Bericht zum Oktober 2020 – Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Okt 172020
 

Berichtszeitraum 19.09. bis 16.10.2020

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme vom niedrigen erreichten Niveau vom August leicht zu, wie schon im September, da die Rohölpreise um die 40 USD für WTI eingependelt werden. Die Hoffnung der US-Firmen auf weiter steigende Rohölpreise dürfte allerdings vergeblich sein, da sowohl die OPEC als auch Russland das Fracking-Öl vom Markt haben wollen und die Lieferpolitik danach ausrichten, dass 40 USD/barrel WTI-Rohöl nicht wesentlich überschritten wird. Die weltweiten Abnahmemengen werden sich mit der Ausbreitung der Pandemie in bevölkerungsstarke Länder wie Indien nicht kurzfristig beleben.

Die 744 stillgelegten Bohrtürmen der Monate März bis Juni umfassen über 70% Stilllegung der nordamerikanischen Bohrkapazitäten vom Jahresanfang. Im Juli kam zwar die Wende, nachdem die Rohölpreise WTI wieder bis auf 40 USD/barrel angestiegen waren, aber die erwartete weitere Steigerung über 50 USD/barrel blieb aus, da auch die stark reduzierten Förderkapazitäten der OPEC und weiterer Partner noch zu groß waren und der CORONA-bedingte weltweite Verbrauchsrückgang noch immer nicht beendet ist. Weitere Stilllegungen blieben aus und erste Unternehmen in Kanada und in den USA haben trotz der schlechten Gesamtlage begonnen, wieder mehr ins Bohrgeschäft zu investieren. Das setzte sich auch im Berichtszeitraum Oktober fort.

Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wurde April/Mai immer spürbarer zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der inzwischen 39 Mio Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie ihr gewohntes Leben und Arbeiten unterbrochen haben und „abgesperrt“ zu Hause leben mussten und weiter müssen. Viele Unternehmen haben Zwangspausen einlegen müssen. In China hat die Industrie wieder die Produktion aufgenommen, es herrscht aber weiterhin große Sorge vor einer 2. CORONA-Ansteckungswelle.

Die von der OPEC und weiteren Ländern beschlossen massiven Förderkürzungen, um den Ölpreis zu stabilisieren, haben in den vergangenen 18 Wochen Wirkung gezeigt, in Verbindung mit der wieder zunehmenden Nachfrage aus China. Die angekündigte Verknappung durch Produktionskürzungen führte zu weiterer Stabilisierung auf zwischenzeitlich über 42 USD/barrel. Doch die noch immer weiter zunehmende weltweite CORONA-Ausbreitung – auf inzwischen 39 Mio nachgewiesen Betroffene und 1,1 Mio Tote dämpft den Rohölbedarf so, dass der Preis am 18.09. wieder auf 41,11USD/barrel WTI für Lieferung Oktober 2020 zurück ging. Am 02.10. fiel er sogar kurzfristig auf 36,97 USD, hat sich aber zum 16.10. wieder auf 40,97 USD/barrel stabilisiert.

Neue Infos von Fracking-Ölproduzenten im Permian Basin in Texas besagen, dass sie innerhalb eines Jahres seit Mitte 2019 bis jetzt die Förderkosten um 20% senken konnten und jetzt in der Lage sind, für 40 USD/barrel zu fördern statt 50 bis 60 USD/barrel vorher. Die Strategie der OPEC und Russlands ist dabei die, durch die Preisgestaltung die Fracking-Förderer der USA aus dem Geschäft zu halten.

Wir können also erwarten, dass die Fördermengensteuerung dieser Gruppe so erfolgt, dass der WTI-Preis bei 40 USD/barrel oder knapp darüber eintariert werden wird. Zur Zeit liegt der Rohölpreis auf WTI-Basis bei 40,97EUR/barrel. Weiterhin gilt, dass abseits des Handelsplatzes New York auch Rohöl zu Notierungen gehandelt wird, die deutlich unter WTI-Niveau liegen.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl liegt weiterhin deutlich unter der globalen Fördermenge. Die Hauptölproduzenten haben ihre Notlage erkannt und ihre Förderungen kurzfristig drastisch reduziert, viel mehr als vorher angekündigt, um den Ölpreis wieder auf ein ökonomisch besseres Gleis zu bringen. Die Saudis haben ihren Hauptabnehmern die Liefermengen drastisch reduziert, in Asien, in Europa aber auch gegenüber den USA. Die erfolgte Wiederaufnahme großer Teile der Industrieproduktion in China stimmt die Rohölproduzenten optimistisch.

In Nordamerika entwickelt sich die Katastrophe weiter. Das zeigt auch der Konkurs des größten Frackingförderers in Nordamerika, der Chesapeake Energy, mit einem Volumen an 12 Mrd USD an ungedeckten Schulden. Denbury Resources Inc. mit 3 Mio USD ungedeckter Schulden hat Konkurs Chapter 11 angemeldet. Es geht jedoch weiter: The Plano, Texas und Rosehill Resources Inc. , Texas, haben in Texas Konkurs Chapter 11 angemeldet. Seit Juni sind weitere 13 Förderunternehmen und 19 Service-Unternehmen in Konkurs gegangen, darunter California Resources Corp mit 6,3 Mrd USD und Chaparal Enertgy Inc. mit 3,54 Mrd USD und im Service-Bereich HI Crushing Inc. mit 3,849 Mrd , Noble Corporation PLC mit 3,946 Mrd und VALARIS PLC mit 1,004 Mrd USD. Nach Auskunft der Wirtschaftskanzlei Haynes& Boone hat die Zahl der Konkurse im 3. Quartal weiter zugenommen, sowohl bei den Förderfirmen, als auch bei den Dienstleistern.

BP hat erstmals in einem Jahrzehnt die Dividende halbiert – nach 6,68 Mrd USD Verlust im 2. Quartal 2020. BP will das Kohlenwasserstoff-Geschäft um 40% reduzieren und in die regenerative Stromerzeugung einsteigen. Bis 2030 wollen sie Kapazitäten für 50 Gigawatt installieren. Total S.A. hat in Kanada seine Anteile an der Ölförderung und der Ölgewinnung aus Sandvorkommen von ca. 7 Mrd USD ausgebucht und zieht sich aus Kanada zurück. ExxonMobil hat im 2.Q. 20 1,1 Mrd USD Verlust gemeldet. Chevron hat im 2.Q. 20 3 Mrd USD Verlust gemeldet.

