Offener Brief der bulgarischen Initiative für Verbot der Förderung von Schiefergas

Unsere Schwester-Initiative für ein Verbot der Förderung von Schiefergas in Bulgarien hat uns einen offenen Brief an das bulgarische Parlament zur Verfügung gestellt. In Bulgarien gibt es seit kurzem ein Verbot von Hydraulic Fracturing. Die Industrie versucht dieses Verbot mit allen Mitteln wieder auszuhebeln.

An den Premierminister der Republik Bulgarien
Herrn Boyko Borisov
An die Vorsitzende der 41. Volksversammlung
Frau Tsetska Tsacheva
An die Abgeordneten der 41. Volksversammlung
Kopien:
An den Präsidenten der Republik Bulgarien
Herrn Rosen Plevneliev
An die Medien

OFFENER BRIEF

In Bezug auf die in den Medien öfter erscheinenden Veröffentlichungen und Attacken gegen die Bürgerinitiative für Verbot der Förderung von Schiefergas in Bulgarien und der diesbezüglichen Probebohrungen zu Forschungszwecken nach der Fracking-Methode möchten wir in vollster Verantwortung hiermit zum Ausdruck bringen, dass die Initiative aufgeklärte, verantwortungsbewusste, ihre Heimat liebende bulgarische Bürger aus unterschiedlichen Berufen, sozialen Schichten und Parteizugehörigkeit vereint. Das, was uns verbindet, ist unsere Besorgnis und unsere Entschlossenheit nicht zuzulassen, dass der Boden und das Wasser unseres Vaterlandes Bulgarien verpestet werden. Bezüglich der Anzahl der aktiven Mitglieder und der Protestteilnehmer sind wir bereit, Fotomaterial zur Verfügung zu stellen, das dazu beitragen soll, eine objektive Zählung zu ermöglichen, da wir gewisse Schwierigkeiten – sogar bei den Kabinettsmitgliedern – beobachteten, die genaue Anzahl der Teilnehmer an den Protestkundgebungen feststellen zu können.

Wir widersprechen kategorisch der uns suggerierten Meinung, dass die Geologen die einzigen Experten mit fachkundigem Sachverständigenwissen bezüglich der Schäden infolge der Technologieanwendung des Hydrofrackings sind. Ganz im Gegenteil. Das sind die einzigen Fachleute, die wegen der Art ihrer Tätigkeit in den meisten Fällen in Interessenkonflikten stecken, und deswegen sollte ihre Meinung als letzte berücksichtigt werden, und zwar erst nachdem die Hydrologen, die Seismologen, die Toxikologen, die Biologen, die Ökologen, die Ärzte und die Bodenexperten ihren Standpunkt geäußert haben.

Gerade die Geologen und die Lobbyisten der Förderkonzerne sind diejenigen, die das zurzeit wirkende Gesetz über die Bodenschätze ausgefertigt haben, in dem, wie man sieht, keine Regelwerke verankert sind, die eine adäquate Kontrolle der neuen Technologien vorschreiben, was wiederum ganz selbstverständlich deren Unzufriedenheit entfacht, weil sie gezwungen sein werden, sie im Laufe der Arbeit einzuführen. Wenn man sich die Anzahl der empörten und davon tangierten Seiten anschaut, könnte man davon ausgehen, dass fast alle Firmen und Konzerne hinter dem Vorhang der „Forschung“ und des „Geschäftsgeheimnisses“ entweder Technologien zur Anwendung bringen, die den verbotenen gefährlichen Technologie Hydrofracking ähnlich sind, oder wegen der im Gesetz fehlenden Kontrollmechanismen die Anwendung der selben Technologie beabsichtigen, ohne sie terminologisch in ihren Arbeitsbeschreibungen zu benennen. Das gegenwärtige Verbot hindert in keinster Weise die Gasförderung nur mit reinem Wasser nach einer bereits heute angewendeten Technologie, noch die Probebohrungen, die nicht durch Hydrofracking durchgeführt werden.

Wir fordern von Anfang an ein im Gesetz verankertes Verbot der Technologie Hydrofracking, sowie auch eine Änderung aller Gesetze, die eine Förderung betreffen – das Gesetz über die Bodenschätze, über die Umwelt, über die Konzessionen, über Speichern von Kohlendioxid im Erdinneren, sowie das Gesetz über die Gewässer. Bei der Diskussion über die Notwendigkeit der Gesetzesänderung wurde seitens der Parlamentsvorsitzenden, Frau Tsetska Tsacheva, die Zusage erteilt, dass die Bürger am Meinungsaustausch am Runden Tisch teilnehmen. Wir bestehen darauf, dass an der Vorbereitung der Vorschläge über die Gesetzesänderungen auch Experten teilnehmen, die von uns, den Bürgern, eingeladen werden.

Jeder Versuch, die Teilnahme der Bürger davon auszuschließen, wird bedeuten, dass wir alle wieder erneut belogen werden, und der Gesetzestext erneut ausschließlich im Interesse der fördernden Firmen formuliert wird, was unweigerlich dazu führen wird, dass die unmittelbare Gefahr einer ökologischer Katastrophe in Bulgarien herbeigeführt wird und dass die Protestaktionen unsererseits wieder aufgenommen werden müssen.

Im Zusammenhang mit dem Besuch der Staatssekretärin der USA, Frau Hillary Clinton, und eventuellen Gesprächen mit ihren bulgarischen Kollegen über das Verbot der Schiefergasförderung in Bulgarien und der diesbezüglichen Probebohrungen zu Forschungszwecken nach der Fracking-Methode möchten wir daran erinnern, dass in ihrem eigenen Staat New York ein völliges Verbot der Anwendung der Technologie Hydrofracking wegen der Trinkwassergefährdung verhängt worden ist. Wir werden den Versuch einer Politikerin, die nicht mal die eigenen Wähler von der Sicherheit dieser Technologie überzeugen konnte, Lobbyarbeit zu leisten, dass diese Technologie in unser Land eingeführt wird, als böswillige Einmischung in die inneren Angelegenheiten unseres Landes betrachten.

Wir erwarten, dass die Bürgerinitiative einschl. Experten in Kürze zur Teilnahme an den Arbeitsgruppen zur Änderung der entsprechenden Gesetze, wie bereits zugesagt, eingeladen wird.

Bürgerinitiative für Verbot der Förderung von Schiefergas in Bulgarien und der diesbezüglichen Probebohrungen zu Forschungszwecken nach der Fracking-Methode

Sofia, 01.02.2012

Author

Jörn Krüger

Jörn Krüger ist Software Entwickler und engagiert sich in verschiedenen Organisationen, die Internet und bürgerliches Engagement verbinden.

Im Oktober 2010 begann er mit dem Blog unkonventionelle-gasfoerderung.de, auf dem aktuelle und internationale Nachrichten, Meinungen und Berichte zur unkonventionellen Gasförderung veröffentlicht werden. Als informierter Laie schreibt er Gastbeiträge, informiert über Fracking und steht als Gesprächspartner für Parteien und Institutionen zur Verfügung. Zum Thema kam er, als ExxonMobil im September 2010 ankündigte, in seinem Wohnort Nordwalde nach unkonventionellen Gasvorkommen zu bohren. Nach wenigen Stunden Recherche über die weltweiten Folgen von Fracking und dem geringen Informationsstand auf allen Ebenen der Entscheidenden in Politik und Wirtschaft war für ihn klar, dass hier Handlungsbedarf besteht.

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