Kommentar zum Bericht des BMU zu Top 13 b der 84. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit des Deutschen Bundestages vom 05.10.2020

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Okt 302020
 

Kurzbeschreibung des Berichtsinhaltes des BMU v. 05.10.20:
Der Bericht bezieht sich auf Top 13b der 84. Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Naturschutz des Deutschen Bundestages. Dieser handelt um die 2021 anstehende Überprüfung des teilweisen Frackingverbotes gemäß § 13 a des Wasserhaushaltsgesetzes. Als weiteres Thema nimmt das BMU zur Klimawirkung von gefracktem Gas Stellung und zur Erreichung der Pariser Klimaziele in Deutschland.

Auf den ersten Blick ist der Bericht des BMU vom 05.10.2020 mit einer Stellungnahme zur eventuellen Aufhebung des Frackingverbotes nach § 13 a Absatz 1 Satz 1 WHG in bestimmten Gesteinslagen, durch das Parlament in 2021, erfreulich ablehnend.

Doch dann schließt die Stellungnahme mit der Aussage, dass schlussendlich der Bundestag darüber zu entscheiden habe. Vorher wurde deutlich beschrieben, dass die „unabhängige Expertenkommission“ ihre per Gesetz gestellte Aufgabe nicht erfüllt hat und auch nicht mehr bis 2021 erfüllen kann. Die ersatzweise herangezogenen ausländischen Erfahrungen mit der Fracking-Förderung sollen der Kommission nun ausreichen, um dem Parlament die richtige Empfehlung zu geben.

Unser bisheriger Eindruck ist: Die bisherige Arbeit der „Expertenkommission“ hat erkennen lassen, dass es sich hier offenbar nur um eine scheinbar unabhängige Beratungsgruppe handelt, die als Erfüller der gestellten Aufgabe wunschgemäß die Aufhebung des Fracking-Verbotes empfehlen wird. Dieses Vorgehen, so scheint es, war von Anfang an so geplant, wie die Zusammensetzung der Kommission erkennen ließ und ebenso die Tatsache, dass in keinem Bundesland – auch nicht im Schwerpunktförderland Niedersachsen – auch nur eine der gesetzlich erlaubten 4 Probebohrungen beantragt wurde. Das Zusammenspiel der Förderindustrie, die Interesse an dem erhofften Erkenntnisgewinn hätte haben müssen, mit den Förderländern und mit den Machern der WHG-Änderungen von 2017, lässt sich daran einfach ablesen.

Auf der Seite 2 des Berichtes des BMU werden dann, unserer Meinung nach, mehrere bedeutsam falsche Aussagen getätigt, mit denen die umweltpolitisch falsche Marschrichtung der Bundesregierung zu vermehrte Erdgasnutzung – als Ersatz für andere fossile Energien – noch unterstützt wird.

Das kann bis zum Sanktnimmerleinstag der Erreichung von 100% regenerativen klimaneutralen Energiequellen ausgedehnt werden. Wir hätten uns gewünscht, dass das Fachministerium BMU Alternativen für einen beschleunigten Ausstieg erarbeitet und ins Gespräch bringt.

Zitat: “Grundsätzlich ist das BMU der Auffassung, dass Erdgas dem emissionsintensiveren Einsatz von Kohle und Erdöl in einer Übergangsphase auf dem Weg zur vollständigen Dekarbonisierung unserer Energieversorgung ersetzen kann.“

Dieser Satz in einer Stellungnahme des Fachministeriums BMU ist ein unglaubliches Armutszeugnis, denn er verdeutlicht, dass im Ministerium entweder die fachlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind, oder dass politisches Kalkül die Fakten unterdrückt, damit Wunschgemäßes dabei heraus kommt.

Worum es wirklich bei der Betrachtung der fossilen Brennstoffe geht, ist deren Klimawirkung im Vergleich und generell ihre Atmosphärenschädigung. Dieser Sachverhalt müsste auch in den Fachabteilungen des BMU bekannt sein.

Es ist bekannt, dass wissenschaftliche Untersuchungen anerkannter Institute in den USA – wie zum Beispiel der CORNELL UNIVERSITY, Ithaka, New York – seit vielen Jahren Vergleiche angestellt haben, einerseits der anfallenden Emissionen, andererseits der Atmosphärenschädigung durch entweichendes unverbranntes Methan.

Die USA sind das Hauptförderland von Erdöl und Erdgas aus gefrackten Schiefervorkommen. Deshalb ist diesen Untersuchungen hohe Bedeutung zuzumessen. Die Steinkohleverbrennung in Kesselanlagen zur Stromerzeugung wurde dabei als die weithin bestehende Verwendungsform als Basis für Vergleiche zur Atmosphärenschädigung genutzt.

Die heute in Fachkreisen anerkannte Bewertung besagt:

  • Dieselbrennstoff ist etwa 30% günstiger als Steinkohle
  • Konventionell gefördertes Erdgas ist etwa 30% ungünstiger als Steinkohle
  • Fracking-Erdgas aus Schiefergestein ist etwa 300% schädlicher als Steinkohle
  • LNG-Erdgas ist besonders klimaschädigend.
  • Der LNG-Verflüssigungsprozess durch Abkühlung des Erdgases auf – 162 Grad Celsius ist sehr energieaufwendig, und diese Energie wird durch das teilweise Verbrennen des angelieferten Erdgases gewonnen.
  • 25 bis 30% des in den Pipelines ankommenden Erdgases wird so verbraucht.
  • Weitere Verluste entstehen durch die Einlagerung und den mehrfachen Umschlag des LNG, den Schwund beim Seetransport und durch den Rückvergasungsaufwand am LNG-Anlieferpunkt.
  • In diesem Prozessbereich wird auch unverbranntes Methan freigesetzt.

Das bedeutet, dass diese großen Emissionen bei der Erdgas-Lieferform „LNG“ eklatant die Schädigung der Atmosphäre erhöhen.

Daraus leitet sich her, dass die im vorerwähnten Zitat aus dem BMU-Bericht vom 5.10.20 vertretene Meinung, dass die Erdgasnutzung „emissionsärmer“ sei, als von Kohle und Erdöl, nicht den Kern trifft. Es geht um die Höhe der Klimaschädigung. Erdgas und LNG-Fracking-Erdgas sind für das Klima vielfach gefährlicher als Kohle oder Erdöl.

Bei einem geplanten Austausch von Erdöl und Kohle durch Erdgas, wie die Bundesregierung es heute betreibt, wird bei gleichbleibenden Energieverbräuchen eine erhöhte Schadenswirkung auf das Klima herbeigeführt. Und besonders schädigend sind hierbei Fracking-Erdgas und LNG-Erdgas.

Ein weiterer zu kritisierender Punkt im BMU-Bericht auf der Seite 2 ist die Bewertung von Frackinggas hinsichtlich seiner Emissionseinsparungen im Vergleich zur Kohle. Es bringe nur geringe Vorteile. Richtig müsste dort gesagt werden, dass seine Klimawirkung mindestens dreimal schädlicher ist, als die der Steinkohle.

Die Erwähnung der erheblichen Risiken für Böden und Grundwasser und andere Umweltgüter durch eine etwaige Frackinggas-Förderung aus Schieferlagen in Deutschland ist eine insgesamt erfreuliche Aussage des BMU. Leider wird die bereits heute bei der konventionellen Erdgasförderung und Fracking-Erdgasförderung aus tiefen Kalksteinlagen ebenso gegebene Gefährdung nicht mit erwähnt.