Baker Hughes meldet, dass seit Mai 2020 in den USA mindestens 100.000 Ölarbeiter ihren Job verloren haben, die meisten davon in Service-Firmen, da die Förderung zurückgeschraubt wurde. Kanadische Servicefirmen befinden sich bereits im „Überlebensmodus“, nur die finanziell starken werden überleben. Der Kollaps der Fracking-Förderung in Nordamerika wirkt als Zeitbombe, da die Bohrlöcher nicht zuverlässig verschlossen wurden, sondern einfach „zurückgelassen“. Große Mengen Methan treten dort überall aus.

Im Westen der USA werden ungenutzte Raffineriekapazitäten umgerüstet, zur Verarbeitung von Fetten, Speiseölen, Schmierstoffen und Soja-Öl zu „regenerativem“ Diesel, Benzin und Flugbrennstoff, da dafür eine staatliche Prämie von über 3 USD gezahlt wird.

Seit 35 Jahren haben nicht so viele Förderbohrungen in Nordamerika still gestanden, wie gerade jetzt. Was aus den meist als Familienbetriebe arbeitenden Förderunternehmen im Permian und Anadarko Basin in den USA wird, ist im Moment nicht abzusehen. Dort gibt es 400.000 Pferdekopfpumpen-Förderbohrungen, die von meist kleineren Familienunternehmen betrieben werden. Sie beschäftigten bisher ca. 143.000 Arbeiter, die ihre Anlagen betreiben und warten und sie förderten bisher zusammen ca. 850.000 barrels/Tag.

Davon könnten in Kürze ca. 500.000 barrel wegfallen und ca. 100.000 Arbeitsplätze, meist in ländlichen Gebieten. Das birgt jede Menge Sprengstoff für die Nachwahl von Präsident Trump. Mit dem WTI-Preis in New York über 40.-USD/barrel heute werden aber wohl doch mehr von diesen Unternehmen im Geschäft bleiben, als zunächst zu befürchten war, denn damit können viele von ihnen kostendeckend arbeiten. Nach dem letzten „Schock“, dem Einbruch der Ölpreise nach 2014, sind die meisten dieser Unternehmen so geschwächt, dass sie keine Reserven mehr haben.

Und auch die Zulieferer-Industrie hat reduziert. Der Rohrhersteller Tenavis SA kündigte 223 Mitarbeitern in seinem Werk in Houston. Halliburton beurlaubte in seiner Stammfirma in Houston zunächst 3.500 Beschäftigte. In Kanada hat der Spezial-Spediteur Mullen Group Ltd. mit Sitz in Calgary, der auch Ölfeld Logistik-Aufgaben und Schwerst-Transporte aller Art durchführt, im April 1.000 Mitarbeiter entlassen, um die Auswirkungen der CORONA -Pandemie abzufangen. Die Firma hatte im 1.Q 2020 noch einen Gewinn von 318 Mio Dollar ausgewiesen. Insgesamt hat die Zahl der Konkursanmeldungen nach den ersten 2 Quartalen 2020 laut Haynes-Boone im 3.Quartal 2020 deutlich zugenommen.

Die Angst vor CORONA allerdings geht in den Ölcamps in den USA und in Kanada um, zumal sich die Zahl der Neuansteckungen mehr und mehr aus den Ballungsräumen (New York, Las Vegas, Boston, Florida, Golfküste) in die Fläche verlagert hat. Besonders der Förderstaat Texas ist hart betroffen. Vom 10.06.20 mit 77.250 Infizierten stieg die Zahl rasant auf 338.000 am 20.07. ,auf 530.000 am 13.08., auf 714.300 am 18.09.20 und auf 853.517 am 16.10.20. Das könnte die Präsidentenwahl in den USA entscheiden.

In den USA hat sich inzwischen die Arbeitslosenzahl von 13,3% aller Erwerbsfähigen im Mai auf zur Zeit 8,5% verbessert. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Die US-Arbeitsverwaltung schließt nicht die Arbeitskräfte ein, die nicht dokumentiert sind und arbeitslos werden. Ca. 8 Mio Arbeiter aus dieser Gruppe verloren ihren Job und müssen hinzugerechnet werden, ebenso noch die ganzen Studienabsolventen, die nach Abschluss ihrer Ausbildung arbeitslos sind. Die tatsächliche Arbeitslosenzahl beträgt sicher zwischen 35 und 40 Mio Menschen.

Wenn auch in China so getan wird, als sei die CORONA-Pandemie so gut wie überwunden, ist es doch so, dass mit der Wiederaufnahme der Aktivitäten der Industrie und der Wirtschaft auch bisher unbekannte Infektionsträger wieder „unters Volk“ gelangen und eine zweite Welle auslösen können. Das Geschehen in Peking im Verlauf der Woche vom 19.06.20 zeigt auf, wie schnell aus neuen Infektionsherden wieder größere „Lock-downs“ werden können. Die seit Monaten sehr geringen Zunahmen der offiziellen Meldungen an Infizierten und Toten in China (mit einer Milliarden-Bevölkerung und vielen räumlich beengten Ballungsgebieten) lässt den Verdacht aufkommen, dass diese Zahlen aus Propagandagründen „geschönt“ werden.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal die USA ja gerade inmitten der größeren Ausbreitung stehen mit zur Zeit 7,98 Mio registrierten Infizierten und fast 220.000 Toten. Das US-Gesundheitssystem ist in keiner Weise auf eine solche Pandemie vorbereitet und im ländlichen Bereich fehlen – besonders in den Bundesstaaten der „Trump-Freunde“ im Süden der USA – Krankenhäuser und Beatmungseinrichtungen. Auch dort schlägt CORONA unerbittlich zu. In 16 ausgesuchten Südstaaten, einschließlich Texas und Florida, waren am 18.09.20 3,23 Mio Infizierte und 66.500 Tote gemeldet. Am 16.10.20 waren es schon 3,8 Mio Infiziert6e und 77.300 Tote.

Die mögliche Zahl von 220.000 Toten für Gesamt-USA wird in den nächsten Tagen überschritten werden. Diese Volkswirtschaft wird weiterhin monatelang lahm gelegt werden – auch wenn Präsident Trump das zu verhindern sucht – ohne Rücksichtnahme auf weitere Zehntausende Tote. Und ihre Haupt-Handelspartner, wie zum Beispiel Deutschland, werden von den Nachfrageausfällen getroffen werden. Weltweit sind inzwischen 39 Millionen Infizierte erfasst worden. Die Dunkelziffer ist weitaus höher, besonders in den ärmeren Ländern. Und die Zunahme der Infizierten weltweit beschleunigt sich. Die Pandemie hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Ein brauchbarer Impfstoff wird jetzt Mitte des kommenden Jahres erwartet.

Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen wirken bereits, der Export schwächelt stark. Aber erste Anzeichen auf zunehmende Nachfrage aus dem Export werden gemeldet und die Industrie ist wieder zuversichtlicher. Erschwerend kommt die wieder weiter zunehmende Zahl Infizierter in D in den letzten Wochen, hinzu, die nach der Eröffnung von Reisemöglichkeiten ins Ausland seit 15.06.20 zu erwarten war.

Mit über 7.300 Neuinfektionen binnen eines Tages wurde am 15.10.20 ein neuer Allzeitwert erreicht zu gesamt 352.107 Personen. Auch die Belegung der Intensiv-Stationen mit CORONA-Kranken hat begonnen, wieder zu zu nehmen. Und der Winter kommt ja erst noch. Die am 15.10. beschlossenen Verschärfungen durch die Regierung und die Länderchefs, um den rasanten Anstieg zu bremsen, könnten sich als „ungenügend“ erweisen. Dann soll in 10 Tagen erneut getagt werden, um Weiteres zu beschließen. Ein neuer „Lock-down“ soll unbedingt vermieden werden.

Die Wirtschaft in Deutschland hat begonnen, nach vorn zu arbeiten, wenn auch in vielen Bereichen noch mit stark reduzierter Kapazität. Doch im unteren Mittelstand, bei den vielen Selbständigen, wird es voraussichtlich im Herbst und Winter 2020 ein großes „Sterben“ geben und damit verbunden den Verlust zig-tausender Arbeitsplätze. Daran wird auch die Verlängerung der Kurzarbeitsphase bis Ende 2021 wenig ändern.

Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird mit einem reduzierten Minus von jetzt ca. 6% erwartet. Den Luftverkehr versucht man, schrittweise wieder zu beleben, aber die Ansteckungsgefahr im Flieger bleibt. Gleichermaßen riskant sind Reisen mit Zug, Bus und Kreuzfahrtschiffen. Die Reiseindustrie mit allen ihren Dienstleistern ist besonders hart betroffen. Erst wenn ein zuverlässiger Impfstoff – in genügender Menge weltweit – das Ansteckungsrisiko minimiert, kann es wieder „unbeschwerte Reisen in alle Welt“ geben.

Die groß angelegten Hilfspakete der Regierung Merkel sollen die Belastungen aus der Situation für Großunternehmen, für den Mittelstand und für kleine Selbständige – aber auch für die Menschen mit Niedriglohn und Teilzeitarbeit – erträglicher gestalten. Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland wird im Jahresdurchschnitt auf 2,5 Mio Personen erwartet, in der Spitze über 3,5. Im Detail wird bei der Abwicklung der Hilfspakete mancher Haken vermutet, der kostbare Zeit verschlingen wird. Pleiten sind vorprogrammiert und viele, viele Arbeitslose.

Doch nun zu den Zahlen der Bohrtürme

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um ca. 70% unter der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika auch mit 319 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 22.05.20 bei 18,06 USD/barrel und am 19.06. bei 40,26 USD/barrel. Am 17.07. wurden 40,77 USD/barrel für WTI gehandelt und am 14.08. 41,93 USD. Am 28.08. stiegen sie auf 43,09 und liegen zur Zeit wieder bei 41,11 USD/barrel. Die OPEC und Partner haben die Förderkürzung deutlich über die ursprünglich vereinbarte Menge hinaus umgesetzt und dadurch recht schnell die Stabilisierung des Ölpreises bewirkt, unterstützt von den wieder steigenden Abnahmemengen Chinas.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weis niemand, wie lange und in welchem Umfang wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen.

Die Ausbreitungsschwerpunkte haben sich von Europa auf die USA, auf Mittel-und Südamerika, Indien, Russland und auf Südafrika verlagert. Inzwischen wird mit einer Verschärfung zum Herbst/Winter hin gerechnet und erst für 2021 / 2022 wird eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erhofft, ausgehend von dem bis dahin erreichten, stark verminderten Niveau. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann es mehr als 5 Jahre dauern, ehe die Weltwirtschaft wieder einigermaßen „rund“ läuft. Wirtschaftskundler schätzen, dass der Einbruch stärker ausfallen kann, als der in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Oktober etwa gleichsinnig. In beiden Ländern wurden weit überwiegend im Öl-Bereich Bohrtürme reaktiviert, insgesamt 36 Stück. Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis Juni 2020 und Stagnation im Juli und leichter Belebung im August mit weiter leichter Zunahme im September und verstärkt im Oktober.

Monat/ Jahrgesamt im Einsatz in NordamerikaUSAKanadaUS Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17117895822046
31.10.17111591320251,94
15.11.17109088919254,27
15.12.17116893023856,64
19.01.18126193632563,72
16.02.18129397531860,74
13.04.181110100811766,74
15.06.181198105913966,6
14.09.181281105522670,3
09.11.181277108119661,59
14.12.181245107117451,2
18.01.191259105020952,32
15.02.191275105122453,34
15.03.191187102616158,34
10.05.1910519886361,99
12.07.19107595811760,27
13.09.19102088613455
11.10.19100285614654,6
08.11.1995781714056,39
06.12.1993779913856,32
03.01.208817968562,8
31.01.20103779024752,95
28.02.20103079024044,67
27.03.207827285421,6
24.04.204914652618,06
22.05.203393182132,8
19.06.202832661740,26
14.08.202982445441,93
18.09.203192556441,11
16.10.203622828040,97

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 247 Ölbohrtürme und 115 Gasbohrtürme aktiv. Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(123), New Mexico(45), Louisiana (38), Pennsylvania(18), Oklahoma(14), North Dakota(11), West Virginia(8), Ohio (8), Colorado(4), und Kalifornien(4).

Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt die Entwicklung zu geringerem Energieverbrauch wider. Am 07.06.2019 lag der Preis bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Ende Februar wurde er bei 1,75 USD/mmBtu notiert und blieb seither bis vor wenigen Tagen immer unter 2 USD/mmBtu. Am 22.05. notiete er mit 1,815 USD/mmBtu und 19.06.mit 1,638 USD/mmBtu, 17.07.20 mit 1,723 USD/mmBtu , am 14.08. mit 2,182 USD/mmBtu und am 16.10. mit 2,775.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mmBtu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA – und in der Folge auch beim Erdgas zu noch größeren Verlustabschlüssen führen.

Die internationalen Bohraktivitäten nahmen gering um weitere 45 Stück ab auf 702 Bohrtürme. Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden. Eine weltweite Rezession gewaltigen Ausmaßes nimmt mehr und mehr Gestalt an, da weitere große Volkswirtschaften von der CORONA-Pandemie betroffen sind. Nach Verfügbarkeit brauchbarer Impfstoffe – erst dann – kann eine Wiederbelebung aussichtsreich in Angriff genommen werden. Erfreulicher Zwischenstand der US-Präsidentenwahlvorbereitungen: es besteht Hoffnung auf einen anderen Präsidenten.

