Jörn Krüger

Jörn Krüger ist Software Entwickler und engagiert sich in verschiedenen Organisationen, die Internet und bürgerliches Engagement verbinden. Im Oktober 2010 begann er mit dem Blog unkonventionelle-gasfoerderung.de, auf dem aktuelle und internationale Nachrichten, Meinungen und Berichte zur unkonventionellen Gasförderung veröffentlicht werden. Als informierter Laie schreibt er Gastbeiträge, informiert über Fracking und steht als Gesprächspartner für Parteien und Institutionen zur Verfügung. Zum Thema kam er, als ExxonMobil im September 2010 ankündigte, in seinem Wohnort Nordwalde nach unkonventionellen Gasvorkommen zu bohren. Nach wenigen Stunden Recherche über die weltweiten Folgen von Fracking und dem geringen Informationsstand auf allen Ebenen der Entscheidenden in Politik und Wirtschaft war für ihn klar, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Feb 262013
 

Wirtschaftsminister Philip Rösler und Umweltminister Peter Altmaier planen erste gesetzliche Einschränkungen für die Erschließung von Schiefer- und Kohleflözgasvorkommen. Obligatorische Umweltverträglichkeitsprüfungen und das Verbot von Fracking in Trinkwasserschutzgebieten wurden in den letzten Monaten von fast allen betroffenen Bundesländern auf freiwilliger Basis bereits umgesetzt und sollen nun Gesetz werden.

Disposalbohrungen zur Verklappung der hochgiftigen Abwässer und die konventionelle Gasförderung in Trink- und Heilquellengebieten bleiben aber weiterhin explizit erlaubt.

In NRW, Schleswig-Holstein, Hessen und andere Bundesländern gelten weiter Moratorien für die Genehmigungsverfahren. Grundlage der Moratorien ist, dass erste Gutachten ein erhebliches Risiko der unkonventionellen Gasförderung erkannt haben. In vielen Bereichen fehlen wissenschaftliche Erkenntnisse und damit die Grundlagen für die Vermeidung von Risiken. Solange Risiken für Mensch und Natur aber nicht ausgeschlossen werden können, können auch keine Genehmigungen erteilt werden.

Warum sich die Bundesregierung dieser Logik nicht anschließend möchte, bleibt unverständlich. Mehrere Bundesländer haben über den Bundesrat ein Moratorium gefordert, welches aber von der Regierung abgelehnt wurde. Auch das von der Umweltministerkonferenz geforderte Verbot von Disposalbohrungen wird in der Gesetzesänderung nicht erwähnt.

Die für die wasserrechtliche Genehmigung zuständigen Behörden haben damit den Schwarzen Peter. Sie müssten ohne einen deutschlandweiten und wissenschaftlich begründeten Leitfaden Entscheidungen treffen und werden im Zweifel von Unternehmen und Bürgern gleichermaßen verklagt werden.

Umweltminister Peter Altmaier hat bereits erkannt, dass eine europäische Schiefergasförderung keine Effekte auf Preise oder Versorgungssicherheit hat. In vielen Studien und Berichten wird das seit 2011 ausführlich dargelegt.

Wirtschaftsminister Philip Rösler glaubt dagegen noch das Märchen vom billigen Gas. Er traut den gasfördernden Unternehmen zu, die für die Förderung relevanter Gasmengen benötigte Anzahl von 700 bis 1000 Bohrungen pro Jahr durchzuführen. Bislang scheiterten die gleichen Unternehmen schon bei der Auswahl benzoldichter oder rostfreier Rohre für ihre Abwasserverklappung.

Die Änderungen sollen jetzt kurzfristig im Bundestag beschlossen werden. Die Bürgerinitiativen fordern weiterhin ein generelles Verbot der Erschließung unkonventioneller Gasvorkommen und ein Verbot von Disposalbohrungen.

Sep 112012
 

Gemeinsam mit dem BUND Nordrhein-Westfalen organisieren die Initiativen „gegen-gasbohren.de“ am 29. September 2012 in Dortmund die Fachtagung „Risikotechnologie Erdgas-Fracking – Problem- und Handlungsfelder“.

Auf der Tagung werden zum einen die aktuellen Ergebnisse des Gutachtens mit Risikostudie NRW vorgestellt und diskutiert. Diese war als Grundlage zur Bewertung der Wirkpfade und Risiken der Förderung von Erdgas mit der umstrittenen Fracking-Technologie von der Landesregierung NRW in Auftrag gegeben worden.

