Bericht zum April 2020: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Apr 272020
 

Volker H.A. Fritz. Wolfenbüttel, den 24.04.2020

Berichtszeitraum 28.03.2020 bis 24.04.2020

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme erneut drastisch ab – um fast 38% gegenüber dem Stand des Vormonats und liegt inzwischen unter dem Tiefststand nach dem Crash 2014 im Juni 2016 mit 497 Türmen im Einsatz.

248 Bohrtürme wurden im März stillgelegt, überwiegend für Öl. 291 Bohrtürme wurden im April stillgelegt, überwiegend für Öl. Damit wurden in den nur 2 Monaten 52% der nordamerikanischen Bohrkapazitäten stillgelegt.

Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wird nun immer spürbarer zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der über 2 Mrd Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie inzwischen nicht mehr ihr gewohntes Leben und Arbeiten fortsetzen können, sondern „abgesperrt“ leben müssen und zunehmend auch nicht mehr zur Arbeit gehen können, da ihre Unternehmen Zwangspausen einlegen müssen. In der abgelaufenen Woche brach sogar kurzzeitig der Rohölpreis auf Basis WTI zusammen, wegen nicht absetzbarer, aber vertraglich georderter Rohölmengen. Der WTI-Preis in New York fiel erstmals in der Geschichte ins Minus und Verkäufer zahlten Abnehmern noch eine Prämie, wenn sie ihnen die Rohölmengen abnahmen, bis zu 25 USD/barrel. Das hat sich inzwischen wieder leicht erholt, heute lag WTI in New York bei 18 USD/barrel. Doch dieses Preisniveau ist mörderisch für die US-Förderindustrie und besonders für die teure Fracking-Ölförderung.

Weiterhin gilt abseits des Handelsplatzes New York: In Nordamerika und auch anderwärts sieht es noch viel schlechter aus, weil ein großer Teil des Handels direkt beim Förderer abgeschlossen wird und diese Preise liegen noch deutlich unter WTI-Niveau.

Marktinformationen lauteten Ende März:

Sibirisches russisches Rohöl wird für 10 USD/barrel abgegeben, westkanadisches Auswahlöl fiel auf 6,45 USD/barrel und North Dakota Light Sweet wurde für 9,95 USD/barrel verkauft. Der Ölpreis ab Bohrung am 25.03. betrug in Wyoming 1,75 USD/barrel. Hinzu kommen 15 bis 30 USD/barrel Transportkosten, um es zu den Raffinerien zu bringen. Aus China verlautet: die chinesischen Inlandspreise sind unter 10 USD/barrel gefallen.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl liegt gut 20% unter der globalen Fördermenge. Das Fördervolumen muss dem angepasst werden. In wenigen Tagen werden weltweit alle Rohöllager restlos gefüllt sein, da die Kapazitäten nicht so schnell angepasst werden konnten. Es bleibt nur eine Lösung: die Weltproduktion an Rohöl muss der aktuellen Abnahme durch drastische Reduzierung folgen.

In Nordamerika entwickelt sich eine Katastrophe.

Viele der mittleren und kleinen Unternehmen mit Förderung können zu den derzeitigen Preisen nicht mehr kostendeckend fördern und werden in den nächsten Wochen den Betrieb einstellen. In Kanada haben die großen Ölsand-Verarbeiter begonnen, ihre Produktion herunter zu fahren und lassen Pläne für neue und erweiterte Produktionen in der Schublade. Sie können bei diesen Preisen nicht mehr mit Kostendeckung arbeiten. Seit 35 Jahren haben nicht so viele Förderbohrungen in Nordamerika still gestanden, wie gerade jetzt.

Im Permian und Anadarko Basin in den USA gibt es 400.000 Pferdekopfpumpen-Förderbohrungen, die von meist kleineren Familienunternehmen betrieben werden. Sie beschäftigen bisher ca. 143.000 Arbeiter, die ihre Anlagen betreiben und warten und sie fördern bisher zusammen ca. 850.000 barrels/Tag.

Davon könnten in Kürze ca. 500.000 barrels wegfallen und ca. 100.000 Arbeitsplätze, meist in ländlichen Gebieten. Das birgt jede Menge Sprengstoff für die Nachwahl von Präsident Trump. Wenn der WTI-Preis in New York unter 24.-USD/barrel bleibt, werden viele dieser Unternehmen aufgeben müssen. Sie befürchten das Schlimmste. Nach dem letzten „Schock“, dem Einbruch der Ölpreise nach 2014, sind die meisten dieser Unternehmen so geschwächt, dass sie keine Reserven mehr haben.

Und auch die Zulieferer-Industrie hat mit der Reduzierung angefangen: Der Rohrhersteller Tenavis SA kündigte 223 Mitarbeitern in seinem Werk in Houston. Halliburton beurlaubte in seiner Stammfirma in Houston zunächst 3.500 Beschäftigte. In Kanada hat der Spezial-Spediteuer Mullen Group Ltd. mit Sitz in Calgary, der auch Ölfeld Logistik-Aufgaben und Schwerst-Transporte aller Art durchführt, im April 1.000 Mitarbeiter entlassen, um die Auswirkungen der CORONA -Pandemie abzufangen. Die Firma hatte im 1.Q 2020 noch einen Gewinn von 318 Mio Dollar ausgewiesen.

