Streit um Gasbohrungen: Fracking: FDP kritisiert Herberner Bürgerinitiative – Ruhr Nachrichten

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Okt 292014
 

FDP-FDP kritisiert Herberner Bürgerinitiative

FDP-Meinung: Man darf nicht gegen Fracking  protestieren, wenn man gleichzeitig eine Gasheizung betreibt.
Dann darf man auch nicht gegen Atomkraft demonstrieren, wenn man Strom aus der Steckdose bezieht!!!  So einfach geht es nicht!!! Man kann statt Fracking auch in Power zu Gas investieren und Windkraft so zu Biogas umwandeln. Dann heizt man mit Gas und braucht kein FRACKING!!!

 

Wie falsch die Genossen mit dieser Einschätzung lagen, zeigte sich beim Redebeitrag von Jochen Wismann, der für seine FDP ohne jede Ironie erklärte: „Die Bürgerinitiative protestiert gegen Gasbohren, obwohl die meisten wahrscheinlich zuhause eine Gasheizung betreiben.“ Für ihn sei das schlichtweg „Heuchelei“. Die FDP werde „natürlich“ Anträge auf Gasbohrungen prüfen. „Aber wir können doch nicht von vornherein eine Fördermethode einfach ablehnen.

via Streit um Gasbohrungen: Fracking: FDP kritisiert Herberner Bürgerinitiative – Ruhr Nachrichten.

Okt 252014
 
Übergabe von 90000 Unterschriften gegen Fracking bei der UMK in Heidelberg

Übergabe von 90000 Unterschriften gegen Fracking bei der UMK in Heidelberg (v.l.n.r.): Jochen Flasbarth (Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt), Franz Untersteller (Umweltminister Baden-Württemberg), Stefan Henrichs (BIgG), Carsten Grawunder (Bürgermeister Drensteinfurt), Raphaela Blümer (BIgG), Johannes Remmel (Umweltminister NRW) und Jürgen Blümer (BIGG)

Bürgermeister und Bürgerinitiative übergaben Unterschriften gegen unkonventionelle Gasförderung auf Umweltministerkonferenz

Minister Remmel sieht Klärungsbedarf bei Bohrung in Ascheberg

Am vergangenen Donnerstag (23.10.2014) übergaben Vertreter der Stadt Drensteinfurt
und der Bürgerinitiative gegen Gasbohren BigG Drensteinfurt In Heidelberg rund 90 Tausend Unterschriften gegen die unkonventionelle Gasförderung an die Umweltministerkonferenz. Die Unterschriften wurden von den Ministern Johannes Remmel, Nordrhein-Westfalen, und Franz Untersteller, Baden-Württemberg, sowie dem Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth entgegengenommen.

Drensteinfurts Bürgermeister Carsten Grawunder, seine Stadträtin Raphaela Blümer, der Vorsitzende der BigG Drensteinfurt Stefan Henrichs und der Mitautor der Korbacher Resolution und Initiator dieser Unterschriftensammlung, Jürgen Blümer vertraten die deutschen und auch internationale Frackinggegner. Stadträtin und Bürgermeister vertraten mit Drensteinfurt eine Stadt, die sich bereits sehr früh gegen Fracking ausgesprochen und die Korbacher Resolution als eine der ersten Kommunen in Deutschland unterzeichnet hat. Inzwischen unterstützen bereits mindestens 35 Kommunen und Landkreise die Korbacher Resolution.

Mit der Übergabe der Unterschriften fordern die Stadt Drensteinfurt und die BigG Drensteinfurt im Namen aller UnterzeichnerInnen von den Umweltministern der Länder, mit dem Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger Ernst zu machen und eine die genannte Brückentechnologie Fracking zu stoppen. Keinesfalls soll der Bundesrat als Vertreter der Länder den Gesetzesplänen der Bundesregierung zustimmen, in denen Fracking unter bestimmten Umständen ermöglicht werden soll.

Der Umweltminister von Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel, wurde insbesondere auf die Situation in Ascheberg angesprochen. Dort im südlichen Münsterland will HammGas 2015 mit Probebohrungen in unkonventionellen Lagerstätten, nämlich Kohleflözen beginnen. Bürgermeister Carsten Grawunder stellte nachdrücklich klar, dass er diese Methode der unkonventionellen Gasförderung ablehnt. Remmel machte deutlich, dass er auch weiter zu dem Moratorium in seinem Bundesland stehe, welches die Aufsuchung und Förderung von unkonventionellem Erdgas untersagt. Der Minister betonte, dass es hier keine Begriffsaufweichung geben dürfe.

