Okt 252014
 
Übergabe von 90000 Unterschriften gegen Fracking bei der UMK in Heidelberg

Übergabe von 90000 Unterschriften gegen Fracking bei der UMK in Heidelberg (v.l.n.r.): Jochen Flasbarth (Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt), Franz Untersteller (Umweltminister Baden-Württemberg), Stefan Henrichs (BIgG), Carsten Grawunder (Bürgermeister Drensteinfurt), Raphaela Blümer (BIgG), Johannes Remmel (Umweltminister NRW) und Jürgen Blümer (BIGG)

Bürgermeister und Bürgerinitiative übergaben Unterschriften gegen unkonventionelle Gasförderung auf Umweltministerkonferenz

Minister Remmel sieht Klärungsbedarf bei Bohrung in Ascheberg

Am vergangenen Donnerstag (23.10.2014) übergaben Vertreter der Stadt Drensteinfurt
und der Bürgerinitiative gegen Gasbohren BigG Drensteinfurt In Heidelberg rund 90 Tausend Unterschriften gegen die unkonventionelle Gasförderung an die Umweltministerkonferenz. Die Unterschriften wurden von den Ministern Johannes Remmel, Nordrhein-Westfalen, und Franz Untersteller, Baden-Württemberg, sowie dem Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth entgegengenommen.

Drensteinfurts Bürgermeister Carsten Grawunder, seine Stadträtin Raphaela Blümer, der Vorsitzende der BigG Drensteinfurt Stefan Henrichs und der Mitautor der Korbacher Resolution und Initiator dieser Unterschriftensammlung, Jürgen Blümer vertraten die deutschen und auch internationale Frackinggegner. Stadträtin und Bürgermeister vertraten mit Drensteinfurt eine Stadt, die sich bereits sehr früh gegen Fracking ausgesprochen und die Korbacher Resolution als eine der ersten Kommunen in Deutschland unterzeichnet hat. Inzwischen unterstützen bereits mindestens 35 Kommunen und Landkreise die Korbacher Resolution.

Mit der Übergabe der Unterschriften fordern die Stadt Drensteinfurt und die BigG Drensteinfurt im Namen aller UnterzeichnerInnen von den Umweltministern der Länder, mit dem Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger Ernst zu machen und eine die genannte Brückentechnologie Fracking zu stoppen. Keinesfalls soll der Bundesrat als Vertreter der Länder den Gesetzesplänen der Bundesregierung zustimmen, in denen Fracking unter bestimmten Umständen ermöglicht werden soll.

Der Umweltminister von Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel, wurde insbesondere auf die Situation in Ascheberg angesprochen. Dort im südlichen Münsterland will HammGas 2015 mit Probebohrungen in unkonventionellen Lagerstätten, nämlich Kohleflözen beginnen. Bürgermeister Carsten Grawunder stellte nachdrücklich klar, dass er diese Methode der unkonventionellen Gasförderung ablehnt. Remmel machte deutlich, dass er auch weiter zu dem Moratorium in seinem Bundesland stehe, welches die Aufsuchung und Förderung von unkonventionellem Erdgas untersagt. Der Minister betonte, dass es hier keine Begriffsaufweichung geben dürfe.

Zu der Situation in Ascheberg soll ein weiteres Gespräch mit Bürgerinitiative und Bürgermeister folgen.

Remmel, Untersteller und Flasbarth stimmten darin überein, dass sie sich insbesondere für eine rasche Umsetzung der Energiewende einsetzen werden. Darin sahen die Politiker den sichersten Weg, den Abbau fossiler Energieträger zu unterbinden.

“Die Übergabe der Unterschriften zu diesem Zeitpunkt war genau richtig”, so das Resümee von Jürgen Blümer. “Wir haben damit deutlich gemacht, dass weder die PolitikerInnen vor Ort noch die Menschen im Münsterland bereit sind, der Zerstörung ihrer Heimat tatenlos zuzusehen.” Der Umweltschützer sieht in der Ankündigung von HammGas, in wenigen Monaten mit den Bohrungen anzufangen, einen späten aber lauten Weckruf: “Es ist zwar Fünf vor Zwölf, aber noch können wir den Irrsinn der Gasförderung stoppen!” Blümer fordert noch einmal alle Kommunen des Münsterlandes auf, die Korbacher Resolution zu unterzeichnen, um die gemeinsame Ablehnung deutlich zu machen. “Nur wenn wir jetzt an einem Strang ziehen, werden wir in Berlin und Düsseldorf auch gehört”, so Blümer.