Und die Angst geht in den Ölcamps in den USA und in Kanada um, dass die CORANA- Pandemie auch dort einschlagen wird, zumal die Container-Wohnanlagen ein Leben auf engem Raum und in körperlicher Nähe der Bewohner zu einander bedingen. Wird einer der Mitbewohner infiziert, ist es unausbleiblich, dass alle anderen auch erkranken. Und die Menschen auf den Bohr- und Förderplätzen, die meist weitab von Städten angelegt sind, wissen aus Erfahrung, was es heisst, dort ernsthaft krank zu werden. Es ist dann nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Leben ernsthaft bedroht. Es wird befürchtet, dass viele der Arbeiter die Bohr- und Förderplätze verlassen werden, um dieser Gefahr zu entgehen. In den USA haben sich inzwischen 22 Mio Beschäftigte arbeitslos gemeldet – in nur 5 Wochen.

Wenn auch in China so getan wird, als sei die CORONA-Pandemie so gut wie überwunden, ist es doch so, dass mit der Wiederaufnahme der Aktivitäten der Industrie und der Wirtschaft auch bisher unbekannte Infektionsträger wieder „unters Volk“ gelangen und eine zweite Welle auslösen können. Die nächsten Wochen werden das zeigen.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal die USA ja gerade erst am Anfang der größeren Ausbreitung stehen und zumal das US-

Gesundheitssystem in keiner Weise auf eine solche Pandemie vorbereitet ist. Diese Volkswirtschaft wird monatelang lahm gelegt werden und ihre Haupt-Handelspartner, wie zum Beispiel Deutschland, werden von den Nachfrageausfällen getroffen werden.

Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen haben bereits zu wirken begonnen. Hinzu kommt die immer deutlicher spürbare und sich von Tag zu Tag vergrößernde Zahl der Infizierten, deren Zunahme – nach landesweiten Isolier- und Sperrmaßnahmen – noch immer ungebrochen ist. Mehr und mehr Unternehmen haben die Produktion eingestellt, um ihre Mitarbeiter zu schonen.

Und die frühe erste teilweise Öffnung der Sperrmaßnahmen ab dem 25.04.2020 ist eine sehr riskante Aktion, denn das Ansteckungsrisiko steigt dadurch wieder. Fachwissenschaftler befürchten den Ausbruch einer zweiten „Welle“ größerer Ansteckungszahlen. Die nächsten 2 Wochen werden mit Spannung erwartet.

Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird inzwischen mit einem deutlichen Minus von über 8% erwartet. Die Absagen wichtiger international ausgerichteter Messen und Tagungen in Deutschland tragen ebenso dazu bei, wie die praktisch als Zusammenbruch des Luftverkehrs wirkende Reise- und Einreisesperre, die das Einschleppen weiterer Infizierter verhindern soll. Die groß angelegten Hilfspakete der Regierung Merkel sollen die Belastungen aus der Situation für Großunternehmen, für den Mittelstand und für kleine Selbständige – aber auch für die Menschen mit Niedriglohn und Teilzeitarbeit – erträglicher gestalten. Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland wird im Jahresdurchschnitt auf 2,5 Mio Personen erwartet, in der Spitze über 3,0. Im Detail wird bei der Abwicklung der Hilfspakete mancher Haken vermutet, der kostbare Zeit verschlingen wird. Pleiten sind vorprogrammiert und viele, viele Arbeitslose.

Zu den Zahlen der Bohrtürme:

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um ca. 38% von der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin mit 491 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel, am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Zur Zeit liegen sie bei 18,06 USD/barrel.

Die OPEC hat mit verstärkten Förderkürzungen und neuen Verhandlungen mit Russland vereinbart, die Ölmenge der stark gefallenen internationalen Nachfrage anzupassen, um einen Preisabsturz des Rohöles zu begrenzen. 10 Mio barrel/Tag Reduzierung kam dabei heraus.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weiß niemand, wie lange wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen. Inzwischen wird mit einer Dauer von mehreren Monaten gerechnet und erst für 2021/ 2022 wird eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erwartet, ausgehend von dem bis dahin erreichten, stark verminderten Niveau. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann es mehr als 5 Jahre dauern, ehe die Weltwirtschaft wieder einigermaßen „rund“ läuft. Wirtschaftskundler schätzen, dass der Einbruch stärker ausfallen kann, als die in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im April unterschiedlich, da Kanada bereits im März fast alle Ölbohrtürme stillgelegt hatte. Der Löwenanteil der Stilllegungen erfolgte in den USA.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis März 2020:

Monat/ Jahrgesamt im Einsatz in NordamerikaUSAKanadaUS Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17117895822046
31.10.17111591320251,94
15.11.17109088919254,27
15.12.17116893023856,64
19.01.18126193632563,72
16.02.18129397531860,74
13.04.181110100811766,74
15.06.181198105913966,6
14.09.181281105522670,3
09.11.181277108119661,59
14.12.181245107117451,2
18.01.191259105020952,32
15.02.191275105122453,34
15.03.191187102616158,34
12.04.19108810226664,47
10.05.1910519886361,99
12.07.19107595811760,27
13.09.19102088613455
11.10.19100285614654,6
08.11.1995781714056,39
06.12.1993779913856,32
03.01.208817968562,8
31.01.20103779024752,95
28.02.20103079024044,67
27.03.207827285421,6
24.04.204914652618,06

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika noch 387 Ölbohrtürme und 104 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(231), New Mexico(70), Louisiana (40), North Dakota(27), Pennsylvania(25), Oklahoma(20), Colorado(15), West Virginia(7), Wyoming (6) Utah(5) und Kalifornien(5).

Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt die Entwicklung zu geringerem Energieverbrauch wider. Am 07.06.2019 lag der Preis bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Ende Februar wurde er bei 1,75 USD/mmBtu notiert und blieb seither immer unter 2 USD/mmBtu. Zur Zeit wird er mit 1,815 USD/mmBtu notiert.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mmBtu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA – und in der Folge auch beim Erdgas zu noch größeren Verlustabschlüssen führen. Die internationalen Bohraktivitäten nahmen leicht ab, um 26 Türme auf 1.059 Bohrtürme.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden. Eine weltweite Rezession gewaltigen Ausmaßes kommt auf uns alle zu, die erst nach einer längeren Wiederbelebungsphase Schritt für Schritt überwunden werden dürfte.

Wir alle müssen diese Krise erst einmal durchstehen, dann die Neuorientierung beginnen und danach den internationalen, vernetzten Wirtschaftskreislauf wieder beleben.

Volker Fritz – im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 27. April 2020

Anschlag auf die Energiewende

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Apr 142020
 

Christfried Lenz: Beitrag im PV-Magazine vom 08.04.2020. (Abdruck mit freundlicher Genehmigung des PV-Magazines.)

Zum Interview Frank Farenski / Dr. Andreas Piepenbrink (Geschäftsführer E3/DC) zum „Barometer-Gutachten“ des BMWi.

Gigantische, revolutionäre Zerstörung der Energiewende und damit des Klimaschutzes“ resumiert Frank Farenski. Seinem Gespräch mit Andreas Piepenbrink, Geschäftsführer von E3/DC, ist zu entnehmen, dass mit dem „Barometer-Gutachten“ des Bundeswirtschaftsministeriums beabsichtigt wird, einer dem dezentralen Wesen der erneuerbaren Energien entsprechenden Struktur aus autonomen, in sich autarken, aber zusätzlich miteinander vernetzten Energiezellen den Riegel vorzuschieben. Die von Millionen klimaschutzengagierten Menschen über Jahrzehnte hin dezentral und demokratisch vorangetriebene Energiewende soll demnach zur Sackgasse erklärt werden. Die Schlüsselgewalt für das gesamte energetische Geschehen soll über ein allumfassendes Netz wieder in die Hände alter, vom Hunger nach Maximalprofit getriebener Konzerne gelangen.

Das Vorhaben ist nicht ganz neu. (siehe zum Beispiel den Artikel „Statt Spinnennetz gute Nachbarschaften“). Jetzt sollen offenbar Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Die Bundesregierung wählt hierfür einen Moment, in welchem ohnehin Änderungen am bisherigen System anstehen: Nach 20 Jahren EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) fallen nun Anlagen nach und nach aus der Förderung, und entgegen verbaler Hoffnungsmache seitens der Regierung bleibt der 52-Gigawatt-Photovoltaik-Deckel nach wie vor bestehen und wird demnächst erreicht. Danach gebaute Anlagen bis 750 Kilowatt erhalten dann keine staatlich garantierte Einspeisevergütung mehr.

Zum besseren Verständnis der nationalen Situation sollte allerdings auch die internationale Lage betrachtet werden. Diese ist geprägt von einer noch nicht dagewesenen Krise der fossilen Energie. Da die Vorräte an Öl und Gas nun mal nicht wachsen, sondern weniger werden, hat die einschlägige Industrie rabiate Techniken entwickelt, wodurch die Fördermengen zunächst erhalten und sogar vergrößert werden konnten. In den USA hat Fracking einen Gas- und Öl-Boom ausgelöst. Da die Technik sehr teuer ist, basierte dieser allerdings von Anfang an auf Krediten. Jetzt, wo die Öl- und Gaspreise extrem sinken, platzen die Schuldenblasen reihenweise. Die Sache hat eine völlig andere Dimension als die Immobilienblasen 2007.

Hans-Josef Fell schrieb dazu im Februar in „Die fossile Energiewirtschaft in der Krise – Kommt bald der große Crash?“: „Nun sind ein krisenanfälliger Ölmarkt und die Probleme der fossilen Energien für den Klimaschutz eine gute Nachricht. Doch steht zu befürchten, dass ein größerer Crash von Energieunternehmen auch die restliche Weltwirtschaft in eine Krise stürzen könnte.“ Und an anderer Stelle: „All dies zeigt: die Öl- und Erdgasbranche steckt ganz tief in der Krise und hofft, dass es keiner bemerkt.“

Diese Hoffnung wird nun – exakt getimed und mit schier unfassbarer Perfektion – erfüllt: Wenn der Tsunami aus Pleiten und Arbeitslosigkeit anrollt, wird Corona als Ursache dastehen und nicht die krisenhafte, Klima und Umwelt zerstörende fossile Energiewirtschaft.

Letztere bäumt sich auf, und in diesem Kontext ist auch das Vorhaben der Bundesregierung zu sehen. Den jahrzehntelangen Enthusiasmus klimaschützender, gemeinwohlorientierter und demokratisch gesonnener Menschen zugunsten rein aus Profitinteresse handelnder Oligarchen abzuwürgen, ist nicht nur hässlich und destruktiv, sondern hat auch etwas Verzweifeltes.

