Gedanken zur 21. Weltklimakonferenz in Paris

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Die Klimaentwicklung seit Kyoto 1997 bestätigt die menschengemachte Erwärmung der Erde. Weitreichende Entschlüsse sind nötig, um eine verhängnisvolle Entwicklung noch unter Kontrolle zu bringen.

Nach den neuesten Umfragen in Deutschland des Institutes YouGov vom November 2015 sieht die große Mehrheit der Deutschen den Klimawandel als Gefahr für Mensch und Natur an. Persönliche Betroffenheit und die Bereitschaft, einen eigenen Beitrag zum Schutz des Klimas durch Kohlenstoff-Verzicht zu leisten leiten sich daraus jedoch noch nicht ab.

Der Leidensdruck durch die Klimaveränderung ist für den Normalbürger in Deutschland noch kaum spürbar.

Bedeutende Wissenschaftler, die sich mit der Klimaveränderung seit Jahrzehnten befassen und alle Veränderungen der globalen Natur beobachten und messen, lassen keinen Zweifel daran, dass die Situation sich seit Kyoto weiter zugespitzt hat und dass eine Reihe von Prozessen in Gang gekommen ist, die nicht reversierbar sind. Sie haben eine selbstverstärkende Wirkung auf die Klimaverschlechterung.

Beispiel: das Abtauen des Nordpoleisdeckels, wodurch die Reflexion der Sonneneinstrahlung verringert wird und die Energie der Sonne durch das Wasser des Polarmeeres aufgenommen wird.

Beispiel: das Auftauen des Permafrostbodens in Sibirien und in Alaska mit großen Methan-Freisetzungen.

Beispiel: die massenhaften Freisetzungen von Methan und anderen Kohlenwasserstoffen in den Fracking-Fördergebieten der USA.

Die bedeutenden Industrieländer der Erde sind noch immer die größten Emittenten von CO2, wenn gleich die Unterzeichnerländer des Kyoto-Protokolls ihren CO2-Ausstoß seit 2005 um 27% reduziert haben. Im gleichen Zeitraum haben die Länder, die Kyoto nicht mit unterzeichnet hatten, ihren CO2-Ausstoß bedeutend erhöht.

Die USA haben Kyoto niemals ratifiziert.

Das Jahr 2015 wird das wärmste Jahr seit Beginn der globalen Temperaturerfassung.

Der Leiter des renommierten Potsdam Institut für Klimaforschung, Prof. Hans Joachim Schellnhuber und die Initiatorin des Kyoto Protokolls von 1997, Graciela Chichilnisky, sollen stellvertretend für andere hier erwähnt werden:

Schellnhuber berät seit Jahren die Regierungen vieler Länder. Seit der ersten Welt-Klimakonferenz ist der globale CO2-Ausstoß um 47% gestiegen. Er malt das Bild eines Weges mit Abzweig. Nur wenn die Menschheit sehr bald ihren bisherigen Weg verlässt und einen Abzweig nimmt, besteht noch die Möglichkeit, das theoretische 2-Grad-Ziel der maximalen globalen Erwärmung bis 2100 zu halten.

Wenn wir aber noch 20 bis 30 Jahre auf dem bisherigen Weg weitergehen, wird es keine Abzweigmöglichkeit mehr geben. Dann ist eine maximale globale Erwärmung von plus 4 Grad Celsius zu erwarten, oder gar noch höher.

Die Lage ist ernst, so Schellnhuber, und der Öffentlichkeit wurde bisher noch nicht deutlich genug gesagt, wo wir zurzeit stehen. Die Weltbevölkerung muss sofort massiv die Kohlenstoff-Verbrennung einschränken.

Seine Erwartungen zu Paris sind gemischt. Zu viele schlechte Erfahrungen der Vergangenheit mit Zusagen und Ankündigungen wurden gemacht.

Schellnhuber über die Auswirkungen:
Schon bei einer erwarteten globalen Erwärmung von plus 2 Grad Celsius sind
Völkerwanderungen auf unserem Globus von gewaltigen Dimensionen absehbar.
Der Anstieg der Meeresspiegel um mehrere Meter durch das Abtauen des Grönlandeises und aller globalen Gletscher wird Hunderte Millionen Menschen, die jetzt an Küstensäumen leben, zur Aufgabe ihrer Lebensräume zwingen.

