Jun 212020
 

Geplante großflächige Zulassung der Fracking-Förderung von Erdgas würde Notlage noch erheblich verschärfen.

Volker H.A. Fritz – den 20.6.2020

An den Umweltminister von Niedersachsen, Herrn Olaf Lies
c/o Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz
30169 Hannover
per e-mail: minister@mu.niedersachsen.de
poststelle@mu.niedersachsen.de

Sehr geehrter Herr Minister Lies,

namens unseres Arbeitskreises nehme ich zu Ihren Warnungen und Ihrer Aussage, dass der Klimawandel schon da sei, dass es aber künftig noch schwieriger werden könnte, aus der Sicht des Widerstandes gegen die Fracking-Förderung Stellung.

Auch wir haben schon vor zwei Jahren bemerkt, dass Gutachten zur Wassernutzung den sehr hohen Nutzungsgrad unseres Grund- und Oberflächenwassers erwähnten und davor warnten, die Wassernutzung in Deutschland noch weiter zu intensivieren. Das könne, bei nachlassenden jährlichen Niederschlagsmengen dann schnell zu Problemen führen.

Jetzt werden die Auswirkungen, insbesondere der großen Agrarberegnungsmengen, bei gleichzeitigen mäßigen bis geringen Niederschlägen, deutlich erkennbar. Die Grundwasserspiegel sinken ab. Und dann droht da immer noch das Projekt „Fracking-Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Vorkommen in Deutschland“ mit riesigem zusätzlichem Grundwasserbedarf.

Wir beobachten äußerst aufmerksam die Tätigkeit – oder besser Untätigkeit – der „Expertenkommission Fracking“ gemäß § 13a Abs. 6 S. 1 WHG , die ja durch wissenschaftliche Begleitung der 4 genehmigten Versuchsbohrungen mit Frackinganwendung im Schiefer-, Ton-, Mergel- oder Kohleflözgestein zu erweiterten Erkenntnissen unter deutschen Bedingungen kommen sollte. Unser Eindruck ist, dass hier ein abgekartetes Spiel läuft, an dessen Ende diese Kommission dem Bundestag die Aufhebung des Fracking-verbotes „empfehlen“ wird. Und die Große Koalition in Berlin dürfte das mit ihrer Mehrheit auch 2021 beschließen.

Thema riesiger zusätzlicher Wasserverbrauch in Niedersachsen

Und was bedeutet das für die Grundwasserverfügbarkeit zur Trinkwassererzeugung und Nutzung in der Landwirtschaft – besonders für das Hauptförderland Niedersachsen?

Riesige Mengen sauberen Grundwassers werden bei der Anwendung der Fracking-Förderung benutzt und kontaminiert. Und anschließend -aus Kostengründen – werden wiederum große Mengen des anfallenden Produktionswassers durch Hochdruck-Verpressung in den tiefen Untergrund „entsorgt“, wo sie eine permanente Gefährdung des trinkbaren Grundwassers sind.

Die Firma ExxonMobil hat für die Fracking-Erdgasförderung allein in Niedersachsen über 30.000 neue Bohrungen projektiert, die sie nach Aufhebung der Fördersperre abteufen will. Insgesamt sind 133 „Förderfelder“ der Kantenabmessung 10 x 12 km und mit je 240 Bohrungen auf Clusterfeldern mit je 20 Bohrungen vorgesehen. Jede einzelne Bohrung wird nach der horizontalen Ablenkung mit bis zu 30.000m3 Fracking Fluid beaufschlagt mit Drücken bis 1.500 bar. Über 95% davon bestehen aus Wasser.

Ist ein „Förderfeld“ zur Förderung gebracht worden, muss bereits nebenan mit dem Aufschluss für das nächste begonnen werden, weil die Erdgasmengen in den „unkonventionellen“ Vorkommen nur gering sind und sich schnell erschöpfen. Es muss dann ständig neu gebohrt und gefrackt werden, um eine etwa gleichbleibende Förderleistung übers Jahr zu ermöglichen.

Für ein „Förderfeld“ werden gewaltige 7.200.000 m³ Frischwasser benötigt und dem Wasserkreislauf zugleich wegen der zugesetzten giftigen Chemikalien entzogen. Für die projizierte Gesamtzahl der Förderfelder kämen so 958 Millionen m³ Wasserverbrauch über die Jahre zusammen.