Die 90.000 Unterschriften waren seit Mai 2013 von zahlreichen Bürgerinitiativen in ganz Deutschland zur Unterstützung der Korbacher Resolution gesammelt worden. Zusätzlich war die Aktion auf dem Internet-Portal ‘openPetition’ erreichbar, wo die Unterschriften auch online abgegeben werden konnten. Die Korbacher Resolution wurde im Mai 2013 beschlossen und wird heute von über 260 Vereinen, Initiativen, Gruppen, Unternehmern, Parteien und Kommunen unterstützt. In der Resolution wird u.a. ein vollständiges Fracking-Verbot, eine Novellierung des Bergrechts und eine konsequente Umsetzung der Energiewende gefordert.

Die Beschlüsse gegen Fracking und für die Korbacher Resolution hat der Drensteinfurter Stadtrat stets einstimmig verabschiedet. Die BigG Drensteinfurt ist Erstunterzeichner der Korbacher Resolution und engagiert sich seit über zwei Jahren aktiv auf allen Ebenen gegen Fracking. Zuletzt unterstützte die Bürgerinitiative die Stadt Drensteinfurt bei der Abfassung eines Einspruchs zur Verlängerung der Aufsuchungserlaubnis für unkonventionelles Erdgas im Feld Nordrhein-Westfalen Nord.

Am 4. und 5. Mai 2013 haben sich in Korbach anti-Fracking-Initiativen aus ganz Deutschland zur stärkeren Vernetzung und zum Erfahrungsaustausch getroffen und die Korbacher Resolution beschlossen:

Korbacher Resolution

Folgende Forderungen richten wir an Bund, Länder und die Europäische Union:

  • Ein sofortiges ausnahmsloses Verbot sämtlicher Formen von Fracking bei der Erforschung, Aufsuchung und Gewinnung fossiler Energieträger. Dies ist unabhängig davon, ob die Rissbildung mit oder ohne den Einsatz giftiger Chemikalien, hydraulisch oder andersartig erzeugt wird.
  • Ein generelles Import- und Handelsverbot von „gefrackten“ fossilen Energieträgern.
  • Ein generelles Verbot der Verpressung des Rückflusses oder der untertägigen Ablagerung von Fluiden und Lagerstättenwässer.
  • Eine Novellierung des Bergrechts. Die höchsten Umweltstandards und Beteiligungsrechte der Öffentlichkeit haben im Fokus der Novellierung zu stehen.
  • Ein konsequentes Umsetzen der politisch beschlossenen Energiewende, d.h. Abkehr von fossilen Brennstoffen, Ausbau der erneuerbaren Energien und Steigerung der Energieeffizienz.

Korbach, 5. Mai 2013

 Veröffentlicht von am 25. Oktober 2014
Okt 232014
 

Am Donnerstag, 30. Oktober, 18 Uhr laden Herbert Behrens und Hubertus Zdebel (MdB, DIE LINKE) zum Thema „Fracking stoppen! Wege des Widerstandes“ ins Foyer der Lüneburger Volkshochschule (Haagestraße 4) ein. Referent ist Oliver Kalusch vom Bundesverband der Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).

Behrens und Zdebel waren im Sommer in den Landkreisen Rotenburg und Verden unterwegs, um sich ein Bild von den Aktivitäten der Gasindustrie zu machen. „Bereits ohne den Einsatz von Fracking gibt es zahlreiche Probleme im Bereich der Gasförderung“, sagt Herbert Behrens. „Immer wieder kommt es zu Unfällen, bei denen toxisches Lagerstättenwasser austritt. Auch durch das Abfackeln von Gas und erhöhte seismische Aktivitäten sind die Menschen enormen Belastungen ausgesetzt. Aktuell beschäftigt uns in Rotenburg die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der Gasförderung und der erhöhten Zahl von Leukämiefällen gibt.“

