Apr 022012
 

Wurden nicht gerade erst 700km Leitungen in Niedersachsen auf Forderung des LBEG von den Betreiberfirmen überprüft? Und die Konzerne haben einen Bruchteil (in Erinnerung 29km) davon als fehlerhaft gemeldet. Es ist wohl doch ein wenig mehr. So läuft das, wenn man den Bock zum Gärtner macht. Wer überprüft denn die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser ursprünglichen Meldung? Folgende Meldung kommt heute vom Landesbergamt Niedersachsen. Diesmal sind es wieder Exxon Rohre.

Dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) wurde die Stilllegung einer Lagerstättenwasserleitung aus Polyethylen (PE) im Erdölfeld Nienhagen der ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG) mitgeteilt. Die Lagerstättenwasserleitung E4020 befindet sich zwischen den Bohrungen Elwerath 51 und Elwerath 29 in den Gemeinden Adelheidsdorf und Nienhagen im Landkreis Celle.

Das in der Leitung transportierte Lagerstättenwasser hat einen relativ hohen Benzol-Gehalt. Aus diesem Grund wurde die Trasse im Rahmen der Anordnung des LBEG von April 2011 ergänzend zu den bisherigen Untersuchungen detailliert überprüft. Nach dem von einem unabhängigen Gutachter übermittelten Ergebnis der Analyse wurden an zwei Stellen erhöhte Werte für Benzol im Boden festgestellt. Nach den Festlegungen der Anordnung des LBEG war die Leitung deshalb stillzulegen.

Eine detaillierte Stellungnahme des Gutachters steht noch aus. Das weitere Vorgehen wird auf Basis der Stellungnahme mit den zuständigen Wasser- und Bodenschutzbehörden abgestimmt.


Mrz 292012
 
Das ist auch mal wieder typisch. Nachdem Anfang 2011 festgestellt wurde, dass es durch undichte Polyethylenrohre aromatische Kohlenwasserstoffe entweichen konnten, hat man Exxon erst 1 Jahr später die Verwendung dieser Rohre untersagt. Aber wir Bürger müssen uns keine Gedanken machen, angeblich  hat zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden. Fragen stellen wir uns aber wohl!
  • Warum darf sich die Industrie hier wieder selbst kontrollieren?
  • Warum werden die Sanierungsmaßnahmen nicht von staatlicher Stelle geleitet und die Kosten der Firma übertragen?

Hier ein Auszug aus der NW-Zeitung.

Im Bereich der Erdgasförderstellen von Exxon Mobil im Raum Hengstlage/Westerburg/Charlottendorf werden in den kommenden Wochen vorbereitende Arbeiten zur Räumung des im Februar außer Betrieb genommenen Lagerstättenwasserleitungssystems vorgenommen. Zugleich werden die im vergangenen Jahr festgestellten Verunreinigungen des Erdreichs eingegrenzt und die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen in Abstimmung mit den zuständigen Behörden festgelegt. Es geht um die Beseitigung der „Altschäden“, die Anfang 2011 im Zuge der Leitungsüberprüfung festgestellt wurden. Wie die NWZ  berichtete, waren lokal begrenzte Verunreinigungen durch aromatische Kohlenwasserstoffe festgestellt worden. „Eine Gefährdung für das Umfeld besteht und bestand nicht“, so Exxon-Sprecher Hans-Hermann Nack. Deshalb wurde der Betrieb der problematischen Leitungen noch für ein Jahr von den Behörden genehmigt. Jetzt aber ist Schluss.

Quelle:
Umwelt Hengstlage: Exxon gräbt alte Leitungen aus – NWZonline.de.

Mrz 142012
 

Die CDU in Schwerte diskutierte im Rahmen eines Diskussionsforums über die Gefahren der Frackingtechnologie.

Auf Fracking in Trinkwasserschutzgebieten zu verzichten ist eine Position, die der Bund der Energiewirtschaft vertritt, dem 1800 Unternehmen angehören. Bislang liegt aber noch kein Gesetz vor, dass dieses Verfahren untersagt, ging aus den Erläuterungen von Ulrich Peterwitz hervor. Erst Mitte des Jahres werde die Landesregierung das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten vorstellen, das sich mit Fracking befasst. Man gehe davon aus, dass die Ergebnisse maßgeblich die Haltung des Landes zum künftigen Umgang mit Fracking bedingen werde, meinte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft.Bei der Diskussionsrunde gehörte allerdings nicht ein Vertreter von Wintershall, sondern Manager Klaus Angerer von BNK. Dieser in Kanada beheimatete Konzern will vornehmlich im Sauerland forschen, ob es dort Lagerstätten von Gas in Schiefergestein gibt und sich eine Förderung auch wirklich rechnet.Angerer erklärte, dass – anders als in den USA – die Zahl der Fördertürme sehr gering gehalten werde. Die chemischen Substanzen seien unbedenklich und das Abwasser werde den Vorschriften nach entsorgt.Peterwitz bezweifelte die Aussagen von Angerer, die er in ähnlicher Form auch von anderen Konzernen schon gehört habe. Vor allem der Vergleich, wonach die chemischen Mittel Küchenreiniger ähneln würden, bezweifelte er doch sehr. Um das Gestein, das in 1500 oder 2000 Meter Tiefe liege, aufzubrechen, könne man auf „gewisse Zusätze nicht verzichten“. Solche Beigaben könnten dann durchaus gesundheitsgefährdend sein.Große Fragezeichen setzt Peterwitz auch hinter die Entsorgung des Abwassers, das beim Fracking entsteht. Es sei schwermetallhaltig und unter Umständen auch radioaktiv belastet. Bedenklich stimme auch die Eile, die manche Konzerne geboten sehen, meinte Peterwitz. Die Gasvorräte reichen nach seinen Worten noch über 100 Jahre, von Knappheit könne aktuell keine Rede sein.

