Aug 292014
 

Betriebsplatz Reudnitz Z2 am 15. August 2014

Betriebsplatz Reudnitz Z2 am 15. August 2014

Im letzten Monat hat Bayerngas nahe der Stadt Beeskow begonnen, die Aufsuchungsbohrung “Reudnitz Z2″ niederzubringen. Die ersten tausend Meter auf dem Weg nach unten hatten die Bohrköpfe am 15. August zurückgelegt. Ihr Ziel sind “Rotliegendsandsteine” in 2700 Metern Tiefe. Teile der Bevölkerung sind unruhig, da das Unternehmen Fracking hier nicht ausdrücklich ausgeschlossen hat – obwohl die geologischen Parameter der Zielformation “rein konventionellen Bedingungen” entspricht, wie Unternehmenssprecherin Verena Schöttl aus der Konzernzentrale in München bekräftigte. Die örtliche Bürgerinitiative lädt zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung am 4. September ein, während Bayerngas aktuell eine weitere Seismik-Kampagne im Explorationsfeld Reudnitz vorbereitet.

Die Bohrung zwischen den idyllischen Hügeln der Gemarkung Krügersdorf bei Beeskow soll im Oktober 2014 fertiggestellt sein. Sie werde zunächst senkrecht in den Untergrund gebohrt, darüber hinaus habe Bayerngas die Option für eine horizontale Ablenkung zwecks Ermittlung geeigneter Förderraten; die Horizontalstrecke solle maximal 1000 Meter betragen, wie Schöttl weiter informierte. (Das vollständige Original-Interview mit Bayerngas findet man unter “Weiterlesen” am Ende dieses Artikels.)

Primäre Erdgasförderung, ganz konventionell?

Info-Tafel an der Bohrung Reudnitz Z2

Info-Tafel an der Bohrung Reudnitz Z2

Soll bis Oktober 14 mit der Bohrung fertig werden: Drilling Rig E202

Soll bis Oktober 14 mit der Bohrung fertig werden: Drilling Rig E202

Fracking ist offiziell nicht geplant, so war von Bayerngas zu erfahren. “Die mögliche künftige Förderung erfolgt durch Perforation des einzementierten Produktionsrohres unter Nutzung des natürlichen Formationsdruckes”, sagte Schöttl auf die Frage, mit welcher Methode die Bohrung an die Formation angeschlossen werden solle. Somit rechnet das Unternehmen offiziell mit der Möglichkeit einer Primärförderung. Bei dieser werden Öl oder Gas aus einer Lagerstätte rein durch die Nutzung des natürlichen Drucks in der Lagerstätte, der das Öl oder Gas an die Oberfläche presst, gefördert (Quelle dieser Definition: adx-energy.com). Gefragt, welche Porosität und welche Permeabilität Bayerngas in der Zielformation der Bohrung Reudnitz Z2 erwartet, sagte Schöttl, dass die Reservoirparameter in dieser Teufe und Region rein konventionellen Bedingungen entsprächen.

Vom östlichen Sandstein im Rotliegend erwartet das Unternehmen somit fundamental andere geologische Eigenschaften als der weiter im Westen, in Niedersachsen, gelegene sie aufweist. Dort ist dieser Sandstein die klassische Lagerstätte für sog. tight gas, die schon sehr oft gefrackt wurde (und den Bodenschatz dennoch nicht immer freigab). Zum Beispiel im Landkreis Rotenburg/Wümme, wie in Exxons Newsroom nachzulesen ist: “Aus dem Erdgasfeld Bötersen wird seit 1986 Erdgas aus dem sog. Rotliegend Sandstein gefördert.”
Im Erdgasfeld Bötersen wurde offiziell 16 Mal gefrackt.

Fachleute beschreiben Rotliegendsandsteine gemeinhin als “schlecht durchlässig” (z. B. LBEG 2001, S. 4. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe klassifiziert Tight Gas) als nicht-konventionell. Ob die Rotliegendsandsteine im Osten der Republik tatsächlich Öl oder Gas deutlich williger freigeben als ihre Verwandten im Westen oder ob Bayerngas damit auch nur der in Mode gekommenen, politisch motivierten Umdefinition von tight gas-Lagerstätten konventionellen Lagerstätten folgt, bleibt dabei unklar.

Handelsware Öl-/Gaslizenzen

Erteilte Bergbauberechtigungen für die Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen im Land Brandenburg (Quelle: LBGR Cottbus)

Erteilte Bergbauberechtigungen für die Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen im Land Brandenburg (Quelle: LBGR Cottbus)

Im Juli 2012 hatte Bayerngas zunächst drei Viertel der Aufsuchungserlaubnis Reudnitz von der damaligen Inhaberin APC Gas GmbH übernommen, um sich im Januar 2013 auch das restliche Viertel zu holen. Parallel zur Herstellung der Bohrung Reudnitz Z2 (Kosten: ein siebenstelliger Betrag in Euro) hat Bayerngas aktuell einen Kontrakt zur Durchführung von seismischen Untersuchungen im Feld Reudnitz ausgeschrieben.

Mit dem Optimismus, dass mit dem Besitz von Lizenzen zur Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas Gewinn zu machen ist, steht Bayerngas im Südosten Brandenburgs nicht allein. Längst sind die Lausitz und der Spreewald komplett von Erlaubnisfeldern überzogen, Gebiete, die neben der Braunkohle und möglicherweise wirtschaftlich gewinnbaren Kohlenwasserstoffen auch Areale beinhalten, die die Bergbehörden in Cottbus und Clausthal-Zellerfeld als prospektive Einlagerungsstätten für abgeschiedenes und gepresstes Kohlendioxid – CCS – erachten.

Bürgerinitiative „CO2-Endlager stoppen – Umwelt schützen“ e.V. Beeskow informiert

Am 4. September 2014 findet um 19 Uhr in der Stadtbibliothek Beeskow (Mauerstraße 28) eine Info-Veranstaltung unter dem Motto „Erdgas sicher fördern!“ statt. “Bernd Ebeling, Diplomingenieur aus Uelzen (Niedersachsen) wird über langjährige Erfahrungen im Zusammenhang mit der Förderung von Erdgas in verschiedenen Regionen Deutschlands berichten”, erläutert Ute Lein von der Bürgerinitiative und ergänzt: “Um unterschiedliche Sichtweisen auf die Thematik zu ermöglichen, gehen Einladungen u. a. an die Bayerngas GmbH, an kommunale Vertreter, Vertreter der Evangelischen Kirche und ausgewählter Wasserverbände.”