Zu der Situation in Ascheberg soll ein weiteres Gespräch mit Bürgerinitiative und Bürgermeister folgen.

Remmel, Untersteller und Flasbarth stimmten darin überein, dass sie sich insbesondere für eine rasche Umsetzung der Energiewende einsetzen werden. Darin sahen die Politiker den sichersten Weg, den Abbau fossiler Energieträger zu unterbinden.

„Die Übergabe der Unterschriften zu diesem Zeitpunkt war genau richtig“, so das Resümee von Jürgen Blümer. „Wir haben damit deutlich gemacht, dass weder die PolitikerInnen vor Ort noch die Menschen im Münsterland bereit sind, der Zerstörung ihrer Heimat tatenlos zuzusehen.“ Der Umweltschützer sieht in der Ankündigung von HammGas, in wenigen Monaten mit den Bohrungen anzufangen, einen späten aber lauten Weckruf: „Es ist zwar Fünf vor Zwölf, aber noch können wir den Irrsinn der Gasförderung stoppen!“ Blümer fordert noch einmal alle Kommunen des Münsterlandes auf, die Korbacher Resolution zu unterzeichnen, um die gemeinsame Ablehnung deutlich zu machen. „Nur wenn wir jetzt an einem Strang ziehen, werden wir in Berlin und Düsseldorf auch gehört“, so Blümer.

Die 90.000 Unterschriften waren seit Mai 2013 von zahlreichen Bürgerinitiativen in ganz Deutschland zur Unterstützung der Korbacher Resolution gesammelt worden. Zusätzlich war die Aktion auf dem Internet-Portal ‚openPetition‘ erreichbar, wo die Unterschriften auch online abgegeben werden konnten. Die Korbacher Resolution wurde im Mai 2013 beschlossen und wird heute von über 260 Vereinen, Initiativen, Gruppen, Unternehmern, Parteien und Kommunen unterstützt. In der Resolution wird u.a. ein vollständiges Fracking-Verbot, eine Novellierung des Bergrechts und eine konsequente Umsetzung der Energiewende gefordert.

Die Beschlüsse gegen Fracking und für die Korbacher Resolution hat der Drensteinfurter Stadtrat stets einstimmig verabschiedet. Die BigG Drensteinfurt ist Erstunterzeichner der Korbacher Resolution und engagiert sich seit über zwei Jahren aktiv auf allen Ebenen gegen Fracking. Zuletzt unterstützte die Bürgerinitiative die Stadt Drensteinfurt bei der Abfassung eines Einspruchs zur Verlängerung der Aufsuchungserlaubnis für unkonventionelles Erdgas im Feld Nordrhein-Westfalen Nord.

Am 4. und 5. Mai 2013 haben sich in Korbach anti-Fracking-Initiativen aus ganz Deutschland zur stärkeren Vernetzung und zum Erfahrungsaustausch getroffen und die Korbacher Resolution beschlossen:

Korbacher Resolution

Folgende Forderungen richten wir an Bund, Länder und die Europäische Union:

  • Ein sofortiges ausnahmsloses Verbot sämtlicher Formen von Fracking bei der Erforschung, Aufsuchung und Gewinnung fossiler Energieträger. Dies ist unabhängig davon, ob die Rissbildung mit oder ohne den Einsatz giftiger Chemikalien, hydraulisch oder andersartig erzeugt wird.
  • Ein generelles Import- und Handelsverbot von „gefrackten“ fossilen Energieträgern.
  • Ein generelles Verbot der Verpressung des Rückflusses oder der untertägigen Ablagerung von Fluiden und Lagerstättenwässer.
  • Eine Novellierung des Bergrechts. Die höchsten Umweltstandards und Beteiligungsrechte der Öffentlichkeit haben im Fokus der Novellierung zu stehen.
  • Ein konsequentes Umsetzen der politisch beschlossenen Energiewende, d.h. Abkehr von fossilen Brennstoffen, Ausbau der erneuerbaren Energien und Steigerung der Energieeffizienz.