Eine riesige durchgehende Fläche von etwa 60 x 265 km würde so im Untergrund durchwühlt und gefrackt werden. Und Sie können, sehr geehrter Herr Minister Lies, voll und ganz auf die Erfahrungen in den USA bauen, wo -zig Tausende Brunnen durch Fracking verdorben wurden. Ähnliches ist dann auch bei uns zu erwarten, wenn auch möglicherweise in abgeschwächter Form. Von den Erdbeben, verursacht durch Fracking, Förderung und Verpressung der Abwässer, möchte ich hier nicht weiter ausführen. Auch sie werden verstärkt auftreten.

Thema Grundwassergefährdung durch zusätzliche Verpressung von Abfallwasser

Und dann fallen etwa 4.300.000 m³ Rücklaufwasser je Förderfeld an, die mit der anschließenden Förderung zusammen hochkommen und in „Verpressbohrungen“ entsorgt werden müssen. Es ist längst bekannt, dass derart verpresste Rücklaufwässer nicht stationär im Bereich der Verpressbohrung verbleiben, sondern dass sie sich im Untergrund bewegen, je nach dem, wo sich eine Ausdehnungsmöglichkeit ergibt.

Somit können sie auch entlang aufgegebener Bohrungen oder durch aufgebrochene Gesteins- schichten (entstanden durch die ungeheuren hydraulischen Kräfte beim Hochdruckfracking) nach oben aufsteigen, bis in den Bereich des trinkbaren Grundwassers, von dem wir leben. Das besonders Gefährliche dabei ist, dass diese verpressten „Zeitbomben“ im Untergrund auch Jahrzehnte nach der Beendigung der Verpressung und Verschließung der Bohrung ihre Gefährlichkeit nicht verlieren.

Sie sind heute, sehr geehrter Herr Minister Lies, in der bemerkenswerten Lage, einem Ministerium vorzustehen, das einerseits die Umwelt und andererseits die Energie in seinem Arbeitsfeld verwaltet.

Thema Fracking vermeiden zum Klimaschutz

Nutzen Sie bitte diese Möglichkeit, die klimabezogen völlig falsche Absicht der Bundesregierung und der Förderkonzerne auszubremsen, die Fracking-Förderung in Niedersachsen, dem geplanten Haupt-Fracking-Förderland, durch gezielte Parlamentsbeeinflussung in Berlin „durchzuwinken“. Unser Ziel muss es vielmehr sein, den Ausbau der Windkraft und der Solarkraft bei uns massiv zu beschleunigen, anstatt wie bisher durch vermehrt eingebaute Hemmnisse abzubremsen, zum Vorteil der „alten“ fossilen Energien.

Jetzt, sehr geehrter Herr Minister Lies, haben Sie öffentlich vor dem bevorstehenden Wasser-mangel in Niedersachsen gewarnt und Vorschläge zur Wassereinsparung für demnächst angekündigt. Es wäre wünschenswert, dass Sie ebenso große Besorgnis ob der riesigen Wassermengen äußern würden, die durch ausgedehntes Fracking in Niedersachsen für die Nutzung durch Mensch und Landwirtschaft verloren gingen, da sie ja nicht wieder in den Wasserkreislauf eingeschleust werden können.

Thema Gesundheitsgefährdung der Anwohner

Und dann erinnern wir Sie aus diesem Anlass daran, dass die gehäuften rätselhaften Krebserkrankungen von Anwohnern der Förderschwerpunkte Rotenburg, Hemslingen/Söhlingen und Rodewald (SG Steimbke) nach wie vor nicht geklärt sind. Es bestehen dringende Verdachtsmomente, dass die dortige Kohlenwasserstoff-Förderung der Verursacher ist.

Es wäre umweltpolitisch unverantwortlich, die Fracking-Erdgasförderung zuzulassen, so lange nicht definitiv ausgeschlossen werden kann, dass es an der Förderung lag. Bodenproben an verschiedenen Förderplätzen haben jedenfalls überall erhöhte Quecksilberwerte und teils auch Benzol enthalten. Sie sind ein klarer Beleg dafür, dass es Emissionen bei der Förderung und Aufbereitung gibt. Hier auf „zulässige“ Grenzwerte zu verweisen ist Augenwischerei. Und, es wird Sie nicht wundern, die gleichartigen Erkrankungen wurden auch in den USA und in Kanada in Gebieten intensiver Förderung und Aufbereitung von Kohlenwasserstoffen festgestellt. Ja, seltsam, niemand bei uns in den Ministerien und Ämtern, im Landesbergamt und nicht bei den Förderunternehmen, will daraus einen Zusammenhang erkennen können.