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Aug 292014
 

Do, 28. August 2014, 19:08:04: Brennende Fackel an der Erdgasbohrung Söhlingen Z16

Do, 28. August 2014, 19:08:04 Uhr: Brennende Fackel an der Erdgasbohrung Söhlingen Z16


Erneutes Abfackeln von Rohgas in der Lüneburger Heide

Umweltschützer empört, ziehen Minister, Bergamtschef und ExxonMobil zur Verantwortung

Offener Brief an den
niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies, Umweltminister Stefan Wenzel, den Präsidenten Sikorski des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und den Vorstandvorsitzenden Oliver Kalkofen von Exxon Mobil Deutschland

Söhlingen, 28. August 2014

Bürgerinitiative Hemslingen/Söhlingen fordert den Gas- und Ölförderkonzern ExxonMobil sowie die zuständigen niedersächsischen Minister und die Aufsichtsbehörde auf, die Fackelarbeiten an der Erdgasfördersonde Söhlingen Z16 einzustellen oder sofortige Luftschadstoffmessungen durchzuführen

Aktuell finden an der Erdgasfördersonde Söhlingen Z 16 im Landkreis Rotenburg/Wümme Bohrlochreinigungsarbeiten durch ExxonMobil statt. Seit dem späten Nachmittag ist eine Gasfackel im Einsatz. „Wir nahmen mitten im Dorf in unserem Garten in ca. 300 m Entfernung Rauchgase wahr. Wir wollen, dass diese Umweltbelastung in unserer Heimat endlich gestoppt wird“, erregt sich die Söhlinger Bürgerin Elke Van Mil. Nach den schlechten Erfahrungen beim Abfackeln im Söhlinger Gasfeld Anfang April und Anfang Juni, wobei einige Bürger metallischen Geschmack im Mund wahrnahmen sowie über Kopfschmerzen und Übelkeit berichteten gehen wir davon aus, dass beim Abfackeln mehr Luftschadstoffe freigesetzt werden, als gemäß Bundesimmissionsschutzgesetz zulässig sind.

„Wir fordern, das durch das niedersächsische Landesbergamt, welches für die Aufsicht dieser Arbeiten verantwortlich ist, sofort Luftschadstoffmessungen durchgeführt werden. Dieses wurde auch im Juli durch den Kreistag des Landkreises Rotenburg gefordert. Die Bürgerinitiative für Gesundheit Hemslingen/Söhlingen befürchtet, dass durch das Abfackeln des Rohgases u. a. krebserzeugendes Benzol und Quecksilber freigesetzt werden, was die Bodenuntersuchungen im nahen Umfeld der Erdgasförderanlagen belegen“, fasst Sprecherin Silke Döbel zusammen.

 Veröffentlicht von am 29. August 2014
Aug 272014
 

“Neue Sammlung von wissenschaftlichen, medizinischen und medialen Erkenntnissen, die die Risiken und Leiden durch Fracking aufzeigen”
Autoren: Concerned Health Professionals of NY, 10.07. 2014

Originaltitel: NEW COMPENDIUM OF SCIENTIFIC, MEDICAL AND MEDIA FINDINGS DEMONSTRATING RISKS AND HARMS OF FRACKING (UNCONVENTIONAL GAS AND OIL EXTRACTION)

Übersetzung: (ausschnittweise)

Vorwort:
Es wird zuerst der Inhalt eines kurzen Überblickes zum Umfang der Sammlung , zur Organisation und zum Inhalt übersetzt, den Sandra Steingraber mit ihrer mail vom 12.07.14 im Namen der Concerned Health Professionals begleitend verschickt hat.

Dann wird aus dem Umfang von 70 Seiten der Sammlung die Zusammenfassung von 15 Schwerpunktthemen übersetzt, die sich bei Auswertung der über 300 Quellen ergaben.

Kurzer Überblick zum Umfang der Sammlung , zur Organisation und zum Inhalt:

“Diese Sammlung, mit mehr als 300 Quellenangaben vollständig unterlegt, deckt 15 wichtige Themen ab, die sich auftaten als wir die Unterlagen durcharbeiteten. Sie beginnt mit 2 Abschnitten zu den bedeutendsten Gefahren – Luft- und Wasserverunreinigung und endet mit den Forderungen der Wissenschaftler und der Mediziner nach weiteren Untersuchungen und nach Transparenz. Wir möchten Sie ermutigen, von dieser Sammlung Gebrauch zu machen, die öffentlichen Charakter hat und auf der keine Urheberrechte liegen. Es steht Ihnen frei, nach Belieben unbegrenzt Kopien zu fertigen. Während Themen, die spezifisch für den Staat NewYork sind, mit entsprechenden Hinweisen versehen sind, enthält die Sammlung Informationen quer durch die gesamte USA. Sie benötigen keine Genehmigung für den Nachdruck oder die Übersetzung, aber wir würden gern wissen, wie die Sammlung von Ihnen benutzt wird!

Drei bemerkenswerte Merkmale der Sammlung:

1.) die Sammlung ist spitzenwertig mit Material von kürzlichen Quellen. Das kommt daher, wie wir bei unseren Untersuchungen herausfanden, dass die Wissenschaft nun beginnt, sich mit der Zunahme der unkonventionellen Öl- und Gasförderung der letzten 10 Jahre zu befassen. In der Einführung heisst es dazu:“Eine zunehmde Zahl wissenschaftlich überprüfter Studien, Unfallberichte, und investigativer Presseberichte bestätigt jetzt ein spezifisches, quantifizierbares Auftreten von Schädigungen und hat grundsätzliche Probleme mit dem Bohren und Fracken aufgedeckt. Sowohl Studien der Industrie selbst, als auch unabhängige Analysen zeigen die innewohnenden Ingenieurprobleme auf, einschließlich der Schwächungen der Bohrungsauskleidungen und Zementierungen, die nicht vermieden werden können.

In der Tat, mehr als die Hälfte aller wissenschaftliche geprüften Papiere in der medizinischen und wissenschaftlichen Literatur zu den Gesundheitsauswirkungen von Fracking wurde innerhalb der letzten 18 Monate veröffentlicht.