Zum anderen wollen wir aber auch die weiter gehenden politischen und genehmigungsrechtlichen Konsequenzen und Notwendigkeiten diskutieren. Dazu gehört zum Beispiel eine umfassende Novellierung des Bundesberggesetzes. Letztendlich aber halten wir an unserer Forderung nach einem Fracking-Verbot fest.

Als Referenten konnten Vertreter es Umweltministeriums und des Gutachterkonsortiums gewonnen werden. Der Rechtsanwalt Dirk Teßmer berichte über den aktuellen Rechtsrahmen und den nötigen Handlungsrahmen. Christa Stiller-Ludwig ist Leiterin der Unteren Wasserbehörde in Hagen und berichtet aus der wasserrechtlichen Praxis vor Ort.

Für die Veranstaltung ist eine Anmeldung erforderlich, da die Plätze begrenzt sind.

Programm der Fachtagung Fracking am 29.12.2012 in Dortmund

Programm:

ab 09.30 Uhr Begrüßungskaffee

10.00 Uhr – 10.15 Uhr
Begrüßung/Organisatorisches

10.15 Uhr – 10.30 Uhr
Einführung: Erdgas-Fracking in Deutschland
Dirk Jansen, BUND NRW e.V.; Jörn Krüger, Gegen-Gasbohren.de

10.30 Uhr – 11.00 Uhr
Grußwort: Die Gewinnung von Erdgas im energiepolitischen Kontext
Udo Paschedag, Staatssekretär im Ministerium für Klimaschutz,
Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes
Nordrhein-Westfalen

11.00 Uhr – 11.45 Uhr
Erdgas-Fracking in NRW: Rahmenbedingen, Handlungsnotwendigkeiten, Schlussfolgerungen
Gerhard Odenkirchen, Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NordrheinWestfalen

11.45 Uhr bis 13.00 Uhr
Gutachten mit Risikostudie zur Exploration und Gewinnung von
Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten
Dr. Hans Georg Meiners, Vorstand der ahu AG Aachen

13.00 Uhr bis 14.00 Uhr Mittagsimbiss

14.00 Uhr bis 14.45 Uhr
Der Rechtsrahmen zur Aufsuchung und Förderung von unkonventionellem Erdgas unter Einsatz der „Fracking“-Technologie
in Deutschland – Handlungsbedarf des Gesetzgebers
RA Dirk Teßmer, Kanzlei Philipp-Gerlach & Teßmer, Frankfurt

14.45 Uhr bis 15.30 Uhr
Erdgas-Fracking in der wasserrechtlichen Praxis vor Ort
Christa Stiller-Ludwig, Leiterin der Unteren Wasserbehörde Hagen

15.30 Uhr
Abschlussdiskussion

Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung.

Verbindliche Anmeldung bis spätestens zum 21.09.2012 (per
Coupon, eMail oder telefonisch) an den BUND Landesverband
NRW e.V., Merowingerstr. 88, 40225 Düsseldorf; T.: 0211 / 30
200 5-0, Fax: -26, bund.nrw@bund.net

Teilnahmebeitrag: 15,00 € inkl. Mittagsimbiss, Tagungsgetränken und Tagungsreader
Die Teilnahmegebühr kann am Tag der Veranstaltung entrichtet oder vorab überwiesen werden (BUND NRW, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Konto-Nr. 8 204 600,
Verwendungszweck: NUA 030/2012 Fracking

Fracking-Risikostudie: BUND und Bürgerinitiativen fordern generelles Fracking-Verbot

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Sep 072012
 

+++ Gemeinsame Pressemitteilung des  BUND NRW e.V. und „gegen-gasbohren.de“ +++

NRW-Gutachten bestätigt weitreichende Risiken der Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten 

Düsseldorf, 07.09.2012 – Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und „gegen-gasbohren.de“ begrüßen die heute von Umweltminister Johannes Remmel vorgelegte NRW-Studie zu den Risiken der umstrittenen Fracking-Technologie. Damit werde eine umfassende neutrale Bewertungsgrundlage vorgelegt, die noch über die gestern von Bundesumweltminister Peter Altmaier veröffentlichte Studie hinausgehe. Gleichzeitig warnen die Fracking-Kritiker vor zu hohen Erwartungen an die Studie. Sie stelle keine „Blaupause“ für anstehende Genehmigungen dar und könne ein notwendiges generelles Fracking-Verbot nicht ersetzen.