Gern würden wir dazu von Ihnen hören.

Mit freundlichen Grüßen,

für den Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land
Volker Fritz (Mitglied im bundesweiten Zusammenschluss Gegen Gasbohren)

 Veröffentlicht von am 21. Juni 2020

Sauberes Erdgas? Erdgasförderung in der Altmark zu DDR-Zeiten: Hunderte vergiftete Arbeiter!

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Jun 212016
 

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In der Sendung „EXAKT“ des MDR am 15.06.2016 wurden die zwei ehemaligen Mitarbeiter des VEB Erdgas Salzwedel, Wienhold Weber und Klaus Stajenski interviewt und ihre Schicksale vorgestellt, sowie die menschenverachtenden Produktionsmethoden des VEB Erdgas Salzwedel. Die hohen Belastungen der Arbeiter durch Quecksilber und Quecksilberdämpfe, Blei, Cadmium und Arsen sowie durch das frei werdende Benzol führten zu schwersten Erkrankungen und bei vielen Kollegen zum frühzeitigen Versterben.
Bereits über 130 ehemalige Betriebsmitarbeiter des VEB sind frühzeitig verstorben, viele andere leiden an ihren Vergiftungen und den Folgeerscheinungen. Sie werden heute von den Kommunen und Behörden allein gelassen und mühen sich vergeblich um Anerkennung. Ein ursächlicher Zusammenhang der Erkrankungen der noch Lebenden, mit ihrer Tätigkeit beim VEB im Betrieb, wird von der zuständigen Berufsgenossenschaft nicht gesehen. Die in den Körperflüssigkeiten nachgewiesenen
Metalle könnten ja auch woanders her stammen. 

In dem 7-minütigen Streifen wird mit alten Filmaufnahmen aus dem Betrieb verdeutlicht, dass die Arbeiter völlig ungeschützt tätig waren, dort wo heute Mitarbeiter nur in schweren Schutzanzügen arbeiten dürften. Erdgas ist eben kein sauberer, sicherer Brennstoff, sondern muss erst aufwändig aufbereitet werden.

Volker Fritz

http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/stendal/quecksilbervergiftung-100_zc-84111809_zs-41442984.html

Veranstaltung der DUH (Deutschen Umwelt Hilfe) mit dem Ecologic Institute, Washington, USA, am 11.09.15 in Rotenburg

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Sep 152015
 

Camera

Samantha Rubright, MPH, CPH, Manager of Communications & Partnerships, FracTracker Alliance zusammen mit Volker Fritz vom AK Fracking Braunschweiger Land

 

Versuch mit dem Fracking-Widerstand ins Gespräch zu kommen

Etwa 50 Personen nahmen an dem von der DUH im Ratssaal von Rotenburg veranstalteten Treffen mit Vorträgen zum Thema „Gesundheitsgefahren durch die Öl- und Gasförderung“ teil, darunter die Mitglieder zahlreicher BIs von Gegen Gasbohren aus der Region, aber auch sogar aus Hamburg, Südost-Niedersachsen und Hessen.

Der in den Einladungen der DUH betitelte Zweck des Gedankenaustausches zwischen US-Experten und Fracking-Widerständlern in Deutschland konnte nur bedingt erfüllt werden, da der Vertreter des “Ecologic Institute” aus Washington nur über allgemeine Kenntnisse zum Thema verfügte. Seine Organisation bezeichnet sich als „Denkfabrik“, die bei Transformationsprozessen im Energiebereich begleitend und beratend tätig wird. Er berichtete, dass in den USA zu Gesundheitsfolgen der Fracking-Förderung bisher kaum belastbare Ergebnisse vorlägen und dass die Erforschung von seltenen Krebsen gar noch ganz am Anfang stehe. Er hatte sich zwei junge Leute der US-Organisation „Frac-Tracker Alliance“ mitgebracht, die Informationen und Daten über die Fracking-Aktivitäten in den USA gesammelt, bewertet und veröffentlicht haben.