Zu kritisieren ist desweiteren der Schlussabsatz:

Zitat: “Nicht zuletzt ist es zur Erreichung der Klimaziele aus dem Übereinkommen von Paris und für unsere nationalen Ziele notwendig, Erdgas grundsätzlich mittelfristig durch Erneuerbare Energien zu ersetzen. Der Einsatz von gefracktem Gas würde diese erforderliche vollständige Umstellung auf erneuerbare gasförmige Energieträger verzögern.“

BMU-Bericht auf Seite 2

Hier ist anzumerken, dass zur Senkung der Atmosphärenschädigung die fossile Verbrennung schnell komplett herunter gefahren werden muss, um die Klimaziele von Paris 2015 zur Begrenzung der Erderwärmung bis 2100 auf plus 1,5 Grad C – bis max 2 Grad C zu erreichen. Tatsächlich hat Deutschland aber in den vergangenen Jahren seine Klimabelastungswerte keineswegs verringert und liegt jetzt, 5 Jahre später, weit hinter den damals getroffenen Vereinbarungen zurück.

Der in Deutschland angestrebte Austausch der Energieträger Kohle und Erdöl durch Erdgas erhöht sogar noch die Belastung des Erdklimas und beschleunigt so die Erderwärmung, die nach dem Sinn des Pariser Klimaabkommens eigentlich verlangsamt werden soll.

Und da die Bundesregierung es zulässt und gar unterstützt, dass gefracktes Erdgas aus russischer Förderung und gefracktes LNG-Erdgas aus nordamerikanischer Förderung künftig verstärkt bei uns genutzt werden soll, handelt sie eindeutig gegen ihre Festlegungen im Pariser Abkommen. Wir haben den starken Eindruck, dass die fossile Energiewirtschaft mit ihrer massiven Lobbyarbeit auf das Handeln der Bundesregierung und der Fachministerien Einfluss nimmt, um auch künftig ihren Absatzmarkt in Deutschland zu sichern. Daher ist zu befürchten, dass sich der „grundsätzliche mittelfristige Ersatz“ von Erdgas durch Erneuerbare Energien sich bis zum Ende dieses Jahrhunderts dehnen dürfte. Die Industrie wird alles daran setzen die „Übergangsphase“ zeitlich zu strecken.
Neuere Berechnungen der eventuellen Erwärmungskorridore der Erdatmosphäre sind lt.Quelle auf die nur geringe bisherige globale Rücknahme der Nutzung fossiler Brennstoffe angepasst worden und ergeben für das Jahr 2100 einen globalen Klimaerwärmungskorridor von plus 2,6 bis plus 4,1 Grad Celsius, wenn wir Menschen nicht schnellstens und gravierend anders handeln.
[Quelle: Science Magazine vom 22.07.2020 , Autor: Paul Voosen Titel: „After 40 years, researchers finally see Earth’s climate destiny more clearly“]

Nochmals: Nach unserem bisherigen Eindruck sind keine Handlungsansätze der Regierung erkennbar. Eine Erderwärmung von plus 2,6 Grad C hat bereits katastrophale Auswirkungen auf die Menschheit und wird zu massiven globalen Überlebenskriegen führen. Nach 2100 geht die Erwärmung natürlich noch weiter, wenn die Menschheit jetzt nicht handelt und den Raubbau am Planeten umgehend und rigoros einstellt.

Die insgesamt ungünstige Perspektive und der sich daraus ergebende Handlungsdruck zur Begrenzung der Klimaerwärmung wird im Bericht des BMU vom 5.10.2020 leider nicht erwähnt.

Volker Fritz, Wolfenbüttel, den 26.10.2020.

 Veröffentlicht von am 30. Oktober 2020
Jun 212020
 

Geplante großflächige Zulassung der Fracking-Förderung von Erdgas würde Notlage noch erheblich verschärfen.

Volker H.A. Fritz – den 20.6.2020

An den Umweltminister von Niedersachsen, Herrn Olaf Lies
c/o Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz
30169 Hannover
per e-mail: minister@mu.niedersachsen.de
poststelle@mu.niedersachsen.de

Sehr geehrter Herr Minister Lies,

namens unseres Arbeitskreises nehme ich zu Ihren Warnungen und Ihrer Aussage, dass der Klimawandel schon da sei, dass es aber künftig noch schwieriger werden könnte, aus der Sicht des Widerstandes gegen die Fracking-Förderung Stellung.

Auch wir haben schon vor zwei Jahren bemerkt, dass Gutachten zur Wassernutzung den sehr hohen Nutzungsgrad unseres Grund- und Oberflächenwassers erwähnten und davor warnten, die Wassernutzung in Deutschland noch weiter zu intensivieren. Das könne, bei nachlassenden jährlichen Niederschlagsmengen dann schnell zu Problemen führen.

Jetzt werden die Auswirkungen, insbesondere der großen Agrarberegnungsmengen, bei gleichzeitigen mäßigen bis geringen Niederschlägen, deutlich erkennbar. Die Grundwasserspiegel sinken ab. Und dann droht da immer noch das Projekt „Fracking-Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Vorkommen in Deutschland“ mit riesigem zusätzlichem Grundwasserbedarf.

Wir beobachten äußerst aufmerksam die Tätigkeit – oder besser Untätigkeit – der „Expertenkommission Fracking“ gemäß § 13a Abs. 6 S. 1 WHG , die ja durch wissenschaftliche Begleitung der 4 genehmigten Versuchsbohrungen mit Frackinganwendung im Schiefer-, Ton-, Mergel- oder Kohleflözgestein zu erweiterten Erkenntnissen unter deutschen Bedingungen kommen sollte. Unser Eindruck ist, dass hier ein abgekartetes Spiel läuft, an dessen Ende diese Kommission dem Bundestag die Aufhebung des Fracking-verbotes „empfehlen“ wird. Und die Große Koalition in Berlin dürfte das mit ihrer Mehrheit auch 2021 beschließen.

Thema riesiger zusätzlicher Wasserverbrauch in Niedersachsen

Und was bedeutet das für die Grundwasserverfügbarkeit zur Trinkwassererzeugung und Nutzung in der Landwirtschaft – besonders für das Hauptförderland Niedersachsen?

Riesige Mengen sauberen Grundwassers werden bei der Anwendung der Fracking-Förderung benutzt und kontaminiert. Und anschließend -aus Kostengründen – werden wiederum große Mengen des anfallenden Produktionswassers durch Hochdruck-Verpressung in den tiefen Untergrund „entsorgt“, wo sie eine permanente Gefährdung des trinkbaren Grundwassers sind.

Die Firma ExxonMobil hat für die Fracking-Erdgasförderung allein in Niedersachsen über 30.000 neue Bohrungen projektiert, die sie nach Aufhebung der Fördersperre abteufen will. Insgesamt sind 133 „Förderfelder“ der Kantenabmessung 10 x 12 km und mit je 240 Bohrungen auf Clusterfeldern mit je 20 Bohrungen vorgesehen. Jede einzelne Bohrung wird nach der horizontalen Ablenkung mit bis zu 30.000m3 Fracking Fluid beaufschlagt mit Drücken bis 1.500 bar. Über 95% davon bestehen aus Wasser.

Ist ein „Förderfeld“ zur Förderung gebracht worden, muss bereits nebenan mit dem Aufschluss für das nächste begonnen werden, weil die Erdgasmengen in den „unkonventionellen“ Vorkommen nur gering sind und sich schnell erschöpfen. Es muss dann ständig neu gebohrt und gefrackt werden, um eine etwa gleichbleibende Förderleistung übers Jahr zu ermöglichen.

Für ein „Förderfeld“ werden gewaltige 7.200.000 m³ Frischwasser benötigt und dem Wasserkreislauf zugleich wegen der zugesetzten giftigen Chemikalien entzogen. Für die projizierte Gesamtzahl der Förderfelder kämen so 958 Millionen m³ Wasserverbrauch über die Jahre zusammen.

