Genuk kommentiert die Studie zu Krebserkrankungen im Umfeld von Kohlenwasserstoff-Förderung

 Allgemein  Kommentare deaktiviert für Genuk kommentiert die Studie zu Krebserkrankungen im Umfeld von Kohlenwasserstoff-Förderung
Jan 052019
 

GEmeinnütziges Netzwerk

für UmweltKranke e.V.

 

Das gemeinnützige Netzwerk für Umweltkranke GENUK e.V. kommentiert kritisch die Aussagen zur „Abstandsstudie“ des Landes Niedersachsen zur Prüfung eines Zusammenhanges der gehäuften Krebse mit der Kohlenwasserstoff-Förderung.

Pressemitteilung zu den Ergebnissen der niedersächsischen Studie zu hämatologischen Krebserkrankungen im Umfeld von Erdöl-/Erdgasförderanlagen und Bohrschlammgruben

Mit der Präsentation der epidemiologischen Teilstudie „Zusammenhang von hämatologischen Krebserkrankungen und der wohnlichen Nähe zu Schlammgruben(verdachtsflächen) und zu Anlagen der Kohlenwasserstoffförderung in Niedersachsen“ – abgekürzt „Abstandsstudie“ genannt – im niedersächsischen Landtag vor geladenen Gästen aus Kommunalpolitik, Landesinstituten, Industrie und Bürgerinitiativen war die Interpretation der Ergebnisse vorgegeben, so war auch in der zeitnah danach veröffentlichten Presseinformation des Sozialministeriums klar: „Ein Zusammenhang der räumlichen Wohnortnähe zu Schlammgrubenverdachtsflächen oder zur Kohlenwasserstoffförderung (Erdöl- und Erdgasförderanlagen zusammen betrachtet) wurde nicht nachgewiesen.“[1]

Was aber gefunden wurde, könnte – wie die Studienleiterin auf Nachfrage  äußerte – alles auch ein statistischer Irrtum sein, weshalb sie sich zu keiner Handlungsempfehlung gegenüber der Landespolitik aufgerufen fühle. Derart irritierend erscheinen dann auch nach der Generalabsage an mögliche Zusammenhänge dann diese beiden sich formal widersprechenden Aussagen in der Presseinformation des Ministeriums:

– Auch zeigten sich hierbei weder zwischen Frauen und Männern Unterschiede, noch fielen einzelne Unterdiagnosegruppen wie Leukämien oder Multiple Myelome auf, wie es in der Samtgemeinde Bothel der Fall ist.

– Weitere ergänzende Analysen zeigen allerdings statistisch auffällige Zusammenhänge der räumlichen Wohnortnähe speziell zu Erdgasförderanlagen. Waren bei der Krebshäufung in Bothel Männer statistisch signifikant, so sind es bei der Abstandsstudie und dem Fokus auf Erdgasförderung nun Frauen.[2]

Folgt man jedoch den vorgetragenen Fakten in Vortrag und Abschlussbericht, stolpert man über gleich 4 signifikante Ergebnisse (siehe Tabelle 34, 35, 38 und 39) in den sog. Nebenanalysen. Wie in jeder Testung wurden auch hier alle 3 auffälligen Häufungen von „Leukämien und Lymphomen“ (C 81 – C 96 im ICD-10-Code) im Umkreis von maximal 1 km Umkreis zu Erdgasförderstätten in diesem Fall mit 3 verschiedenen Modellen (M1, M2, M4) abgebildet.[3]

  • Unter „Standorte der Erdgasförderung“ und „Stratifizierung nach Geschlecht“[4] ergaben sich bei M1  Risikorate 1,51, bei M2 – 1,51 und bei M4 – 1,53 im Sinne signifikanter Erhöhungen der Neuerkrankungsraten im Vergleich mit Erwartungswerten.
  • Unter „Einschränkung der Analysen auf Fälle aus Gemeinden, für die auch Kontrollen gewonnen werden konnten – Gesamte Studienregion[5] ergab sich für beide Geschlechter: M1 – 1,23, M2 – 1,23 und M4 – 1,24 im Sinne konsistent signifikant erhöhter Neuerkrankungsrate.
  • Unter „Stratifizierung nach Landkreisen“, „Rotenburg: Ergebnisse identisch mit den Ergebnissen für alle Anlagen der Kohlenwasserstoffförderung“[6] fand sich bei M1 – 1,98, M2 – 2,02, M4 – 1,97 eine ebenfalls signifikante Erhöhung der Neuerkrankungsrate.
  • Auch unter „Betrachtung der Expositionen im 2 km Umkreis in Tertilen“[7] gab es bei Rotenburg auffällige Erhöhungen bei Entfernungen von 1,32 – 2,00 km: M1 – 1,89, M2 – 1,84, M4 – 1,83 und bei der Entfernung von 0,00 – 0,74 km sogar M1 – 2,75, M2  2,72 und M4 2,84.

