Volker Fritz

Die unendliche Geschichte der Verschleppung der Sanierung der Giftschlammgrube in Brüchau in der Altmark

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Jan 092018
 

Kommentar von Volker Fritz im AK Fracking Braunschweiger Land  Mitglied im Zusammenschluss „Gegen Gasbohren“

Die unendliche Geschichte der Verschleppung der Sanierung der Giftschlammgrube in Brüchau in der Altmark, im Volksmund „Silbersee“ genannt.

Es gibt im Bereich der Kohlenwasserstoff-Förderung weltweit – und auch in Deutschland – immer wieder massive Versäumnisse und Unterlassungen – durch die Förderer selbst und durch die zuständigen Bergaufsichtsbehörden und deren übergeordnete Regierungen.

Die Gewinner dieses Handelns oder auch Unterlassens sind die Förderunternehmen und erst einmal die öffentlichen Träger der notwendigen unterlassenen Maßnahmen. Die Verlierer sind die betroffenen Anwohner in der Nähe der Förderung, der Aufbereitung und der Entsorgung aus der Kohlenwasserstoff-Förderung.

Immer wieder fragt man sich, werden hier Fakten verdreht, Informationen verheimlicht, unangenehme Untersuchungsergebnisse einfach abgelehnt? Die Rückfragen der Bürger, aber auch der demokratisch gewählten Volksvertreter, werden häufig mit fadenscheinigen Begründungen abgespeist wie: „wegen Geheimhaltungspflicht nicht beantwortbar“ oder „dazu liegen uns keine Informationen vor“.

Grafik: pixabay

So scheint es auch bei dem Umgang der zuständigen Behörden und des Betreibers der Giftschlammgrube Brüchau (Teil der Einheitsgemeinde Kalbe/Milde in Sachsen-Anhalt) mit der Sanierung/Schließung zu sein.

Sie wurde, unter Verwendung der aufgegebenen Tonkuhle der Ziegelei in Brüchau, als Bohrschlammgrube für Abfälle aus der Erdgasförderung schon zu DDR-Zeiten eingerichtet. Anschließend, ebenso noch zu DDR-Zeiten, wurden auch „bergfremde“ und hoch giftige Industrieabfälle auf Anweisung von Behörden dort in großen Mengen abgelagert. Die Grube war undicht und Sickerwasser trat ins Grundwasser aus. Die Brüchauer erhielten eine zentrale Trinkwasserversorgung, da ihre Hausbrunnen gefährdet waren.

Nach der „Wende“ und der Übernahme der Erdgasförderung in der Altmark durch GdF Suez 1994 ging auch diese Grube in deren Verantwortung über. Den zuständigen Behörden sind die festgestellten Grundwasserkontaminationen durch Austritte aus der Grube seit Jahrzehnten bekannt, ebenso dem Betreiber, der 2015 in Engie E & P Deutschland GmbH umfirmierte. Anträge der Unteren Wasserbehörde, eine Schließung und Sanierung der Grube durchzuführen, wurden immer wieder abgelehnt. So verschärfte sich das Problem durch Weiternutzung und Befüllung bis zum April 2012. Seither will es einfach nicht gelingen, diesen Gefahrenherd zu beseitigen und Jahr für Jahr tritt weiter Sickerwasser ins Grundwasser aus.

Die Anwohner sind zunehmend beunruhigt, weil sich unter ihnen Erkrankungen in erhöhtem Maß zeigen und fordern die Auskofferung und Entsorgung der Grube. In den letzten Jahren werden sie tatkräftig von der Bürgerinitiative „Saubere Umwelt & Energie Altmark“ unterstützt. Auch die GRÜNEN-Abgeordnete Dorothea Frederking, im Landtag von Sachsen-Anhalt, hat sich der Sache angenommen und sie im Landtag zur Sprache gebracht.

Seit 2016 wurde über den Fall im politischen Raum diskutiert und per Landtagsentscheid 2017 wurde ein neuer Anlauf unternommen, die Grube zu sanieren, doch schon drohen weitere zwei Jahre, um „Erkenntnisse“ zu gewinnen, unter deren Anwendung dann hinterher die Grube abschließend stillgelegt werden soll. Das wäre dann etwa ab 2020, also ganze 33 Jahre nach der offiziellen Erstfeststellung der Undichtigkeit der Kuhle.

Die vier beigefügten Unterlagen geben ein ausführlicheres Bild:

  • „Die ganze Geschichte“ – von LAGB und Wirtschaftsministerium unterschlagen“ vom 30. Mai 2017 zusammengestellt von der BI „Saubere Umwelt & Energie Altmark“, ergänzt am 28. Dezember 2017  um eigene Bewertungen der Varianten 2 und 10 auf Seite 4.
  • Die Stellungnahme „Kalbe-Runde“  zum Sonderbetriebsplan, eingereicht von der BI „Saubere Umwelt & Energie Altmark“ mit Unterstützung durch den Kreisverband Altmarkkreis Salzwedel von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am 20. September 2017 an Landesregierung, LAGB und die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses.
  • Der Offene Brief des Rates der Stadt Kalbe/Milde an Wirtschaftsminister Prof. Dr. Willingmann vom 19. Dezember 2017 mit der Beschwerde über die erneuten Verzögerungen.
  • Erläuterungen der in den Schriftsätzen verwendeten Kürzel vom 1. Januar 2018.