Über ihre Organisation, die aus dem Hochschulbereich in Pennsylvania kommt und dann ausgegliedert wurde, führten beide Referenten aus, dass sie politisch und wirtschaftlich neutral tätig sei. Frac-Tracker betrachte sich als wissenschaftlichen Begleiter der Fracking-Förderung in den USA, nicht als Fracking-Kritiker. Beide Referenten von Frac-Tracker haben an Erfassungs- und Bewertungs-aktionen vor Ort in Pennsylvania und in Kalifornien teilgenommen, so ihre Ausführungen.

Der Ecologic-Repräsentant übersetzte deren Vortragsinhalte ins Deutsche.

In der Diskussion nach ihren Vorträgen zeigte sich dann aber schnell, dass ihnen Wissen in der Breite fehlte. Sie verwiesen immer wieder auf die auf der homepage von „Frac-Tracker Alliance“ öffentlich zugänglichen Statistiken und Untersuchungsergebnisse, die man dort abrufen könne.

Auf unsere Fragen zu Kalifornien und der dortigen Dürre bekamen wir die Antwort, dass dort trotzdem weiter gefrackt und Wasser dafür in erheblichem Umfang verbraucht werde.

Kathrin Otte vom Gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkranke (GENUK) e.V., das ebenfalls Mitglied bei „Gegen Gasbohren“ ist, stellte in ihrem Vortrag die Schwerpunkte bisher bekannt gewordener Gesundheitsschädigungen von Anwohnern und Mitarbeitern deutscher Fördergebiete vor.

Die gehäuft aufgetretenen seltenen Krebsarten bei Männern im Fördergebiet Rotenburg/Wümme, speziell in der Samtgemeinde Bothel und im Stadtgebiet Rotenburg, sind ernstzunehmende Hinweise, dass es einen Zusammenhang mit der dortigen langjährigen Erdgasförderung geben könnte.

Der eindeutige Beweis muss nun erbracht werden. Zeitraubend und erschwerend dabei ist , dass krebsauslösende Substanzen erst nach einer langen Inkubationszeit zu Krebsbildungen im Körper führen. Zehn und mehr Jahre können vergehen, ehe der Krebs sich manifestiert. Nur bei Kindern kann es auch eher sein.

Um einmal die richtige Relation der Krebshäufungen darzustellen, zeigte Frau Otte eine Folie mit der Häufigkeit hämatologischer Krebserkran-kungen von Männern pro 100.000 Neuerkrankungen für verschiedene Regionen. Und da stehen dann die SG Bothel und das Stadtgebiet Rotenburg, vor Sottrum, ganz oben, auch im internationalen Vergleich (siehe Abbildung).

K.Otte_14.09.15_Inzidenz hämatologische Erkrankungen Männer aus Vortrag Rotenburg-1_11.09.15

K.Otte_14.09.15_Inzidenz hämatologische Erkrankungen Männer aus Vortrag Rotenburg-1_11.09.15

Erhöhte Krebszahlen des blutbildenden Systems wurden auch in der Nachbarschaft eines Kohlenwasserstoff-Verarbeitungszentrums in Alberta, Kanada, festgestellt, wo Anwohner mit den Emissionen zu kämpfen haben.

Ferner berichtete Kathrin Otte auch über die Erlebnisse vieler Betroffener in der Altmark in Sachsen-Anhalt im ehemaligen Fördergebiet Salzwedel. Zu DDR-Zeiten war dieses Gebiet die zweitgrößte europäische Erdgas-Förderregion. Die hochgradigen Quecksilbervergiftungen vieler Mitarbeiter, in Verbindung mit der gleichzeitigen hohen Belastung durch Schwermetalle und Radionukleide, führte zu stark verringerten Lebenserwartungen mehrerer hundert Mitarbeiter des Förderbetriebes, verbunden mit mehr oder minder schweren Erkrankungen mit zunehmendem Alter. Mehr als 130 dieser Personen sind bereits verstorben.

Seitens der DUH wurde das Interesse an einem weiteren Meinungsaus-tausch allgemein geäußert, um eine bessere Vernetzung zu erreichen. Die bereits bestehende Vernetzung im Zusammenschluss „Gegen Gasbohren“ wurde dabei ignoriert.