Aber bei guter Organisation könnte diese gewaltige Aufgabe noch zivilisatorisch gelöst und das Schlimmste vermieden werden, meint Prof. Schellnhuber.

Bei einem Anstieg auf global plus 4 Grad Celsius bis 2100 wäre das Ende unserer heutigen Zivilisation auf der Erde zu erwarten. Um die wenigen, dann noch überlebensfreundlichen Gegenden auf dem Globus würde es zu massenhaften Verdrängungskämpfen kommen.

Derart kurzfristige und massive Veränderungen des Lebensumfeldes kann der menschliche Organismus nicht mitvollziehen.

Frühere Klimaveränderungen vollzogen sich in einem Zeitablauf von 10.000 bis 15.000 Jahren (330 bis 500 Generationen, jetzt sind es gerade mal drei)

Graciela Chichilnisky über die Auswirkungen:
Es wird zunehmend deutlich, dass unser Versagen, die globale Erwärmung in den Griff zu bekommen, katastrophale Konsequenzen für viele Gegenden der Erde haben wird und für die menschliche Zivilisation wie wir sie heute kennen.

Die Zusagen im Kyoto-Protokoll, an dessen Entstehen ich maßgeblich mitgearbeitet habe, brachten uns bestenfalls gemischten Erfolg, weil die dazu notwendigen Maßnahmen, um den Klimawechsel effektiv zu bekämpfen, radikale Änderungen in der Art unserer modernen, industrialisierten, kapitalistischen Wirtschaften und ihrer Abläufe erfordern. Die Zusagen waren ursprünglich, dass alle Mitzeichner-Länder ihren CO2-Ausstoß unter die Werte von 1990 reduzieren.

Ich habe eine Firma gegründet, die „Global Thermostat“ die sich mit dem Entzug von CO2 aus der Atmosphäre beschäftigt, um dieses dann an andere Prozesse zu verkaufen, die CO2 zur Herstellung als Rohstoff oder Komponente verwenden.

Nach meiner Auffassung reicht es nämlich nicht, nur einfach weniger Kohlenstoff zu verbrennen, nein wir müssen den CO2-Gehalt der Luft aktiv reduzieren.

Dazu muss aber erst einmal ein „Preis für eine Tonne CO2 definiert werden, der weltweit angewendet wird.

Von der 21. Konferenz in Paris erwarte ich, dass verpflichtende Emissionsbegrenzungen vereinbart werden, aber ich habe Zweifel, dass dieses Ziel erreicht werden wird. Freiwillige Vereinbarungen sind unzureichend, um einen katastrophalen Klimawechsel abzuwehren.

Wenn wir die 2-Grad-Grenze überschreiten, werden unumkehrbare Veränderungen eintreten, z.B. des Schmelzen des Grönlandeises und der Polkappen, die wir kurzfristig nicht reparieren können. Und einmal emittiert, bleibt CO2 für Hunderte von Jahren in der Atmosphäre.

Ich glaube dennoch, dass wir Menschen mit dem drohenden Klimawechsel klar kommen können, wir haben die Ressourcen, die Technologien und auch die Institutionen, um diese Aufgabe zu bewältigen. In diesem Sinne bin ich optimistisch.

Ich bin aber nicht optimistisch bezüglich des Timings, da Menschen sehr langsam sind, sich an Veränderungen anzupassen.

Das Problem ist möglicherweise katastrophal und uns läuft die Zeit davon.

Volker Fritz

 

Quellen:

Braunschweiger Zeitung vom 28.11.2015 „Umfrage Deutsche sehen Klimawandel       als Gefahr“  dpa-Meldung

http://www.truth-out.org/news/item/33783-architect-of-the-kyoto-protocol Interview mit Graciela Chichilnisky

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das/DAS-mit-hans-joachim-schellnhuber,dasx6498.html Interview mit Prof. Schellnhuber

http://www.wetter.de/cms/10-schockierende-zahlen-zum-klimawandel-2559781.html Bild Nr.5/10 wird der besonderen Beachtung empfohlen.

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