Quelle:
Chemie-Cocktail beunruhigt die Bürger | DerWesten.

Mrz 082012
 

 

Conrad informierte vorab über die gestern verkündete Anordnung der Stilllegung von 22 Kunststoffleitungen für Lagerstättenwasser in Niedersachsen. Im April vergangenen Jahres war die Überprüfung der Leitungen angeordnet worden, im Dezember war dann ein Benzolaustritt im Bereich Völkersen festgestellt worden. Was mit den im Erdreich befindlichen Leitungen zu passieren hat, dazu haben Ministerium und Bergamtbislang keine Aussage getroffen. „Dies muss noch im Detail entschieden werden“, erklärte Söntgerath.

Dem Thema Diffusion habe man sich zu wenig gewidmet, räumte der LBEG-Mitarbeiter auf Nachfrage ein, dies könne aber auch nicht die einzige Ursache für den Benzolaustritt sein sein. Dafür seien die Konzentration an Benzol zu hoch, das passe nur zu einer Diffusion über 250 Jahre, so Söntgerath.

Durch Leitungen ist Benzol ins Erdreich gelangt, aber die Bürgerinitiative „No Fracking“ fragt sich auch: Was wurde bei dem jahrelangen Abfackeln freigesetzt?

Die RWE und anderen Konzerne dürfen machen was sie wollen, monierte ein Gast. Söntgerath wies darauf hin, dass auch das Abfackeln genehmigungspflichtig sei – wenn es dauerhaft erfolgt, kurzfristiges Abfackeln dagegen nicht.

„Und was ist kurzfristig?“, so die Nachfrage aus dem Publikum. Söntgeraths Antwort sorgte für Gelächter: „Weniger als ein Jahr.“ ·

Quelle:
„Dies muss noch im Detail entschieden werden“ – Langwedel – Lkr. Verden – Lokales – Kreiszeitung.

Feb 192012
 

Als sich die Interessengemeinschaft gegen-Gasbohren.de im September 2010 gründete, fiel uns zu erst auf,dass es zwischen den Behörden und der Politik auf der einen Seite und der Industrie auf der anderen Seite eine „merkwürdige“ Zusammenarbeit gab. Folgende Dinge haben uns alarmiert:

  • Auf Info-Veranstaltungen wurden identische Folien einmal mit dem Logo des Landesbergamt und der Firma ExxonMobil gezeigt. ^1
  • Das Landesbergamt verschickt einen Werbeflyer des Erdgasverbandes an von Probebohrungen betroffener Bürgermeister. Dieser Flyer soll zur Versachlichung dienen. ^2
  • Jürgen Döschner, Wirtschaftsjournalist vom WDR berichtet uns auf einer Informationsveranstaltung, dass ein Erdgasförderunternehmen bis zu 2000 Tonnen radioaktive Abfälle  jährlich aus der Erdgasförderung ohne Meldezwang entsorgen kann. Er zweifelte zumindest an, ob diese Grenze nicht schon überschritten ist. Eine staatliche Kontrolle findet derzeit nicht statt. ^3
  • Der Bundesumweltminister zieht für das Gutachten welches im Sommer diesen Jahres veröffentlicht werden soll, Informationsbroschüren des Erdgas-Wirtschaftsverbandes mit ein. Andere, unabhängige Studien werden dagegen nicht mit einbezogen. ^4
  • Im letzten Jahr besuchte eine Abteilung des Landesbergamtes Niedersachsen die USA. Einhelliger Tenor war, dass die Verhältnisse nicht auf Deutschland übertragbar seien. Die staatliche Überwachung dort sei nur ungenügend. Nach den niedersächsischen Zwischenfällen und Benzolaustritten aus einfachen PE-Leitungen stellen wir die Aufsichtspflicht der hiesigen Genehmigungsbehörden zumindest stark in Frage. Zumindest dann, wenn nicht wie jetzt wenige Dutzend, sondern mehrere Hundert Bohrungen jährlich erfolgen werden. ^5
  • Der FDP- Wirtschaftsminister Bode belohnt Erdgasfirmen, die in Niedersachsen nach unkonventionellen Erdgas bohren mit bis zu 2 Millionen Euro pro Bohrung. ^6
  • Was passieren kann, wenn sich eine Branche selbst kontrollieren darf, haben wir letztes Jahr in Fukushima erlebt. Auf Pressekonferenzen versuchte uns ein Mitarbeiter der Firma immer wieder einzutrichtern, dass selbst nach den ersten Explosionen vor Ort keine Gefahr für die Bevölkerung bestehen würde. Die Folgen sind hinreichend bekannt. Wir fragen uns, kann man einem RWE- Presseverteter noch glauben schenken, wenn er einräumt dass ein Grenzwert für krebserzeugendes Benzol mit 12.000 facher Menge überschritten ist, er aber gleichzeitig keine Gefahr für Flora, Fauna und Mensch sieht. ^7