Andreas Piepenbrink bedauert, dass aus den Reihen der Energiewende-Akteure niemand „aufsteht“. Auch das ist aber nicht neu. Wir haben nämlich durchaus einen Anteil daran, dass die Regierungen die Deformation und Sinnverkehrung des ursprünglichen EEG durchziehen konnten:

  • Die Änderung des Wälzungsmechanismus der EEG-Umlage 2010, die es ermöglichte, die erneuerbaren Energien als Strompreistreiber zu diffamieren,
  • die „Sonnensteuer“ auf Eigenverbrauch,
  • die bösartigen, absurden, rein der Abschreckung dienenden bürokratischen Vorschriften –

dies und vieles mehr, das ab 2012 zum Verlust von 80.000 Arbeitsplätzen in der Photovoltaik-Branche in Deutschland führte, wurde von den Erneuerbaren-Verbänden und Firmen ohne nennenswerten Widerstand geschluckt.

Die Gründe hierfür scheinen mir darin zu liegen, dass Teile der Energiewende-Bewegung bis zum heutigen Tag nicht wirklich wahrnehmen, dass die Bundesregierung ganz klar auf der Seite der konventionellen Energiekonzerne steht und deren Partikularinteressen so weit unterstützt, wie es angesichts der nach wie vor stabilen Pro-Energiewende-Mehrheit in der Bevölkerung politisch irgend machbar ist. So findet man in Stellungnahmen immer wieder ein Bemühen, die Bundesregierung wohlmeinend beraten zu sollen, da ihr Fachwissen für die erneuerbaren Energien fehlen würde. Das ist naiv und lächerlich. Das Wissen, das die Bundesregierung braucht, um ihre Ziele zu verfolgen, nämlich die Unterstützung der konventionellen und die Beschränkung der erneuerbaren Energie, hat sie in hervorragendem Maße.

Auch bei Piepenbrink selbst gibt es noch die Tendenz, die Regierung auf Sinnwidrigkeiten hinzuweisen. So versteht er nicht, wie es sein kann, dass ein 10-jähriges Förderprogramm der Länder zur Speicherentwicklung, das eine Menge Geld gekostet hat, im Fall des Bestehenbleibens des 52-Gigawatt-Deckels zu Makulatur wird. Klar, die Speicher sind den Konventionellen der unangenehmste Dorn im Auge. Denn wenn es genügend Speicher gibt, hat das letzte Stündlein der fossilen Energie unwiderruflich geschlagen. Und für Maßnahmen, die dies verhindern, setzt man mit dem größten Vergnügen Millionen in den Sand.

Alle, denen es ernsthaft um Klimaschutz und Energiewende geht, sollten wirklich begreifen, dass die herrschende Politik nicht unfähig, sondern Gegner der Energiewende ist – und zwar ein hoch potenter Gegner. Durch ihre Gesetzgebung arbeitet diese Politik in raffinierter und oft nicht leicht durchschaubarer Weise gegen Klimaschutz und Energiewende.

Ich kann nur aufrufen, uns unabhängig von der Politik mit unseren Nachbarn zusammenzutun, Solarmodule und Batteriespeicher zu kaufen und uns gemeinsam mit Sonnenstrom zu versorgen – und zwar ohne irgendjemanden um Erlaubnis zu fragen! Wenn wir einen Kühlschrank kaufen und benutzen wollen, fragen wir auch nicht um Erlaubnis.

Die Erneuerbaren samt Speicherung und Sektorenkopplung sind inzwischen so weit, dass wir anfangen können, uns durch sie zu 100 Prozent zu versorgen. Nicht mit einem Schlag und noch nicht überall, aber wir müssen und können damit jetzt anfangen. “E3/DC bräuchte ja theoretisch gar keine Einspeisevergütung. Was wir aber bräuchten, sind einfache Regulierungen“ sagt Andreas Piepenbrink.

Diese einfachen Regulierungen finden sich in der Erneuerbaren-Richtlinie der EU. Da erwartet werden muss, dass die Richtlinie bei der Umsetzung in deutsches Recht deformiert wird, liegt es nahe, ihren Geist und ihre Absichten jetzt schon praktisch anzuwenden – in Verantwortung für unser aller Zukunft..

Wir haben Neuland zu erkunden. Mut und ein gewisser Pioniergeist können da hilfreich sein. – Ja, es geht nicht nur gegen die bösen Konzerne, wir selber sind auch Gewohnheitstiere, die sich voraussichtlich total neuen Erfahrungen stellen müssen!

Diesbezüglich hat nun die Corona-Geschichte einen durchaus positiven Aspekt: Sie veranlasst uns, schon mal auszuprobieren, wie es ist, aus einer ganzen Reihe von Gewohnheiten auszusteigen. – Und eigentlich klappt es doch gar nicht so schlecht.

Christfried Lenz.

 Veröffentlicht von am 14. April 2020

Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika – Bericht zum März 2020

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Mrz 292020
 

Berichtszeitraum 29.02.2020 bis 27.03.2020

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Fritz im AK Fracking Braunschweiger Land

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme drastisch ab – um fast 25% in nur einem Monat!!

248 Bohrtürme wurden insgesamt stillgelegt, überwiegend für Öl. Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wird nun mehr und mehr zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der über 2 Mrd Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie inzwischen nicht mehr ihr gewohntes Leben und Arbeiten fortsetzen können, sondern „abgesperrt“ leben müssen und zunehmend auch nicht mehr zur Arbeit gehen können, da ihre Unternehmen Zwangspausen einlegen müssen.

