Mrz 112011
 

Foto:Oliver Krischer

Wie versprochen greifen wir den Artikel der NY-Times nochmal auf. Der Bundestagsabgeordete der Grünen, OliverKrischer hat den Artikel ins Deutsche übersetzen lassen. Vielen Dank dafür! Ich hätte auch die kompletten 9 Seiten hier einstellen können. Unbedingt lesen.

Hier ein paar Zitate:

Auch wenn die Existenz giftiger Abfälle bekannt ist, belegen tausende von internen Dokumenten,die die New York Times von der US-Umweltbehörde EPA (Environmental ProtectionAgency), staatlichen Aufsichtsbehörden und Bohrunternehmen erhalten hat, dass die Gefahren für Umwelt und Gesundheit größer sind als bisher angenommen.
Andere Unterlagen und Interviews zeigen, dass viele Wissenschaftler der EPA beunruhigt
sind und warnen, dass die Bohrabfälle eine Gefahr für das Trinkwasser in Pennsylvania
darstellen.
Die Times hat auch unveröffentlichte Studien der EPA und eine vertrauliche Studie der
Bohrindustrie gefunden, die alle zu dem Schluss kamen, dass die Radioaktivität in den
Bohrabfällen in Flüssen und anderen Gewässern nicht vollständig verdünnt werden kann…
Mit anderen Worten, es gibt keine Möglichkeit, zu garantieren, dass das von all diesen Anlagen
entnommene Trinkwasser unbedenklich ist.
Gas ist in die unterirdischen Trinkwasservorräte von mindestens fünf Bundesstaaten gelangt,
unter anderem in Colorado, Ohio, Pennsylvania, Texas und West Virginia, und die
Einwohner machen die Erdgasbohrungen dafür verantwortlich.
In Texas, wo es heute rund 93.000 Erdgasbohrungen gibt, verglichen mit rund 58.000 vor
einem Dutzend Jahren, hat ein Krankenhausbetreiber in sechs Counties mit den angeblich
höchsten Bohraktivitäten 2010 eine Asthma-Rate von 25 Prozent bei jungen Kindern festgestellt
– mehr als das Dreifache der Rate von ca. 7 Prozent für den gesamten Bundesstaat
Feb 052011
 

…im Münsterland unkonventionelles Erdgas gefördert wird?

Das hat sich Dr. Lück aus Drensteinfurt – Walstedde gefragt. Gut recherchiert und zusammengerechnet kam dabei heraus:
In Nordrhein-Westfalen werden 2.100 Milliarden m³ unkonventionelle in Kohle gebundene Erdgasreserven vermutet (sog. Resource in Place). Davon sind etwa ein Zehntel grundsätzlich förderbar (technisch entnehmbare Reserve). Davon wiederum sind 10% aktuell förderbar (nachgewiesene Resource). Also können voraussichtlich 1%, also 21 Milliarden m³ gefördert werden.
Der Erdgasverbrauch lag 2006 in Deutschland bei fast 90 Milliarden cm³€.
Bei 15-jähriger Ausbeutung des Erdgasvorkommens könnten jährlich durchschnittlich 1,4 Milliarden m³ hier gefördert werden, das sind 1,6 % des Bedarfs.

In einer zusammenfassenden Berechnung für diese Ausbeutung hieße das:

– Im Münsterland alle 2 km ein Bohrturm

– ca. 1500 Bohrplätze

– 110.000 LKW – Transporte nur zum Antransport der Frac-Flüssigkeit

– Bei einer Förderphase von 15 Jahren würde 45 mal das Fassungsvermögen des Möhnesees an Wasser benötigt.

– Bei einem Chemieanteil von 0,5 – 1% würde 20 – 40 Mio m³ pure Chemie benötigt. Das ist 1 – 2 mal der Halterner Stausee.


Kann das durch noch so hohe Profiterwartungen oder auch durch die Hoffnung, für 15 Jahre die Abhängigkeit von Gasimporten um 1,6% gemindert zu haben, gerechtfertigt werden?

Hydraulic Fracturing Münsterland vom 09.02.2011: Hier das komplette Dokument

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Zitat:

Die zentrale Aussage, die Tonmergelschicht der Kreide schützt unser Trinkwasser zuverlässig vor der Fracking-Lösung, muss dringend in Frage gestellt werden!!!