Wir fordern dass diese Verquickung von staatlicher Aufsicht und und Industrie aufzuhören hat und die Industrie viel stärker überwacht werden muss!

Quelle:
^1 http://www.gegen-gasbohren.de/2010/12/26/landesbergamt-und-exxon-teil-2/

^2 http://www.gegen-gasbohren.de/wp-content/uploads/2010/12/WN-22.12.2010.pdf?cda6c1

^3 http://www.gegen-gasbohren.de/wp-content/uploads/2011/01/NORM-und-Shale-Gas.pdf?cda6c1

^4 http://www.gegen-gasbohren.de/2011/11/11/norbert-roettgen-bleibt-mit-fracking-studie-weit-hinter-seinen-versprechungen-zurueck/

^5 http://www.unkonventionelle-gasfoerderung.de/2011/04/22/usa-evakuierungen-nach-fracking-unfall-bei-erdgassuche/

^6 http://www.revista-online.info/archiv/online-archiv/16-058/83-gasfoerderung-durch-fracking.html

^7 http://www.weser-kurier.de/Artikel/Region/Landkreis-Verden/537679/Neuer-Rekordwert-bei-Benzol.html

 

 

Jan 302012
 

Am 31. Januar 2012 ab 21:45 berichtet Report München über die Kontaminierung großer Flächen mit krebserregenden Benzol in Niedersachsen. Technisch sind es undichte Lagerstättenwasserleitungen, doch hinter dem „größten Umweltskandal durch Erdgasförderung“ in Deutschland, stecken auch Fehler der Industrie in Verbindung mit offensichtlich fehlende Kontrolle durch das Landesbergamt Niedersachsen und das zuständige Wirtschaftsministerium unter Jörg Bode (FDP).

In Niedersachsen befindet sich das größte Erdgasförderfeld Deutschlands. Doch in unmittelbarer Nähe zu den Förderstellen sind tausendfach überhöhte Benzolwerte im Grundwasser gemessen worden. Benzol ist krebserregend und gehört zu den giftigsten chemischen Verbindungen. Die Anwohner sind besorgt. Wie kommt das Benzol ins Wasser? report MÜNCHEN über einen der größten Umweltskandale durch Erdgasförderung in Deutschland.

Nach ersten Meldungen über Benzol- und Quecksilberkontaminierungen im ExxonMobil Erdgasfeld bei Söhlingen aus dem Jahr 2007, dauerte es mehr als 4 Jahre, bis das Landesbergamt im Januar 2011 eine Überprüfung aller Leitungen anordnete. Dabei wurden weitere Kontaminierungen in Hengstlage gefunden. Verantwortlich waren Leitungen aus dem Kunststoff PE 80. Für eine weitere Kontaminierung mit Benzol in Völkersen aus dem August 2011, wurde ein PE Kunststoff-Ventil ermittelt. Im November 2011 verkündete Wirtschaftsminister Jörg Bode dann, die Unternehmen hätten mit Hilfe externer Gutachter alle Leitungen kontrolliert.

Doch im Januar 2012 wurde dann bekannt, dass Benzol auch entlang der 20 km langen Lagerstättenwasserleitung bei Völkersen durch Leitungen vom Typ PE 100 in das Erdreich gelangt. Ein Teil des Netzes wurde darauf hin bereits still gelegt. Potentiell sind von den 800 km Rohrleitungen in Niedersachsen alle Flächen betroffen, bei denen Rohre aus PE verwendet wurden. Diese müssen jetzt systematisch auf ausgelaufenes Benzol und weitere Schadstoffe wie Quecksilber kontrolliert werden.

Erste Landwirte bereiten bereits Klagen vor. Die Dekontaminierung der betroffenen Flächen kann mehrere Jahre dauern.

Update: Der Bericht ist jetzt als Video und Transkript beim Bayerischen Rundfunk verfügbar.
http://www.br.de/fernsehen/das-erste/sendungen/report-muenchen/videos-und-manuskripte/umweltskandal-durch-erdgasfoerderung100.html

Quelle:
report MÜNCHEN: Die Sendung am 31.01.2012 | report MÜNCHEN | Das Erste | Fernsehen | BR.de.