So wirken sich die Niedrigpreispolitik der Saudis und der Russen und der Nachfrageausfall mehrerer sehr großer Volkswirtschaften geradezu verheerend aus und der Rohölpreis WTI wurde heute – nach noch 47,50 USD/barrel am 03.03.20 – mit 21,60 USD/barrel gehandelt. In Nordamerika und auch anderwärts sieht es noch viel schlechter aus, weil ein großer Teil des Handels direkt beim Förderer abgeschlossen wird und diese Preise liegen noch deutlich unter WTI-Niveau.

Marktinformationen lauteten heute: Sibirisches russisches Rohöl wird für 10 USD/barrel abgegeben, westkanadisches Auswahlöl fiel auf 6,45 USD/barrel und North Dakota Light Sweet wurde für 9,95 USD/barrel verkauft. Der Ölpreis ab Bohrung in dieser Woche betrug in Wyoming 1,75 USD/barrel. Hinzu kommen 15 bis 30 USD/barrel Transportkosten, um es zu den Raffinerien zu bringen. Aus China verlautet: die chinesischen Inlandspreise sind unter 10 USD/barrel gefallen.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl liegt gut 20% unter der globalen Fördermenge. Das Fördervolumen muss dem angepasst werden. In wenigen Wochen werden weltweit alle Rohöllager restlos gefüllt sein. Es bleibt nur eine Lösung: die Weltproduktion an Rohöl muss der aktuellen Abnahme durch Reduzierung folgen.

In Nordamerika bahnt sich eine Katastrophe an.

Viele der mittleren und kleinen Unternehmen mit Förderung können zu den derzeitigen Preisen nicht mehr kostendeckend fördern und werden in den nächsten Wochen den Betrieb einstellen. In Kanada haben die großen Ölsand-Verarbeiter begonnen, ihre Produktion herunter zu fahren und lassen Pläne für neue und erweiterte Produktionen in der Schublade. Sie können bei diesen Preisen nicht mehr mit Kostendeckung arbeiten. Seit 35 Jahren haben nicht so viele Förderbohrungen in Nordamerika still gestanden, wie gerade jetzt.

Im Permian und Anadarko Basin in den USA gibt es 400.000 Pferdekopfpumpen-Förderbohrungen, die von meist kleineren Familienunternehmen betrieben werden. Sie beschäftigen bisher ca. 143.000 Arbeiter, die ihre Anlagen betreiben und warten und sie fördern bisher zusammen ca. 850.000 barrels/Tag. Davon könnten in Kürze ca. 500.000 barrels wegfallen und ca. 100.000 Arbeitsplätze, meist in ländlichen Gebieten. Das birgt jede Menge Sprengstoff für die Nachwahl von Präsident Trump. Wenn der WTI-Preis in New York unter 24.-USD/barrel liegt, machen viele dieser Unternehmen Verluste. Sie befürchten das Schlimmste. Nach dem letzten „Schock“, dem Einbruch der Ölpreise nach 2014, sind die meisten dieser Unternehmen so geschwächt, dass sie aufgeben werden müssen.

Und auch die Zulieferer-Industrie hat mit der Reduzierung angefangen: Der Rohrhersteller Tenavis SA kündigte 223 Mitarbeitern in seinem Werk in Houston. Halliburton beurlaubte in seiner Stammfirma in Houston zunächst 3.500 Beschäftigte. Und die Angst geht in den Ölcamps in den USA und in Kanada um, dass die CORANA-Pandemie auch dort einschlagen wird, zumal die Container-Wohnanlagen ein Leben auf engem Raum und in körperlicher Nähe der Bewohner zu einander bedingen.

Wird einer der Mitbewohner infiziert, ist es unausbleiblich, dass alle anderen auch erkranken. Und die Menschen auf den Bohr- und Förderplätzen, die meist weitab von Städten angelegt sind, wissen aus Erfahrung, was es heißt, dort ernsthaft krank zu werden. Es ist dann nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Leben ernsthaft bedroht. Es wird befürchtet, dass viele der Arbeiter die Bohr- und Förderplätze verlassen werden, um dieser Gefahr zu entgehen.

Wenn auch in China so getan wird, als sei die CORONA-Pandemie so gut wie überwunden, ist es doch so, dass mit der Wiederaufnahme der Aktivitäten der Industrie und der Wirtschaft auch bisher unbekannte Infektionsträger wieder „unters Volk“ gelangen und eine zweite Welle auslösen können. Die nächsten Wochen werden das zeigen.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal die USA ja gerade erst am Anfang der größeren Ausbreitung stehen und zumal das US-Gesundheitssystem in keiner Weise auf eine solche Pandemie vorbereitet ist. Diese Volkswirtschaft wird monatelang lahm gelegt werden und ihre Haupt-Handelspartner, wie zum Beispiel Deutschland, werden von den Nachfrageausfällen getroffen werden.

Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen haben bereits zu wirken begonnen. Hinzu kommt die immer deutlicher spürbare und sich von Tag zu Tag vergrößernde Zahl der Infizierten, deren Zunahme – nach landesweiten Isolier- und Sperrmaßnahmen – noch immer ungebrochen ist. Mehr und mehr Unternehmen haben die Produktion eingestellt, um ihre Mitarbeiter zu schonen.

Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird inzwischen mit einem deutlichen Minus erwartet. Die Absagen wichtiger international ausgerichteter Messen und Tagungen in Deutschland tragen ebenso dazu bei, wie die praktisch als Zusammenbruch des Luftverkehrs wirkende Reise- und Einreisesperre, die das Einschleppen weitere Infizierter verhindern soll. Das groß angelegte Hilfspaket der Regierung Merkel soll die Belastungen aus der Situation für Großunternehmen, für den Mittelstand und für kleine Selbständige erträglicher gestalten. Doch im Detail wird bei der Abwicklung mancher Haken vermutet, der kostbare Zeit verschlingen wird. Pleiten sind vorprogrammiert und viele, viele Arbeitslose.