„Viele Fragen kann das Gutachten nicht beantworten“, sagt der Bürgerinitiativen-Sprecher Jörn Krüger. „Das Gutachten gibt einen guten Überblick über den derzeitigen Wissenstand. Aber auch weiterhin gibt es kaum wissenschaftliche Untersuchungen, mit denen eine Gefährdung für die Bevölkerung auch langfristig ausgeschlossen werden kann.“

BUND und Bürgerinitiativen empfehlen, die Grundlagen der Risikostudie genau einzuordnen. So stütze sie sich in vielen Punkten auf die zum Teil sehr mangelhaften Angaben der Erdgasindustrie.Neutrale wissenschaftliche Quellen gebe es in vielen Bereichen einfach noch nicht. Ganze Themenbereiche, wie Langzeitstudien zur Bohrlochsicherheit, fehlten heute noch komplett. Wesentliche Erkenntnisse über Art und Häufigkeit von Störfällen bei der Gasförderung lägen zwar zum Beispiel dem Landesbergamt in Niedersachsen vor. Dieses habe aber – trotz Anfrage – keine Daten zum Gutachten beigetragen.

Für „höchst problematisch“ halten die Fracking-Kritiker die im Gutachten vorgenommene Unterscheidung zwischen Probebohrungen und Förderbetrieb. Genehmigungsrechtlich sei das zwar korrekt. Dem Bürger werde aber schwer zu vermitteln sein, warum Probebohrungen erlaubt werden sollten, wenn eine spätere Förderung nach jetzigem Kenntnisstand wahrscheinlich nicht genehmigungsfähig ist.

Letztendlich aber belege die Risikostudie die prinzipielle Unbeherrschbarkeit der Fracking-Technologie. „Niemand kann heute nicht umkehrbare Beeinträchtigungen des  Gewässerhaushalts und Schädigungen der menschlichen Gesundheit definitiv ausschließen“, sagt Dirk Jansen, Geschäftsleiter des BUND in Nordrhein-Westfalen. So belege die Studie, dass selbst so genanntes „clean fracking“ mit einem hohen Gefährdungspotenzial für den Gewässerhaushalt und das Trinkwasser verbunden sei. Auch die Entsorgung der Fracking-Flüssigkeiten und Lagerstättenwässer sei bis heute ungelöst. Letztere enthielten neben gefährlichen Kohlenwasserstoffen auch giftige Schwermetalle und Radionuklide.

Eine Genehmigung unter Auflagen lehnen BUND und Bürgerinitiativen wegen der nicht weg zu diskutierenden Risiken ab. „Wir bleiben bei unserer Forderung nach einem generellen Verbot“, so Jansen. „Das gilt auch für Probebohrungen.“

 

Sep 072012
 

Die Linke fordert bislang als einzige Partei ein vollständiges Verbot von Fracking:

„Die Studie des Umweltbundesamtes verdeutlicht erneut die enormen Gefahren des Fracking: Hochgefährliche Chemikalien und Abwässer gefährden unser Trinkwasser. Ein striktes FrackingVerbot wäre deshalb die logische Konsequenz. Alles andere ist gerade auch angesichts der immensen Risiken dieser Technologie unverantwortlich“, erklärt Johanna Voß, Bundestagsabgeordnete der Fraktion DIE LINKE zu einer vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen Studie zu den Risiken des Fracking in der unkonventionellen Gasförderung. Voß weiter:

„Das in dem Gutachten vorgeschlagene sogenannte schrittweise Vorgehen ist nur eine Beruhigungspille für die zu Recht beunruhigte Bevölkerung. Was soll ein schrittweises Vorgehen, wenn klar ist, dass das Fracking und die Verpressung des Rückflusses in sogenannte Versenkbohrungen hochgefährlich sind. Mit den vorgeschlagenen Probebohrungen würden Fakten geschaffen und der Einstieg in die Schiefergasförderung vollzogen. Klar wird außerdem, dass das vov ExxonMobil so hochtrabend angekündigte Clean-Fracking ohne Chemikalien ebenfalls hochgradig wassergefährdend ist.
Die Bundesregierung kann nun nicht mehr behaupten, dass Fracking ungefährlich und beherrschbar ist. Dass die Gutachter empfehlen, neben Wasserschutzgebieten auch Trinkwassergewinnungsgebiete, Heilquellenschutzgebiete und Bereiche von Mineralwasserquellen von der Förderung auszuschließen, dürfte den schwarz-gelben Fracking-Befürwortern ebenfalls nicht gefallen.

Unsere Trinkwasserversorgung darf nicht für den geringen Nutzen, den das unkonventionelle Erdgas bietet, aufs Spiel gesetzt werden. DIE LINKE tritt daher für ein Verbot des Fracking ein. Statt darüber zu schwadronieren, dass erst sämtliche Bedenken ausgeräumt sein müssen, bevor Fracking zum Einsatz kommen kann, sollte der Bundesumweltminister den Tatsachen ins Auge sehen und sich dieser Forderung anschließen.“

Sep 072012
 

Die Landtagsabgeordnete Filiz Polat kommentiert das Gutachten des Bundes zur unkonventionellen Gasförderung und die merkwürdigen Genehmigungspraktikten im LBEG Niedersachsen.

