Bericht zum Monat November 2018: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Bericht zum Monat November 2018: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

Berichtszeitraum 13.Oktober bis 9. November 2018

Der November 2018 erlebt nach der fortgesetzten Stagnation im September und einem deutlichen Rückgang im Oktober – eine minimale Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme. Der Rückgang nach Februar 2018 ist weiterhin noch nicht durch den neuen Anstieg der im Einsatz befindlichen Bohrtürme bis November ausgeglichen.
Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14. September 2018 bei 70,30 USD/barrel und hatten sich im September weiter gefestigt bis auf 74 USD/barrel  und gaben Anfang Oktober wieder etwas nach und lagen Mitte Oktober bei 71,30 USD/barrel. Danach rutschten die Preise weiter ab, bis auf 61,59 USD/barrel am 8. November 2018.
Nach den Ankündigungen der US-Förderindustrie sind die US-Rohölpreise ab 60 USD/barrel interessant. Es war also in Nordamerika in den Monaten September, Oktober und November mit dem Verkauf von WTI-Rohöl gutes Geld zu verdienen. Dennoch wurden bisher keine Aktivitäten zur Ankurbelung der Ölförderung unternommen.

Es drängt sich immer mehr der Schluss auf, dass das Fördervolumen absichtlich niedrig gehalten wird, um mit den deutlich höheren und profitablen Rohölpreisen Gewinne zu generieren. Das käme auch Russland entgegen, da auch Russland massiv vom Ölverkauf seinen Staatshaushalt finanziert.
Unter diesem Blickwinkel erscheint das neuerliche Embargo gegen Persien in einem anderen Licht. Persien lieferte früher circa 10 Prozent des weltweiten Rohölbedarfes und drängte jetzt natürlich mit aller Macht zurück in den Markt, um auch wieder an Devisen aus dem Ölverkauf zu kommen. Hätte Persien ungehindert seine Ölanlagen wieder hochfahren können, wäre durch das Mehr an Angebot der Preis vermutlich wieder bei 30 USD/barrel oder gar darunter.
Das hätte für die US-Konzerne gewaltige negative Folgen gehabt.
Der Ausstieg aus dem Atomvertrag mit Persien erscheint mir immer mehr nur als Vorwand, um zu erklären, warum die USA den Persern den Ölhahn wieder zudrehen.

Hier bleiben weiterhin – und verstärkt – Fragen offen, deren Klärung evtl. demnächst möglich sein wird.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Monat November nicht gleichsinnig. In den USA  nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gering um 18 Türme zu,  in Kanada dagegen nur um 1 Turm. So ergab sich eine Gesamtzunahme im November von 19 Türmen. Sie verteilte sich etwa zu zwei Dritteln auf Ölbohrtürme und zu einem Drittel  auf Gasbohrtürme.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn:

Monat
gesamt im Einsatz USA
Kanada
USA Rohölpreis WTI USD/barrel
Ende 7 1.178 958 220 46,00
Ende 8
1.157 940 217 46,81
Ende 9 1.155 935 220 52,13
Ende 10
1.115 913 202 51,94
Mitte 11
1.090 889 192 54,27
3. Wo 11
1.110 907 203 57,03
4. Wo 11 1.123 915 208 56,18
15.12.17
1.168 930 238 56,64
19.01.18
1.261 936 325 63,72
16.02.18
1.293 975 318 60,74
16.03.18
1.209 990 219 60,85
13.04.18
1.110 1.008 117 66,74
18.05.18
1.129 1.046 83 71,50
15.06.18
1.198 1.059 139 66,60
13.07.18
1.251 1.054 197 70,60
17.08.18
1.269 1.057 212 65,00
14.09.18
1.281 1.055 226 70,30
12.10.18
1.258 1.063 195 71,31
09.11.18
1.277 1.081 196 61,59

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika noch 1.003 Ölbohrtürme und 274 Erdgasbohrtürme aktiv.
Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (532), Oklahoma (148), New Mexico(106), Louisiana (65), North Dakota (55), Pennsylvania (45), Colorado (34), Wyoming (30), und Ohio (17).

Die Unsicherheit an den Börsen sei der Grund für diese Rohstoffpreisentwicklung, kommentieren die Händler an der Wall Street in New York. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 3,20 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu.
Das Erdgas-Überangebot in den US-Netzen drückt die weiterhin die Preise, die im September  bei 2,82 USD/mmBtu lagen und dann mit den Rohölpreisen leicht anzogen auf  3,222 USD/mmBtu Mitte Oktober. Seither deutlicher Anstieg bis auf 3,567 USD/mmBtu. Dafür könnten die LNG-Erdgasexporte der zunehmenden Kapazitäten in den USA verantwortlich sein.

Die vom US-Statistik-Amt festgestellte Verringerung der gelagerten Ölvorräte der USA besteht weiter. Bisher war davon ausgegangen worden, dass in 2018 die Auswirkung der Rücknahme der Förderkapazitäten der OPEC-Länder und der mit ihnen kooperierenden Nicht-OPEC-Förderländer zur Stabilisierung der Rohölpreise bei 60 bis 70 Dollar/barrel WTI-Qualität beitragen könnte. Das hat sich bisher auch so entwickelt.

Die sprunghafte Außenpolitik der USA, unter Missachtung aller internationalen Vereinbarungen, die gültig abgeschlossen wurden, wesentlich in der Vergangenheit forciert von den USA, bietet für Zocker zusätzliches Wett-Potential und verschärft generell die Situation.
Die Aktivitäten von Präsident Trump gegen die NATO, als gemeinsame Allianz, vergrößert die Unsicherheit noch weiter, ebenso die Ausrufung des Handelsembargos gegen die Türkei, das inzwischen wieder aufgehoben wurde, nachdem dort ein amerikanischer Staatsbürger wieder freigelassen worden ist und ausreisen konnte. Auch der Handelskrieg Trumps mit China erhöhte die Unsicherheit weiter. Nun haben sich die USA und China unerwartet schnell darauf verständigt, ihren Konflikt beizulegen, doch wie lange wird das wieder gelten?