Soweit wir dies als Laien beurteilen können, ist eine Wiederholung der weitgehend gleichen Werte in 3 verschiedenen Modellen gleichbedeutend mit einer statistischen Absicherung. Dass nun Wissenschaftler*innen wie Sozialministerium auf der möglichen Unzuverlässigkeit ihrer eigenen Ergebnisse bestehen, sogar derart, dass in der „Zusammenfassung“ des Abschlussberichts die signifikant erhöhte Inzidenz bei Frauen in der Umgebung ≤ 1 km im Umkreis einer Erdgasförderstelle unerwähnt blieb, zeigt eine deutliche Schieflage. Es scheint angesichts jahrelangen beeinträchtigenden Leidens der Krebskranken und ihrer Familien in räumlicher Nähe zu Öl- und Gasförderung unglaubwürdig, dass das Eingeständnis eines Zusammenhangs mit dieser Industrie weiterhin undenkbar scheint.

Was bedeuten nun diese Ergebnisse für die Bewertung der gesamten Studie? Und wann ist ein Ergebnis ein relevantes Ergebnis?

Zunächst einmal muss der enge Rahmen der Zielsetzung berücksichtigt werden. Es war es laut Abschlussbericht explizit nicht das Ziel, eine „Risikoabschätzung für jeden Landkreis vorzunehmen“. Mit dem Studiendesign eines register-basiertes Fall-Kontroll-Design wurde auf eine Befragung der Teilnehmer*innen bewusst verzichtet. „Nicht möglich mit diesem Ansatz war die Ermittlung der Wohnhistorien aller Fälle und Kontrollen“[8]. 6 niedersächsische Städte mit mehr als 50.000 Einwohner*innen wurden aus Gründen möglicher Verzerrungen ausgeschlossen. „Der Beobachtungszeitraum zwischen 2013 und 2016 wurde gewählt, da für die Zeit vor 2013 nur für einen Teil der Fälle die exakten Wohnanschriften bzw. Geokoordinaten vorlagen.“

Letzteres ist bereits eine große Crux: angesichts einer noch in den 1940er Jahren einsetzenden aktiven Erdöl- und Erdgasförderung in Niedersachsen (das Erdöl-Förderdorf Rodewald mit erhöhter hämatologischer Inzidenz, LK Nienburg, hatte seine Förder-Hochphase bereits um 1952) ist es mehr als bemerkenswert, dass ein Untersuchungszeitraum von nur 4 Jahren am Ende der auslaufenden historischen Kurve der Kohlenwasserstoff-Förderung noch derartig deutliche Ergebnisse zeitigen konnte. Dass die Annahme einer 30-jährigen Latenzzeit (1983 bis zum ersten berücksichtigten Diagnosejahr 2013) beim Multiplen Myelom teils noch um eine Dekade verlängert werden könnte, ist hier nur ein Nebenargument. Zu Recht wies die Studienleiterin darauf hin, dass eben keine Messdaten aus diesen 70 Jahren intensiver Förderung vorliegen, die andere Schlussfolgerungen zulassen würden. Warum sie dann aber das Land Niedersachsen nicht zu umfassenden Luftmessungen aufrief, wie es in den USA über den Frackinggebieten in den letzten Jahren mit Hilfe der NASA geschehen ist, bleibt im Raum stehen.

Der Verzicht auf Einbeziehung der 6 Städte ist aus dem Gedanken, dass sich innerhalb der Städte selbst kaum Förderstätten befinden, nachvollziehbar. Allerdings ist die durch den   registerbasierten Ansatz gewählte Nicht-Abbildung der Wohnhistorie auch gleichzeitig eine Schwachstelle, weil die Gefahr besteht, dass „Fälle“, die aus dem 1-km-Umkreis zu Gasförderanlagen in diese Städte abgewandert sind, nicht registriert werden.

Die wichtigste Frage lautet nach einem jahrelangen Verzögerungs- und Verwirrspiel: Wurde bisher das Machbare, das Notwendige und angesichts des wertvollsten Gutes – unserer Gesundheit – das Mögliche getan? Dies müssen wir verneinen, auch wenn die Botheler Bevölkerungsuntersuchung sowie die „Abstandsstudie“ ganz sicher unerwartete gute Hinweise gebracht haben. Weiterhin nicht erkennbar ist der Wille der Landesregierung, politische Konsequenzen auch in Form von Einschränkung des Geschäftsmodells der Industrie zugunsten des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung zu ziehen.