Dez 182010
 

Am 17.12.2010 hatten die Grünen zu einer Infoveranstaltung in Nordwalde eingeladen. Bereits um 17.00 Uhr trafen sich in kleiner Runde Grünenpolitiker und Vertreter der IG`s Nordwalde und Drensteinfurt. Sinn war es offene Fragen direkt an den Experten und kritischen Beobachter der unkonventionellen Gasförderung Herrn Dr. Werner Zittel stellen zu können.

Um 19.00 Uhr wurde dann die Runde um ca. 150 Interessierte vergrößert. Zusätzlich war auch Herr Echelmeyer von den Stadtwerken Steinfurt erschienen. Zu Beginn zeigte Herr Zittel an Hand von Beispielen auf, dass es immer schwieriger, gefährlicher aber auch teurer wird, die jährliche Förderquote an fossilien Brennstoffen zu halten. Der Abbau von unkonventionellen Erdgasen komme nun deshalb in Betracht, weil neue herkömmliche Erdgasfelder nicht mehr zu erschließen sind. Er zeigte auf, was in den USA bisher passiert sei. Zu einem immensen Flächenverbrauch kommen ca. 1000 nachweisbare Grundwasserbeeinträchtigungen, Luftverschmutzungen, und sogar Probleme mit natürlicher Radioaktivität, die durch das Zurückpumpen der Frackflüssigheit ans Tageslicht kommt.

Herr Dr. Zittel stellte einen Forderungskatalog auf, der seiner Ansicht nach notwendig ist. Nur so könnten die Probleme die in den USA entstanden sind, hier in Deutschland minimiert werden.

Zum Ende seines Vortrages zeigte er auf, was passieren muss,um durch Fracking die Exportabhängigkeit Deutschlands um 1 % senken zu wollen. Dazu

  • müssten jährlich ca. 2.000.000.000 -4.000.000.000 l Trinkwasser vernichtet werden
  • müssten jährlich dem Wasser ca.10.000.000 – 40.000.000 l toxische Chemikalien zugesetzt werden
  • würden jährlich 3.000.000.000 bis 7.000.000.000 l dieses Wasser-Chemie-Cocktail´s im Untergrund verbleiben

Sehr intensiv wurden nach diesem Vortrag Fragen an den Experten gestellt. Herr Zittel konnte hier mit fachmännischen Antworten aufzeigen, wo die Probleme und Risiken zu erkennen sind.

Anschließend kam Herr Echelmeyer zum Zuge. Wie wichtig ihm die Sache war, zeigte die Tatsache, dass er die Weihnachtsfeier seiner Stadtwerke gestern nicht beiwohnen konnte. Er kritisierte, dass die gesamte Wasserwirtschaft zunächst als Träger öffentlicher Belange keine Stellungnahme abgeben konnte, weil sie zum Verfahren nicht zugelassen wurde. Ähnlich wie wir Bürger, haben auch die Stadtwerke Steinfurt nur aus der Presse von den Aktivitäten erfahren. In einer Präsentation zeigte er den Bürgern, wo es zur Kontaminationen von Bohrflüssigkeit und dem Grundwasser kommen kann. Man habe zwischenzeitlich eine Beteiligung im Genehmigungsprozess eingefordert und einen Forderungskatalog aufgestellt. Auf Kosten von Exxon soll dazu ein umfangreiches Monitoring des Grundwassers erfolgen. Interessant war auch die Randbemerkung, dass Exxon in einem Gespräch zugeben musste, dass man nicht nur eine Probebohrung einbringen wolle, sondern dass man auch an einen Probefrack denke. Nur so lasse sich der immense Kostenfaktor, den eine solche Probebohrung koste, rechtfertigen.

Herr Helmut Fehr von den Grünen beendete den sehr informativen Abend. Er forderte eindringlich, dass das Bundesberggesetz überarbeitet werden muss, weil es nicht mehr zeitgemäß ist. Es darf nicht sein, dass eine solche die Umwelt einschneidende Maßnahme, ohne Bürgerbeteilung und ohne UVP durchgeführt werden darf.

Nach ca. 2 1/2 Stunden war die Veranstaltung beendet. Wir Bürger wurden bestens informiert. Viele von uns haben nun einen höheren Informationsstand als mancher Lokalpolitiker der Mehrheitsfraktion im Nordwalder Rat.

Vielen Dank den Grünen, Herrn Dr.Zittel und Herrn Echelmeyer.