notierungen für WTI weiter auf 51,70 USD/barrel.

Die politisch bedingten Preiswetten auf Rohöl in den Juniwochen führten zum Preisanstieg für WTI-Rohöl auf 60,27 USD/barrel per 12.07.2019. Danach jedoch sackte der Preis wieder ab und stand am 10.08.bei 52,31 USD/barrel. Nach lebhaften zwischenzeitlichen Sprüngen lag er am 13.09. bei 55 USD/barrel und am 11.10. bei 54,60 USD/barrel. Zur Zeit liegt er bei 56,39 USD/barrel.

Meine Kommentare zu den möglichen Markthintergründen sind dem Bericht zum Jahreswechsel vom 18.01.2019 zu entnehmen. Hinzu kommt, dass Russland jetzt einen sehr starken Einfluss auf die OPEC-Länder hat, obwohl es kein OPEC-Mitglied ist. Je nach dem Agieren Russlands auf der Rohölangebotsseite kann die OPEC-Politik wirkungslos werden. Entsprechend groß ist jetzt der Einfluss Präsident Putins auf die OPEC-Länder – besonders in Nah- und Mittelost. Der weitgehende Rückzug der USA aus diesem Gebiet kommt Putin sehr gelegen.

Ein erster sichtbarer Erfolg ist Putin in der Türkei gelungen, indem Erdogan – gegen den ausdrücklichen Wunsch der NATO-Partner und besonders der USA, ein modernes russisches Raktenabwehrsystem beschafft, anstatt im NATO-System zu bleiben. Die Türkei ist auf dem Weg, sich als NATO-Partner zu verabschieden, wodurch neue Konflikte heraufbeschworen werden dürften und die US-Stützpunkte in der Region nicht mehr sicher sein werden.

Seit Anfang Oktober haben die USA ihre in Nord-Syrien noch vorhandenen geringen Truppen-Kontingente gänzlich abgezogen und damit den Weg für die Türkei frei gemacht, die Kurdengebiete im Südwesten hinter der Staatsgrenze anzugreifen, was ein alter Plan Erdogans ist. Auch die Russen haben sich nicht gerührt, als die Angriffe der türkischen Armee Mitte September begannen. Damit haben die USA aber den einzigen kampfbereiten Verbündeten am Boden in der Region verraten und jedermann weis nun, dass man sich auf die USA als Partner bei Konflikten nicht mehr verlassen kann.

Der verschärfte Öl-Konflikt zwischen den USA und Persien, mit den Zwischenfällen am Persischen Golf in der Straße von Hormuz ist unberechenbar in seiner weiteren Entwicklung. Der Angriff auf die saudische Ölproduktion wird den Iranern in die Schuhe geschoben, die aber bestreiten das vehement.

US-Präsident Trump will den Persern den Öl-Exporthahn völlig zudrehen. Das kann sehr schnell zu Lieferengpässen führen, wenn Persien die Passage „dicht“ macht, um sich gegen die Aggression der USA zu wehren.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im September tendenziell gleich, wobei Kanada natürlich bei viel geringerem Umfang an Aktivitäten steht.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März bis Oktober 2019:

Monat/ Jahr In Nord-
amerika

gesamt
USA Kanada US Rohöl-
preis WTI
USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
30.09.17 1155 935 220 52,13
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
30.11.17 1123 915 208 56,18
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
16.03.18 1209 990 219 60,85
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
13.07.18 1251 1054 197 70,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
12.10.18 1258 1063 195 71,31
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
07.06.19 1078 975 103 51,7
12.07.19 1075 958 117 60,27
09.08.19 1074 934 140 52,31
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 975 817 140 56,39

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika Ölbohrtürme und Gasbohrtürme aktiv: Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (413), New Mexico (104), Louisiana (56), North Dakota(51), Oklahoma(51), Wyoming (32), Pennsylvania (25), Colorado (24), Kalifornien (15), West Virginia (15) u. Ohio (11).

Den etwa 20%igen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und zur Zeit liegt er bei 2,772 USD/mmBtu.

Die internationalen Bohraktivitäten verringerten sich um 1 Turm auf 1.130 – Bohrtürme werden weltweit im Oktober im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand. Der Nachdruck, mit dem Präsident Trump persische Öllieferungen verhindern will und Persien unverhohlen wiederholt droht, kann jedoch noch allerhand Überraschungen in den nächsten Monaten auslösen. Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden. Er hat den Heißsporn John Bolton, der ständig drängte, gegen den Iran militärische Aktionen zu fahren, aus dem Amt des obersten Militärberaters entlassen. Dennoch ist Lage so unsicher wie schon Jahrzehnte nicht, zumal nach dem Ausfall von etwa 40% der saudischen Ölproduktion, ausgelöst durch die Anschläge mit Lenkkörpern. Die Urheber dieser Angriffe werden von den Saudis und von den USA den Iranern in die Schuhe geschoben, diese wiederum weisen derartige Vorwürfe entschieden zurück.

Und es zündelt weiter (Heißsporne auf allen Seiten wünschen sich kriegerische Auseinandersetzung). Am 11.10.2019 erfolgte der neueste „Zwischenfall“, dieses Mal im Roten Meer vor der saudischen Küste, nahe Dschidda. Ein iranischer Tanker wurde, nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna von 2 Raketen getroffen und 2 Laderäume wurden beschädigt. Das Schiff blieb aber manövrierfähig und wird nun mit geändertem Kurs das Rote Meer verlassen.