Korbach, 5. Mai 2013

 Veröffentlicht von am 25. Oktober 2014
Okt 232014
 

Am Donnerstag, 30. Oktober, 18 Uhr laden Herbert Behrens und Hubertus Zdebel (MdB, DIE LINKE) zum Thema „Fracking stoppen! Wege des Widerstandes“ ins Foyer der Lüneburger Volkshochschule (Haagestraße 4) ein. Referent ist Oliver Kalusch vom Bundesverband der Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).

Behrens und Zdebel waren im Sommer in den Landkreisen Rotenburg und Verden unterwegs, um sich ein Bild von den Aktivitäten der Gasindustrie zu machen. „Bereits ohne den Einsatz von Fracking gibt es zahlreiche Probleme im Bereich der Gasförderung“, sagt Herbert Behrens. „Immer wieder kommt es zu Unfällen, bei denen toxisches Lagerstättenwasser austritt. Auch durch das Abfackeln von Gas und erhöhte seismische Aktivitäten sind die Menschen enormen Belastungen ausgesetzt. Aktuell beschäftigt uns in Rotenburg die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der Gasförderung und der erhöhten Zahl von Leukämiefällen gibt.“

Zdebel warnt vor einer Irreführung der Bevölkerung durch die Bundesregierung: „Umweltministerin Hendricks und Wirtschaftsminister Gabriel behaupten, dass sie in ihrem geplanten Gesetzesentwurf Fracking verbieten. In Wahrheit wollen sie nur die Förderung von Schiefergas vorläufig verbieten, Fracking in Sandsteinformationen soll erlaubt bleiben.“ Das sogenannte Tight-Gas soll entgegen der sprachlichen Regelung in allen bisherigen Gutachten plötzlich in den Bereich der konventionellen Gasförderung fallen und erlaubt bleiben. „Wir lassen uns auf dieses Verwirrspiel nicht ein und fordern ein Frackingverbot in sämtlichen geologischen Formationen. Wir brauchen außerdem schärfere Auflagen für die konventionelle Gasförderung, vor allem bei der Entsorgung des Lagerstättenwassers. Ein entsprechender Antrag von uns kommt noch in diesem Jahr auf den Tisch“, kündigt Zdebel an.

 Veröffentlicht von am 23. Oktober 2014
Okt 232014
 

Oldendorf_LuheAm vergangenen Dienstag hatte das gemeinnützige Netzwerk für Umweltkranke Genuk e.V. die Bürgerinitiative „Kein Fracking in der Heide“ aus dem benachbarten Landkreis Harburg eingeladen, um über das Thema Fracking und die Situation rund um Amelinghausen und die Totenstatt Oldendorf zu informieren. Die Veranstalterin Kathrin Otte und die Referenten waren überwältigt: die Lopautalhalle war mit deutlich über hundert neugierigen und interessierten Zuhörern bestens gefüllt.

Die Samtgemeinde Amelinghausen in Person des Bürgermeisterverteters, Herrn Göbel, wünschte der Versammlung einen guten Verlauf. Der Samtgemeinderat hatte sich schon 2012 gegen Fracking auf dem Gemeindegebiet ausgesprochen. Die Politiker und die Verwaltung sind entschlossen, den weiteren Verlauf aufmerksam zu beobachten.

Im Anschluss führte Rüdiger Schmidt von „Kein Fracking in der Heide“ in die Thematik ein. Entwicklungen in den USA, der Stand in Niedersachsen und im Aufsuchungsfeld Oldendorf wurden skizziert. Renate Maass zeigte dann anhand einiger Querschnitte durch die Bodenformationen rund um Amelinghausen, wie die geologische Situation hier durch Salz-Diapire bis kurz unter der Erdoberfläche gekennzeichnet ist. Salz steigt auf, oft wie ein riesiger Pilz, über tausende von Metern. Diese Salzdome zeichnen sich durch Instabilität aus, die geologische Lage in der Heide ist nicht sehr zuverlässig. Die Altstadt des nahe gelegenen Lüneburg legt beredtes Zeugnis darüber ab.