Volker Fritz – im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 17. Oktober 2020

Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika – Bericht zum März 2020

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Mrz 292020
 

Berichtszeitraum 29.02.2020 bis 27.03.2020

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Fritz im AK Fracking Braunschweiger Land

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme drastisch ab – um fast 25% in nur einem Monat!!

248 Bohrtürme wurden insgesamt stillgelegt, überwiegend für Öl. Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wird nun mehr und mehr zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der über 2 Mrd Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie inzwischen nicht mehr ihr gewohntes Leben und Arbeiten fortsetzen können, sondern „abgesperrt“ leben müssen und zunehmend auch nicht mehr zur Arbeit gehen können, da ihre Unternehmen Zwangspausen einlegen müssen.

So wirken sich die Niedrigpreispolitik der Saudis und der Russen und der Nachfrageausfall mehrerer sehr großer Volkswirtschaften geradezu verheerend aus und der Rohölpreis WTI wurde heute – nach noch 47,50 USD/barrel am 03.03.20 – mit 21,60 USD/barrel gehandelt. In Nordamerika und auch anderwärts sieht es noch viel schlechter aus, weil ein großer Teil des Handels direkt beim Förderer abgeschlossen wird und diese Preise liegen noch deutlich unter WTI-Niveau.

Marktinformationen lauteten heute: Sibirisches russisches Rohöl wird für 10 USD/barrel abgegeben, westkanadisches Auswahlöl fiel auf 6,45 USD/barrel und North Dakota Light Sweet wurde für 9,95 USD/barrel verkauft. Der Ölpreis ab Bohrung in dieser Woche betrug in Wyoming 1,75 USD/barrel. Hinzu kommen 15 bis 30 USD/barrel Transportkosten, um es zu den Raffinerien zu bringen. Aus China verlautet: die chinesischen Inlandspreise sind unter 10 USD/barrel gefallen.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl liegt gut 20% unter der globalen Fördermenge. Das Fördervolumen muss dem angepasst werden. In wenigen Wochen werden weltweit alle Rohöllager restlos gefüllt sein. Es bleibt nur eine Lösung: die Weltproduktion an Rohöl muss der aktuellen Abnahme durch Reduzierung folgen.

In Nordamerika bahnt sich eine Katastrophe an.

Viele der mittleren und kleinen Unternehmen mit Förderung können zu den derzeitigen Preisen nicht mehr kostendeckend fördern und werden in den nächsten Wochen den Betrieb einstellen. In Kanada haben die großen Ölsand-Verarbeiter begonnen, ihre Produktion herunter zu fahren und lassen Pläne für neue und erweiterte Produktionen in der Schublade. Sie können bei diesen Preisen nicht mehr mit Kostendeckung arbeiten. Seit 35 Jahren haben nicht so viele Förderbohrungen in Nordamerika still gestanden, wie gerade jetzt.

Im Permian und Anadarko Basin in den USA gibt es 400.000 Pferdekopfpumpen-Förderbohrungen, die von meist kleineren Familienunternehmen betrieben werden. Sie beschäftigen bisher ca. 143.000 Arbeiter, die ihre Anlagen betreiben und warten und sie fördern bisher zusammen ca. 850.000 barrels/Tag. Davon könnten in Kürze ca. 500.000 barrels wegfallen und ca. 100.000 Arbeitsplätze, meist in ländlichen Gebieten. Das birgt jede Menge Sprengstoff für die Nachwahl von Präsident Trump. Wenn der WTI-Preis in New York unter 24.-USD/barrel liegt, machen viele dieser Unternehmen Verluste. Sie befürchten das Schlimmste. Nach dem letzten „Schock“, dem Einbruch der Ölpreise nach 2014, sind die meisten dieser Unternehmen so geschwächt, dass sie aufgeben werden müssen.

Und auch die Zulieferer-Industrie hat mit der Reduzierung angefangen: Der Rohrhersteller Tenavis SA kündigte 223 Mitarbeitern in seinem Werk in Houston. Halliburton beurlaubte in seiner Stammfirma in Houston zunächst 3.500 Beschäftigte. Und die Angst geht in den Ölcamps in den USA und in Kanada um, dass die CORANA-Pandemie auch dort einschlagen wird, zumal die Container-Wohnanlagen ein Leben auf engem Raum und in körperlicher Nähe der Bewohner zu einander bedingen.

Wird einer der Mitbewohner infiziert, ist es unausbleiblich, dass alle anderen auch erkranken. Und die Menschen auf den Bohr- und Förderplätzen, die meist weitab von Städten angelegt sind, wissen aus Erfahrung, was es heißt, dort ernsthaft krank zu werden. Es ist dann nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Leben ernsthaft bedroht. Es wird befürchtet, dass viele der Arbeiter die Bohr- und Förderplätze verlassen werden, um dieser Gefahr zu entgehen.

Wenn auch in China so getan wird, als sei die CORONA-Pandemie so gut wie überwunden, ist es doch so, dass mit der Wiederaufnahme der Aktivitäten der Industrie und der Wirtschaft auch bisher unbekannte Infektionsträger wieder „unters Volk“ gelangen und eine zweite Welle auslösen können. Die nächsten Wochen werden das zeigen.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal die USA ja gerade erst am Anfang der größeren Ausbreitung stehen und zumal das US-Gesundheitssystem in keiner Weise auf eine solche Pandemie vorbereitet ist. Diese Volkswirtschaft wird monatelang lahm gelegt werden und ihre Haupt-Handelspartner, wie zum Beispiel Deutschland, werden von den Nachfrageausfällen getroffen werden.

Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen haben bereits zu wirken begonnen. Hinzu kommt die immer deutlicher spürbare und sich von Tag zu Tag vergrößernde Zahl der Infizierten, deren Zunahme – nach landesweiten Isolier- und Sperrmaßnahmen – noch immer ungebrochen ist. Mehr und mehr Unternehmen haben die Produktion eingestellt, um ihre Mitarbeiter zu schonen.

Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird inzwischen mit einem deutlichen Minus erwartet. Die Absagen wichtiger international ausgerichteter Messen und Tagungen in Deutschland tragen ebenso dazu bei, wie die praktisch als Zusammenbruch des Luftverkehrs wirkende Reise- und Einreisesperre, die das Einschleppen weitere Infizierter verhindern soll. Das groß angelegte Hilfspaket der Regierung Merkel soll die Belastungen aus der Situation für Großunternehmen, für den Mittelstand und für kleine Selbständige erträglicher gestalten. Doch im Detail wird bei der Abwicklung mancher Haken vermutet, der kostbare Zeit verschlingen wird. Pleiten sind vorprogrammiert und viele, viele Arbeitslose.