Doch nun zu den Zahlen der Bohrtürme

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um über 40% unter der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin mit 782 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel und am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Zur Zeit liegen sie bei 21,60 USD/barrel. Die OPEC wird mit verstärkten Förderkürzungen und neuen Verhandlungen mit Russland versuchen, die Ölmenge der stark gefallenen internationalen Nachfrage anzupassen, um einen Preisabsturz des Rohöles zu begrenzen.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weis niemand, wie lange wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen. Inzwischen wird mit einer Dauer von mehrerenm Monaten gerechnet und erst für 2021 wird eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erwartet. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann sich daraus eine Weltwirtschaftskrise entwickeln, die noch gravierender ausfallen kann, als die in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im März unterschiedlich, aus Kanada wurden die weitaus meisten der stillgelegten Ölbohrtürme gemeldet.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis März 2020:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
12.07.19 1075 958 117 60,27
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32
03.01.20 881 796 85 62,8
31.01.20 1037 790 247 52,95
28.02.20 1030 790 240 44,67
27.03.20 782 728 54 21,6

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 642 Ölbohrtürme und 138 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(368), New Mexico(109), Louisiana (44), North Dakota(48), Oklahoma(39), Pennsylvania(24), Wyoming (19), Colorado(19), West Virginia(15), Kalifornien (12), u. Ohio( 9).

Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt die Entwicklung zu geringerem Energieverbrauch wider. Am 07.06.2019 lag der Preis bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Ende Februar wurde er bei 1,75 USD/mmBtu notiert und fiel im März noch weiter ab auf zuletzt 1,637 USD/mmBtu.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mmBtu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA – und in der Folge auch beim Erdgas zu noch größeren Verlustabschlüssen führen.

Die internationalen Bohraktivitäten nahmen leicht zu, um 7 Türme auf 1.085 Bohrtürme.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden. Alle müssen diese Krise erst einmal durchstehen, dann die Neuorientierung beginnen und danach den internationalen, vernetzten Wirtschaftskreislauf wieder beleben.

 Veröffentlicht von am 29. März 2020

Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika – Bericht Februar 2020

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Mrz 032020
 

Berichtszeitraum 01.02.2020 bis 28.02.2020

Volker Fritz (im AK Fracking Braunschweiger Land) – 29.02.2020

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme wieder leicht ab, um 7 Stück nach umfangreichem Aufbau im Januar. Jetzt, in der Nachschau, gehe ich davon aus, dass es sich um den Einfluss des Jahreswechsels gehandelt hat und nicht um den Beginn einer neuen Entwicklung.

Die unerwartete Erschütterung des chinesischen Wirtschaftsraumes durch die Epidemie des CORONA-Virus, die in den letzten Wochen auch andere Bereiche des Globus erreicht hat, wirbelt die Weltwirtschaft inzwischen genauso durch einander, wie die Immobilienkrise 2007. Die Börsenwerte des DOW JOMES in New York und des DAX in Frankfurt verloren in der abgelaufenen Woche 13% an Wert. Und ein Ende dieser Entwicklung ist noch lange nicht abzusehen. Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen haben bereits zu wirken begonnen. Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird inzwischen eher mit einem deutlichen Minus erwartet. Die Absagen wichtiger international ausgerichteter Messen und Tagungen tragen ebenso dazu bei, wie die starken Rückgänge bei Flügen und Kreuzfahrtbuchungen. Auch an den Energiepreisen spiegelt sich diese breite „Verlangsamung“ wider. Am 28.02. notierte Texanisches Rohöl WTI zu 44,67 USD/barrel nach einem Absturz von 53,37 zur Monatsmitte.

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um über 25% unter der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin deutlich unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel und am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Zur Zeit liegen sie bei 44,67 USD/barrel. Die OPEC wird mit verstärkten Förderkürzungen versuchen, die Ölmenge der stark gefallenen internationalen Nachfrage anzupassen, um einen Preisabsturz des Rohöles zu begrenzen.

Das CORONA-Virus hat inzwischen auch Persien erreicht, wodurch andere Themen zunächst in den Hintergrund gedrängt werden dürften, so auch der Konflikt Persien-USA. Und in den USA ist es auch nicht besser, denn das Gesundheitssystem ist ausgeblutet und die Hygiene-Überwachung in Häfen und auf Flughäfen ist auf eine Epidemie wie CORONA nicht vorbereitet und nicht ausgerüstet. Die Kampfhähne haben also in den nächsten Wochen zu allererst mir sich selbst zu tun.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weis niemand, wie lange wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann sich daraus eine Weltwirtschaftskrise wie in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickeln.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Februar etwa gleich.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis Februar 2020:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
30.09.17 1155 935 220 52,13
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
30.11.17 1123 915 208 56,18
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
16.03.18 1209 990 219 60,85
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
13.07.18 1251 1054 197 70,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
12.10.18 1258 1063 195 71,31
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
07.06.19 1078 975 103 51,7
12.07.19 1075 958 117 60,27
09.08.19 1074 934 140 52,31
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32
03.01.20 881 796 85 62,8
31.01.20 1037 790 247 52,95
28.02.20 1030 790 240 44,67

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 842 Ölbohrtürme und 188 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(400), New Mexico(115), Louisiana (50), North Dakota(52), Oklahoma(48), Wyoming (23), Pennsylvania(24), Colorado(21), Kalifornien (13), West Virginia(14) u. Ohio(11).