Die Hinweise auf die öffentlichkeitsscheue und bisher durch Tricksereien unangenehm aufgefallene Unternehmen Kimmeridge waren keinesfalls geeignet, die anwesenden Bürger zu beruhigen. Auch wenn die BIs in den letzten zwei Jahren einige Erfolge errungen haben, bleibt Sorge die vorherrschende Stimmungslage. Denn die Pläne der niedersächsischen Landesregierung, durch bessere Sicherung der Wasserschutzgebiete und verschärfte Umweltverträglichkeitsprüfungen Schäden möglichst zu verhindern, gehen sicher nicht weit genug. Das Problem der Entsorgung giftigen Lagerstättenwassers ist mehr denn je in der Schwebe. Die Umkehr der Beweispflicht bei Bergschäden durch Erdbewegung und –beben (die in verschiedenen Gegenden Niedersachsens bereits wiederholt aufgetreten sind) ist bisher politisch nur in der Planung, aber immerhin hat ein Schlichtungsausschuss mit Vertretern von Behörden, Wirtschaft und Bürgerinitiativen mittlerweile seine Arbeit aufgenommen. Die Risiken der Wasserverschmutzung durch Risse und Wegsamkeiten entlang der Bohrgestänge und in alten, mittlerweile undichten Bohrungen kommen erst langsam in den Blick.

All das geschah bisher in der Hoffnung, Schlimmeres vielleicht doch noch verhüten zu können. In den letzten Monaten hat sich die Lagebeurteilung aber in den Gebieten Niedersachsens, in denen seit Jahrzehnten Öl und Gas gefördert werden, dramatisch verändert. Es wird immer deutlicher: An allen Ecken und Enden tauchen Altlasten auf. Es zeigen sich Schäden an Natur: Naturschützer und BIs wiesen Quecksilber-Kontaminationen um Bohrplätze nach, die die Betreiber und das Landesbergamt immer übersehen hatten. Alte Bohrlöcher sind unzureichend gesichert, und es liegen ölhaltige Schlämme direkt unter der Oberfläche von Äckern und Wäldern. Viel schlimmer noch sind die eingetretenen Schäden an der Gesundheit von Menschen. Im Umfeld von Förder- und Versenkanlagen im Kreis Rotenburg sind Verdoppelungen der Raten bei bestimmten Krebserkrankungen nachgewiesen. Die Zahlen sind statistisch so eindeutig, dass niemand sagt, das könne Zufall sein. Genuk e.V. sowie die BIs vor Ort in Wittorf, Hemslingen/Söhlingen und umzu haben bewiesen: der Schadensfall ist längst eingetreten. Und all das geschah seit Jahrzehnten ohne das noch riskantere Fracking, einfach im Alltag der konventionellen Öl- und Gasförderung. Es muss daher ein Moratorium der Förderung von Gas und Öl erlassen werden, bis die Gesundheitsgefährdung genauer erkundet worden sind und Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen greifen. Das dürfte einige Jahre dauern. Bis dahin gilt: Kein Gasbohren, auch nicht in Amelinghausen und der Heide! Dieser Zielsetzung stimmten die Anwesenden in einer Resolution zu. Eine Gruppe von Bürgern wird sich weiter treffen, um an dem Thema in ihrer Heimatgemeinde weiter zu arbeiten.

Amelinghausen ist ein beliebter Erholungsort mitten in der Lüneburger Heide, die nördlich von Amelinghausen gelegene Oldendorfer Totenstatt ein bedeutendes Kulturdenkmal. Stadt und Statt liegen jedoch auch mitten im Aufsuchungsfeld Oldendorf, wo das amerikanische Unternehmen Kimmeridge mit ihrer deutschen Tochter nach Öl sucht. Und wenige Kilometer weiter hat der Weltmarktführer Exxon schon mit seismischen Untersuchungen begonnen – im heutigen Aufsuchungsfeld von Kimmeridge. Welche Pläne zur Zusammenarbeit mag es da schon geben?

 Veröffentlicht von am 23. Oktober 2014
Okt 212014
 

Schadstoff-Ausstoß unbekannt: Entquickungsanlage Bellen (Niedersachsen)(Foto/Grafik: Carin Schomann @bohrplatz.org CC BY-SA 3.0)

Schadstoff-Ausstoß unbekannt: Entquickungsanlage Bellen (Niedersachsen)(Foto/Grafik: Carin Schomann @bohrplatz.org CC BY-SA 3.0)