2.) die Sammlung fasst nicht nur wissenschaftliche und medizinische Literatur, sondern enthält auch Informationen von anderen verlässlichen Quellen, einschließlich Regierungsberichten, investigative Berichte von Nachrichtenorganisationen und Berichten auf dem Formular 10-K welche die Öl- und Gasindustrie erstellen um die Risiken ihrer Aktivitäten gegenüber ihren Investoren darzustellen. Wir wählten diesen Weg, weil Amtliche Verschwiegenheit, staatliche Befreiungen von Schlüsselbestimmungen der Umweltgesetze, Redeverbote und Verschwiegenheitsvereinbarungen zwischen der Industrie und den Grundeigentümern machen eine wissenschaftliche Umwelt- und Gesundheitsforschung auf Basis der Erhebung von Daten der Bevölkerung, wie sie traditionell erhoben würde, zu einer extremen Herausforderung.

3.) die Sammlung ist interdisziplinär. In Berücksichtigung der vielen sozialen Einflussgrößen bei der Gesundheit haben wir uns auch Kriminalstatistiken, Verkehrsunfallzahlen, Stress, Lärm- und Lichtbelastungen und die Veränderung ökonomischer Indikatoren angesehen, wie auch eher konventionelle Umwelt-Gesundheitsaspekte wie Luft- und Trinkwasserverunreinigung. Die Sammlung fasst zusammen:“Frühere wissenschaftliche Vorhersagen und Anhaltspunkte sind jetzt durch empirische Daten untermauert. Es wird bestätigt, dass die Risiken für die Öffentliche Gesundheit aus der Förderung von unkonventionellem Öl und Gas wirklich bestehen, dass der Umfang der nachteiligen Auswirkungen bedeutend ist und dass die negativen ökonomischen Folgen beträchtlich sind. Unsere Prüfung der wissenschaftlich überprüften medizinischen Literatur, und der zur Öffentlichen Gesundheit, ergab, dass es nicht möglich ist, Fracking ohne Bedrohung der menschlichen Gesundheit zu praktizieren“.

Vor dem Hintergrund des schnell zunehmenden Umfangs an Wissen wurde diese Sammlung als „lebendes Dokument“ konzipiert, das auf der website der Concerned Health Professionals von New York gepflegt werden wird und etwa alle 6 Monate aktualisiert werden wird. Die in dieser ersten Ausgabe berücksichtigten Studien sind bis zum 30.06.14 enthalten.

In der Zusammenfassenden Bewertung der Sammlung wird zu den 15 Teilthemen Stellung genommen, die besonderes Interesse gefunden haben. Ihre Kommentare, Bemerkungen und Empfehlungen nehmen wir gern entgegen.
Mit freundlichen Grüßen
Sandra Steingraber, CHP.

Zusammenfassung des Inhaltes der Sammlung mit 15 Schwerpunktthemen:

Luftverunreinigung:
Studien zeigen zunehmend, dass Luftverunreinigung in Zusammenhang mit Bohr- und Fracking-Aktivitäten eine schwere Bedenklichkeit ist, mit einer Fülle von Auswirkungen. Untersucher haben haben Dutzende von Luft verunreinigenden Substanzen dokumentiert, die von Bohr- und Fracking Aktivitäten stammen und ernsthafte Gesundheitsgefahren darstellen. Gegenden mit umfangreichem Ausbau von Bohr- und Frackingaktivitäten weisen hohe Ozonwerte, auffällige Verschlechterungen der Luftqualität und in mehreren Fällen zunehmende Zahlen von Gesundheitsproblemen mit bekannten Verbindungen zur Luftverschmutzung auf.

Wasserverunreinigung:
Die sich entwickelnde Wissenschaft hat den Ansatz bemerkenswert gestärkt, dass Bohren und Fracken grundsätzlich das Grundwasser bedroht. Eine Menge von Studien quer durch die USA zeigen den starken Zusammenhang, dass Grundwasserverunreinigung an Bohrplätzen erfolgt und dass sie stärker ist, je näher man dem Bohrplatz ist. Entsprechend hat die Zahl der Blow-Outs von Bohrungen, der Austritte und Fälle von Oberflächenwasserverunreinigungen ständig zugenommen. Inzwischen wird, durch den Einsatz von Redeverboten und Geheimhaltungsabkommen der Industrie und außergerichtlichen Vergleichen, die wissenschaftliche Untersuchung behindert und die öffentliche Wahrnehmung über das Ausmaß dieser Probleme unterdrückt.

Systembedingte Ausführungsprobleme, die mit der Zeit zunehmen:
Studien und sich entwickelnde Informationen zeigen beständig, dass Öl- und Gasbohrungen routinemäßig leck sind. So wird die Migration von Gas und möglicherweise auch anderen Substanzen ins Grundwasser und in die Atmosphäre möglich. Leckagen von fehlerhaften Bohrungen ist ein Punkt, den die Industrie identifiziert hat, für den sie aber keine Lösung hat.
Zum Beispiel veröffentlichte Schlumberger, eine der weltweit größten Firmen, die sich auf Fracking spezialisiert haben, in ihrem Magazin in 2003 dass ungefähr 5% aller Bohrungen sofort nach der Fertigstellung leck sind, nach 15 Jahren 50% aller Bohrungen und nach 30 Jahren 60% aller Bohrungen. Auch Daten der Umweltschutzbehörde von Pennsylvania bestätigen die Leckageraten neuer Bohrungen von Anfang an. in 2010 stellten sie 6% strukturelle Integritätsfehler an Shale Gas Bohrungen fest, 7,1% in 2011, 8,9% in 2012.
Leckagen stellen ernste Risiken dar, einschließlich des möglichen Verlustes des Lebens oder des Verlustes von Eigentum durch Explosionen und die Migration von Gas oder anderen Chemikalien in die Trinkwasserversorgungen. Leckstellen ermöglichen auch das Entweichen von Methan in die Atmosphäre, wo es als wirkungsvolles Schadgas auf die Atmosphäre wirkt. Es gibt keine Hinweise, dass behauptet werden könnte, dass dieses Problem der Schwächung von Bohrungsauskleidung und Zementation weniger wird.
In der Tat, eine Analyse aus 2014 von mehr als 75.000 Prüfberichten von über 41.000 Bohrungen in Pennsylvania ergab, dass neuere Bohrungen höhere Leckraten haben und dass unkonventionelle Shale Gas Bohrungen höhere Leckagen aufweisen, als konventionelle Bohrungen, die im gleichen Zeitraum niedergebracht wurden. Die Industrie hat keine Lösung zur Beseitigung des chronischen Leckageproblems der Bohrungen.

