Völlig falscher Weg – Leserbrief vom 24.02.2016

 Allgemein, IG Fracking-freies Artland e.V., Leserbriefe  Kommentare deaktiviert für Völlig falscher Weg – Leserbrief vom 24.02.2016
Mrz 082016
 

2_Hand_Stop_fracking1-150x1

Leserbrief zu „Branche will Gesetz für Fracking“, NOZ 24. Feb. 2016

„Wer über Fracking diskutiert, der diskutiert über die Zukunft der Erdgasindustrie in Deutschland – so einfach ist das“ wird Gernot Kalkoffen zitiert, der Europa-Chef von Exxon und Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG). Tja. Zur Zeit werden etwa 10 % des deutschen Erdgasbedarfs aus deutschen Lagerstätten gefördert, Tendenz abnehmend. Durch Fracking auch im Schiefergasgürtel könnte dieser Wert noch eine kurze Zeit lang aufrecht erhalten werden. Aber nicht für drei Jahrzehnte, wie bislang angenommen wurde; denn die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat ihre Schätzung aus dem Jahre 2012 hinsichtlich der Erdgasmenge in unkonventionellen Lagerstätten ab 1.000 m Tiefe gerade deutlich (um ca. 50 %) nach unten korrigiert. Dafür müssten dann die tiefen Erdschichten flächendeckend aufgebrochen werden mit Zerstörung der Kulturlandschaften und allen Risiken und Gefahrenpotentialen, die mit der Fracking-Technik verbunden sind, wie zahlreiche seriöse Gutachten belegen. Dort heißt es auch, dass bei einem Restrisiko gefragt werden müsse, ob die Maßnahme volkswirtschaftlich dringend geboten sei. Das Gegenteil ist wohl der Fall. Unternehmen haben zwar seit Jahrzehnten erheblich in Maßnahmen zur Verleugnung des Klimawandels und Verhinderung der Energiewende investiert und versuchen die Welt glauben zu machen, dass auch in Jahrzehnten noch Unmengen an fossilen Energieträgern benötigt würden. Spätestens seit der Klimakonferenz in Paris verfängt das aber nicht mehr. Die Welt weiß, dass sie zur Selbstrettung von fossilen Energieträgern Abschied nehmen muss. Es ist der völlig falsche Weg, mit viel Aufwand und hohem Risiko zusätzliche fossile Lagerstätten zu erschließen. Stattdessen muss in erneuerbare Energien und Speichertechnik investiert werden. Das nutzt auch dem Arbeitsmarkt. Nach Gernot Kalkoffen arbeiten 20.000 Menschen in der Erdöl- und Erdgasgewinnung und der Zulieferindustrie. Zum Vergleich: Im Bereich der erneuerbaren Energien lag die Zahl der Arbeitsplätze in Niedersachen im Jahre 2013 bei 55.200, Tendenz steigend.

Dr. med. Maria Entrup-Henemann
www.fracking-freies-artland.de

 Veröffentlicht von am 8. März 2016

Kommentar zu den Inhalten des Artikels:„Pegida von links“ in ZEIT ONLINE vom 30.11.2015

 Allgemein, Leserbriefe  Kommentare deaktiviert für Kommentar zu den Inhalten des Artikels:„Pegida von links“ in ZEIT ONLINE vom 30.11.2015
Dez 022015
 

Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 30.11.2015
(Dipl.-Ing.)

An Herrn Professor
Andreas Freytag
Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik
an der Universität Jena

Betreff: Kommentar zu den Inhalten Ihres Gastbeitrages in ZEIT ONLINE vom 30.11.2015

Sehr geehrter Herr Professor,

ich hatte noch nicht die Ehre, Sie persönlich kennen lernen zu dürfen, daher beziehe ich mich nur auf Ihre Bemerkungen in dem Beitrag.

„Pegida von links“.

Zu mir: Ich bin einer dieser entschiedenen Gegner sowohl der Zulassung der Fracking-Förderung in Deutschland, als auch der Wirksamwerdung der sogenannten „Freihandelsabkommen“ CETA und TTIP. Seit etwa 4 Jahren arbeite ich intensiv an diesen beiden Themenblöcken.