„Keinerlei Bedrohung der Gesundheit der Bevölkerung“ durch Erdgasförderung kann allerdings nun nicht mehr nur anhand der festgestellten signifikanten Krebsraten, sondern durch die zweite Erhärtung von Hinweisen nach der Botheler Bevölkerungsbefragung behauptet werden. Warum wir nun seit September 2014 auf die Einleitung einer adäquaten und sachdienlichen epidemiologischen Fall-Kontroll-Studie warten müssen, weil angeblich zwingend sequenziell abzuarbeitende Untersuchungen verschiedener Art und Bedeutung abzuwarten gewesen seien – all das erschließt sich auch im Nachhinein nicht. Auch nicht, warum trotz bereits im Sommer 2017 deutlich vorgebrachter Kritik von Bürgerinitiativen und GENUK an dem fehlenden Befragungsteil des Studiendesigns keinerlei Einlenken zu erkennen ist. Diese eklatante Weigerung des Ministeriums ist auch nicht mit dem Hinweis der Studienleiterin auf schlechte Beteiligungsbereitschaft in Ostdeutschland wegzuargumentieren – zumal die Rücklaufquote in der Botheler Untersuchung beachtliche 65 % betrug.

„Speziell mit Blick auf die Erdgasförderung ergaben sich indes Hinweise, denen nun in einer Folgestudie weiter nachgegangen wird.“[1] Und wird jetzt – man verzeihe die Polemik – die dritte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für das „Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München“ in diesem Kontext erfolgen? Die krasse Intransparenz des Vergabeverfahrens und die vollständige Verweigerung jeglicher Informationen über die Studienrealisierung hatte schon einen Anflug von Staatsgeheimnis – was angesichts des großen öffentlichen Interesses an unabhängiger Forschung und größter Transparenz in keiner Weise nachvollziehbar und sehr fragwürdig ist.

Wir fordern deshalb nachdrücklich:

  • Eine öffentliche und transparente Debatte um weitere Studiendesigns und Ausschreibungen unter Einbeziehung der Bürgerinitiativen – insbesondere zum bisher fehlenden Befragungsteil zu der „Abstands“-Teilstudie
  • Es muss endlich von der Landesregierung ein Plan vorgestellt werden, wann Maßnahmen zum Schutz vor toxischen und kanzerogenen Emissionen ≤ 1 km im Umkreis von Erdgasförderstätten vorgenommen werden.
  • Es müssen Flugzeug-/Helikopter-gestützte Luftmessungen zeitnah über den Fördergebieten vorgenommen werden. Risikoabschätzung und -management müssen folgen.
  • Ein umgehendes Verbot des „Abblasens“ bzw. der sog. Kaltfackel ist ebenso zu erlassen, wie das der „Abfackelung“. 

Wir gedenken des 2018 verstorbenen Rotenburger Gesundheitsamtsleiters Dr. Frank Stümpel mit großem Respekt, hoher Anerkennung und tiefem Bedauern

Kathrin Otte, GENUK e.V., Gemeinnütziges Netzwerk für Umweltkranke, www.genuk-ev.de, vorstand@genuk-ev.de

[9] Aus: Presseinformation des Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung vom 18.12.2018

[1] Aus: Presseinformation des Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung vom 18.12.2018

[2] Ebd.

[3] Abschlussbericht, S. 39: a für die Matching-Variablen Alter (13 Kategorien), Geschlecht, Landkreis und Diagnosejahr adjustierte Ergebnisse für jede Variable einzeln

b für die Matching-Variablen Alter (13 Kategorien), Geschlecht, Landkreis, Diagnosejahr und die potenziellen Confounder adjustiertes Modell unter Berücksichtigung von Standorten der Kohlenwasserstoffförderung

c für die Matching-Variablen Alter (13 Kategorien), Geschlecht, Landkreis, Diagnosejahr und die potenziellen Confounder adjustiertes Modell unter Berücksichtigung von Schlammgrubenverdachtsflächen inkl. Mischgruben

d für die Matching-Variablen und die potenziellen Confounder adjustiertes Modell unter Berücksichtigung von Standorten der Kohlenwasserstoffförderung und Schlammgrubenverdachtsflächen inkl. Mischgruben

[4] Abschlussbericht Tabelle 35: Logistische Regression für die Exposition gegenüber Standorten der Erdgasförderung; alle hämatologischen Krebserkrankungen (C81-C96) stratifiziert nach Geschlecht – a) Frauen; N(Fälle) = 1.718, N(Kontrollen) = 6.845

[5] Abschlussbericht Tabelle 39: Logistische Regression für die Exposition gegenüber Standorten der Erdgasförderung unter Einschränkung auf Fälle, aus deren Wohngemeinde Kontrollen gewonnen wer-den konnten; alle hämatologischen Krebserkrankungen

[6] Abschlussbericht Tabelle 38: Logistische Regression für die Exposition gegenüber Standorten der Gasförderung und Schlammgrubenverdachtsflächen inklusive Mischgruben stratifiziert nach Land-kreis; alle hämatologischen Krebserkrankungen