Radioaktive Rückstände:
Hohe Strahlungswerte, in Fracking-Abfallwasser festgestellt, verursachen spezielle Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf Grundwasser und Oberflächenwasser. Studien haben Hinweise ergeben, dass das Marcellus Shale höhere Radioaktivität enthält als andere. Messungen von Radium im Fracking Abfallwasser in New York und Pennsylvania haben Werte von bis zu 3.600 mal höher ergeben, als die für Trinkwasser zulässigen Werte der US-Behörde EPA. Eine neue Studie fand toxische radioaktive Strahlungswerte in deinem Gewässer in Pennsylvania, obwohl das Fracking-Abfallwasser an eine Aufbereitungsanlage für Industrieabwässer geliefert und geklärt worden war.
Zusätzlich ist auch die Entsorgung radioaktiver Bohrrückstände ein Problem. Ungesicherte Mengen von Radon und seinen Zerfallsprodukten im Erdgas aus dem Marcellus Shale, das für seien besonders hohen Gehalt an Radon bekannt ist, können auch Rohrleitungen und Kompressorstationen verunreinigen wie auch ein Risiko für die Endabnehmer darstellen, wenn es bis in die Wohnhäuser wandern kann.

Gesundheit am Arbeitsplatz und Sicherheitsrisiken:
Fracking Arbeiten sind gefährlich. Die Gesundheitsrisiken umfassen Kopfverletzungen, Verkehrsunfälle, Aufprallverletzungen, Verbrennungen, toxische chemische Einwirkungen, Überhitzung, Flüssigkeitsmangel und Schlafmangel. Als Berufsgruppe haben die Öl- und Gas Industriearbeiter eine Todesrate am Arbeitsplatz, die 7 mal größer ist als in anderen Industrien.
Die Aufnahme von Quarzstaub, der definitiv mit Silikose und Lungenkrebs in Verbindung steht, wurde vom US-Institut für Arbeitssicherheit als besondere Einzelgefahr für Arbeiter auf Frackingplätzen herausgestellt, wenn dort Quarzsand zur Anwendung kommt. Zur gleichen Zeit zeigen Untersuchungen, dass viele Gasfeldarbeiter, trotz dieser ernsten Arbeitsplatzrisiken nicht versichert sind oder dass sie unterversichert sind und dass ihnen der Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung fehlt.

Lärmbelastung, Lichtbelastung und Stress:
Bohr- und Fracking-Operationen und die Einrichtungen zur Infrastruktrur bewirken eine ständige Lärm- und Lichtbelastung für die Arbeiter und die nahegelegenen Bewohner, während eines Zeitraumes von vielen Monaten. Die ständige Lichtbelastung aus der Beleuchtung während der Nacht ist mit nachteiliogen Gesundheitseffekten verbunden, einschließlich Brustkrebs. Quellen für Fracking-bezogene Lärmbelastung sind das Bohren, das Sprengen, das Abfackeln, die Generatoren, die Kompressorstationen und der LkW-Verkehr. Belastungen durch den Umgebungslärm führen zu Herzkreislauf-Erkrankungen, kognitiver Beeinträchtigung und Schlafstörungen. Arbeiter und Anwohner, deren Häuser, Schulen und Arbeitsplätze in geringer Entfernung zu den Bohrungsplätzen liegen, sind dem Risiko aus diesen Belastungen auch ausgesetzt ebenso den zugehörigen Stressfaktoren.

Erdbeben und seismische Aktivitäten:
Ein wachsender Umfang an Hinweisen bringt das Verpressen von Fracking Abfallflüssigkeiten in Verpressbohrungen mit Erdbeben bis zu einer Magnitude von 5,7 in Verbindung, zusätzlich zu „Schwärmen“ kleinerer Beben und Setzbeben an Fehlstellen.
In einigen Fällen wurde der Fracking-Prozess selbst mit dem Auftreten von Erdbeben und seismischen Aktivitäten in Verbindung gebracht, einschließlich solcher Fälle bei denen die Gasgesellschaften die Verbindung bestätigt haben. In New York ist dieses Thema von besonderer Bedeutung, da die Bevölkerung von New York City ihr Trinkwasser über ein Aquäduktsystem aus dem Wassereinzugsgebiet bezieht.. Die Umweltbehörde der Stadt New York hat wiederholt vor möglichen Beeinträchtigungen der Wasserversorgung gewarnt. Aber ähnliche Bedenken gelten für alle Trinkwasserversorgungssysteme.
Die Frage, wohin man mit dem Fracking-Abfallwaser bleibt ein ungelöstes Problem, ohne verlässliche sichere Lösung.

Aufgegebene und aktive Bohrungen für Öl- und Gasförderung
(als Wanderwege für die Gas- und Flüssigkeitsausbreitung):
Millionen aufgegebener und nicht dokumentierter Öl- und Gasbohrungen gibt es quer durch die USA, gemäß den Angaben der U.S. Energiebehörde. Sie alle dienen als potentielle Passagen zur Verunreinigung, und erhöhen die Risiken der Grundwasserkontamination und Anderer Probleme, wenn horizontale Bohr- und Fracking-Aktivitäten auf vorhandene vertikale Kanäle stoßen, die durch die Trinkwasser führenden Schichten und in die Atmosphäre führen. Fachleute der Industrie, Berater und Regierungsbehörden, einschließlich der EPA, der U.S: Finanzbehörde, der texanischen Agrarbehörde, der Umweltbehörden der Staaten NY,Pa undIllinois, der British Columbia Oil & Gas Commission, haben alle vor den Problemen mit aufgegebenen Förderbohrungen gewarnt, wegen des Potentiales der unter Hochdruck stehenden Flüssigkeiten und Gase, durch solche Bohrungen,und in manchen Fällen auch durch noch aktive Bohrungen, aufzusteigen.