Eine riesige durchgehende Fläche von etwa 60 x 265 km würde so im Untergrund durchwühlt und gefrackt werden. Und Sie können, sehr geehrter Herr Minister Lies, voll und ganz auf die Erfahrungen in den USA bauen, wo -zig Tausende Brunnen durch Fracking verdorben wurden. Ähnliches ist dann auch bei uns zu erwarten, wenn auch möglicherweise in abgeschwächter Form. Von den Erdbeben, verursacht durch Fracking, Förderung und Verpressung der Abwässer, möchte ich hier nicht weiter ausführen. Auch sie werden verstärkt auftreten.

Thema Grundwassergefährdung durch zusätzliche Verpressung von Abfallwasser

Und dann fallen etwa 4.300.000 m³ Rücklaufwasser je Förderfeld an, die mit der anschließenden Förderung zusammen hochkommen und in „Verpressbohrungen“ entsorgt werden müssen. Es ist längst bekannt, dass derart verpresste Rücklaufwässer nicht stationär im Bereich der Verpressbohrung verbleiben, sondern dass sie sich im Untergrund bewegen, je nach dem, wo sich eine Ausdehnungsmöglichkeit ergibt.

Somit können sie auch entlang aufgegebener Bohrungen oder durch aufgebrochene Gesteins- schichten (entstanden durch die ungeheuren hydraulischen Kräfte beim Hochdruckfracking) nach oben aufsteigen, bis in den Bereich des trinkbaren Grundwassers, von dem wir leben. Das besonders Gefährliche dabei ist, dass diese verpressten „Zeitbomben“ im Untergrund auch Jahrzehnte nach der Beendigung der Verpressung und Verschließung der Bohrung ihre Gefährlichkeit nicht verlieren.

Sie sind heute, sehr geehrter Herr Minister Lies, in der bemerkenswerten Lage, einem Ministerium vorzustehen, das einerseits die Umwelt und andererseits die Energie in seinem Arbeitsfeld verwaltet.

Thema Fracking vermeiden zum Klimaschutz

Nutzen Sie bitte diese Möglichkeit, die klimabezogen völlig falsche Absicht der Bundesregierung und der Förderkonzerne auszubremsen, die Fracking-Förderung in Niedersachsen, dem geplanten Haupt-Fracking-Förderland, durch gezielte Parlamentsbeeinflussung in Berlin „durchzuwinken“. Unser Ziel muss es vielmehr sein, den Ausbau der Windkraft und der Solarkraft bei uns massiv zu beschleunigen, anstatt wie bisher durch vermehrt eingebaute Hemmnisse abzubremsen, zum Vorteil der „alten“ fossilen Energien.

Jetzt, sehr geehrter Herr Minister Lies, haben Sie öffentlich vor dem bevorstehenden Wasser-mangel in Niedersachsen gewarnt und Vorschläge zur Wassereinsparung für demnächst angekündigt. Es wäre wünschenswert, dass Sie ebenso große Besorgnis ob der riesigen Wassermengen äußern würden, die durch ausgedehntes Fracking in Niedersachsen für die Nutzung durch Mensch und Landwirtschaft verloren gingen, da sie ja nicht wieder in den Wasserkreislauf eingeschleust werden können.

Thema Gesundheitsgefährdung der Anwohner

Und dann erinnern wir Sie aus diesem Anlass daran, dass die gehäuften rätselhaften Krebserkrankungen von Anwohnern der Förderschwerpunkte Rotenburg, Hemslingen/Söhlingen und Rodewald (SG Steimbke) nach wie vor nicht geklärt sind. Es bestehen dringende Verdachtsmomente, dass die dortige Kohlenwasserstoff-Förderung der Verursacher ist.

Es wäre umweltpolitisch unverantwortlich, die Fracking-Erdgasförderung zuzulassen, so lange nicht definitiv ausgeschlossen werden kann, dass es an der Förderung lag. Bodenproben an verschiedenen Förderplätzen haben jedenfalls überall erhöhte Quecksilberwerte und teils auch Benzol enthalten. Sie sind ein klarer Beleg dafür, dass es Emissionen bei der Förderung und Aufbereitung gibt. Hier auf „zulässige“ Grenzwerte zu verweisen ist Augenwischerei. Und, es wird Sie nicht wundern, die gleichartigen Erkrankungen wurden auch in den USA und in Kanada in Gebieten intensiver Förderung und Aufbereitung von Kohlenwasserstoffen festgestellt. Ja, seltsam, niemand bei uns in den Ministerien und Ämtern, im Landesbergamt und nicht bei den Förderunternehmen, will daraus einen Zusammenhang erkennen können.

Gern würden wir dazu von Ihnen hören.

Mit freundlichen Grüßen,

für den Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land
Volker Fritz (Mitglied im bundesweiten Zusammenschluss Gegen Gasbohren)

 Veröffentlicht von am 21. Juni 2020

Bericht zum Juni 2020: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Jun 192020
 

Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 19.06.2020

Berichtszeitraum 23.05. bis 19.06.2020. Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme erneut deutlich ab, allerdings zum Ende des Berichtszeitraumes spürbar weniger, da die Rohölpreise wieder etwas gestiegen sind.

Zu den insgesamt 691 stillgelegten Bohrtürmen der Monate März, April und Mai 2020, die schon zu einer 67%igen Stilllegung der nordamerikanischen Bohrkapazitäten geführt hatten, kamen im Berichtsmonat Juni noch einmal 53 Bohrtürme hinzu.

Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wurde in den letzten 2 Monaten immer spürbarer zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der inzwischen über 2 Mrd Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie ihr gewohntes Leben und Arbeiten unterbrochen haben und „abgesperrt“ zu Hause leben müssen um die Ausbreitung des CORONA-Virus auszubremsen. Viele Unternehmen haben Zwangspausen einlegen müssen. In China hat die Industrie wieder schrittweise damit begonnen, die Produktion wieder aufzunehmen, es herrscht aber große Sorge vor eine 2. CORONA-Ansteckungswelle.

Das dadurch ausgelöste Überangebot aus zu hoher Förderung und gleichzeitigem Bedarfsrückgang in wichtigen Abnehmerländern ließ den Ölpreis zeitweise ins Bodenlose abstürzen. In der Woche vor dem 24.04. brach er sogar kurzzeitig auf Basis WTI zusammen, wegen nicht absetzbarer, aber vertraglich georderter Rohölmengen.

Der WTI-Preis in New York fiel erstmals in der Geschichte ins Minus und Verkäufer zahlten Abnehmern noch eine Prämie, wenn sie ihnen die Rohölmengen abnahmen, bis zu 25 USD/barrel. Die OPEC und weitere Länder beschlossen massive Förderkürzungen, um den Ölpreis zu stabilisieren.

Das hat sich inzwischen wieder leicht erholt, am 22.05. lag WTI in New York bei 18 USD/barrel. Doch dieses Preisniveau ist mörderisch für die US-Förderindustrie und besonders für die teure Fracking-Ölförderung. Die angekündigte Verknappung durch Produktionskürzungen führte zu weiterer Stabilisierung auf heute knapp über 40 USD/barrel.

Das macht offenbar den noch verbliebenen Fracking-Förderunternehmen in den USA Mut, den weiteren forcierten Abbau von Bohrkapazitäten zunächst zu verlangsamen. Sie benötigen allerdings WTI-Öl-Preise von 50 bis 60 USD/barrel. Die Strategie der OPEC und Russlands ist dabei die, durch die Preisgestaltung die Fracking-Förderer der USA aus dem Geschäft zu halten.