Am 8. Oktober diskutierten in Berlin rund 50 Experten aus Ärztekammern, Gesundheitsbehörden, wissenschaftlichen Instituten und dem Umweltbundesamt Gesundheitsrisiken und Fragen der Prävention, die sich aus modernen Methoden der Energieerzeugung ergeben können. Im Fokus standen Fracking, Windenergie, Kohlekraftwerke und der Ausbau der Hoch- und Höchstspannungsnetze. Ziel der Veranstaltung war es, eine andauernde Diskussion darüber anzustoßen, ob die neuen technischen Optionen eher geeignet sind, die Prävention von Gesundheitsschäden zu unterstützen oder ob sie zusätzliche Risiken für die Gesundheit bedeuten. Den Experten­workshop hatte die Bundesärztekammer (BÄK) zusammen mit der „Health and Environment Alliance“ (HEAL) und der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventionsmedizin (GHUP) organisiert. Die BÄK ist der größte bundesdeutsche Berufsverband von Ärzten und vertritt über 470000 Mediziner. Ihre Mitglieder stehen immer häufiger vor der Herausforderung, Rat und Empfehlungen zu Energiefragen vor Ort zu geben.

Aus dem Deutschen Ärzteblatt:

Zum Thema Fracking stellte Bernd Kirschbaum vom Umweltbundesamt (UBA) die Ergebnisse zweier aktueller Gutachten vor, die das UBA in Auftrag gegeben hatte. „Das Umweltbundesamt empfiehlt, wegen der bestehenden Wissenslücken derzeit auf eine flächendeckende kommerzielle Gewinnung von Schiefergas durch Fracking in Deutschland zu verzichten“, erklärte Kirschbaum. Zudem solle vor jeder Fracking-Operation eine Risikobewertung vorgenommen werden. Ein generelles Fracking-Verbot sei aber von den Gutachtern nicht empfohlen worden.

„Sehr kritisch betrachten wir den sogenannten Flowback, der auch bei der konven­tionellen Erdgasförderung auftritt“, betonte Kirschbaum. Bei jedem Bohrloch fördere man auch Lagerstättenwasser zutage, das unter anderem Schwermetalle, radioaktive Stoffe oder Benzol enthalten könne. Bei der Behandlung und Entsorgung dieses Lagerstätten­wassers bestehen große Defizite, da derzeit weder national noch auf europäischer Ebene ein „Stand der Technik“ festgeschrieben sei.

Der volkswirtschaftliche Nutzen des Schiefergases spiele überdies im Rahmen der Energiewende keine Rolle, so Kirschbaum. Denn weder würde es kurz- und mittelfristig den Gaspreis verändern noch die Importabhängigkeit Deutschlands, da das Gas nur langsam und schrittweise gefördert werden könne. Zudem sei mit einem Förderbeginn erst in zehn Jahren zu rechnen.

Eine ähnliche Präsentation von Bernd Kirschbaum ist hier:
http://www.bfr.bund.de/cm/343/fracking-chancen-und-risiken.pdf

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat dem Fracking bereits letztes Jahr eine eindeutige Absage erteilt: „Die Vertreterversammlung der Landesärztekammer Baden-Württemberg lehnt einen Schiefergasabbau durch Fracking ab.“

 Veröffentlicht von am 21. Oktober 2014
Okt 182014
 

Anteil von Kohlendioxid in der Atmosphäre (Quelle: wikimedia)

Anteil von Kohlendioxid in der Atmosphäre (Quelle: wikimedia)

Der Erdgas-Boom durch den Einsatz von Technologien wie Fracking wird voraussichtlich nicht zu einer Verringerung der Treibhausgas-Emissionen führen. Die Verbrennung von Erdgas erzeugt im Vergleich zu Kohle zwar nur etwa die Hälfte der CO2-Emissionen pro Energieeinheit. Aber wenn Erdgas reichlich verfügbar und somit billig wird, hat dies letztlich auch einen höheren Energieverbrauch zur Folge. Die schmutzige Kohle würde durch Gas nur zum Teil ersetzt, wie eine jetzt in der Fachzeitschrift Nature erscheinende Studie zeigt. Zudem verursacht eine erhöhte Gasproduktion auch einen höheren Ausstoß des starken Treibhausgases Methan, das aus Bohrungslecks und Rohrleitungen entweichen kann, wie die Studienautoren bestätigen.

Die Erhöhung des globalen Gasangebots löst auf den Märkten also Anpassungsdynamiken aus, die den Vorteil vergleichsweise niedrigerer Emissionen wieder zunichte machen würden, wie ein internationaler Vergleich von Computersimulationen erstmals zeigt.