Risiken von Überschwemmungen:
Umfangreiche Rodungen und Zerstückelungen von Waldgebieten, die notwendigerweise die Herrichtung des Bohrplatzes begleiten,vergrößern die Erosion und die Risiken für katastrophale Überschwemmungen, ebenso tun dies Zufahrtstraßen, Rohrleitungsverlegungen und andere zugehörige Infrastrukturmaßnahmen. Zusätzlich nutzen in einigen Fällen die Platzbetreiber solche Plätze, die in der Nähe von Wasserläufen liegen, auch in überflutungsgefährdeten Gebieten, um leichten Zugang zu Wasser zu haben, das sie zum Fracken benötigen, aber auch um Mindestabstände zu bewohnten Gebäuden
vermeiden zu können, da in Überflutungsgefährdeten Gebieten nicht gebaut werden darf, oder auch um ertragreiche Landwirtschaftsflächen zu vermeiden.
Im Gegenzug erhöht Überflutung die Gefahren der unkonventionellen Gasförderung, da Böden und Wasserversorgungen verunreinigt werden. Das Überlaufen oder Brechen von offenen Flüssigkeitsablagerbecken und das Entweichen von Chemikalien und gefährlichen Materialien droht. In den letzten 6 der vergangenen 10 Jahre hat der Staat New York schwere Überflutungen in Teilen gehabt, die für das Bohren und Fracken vorgesehen sind. Einige dieser Gebiete wurden von „100-Jahres-Fluten“ heimgesucht. In 5 oder mehr der letzten 10 Jahre.
Die Gasfirmen bestätigen Gefahren die durch Überflutungen gegeben sind. Und die Umweltbehörde des Staates New York hat empfohlen, dass Bohren in den Gebieten der „100-Jahr-Überschwemmungen verboten werden sollte. Jedoch haben die beschleunigenden Fälle von extremen Wetter-Ereignissen die bestehenden Überflutungskarten unbrauchbar gemacht. Dadurch ist die Herangehensweise über diese Überflutungskarten nur ein ungenügender Weg des Schutzes.

Bedrohungen der Agrar- und Bodenqualität:
Bohren und Fracken bedeutet Risiken für die Landwirtschaft. Studien und Fallberichte von überall her aus dem Land haben bei Tieren Todesfälle, neurologische Beeinträchtigungen, Schwangerschaftsabbrüche u. Totgeburten bei Rindern und Ziegen berichtet, wenn die Tiere in Kontakt mit dem Abfallwasser kamen. Die mögliche Verunreinigung des Wassers und der Luft beeinträchtigt die Bodenqualität ebenfalls und auch die Gesundheit der gehaltenen Tiere. Zusätzlich haben Bauern Bedenken geäußert, dass nahegelegene Frackingoperationen die Wahrnehmung der landwirtschaftlichen Qualität beeinträchtigen können und zertifizierte Betriebe um den Mehrwert ihrer Zertifizierung bringen können.

Bedrohung des Klimasystemes:
Eine Reihe von Studien haben hohe Methan-Leckagewerte von Gasbohr- und Fracking-Aktivitäten ergeben, wodurch die Behauptung untergraben wird, dass Erdgas eine Klimalösung oder ein Übergangs-Brennstoff ist. Bedeutende Studien sind zu dem Schluss gekommen, dass die frühen Arbeiten der EPA in großem Umfang die Auswirkungen des Methans und des Bohrens nach Erdgas auf die Atmosphäre unterbewertet haben.
Bohren und Fracking und die ausgedehnte Verwendung von Erdgas drohen nicht nur, den Klimawandel zu verschärfen sondern auch Investitionen in und Erweiterung der Erneuerbaren Energien zu unterdrücken.

Falsche Beschäftigungsbehauptungen, erhöhte Kriminalitätsraten und Bedrohungen
der Immobilienwerte und Hypothekendarlehen:

Erfahrungen in verschiedenen Staaten und begleitende Studien haben gezeigt dass die Versprechungen der Öl- und Gasindustrie zur Schaffung von Arbeitsplätzen durch das Bohren nach Erdgas zu großen Teilen übertrieben waren und dass viele der Arbeitsplätze kurzlebig sind und/oder an auswärtige Arbeitskräfte gegangen sind.
Mit der Ankunft der Bohr- und Fracking-Aktivitäten haben die Gemeinden einen steilen Anstieg der Kriminalitätsrate erlebt – einschließlich sexueller Gewalt, betrunkenes Autofahren, Drogenmissbrauch, körperliche Gewaltanwendung, die allesamt Folgen für Die öffentliche Gesundheit nach sich zogen. Die sozialen Kosten beinhalten die Belastung der Dienste der Gemeinde und die Beschädigung der Straßen. Ökonomische Analysen haben ergeben, dass Bohr- und Fracking-Aktivitäten die Werte der Grundstücke bedrohen.
Zusätzlich verursachen Gas bohren und Fracking einen innewohnenden Konflikt mit den Hypothekengebern und den Grundstücksversicherern wegen der gefährlichen Materialien, die verwendet werden und der damit verbundenen Risiken.

Überzogene Abschätzungen zu den Öl- und Gasvorkommen und der Profitabilität:
Die Abschätzungen der Industrie bezüglich der Größe der Öl- und Gasvorkommen und bezüglich der zu erwartenden Profitabilität haben sich als unzuverlässig herausgestellt, wodurch schwere Zweifel bezüglich der strahlenden ökonomischen Zukunft aufkamen, die der Öffentlichkeit, den Medien und den Investoren von der Industrie ausgemalt worden war. Zunehmend erwies sich die Bohrungsförderung als kurzlebig, was dazu führte, dass die Förderfirmen die Höhe ihrer Sachanlagen um Milliarden von USD abwerten mussten.

Offenlegung ernsthafter Risiken gegenüber den Investoren:
Öl- und Gasfirmen sind gehalten, Risiken gegenüber ihren Investoren offen zu legen in einer jährlichen Meldung auf dem Formblatt 10-K. Diese Offenlegungen bestätigen die den beim Gas Bohren und Fracken innewohnenden Gefahren, einschließlich der Leckagen, Flüssigkeitsaustritte, Explosionen, Blow-Outs, Umweltschäden, Sachschäden an privatem Eigentum, Verletzungen und Todesfälle. Mit diesen dokumentierten Gefahren und innewohnenden Risiken hat die Entwicklung adäquater Schutzeinrichtungen nicht Schritt gehalten.

Ruf der Wissenschaft und der Medizin nach weiteren Studien und nach mehr Transparenz:
Mit zunehmender Dringlichkeit fordern Gruppen medizinischer Fachleute und Wissenschaftler, dass das ganze Spektrum der möglichen gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen von Bohren und Fracken in umfassenden Langzeitstudien untersucht wird.

Diese Aufrufe unterstreichen die zunehmenden Meldungen von Leid, weisen auf die großen verbleibenden Wissenslücken hin und prangern die Atmosphäre der Verschwiegenheit und der Einschüchterung an, die weiterhin die Entwicklung der wissenschaftlichen Nachprüfung behindert.