Wir können also erwarten, dass die Fördermengensteuerung dieser Gruppe so erfolgt, dass der WTI-Preis bei 40 bis 45 USD/barrel eintariert werden wird. Weiterhin gilt, dass abseits des Handelsplatzes New York auch Rohöl zu Notierungen gehandelt wird, die deutlich unter WTI-Niveau liegen.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl liegt gut 20% unter der globalen Fördermenge. Die Hauptölproduzenten haben ihre Notlage erkannt und ihre Förderungen kurzfristig drastisch reduziert, viel mehr als vorher angekündigt, um den Ölpreis wieder auf ein ökonomisch besseres Gleis zu bringen. Die Saudis haben ihren Hauptabnehmern die Liefermengen drastisch reduziert, in Asien, in Europa aber auch gegenüber den USA. Nun hoffen alle auf China, weil dort der Verbrauch mit Wiederaufnahme großer Teile der Industrieproduktion wieder anzieht.

In Nordamerika entwickelt sich eine Katastrophe. Viele der mittleren und kleinen Unternehmen mit Förderung können zu den derzeitigen Preisen nicht mehr kostendeckend fördern und einige haben in den vergangenen Wochen den Betrieb eingestellt. In Kanada haben die großen Ölsand-Verarbeiter begonnen, ihre Produktion herunter zu fahren und lassen Pläne für neue und erweiterte Produktionen in der Schublade. Sie können bei diesen Preisen nicht mehr mit Kostendeckung arbeiten. Seit 35 Jahren haben nicht so viele Förderbohrungen in Nordamerika still gestanden, wie gerade jetzt.

Im Permian und Anadarko Basin in den USA gibt es 400.000 Pferdekopfpumpen-Förderbohrungen, die von meist kleineren Familienunternehmen betrieben werden. Sie beschäftigen bisher ca. 143.000 Arbeiter, die ihre Anlagen betreiben und warten und sie fördern bisher zusammen ca. 850.000 barrels/Tag.

Davon könnten in Kürze ca. 500.000 barrels wegfallen und ca. 100.000 Arbeitsplätze, meist in ländlichen Gebieten. Das birgt jede Menge Sprengstoff für die Nachwahl von Präsident Trump. Mit dem WTI-Preis in New York über 40.-USD/barrel heute werden wohl doch mehr von diesen Unternehmen im Geschäft bleiben, als zunächst zu befürchten war, denn damit können viele von ihnen kostendeckend arbeiten. Nach dem letzten „Schock“, dem Einbruch der Ölpreise nach 2014, sind die meisten dieser Unternehmen so geschwächt, dass sie keine Reserven mehr haben.

Und auch die Zulieferer-Industrie hat mit der Reduzierung angefangen: Der Rohrhersteller Tenavis SA kündigte 223 Mitarbeitern in seinem Werk in Houston. Halliburton beurlaubte in seiner Stammfirma in Houston zunächst 3.500 Beschäftigte. In Kanada hat der Spezial-Spediteur Mullen Group Ltd. mit Sitz in Calgary, der auch Ölfeld Logistik-Aufgaben und Schwerst-Transporte aller Art durchführt, im April 1.000 Mitarbeiter entlassen, um die Auswirkungen der CORONA -Pandemie abzufangen. Die Firma hatte im 1.Q 2020 noch einen Gewinn von 318 Mio Dollar ausgewiesen. Insgesamt ist die Zahl der Konkursanmeldungen in den ersten 2 Quartalen 2020 laut Haynes-Boone bisher doch noch moderat verlaufen.

Die Angst vor CORONA allerdings geht in den Ölcamps in den USA und in Kanada um, zumal sich die Zahl der Neuansteckungen mehr und mehr aus den Ballungsräumen (New York, Las Vegas, Boston, Florida, Golfküste) in die Fläche verlagert.

In den USA haben sich inzwischen über 40 Mio Beschäftigte arbeitslos gemeldet – in nur 9 Wochen. Doch das ist nicht die ganze schreckliche Wahrheit. Die US-Arbeitsverwaltung schließt nicht die Arbeitskräfte ein, die nicht dokumentiert sind und arbeitslos werden. Ca. 8 Mio Arbeiter aus dieser Gruppe verloren ihren Job und müssen hinzugerechnet werden, ebenso noch die ganzen Absolventen, die nach Abschluss ihrer Ausbildung oder ihres Studiums arbeitslos sind. Die tatsächliche Arbeitslosenzahl beträgt sicher über 50 Mio Menschen.

Wenn auch in China so getan wird, als sei die CORONA-Pandemie so gut wie überwunden, ist es doch so, dass mit der Wiederaufnahme der Aktivitäten der Industrie und der Wirtschaft auch bisher unbekannte Infektionsträger wieder „unters Volk“ gelangen und eine zweite Welle auslösen können. Das Geschehen in Peking im Verlauf der Woche zeigt auf, wie schnell aus neuen Infektionsherden wieder größere „Lock-downs“ werden können.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal die USA ja gerade erst am Anfang der größeren Ausbreitung stehen mit zur Zeit 2.2 Mio registrierten Infizierten und 117.000 Toten. Das US-Gesundheitssystem ist in keiner Weise auf eine solche Pandemie vorbereitet und im ländlichen Bereich fehlen – besonders in den Bundesstaaten der „Trump-Freunde“ im Süden der USA – Krankenhäuser und Beatmungseinrichtungen. Die mögliche Zahl von 200.000 Toten rückt immer näher, da die Zahl der Infizierten in den letzten Wochen wieder zugenommen hat.

Diese Volkswirtschaft wird weiterhin monatelang lahm gelegt werden – auch wenn Präsident Trump das zu verhindern sucht – ohne Rücksichtnahme auf weitere Zehntausende Tote. Und ihre Haupt-Handelspartner, wie zum Beispiel Deutschland, werden von den Nachfrageausfällen getroffen werden.

Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen haben bereits zu wirken begonnen. Hinzu kommt die weiter steigende Zahl Infizierter, auch wenn die tägliche Zunahme deutlich geringer geworden ist. Mit der Eröffnung von Reisemöglichkeiten ins Ausland seit 15.06.20 ist bald mit neuen Infektionen durch Reiserückkehrer zu rechnen. Die Wirtschaft in Deutschland hat begonnen, nach vorn zu arbeiten, wenn auch in vielen Bereichen noch mit stark reduzierter Kapazität.

Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird inzwischen mit einem deutlichen Minus von über 8% erwartet. Die Absagen wichtiger international ausgerichteter Messen und Tagungen in Deutschland tragen ebenso dazu bei, wie die praktisch als Zusammenbruch des Luftverkehrs wirkende Reise- und Einreisesperre, die das Einschleppen weiterer Infizierter bisher verhindert hat.

Die groß angelegten Hilfspakete der Regierung Merkel sollen die Belastungen aus der Situation für Großunternehmen, für den Mittelstand und für kleine Selbständige – aber auch für die Menschen mit Niedriglohn und Teilzeitarbeit – erträglicher gestalten. Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland wird im Jahresdurchschnitt auf 2,5 Mio Personen erwartet, in der Spitze über 3,0. Im Detail wird bei der Abwicklung der Hilfspakete mancher Haken vermutet, der kostbare Zeit verschlingen wird. Pleiten sind vorprogrammiert und viele, viele Arbeitslose.