Minister Bodes „konzernfreundliche Genehmigungspraxis“ muss auf den Prüfstand – Auch Niedersachsen muss aus Fracking-Risiken Konsequenzen ziehen

Zu den niederschmetternden Ergebnissen nach der gestrigen Vorstellung des seit langem überfälligen Gutachten und den jetzt erwiesenen eindeutig negativen Umweltauswirkungen des Frack-Verfahrens erklärt die grüne Landtagsabgeordnete Filiz Polat aus dem Landkreis Osnabrück:

„Das Gutachten ist ein Schlag ins Kontor der schwarz-gelben Landes- und Bundesregierung. Es bestätigt die massiven Bedenken zahlreicher Bürgerinitiativen auch in unserer von Fracking  betroffenen Region. Es gibt zu viele ungelöste Probleme und Risiken. Das Gutachten bestätige, dass das Fracking eine Hochrisikotechnologie mit unkalkulierbaren Risiken für das Grundwasser und die Umwelt ist. Deshalb muss endlich ein bundesweites Moratorium umgesetzt werden. Schon die mittels zahlreicher Resolutionen von drohenden Frack-Maßnahmen betroffenen Städte und Gemeinden waren und sind ein glasklarer Auftrag, Sorge dafür zu tragen, dass das umstrittene „Hydraulic Fracturing“ nicht weiter angewendet wird.“
Hier schließt sich jetzt der Kreis und die Grünen-Politikerin begrüßte den Vorschlag der Wissenschaftler, dass das Bergrecht ins Umweltrecht integriert werden sollte und die Zuständigkeit für Genehmigungen zur Erdgasförderung beim Umweltministerium angesiedelt werden sollte. Diese Forderung werde seit langem von den Grünen erhoben.

Das vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebene Gutachten hat die Umweltauswirkungen der Fracking-Technologie gründlich untersucht. Es kommt zu dem Ergebnis, dass vor allem der bei der Technologie übliche Einsatz giftiger Chemikalien sowie die Abwasserentsorgung große Probleme bereiten. Das Gutachten empfiehlt, Schritt für Schritt Wissenslücken zu schließen und den rechtlichen Rahmen anzupassen.
Dieser Bedarf ist seit zwei Jahren bekannt, doch CDU und FDP in Niedersachsen sind trotz zahlreicher Initiativen der Grünen im Landtag Debatten untätig geblieben. Stattdessen haben sich die Erdgasunternehmen in Niedersachsen einen Claim nach dem anderen gesichert, hier fehlte es vor allem an rechtlichen Vorgaben aus Berlin. Jetzt gilt es, auch die aus Reihen der CDU in Niedersachsen geäußerten Bedenken in konkrete Schutz-Maßnahmen umzusetzen, damit diese unselige Fördertechnik nicht weiter um sich greifen kann.

Fracking ist eine Technologie, die bei der Förderung von sogenannten unkonventionellen Erdgasvorkommen eingesetzt wird. Dabei wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Untergrund gepresst, um gashaltige Gesteinsschichten aufzusprengen. In Deutschland haben sich Erdgasunternehmen Aufsuchungslizenzen vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, aber auch in Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen-Anhalt und Thüringen gesichert.

Für alle, die mehr wissen wollen, verweist die Abgeordnete auf das  unter folgendem Link abrufbare Gutachten: http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/gutachten_fracking_2012.pdf

Aug 022012
 

Im Umweltministerium Düsseldorf wurde heute dem begleitenden Arbeitskreis zum NRW „Fracking“ Gutachten der Aufbau und die Systematik des Gutachtens vorgestellt. Das Gutachten selber wird in einer ausführlichen Fassung – 700 bis 800 Seiten – und einer Kurfassung am 31. August dem NRW Parlament übergeben. Die Öffentlichkeit muss noch einen Tag länger warten.

Ursprünglich sollte der Arbeitskreis zu diesem Zeitpunkt schon das Gutachten mit Risikoanalyse erhalten, um vor der Übergabe an das Parlament noch Rückmeldungen geben zu können. Statt dessen wurden heute PowerPoint Folien vorgestellt (werden später online verfügbar gemacht), die schon einmal einen groben Überblick über Inhalte und Verfahren geben sollten.