Medizinische Fachleute und Wissenschaftler in den USA und rund um die Welt haben auf eine strengere Regulierung und in einigen Fällen die Aussetzung der unkonventionellen Förderung von Öl und Erdgas gedrängt, um deren schwere und für die öffentliche Gesundheit nachteilige Gefahren zu begrenzen, zu lindern oder zu eliminieren.

übersetzt Volker Fritz, AK Fracking Braunschweiger Land, Mitglied im Zusammenschluss “Gegen Gasbohren”

Aug 272014
 

Wir_sind_kein_AbraumVom 16. bis 24. August fand in Kerkwitz in der Lausitz das Klimacamp statt. Im Zentrum stand die Braunkohle und der Ort war nicht zufällig gewählt: Hier wurden unlängst neue Braunkohletagebaue genehmigt, denen mehrere Dörfer zum Opfer fallen sollen.

Nicht nur dagegen, sondern auch gegen den Stumpfsinn und den Irrsinn, mit dem Braunkohle im 3. Jahrtausend abgebaut und zur Verstromung eingesetzt wird und weiterhin werden soll, richtet sich der Widerstand. Braunkohle hat sowohl bei ihrer Gewinnung als auch bei ihrer Verbrennung verheerende Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima. Mehrere Tonnen Quecksilber und unglaubliche Mengen an CO2 stoßen die allein die deutschen Braunkohlekraftwerke jährlich aus. Der Wirkungsgrad von Braunkohle beträgt kaum mehr als 30 Prozent. Gleichzeitig verkauft Deutschland ungemein viel Strom ins Ausland.

Wie schon im Juli im Klimacamp in Borschemich im Rheinland trafen sich Tausende in Kerkwitz, um auf den Wahnsinn aufmerksam zu machen und Lösungen zu erarbeiten.

Peter Müller-Maas aus Beeskow berichtet hier in einem Gastbeitrag:

Kirche in Kerkwitz

Kirche in Kerkwitz


Kerkwitz, Gabrice, Menschenkette, Matthias Platzeck, Frank Steffen, Simone Peter, Anton Hofreiter und die unaufhörlich sinnvertauschten Begriffe von Eigenwohl und Gemeinwohl

Ein Bild setzt Zeichen, denen schwer zu widersprechen ist. Die Kirche von Kerkwitz war am 23.08.2014 einer der Ausgangspunkte einer Menschenkette von ca. 7500 Teilnehmern, die über die Grenze nach Polen und dort zum Dorf Grabice, der andere Ausgangspunkt, führte.

Menschenkette bei Kerkwitz, 2014

Menschenkette bei Kerkwitz, 2014

Menschen nahmen sich an die Hand, die sich zuvor noch nie begegneten. Eine unausgesprochene Verbundenheit verbreiterte sich von Kerkwitz nach Grabice und von dort zurück zur Verhinderung der Erschließung und Ausdehnung neuer Braunkohletagebaue, denen diese Dörfer u.a. weichen sollen.

Während im Land an der Ostgrenze zu Polen ein erbitterter Krieg tobt, ließ diese Menschenkette auch den friedensstiftenden Umgang zwischen Polen und Deutschen deutlich werden. Der Aufruf von Tobias Münchmeyer, Greenpeace, ist in diesem Zusammenhang sehr aktuell.

Menschenkette in Kerkwitz

Menschenkette in Kerkwitz

Die Bundeskanzlerin, so erfuhren wir heute in den Nachrichten, besuchte zeitgleich zu unserer Veranstaltung die Ukraine, um Wiederaufbaugelder dort unter Bedingungen und Regelungen zu verteilen. Friedensstiftende Zeichen hätte Angela Merkel stattdessen auch als Glied unserer Menschenkette setzen können, höchstwahrscheinlich noch viel nutzbringender und bescheidener, als in der Ukraine, weil hier in der Lausitz und in Westpolen das Vorhandene noch unzerstört blieb und Vattenfall die Bagger noch nicht losgelassen hat.

Ich bin weit davon entfernt, richtige Kriege mit der geplanten restlosen Zerstörung ganzer Landschaften zu Gunsten der Braunkohleverstromung zu vergleichen, doch vermeidenswürdig sind sie beide allemal. Wenn wir unsere Nato-Kampflieger nicht mehr landen lassen, weil sonst die Drohgebärde gegenüber Russland unwirksam wäre, können wir die Energiewende sowieso an den Nagel
hängen, bei den hohen Spritpreisen.

Aus alledem dürfte erkennbar sein, dass ein umweltfreundlicher Umgang mit der Natur, im Grunde genommen der wesentliche Baustein der Energiewende darstellt, mithin auch noch ein Friedensstiftender, wie sich zeigte.

Frank Steffen, BM Beeskow (li.) und Matthias Platzeck, langjähriger MP von Brandenburg

Frank Steffen, BM Beeskow (li.) und Matthias Platzeck, langjähriger MP von Brandenburg

7500 Menschen tauchten plötzlich im Grenzgebiet zwischen Polen und Deutschland auf, reichen sich die Hände und hatten klare Vorstellungen von gebotenen Überlebensstrategien der Menschheit, der Energieversorgung, der Energie- und Verhaltenswende, machten sich zudem auch noch Gedanken darüber, ob ein gesellschaftlicher Umbau eigentlich nicht noch dazugehört.

Warum kriegen das die meisten unsere Politiker nicht hin, warum können sie nicht so sein wie wir?

Eine seltene Gelegenheit, diesem Problem näher zu kommen, bot sich mir durch eine Veranstaltung des Beeskower Burgfördervereins, der Matthias Platzeck zu einem Gespräch mit dem Beeskower Bürgermeister, Frank Steffen, einlud. Frank Steffen sprach das Thema CCS, also die unterirdische Speicherung von CO2 an und Matthias Platzeck antwortete, dass er sich in diesem Zusammenhang die Akzeptanz der Bevölkerung als höchste Priorität vorgab, diese aber leider nicht erreichen konnte und nun verloren habe. Erklärend fügte er noch an, dass man so oder so schließlich auch beim Fußball verlieren könne.

Möchte nicht abgebaggert werden: Einwohnerin von Kerkwitz

Möchte nicht abgebaggert werden: Einwohnerin von Kerkwitz

Dazu bemerkte ich in der Veranstaltung, dass unter seiner Federführung der CCS-Wahnsinn in der Rot-Roten Landesregierung im Strategiepapier 2030 noch verankert wurde und auch derzeit immer noch fortbesteht.