Zdebel warnt vor einer Irreführung der Bevölkerung durch die Bundesregierung: „Umweltministerin Hendricks und Wirtschaftsminister Gabriel behaupten, dass sie in ihrem geplanten Gesetzesentwurf Fracking verbieten. In Wahrheit wollen sie nur die Förderung von Schiefergas vorläufig verbieten, Fracking in Sandsteinformationen soll erlaubt bleiben.“ Das sogenannte Tight-Gas soll entgegen der sprachlichen Regelung in allen bisherigen Gutachten plötzlich in den Bereich der konventionellen Gasförderung fallen und erlaubt bleiben. „Wir lassen uns auf dieses Verwirrspiel nicht ein und fordern ein Frackingverbot in sämtlichen geologischen Formationen. Wir brauchen außerdem schärfere Auflagen für die konventionelle Gasförderung, vor allem bei der Entsorgung des Lagerstättenwassers. Ein entsprechender Antrag von uns kommt noch in diesem Jahr auf den Tisch“, kündigt Zdebel an.

 Veröffentlicht von am 23. Oktober 2014
Okt 232014
 

Oldendorf_LuheAm vergangenen Dienstag hatte das gemeinnützige Netzwerk für Umweltkranke Genuk e.V. die Bürgerinitiative „Kein Fracking in der Heide“ aus dem benachbarten Landkreis Harburg eingeladen, um über das Thema Fracking und die Situation rund um Amelinghausen und die Totenstatt Oldendorf zu informieren. Die Veranstalterin Kathrin Otte und die Referenten waren überwältigt: die Lopautalhalle war mit deutlich über hundert neugierigen und interessierten Zuhörern bestens gefüllt.

Die Samtgemeinde Amelinghausen in Person des Bürgermeisterverteters, Herrn Göbel, wünschte der Versammlung einen guten Verlauf. Der Samtgemeinderat hatte sich schon 2012 gegen Fracking auf dem Gemeindegebiet ausgesprochen. Die Politiker und die Verwaltung sind entschlossen, den weiteren Verlauf aufmerksam zu beobachten.

Im Anschluss führte Rüdiger Schmidt von „Kein Fracking in der Heide“ in die Thematik ein. Entwicklungen in den USA, der Stand in Niedersachsen und im Aufsuchungsfeld Oldendorf wurden skizziert. Renate Maass zeigte dann anhand einiger Querschnitte durch die Bodenformationen rund um Amelinghausen, wie die geologische Situation hier durch Salz-Diapire bis kurz unter der Erdoberfläche gekennzeichnet ist. Salz steigt auf, oft wie ein riesiger Pilz, über tausende von Metern. Diese Salzdome zeichnen sich durch Instabilität aus, die geologische Lage in der Heide ist nicht sehr zuverlässig. Die Altstadt des nahe gelegenen Lüneburg legt beredtes Zeugnis darüber ab.

Die Hinweise auf die öffentlichkeitsscheue und bisher durch Tricksereien unangenehm aufgefallene Unternehmen Kimmeridge waren keinesfalls geeignet, die anwesenden Bürger zu beruhigen. Auch wenn die BIs in den letzten zwei Jahren einige Erfolge errungen haben, bleibt Sorge die vorherrschende Stimmungslage. Denn die Pläne der niedersächsischen Landesregierung, durch bessere Sicherung der Wasserschutzgebiete und verschärfte Umweltverträglichkeitsprüfungen Schäden möglichst zu verhindern, gehen sicher nicht weit genug. Das Problem der Entsorgung giftigen Lagerstättenwassers ist mehr denn je in der Schwebe. Die Umkehr der Beweispflicht bei Bergschäden durch Erdbewegung und –beben (die in verschiedenen Gegenden Niedersachsens bereits wiederholt aufgetreten sind) ist bisher politisch nur in der Planung, aber immerhin hat ein Schlichtungsausschuss mit Vertretern von Behörden, Wirtschaft und Bürgerinitiativen mittlerweile seine Arbeit aufgenommen. Die Risiken der Wasserverschmutzung durch Risse und Wegsamkeiten entlang der Bohrgestänge und in alten, mittlerweile undichten Bohrungen kommen erst langsam in den Blick.