Doch nun zu den Zahlen der Bohrtürme:

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um ca. 38% von der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin mit 491 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel, am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Am 22.05.20 notierten sie bei 18,06 USD/barrel und heute bei 40,26 USD/barrel. Die OPEC und Partner haben die Förderkürzung deutlich über die ursprünglich vereinbarte Menge hinaus umgesetzt und dadurch recht schnell die Stabilisierung des Ölpreises bewirkt, unterstützt von den wieder steigenden Abnahmemengen Chinas.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weiß niemand, wie lange wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen. Inzwischen wird mit einer Dauer von mehreren Monaten gerechnet und erst für 2021/ 2022 wird eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erhofft, ausgehend von dem bis dahin erreichten, stark verminderten Niveau. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann es mehr als 5 Jahre dauern, ehe die Weltwirtschaft wieder einigermaßen „rund“ läuft. Wirtschaftskundler schätzen, dass der Einbruch stärker ausfallen kann, als die in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im April gleichsinnig, bei Kanada allerdings auf äußerst niedrigem Niveau da man dort bereits im März fast alle Ölbohrtürme stillgelegt hatte. Der Löwenanteil der Stillegungen erfolgte auch im Berichtsmonat Juni in den USA.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis März 2020:

Monat/ Jahrgesamt im Einsatz in NordamerikaUSAKanadaUS Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17117895822046
31.10.17111591320251,94
15.11.17109088919254,27
15.12.17116893023856,64
19.01.18126193632563,72
16.02.18129397531860,74
13.04.181110100811766,74
15.06.181198105913966,6
14.09.181281105522670,3
09.11.181277108119661,59
14.12.181245107117451,2
18.01.191259105020952,32
15.02.191275105122453,34
15.03.191187102616158,34
12.04.19108810226664,47
10.05.1910519886361,99
12.07.19107595811760,27
13.09.19102088613455
11.10.19100285614654,6
08.11.1995781714056,39
06.12.1993779913856,32
03.01.208817968562,8
31.01.20103779024752,95
28.02.20103079024044,67
27.03.207827285421,6
24.04.204914652618,06
22.05.203393182132,8
19.06.202832661740,26

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika noch 194 Ölbohrtürme und 87 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(111), New Mexico(51), Louisiana (32), Pennsylvania(22), North Dakota(10), Oklahoma(9), West Virginia(5), Ohio (9), Colorado(6), und Kalifornien(4).

Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt die Entwicklung zu geringerem Energieverbrauch wider. Am 07.06.2019 lag der Preis bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Ende Februar wurde er bei 1,75 USD/mmBtu notiert und blieb seither immer unter 2 USD/mmBtu. Am 22.05. wurde er mit 1,815 USD/mmBtu notiert und heute mit 1,638 USD/mmBtu.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mmBtu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA – und in der Folge auch beim Erdgas zu noch größeren Verlustabschlüssen führen.

Die internationalen Bohraktivitäten nahmen deutlich ab, um 110 Türme auf 805 Bohrtürme. Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden. Eine weltweite Rezession gewaltigen Ausmaßes kommt auf uns alle zu, die erst nach einer längeren Wiederbelebungsphase Schritt für Schritt überwunden werden dürfte.

Wir alle müssen diese Krise erst einmal durchstehen, dann die Neuorientierung beginnen und danach den internationalen, vernetzten Wirtschaftskreislauf wieder beleben.

Volker Fritz – im AK Fracking Braunschweiger Land.

 Veröffentlicht von am 19. Juni 2020

Giftschlammgrube Brüchau in der Altmark wird ausgekoffert

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Jun 192020
 

Der Landtag in Magdeburg beschloss am 12.06.2020 einstimmig, dass die Giftschlammgrube Brüchau in der Altmark ausgekoffert und entsorgt werden muss.

Seit vielen Jahren ist diese Giftschlammgrube undicht und kontaminiert das Grundwasser rund herum. Unsere Mitglieds-BI „Saubere Umwelt & Energie Altmark“ hatte sich seit Jahren dafür eingesetzt, diesen Schandfleck zu beseitigen, da auch Anwohner gesundheitlich gefährdet wurden. Die für Umweltfragen zuständige Abgeordnete der GRÜNEN im Landtag unterstütze die Forderungen nach Beseitigung und endgültige Entsorgung des Grubeninhaltes auf geeigneten Deponien und sorgte wiederholt für die Behandlung des Themas im Landtag, während Aktivisten aus mehreren BI s die Öffentlichkeit durch Aktionen, zum Beispiel vor dem Landtag in Magdeburg, auf das Thema aufmerksam machten.

Die Strategie des zuständigen Landesbergamtes war es Zeit zu schinden und – in Absprache mit zuständigen Ministerium für Wirtschaft und Umwelt – zu einer „Abdecklösung“ zu kommen, bei der die Deponie oberflächlich verschlossen worden wäre, jedoch im Untergrund ihre Giftfracht ständig weiter ins Grundwasser abgegeben hätte.

Dazu behaupteten sie, dass die Grube „dicht“ sei und daher keine Gefahr vorliege, trotz eines Gutachtens aus 1971, in dem der als Abdichtung eingebrachte Geschiebemergel für gefährliche Abfälle als „bedingt tauglich“ bewertet wurde. 1992 wurde das Grundwasser untersucht und Belastungen um die Grube herum mit Lithium, Strontium und Chlorid festgestellt, die durch das Sickern aus der Grube stammten. Seitdem kämpfte das zuständige Umweltamt des Altmarkkreises Salzwedel für einen Stop der Einlagerungen wegen Grundwasserschädigung, doch das Landesbergamt erlaubte den Weiterbetrieb.

2012 wurde der Betrieb der Grube dann endlich wegen Undichtigkeit eingestellt. 2015 die Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF) behauptete, zusammen mit dem Wirtschaftsministerium, dass die Grube „dicht“ sei und also die Vorzugslösung für die endgültige Schließung die „Abdecklösung sei.

Dagegen leisteten die BI, MdL Frederking, aber auch andere Politiker mit Anbindung in der Altmark, erbitterten Widerstand, da das Grundwasser ja Belastungen hatte. Wegen Unkenntnis über die tatsächlichen Inhalte der Grube wurden 2018/19 geoelektrische Messungen und Untersuchungsbohrungen durchgeführt.

Februar 2020: Zwischenberichte bestätigten, die Grube ist undicht. Zusätzlich wurden in der Geschiebemergelschicht 7 Stellen gefunden, an denen er gar nicht vorhanden ist, oder weniger als 30 cm dick ist. Das waren nur Stichproben.

Mai 2020: Endbericht zu den Untersuchungen bestätigt die Ergebnisse der Zwischenberichte. Die Erörterung des Endberichtes im Landtag am 12.06.2020 nahm MdL Frederking zum Anlass, schnell einen Entschließungsantrag zur Auskofferung der Giftschlammgrube zu erstellen und zur Abstimmung zu bringen.

Dieser wurde einstimmig angenommen.

Der Landtag forderte die dafür zuständigen Landesbehörden auf dass „unverzüglich ein genehmigungsfähiger Plan für eine zügige und sichere Beseitigung der gesamten Giftschlammgrube, für einen Abtransport und eine sichere Endlagerung der Inhaltsstoffe in geeigneten Deponien an anderen Standorten sowie für die notwendigen Maßnahmen zur Renaturierung und zum Gewässerschutz einschließlich Reinigung von kontaminiertem Grundwasser erarbeitet wird“

Dieser Erfolg, nach vielen Jahren zäher Kleinarbeit und Bürgerprotesten vor Ort und Eingaben durch MdL Frederking, zeigt wieder einmal beispielhaft, wie schwer es ist, gegen die für die Kohlenwasserstoff-Förderung zuständigen Behörden anzukommen, wenn sie offensichtlich Falsches tun, oder planen.

Er zeigt aber auch, dass unser Engagement Dinge in Bewegung setzen kann, die ohne dieses nicht angefasst worden wären.