Die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA  wird sich auf die inzwischen schon wieder recht starke Ölförderung des Iran auswirken und diese reduzieren.
Es bleibt weiter ungewiss, ob es den Ländern der EU gegen Trump gelingt, iranische Öllieferungen doch durchzuführen und finanziell abzuwickeln.
Die damit auf dem Weltmarkt befürchtete Verknappung des Rohöles ist vorerst nicht zu erwarten. Die Reaktionen auf den IPCC-Sonderbericht zur Klimaentwicklung Anfang Oktober können aber dazu führen, dass wenig oder gar nicht mehr in den Ölsektor investiert wird.

Die kürzliche Ankündigung mehrerer wichtiger Erdölförderländer, ihre Förderung wieder hoch fahren zu wollen, wurde offenbar bisher nicht umgesetzt und China hat hohen Energie- und Rohstoffbedarf für seine nun schwächelnde Konjunktur etwas zurück gefahren.
Das Drohpotential der Iraner, den Golf von Hormuz zu schließen, wenn man ihnen den Verkauf ihres Rohöles unmöglich macht, ist zwar erheblich, da dann Tankerlieferungen von Irak, Kuwait, Saudi, Bahrain, Katar und Vereinigte arabische Emirate eingeschränkt würden, was etwa 20 Prozent des weltweiten Ölhandels ausmacht, aber schon vor Jahren haben die Emirate eine Pipeline an die Golfküste im Golf von Oman gelegt, um ihr Rohöl dort zu verschiffen und die Bedrohung in der Straße von Hormuz zu entkräften. Die Tanker bleiben dann draußen im Golf, vor der gefährlichen Passage der Straße von Hormuz.

Die riesigen weltweit zwischengelagerten Rohölmengen, die kurzfristig verfügbar und auch umdirigierbar sind (Lagerung in Großtankerflotten auf Reede), werden jetzt zu sehr profitablen Preisen nach und nach in den Markt gebracht, nachdem sie zu Preisen von unter 30 USD/barrel gebunkert worden waren.

Das erwartete Reaktivieren von Bohrtürmen bei Rohölpreisen von 60 USD/barrel WTI und darüber  in den USA und in Kanada ist auch im November weiterhin ausgeblieben. Die Gründe dafür sind weiterhin nicht klar auszumachen. Jedoch verstärkt sich der Verdacht, dass durch Beschränkung des Fördervolumens – auch in den USA und Kanada – die Rohölpreise stabilisiert werden sollen. Wenn das Ölembargo der USA gegen den Iran „dicht“ gemacht werden kann, könnte das gelingen.
Die US-Förderunternehmen behaupten, dass sie aus ihren Förderbohrungen in Shale-Vorkommen durch optimierte Massnahmen viel mehr Produktion herausholen als vorher und daher eher wettbewerbsfähig sind (bei niedrigeren Preisen als vorher).
Da insgesamt im Bereich der Ölförderung in Nordamerika der Hauptrückgang in den Monaten März und April 2018 stattgefunden hat und die anschließende Zunahme an Bohrtürmen im Einsatz bis jetzt diesen starken Rückgang nicht ausgleichen konnte, wird im Verlauf des Winters 2018/2019 und im Frühjahr 2019 auch die US-Förderung geringer werden.

Die Situation der Kohlenstoff-Energiebranche wird von großen institutionellen Anlegern weiterhin kritisch gesehen, weil der große Zuwachs bei den regenerativen Energien, gerade und auch in den USA, den fossilen Erzeugern Märkte wegnimmt.
Und die Erzeugung der regenerativen Energien wird immer preiswerter. Inzwischen sind Neuanlagen schon wettbewerbsfähiger als fossile Stromerzeuger.
Hinzu kommt die verschärfte Warnung des IPCC vor dem Klimawandel, die deutlich macht, dass das ganz große Geschäft mit den Kohlenwasserstoffen keine Zukunft mehr haben darf, sondern ein Auslaufmodell sein muss.

Eine neue Studie von Carbon Tracker sieht die Möglichkeit, dass schon in fünf Jahren die Nutzung der fossilen Brennstoffe drastisch sinken wird, weil gerade die  „jungen Industrie- und Aufsteigerländer gleich mit Sonnenstrom und Windstrom arbeiten werden, anstatt sich in die Abhängigkeit der fossilen Konzerne zu begeben. Die fossilen Brennstoff-Förderer wollen hingegen diese Länder als neue und künftig stärkere Kunden gewinnen.

Die Zubauraten an Fotovoltaik-Anlagen in  den USA sind rasant gestiegen.
Der US-Präsident Trump versucht jetzt durch Maßnahmen den weiteren Ausbau zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen.
Auch in China wird sehr umfangreich in Windkraft- und  Photovoltaik-Anlagen zur Stromerzeugung investiert, um vom Bedarf an fossilen Brennstoffen weg zu kommen.

Weiterhin versuchen große institutionelle Anleger, die bisher im Energiebereich bedeutende Teile ihres investierten Portfolios angelegt haben, aus den fossilen Energien auszusteigen.

Die Freigabe des Offshore-Gürtels vor den Küsten der US-Bundesstaaten für die Förderung von Kohlenwasserstoffen durch Präsident Trump wird weiterhin weitestgehend von den betroffenen Bundesstaaten abgelehnt. Nur Alaska ist dafür, sie zu nutzen.

Volker Fritz
im AK Fracking
Braunschweiger Land

 

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