All das geschah bisher in der Hoffnung, Schlimmeres vielleicht doch noch verhüten zu können. In den letzten Monaten hat sich die Lagebeurteilung aber in den Gebieten Niedersachsens, in denen seit Jahrzehnten Öl und Gas gefördert werden, dramatisch verändert. Es wird immer deutlicher: An allen Ecken und Enden tauchen Altlasten auf. Es zeigen sich Schäden an Natur: Naturschützer und BIs wiesen Quecksilber-Kontaminationen um Bohrplätze nach, die die Betreiber und das Landesbergamt immer übersehen hatten. Alte Bohrlöcher sind unzureichend gesichert, und es liegen ölhaltige Schlämme direkt unter der Oberfläche von Äckern und Wäldern. Viel schlimmer noch sind die eingetretenen Schäden an der Gesundheit von Menschen. Im Umfeld von Förder- und Versenkanlagen im Kreis Rotenburg sind Verdoppelungen der Raten bei bestimmten Krebserkrankungen nachgewiesen. Die Zahlen sind statistisch so eindeutig, dass niemand sagt, das könne Zufall sein. Genuk e.V. sowie die BIs vor Ort in Wittorf, Hemslingen/Söhlingen und umzu haben bewiesen: der Schadensfall ist längst eingetreten. Und all das geschah seit Jahrzehnten ohne das noch riskantere Fracking, einfach im Alltag der konventionellen Öl- und Gasförderung. Es muss daher ein Moratorium der Förderung von Gas und Öl erlassen werden, bis die Gesundheitsgefährdung genauer erkundet worden sind und Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen greifen. Das dürfte einige Jahre dauern. Bis dahin gilt: Kein Gasbohren, auch nicht in Amelinghausen und der Heide! Dieser Zielsetzung stimmten die Anwesenden in einer Resolution zu. Eine Gruppe von Bürgern wird sich weiter treffen, um an dem Thema in ihrer Heimatgemeinde weiter zu arbeiten.

Amelinghausen ist ein beliebter Erholungsort mitten in der Lüneburger Heide, die nördlich von Amelinghausen gelegene Oldendorfer Totenstatt ein bedeutendes Kulturdenkmal. Stadt und Statt liegen jedoch auch mitten im Aufsuchungsfeld Oldendorf, wo das amerikanische Unternehmen Kimmeridge mit ihrer deutschen Tochter nach Öl sucht. Und wenige Kilometer weiter hat der Weltmarktführer Exxon schon mit seismischen Untersuchungen begonnen – im heutigen Aufsuchungsfeld von Kimmeridge. Welche Pläne zur Zusammenarbeit mag es da schon geben?

 Veröffentlicht von am 23. Oktober 2014
Okt 212014
 

Do, 28. August 2014, 19:08:04: Brennende Fackel an der Erdgasbohrung Söhlingen Z16

Do, 28. August 2014, 19:08:04 Uhr: Brennende Fackel an der Erdgasbohrung Söhlingen Z16

Quecksilber auf Wiesen und in Gräben, Benzol in Äckern, Krebsverdacht im Gasland – und das Gasfördergeschäft geht weiter wie gehabt. “Exxon Mobil zündet die nächste Fackel an”, titelt die Böhme Zeitung am heutigen Dienstag, dem 21. Oktober 2014, und macht ihren Lesern die gestrige Ankündigung des Unternehmens zu Arbeiten an der Erdgasbohrung Söhlingen Ost Z4 bekannt. Heute gibt es schon wieder eine neuere Ankündigung dieser Art: Arbeiten an der Erdgasbohrung Siedenburg T9.

Hier, wie auch für Söhlingen Ost Z4, lautet der Standardtext:

Während der Arbeiten wird es zeitweise an der Fackel zu einer erhöhten Flammenbildung, bei Dunkelheit mit hellem und weit sichtbarem Feuerschein kommen. In dem näheren Umfeld kann es zu einem erhöhten Geräuschpegel kommen. Je nach Wetterlage ist evtl. auch eine leichte Geruchsbelästigung möglich.