Glückwünsche an alle, die auf diesem langen Weg mitgewirkt haben! Nun wird die Giftschlammgrube beseitigt werden!

Volker Fritz im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 19. Juni 2020

Bericht zum Mai 2020 Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Mai 232020
 

Berichtszeitraum 25.04. bis 22.05.2020. Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme erneut drastisch ab – um 31% gegenüber dem Vormonat nach fast 38% Verringerung im April und liegt inzwischen weit unter dem Tiefststand nach dem Crash 2014 im Juni 2016 mit 497 Türmen im Einsatz.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker H.A. Fritz. – Wolfenbüttel, den 22.05.2020

248 Bohrtürme wurden im März stillgelegt, überwiegend für Öl. 291 Bohrtürme wurden im April stillgelegt, überwiegend für Öl. 152 Bohrtürme wurden im Mai stillgelegt, fast ausschließlich für Öl. Damit wurden in den nur 3 Monaten 67% der nordamerikanischen Bohrkapazitäten, bezogen auf den Stand Februruar 2020, stillgelegt. Im Vergleich mit dem bereits im Februar 2018 erreichten Stand der Reaktivierung der Bohrtürme von 1293 Stück ergibt sich eine Verringerung um 87%.

Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wird nun immer spürbarer zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der über 3 Mrd Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie inzwischen nicht mehr ihr gewohntes Leben und Arbeiten fortsetzen können, sondern zum großén Teil „abgesperrt“ leben müssen und weiterhin auch nicht mehr zur Arbeit gehen können, da ihre Unternehmen Zwangspausen einlegen müssen.

In der Woche vor dem 24.04. brach sogar kurzzeitig der Rohölpreis auf Basis WTI zusammen, wegen nicht absetzbarer, aber vertraglich georderter Rohölmengen. Der WTI-Preis in New York fiel erstmals in der Geschichte ins Minus und Verkäufer zahlten Abnehmern noch eine Prämie, wenn sie ihnen die Rohölmengen abnahmen, bis zu 25 USD/barrel.

Das hat sich zum Ende des Monats April zwar wieder leicht erholt – WTI-Öl in New York bei 18 USD/barrel – aber dann drohte ein Trend der Verstetigung auf diesem Niveau. Doch dieses Preisniveau ist mörderisch für die US-Förderindustrie und besonders für die teure Fracking- Ölförderung, aber auch Saudi-Arabien rutscht damit immer weiter ins Staatsminus, da der Staatshaushalt des Landes weit überwiegend durch Öl-Einnahmen finanziert wird.

Weiterhin gilt abseits des Handelsplatzes New York: In Nordamerika und auch anderwärts sieht es noch viel schlechter aus, weil ein großer Teil des Handels direkt beim Förderer abgeschlossen wird und diese Preise lagen noch deutlich unter WTI-Niveau.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl liegt über 20% unter der globalen Fördermenge. Das Fördervolumen muss dem angepasst werden. Die Rohöllager sind weltweit alle restlos gefüllt und es wird verzweifelt nach Zwischenlösungen gesucht durch Tankschiff-Leasing und durch die Nutzung zur Zeit ungenutzter Pipelines als Rohöllager.

Die Hauptölproduzenten haben ihre Notlage erkannt und ihre Förderungen kurzfristig drastisch reduziert, viel mehr als vorher angekündigt, um den Ölpreis wieder auf ein ökonomisch besseres Gleis zu bringen. Die Saudis haben ihren Hauptabnehmern die Liefermengen drastisch reduziert, in Asien, in Europa aber auch gegenüber den USA. Auf der Abnehmerseite hat die Reaktivierung der Industrie in China auch den leichten Wiederanstieg des Rohölbedarfes bewirkt. Die Folge ist, dass der Rohölpreis bereits begonnen hat, sich zu stabilisieren. Seit Anfang Mai stieg WTI von 19,06 EUR auf 32,80 (Stand 22.05.20)

In Nordamerika nimmt die Katastrophe ihren Lauf

Seit Januar haben 8 Förderfirmen Konkurs angemeldet, darunter Whiting Petroleum 3,4Mrd USD Verbindlichkeiten und Diamond Offshore 2 Mrd Verbindlichkeiten. Ebenso geht es bei den Service-Unternehmen zu, 8 Konkurse: McDermott International Inc. 7,85 Mrd USD Verbindlichkeiten, Pioneer Energy Services Corp. 475 Mio USD als die beiden größten. Branchenbeobachter rechnen damit, dass sogar Chesapeake Energy und Oasis Petroleum in Kürze Konkurs anmelden werden.

Die Aktien der großen Öl- und Service-Firmen haben an der Börse New York seit Januar 2020 insgeamt schon über 40% ihres Wertes verloren. Auch sogar ExxonMobil ist mit -38% dabei. Über 2/3 ihres Börsenwertes verloren Noble Energy, Halliburton, Marathon Oil und Occidental. Chesapeake Energy verlor über 95% ihres Börsenwertes, Oasis Petroleum 90%, California Resources 76% und Denbury Resources 70%. Wenn der WTI-Ölpreis bei 20 USD bleibt, werden in 2020 400 Firmenpleiten in den USA erwartet, wenn er sich bei 30 USD einpendelt erwartet man noch 170 Firmenpleiten.

Die Investoren haben offenbar endgültig die Nase voll, denn die Förderindustrie kann kein neues Kapital loseisen, um ihre Schulden zu decken und macht seit Jahren Verluste.

Viele der mittleren und kleinen Unternehmen mit Förderung können zu den derzeitigen Preisen nicht mehr kostendeckend fördern und werden in 2020 den Betrieb einstellen. In Kanada haben die großen Ölsand-Verarbeiter begonnen, ihre Produktion herunter zu fahren und lassen Pläne für neue und erweiterte Produktionen in der Schublade. Sie können bei diesen Preisen nicht mehr mit Kostendeckung arbeiten. Seit 35 Jahren haben nicht so viele Förderbohrungen in Nordamerika still gestanden, wie jetzt.

Im Permian und Anadarko Basin in den USA gibt es 400.000 Pferdekopfpumpen-Förderbohrungen, die von meist kleineren Familienunternehmen betrieben werden. Sie beschäftigen bisher ca. 143.000 Arbeiter, die ihre Anlagen betreiben und warten und sie fördern bisher zusammen ca. 850.000 barrels/Tag.

Davon könnten in Kürze ca. 500.000 barrels wegfallen und ca. 100.000 Arbeitsplätze, meist in ländlichen Gebieten. Das birgt jede Menge Sprengstoff für die Nachwahl von Präsident Trump. Wenn der WTI-Preis in New York unter 24.-USD/barrel bleibt, werden viele dieser Unternehmen aufgeben müssen. Sie befürchten das Schlimmste. Nach dem letzten „Schock“, dem Einbruch der Ölpreise nach 2014, sind die meisten dieser Unternehmen so geschwächt, dass sie keine Reserven mehr haben.

Und auch die Zulieferer-Industrie hat mit der Reduzierung angefangen

Der Rohrhersteller Tenavis SA kündigte 223 Mitarbeitern in seinem Werk in Houston. Halliburton beurlaubte in seiner Stammfirma in Houston zunächst 3.500 Beschäftigte. In Kanada hat der Spezial-Spediteuer Mullen Group Ltd. mit Sitz in Calgary, der auch Ölfeld Logistik-Aufgaben und Schwerst-Transporte aller Art durchführt, im April 1.000 Mitarbeiter entlassen, um die Auswirkungen der CORONA -Pandemie abzufangen. Die Firma hatte im 1.Q 2020 noch einen Gewinn von 318 Mio Dollar ausgewiesen.