Dass das Grundwasser weiter kontaminiert wird und dass die Gesundheit der Menschen bedroht ist, wird schlicht ignoriert, nach dem Prinzip des Obrigkeitsstaates:„Was wir wollen, wird gemacht. Wir vertreten die Staatsmacht. Basta!“. Die Abdeckungslösung ist scheinbar (nur bei Ignorierung der zu erwartenden erheblichen Nachsorge- und Reparaturkosten) angenehm preiswert, im Vergleich zur Auskofferung und fachgerechten Entsorgung des Grubeninhaltes. So wird das demokratische Gesellschaftssystem demontiert. Die Menschen verlieren das Vertrauen.

Wir Anwohner und Bürger sehen uns zunehmend genötigt, selbst Kontrollfunktionen zu übernehmen, die eigentlich Aufgabe von Fachbehörden wären, wenn wir nicht wollen, dass unsere elementaren Lebensinteressen total unter die Räder der nur am Profit orientierten Unternehmen geraten.

Es wäre wünschenswert, dass die zuständigen Behörden ihren Überwachungspflichten strikt nachkommen würden.

 

Volker Fritz

 

 

 

Bericht zum Monat Dezember 2017, Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Dez 282017
 

Foto:pixabay

Berichtszeitraum 18. November 2017 bis 15. Dezember 2017

Im Dezember 2017 geht die Erholung nach dem Rückgang in den Vormonaten seit Ende Juli 2017 weiter. Im Berichtszeitraum erfolgte die Wiederinbetriebnahme von 45 Bohrtürmen, davon 34 zur Ölförderung und 11 zur Gasförderung. Die Rohölpreise WTI in den USA stiegen nicht mehr weiter, von Tagesschwankungen abgesehen. Die Erwartungen der Förderer in Nordamerika, dass der WTI-Ölpreis die 60-Dollar-Grenze pro barrel überspringen könnte, haben sich bisher nicht erfüllt.

Der Anstieg der US-Rohölpreise in den letzten 12 Wochen wirkte sich in den letzten sechs Wochen auf die Bohraktivitäten in Nordamerika aus. Die Zahl der Bohrtürme im Einsatz steigt wieder, hat jedoch bis zum 15. Dezember 2017 noch nicht ganz den Stand von Ende Juli 2017 wieder erreicht. Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang:

Monat
gesamt im   Einsatz  USA
 Kanada
 USA Rohölpreis   WTI  USD/barrel
  Ende 7      1.178   958     220         46,00
  Ende 8
     1.157   940     217         46,81
  Ende 9      1.155   935     220         52,13
 Ende 10
     1.115   913     202         51,94
 Mitte 11
     1.090   889     192         54,27
3. Wo 11
     1.110   907     203         57,03
4. Wo 11      1.123   915     208         56,18
 15.12.17
     1.168   930     238         56,64

 

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 881 Ölbohrtürme und 242 Erdgasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (457), Oklahoma (121), New Mexico (71), Louisiana (62), North Dakota (47), Pennsylvania (36), Colorado (33), Wyoming u.Ohio (je 26).

Die Zahl der Bohrtürme im Einsatz in Nordamerika fiel also seit Ende Juli bis Mitte November von 1.178 auf 1.090.

Danach, bei einem um 24 Prozent gestiegenen WTI-Preis für Rohöl, dicht unter 60,00 USD/barrel, begann die Fracking-Ölförderung wieder lohnend zu werden. Und die Förderer haben gerade in den letzten Wochen wieder mehr Türme in Betrieb genommen. Von den 45 Bohrtürmen Zunahme im Berichtszeitraum entfielen 39 Stück auf die Ölförderung und 11 Stück auf die Gasförderung.

Ob der Ölpreis dieses Niveau halten wird bleibt abzuwarten. Erfahrungsgemäß werden zum Jahresende vermehrt Bohrtürme zur Instandhaltung stillgelegt und fallen dann aus den Meldungen von Baker Hughes, obwohl sie natürlich ihren Einsatz nur unterbrechen.

Das US-Statistik-Amt jedenfalls hat festgestellt, dass in diesem Herbst erstmals seit vier Jahren der gelagerte Ölvorrat der USA einen leichten Rückgang zu verzeichnen hat.
Diese Tatsache führe ich aber nicht auf reduzierte globale Produktion mit der Wirkung einer Verknappung des Angebotes zurück, sondern auf die Produktionsausfälle während der Hurricane-Tage im Oktober, die mehrere Großraffinerien im Raum Houston zu verzeichnen hatten, mit anschließenden Aufräumungsarbeiten, ehe wieder voll produziert werden konnte.

Es ist also eher damit zu rechnen, dass es nicht zu einer echten Verknappung des Angebotes kommen wird und dass die Rohölpreise sich wieder um  etwa 55.00 USD/barrel für WTI oder gar noch darunter einpendeln werden.

Die Situation der Kohlenstoff-Energiebranche wird aber von großen institutionellen Anlegern durchaus kritisch gesehen, weil der große Zuwachs bei den regenerativen Energien, gerade und auch in den USA, den fossilen Erzeugern Märkte wegnimmt.