 Veröffentlicht von am 15. September 2015
Okt 152013
 

verkrüppelte Hand nach Quecksilbervergiftung

Quecksilber-Vergiftungen rufen schwere neurologische Schädigungen hervor: Verkrüppelte Hand nach Quecksilbervergiftung
Foto: „Tomoko’s hand“ von W. Eugene Smith in 1971; Copyright Aileen Archive.

Es ist etwas im Gange…
Das Quecksilber steigt im Boden wie Wasser,
das im Bohrloch eines Brunnens emporklettert.

Enoch in Neil Stephensons Quicksilver

Die Giftigkeit von Quecksilber ist seit der Antike bekannt. Dennoch kam für das Schwermetall erst Ende der 1950er-Jahre die Zeit der Aufklärung, als massenhaft schwere Vergiftungen durch die quecksilberhaltigen Abwässser der Chisso Chemiefabrik im japanischen Minimata aufgetreten waren. Jetzt, 50 Jahre später, haben die Vereinten Nationen ein Internationales Quecksilber-Abkommen verabschiedet. Dieses internationale, Minimata-Abkommen genannte Papier zur Reduzierung der globalen Quecksilberemissionen ist am Donnerstag bei einer Konferenz im japanischen Minamata verabschiedet worden. Mit ihm soll der globale Quecksilber-Ausstoß in die Umwelt drastisch reduziert werden.

Rund 1960 Tonnen Quecksilber entweichen jährlich in die Luft, hat die UN ermittelt und sagt gleich dazu, dass es auch wesentlich mehr sein könnte. Das Abkommen schreibt jetzt verbindliche Kontrollen und Vermeidung von Quecksilber in einer Reihe von Anwendungen vor, wie z.B. in Thermometern, Energiesparlampen, Goldminen, bei der Verfeuerung von Kohle und bei der Zementherstellung, und wird voraussichtlich in wenigen Jahren in Kraft treten, so die UNEP.

Was hat das alles mit Gasbohren zu tun?

Brennende Gasfackeln in Nigeria

Brennende Gasfackeln (Foto: Wikimedia)

Beim Raffinieren von Rohöl sowie bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas beim Endverbraucher werden pro Jahr lt. UN ca. 9,9 (4,5 – 16,3) Tonnen Quecksilber in die Luft abgegeben, wie dem Global Mercury Assessment 2013: Sources, emissions, releases, and environmental transport (Seite 6) zu entnehmen ist. Der Quecksilberanfall aus Teilen der Kohlenwasserstoffindustrie (Kohle, Öl und Gas) wurde erstmalig 2010 in das Inventar aufgenommen und findet sich im 2013er-Report überhaupt zum ersten Mal.

Nicht enthalten sind in diesem Wert die weiteren Quecksilberemissionen, die bei der Produktion (Förderung; Gewinnung) und beim Transport der Kohlenwasserstoffe Öl und Gas sowie beim Abfackeln anfallen. Dass bei der Gasproduktion und seiner Aufbereitung Quecksilber in besorgniserregenden Mengen anfällt, ist bekannt. Einige Erdgaslagerstätten im norddeutschen Becken (z.B. Hemslingen/Söhlingen) weisen mit 700–4400 µg/m³ Rohgas (Zettlitzer 1997) die weltweit höchsten Quecksilbergehalte auf.

Der folgende Anwohnerbericht aus dem Gebiet von Visselhövede bringt eine ganze Reihe unbeantworteter Fragen aufs Tapet:

Von jeder Erdgasbohrstelle [Hemslingen-Söhlingen] führt eine eigene Gasleitung zu der Entquickungsanlage in Bellen. Mittels Durchleitung durch Aktivkohlefilter wird [dort] das Quecksilber aus dem Erdgas entfernt. …

Bei allen Bohrstellen wird ein Abfackelvorgang erforderlich, der ca. 2 Wochen andauert. Während dieses Abfackelns wird mit großem Druck, hoher Geräuschentwicklung, sehr hohen Temperaturen und großer Flamme jeweils eine große Menge Erdgas verbrannt, die noch nicht von Quecksilber befreit wurde. — Welche chemischen Vorgänge passieren? — Entstehen dabei Quecksilberoxide oder andere Schadstoffe, die in die Umwelt gelangen?