Wenn es mit der Priorität und der Bevölkerungsakzeptanz bei Politikern so wäre, wie Matthias Platzeck andeutete, dann hätte sich ja nach der Menschenkette zwischen Grabice und Kerkwitz die Erschließung neuer Tagebaue vollständig erledigt. Eine Bevölkerungsakzeptanz für neue Tagebaue war der Menschenkette nun wirklich nicht zu entnehmen.

Was aber, wenn Politiker, außer Toni Hofreiter, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen, und Simone Peter, Bundesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen, die der Menschenkette persönlich beiwohnten, über diese lediglich nur aus den Fernsehnachrichten erfahren, dann passiert genau folgendes:
Im Großformat wird eine Anwohnerin aus Kerkwitz eingeblendet, die zutreffend und freimütig ihren Unmut über die Vernichtung ihres Dorfes, ihrer Heimat Luft macht. – Man könnte glauben, ein typischer Fall der Wahrung von Eigenwohlinteressen. Ich höre schon förmlich viele an den Bildschirmen sagen: „Die denkt nur an sich und die Energieversorgung in Deutschland scheint ihr wohl egal zu sein“. Nun endlich ist für die „Macher“ im ZDF wohl der Zeitpunkt gekommen, wo wieder „Ausgewogenheit“ angesagt ist.

"Wir lassen uns nicht abbaggern" - Transparent im Lausitzer Braunkohlerevier

“Wir lassen uns nicht abbaggern” – Transparent im Lausitzer Braunkohlerevier

Von daher war es für das ZDF geboten, den obersten Gemeinwohlvertreter in Brandenburg, Dr. Wolfgang Rolland, Geschäftsführer von Vattenfall Europe Mining AG, noch schnell mit ein paar geschliffenen Wortsalven über Energiesicherheit einzublenden. Der ZDF-Bericht ging m.E. voll an der Realität vorbei und genügte von daher dem gesellschaftspolitischen Informationsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders m.E. nicht.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat mit Urteil vom 15.05.2014, Vf 8-VII 12. Vf. VII-12, seine Erwartungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dargelegt, für die die Rundfunkgebühr des Nutzers als Vorteilsabgeltung in Betracht gezogen wird. Darin heißt es, Zitat: „… dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in besonderem Maß die Grundlagen der Informationsgesellschaft fördert und einen wichtigen Beitrag zur Integration und Teilhabe an demokratischen, kulturellen und wirtschaftlichen Prozessen leistet“.

Davon konnte ich der vorliegenden Berichterstattung des ZDF, wenn überhaupt, dann nur wenig entnehmen. Eine andere Möglichkeit, der Förderung der Informationsgesellschaft zu widerstehen, nahm das Erste Deutsche Fernsehen war. Die haben einfach gar nicht berichtet.

Text und Fotos: Peter Müller-Maas, BI CO2-Endlager stoppen e.V.

136 Dörfer in der Lausitz wurden seit 1900 abgebaggert: Die nächsten auf der Abbaggerliste von Vattenfall & Co.

Auf der Abbaggerliste: Dörfer in der Lausitz

Bericht von Dirk Seifert auf Umweltfairändern:
Gegen Vattenfall – Menschenkette stärkt Widerstand gegen Braunkohle und Klimakatastrophe

Braunkohle-Info von Greenpeace

zibb – Protest gegen Tagebauerweiterung, rbb 22.08.2014

Aug 262014
 

Bergbauberechtigungen in Schleswig-Holstein. Dunkelrot: Erteilte oder beantragte Felder für Central Anglia. Quellen: NIBIS/Feldeskarten

Bergbauberechtigungen in Schleswig-Holstein. Dunkelrot: Erteilte oder beantragte Felder für Central Anglia. Quellen: NIBIS/Feldeskarten

Reinhard Gast, promovierter Geologe, Professor ehrenhalber und selbstbekundeter Berater fast aller Erdöl-/Erdgasunternehmen seit über 10 Jahren, ist ein ganz besonderer Zeitgenosse. Noch vor Jahresfrist trat er als Greenpeace- und BUND-Mitglied in einer Anhörung des Kieler Wirtschaftsausschusses zum Fracking auf – selbstverständlich in der Reihe der Vertreter von Bürgerinitiativen gegen Fracking. Während er unbekümmert eine Flasche “Fracking-Quell” öffnete und genüsslich daraus trank, hielt er einen geologischen Fachvortrag über die faszinierende Bergbautechnik Fracking und deren Risikolosigkeit. Er war so in seinem Element, dass er seine Redezeit um 50 Prozent überzog, bevor der Vorsitzende ihn stoppen konnte. Ob es sein Ziel gewesen war, den Initiativenvertretern Redezeit zu stehlen, oder ob ihn sein Enthusiasmus ausschweifen ließ, konnte damals nicht geklärt werden. Der Mann lehnte es ab, mit Leuten zu reden, die vor Fracking warnten.

Was damals niemand ahnte: Reinhard Gast ist größter Anteilseigner des von ihm vor drei Jahren mitgegründeten, norwegischen “Unternehmens” Central Anglia AS. Dieses Unternehmen, ausgestattet mit einem Kapital von 110.000 norwegischen Kronen (umgerechnet etwa 13.500 Euro) und offenbar genau einem Mitarbeiter, hatte zum Zeitpunkt von Gastens Vortrag in Kiel schon mehrere Anträge für Bergbauberechtigungen in Schleswig-Holstein gestellt. Das kommt jetzt ans Licht, weil das verfahrensführende Landesbergamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) kürzlich die gesetzlich vorgeschriebene Behördenbeteiligung eingeleitet hat, an der es neuerdings auch die Ämter/Gemeinden beteiligt.

Während letzte Woche der Erlaubnisantrag Leezen bekannt wurde, erreichte jetzt die Kunde vom Erlaubnisantrag Eckernförde und vom Bewilligungsantrag Waabs die Öffentlichkeit. Bereits Ende letzten Jahres hatte Central Anglia die Erlaubnis Sterup erhalten.

Wie zuverlässig sind Professor Gast und Central Anglia überhaupt?