Die von den etablierten Medien in dieser Zeit zu diesen Themenkomplexen verbreiteten Informationen und Meinungen zeugten allzu häufig davon, dass ihre Verfasser nur geringe Sachkenntnisse hatten, oder „Auftragsarbeiten“ erledigten, die ihnen mediale Regieführer im Hintergrund vorgaben.

Besonders häufig war eine „Nichttrübung“ der persönlichen Weltsicht bei Politikern anzutreffen. Und mit steigender Einflussnahmemöglichkeit, dank ihrer Ämter in den Regierungen in Bund und Ländern, stieg auch der Grad ihrer „generalisierenden“ Argumentationen.

Durch massives Lobbying der jeweiligen interessierten Wirtschaftskreise werden diese Führungsfiguren „vorinformiert“ oder besser „vorgeprägt“.
Und mit dieser Brille betrachtet, ist doch alles problemlos und wunderbar, nicht wahr.

Und dann kommt da die große Gruppe der so gern „benutzen“ Wissenschaft, um die eigene Propaganda für die Politik – und zusammen mit der Politik – für die Bürger als wissenschaftlich belegte Tatsache darzustellen. Das macht „die Wissenschaft“ schon gern mal, denn Drittmittel müssen ja zwingend eingeworben werden, soll der eigene „Laden“ nicht gestutzt werden.

Nach diesen Vorbemerkungen nehme ich nun meine Kommentare zu Ihrem, Gastbeitrag auf, sehr geehrter Herr Professor Freytag.

Zum ersten Block TTIP:
Sie behaupten da, dass Interessengruppen das Internet nutzen, um breite Massen zu mobilisieren und Kampagnen zu fahren. Und diese Gruppen würden nicht sachlich argumentieren, sondern anonym, polemisch und beleidigend.
Dazu führen Sie die Anti-TTIP-Kampagne von CAMPACT an.

Ich erwidere Ihnen: Der Erfolg dieser CAMPACT-Kampagne und der Aktion vieler anderer NGOs, mit 250.000 Teilnehmern am 10.10.2014 in Berlin, von denen keineswegs die meisten „links“ standen, beruht darauf, dass wir, Basis-Widerständler mit Verstand, früh genug die gewaltigen Risiken für uns, die Bürger in Deutschland und für Deutschland als Demokratie erkannten.

Dann haben wir den Dialog gesucht mit den Parteiführungen der etablierten demokratischen Parteien in Deutschland, aber auch mit Führungspersönlichkeiten der EU-Kommission in Brüssel.

Und was war die Reaktion: Man habe gerade jetzt keine Gelegenheit mit Vertretern der NGOs über die Freihandelsabkommen zu diskutieren, oder wir erhielten überhaupt keine Reaktionen. Gleichzeitig wurden verdeckt diese Vertragsentwürfe weiter im Geheimen verhandelt.

Unsere Kontaktaufnahme mit NGOs und Gewerkschaften in Kanada und deren Berichte, welche Erfahrungen Kanada mit dem inzwischen 20 Jahre alten Handelsabkommen NAFTA (Mexiko, USA, Kanada) gemacht hatte, ergab ein zunehmend klareres Bild, wo die besonderen Gefahren liegen, auch hinsichtlich der Arbeitnehmerrechte und gewerkschaftlicher Arbeit.

Erneut versuchten wir, diese Informationen mit politischen Führungspersonen in Deutschland zu diskutieren und ihnen die möglichen Gefahren auf Basis der vorliegenden Erfahrungen zu verdeutlichen. Wieder wurden unsere Sprecher nicht angehört, nicht zum Dialog eingeladen.

Dann war mit einem Mal CETA paraphiert, mit ISDS-Schiedsgerichten für die Anrufung nur durch die Konzerne.
Die geradezu lächerlichen Ausführungen eines Wirtschaftsministers Gabriel, was er und wie er die Inhalte von CETA noch nachträglich zu ändern gedenke, bevor das Abkommen in Kraft gesetzt wird, können einem die Tränen in die Augen treiben.