Wo bleiben diese Schadstoffe beim Abfackeln? — Werden sie gemessen? — Wird der Vorgang überwacht? — Wie groß sind die Mengen verbrannten Gases, ausgestoßenen CO2, zerstäubten Quecksilbers oder -oxids?

In den Bohrwässern, von den Einzelbohrstellen mit 40-Tonnern TLW abgefahren, befindet sich neben den üblichen Schadstoffen aus dem Feld Hemslingen-Söhlingen zusätzlich noch der ungefilterte Anteil Quecksilber. Diese Bohrwässer, nun Lagerstättenwasser genannt, werden nach dem Versiegen der Gasförderung und nach dem dort praktizierten Fracking in Grapenmühlen Z1 und anderen Altbohrungen versenkt.

All diese unbeantworteten Fragen stehen den Betreibern der Bohr- und Versenkstellen und den genehmigenden Behörden nach wie vor ins Haus. Unverständlich bleibt bis heute, warum diese Emissionen der E&P-Industrie immer noch nicht im Umfang z.B. der Aarhus-Konvention oder auch in Erfassungssystemen wie Thru.de enthalten sind. Außerdem muss darauf gedrängt werden, dass auch diese beschriebenen Quecksilberquellen — das Abfackeln, der Transport von Produktionsabwässern und deren Verpressung in den Untergrund — in das Quecksilberinventar der Vereinten Nationen [PDF, 32 MB] Eingang finden und Vorkehrungen zur Vermeidung dieses Schwermetalleintrags in die Umwelt getroffen werden.

Seit vor über 50 Jahren in Minimata die Kinder mit Quecksilber vergiftet wurden, ist dieser Übeltäter bekannt. Es ist unbegreiflich, dass nach wie vor Teile der Industrie hier offensichtlich Narrenfreiheit haben und mit diesem Gift herumschludern können, wie es ihnen beliebt, und die Kosten, die dadurch entstehen, von der Allgemeinheit zu tragen sein sollen.

 Veröffentlicht von am 15. Oktober 2013
Mai 212012
 

Hört euch das mal an!
Bisher werden mehrere zig Millionen Liter radioaktiver, toxischer oder krebserregender Stoffe einfach in den Boden gepresst und das soll erlaubt sein. Die Politik muss die Industrie einfach stärker kontrollieren!

Bei der Förderung von Öl und Gas fallen gigantische Mengen giftiger Abwässer an. Entsorgt werden diese Stoffe oft dadurch, dass sie einfach wieder in den Boden oder ins Meer gepumpt werden. Die Opposition im Bundestag will das Thema nun stärker auf die Tagesordnung bringen.

Quelle:
Giftige Rohstoffe in Meer und Boden – Opposition kritisiert Umgang mit Abfällen der | Umwelt und Verbraucher | Deutschlandfunk.

Apr 042012
 

… und genau deshalb haben wir uns dem von Exxon initierten Dialogprozess verschlossen. Der Tagesspiegel berichtet, dass die von Exxon bezahlten Wissenschaftler keine nennenswerten Gefährdungen durch die Frackingtechnologie erwarten, im gleichen Atemzug betonen sie aber immer wieder:  Wenn als richtig gemacht wird und die Aufsichtsbehörden richtig kontrollieren. Das darf man in Deutschland wohl nicht viel erwarten, wie es es sonst zu erklären, dass seit über 20 Jahren bekannt ist, dass PE Rohre nicht für die Durchleitung von Kohlenwasserstoffen geeignet sind, diese aber trotzdem Verwendung gefunden haben und nun kilometerlange Leitungen ausgetauscht werden müssen!

Eine offizielle Stellungnahme, ob Fracking eine beherrschbare Technik ist oder nicht, will der Expertenkreis am 25. April präsentieren. In Gesprächen zeichnet sich bereits eine Tendenz ab: Sofern die Anlagen nach dem heutigen Stand der Wissenschaft eingerichtet und betrieben werden, seien die Risiken vertretbar.„Die Gasfirmen werden alles tun, um Pannen zu vermeiden“, sagt der Toxikologe Ewers. „Andernfalls wäre das ohnehin geringe Vertrauen verspielt und die Technik erledigt

Quelle:
Shale Gas: Gefährliches Gemisch – Wissen – Tagesspiegel.