So hat zum Beispiel gerade erst am 16. November 2017 der norwegische Sovereign Wealth Fund, der weltweit größte institutionelle Anleger mit einem Gesamtvolumen von 1.000 Milliarden USD öffentlich davon abgeraten, weiterhin in Papiere der Öl- und Gasförderung zu investieren. Ferner will man sich von Beteiligungen des Funds in diesem Sektor trennen. Im Besitz des Funds sind Öl- und Erdgasaktien der Konzerne Shell, BP, Chevron, ExxonMobil, Eni, Total, Lundin Petroleum und ein über 60-prozentiger Anteil an der norwegischen StatOil. Insgesamt hat man 37 Milliarden USD in diesem Bereich investiert, die man jetzt veräußern will.

Der Großturbinenmarkt zur Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen (Erdgas und Erdöl) ist global ebenfalls ins Straucheln gekommen. Es gibt global Kapazitäten für die Produktion von jährlich circa 400 großen Industrieturbinen, aber der Markt ist auf circa 110 Stück/Jahr geschrumpft.

Die beiden führenden Anbieter auf diesem Gebiet sind General Electric und Siemens. Sie haben dadurch jetzt riesige Probleme in diesen Bereichen. Siemens steht allerdings viel besser da, als GE. Dennoch wird Siemens 6,900 der etwa gesamt 13.000 Mitarbeiter weltweit entlassen, davon 3.000 in Deutschland. GE hat am 13. November 2017 verkündet, dass der Konzern „verschlankt“ werden soll und dass man die Bereiche Energie, Luftfahrttechnik und Gesundheit weiter führen wird, während alle anderen verkauft werden sollen. Die Dividende für 2017 wird halbiert und ähnliches für 2018 bereits angekündigt. Die Folge an der New Yorker Börse war ein 5,9-prozentiger Kursverlust . GE ist auch Mehrheitseigentümer von Baker Hughes. Dieses Geschäft soll ganz abgegeben werden.

Da sind also große Turbulenzen in den US-Märkten aufgetreten, die auch viele Anleger beunruhigen. Weitere Umwälzungen sind denkbar, denn auch die Rockefeller Familie ist aus dem fossilen Bereich ganz herausgegangen und die „Divestment-Bewegung“ in den USA hat an Stärke laufend zugenommen, die allen Anlegern dringend rät: „Legt Euer Geld nicht in fossilen Aktien an, es könnte verloren sein. Fossil ist gestern, die Zukunft ist regenerativ!“ Die Abkehr des Riesen GE aus dem Öl- und Erdgasgeschäft wird die Unsicherheit der Anleger noch vergrößern. Hinzu kommt die Koalition aus 20 US-Bundesstaaten, über 110 Großstädten, davon 51 Metrolpolregionen und weit über Tausend US-Unternehmen (darunter 60 der größten US-Konzerne), die in Bonn am 14. November 2017 eine Erklärung abgegeben haben, „America‘ s Pledge“ vertreten von Michael Bloomberg, Ex-Bürgermeister von New York, dass sie im Pariser Klimaabkommen bleiben wollen und für sich das Abkommen auch umsetzen werden, weil sie von der Notwendigkeit überzeugt sind.

Sie alle zusammen vertreten:

  • 56% aller Amerikaner
  • 60% des Brutto-Inlandsproduktes der USA
  • 40% der gesamten US Treibhausgasverursacher

Und sie haben angekündigt, dass sie die Vereinbarungen des Pariser Klimaabkommens erfüllen wollen, egal, ob die US-Bundesregierung unter Präsident Trump da mitmacht, oder nicht. Eine solche Großbewegung hat es in den USA wohl noch nie gegeben und auch das macht Anleger nachdenklich, weil die Ziele dieser Koalition ganz klar die schnelle Reduzierung der Treibhausgase und der schnelle Übergang auf regenerative Energieversorgung sind. Die 20 Einzelstaaten wollen schnellstens eigene Gesetze erlassen, die die Obama-Inhalte in ihren Landesgrenzen weiter gültig halten und so die Erleichterungen der Trump-Administration für die Förderindustrie in ihren Staatsgebieten unwirksam werden lassen.

Die nächsten Monate bleiben sehr spannend.

Volker Fritz

im AK Fracking Braunschweiger Land

 

Der bundesweite Zusammenschluss „Gegen Gasbohren“ begrüßt sein 75. Mitglied!

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Dez 192017
 

Mit großer Freude begrüßen wir als Neumitglied in unserem Zusammenschluss die Bürgerinitiative gegen Bohrungen nach Erdgas/Erdöl im Süd-/Brookmerland  in 26624 Engerhafe.

Diese Bürgerinitiative ist die 75. Gruppe, die sich unserem Zusammenschluss „Gegen Gasbohren“ angeschlossen hat.

Basierend auf den Inhalten der „Korbacher Resolution“ vom Mai 2013 wendet sich „Gegen-Gasbohren“ nachdrücklich gegen den Einsatz der Fracking-Technik in Deutschland zur Gewinnung von Kohlenwasserstoffen.

Durch die Entwicklungen in dieser Branche und die zunehmenden Erkenntnisse über die hohe Gesundheitsgefährdung der Anwohner von Förder- und Aufbereitungsplätzen haben sich die Aktivitätsfelder im Zusammenschluss inzwischen jedoch deutlich erweitert.

Auch im Bereich des Umwelt-, Grundwasser- und Gesundheitsschutzes geben sich die Mitglieder untereinander Hilfestellung.