Und die Angst geht weiter in den Ölcamps in den USA und in Kanada um, dass die CORONA- Pandemie auch dort einschlagen wird, zumal die Container-Wohnanlagen ein Leben auf engem Raum und in körperlicher Nähe der Bewohner zu einander bedingen.

Wird einer der Mitbewohner infiziert, ist es unausbleiblich, dass alle anderen auch erkranken. Und die Menschen auf den Bohr- und Förderplätzen, die meist weitab von Städten angelegt sind, wissen aus Erfahrung, was es heißt, dort ernsthaft krank zu werden. Es ist dann nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Leben ernsthaft bedroht. In den USA haben sich inzwischen 39 Mio Beschäftigte arbeitslos gemeldet – in nur 9 Wochen.

Wenn auch in China so getan wird, als sei die CORONA-Pandemie so gut wie überwunden, ist es doch so, dass mit der Wiederaufnahme der Aktivitäten der Industrie und der Wirtschaft auch bisher unbekannte Infektionsträger wieder „unters Volk“ gelangen und eine zweite Welle auslösen können. Die Stadt Wuhan mit 12 Mio Einwohnern wird gerade vollständig auf den CORONA-Erreger getestet, nachdem erste Neuansteckungen vermerkt wurden.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal die USA ja gerade erst am Anfang der größeren Ausbreitung stehen und zumal das US-Gesundheitssystem in keiner Weise auf eine solche Pandemie vorbereitet ist. Besonders in den mittleren und südlichen Bundesstaaten wurde in den vergangenen 20 Jahren das öffentliche Gesundheitswesen kannibalisiert. Jetzt breitet sich in den ländlichen Gegenden in Georgia usw. die CORONA-Pandemie aus und es fehlt an allem. Zum Wochenende werden insgesamt 100.000 Tote in den USA erwartet, bis Ende August 2020 werden weitere 100.000 befürchtet. Diese Volkswirtschaft wird monatelang lahm gelegt werden und ihre Haupt-Handelspartner, wie zum Beispiel Deutschland, werden von den Nachfrageausfällen getroffen werden.

Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen haben bereits zu wirken begonnen. Hinzu kommt die inzwischen zwar geringere aber immer noch deutliche Zunahme der Zahl der Infizierten. Die landesweiten Isolier- und Sperrmaßnahmen und Reisebeschränkungen haben Schlimmeres verhindert. Aber viele Unternehmen haben die Produktion eingestellt, um ihre Mitarbeiter zu schonen und/oder weil der Teilenachschub aus der internationalen Vernetzung aus blieb.

Und die frühe erste teilweise Öffnung der Sperrmaßnahmen ab dem 25.04.2020 war eine sehr riskante Aktion, denn das Ansteckungsrisiko steigt dadurch wieder. Fachwissenschaftler befürchten den Ausbruch einer zweiten „Welle“ größerer Ansteckungszahlen, auch wenn es bis jetzt noch keinen so dramatischen Anstieg der gemeldeten Neuinfektionen gibt.

Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird inzwischen mit einem deutlichen Minus von über 8% erwartet. Die Absagen wichtiger international ausgerichteter Messen und Tagungen in Deutschland tragen ebenso dazu bei, wie die praktisch als Zusammenbruch des Luftverkehrs wirkende Reise- und Einreisesperre, die das Einschleppen weiterer Infizierter verhindern soll. Auch die Hauptzielländer für deutsche Reisende haben ja Einreisesperren verhängt. Die Tourismus- und Reiseindustrie, einschließlich der Kreuzfahrten, ist ein Hauptverlierer.

Die groß angelegten Hilfspakete der Regierung Merkel sollen die Belastungen aus der Situation für Großunternehmen, für den Mittelstand und für kleine Selbständige – aber auch für die Menschen mit Niedriglohn und Teilzeitarbeit – erträglicher gestalten. Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland wird im Jahresdurchschnitt auf 2,5 Mio Personen erwartet, in der Spitze über 3,0. Im Detail haben sich bei der Abwicklung der Hilfspakete manche Hindernisse gezeigt, die kostbare Zeit verschlingen und zusätzliche Pleiten verursachen. Pleiten, besonders im unteren Bereich des Mittelstandes, sind vorprogrammiert und viele, viele Arbeitslose.

Zu den Zahlen der Bohrtürme

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 bei 33% von der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin mit 339 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel, am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Am 24.04. lagen sie 18,06 USD/barrel. Zur Zeit werden 32,80 USD/barrel notiert.

Die OPEC hat mit verstärkten Förderkürzungen und neuen Verhandlungen mit Russland vereinbart, die Ölmenge der stark gefallenen internationalen Nachfrage anzupassen, um einen Preisabsturz des Rohöles zu begrenzen. 10 Mio barrel/Tag Reduzierung kam dabei heraus. Zusätzlich hat Saudi-Arabien, als größter Förderer der OPEC noch deutlich mehr reduziert, um den Ölpreis zu einem Niveau von über 30 USD/barrel WTI zu heben.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weis niemand, wie lange wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen. Inzwischen wird mit einer Dauer von mehreren Monaten gerechnet und erst für 2021/ 2022 wird eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erwartet, ausgehend von dem bis dahin erreichten, stark verminderten Niveau. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann es mehr als 5 Jahre dauern, ehe die Weltwirtschaft wieder einigermaßen „rund“ läuft. Wirtschaftskundler schätzen, dass der Einbruch stärker ausfallen kann, als bei der Weltwirtschaftskrise in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Mai unterschiedlich, da Kanada bereits im März fast alle Ölbohrtürme stillgelegt hatte. Der Löwenanteil der Stilllegungen erfolgte in den USA.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis Mai 2020:

Monat/ Jahrgesamt im Einsatz in NordamerikaUSAKanadaUS Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17117895822046
31.10.17111591320251,94
15.11.17109088919254,27
15.12.17116893023856,64
19.01.18126193632563,72
16.02.18129397531860,74
13.04.181110100811766,74
15.06.181198105913966,6
14.09.181281105522670,3
09.11.181277108119661,59
14.12.181245107117451,2
18.01.191259105020952,32
15.02.191275105122453,34
15.03.191187102616158,34
12.04.19108810226664,47
10.05.1910519886361,99
12.07.19107595811760,27
13.09.19102088613455
11.10.19100285614654,6
08.11.1995781714056,39
06.12.1993779913856,32
03.01.208817968562,8
31.01.20103779024752,95
28.02.20103079024044,67
27.03.207827285421,6
24.04.204914652618,06
22.05.203393182132,8

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika noch 245 Ölbohrtürme und 92 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(138), New Mexico(63), Louisiana (35), Pennsylvania(22), North Dakota(14), Oklahoma(12), West Virginia(8), Ohio (8), Colorado(6) und Kalifornien(5).

Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt die Entwicklung zu geringerem Energieverbrauch wider. Am 07.06.2019 lag der Preis bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Ende Februar wurde er bei 1,75 USD/mmBtu notiert und blieb seither immer unter 2 USD/mmBtu. Am 24.04. wurde er mit 1,815 USD/mmBtu notiert. Zur Zeit er bei 1,71 USD/mmBtu.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mmBtu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA – und in der Folge auch beim Erdgas zu noch größeren Verlustabschlüssen führen. Die Investoren haben begonnen, sich auch aus den LNG-Projekten zu verabschieden, da auch dort keine Rendite zu erwarten ist.