Wir, die wir in dieser neuen Abkommensform eindeutig die Absicht erkennen, unsere Demokratien und unsere Bürgerrechte auszuhebeln, sahen uns gezwungen, öffentlichkeitswirksam gegen CETA und TTIP auf die Straße zu gehen, damit die Regierenden endlich wahrnehmen, dass es tatsächlich einen großen Widerstand gegen diese Abkommen gibt. Auch die von uns initiierte Europäische Bürgerinitiative fand binnen eines Jahres über 3,2 Mio Unterstützer in 23 EU-Ländern und bekämpft nun in Brüssel die Lobbyistenaktivitäten, die durch List und Falschdarstellungen vermeintliche Vorteile der Abkommen in die Medien bringen, die gar nicht existieren.

Mit den Pro-Argumenten der Befürworter dieser „Freihandelsabkommen“, die schon einen irreführenden Namen tragen und eigentlich zutreffender so heißen müssten: „Abkommen für das freie Handeln der Internationalen Konzerne und Finanzvermögen, ohne Berücksichtigung nationaler Gesetze und Verordnungen“ haben wir uns intensiv auseinander gesetzt.

Stück für Stück haben wir erarbeitet, dass sie nicht zutrafen oder von falschen Annahmen ausgingen, wie zum Beispiel die Prognosen der wirtschaftlichen Belebung nach Abschluss von TTIP in den Folgejahren, die, obwohl falsch, überall in den Medien und der Presse multipliziert wurden. Die veröffentlichten Ergebnisse der Prüfungen der Prognosen und deren Fehler wurden – merkwürdigerweise – dann aber nicht breit in den Medien gebracht, obwohl ihre Bedeutung weit höher ist.

Im Ergebnis müssen wir heute feststellen, dass wirtschaftliche Impulse aus TTIP für Deutschland insgesamt kaum zu erwarten sind, eher in Summe eine Vergrößerung der Armut und die Auflösung unserer heutigen EU-Agrarmarktstrukturen – verbunden mit der Aufgabe Hunderttausender kleiner und mittlerer Agrarbetriebe, die der mechanisierten Großflächen- Produktion US-amerikanischer Prägung nichts entgegen zu setzen haben.

Das alles haben wir den Regierenden mitgeteilt und belegt.
Es hat sie nicht interessiert. „Freihandel ist doch gut!“ Fertig.

Zum zweiten Block:
Hier weiß ich nicht, welche Informationen Ihnen vorliegen.
Auch hier verfolgen und analysieren wir seit Jahren, was in den Fracking-Gebieten der USA und in Kanada passiert und hinterfragen die Behauptungen besonders all jener Ihrer Kollegen, die sich plakativ „pro Fracking“ einsetzen. Wir stellen auch hier fest, dass massiv mit Falschaussagen und irreführenden Zuordnungen gearbeitet wird, die der „normale Abgeordnete“ und schon gar der „normale Bürger“, nicht bewerten kann. Und so stehen dann professorale Unbedenklichkeitsbescheinigungen der Geologen wie vermeintliche Bollwerke da: “ – alles prima – alles im Griff“.

Und wieder stimmt es nachweislich nicht, genau so wenig, wie es damals gestimmt hat, als ein namhafter Geologe bescheinigte – gegen besseres Wissen- dass die Asse als Atomlager geeignet sei. Fachleute, die es anders wussten, wurden mundtot gemacht, damit der damalige Ministerpräsident Albrecht von Niedersachsen angesichts dieser Versicherung die Entscheidung zur Zulassung als atomares Endlager unterschrieb.
Öffentlich wurde natürlich nur von „Versuchseinlagerung“ gesprochen.