Doch nun zu den Zahlen der Bohrtürme

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um über 40% unter der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin mit 782 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel und am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Zur Zeit liegen sie bei 21,60 USD/barrel. Die OPEC wird mit verstärkten Förderkürzungen und neuen Verhandlungen mit Russland versuchen, die Ölmenge der stark gefallenen internationalen Nachfrage anzupassen, um einen Preisabsturz des Rohöles zu begrenzen.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weis niemand, wie lange wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen. Inzwischen wird mit einer Dauer von mehrerenm Monaten gerechnet und erst für 2021 wird eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erwartet. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann sich daraus eine Weltwirtschaftskrise entwickeln, die noch gravierender ausfallen kann, als die in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im März unterschiedlich, aus Kanada wurden die weitaus meisten der stillgelegten Ölbohrtürme gemeldet.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis März 2020:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
12.07.19 1075 958 117 60,27
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32
03.01.20 881 796 85 62,8
31.01.20 1037 790 247 52,95
28.02.20 1030 790 240 44,67
27.03.20 782 728 54 21,6

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 642 Ölbohrtürme und 138 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(368), New Mexico(109), Louisiana (44), North Dakota(48), Oklahoma(39), Pennsylvania(24), Wyoming (19), Colorado(19), West Virginia(15), Kalifornien (12), u. Ohio( 9).

Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt die Entwicklung zu geringerem Energieverbrauch wider. Am 07.06.2019 lag der Preis bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Ende Februar wurde er bei 1,75 USD/mmBtu notiert und fiel im März noch weiter ab auf zuletzt 1,637 USD/mmBtu.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mmBtu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA – und in der Folge auch beim Erdgas zu noch größeren Verlustabschlüssen führen.

Die internationalen Bohraktivitäten nahmen leicht zu, um 7 Türme auf 1.085 Bohrtürme.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden. Alle müssen diese Krise erst einmal durchstehen, dann die Neuorientierung beginnen und danach den internationalen, vernetzten Wirtschaftskreislauf wieder beleben.

 Veröffentlicht von am 29. März 2020

Bericht zum Oktober 2019 – Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Nov 092019
 

Berichtszeitraum 12.10. bis 08.11.2019 / Volker H.A. Fritz, Wolfenbüttel, den 08.11.2019

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme weiter deutlich ab. Nach insgesamt 88 stillgelegten Bohrtürmen im Februar, 99 im März, 37 im April und einer leichten Zunahme im Mai um 27 Türme, einer Abnahme um 3 Türme im Juni und um 1 Turm im Juli nahm sie im August um 54 Türme und im September um 18 und im Oktober um weitere 45 Türme ab. Seit Februar 2018 nahm die Gesamtzahl der eingesetzten Türme um 336 Stück ab. Das entspricht ca. 26% der Gesamt-Bohrkapazität.

Die Oktober-Abnahme ergab sich durch eine weitere kräftige Stilllegung von Ölbohrtürmen und in geringerem Maß von Gasbohrtürmen in den USA bei gleichzeitig geringer Abnahme in Kanada. Die Zahl der Türme in den USA sank auf 817 und in Kanada auf 140 Stück. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika zunehmend deutlich unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen.

Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20, sackten dann bis zum Jahreswechsel auf 46,32 USD/barrel ab und stiegen danach wieder kontinuierlich bis auf 53,34 USD/barrel an und bis Ende Frbruar auf 58,34 USD/barrel. Zur Zeit werden 64,47 USD/barrel gehandelt. Damit lagen die erzielbaren Marktpreise für US-Fracking-Öl wieder über der Rentabilitätsschwelle von ca. 60 USD/barrel für US-Fracking-Öl. Im Verlauf des April gaben die WTI-Notierungen aber wieder leicht nach auf 61,99 USD/barrel und auch im Mai fielen die Notierungen für WTI weiter auf 51,70 USD/barrel.

Die politisch bedingten Preiswetten auf Rohöl in den Juniwochen führten zum Preisanstieg für WTI-Rohöl auf 60,27 USD/barrel per 12.07.2019. Danach jedoch sackte der Preis wieder ab und stand am 10.08.bei 52,31 USD/barrel. Nach lebhaften zwischenzeitlichen Sprüngen lag er am 13.09. bei 55 USD/barrel und am 11.10. bei 54,60 USD/barrel. Zur Zeit liegt er bei 56,39 USD/barrel.

Meine Kommentare zu den möglichen Markthintergründen sind dem Bericht zum Jahreswechsel vom 18.01.2019 zu entnehmen. Hinzu kommt, dass Russland jetzt einen sehr starken Einfluss auf die OPEC-Länder hat, obwohl es kein OPEC-Mitglied ist. Je nach dem Agieren Russlands auf der Rohölangebotsseite kann die OPEC-Politik wirkungslos werden. Entsprechend groß ist jetzt der Einfluss Präsident Putins auf die OPEC-Länder – besonders in Nah- und Mittelost. Der weitgehende Rückzug der USA aus diesem Gebiet kommt Putin sehr gelegen.

Ein erster sichtbarer Erfolg ist Putin in der Türkei gelungen, indem Erdogan – gegen den ausdrücklichen Wunsch der NATO-Partner und besonders der USA, ein modernes russisches Raktenabwehrsystem beschafft, anstatt im NATO-System zu bleiben. Die Türkei ist auf dem Weg, sich als NATO-Partner zu verabschieden, wodurch neue Konflikte heraufbeschworen werden dürften und die US-Stützpunkte in der Region nicht mehr sicher sein werden.

Seit Anfang Oktober haben die USA ihre in Nord-Syrien noch vorhandenen geringen Truppen-Kontingente gänzlich abgezogen und damit den Weg für die Türkei frei gemacht, die Kurdengebiete im Südwesten hinter der Staatsgrenze anzugreifen, was ein alter Plan Erdogans ist. Auch die Russen haben sich nicht gerührt, als die Angriffe der türkischen Armee Mitte September begannen. Damit haben die USA aber den einzigen kampfbereiten Verbündeten am Boden in der Region verraten und jedermann weis nun, dass man sich auf die USA als Partner bei Konflikten nicht mehr verlassen kann.

Der verschärfte Öl-Konflikt zwischen den USA und Persien, mit den Zwischenfällen am Persischen Golf in der Straße von Hormuz ist unberechenbar in seiner weiteren Entwicklung. Der Angriff auf die saudische Ölproduktion wird den Iranern in die Schuhe geschoben, die aber bestreiten das vehement.