Die internationalen Bohraktivitäten nahmen auch deutlich ab, um 144 Türme auf 915 Bohrtürme.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden. Die weltweite Rezession gewaltigen Ausmaßes entwickelt sich weiter, da die CORONA-Pandemie sich jetzt auch in Mittel- und Südamerika und in Afrika ausbreitet und hohe Todesraten erwarten lässt. Und nicht zu vergessen, die USA haben das Schlimmste noch vor sich, mit einem Präsidenten, der heute schon verkündet, dass im Falle einer zweiten Infektionswelle ein zweiter „Shutdown“ nicht in Frage kommt. Geschäft geht vor Menschenleben. Die Zukunft einer Wiederbelebungsphase steht derzeit völlig ungewiss da. Mit Jahren ist zu rechnen, nicht in Monaten, so auch bei uns in Deutschland.

Wir alle müssen diese Krise erst einmal durchstehen, dann kann die Neuorientierung beginnen und danach der internationale, vernetzte Wirtschaftskreislauf wieder belebt werden. Es ist aber auch bei einigen Produkten deutlich geworden, dass eine nationale zuverlässige Fertigungsbasis in Deutschland unabdingbar ist, denn die nächste Pandemie mit einem Virus aus der CORONA-Viren-Familie wird kommen, die Frage ist nur, wann.

Volker Fritz – im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 23. Mai 2020

Bericht zum Dezember 2019: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Jan 042020
 

Berichtszeitraum 07.12. 2019 bis 03.01.2020

Von unserem Redaktionsmitglied Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 04.01.2020

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme weiter deutlich ab. Im Dezember reduzierte sich die Zahl der im Einsatz befindlichen Türme um weitere 56 Stück. Allerdings sind hier auch Ausstiegszeiten zum Jahresende mit enthalten, weil dann die Bohrfirmen gern ihre Anlagen generalüberholen oder generalchecken lassen. In wieweit dieser Einfluss in diesem Jahr von Bedeutung ist, wird sich an den Zahlen Ende Januar 2020 ablesen lassen. Dann werden generalüberholte Anlagen schon wieder im Einsatz sein. Nach dem derzeitigen Zahlenbild nahm die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um über 30% der Gesamtbohrkapazität ab.

Die Dezember-Abnahme ergab sich durch eine weitere Stilllegung von Ölbohrtürmen in Kanada. Die Zahl der Türme in den USA sank auf 796 und in Kanada auf 53 Stück. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika zunehmend deutlicher unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel und notierten am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel. Derzeit notieren sie bei 62,80 USD/barrel.

Der Drohnen-Angriff der USA in der Nacht vom 02.auf den 03.01.2020 – auf Anordnung von Präsident Trump – führte zur Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani. Damit sind alle bisherigen Überlegungen zu einer möglichen Entwicklung in Nah- und Mittelost unter Einbindung des Irans Illusion geworden. Die Lage hat sich krisenhaft verschärft und die iranische politische Führung hat Vergeltung angekündigt. Bei unglücklichem weiterem Agieren des Präsidenten Trump ist ein Flächenbrand nicht auszuschließen, der für die USA sehr nachteilig werden kann, denn der Iran wird nicht in einem „klassischen“ Krieg gegen die USA antreten, sondern mit vielen Nadelstichen in vielen Gebieten der Erde aktiv werden.

Die OPEC hat am 06.12.19 eine drastische Kürzung der Ölförderung auf ihrer Sitzung beschlossen. 500.000 barrel/Tag sollen in den nächsten Monaten weniger produziert werden. Man will die Marktpreise nach oben stabilisieren. Nach Abschätzungen der IEA (Intern. EnergieAgentur) produziert die OPEC zur Zeit über dem internationalen Bedarf und das drückt die Ölpreise. Allerdings reicht die beschlossene Kürzung nach Ansicht der IEA nicht aus um die Überproduktion zu beseitigen. Dazu müsste noch stärker reduziert werden, zumal der weltweite Rohölbedarf in der ersten Hälfte 2020 ebenfalls abnehmend beurteilt wird.

Die IEA hält es für möglich, dass beide Einflüsse auf den Rohölpreis sich im Ende aufheben werden und dass die Preiserhöhungsabsicht der OPEC ins Leere laufen könnte. Zudem bleibt zu bedenken, dass die USA die Rohölförderung ganz kurzfristig durch die Fracking-Förderung im Volumen erhöhen können, wenn die Weltmarktpreise wieder Gewinne erlauben, während die OPEC in dieser Hinsicht vergleichsweise schwerfällig ist.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im November unterschiedlich, wobei Kanada mit der starken Rücknahme seiner Ölfördertürme im Einsatz den Löwenanteil des Rückganges im Dezember verursachte.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März bis Dezember 2019:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
30.09.17 1155 935 220 52,13
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
30.11.17 1123 915 208 56,18
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
16.03.18 1209 990 219 60,85
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
13.07.18 1251 1054 197 70,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
12.10.18 1258 1063 195 71,31
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
07.06.19 1078 975 103 51,7
12.07.19 1075 958 117 60,27
09.08.19 1074 934 140 52,31
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32
03.01.20 881 796 85 62,8

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 697 Ölbohrtürme und 181 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(403), New Mexico(104), Louisiana (58), North Dakota(50), Oklahoma(51), Wyoming (25), Pennsylvania(24), Colorado(22), Kalifornien (14), West Virginia(16) u. Ohio(11).

Den etwa 20%igen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und wird zur Zeit bei 2,130 USD/mmBtu notiert, das bedeutet zunächst weiterhin „ruhiges Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mm Btu im Henry Hub erzielen.

Aber: der Mordanschlag auf den iranischen General birgt so viel politische Brisanz in sich, dass alle bisherigen Entwicklungen – besonders im Rohölmarkt – in nächster Zeit eine völlig andere Richtung und Dynamik entwickeln, als das bisher vorstellbar schien.

Die internationalen Bohraktivitäten verringerten sich um 34 Türme. 1.096 Bohrtürme werden weltweit im Dezember 2019 im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet. Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand, jedoch mit dem Vorbehalt, dass Persien Aktivitäten entwickeln wird, um den USA auf den verschiedensten Gebieten zu schaden. Das kann zur Folge haben, dass auch die Länder der EU in diesem Konflikt Stellung beziehen müssen, was sie bisher wachsweich vermieden haben.

Am 14.09.2019 erfolgte der Raketenangriff auf die größte der saudischen Raffinerien, der zu dem Ausfall von über 50% der saudischen Ölproduktion führte. Der Iran wird als Verursacher angesehen. Am 11.10.2019 erfolgte der „Zwischenfall“ im Roten Meer vor der saudischen Küste, nahe Dschidda. Ein iranischer Tanker wurde, nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna von 2 Raketen getroffen und 2 Laderäume wurden beschädigt. Das Schiff blieb aber manövrierfähig und hat mit geändertem Kurs das Rote Meer verlassen.

Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden, denn er hat sich großsprecherisch als „Friedenspräsident“ gegenüber seinen Stammwählern vorgestellt, der „unsere amerikanischen Jungs“ nach Hause holt. Nun muss er auch liefern. Doch Trump hat wiederholt dem Iran gedroht und Stimmung gemacht. Wegen der Botschaftsbedrohung in Bagdad hat Trump zusätzlich Tausende US-Soldaten in den Nahen Osten und nach Saudi-Arabien verlegen lassen, um die US-Präsenz wieder zu verstärken. Nun hat Trump am 02.01.2020 agiert und damit zugleich seine Position in dem Konflikt entscheidend geschwächt, denn gegen 80 Mio Iraner kann er einen offenen Krieg kaum mit einfachen Mitteln gewinnen.

Die Rohölspekulanten warten nur auf die erste Chance, um die Preise massiv anzuheben, obwohl es noch keine Ölknappheit gibt. Der aktuelle Rohölpreis in den USA mit 62,80 UDS/barrel für WTI-Öl zeigt, dass es noch keine wirkliche Verknappung gibt.

Volker Fritz im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 4. Januar 2020