Das „schadensfallfreie Fracken in Deutschland seit den 60er Jahren“ hat nichts mit dem zu tun, was man heute plant und weswegen man die Gesetze verabschieden will. Damals wurde nur „stimuliert“ (eine Art Mini-Frac). Obendrein geben die Förderunternehmen an, gar keine Unterlagen mehr zu diesen Bohrungen zu haben. Sie können also gar nicht mehr sagen,
ob es seinerzeit Störungen gab, oder nicht.
Dennoch behauptet zum Beispiel Prof. Kümpel von der BGR, es habe nie Störungen gegeben.

Heute sind die einwirkenden hydraulischen Kräfte zig-fach größer und sollen flächig wirken, durch horizontal abgelenkte, gefächerte Bohrungen, von Clusterbohrplätzen à 20 Bohrungen aus, (ca. 2 x 4 km Fläche). Das bedeutet, dass statt einzelner Bohrungen ganze Landschaften systematisch umgepflügt werden, Feld neben Feld. Die viel zitierten dichten „Deckschichten“ sind eine Fiktion der Förderindustrie im Verein mit den interessierten Instituten und den Landesbergämtern.

In Niedersachsen allein gibt es 32.000 Altbohrungen der Kohlenwasserstoff-Förderung, über deren Zustand das Landesbergamt keine Aussagen machen kann.

Ca. 43.000 neue Bohrungen sollen dazu kommen, mit horizontaler Ablenkung und hydraulischer Aufbrechung im Untergrund.
Die dabei frei werdenden Kräfte, sehr geehrter Herr Professor, können leicht von Ihnen abgeschätzt werden: 200 m Feldbreite (je 100 m beidseits der horizontalen Bohrung) und je ca. 200 m Druckabschnitt im abgelenkten Rohrstrang ergeben ungefähr 40.000 m2 Einwirkfläche mal 1.500 bar Druck. Unter diesen gewaltigen Kräften wird nicht nur das Gestein um die horizontale Bohrung herum aufgelockert, nein, der gesamte Bereich wird oberhalb der Frackebene nach oben gedrückt und vorhandene feinste Risse und Lunker in der „Deckschicht“ werden geöffnet und machen die „Deckschicht“ durchlässiger, einmal abgesehen von menschengemachten Durchbrüchen. „Danach“ ist im Untergrund nichts mehr so, wie es vorher war und die „Deckschicht“ kann danach besser als „Zwischenschicht“ bezeichnet werden. Die Abdeckfunktion, wenn sie diese vorher noch hatte, ist nicht mehr gesichert.

Die hauptsächlichen anvisierten Förderebenen liegen zwischen 800 m Tiefe und 1.300 m Tiefe. Das jetzt in der Diskussion immer wieder zitierte Tight Gas aus 4.000 bis 5.000 m Tiefe spielt in den Zukunftsplanungen kaum noch eine Rolle und ist daran mit weniger als 5% beteiligt.

Die Gefährdung unserer Grundwasservorkommen ist also absolut real gegeben, auch wenn einige Geologen das heute abstreiten. Ihre Beurteilung erfolgt zweckbedingt und nicht der Sache nach. Die gleichen Geologen machen sich ja auch einen „schlanken Fuß“, indem sie das unter Hochdruck in den Untergrund verpresste hoch giftige Abfallwasser aus der Öl- und Gasförderung und Aufbereitung als „sichere Abspeicherung“ bezeichnen. Es liegen genügend Erfahrungen vor, dass diese derart „verpressten“ Abfallflüssigkeiten im Untergrund „wandern“ und nicht etwa statisch an der Einpressstelle verharren.

Deutsche Bergämter machen da ganz eigene Planungen. Rechnerische Abfall-Flüssigkeitszylinder werden um den Bereich der Einpressbohrung herum „gedacht“ und ferner wird „gedacht“, dass diese Flüssigkeiten statisch dort verbleiben. Und schon gibt es keine Probleme. Nachgeprüft wird diese Bergamts-Theorie natürlich nicht. Ja wozu denn auch.

Und die Förderpotentiale in Deutschland an unkonventionellem Erdgas, von der BGR im Jahr 2012 – ohne dem Vorliegen neuer Geodaten – drastisch „nach oben“ geschätzt, machten Deutschland ganz plötzlich zu einem interessanten Fracking-Gasförderland. Tja und die Bundesregierung kam „in Wallung“.