Den etwa 25%igen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Zur Zeit wird er bei 1,75 USD/mmBtu notiert, unter dem Einfluss der gefallenen Rohölpreise.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mm Btu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA führen.

Die internationalen Bohraktivitäten verringerten sich leicht um 26 Türme. 1.078 Bohrtürme werden weltweit im Januar/Februar im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet. Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 sind durch die weltweite CORONA-Virus-Epidemie hinfällig geworden. Alle müssen die Krise erst einmal durchstehen, dann die Neuorientierung beginnen und danach den internationalen, vernetzten Wirtschaftskreislauf wieder beleben.

Mit einem Anstieg der Rohölpreise über 50 USD/barrel ist daher in der ersten Jahreshälfte 2020 eher nicht zu rechnen.

 Veröffentlicht von am 3. März 2020

Bericht: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung

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Feb 152020
 
Foto: pixabay

Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 01.02.2020

Bericht zum Januar 2020 Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika
Berichtszeitraum 04.01.2020 bis 31.01.2020

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme drastisch wieder zu, um 156 Stück nach umfangreichem Abbau – zuletzt um 56 Stück im Dezember 2019.
Das sieht nach einer neuen Entwicklung aus.
Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um über 25 Prozent unter der damaligen Gesamtbohrkapazität.

Die starke Januar-Zunahme ergibt sich hauptsächlich durch die Wiederinbetriebnahme von 130 Ölbohrtürmen und 32 Gasbohrtürmen in Kanada. Die Zahl der Türme in den USA sank auf 790 Stück. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin deutlich unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen.
Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel und am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel. Derzeit sind sie auf 52,95 USD/barrel gesunken.

Die befürchtete größere Auseinandersetzung zwischen den USA und Persien, sowie deren Kampfgruppen außerhalb Persiens ist nach dem 03.01.2020 und der Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani bisher ausgeblieben.
Die persische Führung hat sich mit dem Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran, die von Teheran aus gestartet war, in eine Lage gebracht, die sie vorsichtiger agieren lässt.
Die internationalen Ölmärkte haben sich daraufhin wieder entspannt, mit der Folge sinkender Rohölpreise.
Die von der OPEC im Dezember beschlossene drastische Förderkürzung zur Stabilisierung der Rohölpreise zeigt bisher noch keine Wirkung.

Allerdings reicht die beschlossene Kürzung nach Ansicht der IEA auch nicht aus um die Überproduktion zu beseitigen. Dazu müsste noch stärker reduziert werden, zumal der weltweite Rohölbedarf in der ersten Hälfte 2020 ebenfalls abnehmend beurteilt wird. Die IEA hält es für möglich, dass beide Einflüsse auf den Rohölpreis sich im Ende aufheben werden und dass die Preiserhöhungsabsicht der OPEC ins Leere laufen könnte.
Zudem bleibt zu bedenken, dass die USA und Kanada die Rohölförderung ganz kurzfristig durch die Fracking-Förderung im Volumen erhöhen können, wenn die Weltmarktpreise wieder Gewinne erlauben, während die OPEC in dieser Hinsicht vergleichsweise schwerfällig ist.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Januar unterschiedlich, wobei in Kanada, mit der starken Wiederinbetriebnahme der Ölfördertürme, weit über die Dezember-Stillegungen hinaus, eine Trendwende erfolgt ist.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis Januar 2020:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
30.09.17 1155 935 220 52,13
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
30.11.17 1123 915 208 56,18
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
16.03.18 1209 990 219 60,85
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
13.07.18 1251 1054 197 70,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
12.10.18 1258 1063 195 71,31
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
07.06.19 1078 975 103 51,7
12.07.19 1075 958 117 60,27
09.08.19 1074 934 140 52,31
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32
03.01.20 881 796 85 62,8
31.01.20 1037 790 247 52,95

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 832 Ölbohrtürme und 202 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (395), New Mexico (109), Louisiana (52), North Dakota (52), Oklahoma (53), Wyoming (23), Pennsylvania (25), Colorado (22), Kalifornien (14), West Virginia (15) und (11).

Den etwa 25-prozentigen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Zur Zeit wird er bei 1,841 USD/mmBtu notiert, wo doch im Norden und Nordosten der USA ein winterlich erhöhter Bedarf besteht.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruhiges Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee.
Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mm Btu im Henry Hub erzielen.

Die internationalen Bohraktivitäten belebten sich leicht um 8 Türme. 1.104 Bohrtürme werden weltweit im Dezember/Januar im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet.
Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand, jedoch mit dem Vorbehalt, dass Persien Aktivitäten entwickeln wird, um den USA auf den verschiedensten Gebieten zu schaden. Das kann zur Folge haben, dass auch die Länder der EU in diesem Konflikt Stellung beziehen müssen, was sie bisher wachsweich vermieden haben.

Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden, denn er hat sich großsprecherisch als „Friedenspräsident“ gegenüber seinen Stammwählern vorgestellt, der „unsere amerikanischen Jungs“ nach Hause holt. Nun muss er auch liefern.
Doch Trump hat wiederholt dem Iran gedroht und Stimmung gemacht.
Wegen der Botschaftsbedrohung in Bagdad hat Trump zusätzlich Tausende US-Soldaten in den Nahen Osten und nach Saudi-Arabien verlegen lassen, um die US-Präsenz wieder zu verstärken.
Nun hat Trump mit der Tötung des Generals agiert und damit zugleich seine Position in dem Konflikt entscheidend geschwächt, denn gegen 80 Millionen Iraner kann er einen offenen Krieg kaum mit einfachen Mitteln gewinnen.

