Vorfälle, Risiken und Diskurs

 

Die Bewertung von potentiellen Risiken und konkreten Vorfällen bei der Erdgassuche in Deutschland ist nicht einfach.

Die ersten Initiativen “Gegen Gasbohren” gründeten sich, als Hydraulic “Fracking” Fracturing in Deutschland noch so gut wie unbekannt war. Die intransparente und teils falsche Informationspolitik von Behörden, Ministerien und Industrie trug dazu bei, in der Bevölkerung Anfangs für Verwirrung zu sorgen.

Spricht die Industrie beispielsweise von “50 Jahren störungsfreier Förderung”, meint sie dass es keine Aufzeichnungen über konkrete Vorfälle im Rahmen der Erdgasförderung gibt. Kontaminierungen von Grundwasser durch Benzol und Quecksilber bezeichnet sie in diesem Zusammenhang als Diffusion von Benzol durch eine PE-Leitung über einen längeren Zeitraum:

“Bei dem Sanierungsfall in Söhlingen handelt es sich nicht um einen Störfall! Richtig ist, dass über einen längeren Zeitraum geringe Mengen Kohlenwasserstoffe wie Benzol durch eine PE-Leitung diffundiert sind.”
Quelle: http://www.erdgassuche-in-deutschland.de/sicherheit_und_umwelt/sicherheit/sanierungsfall_soehlingen.html

Mit der gleichen Logik werden nachgewiesene Kontaminierungen von Grund- und Trinkwasser durch Hydraulic Fracturing als “technisch unmöglich” bezeichnet.

So muss sich der informierte Bürger selbständig ein Bild von den Unterschieden konventioneller und unkonventioneller Gasvorkommen machen, neues von altem Hydraulic Fracturing unterscheiden können und den Unterschied zwischen Risiken und Worst-Case Szenarien kennen.

  3 Antworten zu “Vorfälle, Risiken und Diskurs”

  1. Diesen Zungenschlag kennen wir doch schon allzugut von der Atomindustrie! Auch die hatte Gutachten in Auftrag gegeben, daß Atomkraftwerke absolut sicher seien. Doch schon in der Frühzeit der “zivilen” Nutzung der Atomkraft hatte es in den USA Unfälle genug, auch tödliche, gegeben. Das ist im SPIEGEL in einem vor längerer Zeit erschienenen Atomkraft-Special nachzulesen. Doch dadurch ließ sich die Atomlobby nicht abschrecken und baute eine Todesfabrik nach der anderen.

    Und jetzt, nachdem Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima gezeigt haben, wie tödlich die Atomkraft für uns alle ist, verzapft die Fracking-Lobby uns die gleichen Lügenmärchen über die angebliche Sicherheit und Harmlosigkeit des Frackings.

    Ich erinnere an Erin Brockovitch, die tausende von schwersten Erkrankungsfällen durch Fracking-Abwässer dokumentierte und damit vor Gericht einen beachtlichen Erfolg gegen die Fracking-Industrie errang.

    Das Internet ist voll von Berichten über katastrophale Umweltzerstörung in Wyoming, Colorado, Pennsylvania … und so weiter. Eine unmfassende Gesamt-Übersicht liefert . Da findet sich auch der Fall der Krankenschwester Cathy Behr: Sie hatte einen verunglückten Arbeiter in der Klinik zu versorgen, der von einem Schwall Frackingwasser aus einer platzenden Hochdruckleitung getroffen wurde. Nur wenige Minuten Einatmen der Dämpfe genügte, daß sie schwerste Vergiftungen erlitt, die sie fast getötet hätten. Die Frackingflüssigkeit enthält nämlich auch geheimgehaltene Phosphorsäure-Ester, die den Supergiften Tabun, Sarin, Soman und VX kaum nachstehen.

    Cathy Behr überlebte nur mit knapper Not, weil der behandelnde Arzt von Halliburton die Zusammensetzung des Giftcocktails erfuhr. Doch er mußte bei Strafe seines Lebens strengste Geheimhaltung zusichern. Bekanntlich leben Singvögel nicht lange …

    Die Fracking-Lobby wird so lange “probebohren”, bis sie “Sachzwänge” geschaffen hat, die den Ausstieg aus dieser tödlichen Gifttechnologie unmöglich machen werden, genau wie es bei der Atomindustrie der Fall war.

    Wir dürfen nicht zulassen, daß alle unsere Talsperren, die unsere Trinkwasservorräte beherbergen, als Benzol-, Chromat-, Zyanid-, VX- und Quecksilbersalzbrühe in den Boden gepreßt werden!

    Wehret den Anfängen!

    Gottfried Karenovics, Dipl.-Chem.

    • Hallo Herr Dipl.-Chemiker,
      hoffentlich sind Ihre Aussagen seriös.
      Zumindest was sie über Erin Brockovitsch ausführen, ist ein Märchen.
      Mit Fracking hatte die Grundwasseverschmutzung im besagten Fall nichts zu tun.
      Der Verursacher PG&E hat mit Fracking nichts zu tun.
      Vielmehr war das Kühlwasser für eine Kompressionsanlage (zur Weiterleitung von Gas) mit hexavalentem Chrom versetzt. Dies diente zum Rostschutz der Kühlrohre.
      Das Kühlwasser wurde in nicht abgedichteten Teichen gelagert. Aus diesen Teichen ist das karzinogene Chrom in das Grundwasser eingedrungen. Solche Teiche sind längst verboten, da man jetzt einen höheren Wissensstand hat als in den 50-iger und 60-iger Jahren (zu jener Zeit sickerte das Wasser ein).
      Selbstverständlich kann es immer wieder Unfälle geben. Dies sollte aber nicht dazu führen, dass wir die grüne, weibliche Putzfimmelbrigade in jedem Punkt unterstützen. Das haben die männlichen Grünen langsam vertanden, hoffe ich zumindest.
      Vialon

  2. Es ist traurig. Zur Zeit läuft eine deutschlandweite Pro-Fracking-Kampagne, die von Springer-Presse und Co. gestützt wird. Besonders frustrierend ist, dass sämtliche kritische, fundierte Kommentare gelöscht werden. Auch die Zensur-Maschinerie läuft gut. Ich komme einfach nicht mehr mit meinen Argumenten durch. “Wehren” wird das Garaus gemacht.

 Antworten

(required)

(required)

Sie können diese HTML Tags und Attribute benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>