Die Rohölspekulanten warten nur auf den ersten Schuss, um die Preise massiv anzuheben, obwohl es noch keine Ölknappheit gibt. Russland wird mit seinem Rohöl-Angebotsvolumen zum Schlüsselanbieter, erst recht, da der Iran seine großen Kapazitäten nicht in den Markt bringen kann, wie die neuesten Analysen zeigen und nun noch der 40%-ige Ausfall der saudischen Produktion für zumindest einige Zeit hinzu kommt. Der aktuelle Rohölpreis in den USA mit 56,39 UDS/barrel zeigt, dass es noch keine wirkliche Verknappung gibt. Dieses Preisniveau war schon im Februar 2019 erreicht.

Herr Trump zündelt weiter und wir alle können nur hoffen, das niemand die Nerven verliert. Und kürzlich kam noch Indien mit seiner geänderten Kaschmirpolitik dazu, die Pakistan herausfordert. 2 Atommächte in Asien stehen sich gegenüber, deren Führungen beide mit Heißspornen und Fanatikern durchsetzt sind.

Und Herr Erdogan droht der EU und Deutschland unverhohlen damit, die über 3 Mio Flüchtlinge in seinen Lagern nach Europa in Bewegung zu setzen, falls die EU in seine Machtinteressen und seinen Plan die Kurden in Nord-Syrien „auszuräuchern“ eingreift. Präsident Sadat hat sein Militär in Bewegung gesetzt, um eine endgültige Abspaltung der türkeinahen Grenzregion im Norden zu begegnen, aber er ist von Russland abhängig. Bis auf weiteres zerstört er die restlichen Städte der Widerstandsnester im Norden und Nordwesten von Syrien, ohne Rücksicht und Hunderttausende neue Flüchtlinge sind in Bewegung, ihr Leben zu retten. Doch wo sollen sie hin?

 Veröffentlicht von am 9. November 2019

Sachausschussmitglieder der Bundesregierung, FDP und AfD lehnen Frackingverbot ab

 DIE LINKE, Pressemitteilungen  Kommentare deaktiviert für Sachausschussmitglieder der Bundesregierung, FDP und AfD lehnen Frackingverbot ab
Okt 242019
 

Sachausschussmitglieder der Bundesregierung, der FDP und AfD haben sich gegen ein ausnahmsloses Frackingverbot gestellt. Der Ausschuss stellte sich damit gegen einen Antrag, der von den LINKEN gestellt wurde.

Seiner Verantwortung für die Gesundheit der Bürger und die Umwelt kommt der Ausschuss mit dieser Entscheidung nicht nach, und die Erkenntnisse über die miese Klimabilanz gefrackten Gases und Erdöls sind den Damen und Herren allem Anschein nach gänzlich fremd.

Vgl. dazu die Pressemeldung von Hubertus Zdebel, DIE LINKE:

Große Koalition verweigert notwendiges Fracking-Verbot ohne Ausnahmen – 23. OKTOBER 2019 / No-Fracking, Pressemitteilungen

„Wieder einmal hat die Große Koalition einem konsequenten Umwelt- und Gesundheitsschutz eine skandalöse Absage erteilt. In den heutigen Sitzungen der Bundestagsausschüsse für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie für Wirtschaft und Energie haben die Vertreter:innen von CDU, CSU und SPD, unterstützt von FDP und AfD, gegen ein Fracking-Verbot ohne Ausnahmen gestimmt. Ein derartiges Verbot hatte die LINKE im Bundestag in einem Antrag gefordert. Die Große Koalition nimmt daher sehenden Auges Grundwasserkontaminationen, Erdbeben sowie unkontrollierte Emissionen des extrem klimaschädlichen Treibhausgases Methan in Kauf.“ erklärt Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter der LINKEN und Mitglied im Umweltausschuss.

Zdebel weiter: „Fracking ist eine unbeherrschbare Risikotechnik und muss ohne Ausnahmen verboten werden. Doch dies lehnen die Koalitionsfraktionen ab, um der Gasindustrie weitere Profite zu sichern. So ist Fracking im Sandgestein, sogenannten Tight-Gas-Reservoirs, bereits jetzt erlaubt. Das derzeitige Verbot für die Aufsuchung und Gewinnung von Gas im Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein bringt zudem keine Sicherheit.

Denn 2021 soll überprüft werden, ob das Verbot wieder aus dem Wasserhaushaltsgesetz gestrichen wird. Zur Vorbereitung der Entscheidung hat die Bundesregierung eine sechsköpfige Fracking-Kommission eingesetzt, die eine deutliche personelle Schlagseite zu Gunsten der Fracking-Befürworter besitzt und intransparent arbeitet. Ihr Ergebnis ist damit vorprogrammiert.

Gegen diese Salamitaktik der Großen Koalition, Fracking Stück für Stück zu erlauben, hilft nur ein sofortiges, umfassendes Fracking-Verbot unabhängig von der Gesteinsart.“

Mehr zur Skandalserie der Fracking-Kommission finden Sie auch im Blog von Hubertus Zdebel.

Zum Antrag mit Bundestags – Drucksachennummer 19/482 [1]

[1] http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/19/004/1900482.pdf

 Veröffentlicht von am 24. Oktober 2019