Die Infektionswelle in China mit dem Corana-Virus und die drastischen Gegenmassnahmen der Zentralregierung in Peking führen zu einem Rückgang der Wirtschaftsentwicklung, zunächst in China, aber wohl zu erwarten auch weltweit.
Dadurch wird der Rohölbedarf – zunächst des Großabnehmers China, doch dann auch anderer Länder – zurückgehen oder zumindest stagnieren.
Mit einem Anstieg der Rohölpreise ist daher in der ersten Jahreshälfte 2020 eher nicht zu rechnen.

Volker Fritz
im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 15. Februar 2020

Jetzt mitmachen – Aktion gegen die Förderung von Gasprojekten mit EU-Geld

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Feb 082020
 

Die Europäische Union hat sich – zu Recht – sehr ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt.1
Darüber hinaus hat das Europäische Parlament Ende 2019 den Klimanotstand ausgerufen. 2
Der „Grüne Deal“ und das „Europäische Klimagesetz“ sollen ebenfalls bald vorgestellt werden.3

Von einigen Seiten wird fossiles Gas in der Debatte um Klimaschutz und Energiewende als klimafreundlicher und grüner Energieträger oder als Brücke zu den erneuerbaren Energien bezeichnet. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind jedoch eindeutig und weisen nachdrücklich daraufhin, dass fossiles Gas massiv zur Klimaerwärmung beiträgt und die Klimabilanz im gesamten Lebenszyklus genauso schlecht wie die von Kohle ist.4

Im Zeitraum 10 – 13 Februar wird das Europäische Parlament erneut über die Liste der „Vorhaben im gemeinsamen Interesse“5 (Englisch: Projects of Common Interest, abgekürzt PCI) abstimmen. Diese Vorhaben sollen zur Verwirklichung der energie- und klimapolitischen Ziele der EU beitragen, d. h. eine Versorgung aller Bürgerinnen und Bürger mit nachhaltiger Energie sowie die langfristige Umstellung auf eine Wirtschaft mit geringen CO2-Emissionen gemäß dem Übereinkommen von Paris garantieren.6

Ohne die Erfüllung dieser Vorgaben dürfen Projekte nicht auf die PCI-Liste gesetzt werden und damit grundsätzlichen Anspruch auf öffentliche Fördermittel und beschleunigte Umweltverträglichkeitsprüfungsvefahren erhalten.

Während der Sitzung des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie am 17.10.2019 gab der stellvertretende Generaldirektor DG ENER Klaus-Dieter Borchardt zu, dass die EU Kommission – entgegen den eigenen Vorgaben – niemals eine Klimaverträglichkeitsprüfung für die fossilen Gasprojekte auf der Liste durchgeführt habe.7

Eine aktuelle Studie zur vierten PCI-Liste verdeutlicht, dass Europa keine neue Gasinfrastruktur braucht, um die Energieversorgungssicherheit zu gewährleisten. Der Bericht warnt eindringlich vor dem berechtigten Risiko, dass bis zu 29 Milliarden Euro für die unnötigen Gasprojekte auf der aktuellen Liste verschwendet werden könnten.8

Die Förderung des Ausbaus bzw. des Neubaus von Gasinfrastruktur mit einer Lebenszeit von 30 – 50 Jahren mit öffentlichen Mitteln bzw. rechtliche Ausnahmen zur Reduzierung oder Befreiung von der Steuerlast riskiert das Kreieren von Lock-In-Effekten über Zeitpunkt der vollständig benötigten Dekarbonisierung hinaus bzw. generiert „Investitionsruinen“ mit der möglichen Folge einer neuen Finanzkrise. Der Ausbau von zusätzlichen Infrastrukturen für Gas (wie z.B. Pipelines oder LNG-Terminals) und den Gebrauch von Gas als Rohstoff für die petrochemische Industrie muss verhindert werden, um das Entstehen von Lock-In-Effekten bei der Nutzung fossiler Energieträger zu vermeiden.

1 https://ec.europa.eu/clima/policies/strategies/2030_de
2 https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20191121IPR67110/europaisches-parlament-ruft-klimanotstand-aus
3 https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20191203IPR68087/green-deal-fur-europa-reaktionen-des-europaparlaments
4 https://www.research.manchester.ac.uk/portal/en/publications/natural-gas-and-climate-change(c82adf1f-17fd-4842-abeb-f16c4ab83605).html / http://www.howarthlab.org/ https://theicct.org/sites/default/files/publications/Climate_implications_LNG_marinefuel_01282020.pdf
5 https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Allgemeines/DieBundesnetzagentur/Internationales/Energie/PCI/pci.html
6 https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:bEsRh9dLmj8J:https://ec.europa.eu/commission/presscorner/api/files/document/print/de/memo_17_4708/MEMO_17_4708_DE.pdf+&cd=3&hl=de&ct=clnk&gl=de&client=firefox-b-d
7 https://www.youtube.com/watch?v=hQqF_YtNQ1w&feature=youtu.be
8 https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/milliardenausgaben-fuer-unnoetige-gasprojekte/

https://www.foodandwatereurope.org/wp-content/uploads/2019/10/CSO-letter-PCI.pdf