US-Präsident Trump will den Persern den Öl-Exporthahn völlig zudrehen. Das kann sehr schnell zu Lieferengpässen führen, wenn Persien die Passage „dicht“ macht, um sich gegen die Aggression der USA zu wehren.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im September tendenziell gleich, wobei Kanada natürlich bei viel geringerem Umfang an Aktivitäten steht.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März bis Oktober 2019:

Monat/ Jahr In Nord-
amerika

gesamt
USA Kanada US Rohöl-
preis WTI
USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
30.09.17 1155 935 220 52,13
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
30.11.17 1123 915 208 56,18
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
16.03.18 1209 990 219 60,85
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
13.07.18 1251 1054 197 70,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
12.10.18 1258 1063 195 71,31
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
07.06.19 1078 975 103 51,7
12.07.19 1075 958 117 60,27
09.08.19 1074 934 140 52,31
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 975 817 140 56,39

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika Ölbohrtürme und Gasbohrtürme aktiv: Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (413), New Mexico (104), Louisiana (56), North Dakota(51), Oklahoma(51), Wyoming (32), Pennsylvania (25), Colorado (24), Kalifornien (15), West Virginia (15) u. Ohio (11).

Den etwa 20%igen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und zur Zeit liegt er bei 2,772 USD/mmBtu.

Die internationalen Bohraktivitäten verringerten sich um 1 Turm auf 1.130 – Bohrtürme werden weltweit im Oktober im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand. Der Nachdruck, mit dem Präsident Trump persische Öllieferungen verhindern will und Persien unverhohlen wiederholt droht, kann jedoch noch allerhand Überraschungen in den nächsten Monaten auslösen. Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden. Er hat den Heißsporn John Bolton, der ständig drängte, gegen den Iran militärische Aktionen zu fahren, aus dem Amt des obersten Militärberaters entlassen. Dennoch ist Lage so unsicher wie schon Jahrzehnte nicht, zumal nach dem Ausfall von etwa 40% der saudischen Ölproduktion, ausgelöst durch die Anschläge mit Lenkkörpern. Die Urheber dieser Angriffe werden von den Saudis und von den USA den Iranern in die Schuhe geschoben, diese wiederum weisen derartige Vorwürfe entschieden zurück.

Und es zündelt weiter (Heißsporne auf allen Seiten wünschen sich kriegerische Auseinandersetzung). Am 11.10.2019 erfolgte der neueste „Zwischenfall“, dieses Mal im Roten Meer vor der saudischen Küste, nahe Dschidda. Ein iranischer Tanker wurde, nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna von 2 Raketen getroffen und 2 Laderäume wurden beschädigt. Das Schiff blieb aber manövrierfähig und wird nun mit geändertem Kurs das Rote Meer verlassen.

Die Rohölspekulanten warten nur auf den ersten Schuss, um die Preise massiv anzuheben, obwohl es noch keine Ölknappheit gibt. Russland wird mit seinem Rohöl-Angebotsvolumen zum Schlüsselanbieter, erst recht, da der Iran seine großen Kapazitäten nicht in den Markt bringen kann, wie die neuesten Analysen zeigen und nun noch der 40%-ige Ausfall der saudischen Produktion für zumindest einige Zeit hinzu kommt. Der aktuelle Rohölpreis in den USA mit 56,39 UDS/barrel zeigt, dass es noch keine wirkliche Verknappung gibt. Dieses Preisniveau war schon im Februar 2019 erreicht.

Herr Trump zündelt weiter und wir alle können nur hoffen, das niemand die Nerven verliert. Und kürzlich kam noch Indien mit seiner geänderten Kaschmirpolitik dazu, die Pakistan herausfordert. 2 Atommächte in Asien stehen sich gegenüber, deren Führungen beide mit Heißspornen und Fanatikern durchsetzt sind.

Und Herr Erdogan droht der EU und Deutschland unverhohlen damit, die über 3 Mio Flüchtlinge in seinen Lagern nach Europa in Bewegung zu setzen, falls die EU in seine Machtinteressen und seinen Plan die Kurden in Nord-Syrien „auszuräuchern“ eingreift. Präsident Sadat hat sein Militär in Bewegung gesetzt, um eine endgültige Abspaltung der türkeinahen Grenzregion im Norden zu begegnen, aber er ist von Russland abhängig. Bis auf weiteres zerstört er die restlichen Städte der Widerstandsnester im Norden und Nordwesten von Syrien, ohne Rücksicht und Hunderttausende neue Flüchtlinge sind in Bewegung, ihr Leben zu retten. Doch wo sollen sie hin?

 Veröffentlicht von am 9. November 2019

„Sonderbericht“ des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), 08.08.2019

 International, Klima, Risiko: Klimaerwärmung, Verbände und NGOs  Kommentare deaktiviert für „Sonderbericht“ des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), 08.08.2019
Aug 132019
 

Vorläufiger „Sonderbericht“ des IPCC ( Intergovernmental Panel on Climate Change) vom 08.08.2019

Das IPCC wird in seinen Aussagen zu Klimawandel, Desertifikation, Landdegradierung, nachhaltigem Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse jetzt immer deutlicher.

Weitere „Zwischenberichte“ sollen in kurzen Abständen folgen.
Es bleibt abzuwarten, wie unsere Politiker zukünftig in Bezug auf den Klimawandel entscheiden werden.

https://www.de-ipcc.de/media/content/Hauptaussagen_SRCCL.pdf

 Veröffentlicht von am 13. August 2019

Klima: eine nie dagewesene Schmelze polaren Eises entwickelt sich trotz der Ableugnung des Klimawandels

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Feb 062017
 

Übersetzung (auszugsweise) „Eine nie dagewesene Schmelze des polaren Eises entwickelt sich, während die Klimaverleugnung sich überschlägt“ Truth-Out-Beitrag vom 09.01.2017  Autor Dahr Jamail  http://www.truth-out.org/news/item/39020-unprecedented-polar-melting-unfolds-as-climate-disruption-denial-goes-wild                                                                                                                                               Originaltitel: Unprecedented Polar Melting Unfolds as Climate Disruption Denial Goes Wild

Vorwort Volker Fritz: Eine Fülle weiterer neuer Untersuchungsergebnisse und Berichte ist seit dem Dezemberbericht zur Klimaveränderung vom selben Autor zugänglich geworden und gibt Hinweise auf die gewaltigen, vor uns liegenden Veränderungen. Meine Übersetzung des Truth-Out-Berichtes zur Klimaveränderung vom 29.12.2016 wird mit diesem Beitrag bekräftigt. Es zeichnet sich ab, dass die Klimaveränderung noch schneller erfolgen wird, als bisher schon angenommen, wesentlich hervorgerufen durch menschlioches Handeln mit hohen CO2-Emissionen und – etwa ab 2007 – durch immer stärkere Emissionen unverbrannten Methans direkt in die Atmosphäre.