Exakt derselbe Textbaustein gilt und galt für Arbeiten an den Erdgasbohrungen Klosterseelte Z7 (10.10.14), Walsrode Z5a (26.09.14), Walsrode Z4 (19.09.14), Bohrprojekt Goldenstedt Z34 (11.09.14), Wartungsarbeiten an der Erdgasbohrung Bahrenborstel Z1 (03.09.14), Arbeiten an der Erdgasbohrung Deblinghausen Z7 (26.08.14), Arbeiten an der Erdgasbohrung Varnhorn Z3 (11.07.14), Arbeiten an der Erdgasbohrung Dötlingen Ost Z1 (10.07.14), Arbeiten an der Erdgasbohrung Hengstlage T14 (10.07.14), Arbeiten an der Erdgasbohrung Barenburg Z8 (03.07.14), Arbeiten an der Erdgasbohrung Goldenstedt 25 (30.06.14), Arbeiten an der Erdgasbohrung Visbek Z9b (10.06.14), und viele, viele weitere Arbeiten an Erdgasbohrungen der vergangenen Monate und Jahre: Stets wurde und wird das anfallende Gas über eine Fackel verbrannt.

Ob inzwischen ein zunehmender Verdacht besteht, dass die Abgase dieser Fackelei gesundheitsschädlich ist, oder ob in Texas eine Linde rauscht: Das ist Unternehmen wie Bergbehörden offensichtlich egal. Solange kein stringenter Nachweis existiert, dass solche Fackelarbeiten negative Folgen für Umwelt und menschliche Gesundheit haben könnten, wird offenbar weiter gemacht wie bisher.

Eine Konsequenz hat ExxonMobil allerdings doch gezogen: Wenn Bohrungen im stark quecksilberhaltigen Feld Hemslingen/Söhlingen betroffen sind, dann wird die entsprechende Meldung seit Neuestem mit einer solchen Passage ergänzt:

… Quecksilberabscheider (Aktivkohlefilter) [tragen] dafür Sorge, dass die Grenzwerte der TA-Luft (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) für Quecksilberemissionen eingehalten werden. Es findet ein regelmäßiges Monitoring der Aktivkohlefilter statt, bei der die Funktionsfähigkeit überprüft wird. Ausgetauschte Aktivkohle wird den gesetzlichen Vorschriften entsprechend von Fachfirmen entsorgt.

Was diese Aussage bedeuten soll, bleibt allerdings fraglich. Soll mit dem Technik-Sprech suggeriert werden, dass alles sicher und sauber abläuft? Dass also eine Ansammlung von Aktivkohle in einem Bottich, der Fackel irgenwo vorgeschaltet, zuverlässig dafür sorgt, dass der gem. TA Luft[1] zulässige Emissionsgrenzwert im Mittel 0,05 Milligramm pro Normkubikmeter (mg/Nm3) (bei einer Probenahmedauer von mindestens 30 Minuten und höchstens 8 Stunden) nicht überschritten wird? Aktivkohle als Messinstrument für Schadstoffausstöße? ExxonMobil muss sich fragen lassen, wie der tatsächlich Schadstoffausstoß im Abgas gemessen wird und welche Ergebnisse hierzu vorliegen. Gelegentlich monitorierte und eventuell aufgefrischte Aktivkohlemassen sind sicher nicht in der Lage, hierüber Aussagen abzuleiten.

Dietrich Wiedemann, Grünes Ratsmitglied in Soltau, kommentierte entsprechend:

Offensichtlich verzichten Betreiber und Aufsichtsbehörde nach wie vor auf Schadstoffmessungen während des Fackelungsprozesses. Das ist im gesundheitlichen Interesse der Anwohner nicht hinnehmbar. Das LBEG hat anlässlich der Quecksilber-Belastung des Bodens im Umfeld der Bohrlöcher des Söhlinger Gasfeldes (bei uns Lokationen Söhlingen Ost Z 1 und Söhlingen Z 14) eingeräumt, dass Belastungen generell wahrscheinlich durch Lufteintrag zustande gekommen sind. … In ROW hat es einen Kreistagsbeschluss mit der Forderung nach Luftmessungen während jedes Abfackelns von Bohrlöchern gegeben. Ich fordere die Gleichbehandlung der Bevölkerung in ROW und SFA. Die Luftmessungen sind wichtig für die Erforschung der Ursache der festgestellten erhöhten Krebsrate im Umfeld des Söhlinger Gasfeldes, das sich auf Teile der Samtgemeinden Bothel und Neuenkirchen erstreckt. Da die Krebsgefährdung aus bisher unerforschter Ursache anhält und Menschen latent gefährdet sind (NDR 3 berichtet von einem Betroffenen, dessen Blut 2010 untergrenzwertig mit Benzol belastet war und der heute 2014 krebskrank und Dialysepatient ist), muss jeder Fragestellung, die zur Aufhellung der Krankheitsursachen dienen kann, verfolgt werden. Kostenbedenken und Verwaltungsaufwand haben hier angesichts denkmöglicher Gefährdung von menschlichem Leben zurückzustehen.

Vor weniger als zwei Monaten erst hatten sich Anwohner in einem Offenen Brief an den Obersten Bergmann in Niedersachsen, Wirtschaftsminister Olaf Lies, gewandt und einen Stopp der schmutzigen Fackelarbeiten gefordert. Im Mai d. J. hatte der NABU Rotenburg massiv erhöhte Quecksilberwerte im Boden an Erdgassonden gemessen. Diese Funde und vehementes Nachfragen bei den zuständigen Bergbehörden LBEG und Wirtschaftsministerium brachte kurz darauf ans Licht, dass das LBEG seit Jahren Kenntnis von überschrittenen Quecksilberwerten hatte.

Nobody_gets_hurtDoch bis heute hat sich nichts an der Praxis des Abfackelns geändert. Unternehmen und Behörden müssen jetzt beweisen, dass die von ihnen heißgeliebte Erdgasförderung nichts mit den Verschmutzungen und den Krankheitsfällen zu tun hat. Und dass die Visionen von ExxonMobil stimmen: “Niemand wird verletzt.” Und: “Das Morgen schützen. Heute.”

[1] Gem. TA Luft (2002; Internetfassung des BMU, Seite 21) ist die RICHTLINIE 2010/75/EU DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 24. November 2010 über Industrieemissionen (integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung) maßgeblich.

Okt 212014
 

aesk_bellenAm 8. Oktober diskutierten in Berlin rund 50 Experten aus Ärztekammern, Gesundheitsbehörden, wissenschaftlichen Instituten und dem Umweltbundesamt Gesundheitsrisiken und Fragen der Prävention, die sich aus modernen Methoden der Energieerzeugung ergeben können. Im Fokus standen Fracking, Windenergie, Kohlekraftwerke und der Ausbau der Hoch- und Höchstspannungsnetze. Ziel der Veranstaltung war es, eine andauernde Diskussion darüber anzustoßen, ob die neuen technischen Optionen eher geeignet sind, die Prävention von Gesundheitsschäden zu unterstützen oder ob sie zusätzliche Risiken für die Gesundheit bedeuten. Den Experten­workshop hatte die Bundesärztekammer (BÄK) zusammen mit der „Health and Environment Alliance“ (HEAL) und der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventionsmedizin (GHUP) organisiert. Die BÄK ist der größte bundesdeutsche Berufsverband von Ärzten und vertritt über 470000 Mediziner. Ihre Mitglieder stehen immer häufiger vor der Herausforderung, Rat und Empfehlungen zu Energiefragen vor Ort zu geben.

Aus dem Deutschen Ärzteblatt:

Zum Thema Fracking stellte Bernd Kirschbaum vom Umweltbundesamt (UBA) die Ergebnisse zweier aktueller Gutachten vor, die das UBA in Auftrag gegeben hatte. „Das Umweltbundesamt empfiehlt, wegen der bestehenden Wissenslücken derzeit auf eine flächendeckende kommerzielle Gewinnung von Schiefergas durch Fracking in Deutschland zu verzichten“, erklärte Kirschbaum. Zudem solle vor jeder Fracking-Operation eine Risikobewertung vorgenommen werden. Ein generelles Fracking-Verbot sei aber von den Gutachtern nicht empfohlen worden.