Die Bundesregierung hat 2016, trotz ihrer Selbstverpflichtung zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes beim internationalen Abkommen von Paris 2015, Gesetze erlassen, die die Kohlenwasserstoff-Förderung in Deutschland, speziell die Erdgas- förderung unter Einsatz der Höchstdruck-Fracking-Technik mit abgelenkten Bohrungen regeln, also ermöglichen. Ihre Selbstverpflichtung von Paris hat sie damit durch ihr Handeln konterkariert, denn der Ausstieg aus der Erdgasförderung und –nutzung ist zur Erfüllung der Klimaschutzziele von Paris schnellstens erforderlich.

Die Möglichkeit, in den Gesetzen zur Regelung der Fracking-Förderung den Gesundheitsschutz der betroffenen Bevölkerung zu verbessern hat die Bundesregierung dabei ungenutzt gelassen, trotz zahlreicher Hinweise.

Die Möglichkeit, die Gesundheitsgefährdung der betroffenen Bevölkerung von Plätzen der konventionellen Kohlenwasserstoff-Förderung durch verbesserte Schutzmaßnahmen und –regelungen zu verringern, hat die Bundesregierung ebenso ungenutzt gelassen.

Die Mitglieder von „Gegen Gasbohren“ engagieren sich nachdrücklich, die Bevölkerung, die örtlichen Politiker und Gremien und die Landesregierungen der Förderländer über die Gefahren aufzuklären, die bei der Förderung und Aufbereitung der gesundheitsgefährlichen Rohgasgemische und Roherdölgemische und durch die Entsorgung hoch giftiger Abfallstoffe und –flüssigkeiten für Anwohner drohen.

Grafik: pixabay

PM von Volker Fritz

Mitglied im Zusammenschluss „Gegen Gasbohren“

 

Bohrtürme im Einsatz in Nordamerika im März 2017: Starker Rückgang der Bohrtürme in Kanada wird durch Zunahme in den USA nicht ausgeglichen!

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Apr 052017
 

Foto: pixabay

Volker H.A. Fritz                               Wolfenbüttel, den 31.03.2017

Heute berichte ich zum Zeitraum  März 2017  vom 04.03.2017 bis zum 31.03.2017.

Die im März 2017 im Einsatz befindlichen Bohrtürme in den USA und Kanada, nach den Baker-Hughes fortlaufenden Listen, zeigen, nach der starken Belebung im Januar , einer Stagnation der Wiederinbetriebnahme im Februar, jetzt einen deutlichen Rückgang.

Gegenüber der Zunahme um 202 Stück in USA und Kanada im Januar wurden für Februar zusammen nur 19 weitere Reaktivierungen gemeldet und jetzt, im März, ist sogar ein deutlicher Rückgang von minus 112 Bohrtürmen zu verzeichnen, wobei Kanada betroffen ist und die USA durch mäßige Zunahme den großen Rückgang in Kanada von minus 180 Bohrtürmen nicht ausgleichen.

International, in der übrigen Welt –hat nach den nun vorliegenden Februarzahlen – die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegenüber dem Januar-Bericht im Februar um 8 Stück auf  941 Stück gering zugenommen.

Der vorsichtige Optimismus wegen der über 55.- EUR/barrel angezogenen Ölpreise hat sich im März noch weiter abgeschwächt, da die Rohölpreise im Verlauf von 55,00 USD/barrel für Sorte BRENT auf ca. 50,50 USD fielen und nicht, wie erwartet, weiter anzogen.

In der Fachpresse ist man weiterhin sich nicht ganz einig, wie es weiter gehen wird. Es mehren sich aber die Stimmen, die das Geschäft im Verlauf des Jahres 2017 deutlich belebt erwarten.

In den letzten Monaten seit Mitte Dezember 2016 bis zum 20.02.2017 sind die Konkurse von weiteren 98 Bohr- und Service-Firmen in den USA und in Kanada registriert worden, wobei die vergleichsweise geringen offenen Forderungen zeigen, dass es sich hierbei weit überwiegend um kleinere Firmen handelt.

Es zeigt sich, dass mit Jahresbeginn 2017 die Zahl der Konkurse deutlich gesunken ist, auf nur noch einige wenige pro Monat. Die Stabilisierungsentwicklung in den USA zeigt auch hier ihre Wirkung.

Insgesamt sind seit 2015 somit  312 Unternehmen in Nordamerika in Konkurs gegangen – mit einer Gesamt-Schuldensumme von 98,5 Mrd. USD

Die Maßnahmen und Erlasse des U.S.-Präsidenten Donald Trump zu Gunsten der fossilen Industrien werden tendenziell zu einer Belebung der Industrie und der Förderung in den USA führen, zu Lasten der Umwelt und der Gesundheit  der Bürger. Die Reduzierung des Fördervolumens weltweit durch die OPEC-Beschlüsse im November 2016 und die gleichzeitige Ankündigung Russlands, auch seine Ölproduktion ab Anfang 2017 zu drosseln, werden dadurch zu einem großen Teil konterkariert. Saudi hat in der zweiten Hälfte Februar seine zurückgenommene Förderleistung wieder zu einem großen Teil aufgehoben und fördert wieder mehr. Das kurzfristige Anziehen der Rohölpreise zum Jahreswechsel und Januar 2017 hat sich nicht verstetigt.