Ich zähle aus der im Originalbericht von Dahr Jamail erwähnten Fülle nur einige, mir besonders wichtig erscheinende Beispiele auf:  Im November 2016 wiesen sowohl die Arktis als auch die Antarktis beide rekord-niedrige Meereis-Bedeckungen auf und die NASA konnte aufzeigen, dass die Gletscher rund um den Globus mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit schmelzen. Vor dem Hintergrund, dass weltweit Gletscher ca. 69% des gespeichertern Süsswassers dere Erde enthalten, ist die Bedeutung für uns Menschen, gekoppelt mit dem Anstieg der Meeresspiegel, offensichtlich.                                                       Ende Dezember 2016 hielt der Erwärmungstrend weiter an, mit Temperaturen am Nordpol in der Spitze fast am Taupunkt des Eises, atemberaubende 50 Grad Fahrenheit höher als normal um diese Jahreszeit, trotz der völligen Abwesenheit von Sonnenlicht.      NASA-Aufnahmen über der Antarktis ergaben, dass sich entlang dem Larsen C Eisgletscher ein Riss gebildet hat und dass eine Eisfläche von ca. 5.000 km2 abzubrechen droht und ins Meer zu gleiten. Ferner wurde ein Bruch im Pine Island Gletscher entdeckt und damit auch ein weiteres Zerstörungssystem: viele Gletscher in der Antarktis schmelzen von unten durch wärmeres Meerwasser, das sie unterspült.                                                         Gleichzeitig regt sich das Eis der östlichen Antarktis, die bisher als „stabil“ gehalten wurde. Zwei neue wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die Eismasse der östlichen Antarktis von oben und von unten schmilzt. Da die östliche Antarktis 2/3 des gesamten Eises dieses Kontinents trägt, ist nun die gesamte Region ihrer Stabilität beraubt.  Anfang Janur 2017 waren die Temperaturen in Barrow (nördliches Alaska) statt normal 5 Grad Fahrenheit unter Null auf plus 33 Grad Fahrenheit geklettert. Wissenschaftler der NOAA haben die Arktis, wegen der dramatischen Veränderungen, zu einem „unbekannten, neuen Klima-Territorium“ erklärt, da bisherige Kenntnisse keine Gültigkeit mehr haben.

Die Erde: Wenn man an die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf Wälder denkt, kommen einem allgemein die Gedanken von Trockenheit und Waldbränden als Beeinträchtigungen. Die größte Gefahr für die Wälder sind aber Schädlinge. Eine neue Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die U.S.- Waldbestände bis 2027 zu 63% zerstört sein werden. Und ähnliche Wirkungen werden sich überall auf dem Globus abspielen: Baumschädlinge, ansteigende Temperaturen und Trockenperioden können eine Baumart in wenigen Jahren verschwinden lassen.      Hinzu kommt, dass sie sich nicht mehr aus eigner Kraft revitalisieren können.               Es wurden bei den letzten Großfeuern so viele alte Samen tragende Bäume vernichtet, in ganzen Landstrichen, dass die Wälder nicht mehr in der Lage sind, durch eigene Samen die Wiederaufforstung zu schaffen. Aber, wo die Wälder verschwinden, ändert sich auch das Klima. Und wenn große Waldflächen brennen, dann wirkt sich das natürlich auch global aus, weil die  Luftströmungen die Bindeglieder darstellen. Weit von einander entfernte Gegenden beeinflussen sich dann gegenseitig. Hoch im Norden nehmen die Rentiere an Gewicht und Größe ab, zu allererst auf Grund  des schwindenden Futterangebotes. Seit 1990 hat sich ihr durchschnittliches Gewicht deutlich verringert. Die weltweit größte Herde wilder Rentiere, in Russland, auf der Taimyr Halbinsel, hat seit demn Jahr 2000 über 40% ihrer Tiere verloren. Und sie nimmt weiter schnell ab. Die Steller Seelöwen vor den westlichen Aleuten verlieren stark an Population. Das schrumpfende Nahrungsangebot und die veränderten Temperaturen werden für diese Entwicklung als die Gründe angesehen. Die Eisbären sind in Gefahr.  Sie drohen  Opfer der Orkas und Grönlandhaie zu werden, weil das Meerwasser immer offener ist und sie viel schwimmen müssen. Sie sind jetzt jetzt schon unter hoher Belastung durch die Erwärmung, weil die Schollen, auf denen die Robben sich ausruhen, verschwinden. Auch die kanadische Hudson Bay, das „Eisbären Zentrum der Erde“, hat sich bereits stark verändert. Die Bay war im November 2016 noch eisfrei, wie an einem typischen Sommertag. Wenn diese Trends anhalten, werden diec Eisbären 2050 ausgestorben sein. Lachse im Yukon River in Alaska werden deutlich weniger, weil die Wasserqualität sich durch den auftauenden Permafrostboden verändert hat. Es kommen weniger Lachse zum Laichen zurück. Eingeborene, die ihre jährlichen Wanderungsbewegungen auf die Rückkehr der Lachse aufgebaut haben, verlieren zum Teil ihre Ernährungsgrundlage.

Das Wasser: Wie immer, die am deutlichsten erkennbaren Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels zeigen sich auf den mit Wasser bedeckten Gebieten der Erde. Eine Fläche polaren Meereises von der Größe Indiens ist mitten in den rekordwarmen Ozean- und Lufttemperaturen verschwunden. Das erstaunt nicht, wenn man bedenkt, dass Teile der Arktis im November 2016 für Tage Temperaturen von 20 Grad Celsius höher aufwiesen, als zu dieser Jahreszeit bisher normal.  Grönland hat nach einer neuen Studie schlechte Nachrichten zu erwarten. Der Grönland-Zentralgletscher wird vierl schneller schmelzen, als bisher angenommen. Das wiederum  wird zum beschleunigten Anstieg der Meere führen.        Außerdem kann die atlantische Strömung und Zirkulation des Meerwassers beeinträchtigt werden durch die einströmenden Schmelzwassermassen. Das hätte dann weitreichende katastrophale Folgen für Nordeuropa und Nordamerika und alles noch weiter nördlich. Es würde insgesamt kälter und trockener mit längeren Trockenperioden, aber auch mit Überschwemungen durch starke Niederschläge. Die Agrarproduktion würde stark beeinträchtigt.                   Unten, in der Antarktis ist es aber auch nicht besser. Die Gletscher dort schrumpfen ebenfalls, teilweise um bis zu 20 Fuß Höhe pro Jahr (Satelliten-Vermessung). Und die Everglades in Florida werden vom steigenden Merrwasser mit Salzwasser ertränkt werden. Metropolen in Küstenbereichen sind durch den Meeresspiegelanstieg in besonderer Weise betroffen: Miami, New Orleans, New York, Hong Kong, Shanghai und Hunderte weitere.  Groß Brittannien ist im Winmer 2013/2014 nur mit Glück einer Katastrophe entgangen. in dieser Jahreszeit ereigneten sich mehrere extrem hohe Tiden bei Fluten, die zum Teil mehr als die Hälfte des normalen Tidenhubes höher ausfielen. Es waren etliche Schäden zu verzeichnen gewesen. Jedoch in keinem Fall fiel eine der Fluten mit einem der winterlichen Orkane zusammen. Wenn das geschehen wäre, hätten die Folgen an der britischen Küste zu schwersten Verwüstungen geführt.  Aber, das ist nur eine Frage der Zeit, wann eine solche hohe Tide mit einem Sturm  zusammen erscheint, meinen die Wissenschaftler.