Ja aber:
Im November 2014, während einer Info-Veranstaltung der CDU in Hamburg, ließ dann Prof. Kümpel von der BGR „die Hosen herunter“. Man habe sich da wohl 2012 etwas „verschätzt“ und müsse das Ganze noch einmal sorgfältig überprüfen.
Als danach das Drängen der CDU-ler zu groß wurde, gab er schon mal einen ersten Richtwert an: Das maximal förderbare geschätzte Gasvolumen werde wohl so bei 1 Billion m³ Erdgas liegen. Genaueres werde man erst nach der Verabschiedung der Fracking-Gesetze sagen.
Das, sehr geehrter Herr Professor, bedeutet aber eine Rücknahme von über 50% der „Höherschätzung“ der BGR von 2012.

Bei einem Mammut-Projekt solcher Größenordnungen mit weit über 200 Mrd EUR Investkosten und Infra-Strukturkosten stellt die höchste geologische Behörde Deutschlands fest, dass die vorherigen Annahmen auf weniger als 50% zurückzunehmen sein werden. Und was macht die Bundesregierung?
Sie wartet, bis Prof. Kümpel irgendwann eine Ausarbeitung dazu abliefert, anstatt das Projekt „Fracking-Förderung“ in den Orcus zu feuern, da wo es hingehört.

In Deutschland produziertes Fracking-Gas wird niemals ohne staatliche Subventionen zu verkaufen sein. In den USA wird heute Fracking-Gas für etwa 8 bis 9 USD pro thermal unit produziert und zurzeit im U.S.-Großhandel für 2,46 USD verkauft.
Deutsches Fracking-Gas wird aber deutlich teurer in der Produktion sein, bei wenigstens 10 bis 13 USD pro thermal unit, da bei uns ja auch nicht die massiven staatlichen Stützungen der Produktion erfolgen, wie in den USA.
2013 waren das fast 50 Milliarden USD, die der amerikanische Steuerzahler aufzubringen hatte. Unser Endverbraucher-Gaspreis würde also um wenigstens 0,25 bis 0,35 EUR/m³ steigen müssen, um die Produktion im Lande kostendeckend zu bekommen.
Dann müsste aber auch noch eine „fette“ Gewinnmarge für die Förderer her. Die käme natürlich noch oben drauf.

Und die Gesundheitsgefährdung der Bürger und Anwohner?
Da sagt zum Beispiel ExxonMobil: Die gibt es nicht.
Prompt sind auch in den neuen Gesetzentwürfen zur Erlaubnis der Fracking-Förderung – außer markigen Vortexten – keine Regelungen enthalten, die den Schutz der Anwohner gegenüber der bisherigen unzureichenden Praxis der Kohlenwasserstoff-Förderung in Deutschland verbessern würden.

Dann fragt man sich nur, wieso in den USA in den Fördergebieten so viele Menschen erkranken, dazu noch an seltenen Blutkrebsarten und in Kanada gibt es eine Gegend wo Teersand-Rohöl industriell aufbereitet wird und sehr viele Emissionen austreten. In der Nachbarschaft gibt es auch eine Häufung von seltenen Blutkrebsen.
Und bei uns in Deutschland, im Raum Rotenburg und in der SG Steimbke in NDS gibt es eine Häufung von seltenen Blutkrebsen im Umfeld langjähriger starker Förderung von Erdgas und Erdöl.
Eine Aufklärung der Gründe für diese Krebserkrankungen wird zurzeit versucht, es entsteht aber der Eindruck, dass der nötige Nachdruck fehlt. Eher wird der Ernst dieser festgestellten Krebshäufungen herunter gespielt.
Auf Anfrage sah zum Beispiel die Bundesregierung keinen Grund, die Entwicklung der Fracking-Erlaubnisgesetze auszusetzen, bis die Ursachen dieser Krebshäufungen an den Förderstandorten gefunden sind.