Es verfestigt sich daher die Annahme, dass spekulative Aufkäufe von freien Spotmengen – in Erwartung bald höherer Preise – zum Jahreswechsel und im Januar zum Anziehen der Notierungen  geführt haben.

Das wieder vergrößerte Ölangebot, durch Saudi, durch den Iran und durch die Steigerung der US-Förderung führt erneut zu einem Fortbestand des Überangebotes an Rohöl in den Märkten. Das wird zu einer Fortdauer der Rohölpreise um 50 USD/ Barrel, oder gar darunter führen.

Der Rückgang der Bohrtürme in Nordamerika im März gegenüber dem Februar 2017 beträgt etwa 10 Prozent, wobei in den USA die Zunahme mit 68 Bohrtürmen als „ weitere Belebung“ zu sehen ist, dagegen in Kanada die Stilllegungen von 180 Bohrtürmen zu einer  Verringerung um 54 Prozent führte. 78 Prozent der Stillegungen in Kanada betrafen Öl, der Rest Gasbohrstellen.

Hier noch einmal gerafft die Gesamtübersicht der Entwicklungen der letzten Monate:

Juni 2016 gesamt USA Kanada
Nordamerika + 50 Türme + 14 Öl + 22 Öl
+ 3 Gas + 11 Gas
November 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 40 Türme + 20 Öl – 1 Öl
+ 10 Gas + 12 Gas
Dezember 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 110 Türme + 46 Öl + 29 Öl
+ 10 Gas + 25 Gas
Dez./Jan. 2017 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 16 Türme + 34 Öl – 13 Öl
+ 7 Gas – 12 Gas
Januar 2017 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 202 Türme + 54 Öl + 93 Öl
+ 10 Gas + 45 Gas
Februar 2017 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 19 Türme + 26 Öl 0 Öl
+ 1 Gas – 8 Gas
März 2017 gesamt USA Kandada
 Nordamerika -112 Türme   + 53 Öl – 142 Öl
  + 14 Gas – 38 Gas

 

Insgesamt wurden im Berichtsmonat März 180 Bohrtürme stillgelegt, alle Kanada. Der Abbau der Bohrkapazitäten in den USA kommt zum Stillstand. Die Zunahme im März konzentrierte sich auf die Staaten Oklahoma  + 20, Texas +19, Louisiana +8, North Dakota + 5. Der überwiegende Teil der U.S.-Zunahme lag im Ölbereich.

Die Fracking-Ölförderer in den USA, die bisher überlebt haben, bemühen sich weiterhin nach Kräften, ihre Produktionskosten noch weiter zu senken und sich auf die lukrativsten Fördergebiete zu konzentrieren.

International deutet sich ein geringer Anstieg an, da verschiedene Erschließungsprojekte weiter voran getrieben werden und andererseits Persien mit aller Macht seine Produktions- und Lieferkapazitäten wieder auf- und ausbaut. Weiterhin ist über genug Rohöl weltweit im Angebot, da die Förderung wieder über dem weltweiten Bedarf liegt und der Winter auf der Nordhalbkugel zu Ende ist. Das drückt die Spottpreise.

Dem gegenüber steht auf der Abnehmerseite für Rohöl weiterhin das reduzierte Wachstum der großen asiatischen Volkswirtschaften, wodurch sich der Bedarf an Öl und LNG-Erdgas erheblich abgeschwächt hat. Eine grundsätzliche Änderung ist zur  Zeit weiterhin nicht absehbar. Eine deutliche Preiserhöhung für Rohöl zu höheren Preisen wird bis in die 2. Jahreshälfte 2017 nicht erwartet. Auch die IEA schätzt die Entwicklung so ein.

Gegenüber September 2014 hat sich im  März 2017 ergeben, einschließlich Offshore und Bohraktivitäten im Golf von Mexiko:

USA von 1931 vermehrt auf 824 Stück (Februar 756) = -57,4 % zu 9/2014
Kanada von 429 vermindert auf 155 Stück (Februar 335) = – 64 % zu 9/2014

 

nach Öl- und Gasförderung unterschieden bedeutet das für USA:

Öl von 1592 vermehrt auf 662 Stück (Februar 609) = -58,5 % zu 9/2014
Gas von 338 vermehrt auf 160 Stück (Februar 146) = -52,7 % zu 9/2014

 

nach Öl- und Gasförderung unterschieden bedeutet das für Kanada:

Öl von 246 vermindert auf 55 Stück (Februar 197) = -77,7 % zu 9/2014
Gas von 183 vermindert auf 100 Stück (Februar 138) = -45,4 % zu 9/2014

 

Die Ankündigungen der Öl- und Gasförderfirmen im Fracking-Bereich in den vergangenen Wochen lassen aus den USA erkennen, dass trotz der noch immer problematischen Lage optimistische Untertöne verstärkt sind.

Die weiterhin katastrophale Lage bei den Gaspreisen in den USA mit 2,81 USD/ mmBtu Ende Februar – nach 3,15 USD/mmBtu am 01.02.17 Börse NYK, hat sich im März etwas erholt, mit Henry Hub Preisen von 3,19 USD/mmBtu zum Monatsende.