Kritisch diskutiert wurde dann gleich das grundlegende Modell zur Bewertung der Einflüsse der Gasförderung auf Mensch und Natur. Als Grundlage wird angenommen, dass ein Bohrplatz 30 Jahre lang betrieben werden kann und in dieser Zeit genau einmal zu Anfang gefrackt wird. Darauf basieren dann alle Annahmen über Stoffmengen, LKW Transporte, Lärmbelästigung, Schadstoff- und Abwassermengen usw.

Laut Gutachter wurden diese Zahlen (30 Jahre, 1 Frack) von ExxonMobil und Wintershall in „Expertengesprächen“ mit den Unternehmen genannt. Doch selbst das von ExxonMobil bezahlte Gutachten geht von Wiederholungs-Fracks in 25 Prozent aller Fälle aus. Die 30jährige Förderzeit stammt aus der konventionellen Gasförderung. Die EU Studie zur Schiefergasförderung zeigt, dass es in den USA üblich ist, mehrfach im Abstand von wenigen Jahren zu fracken, um eine wirtschaftliche Förderung überhaupt zu ermöglichen. Nach wenigen Jahren sind dann unkonventionelle Vorkommen ganz erschöpft.

Erst nach hitziger Diskussion wurde vom Umweltministerium entschieden, dass das Modell noch einmal auf der Grundlage wiederholter Fracks neu berechnet werden soll. Das NRW Gutachten wird Bedeutung weit über Deutschland hinaus haben. Wenn es Akzeptanz in der Bevölkerung finden soll, darf nicht der Eindruck entstehen, an solchen zentralen Punkten würde alleine den Behauptungen der Industrie geglaubt. Besonders dann, wenn die Industrie in einem anderen Kontext selbst höhere Zahlen nennt.

Leider ist das Gutachten an vielen Stellen auf Angaben der Industrie angewiesen. Doch diese gibt sich unterschiedlich offen. Vorgeschoben wird, dass viele Angaben erst mit Beginn der Probebohrungen gemacht werden könnten. Doch für historische Daten sollte das eigentlich nicht gelten. So macht Wintershall und BNK Petroleum keine Angaben über die bislang beim Fracking eingesetzen Chemikalien.

Das LBEG Niedersachsen – dort die zuständige Behörde für Gasförderung – hat in Deutschland die größte Datenbasis über alle Bereiche der Gasförderung. Zu Anträgen, Störfällen, Reparaturen, Abwassermengen, Leitungsnetze usw. sollte dort eigentlich alles vorliegen, um das NRW Gutachten in wesentlichen Punkten voran zu bringen.

Doch diese Daten werden nicht verfügbar gemacht. Eine unglaubliche Unverschämtheit gegenüber den Bürgern, wenn man bedenkt, wie viele Vorfälle in Niedersachsen erst durch anonyme Hinweise aus der Bevölkerung bekannt wurden. Weiter zu mauern, ist nicht akzeptabel. Die fehlende Offenheit der Landesbehörde läßt viel Raum für Spekulation über das Ausmaß der noch nicht veröffentlichten Vorfälle in Niedersachsen.

Helfen könnten das LBEG und die Industrie auch bei der Beurteilung der Langzeitintegrität von Bohrungen. Hier gibt es bislang keine ausreichende Datenbasis. Unwahrscheinlich, dass die Unternehmen nicht wissen, wie häufig sie Reparaturen durchführen müssen. Schon eher wahrscheinlich, dass sie selten kontrollieren. Erst recht nicht bei Bohrungen, die nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden.

Interessantes gab es zu Frackflüssigkeiten. ExxonMobils neue „giftfreie Frackmischung“ setzt auf ein „harmloseres“ Biozid. Doch um Wirkung zu entfalten muss ein vielfaches der ursprünglichen Menge eingesetzt werden, was die neue Mischung – bezogen auf das Biozid – gefährlicher macht, als die zuletzt verwendete Mischung aus Damme.

Wieder einmal stellt sich die Entsorgung der Abwässer als zentrales Problem heraus. Für NRW hat die Industrie noch kein Entsorgungskonzept vorgelegt. Dabei läßt sich an der Gefährlichkeit des Lagerstättenwassers – im Gegensatz zur Frackflüssigkeit – nichts ändern. Eine abwassertechnische Behandlung ist der Industrie zu teuer. Disposalbohrungen wären dagegen billig.

Das Gutachten soll dem Parlament Ende des Monats als Entscheidungshilfe und Diskussionsbasis vorgelegt werden. Wie es dann weiter geht, ist nach dem derzeitigen Stand noch völlig offen.

Im September wird sich der Arbeitskreis ein weiteres mal treffen.