„Sehr kritisch betrachten wir den sogenannten Flowback, der auch bei der konven­tionellen Erdgasförderung auftritt“, betonte Kirschbaum. Bei jedem Bohrloch fördere man auch Lagerstättenwasser zutage, das unter anderem Schwermetalle, radioaktive Stoffe oder Benzol enthalten könne. Bei der Behandlung und Entsorgung dieses Lagerstätten­wassers bestehen große Defizite, da derzeit weder national noch auf europäischer Ebene ein „Stand der Technik“ festgeschrieben sei.

Der volkswirtschaftliche Nutzen des Schiefergases spiele überdies im Rahmen der Energiewende keine Rolle, so Kirschbaum. Denn weder würde es kurz- und mittelfristig den Gaspreis verändern noch die Importabhängigkeit Deutschlands, da das Gas nur langsam und schrittweise gefördert werden könne. Zudem sei mit einem Förderbeginn erst in zehn Jahren zu rechnen.

Eine ähnliche Präsentation von Bernd Kirschbaum ist hier:
http://www.bfr.bund.de/cm/343/fracking-chancen-und-risiken.pdf

 Veröffentlicht von am 21. Oktober 2014
Okt 202014
 

Protest-Demo gegen die Ölförderung vor den Kanarischen Inseln und anderswo.

Protest-Demo gegen die Ölförderung vor den Kanarischen Inseln und anderswo. Foto 20minutos.es CC-BY-SA

“Aquí vivimos, aquí decidimos. No a Reppsol” – “Hier leben wir, hier entscheiden wir: Nein zu Reppsol”: Am vergangenen Wochenende gingen auf den Kanarischen Inseln erneut – zum vierten Mal in diesem Jahr – Abertausende auf die Straßen, um gegen die Ölförderung mit und ohne Fracking vor den kanarischen Küsten zu demonstrieren. Der Schutz der Umwelt und der touristisch wertvollen Inselgruppe steht dabei an oberster Stelle. Unterstützt wird der Widerstand von der Regierung der Autonomen Gemeinschaft der Kanarischen Inseln. Deren Präsident, Paulino Rivero, war Teilnehmer einer dieser Demonstrationen. Flankiert wurde der Protest von Demonstrationen in mehreren spanischen Großstädten und in Brüssel. Unterstützung erhält der Widerstand auch von den EU-Abgeordneten der spanischen Izquierda Plural-Fraktion.

2010 hatten die spanischen Behörden den Unternehmen Erkundungslizenzen erteilt. Noch in diesem Jahr 2014, so heißt es, soll die seismische Erkundung beginnen. Neben dem touristischen Wert der Inseln wären davon 82 geschützte Gebiete direkt bedroht, darunter ein Nationalpark, vier Naturparks, fünf Meeresreservate, 30 Vogelschutzgebiete, 42 Natura 2000-Gebiete sowie von der UNESCO zu Welterbestätten oder Biosphärenreservaten erklärte Gebiete.

Am 23. November 2014 wird die kanarische Regierung darüber beraten, das Verfassungsgericht gegen die Ölaufsuchung und -förderung vor ihren Küsten anzurufen.

Petition von SAVECANARIA

an die EU, an Spanien, an Repsol, die RWE Dea und Woodwide

Nein zum Erdöl auf den Kanaren / Rettet die kanarischen Inseln

Herrn Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments
Herrn José Manuel Durao Barroso, Präsident der Europäischen Kommission
Herrn Mariano Rajoy Brey, Präsident der spanischen Regierung
Kopie: Herrn Antonio Brufau, Präsident von REPSOL. Herrn Peter Terium, Generaldirektor der RWE Dea Energie. Herrn Michael Chaney, Präsident von WOODSIDE

Sehr geehrte Herren,

ich habe erfahren, dass die spanische Regierung im März 2012 den Start von Erdölbohrungen im Atlantik in unmittelbarer Nähe der kanarischen Inseln genehmigt hat. Mir ist auch bekannt, dass das Bohrgebiet nur zehn Kilometer von Fuerteventuras bedeutendsten Stränden und 18 Kilometer vor der Küste von Lanzarote liegt – beides Inseln, die von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt wurden.