Dieses Preisniveau hält die U.S.-Erdgasproduktion weiterhin in der Verlustzone, nachdem der kältebedingte Mehrbedarf abgeflaut ist. Auch der zunehmende LNG-Export nach Südamerika, Asien und Europa, von den USA aus, bringt keine Gewinne sondern ist nach wie vor verlustbringend. Die Investoren verfolgen jedoch langfristige Ziele. Da spielen zwei oder drei Jahre Verluste keine bedeutende Rolle, wenn dafür Absatzwege und Abhängigkeiten für späteren Bedarf etabliert werden können.

Der weitere Zuwachs an neuen LNG-Kapazitäten in 2017 könnte zu einer Stabilisierung der US-Gaspreise beitragen, wenn das Angebot im Henry-Hub nicht vergrößert wird.

Eine generelle Trendwende ist in den USA bezüglich des Fördergeschäftes weiterhin noch nicht in Sicht, wenn sich auch die Kostenschwelle erheblich verringert hat.

Ob die von Präsident Trump initiierte Wiederbelebung des Steinkohleeinsatzes in den USA für die Stromerzeugung eine große Wirkung entfalten kann, hängt letztendlich von der Höhe der Erdgas-Großhandelspreise ab. Frühere Erfahrungen zeigen, dass ab einem Henry-Hub-Großhandelspreis von etwa 4,00 bis 4,50 USD/mmBtu die Steinkohlefeuerung in Kraftwerken wieder günstiger ist.

Meiner Meinung nach werden viele Stromerzeuger doppelgleisig fahren. Sie haben beim Aufbau der neuen Gasturbinenkraftwerke ihre „Steinkohle-Möhrchen“ nicht verschrottet. Der unter Obama verfügte Umbau der älteren Anlagen auf geringere Emissionen ist noch nicht umgesetzt gewesen, wegen verschiedener Klagen dagegen und durch die Aufhebung der Obama-Auflagen unter Trump können die alten Anlagen ungeändert weiter betrieben werden.

Sollten die Gaspreise mittelfristig zu stark steigen, werden die Steinkohle-Kesselanlagen für die Grundlastabdeckung wieder angeworfen und ihre hohen Umweltbelasung für die Menschen und die Umwelt fortsetzen. Ihre Schadwirkung auf die Atmosphäre wäre jedoch geringer als die der Erdgasverbrennung (diese Tatsache verschweigt die Gasindustrie hartnäckig).

Im Übrigen verweise ich auf meine Ausführungen in den vorhergegangenen Berichten zu den Monaten Mai 2016 bis Februar 2017.

Volker Fritz

im Arbeitskreis Fracking

Braunschweiger  Land

 

 

„Militärausgaben werden überwältigend im Budget des Weißen Hauses erhöht, zu Lasten der Bundesbehörden EPA und USDA“

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Mrz 202017
 

Foto: pixabay

Die Trump-Regierung hat ihren Haushaltsentwurf vorgestellt.

Dazu ein Kommentar von Food & Water Watch, USA

Übersetzung Food and Water Watch USA, Wenonah Hauter, Kommentar zum Entwurf des Budgets der Trump-Regierung vom 16.03.2017

https://www.foodandwaterwatch.org/news/guns-trump-butter-white-house-budget

„Militärausgaben werden überwältigend im Budget des Weißen Hauses erhöht.“ Originaltitel: „Guns Trump Butter in White House Budget”

Washington, D.C. – „In einer noch nie da gewesenen Attacke auf bestehende Regierungsprogramme, zeigt die Übersicht des heute veröffentlichten Haushaltsentwurfes, dass es zu einer überwältigenden Erhöhung der Militärausgaben kommen wird, wenn es zur Umsetzung der Prioritäten dieser Regierung kommt.
Unsere Nahrung, unser Wasser und unser Klima stehen in diesem Budget unter Beschuss. Es wird zur Erhitzung des Planeten führen, unseren Umweltschutz aufweichen und Gemeinden darben lassen um die benötigten Ressourcen zur Gesunderhaltung und zur Sicherung gedeihlicher Lebensumstände.

Während viele Experten vorhersagen, dass das Schlimmste aus diesem Haushaltsentwurf nicht umgesetzt werden wird, wird der republikanisch beherrschte Congress zweifellos die Möglichkeit sehen, die Teile der Bundes-Verwaltung zu ersticken, mit denen er nicht „gemeinsam baden“ möchte. An oberster Stelle unter den angefeindeten Bundesbehörden steht die U.S.-Bundes-Umweltbehörde EPA, die schon seit Jahren unter dem Beschuss rechtsgerichteter Gruppierungen war. Wo die EPA betroffen ist, müssen wir wachsam bleiben. Sie ist die erste, die auf den Hackklotz von Steve Bannon kommt, um seine Vision von der „Zerlegung des Staatsapparates“ zu bedienen. Wenn das passiert, wird die Jagd auf unseren Umweltschutz, unseren Klimaschutz und den Schutz unserer Gemeinden eröffnet werden.

Der Haushaltsentwurf schlägt eine Verringerung des EPA-Etats um 31 Prozent vor, einschließlich einer Reduzierung der Zuschüsse an Bundesstaaten für Aktivitäten zum Schutz der Umwelt um 45 Prozent, einschließlich der Kürzung des Superfund Programmes um 30 Prozent und einer Kürzung des Etats der Exekutiv-Behörde zur Durchsetzung von Bundesumweltgesetzen um 23 Prozent.Er würde außerdem besondere Anstrengungen beseitigen, die bisher zum Schutz der Großen Seen und der Chesapeake Bay unternommen wurden und auch andere geographische Programme beseitigen wie die Unterstützung der Ureinwohner von Alaska und der Städte an der mexikanischen Grenze.Er vernichtet außerdem klimabezogene Programme, einschließlich des Energy Star-Programmes, das Verbrauchern hilft, energie-effiziente Anwendungen zu finden, die Verordnung für saubere Kohle-Kraftwerke, die Einhaltung internationaler Programme zum Schutz des Klimas, beendet die regierungsseitige Klimaforschung und Partnerschaftsprogramme zum Klimaschutz.