Feuer: Die Erwärmung begünstigt natürlich auch Waldbrände und Tundrabrände, zumal wenn mit ihr auch noch große Trockenheit auftritt. Die Brände werden großflächiger, häufiger und länger anhaltend. Nicht nur in Alaska und anderen nördlichen Waldgebieten, sondern auch in den Buschgebieten Süd Afrikas gibt es verstärkt Brände, die wegen fehlender Niederschläge und anhaltender Trockenheit zugenommen haben. Zum Jahreswechsel gab es in Süd Afrika über 100 aktive Brände.

Luft: Schon bald wird das Jahr 2016 das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen genannt werden. Das stimmt ganz sicher für die Arktis, wo die Herbsttemperaturen 2016 um bis zu 36 Grad Fahrenheit über normal lagen und an einigen Plätzen sogar noch höher. Derartige Veränderungen des arktischen Wetters haben natürlich Auswirkungen auf das globale Klima. Die Jet-Streams werden sich in Stärke und Richtung verschieben, mit den Folgen regional großer Trockenheiten und starker Niederschläge mit Überflutungen. Die Nahrungsmittelproduktion wird davon dramatisch beeinträchtigt werden. Krankheiten, die durch Fluginsekten übertragen werden, wie Malaria und Dengue Fieber, haben die Möglichkeit, sich mit der Erwärmung und der Ausdehnung küstennaher Überschwemmungsgebiete auszubreiten.

übersetzt  14.01.2017 Volker Fritz

Nachsatz:  Die University of California in Berkeley hat am 04.01.17 die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Überprüfung der Berichte zur Erderwärmung veröffentlicht. Ergebnis: die in den letzten Jahren ermittelten Erwärmungswerte der Erde, durch Überwachung der Seewassertemperaturen an der Oberfläche, waren zu niedrig. In den vergangenen 19 Jahren stiegen die Werte von 0,07 Grad auf 0,12 Grad Celsius pro Dekade. Chief Researcher: Zeke Hausfather.   http://advances.sciencemag.org/content/3/1/e1601207

 

 

 

 

 

Feb 062017
 

Kommentar: Volker H.A. Fritz

Kanadische Öl- und Erdgasförderkonzerne missachten die Rechte der Kanadier und wenn  berechtigte Klagen lästig werden, bringen sie durch Zahlungen die Kläger außergerichtlich zum Schweigen. In ihrem Verhalten ändern sie aber nichts. Die fossile Industrie in Kanada kann fast völlig ungehindert tun, was sie will.

Die bekannte kanadische Grundbesitzerin in Alberta, Jessica Ernst, die schon gegen die mächtige Fördergesellschaft ENCANA geklagt hat, hat auch die Regulierungsbehörde ihrer Provinz vor dem höchsten kanadischen Gericht verklagt, weil diese nichts unternommen habe, die durch Fracking herbeigeführte Beeinträchtigung ihres Wassers zu verhindern. Der Fracker „Quicksilver Resources“ hatte vor Jahren unerlaubt zu flach abgelenkt und beim anschließenden fracking das Wasser und die Brunnenanlage auf Ernst‘ s Farm beschädigt.                       Am 13.01.2017 hat das Gericht ihre Klage zurückgewiesen mit 5 zu 4 Stimmen, aber nicht wegen des Klagegrundes, sondern weil das Gericht sich nicht zuständig sah. Dafür müsse auf einer Gerichtsebene unterhalb des höchsten Gerichtes Klage erhoben werden.

In der Ausgabe des National Observer vom 16.01.2017 wird von Warren Bell zum Fall Jessica Ernst Stellung genommen, aber auch zugleich auf die Verhältnisse in Kanada eingegangen. Die fossilen Konzerne haben in Kanada so viel Einfluss auf die Regierung in Ottawa, auf die Provinzregierungen und auf die Überwachungsbehörden, dass eine unabhängige Kontrolle ihrer Aktivitäten gar nicht möglich ist. An vielen wichtigen Schaltstellen sitzen „befreundete“ Personen. Die gesetzlichen Vorgaben für die Fracking-Förderung, zur Bewahrung der Gesundheit der Menschen und zur Bewahrung der Umwelt, sind lasch und viel zu ungenau. Die Überwachungsbehörden in den einzelnen Provinzen Kanadas kümmern sich kaum um die Auswirkungen der Aktivitäten der Förderer auf Menschen und Umwelt.  http://www.nationalobserver.com/2017/01/16/opinion/acclaimed-canadian-author-lays-out-dirty-back-story-fossil-fuel-industry-and

Durch finanzielle Verknüpfungen sind Bezirksregierungen zum Teil in die Abhängigkeit der Konzerne geraten. Treten Schäden durch die Fracking-Förderung auf und werden die Beschwerden der Betroffenen unangenehm laut, bekommen sie eine Abfindung, verbunden mit einer Stillschweigensvereinbarung. Geld spielt keine Rolle. Regulatorische Maßnahmen, um künftige Wiederholungen zu vermeiden, erfolgen nicht. So können die Förderer ihre schmutzigen Aktivitäten weiter entfalten, ohne von den Regulierungsbehörden Sanktionen oder verschärfte Auflagen erwarten zu müssen.

Warren Bell weist auf das 2015 erschienene Buch von Andrew Nikiforuk hin „Slick Water“ , in welchem dieser die Machenschaften dieser Industrie am Beispiel der Ereignisse um Jessica Ernst beschreibt. Das Lesen dieses Buches empfiehlt er ausdrücklich. Danach wisse der Leser viel besser, mit was für einer Art von Industrie er es zu tun habe, die sich im Prinzip – wie die Tabak- und die Chemische Industrie  und andere  – ausschließlich daran ausrichte, das angelegte Kapital ihrer Aktionäre zu vermehren.

Volker Fritz  17.01.2017

im Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land