Die Kanaren sind eines der wichtigsten touristischen Zielgebiete weltweit, jährlich kommen mehr als 12 Millionen Besucher auf die Inseln um die Strände, die Natur, das Klima, sowie die Kultur und Gastfreundlichkeit der Bevölkerung zu geniessen.

Der Meeresboden im betroffenen Gebiet liegt mit bis zu 1.500 Metern extrem tief, und die Bohrungen können auf über 5.000 Meter hinunterreichen. Dazu kommt, dass der Meeresboden hier eine starke seismische Aktivität aufweist, was die Risiken für einige Inseln erhöht, da sie ihre Wasserversorgung zu 100% aus dem Meer beziehen. Eine Ölpest wie diejenige, die sich 2010 im Golf von Mexiko ereignete, wäre eine Katastrophe für Millionen von Menschen und für die Zukunft des Archipels. Keine der acht kanarischen Inseln bliebe im Fall eines grösseren Ölaustritts verschont.

Diese Inselgruppe beherbergt auf einer Fläche von 7.000 Quadratkilometern mehr als 19.000 Tier- und Pflanzenarten, 5.000 davon sind einzigartig auf unserem Planeten, sie leben nur hier. Weiterhin gibt es vier Nationalparks auf den Kanaren, und mehr als 47% des gesamten Territoriums wurde durch Abkommen und Gesetze der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und des spanischen Staates unter Naturschutz gestellt; trotzdem verteidigen die spanischen Behörden und das Konsortium der Ölkonzerne REPSOL, RWE und WOODSIDE weiterhin die Ölbohrungen – ungeachtet dieser Naturschätze und in krasser Opposition sowohl zur Regierung der Kanaren als auch der Inselregierungen von Fuerteventura und Lanzarote, die dieses Projekt ablehnen.

Universitäten aus Europa und den Vereinigten Staaten, wissenschaftliche Komitees aus über 100 Ländern, die Weltnaturschutzunion, Organisationen wie Oceana, Greenpeace, WWF, Friends of Earth, Birdlife,Ben Magec/Ecologistas en Acción, SECAC, kulturelle, künstlerische und soziale Verbände sowie hunderttausende Personen stellen sich gegen dieses Projekt, weil es unvereinbar ist mit der Erhaltung der Natur und mit zukunftsorientierten Energiemodellen. Herausragende europäische Touristikunternehmen schlagen ebenfalls Alarm wegen der Erdölbohrungen aufgrund der Bedrohung, die diese darstellen für den Touristiksektor, Hauptwirtschaftszweig der Kanaren.

Alle Bewohner unseres Planeten tragen die Verantwortung, die schwerwiegenden Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen; deshalb ist es unerlässlich, durch Beispiele und konkretes Handeln den Verbrauch an fossilen Brennstoffen zu reduzieren und sie durch erneuerbare Energien zu ersetzen – und die Kanaren haben die idealen klimatischen Vorraussetzungen, um dieses Ziel zu erreichen.

Folglich bitte ich Sie um Ihr dringend notwendiges Einschreiten, um endgültig diese Umweltbedrohung zu stoppen, und um Energiemodelle zu fördern, die dem Interesse der Allgemeinheit zu Gute kommen. Projekte mit einem hohen Umweltrisiko, die lediglich multinationalen Ölkonzernen nützen, sind fehl am Platz in einer freien, demokratischen und von Vernunft geprägten Gesellschaft. Ihr Vorangehen, als herausragender Vertreter der Bürgerschaft, ist unverzichtbar, um zu zeigen dass unsere politischen Vertreter dafür arbeiten, die Rechte und Interessen der Allgemeinheit gegen den Profit eines privaten Sektors zu verteidigen.

Petition mitzeichnen

Einige Infos auf Deutsch: heute.de

NACHTRAG:
Die spanische Regierung hat jetzt vor dem Verfassungsgericht Klage gegen das kanarische Referendum eingereicht:
SpON. 24.10.2014 – Umstrittene Erdölbohrung: Madrid klagt gegen Referendum auf den Kanaren