Gemäß dem Haushaltsentwurf das Unterstützungsprogramm für die Wasserversorgung und die Abwasseraufbereitung in ländlichen Gemeinden gestrichen werden, mit dessen Hilfe Trinkwasserversorgungen und Kläranlagen in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern unterstützend finanziert werden.

Die USDA ist auch für eine bedeutende Gesamt-Reduzierung vorgesehen, einschließlich des Abbaus von Personal  in den Service-Zentren. Das würde ernsthafte Auswirkungen auf die Landwirte und ländlichen Gemeinden haben, die den Zugang zu den Programmen der USDA benötigen.
Das vorgelegte Budget des Herrn Trump ist ein Tiefschlag gegen unsere Schutzmaßnahmen zum Schutz  unserer Nahrung, unseres Trinkwassers, unserer Umwelt und unserer Gemeinden – einschließlich der ländlichen Gemeinden, die dabei geholfen haben, Herrn Trump ins Weiße Haus zu bringen.
Food & Water Watch kämpft für gesunde Nahrung und sauberes Trinkwasser für alle. Wir stellen uns Unternehmen entgegen, die Profite über die Menschen stellen und wir setzen uns für eine Demokratie ein, die das Leben der Menschen verbessert und unsere Umwelt schützt“.

Wenonah Hauter Executive Director

Übersetzt: Volker Fritz
Wolfenbüttel, den 20.03.2017
im AK Fracking
Braunschweiger Land
Mitglied im Zusammenschluss „Gegen Gasbohren“

Bohrtürme im Einsatz in Nordamerika im Februar 2017: Plötzliche Stagnation der Wiederinbetriebnahme

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Mrz 102017
 

Foto: pixabay

Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 04.03.2017

Heute berichte ich zum Zeitraum  Februar 2017  vom 04.02.2017 bis zum 03.03.2017.

Die im Februar 2017 im Einsatz befindlichen Bohrtürme in den USA und Kanada, nach den Baker-Hughes fortlaufenden Listen, zeigen, nach der starken Belebung im Januar , eine Stagnation der weiteren Wiederinbetriebnahme. Gegenüber der Zunahme um 202 Stück in USA und Kanada im Januar werden für den Berichtszeitraum zusammen nur 19 weitere Reaktivierungen gemeldet.

International, in der übrigen Welt – liegen gegenüber dem Januar-Bericht noch keine neuen Zahlen vor.

Der vorsichtige Optimismus wegen der über 55.- EUR/barrel angezogenen Ölpreise hat sich im Februar wieder abgeschwächt, da die Rohölpreise bei 55,00 USD/barrel für Sorte BRENT blieben und nicht wie erwartet weiter anzogen.

In der Fachpresse ist man weiterhin sich nicht ganz einig, wie es weiter gehen wird. Es mehren sich aber die Stimmen, die das Geschäft im Verlauf des Jahres 2017 deutlich belebt erwarten.

Die Maßnahmen und Erlasse des U.S.-Präsidenten Donald Trump zu Gunsten der Fossilen Industrien werden tendenziell zu einer Belebung der Industrie und der Förderung in den USA führen, zu Lasten der Umwelt und der Gesundheit  der Bürger. Die Reduzierung des Fördervolumens weltweit durch die OPEC-Beschlüsse im November 2016 und die gleichzeitige Ankündigung Russlands, auch seine Ölproduktion ab Anfang 2017 zu drosseln, werden dadurch zu einem großen Teil konterkariert werden.

Das kurzfristige Anziehen der Rohölpreise zum Jahreswechsel und Januar 2017 hat sich nicht verstetigt.

Es verfestigt sich daher die Annahme, dass spekulative Aufkäufe von freien Spotmengen – in Erwartung bald höherer Preise – zum Jahreswechsel und im Januar zum Anziehen der Notierungen  geführt haben.

Die Zunahme in Nordamerika gegenüber dem Januar 2017 beträgt nur knapp 2 Prozent wobei in den USA die Zunahme mit 27 Bohrtürmen als „ geringe weitere Belebung“ zu sehen ist, dagegen in Kanada die Stilllegungen im Gasbereich zu einer Abnahme um acht Bohrtürme führte, bei Null Veränderungen im Ölbereich. Der Ölbereich dominiert. Insgesamt wurden 26 Ölbohrtürme wieder aktiviert.