Ja, und dann das Stichwort „Brückenbrennstoff“ für Erdgas:
Auch hier wurde seit Jahren und wird, trotz inzwischen eindeutig ermittelter Sachverhalte, immer noch der Vorteil und die Notwendigkeit von Erdgas mit dem geringeren Anfall an CO2 bei seiner Verbrennung in Kraftwerken gelobt, verglichen mit der Steinkohle. Ja, das ist die eine Seite der Medaille. Aber die andere, mit hohen Methan-Leckagen, unverbrannt in die Atmosphäre, wo sie ein Mehrfaches der CO2-Schädigung der Atmosphäre bewirken, führt im Ende zu einer durch Fracking-Erdgas weltweit beschleunigten Schädigung der Atmosphäre, gegenüber der Fortsetzung der Steinkohleverbrennung.
Der „Brückenbrennstoff“ wird also zum „Selbstmordbrennstoff“ der Menschheit.

Deutschland muss vorne mitmischen, ja wenn nur klar wäre, wo vorne ist. Ist der kurzfristige Profit der Gasförderer in Deutschland „vorne“, wenn er denn überhaupt möglich ist?
Oder ist die Zukunftssicherung unserer Kinder und Kindeskinder „vorne“?
Es ist schon klimamäßig „sehr spät“, das hat Prof. Schellnhuber erst vor ein paar Tagen noch einmal deutlich gemacht.
Unsere Bundesregierung hört ihn zwar an, gibt dann aber Planungen heraus, wo sie mit der CO2-Reduzierung in 30 Jahren landen will. Das ist nach Professor Schellnhuber dann aber schon zu spät, denn selbst verstärkende Wandlungsprozesse verändern unseren Globus zunehmend.

Ja, sehr geehrter Herr Professor, das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Informationen zu Fracking, über die es zu diskutieren lohnen würde. Aber Entscheidungsträger in der Politik wollen uns nicht zuhören. Ein wenig haben wir den Eindruck, die Rolle der „Spielverderber“ zu spielen, mit denen man sich nicht gerne abgibt.
Eine faktenbasierte Diskussion will man offenbar gar nicht.
Dabei haben wir in mühevoller Kleinarbeit inzwischen eine große Menge an Informationen gesammelt und allmählich auch gelernt, diese richtig zu bewerten.

Die Angebote der Förderindustrie in Deutschland und ihres Fachverbandes zu Gesprächen haben den Hintergrund, uns mit ihrer Propaganda zu überschütten, nicht aber in einen Gedankenaustausch über die Gefahren der Fracking-Förderung einzutreten. Dass wir gegen die Erlaubnis der Fracking-Förderung sind, kann nach deren Meinung nur daran liegen, dass wir noch nicht genügend „aufgeklärt“ worden sind.

Ich möchte Sie abschließend freundlich bitten, Ihre in Ihrem Gastbeitrag vorgetragene Polemik zu unseren politischen Einstellungen und zur Qualität unserer Aussagen zu überdenken.
Dass wir uns zu größeren gemeinsamen Aktionen im Widerstand gegen unsinnige oder gar schädliche Projekte und Vorhaben der Regierung und der sie beeinflussenden Wirtschaft zusammenschließen, ist der Weg der uns stark macht, da uns Sponsorengelder der Wirtschaft nicht zur Verfügung stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Volker Fritz
Mitglied im Zusammenschluss
„Gegen Gasbohren“

http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-11/debattenkultur-internetkampagnen-verletzen-regeln-diskussion

Kommentar zu WN-Artikel über Dr. Scholle

 Geologie, Leserbriefe, Risiko: Deckgebirge zertrümmert  Kommentare deaktiviert für Kommentar zu WN-Artikel über Dr. Scholle
Apr 062011
 

Zwei Geologen haben zu den WN-Zeitungsartikeln über Dr. Scholle den nachfolgenden Kommentar verfasst.