„Unsere Untersuchung macht klar, dass reichlich Erdgas allein uns nicht vor dem Klimawandel retten wird“, sagt der Leitautor Hawon McJeon vom Pacific Northwest National Laboratory (PNNL) des US-Energieministeriums. Vor allem in den USA haben neue technische Möglichkeiten wie das Verpressen von Flüssigkeit in Schiefergestein, um es unterirdisch aufzubrechen und Erdgas freizusetzen – auch Fracking genannt – zu einem Boom bei der Erdgasförderung geführt. „Der globale Einsatz neuer Produktionstechnologien könnte die weltweite Erdgasproduktion bis zum Jahr 2050 verdoppeln oder verdreifachen“, sagt McJeon.

„Die Hoffnung erweist sich als irrig“ – Markteffekte dominieren

Dies könnte bis zur Mitte des Jahrhunderts zu bis zu zehn Prozent höheren CO2-Emissionen führen, statt den Kohlendioxid-Ausstoß insgesamt zu senken. „Das zusätzliche Angebot von Gas lässt dessen Anteil an Energie-Mix steigen, aber hierdurch wird nur eine sehr begrenzte Menge Kohle ersetzt – und es könnten auch emissionsarme erneuerbare Energien und Kernenergie ersetzt werden“, sagt Co-Autor Nico Bauer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „Leider erweist sich die Hoffnung als irrig, dass Erdgas wegen seiner technischen Überlegenheit im Vergleich zur Kohle absehbar zu einer Verringerung der Erderwärmung beitragen kann. Das stark erhöhte Angebot von Erdgas führt zu einem Preisverfall und einer Ausweitung der gesamten Energie-Versorgung.“ Darüber hinaus verursacht eine erhöhte Gasproduktion auch einen höheren Ausstoß des starken Treibhausgases Methan, das aus Bohrungslecks und Rohrleitungen entweichen kann.

Bei den verfügbaren Gasmengen gibt es viele Unsicherheiten – die Abschätzung der weltweiten Vorkommen wurde in den letzten zehn Jahren angepasst, aber die wirtschaftlichen Auswirkungen im globalen Energiesektor sind bislang nicht umfassend erforscht worden. Fünf Forschungsgruppen aus Deutschland, den USA, Österreich, Italien und Australien haben deshalb nun berechnet, wie die Welt im Jahr 2050 mit und ohne Erdgas-Boom aussehen könnte. Sie verwendeten fünf verschiedene Simulationsmodelle, die nicht nur Produktion und Verbrauch von Energie erfassen, sondern ein breites Spektrum von Wirtschaftssektoren sowie das Klimasystem enthalten.

Technische Fortschritte können Klimapolitik nicht ersetzen

„Als wir bei unserem Modell kaum Veränderungen bei den Treibhausgasemissionen bemerkten, dachten wir zuerst, wir hätten einen Fehler gemacht, weil wir mit einer erheblichen Emissionsverminderung gerechnet hatten“, sagt der leitende Wissenschafter James ‚Jae‘ Edmonds vom Joint Global Change Research Institute der PNNL. „Aber als alle fünf Modellierteams uns davon berichteten, dass sie ebenfalls kaum Unterschiede hinsichtlich des Klimawandels erkennen konnten, wussten wir, dass wir da etwas Neuem auf der Spur waren.“

Die Folgen sind weit reichend. „Die Ergebnisse zeigen, dass eine wirksame Stabilisierung des Klimas nur durch eine Bepreisung von Emissionen erreicht werden kann – und das erfordert internationale politische Zusammenarbeit und verbindliche Vereinbarungen“, erklärt Ottmar Edenhofer, Chefökonom des PIK. „Technologische Fortschritte können die Kosten der Klimapolitik reduzieren – aber sie können die Klimapolitik nicht ersetzen.“

Quelle: Pressemeldung des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung/idw

Originalpublikation:
McJeon, H., Edmonds, J., Bauer, N., Clarke, L., Fisher, B., Flannery, B.P., Hilaire, J., Krey, V., Marangoni, G., Mi, R., Riahi, K., Rogner, H., Tavoni, M.
Limited impact on decadal-scale climate change from increased use of natural gas
Nature (2014) doi:10.1038/nature13837

Received 25 April 2014. Accepted 02 September 2014. Published online 15 October 2014

 Veröffentlicht von am 18. Oktober 2014