Hier noch einmal gerafft die Gesamtübersicht der Entwicklungen der letzten Monate:

 Juni 2016 gesamt USA Kanada
 Nordamerika  + 50 Türme  + 14 Öl + 22 Öl
+ 3 Gas + 11 Gas
November 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 40 Türme + 20 Öl – 1 Öl
+ 10 Gas + 12 Gas
Dezember 2016 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 110 Türme + 46 Öl + 29 Öl
+ 10 Gas + 25 Gas
Dez./Jan.  2017 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 16 Türme + 34 Öl – 13 Öl
+ 7 Gas – 12 Gas
Januar 2017 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 202 Türme + 54 Öl + 93 Öl
+ 10 Gas + 45 Gas
Februar 2017 gesamt USA Kandada
Nordamerika + 19 Türme + 26 Öl  0 Öl
+ 1 Gas – 8 Gas

 

Insgesamt wurden im Berichtsmonat Februar 19 Bohrtürme wieder aktiviert.

Der Abbau der Bohrkapazitäten in den USA geht in mehreren Bundesstaaten wieder weiter (Oklahoma, Wyoming, Ohio, Alaska), der Zuwachs im Februar erfolgte nur in Texas (+ 37).

Die Fracking-Ölförderer in den USA, die bisher überlebt haben, bemühen sich weiterhin nach Kräften, ihre Produktionskosten noch weiter zu senken und sich auf die lukrativsten Fördergebiete zu konzentrieren.

International liegen keine neuen Zahlen vor, es ist jedoch anzunehmen, dass es einen allmählichen weiteren Anstieg gibt, da verschiedene Erschließungsprojekte weiter voran getrieben werden und andererseits Persien mit aller Macht seine Produktions- und Lieferkapazitäten wieder auf- und ausbaut. Weiterhin ist genug Rohöl weltweit im Angebot. Das drückt die Spotpreise.

Dem gegenüber steht auf der Abnehmerseite für Rohöl weiterhin das reduzierte Wachstum der großen asiatischen Volkswirtschaften, wodurch sich der Bedarf an Öl und LNG-Erdgas erheblich abgeschwächt hat.

Eine grundsätzliche Änderung ist zur  Zeit weiterhin nicht absehbar. Eine deutliche Preiserhöhung für Rohöl zu höheren Preisen wird bis in die 2. Jahreshälfte 2017 nicht erwartet. Auch die IEA schätzt die Entwicklung so ein.

Gegenüber September 2014 hat sich im  Februar 2017 ergeben, einschließlich Offshore und Bohraktivitäten im Golf von Mexiko:

USA von 1931 vermehrt auf 756 Stück (Januar 792) = -60,9 % zu 9/2014
Kanada von 429 vermehrt auf 335 Stück (Dezember 343) = – 22 % zu 9/2014

 

nach Öl- und Gasförderung unterschieden bedeutet das für USA:

Öl von 1592 vermehrt auf 609 Stück (Januar 583) = -62,8 % zu 9/2014
Gas von 338 vermehrt auf 146 Stück (Januar 145) = -57 % zu 9/2014

 

nach Öl- und Gasförderung unterschieden bedeutet das für Kanada:

Öl von 246 gleichbleibend auf 197 Stück (Januar 197) = -20 % zu 9/2014
Gas von 183 vermindert auf 138 Stück (Januar 146) = -24,6 % zu 9/2014

 

Die Ankündigungen der Öl- und Gasförderfirmen im Fracking-Bereich in den vergangenen Wochen lassen aus den USA erkennen, dass trotz der noch immer problematischen Lage optimistische Untertöne verstärkt sind.

Die weiterhin katastrophale Lage bei den Gaspreisen in den USA mit 2,81 USD/mmBtu Ende Februar – nach 3,15 USD/mmBtu am 1. Februar 2017 Börse NYK, hält die Erdgasproduktion weiterhin in der Verlustzone, nachdem der kältebedingte Mehrbedarf abflaut. Auch der zunehmende LNG-Export nach Südamerika, Asien und Europa, von den USA aus, bringt keine Gewinne sondern ist nach wie vor verlustbringend. Die Investoren verfolgen jedoch langfristige Ziele. Da spielen zwei oder drei Jahre Verluste keine bedeutende Rolle, wenn dafür Absatzwege und Abhängigkeiten für späteren Bedarf etabliert werden können.

Der weitere Zuwachs an neuen LNG-Kapazitäten in 2017 könnte zu einer Stabilisierung der US-Gaspreise beitragen, wenn das Angebot im Henry-Hub nicht vergrößert wird.

Eine generelle Trendwende ist in den USA bezüglich des Fördergeschäftes weiterhin noch nicht in Sicht, wenn sich auch die Kostenschwelle erheblich verringert hat.

Ob die von Präsident Trump initiierte Wiederbelebung des Steinkohleeinsatzes in den USA für die Stromerzeugung eine große Wirkung entfalten kann, hängt letztendlich von der Höhe der Erdgas-Großhandelspreise ab. Frühere Erfahrungen zeigen, dass ab einem Henry-Hub-Großhandelspreis von etwa 4,00 bis 4,50 USD/mmBtu die Steinkohlefeuerung in Kraftwerken wieder günstiger ist.

Meiner Meinung nach werden viele Stromerzeuger doppelgleisig fahren. Sie haben beim Aufbau der neuen Gasturbinenkraftwerke ihre „Steinkohle-Möhrchen“ nicht verschrottet. Sollten die Gaspreise mittelfristig zu stark steigen, werden die Steinkohle-Kesselanlagen für die Grundlastabdeckung wieder angeworfen.

Im Übrigen verweise ich auf meine Ausführungen in den vorhergegangenen Berichten zu den Monaten Mai 2016 bis Januar 2017.

 

Volker Fritz
im Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land