Wer passt hier nicht ins Muster? V.l.n.r.: Dr. Reinhard Knof, Dr. Reinhard Gast, Carin Schomann, Jörg Rakow als Experten bei der Anhörung im Wirtschaftsausschuss des LT SH am 7.8.14

Wer passt hier nicht ins Muster? V.l.n.r.: Dr. Reinhard Knof, Dr. Reinhard Gast, Carin Schomann, Jörg Rakow als Experten bei der Anhörung im Wirtschaftsausschuss des LT SH am 7.8.14

Es wird öffentlich bezweifelt, dass das Unternehmen Central Anglia AS finanziell überhaupt in der Lage ist, wie beantragt Bodenschätze wie Erdöl oder Erdgas mittels Tiefbohrungen erfolgreich zu gewinnen. Das Unternehmen ist in Norwegen ansässig und besteht aus genau einem Mitarbeiter. Die Kapitaleinlage beträgt 110000 norwegische Kronen, umgerechnet rund 13353,59 Euro. Vier Anteilseigner hat das Unternehmen; Dammholm Energy (Inhaber Prof. Dr. Reinhard Gast) ist mit 40 % Anteil der größte Anteilseigner.

Allein die im Antrag Leezen beschriebene Tiefbohrung soll laut Lübecker Nachrichten 10 Mio Euro kosten. Wie das Unternehmen diese Ausgaben bewältigen will, ist unklar. Möglicherweise fühlt sich das Unternehmen durch einen früheren “Erfolg” bestärkt: Central Anglia erhielt bereits im Dezember 2013 vom LBEG und vom Umweltminister Habeck grünes Licht für in ähnliches Vorhaben, nämlich die Erlaubnis Sterup. Auf die Frage eines Bürgers bei einer Informationsveranstaltung in Sterup, wie das Unternehmen denn die teure Aufsuchung bezahlen wolle, hatte es geheißen, dass jetzt erstmal Investitionen eingeworben werden sollen.

Für Fälle von Unzuverlässigkeit oder Unzulänglichkeit des Bergbauunternehmens hält das Bundesberggesetz den § 11 Nr. 7 bereit: “Die Erlaubnis ist zu versagen, wenn … der Antragsteller nicht glaubhaft macht, daß die für eine ordnungsgemäße Aufsuchung … erforderlichen Mittel aufgebracht werden können”.

Die zuständigen Bergbehörden pflegen auch hier gelegentlich eine eigenwillige Rechtsauffassung. Sie äußert sich nicht nur im Fall Sterup und demnächst eventuell in den Fällen Leezen, Eckernförde und Waabs, sondern sie war auch schon im Fall Oldendorf zu registrieren. Und im Süden der Republik, in Baden-Württemberg: Dort hatte ein ähnlich schlecht ausgestattetes Unternehmen (3Legs Resources) zwei große Erlaubnisgebiete unmittelbar nach Erhalt der Erlaubnisse an ein anderes Unternehmen verschachert – mit erheblichem Gewinn.

Aug 252014
 

Ein Kommentar

Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass Fracking und “die Gesundheit, der Umweltschutz und der Schutz unseres Trinkwassers” in Einklang zu bringen seien. Das geht jedenfalls aus einem Antwortschreiben des Büros des Bundeswirtschaftsministers vom 22. Juli hervor. Der Kritik am Eckpunktepapier von Gabriel und Hendricks, die Vertreter von Bürgerinitiativen vorgebracht haben, wird darin ein schon fast zynisch klingendes “Wir denken, es gibt hier kein ernstes Problem” entgegengesetzt:

Auch die Bundesregierung sieht das potenzielle Risiko für Mensch und Umwelt beim Einsatz der Fracking-Technologie. Bei der Bewertung dieser Technologie haben daher die Gesundheit, der Umweltschutz und der Schutz unseres Trinkwassers oberste Priorität. Wir denken aber, dass wir diese Anliegen mit einem verantwortungsvollen und streng regulierten Umgang mit der Fracking-Technologie in Einklang bringen können.

Nun sind wir hier wohl in Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, doch ermächtigt das eine Regierung, zu denken anstatt wissenschaftlich fundiert an technische Aufgaben heranzugehen? Darf sich eine Regierung herausnehmen, mit einem schlichten “wir denken, wenn wir streng genug sind, ist unser Trinkwasser nicht in Gefahr” die dargelegten Nachweise für die Gefährlichkeit einer Methode einfach so vom Tisch zu wischen? Ist es für eine Regierung in einem vorgeblich umwelt- und gesundheitsbewussten Staat angemessen, Fakten zu negieren und zu behaupten, dass Fracking in tight gas in Deutschland seit 50 Jahren “ohne jegliche Probleme” durchgeführt werde? Kann es angehen, dass eine Regierungskoalition, die gestern noch “Den Einsatz umwelttoxischer Substanzen bei der Anwendung der Fracking-Technologie zur Aufsuchung und Gewinnung unkonventioneller Erdgaslagerstätten” ablehnte, ihre Wähler so an der Nase herumführt, wie sie das jetzt tut?

Oliver Kalusch, BBU, sieht diesen Wortbruch: “Während der Koalitionsvertrag vorsah, ‚Fracking in unkonventionellen Lagerstätten mit umwelttoxischen Substanzen‘ nicht zuzulassen, sieht das Eckpunktepapier ein uneingeschränktes Fracking im Schiefergestein unterhalb von 3.000 Meter vor. Damit wird ein angekündigtes Verbot zu einer Erlaubnis. Dies als Verschärfung von Umweltschutzbestimmungen im Vergleich mit den Anforderungen des Koalitionsvertrags darzustellen, hat mit der Realität nichts mehr zu tun.”

An diesem Detail, aber auch daran, dass das nachweislich umweltschädliche Fracking in tight gas, wie es z. B. in Niedersachsen im großen Stil durchgeführt wird, ausdrücklich aus den Verbotsüberlegungen herausgenommen wird, wird deutlich, dass unsere Regierung wie schon ihre Vorgänger bei der Atomkraft im Restrisiko-Schema denkt. Wenn die mit obskuren Berechnungen ermittelte Wahrscheinlichkeit, dass durch die Anwendung einer Technik Menschen oder Umwelt zu Schaden kommen, unter ein mehr oder weniger willkürliches Level sinkt, dann wird das Risiko als tolerabel deklariert. Als hinzunehmendes Rest-Risiko. Im Krieg nennt sowas, Kollateralschäden in Kauf zu nehmen. Wohl dem, der mit heiler Haut davonkommt. Das erinnert an Deutschland im letzten Großen Krieg, als der Spruch von Friedrich Nietzsche modern wurde: Was mich nicht umbringt, macht mich stärker. Diese Denke ist offenbar nicht totzukriegen, bei denen, die uns regieren und genau jetzt Fracking ausdrücklich erlauben wollen.