Kommentar zu den Artikeln über Dr. Manfred Scholle vom 11. März 2011 in den Westfälischen Nachrichten:

„Exxon zerstört den Boden“ –  „Wo leben wir eigentlich?“ – „Kein Grund zur Hektik“

Da bahnt sich mit der geplanten Gewinnung von unkonventionellem Erdgas durch das „hydraulic fracturing“ oder kurz „Fracking“ genannte Verfahren ein Ereignis an, das sich zu einer ziemlichen Katastrophe für das Münsterland auswachsen könnte, und nur wenige regen sich auf. Hier endlich ein deutliches Signal beziehungsweise ein kritisches Urteil aus berufenem Mund, das die Sache beim richtigen Namen nennt. Anders als die für die Planung zuständigen Technokraten, denen Machbarkeit alles und Umwelt wenig bedeutet, und die in der Verantwortung stehenden Politikerinnen und Politiker des Landes, die zunächst mehr den Profit im Auge hatten und dafür die Umweltbelange hintanstellten, spricht Dr. Manfred Scholle, der Vorstandsvorsitzende der Gelsenwasser AG, die Gefahren dieser „unausgegorenen“ Technik an. Er propagiert den nachhaltigen Umgang mit unseren Naturressourcen, um auch für die Zukunft sauberes Grundwasser und eine lebenswerte Umwelt zu erhalten.

Mittlerweile hat sich auch in der Landesregierung die Ansicht durchgesetzt, dass die Gewinnung von unkonventionellem Erdgas erhebliche Risken für die Umwelt birgt. Deshalb hat der Wirtschaftsminister die Suche nach Erdgas in Nordrhein-Westfalen am 25. März ausgesetzt und ein Gutachten zur Frage der Vereinbarkeit der Fracking-Methode mit dem Wasser- und Umweltrecht in Auftrag gegeben. Dieses Moratorium gilt auch für die geplanten Probebohrungen.

Dr. Manfred Scholle stellt zu Recht die Behauptung von der Dichtigkeit des Untergrundes beziehungsweise des Deckgebirges infrage. Es ist seit langem bekannt, dass Wassereinpressungen in die festen Gesteine des Untergrunds durch Herabsetzung der Reibung an den unter Spannung stehend Schollen erdbebenartige Stöße zumindest bis zur Magnitude 3 auslösen. Sie können über den Frack-Bereich hinaus eine zusätzliche Auflockerung der Gesteinsschichten bewirken und neue Spalten erzeugen und damit dem verpressten Wasser neben den bereits vorhandenen Klüften weitere Wege zur Erdoberfläche öffnen. Auch der Geologische Dienst NRW bestreitet nicht, dass es „Störungen im Emscher-Mergel1 [gibt], die bis in die Oberkarbon-Schichten hereinreichen“.

Angeblich soll die Gewinnung von unkonventionellem Erdgas wesentlich zur Aufbesserung der Energiebilanz beitragen. Wenn man aber die gewaltigen Aufwendungen an Material und Energie2 in Rechnung setzt, die zur Gewinnung von konventionellem Gas erforderlich sind, und die nicht in Geld bewerteten Umweltschädigungen hinzu nimmt, sieht die Bilanz schon anders aus und könnte in Richtung Nullsummen-Spiel gehen. Um eines fraglichen Profits willen (der sich letztlich nur für Exxon ergeben würde), die Kultur- und Erholungslandschaft des Münsterlandes mit ihren noch intakten Ressourcen durch Anlage zahlreicher Erdgasfelder aufs Spiel zu setzen oder zu opfern, zeugt nicht von verantwortungsbewusstem sondern eher von kurzsichtigem Planen und Handeln.

Ein weiteres schwerwiegendes Problem bei der Gewinnung von unkonventionellem Erdgas ist bisher noch nicht richtig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen – nämlich wohin mit dem überschüssigen Frack-Wasser und vor allem mit den riesigen Mengen an (mit Schwermetallen und Kohlenwasserstoffen) belastetem Formationswasser, die bei einer Gasförderung zwangsweise anfallen würden. Herr Stahlhut, der Öffentlichkeitsreferent von Exxon, spricht verharmlosend von „Reinjizieren“, d. h. Wiedereinpressung in den Untergrund. Das kann man allerdings erst dann durchführen, wenn das Gas in der betreffenden Region „ausgebeutet“ ist. Damit müssten diese Wässer aber über Jahre in Speicherbecken „zwischengelagert“ werden. Da die meisten organischen Zusätze und auch die im Formationswasser enthaltenen Kohlenwasserstoffe leichter als Wasser sind, sammeln sich an der Oberfläche der Teiche an und würden im Lauf der Zeit verdunsten und in die Atmosphäre übergehen.

Warum sollten wir also nicht auf die riskante Methode des „hydraulic fracturing“ verzichten, zumal – wie auch Manfred Scholle betont – Erdgas noch für lange Zeit in ausreichender Menge vorhanden ist und möglicherweise in 20 bis 30 Jahren eine umweltfreundliche Fördertechnik für unkonventionelles Erdgas zur Verfügung stehen wird. 

1 Als Emscher-Mergel wird eine etliche 100 m dicke Schichtenfolge aus Tonmergelsteinen im höheren Teil des Deckgebirges bezeichnet.

2 Bau und Ausbau von Verkehrswegen, An- und Abtransport der Geräte und des Materials, Auf- und Abbauen der Bohrplätze, Niederbringen zahlreicher Bohrungen, Förderung und Mischung sowie Transport des Frack-Wassers, Rückgewinnung und Behandlung des überschüssigen Frack-Wassers, Anlage von Speicherteichen, Wiedereinpressen des Lagerstättenwassers, Anlage der Fördersonden und Bau der Gasleitungen, späterer Rückbau der Anlagen usw. 

Für den Druck bzw. Kopie hier nochmal dieser Kommentar als PDF-Datei.

Die Verfasser (Zwei Geologen im Ruhestand) möchten namentlich noch nicht genannt werden. Sie würden als völlig Unbeteiligte an einem riesigen Rad mit drehen. Als Rentner möchten sie aber ihren Ruhestand genießen und sich nicht in der Öffentlichkeit rechtfertigen. Durch ihre Rente sind sie „wirklich unabhängig“ und nicht auf Aufträge aus der Industrie angewiesen.

Jan 242011
 

Am 18.01.2011 ist in der Rotenburger Kreiszeitung folgender Leserbrief veröffentlicht worden. Leider ist der Scan recht undeutlich. Daher hier nur die Abschrift des Originalbriefes:

Leserbrief btr. Exxon/Störfall Söhlingen

Lagerstättenwasser ist kein Badewasser, sondern eine hochbrisante Brühe, die immer zu erheblichen Problemen mit dem Rohrmaterial führt, vor allem bei den ungeheuren Mengen die anfallen. Bei der Gasförderung wird das Quecksilber abgesondert, in der Flüssigkeit sind auch noch weitere Inhaltsstoffe vorhanden, die nichts im Grundwasser zu suchen haben. Wenn der TÜV bereits in den 90 er Jahren Probleme mit dem Rohrmaterial feststellte, ist es völlig unverständlich, warum Exxon danach 15 (!) Jahre brauchten, um das Problem zu untersuchen und weitere drei Jahre, um es zu beheben. Arbeiten die immer in dem Tempo? Kein Landwirt könnte sich das erlauben! Und auch keine Tankstelle. Continue reading »

MV Rheine Leserbriefe

 IG "Schönes Lünne", Leserbriefe, Zeitung: Sonstige  Kommentare deaktiviert für MV Rheine Leserbriefe
Jan 182011
 

Münsterländische Volkszeitung: Mit Foto derBaustelle in Lünne.

Leserbrief von Ulrike Wilken Pott und Dr. med. Ulrich Pott aus Rheine. Vielen Dank für den Aufruf zur elektronischen Unterschriftensammlung. Den komletten Leserbrief finden Sie hier.

Den Leserbrief von Otto Hartmann aus Rheine finden Sie hier.

MV: Die IG Lünne fordert, dass die Niedersächsischen Behörden dem Beispiel von NRW folgen. Hier der Bericht.