[7] Abschlussbericht Tabelle 34: Logistische Regression für die Exposition gegenüber allen Standorten der Koh-lenwasserstoffförderung und Schlammgrubenverdachtsflächen inkl. Mischgruben im 2 km Radius um die Wohnung in Expositionstertilen stratifiziert nach Landkreis unter Ausschluss von Gemeinden ohne Kontrollen; alle hämatologischen Krebserkrankungen

[8] Abschlussbericht

 Veröffentlicht von am 5. Januar 2019

Fracking-Gegner in Schleswig-Holstein ziehen vor Gericht

 Allgemein  Kommentare deaktiviert für Fracking-Gegner in Schleswig-Holstein ziehen vor Gericht
Jan 032019
 

Foto: pixabay.com

Fracking-Gegner in Schleswig-Holstein ziehen vor Gericht, nachdem der Landtag die Bearbeitung der mit über 40.000 Unterschriften bestätigten Volksinitiative abgelehnt hat.

Foto: pixabay.com

Die Volksinitiative, wesentlich geführt und initiiert von unserer Mitglieds-BI „Kein CO2-Endlager e.V.“ strebt zum Schutz der Trinkwassers ein generelles Fracking-Verbot in Schleswig-Holstein an.

Die Initiatoren der Volksinitiative hoffen, dass bei Erfolg auch der Weg für weitere Bundesländer frei werden kann und dass dann dort auch generelle Fracking- Verbote möglich werden.

Pressebericht zur Volksinitiative in der taz vom 02.01.2019

 Veröffentlicht von am 3. Januar 2019

Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

 Allgemein  Kommentare deaktiviert für Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika
Dez 172018
 

Foto: pixabay

Bericht zum Monat Dezember 2018: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

Berichtszeitraum 10. November 2018 bis 14. Dezember 2018
(5 Wochen)

Der Dezember 2018 erlebt nach der fortgesetzten Stagnation im September und einem deutlichen Rückgang im Oktober und kaum Bewegung im November eine weitere Abnahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme. Der Rückgang nach Februar 2018 ist weiterhin noch nicht durch den neuen Anstieg der im Einsatz befindlichen Bohrtürme bis Dezember ausgeglichen.

…weiter zum Bericht

 Veröffentlicht von am 17. Dezember 2018

Bewahren wir das kulturelle Erbe des alternativen bürgerschaft­lichen Engagements – Rettet das afas!

 Allgemein  Kommentare deaktiviert für Bewahren wir das kulturelle Erbe des alternativen bürgerschaft­lichen Engagements – Rettet das afas!
Dez 132018
 

BBU-Pressemitteilung

Bewahren wir das kulturelle Erbe des alternativen bürgerschaft­lichen Engagements – Rettet das afas!

(Bonn, Duisburg, 09.12.2018) Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU e. V.) ruft alle auf, sich für den Erhalt des archiv für alternatives schrifttum (afas e. V.) einzusetzen.

Das Archiv sammelt Material der alternativen Bewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier sind die Proteste gegen die Wiederbewaffnung in den 50’er Jahren und die Anfänge der Friedensbewegung genauso zu finden, wie die Proteste gegen die Stationierung der Pershing-II-Raketen in Bonn 1982.
Die bunte Geschichte der deutschen Umweltbewegung ist hier zu finden sowie die Dokumente über den Kampf gegen die Apartheid in Südafrika.

Die Landesregierung NRW plant die Zuschüsse für dieses kulturell und historisch unverzichtbare Archiv zu streichen.

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) fordert CDU und FDP im Landtag NRW auf, diese Pläne fallen zu lassen.
Dieses einzigartige Gedächtnis der Bürgerbewegungen muss erhalten bleiben!
Dem bürgerschaftlichen Engagement kommt eine immer größer werdende Bedeutung zu. Es ist ein bedeutsames Merkmal der Demokratie, ein Regulativ und bedarf der Dokumentation.

Die Landesregierung NRW plant, ab 2020 die Zuschüsse für
dieses kulturell und historisch unverzichtbare Archiv zu streichen.

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) fordert CDU und FDP im Landtag NRW auf, diese Pläne fallen zu lassen. Dieses einzigartige Gedächtnis der Bürgerbewegungen muss erhalten bleiben!

Ausführliche Informationen über das afas und die drohenden Mittelkürzungen unter: http://afas-archiv.de

 Veröffentlicht von am 13. Dezember 2018

Flüssiggas-Terminal in Niedersachsen torpediert Klimaschutzverpflichtungen

 Allgemein  Kommentare deaktiviert für Flüssiggas-Terminal in Niedersachsen torpediert Klimaschutzverpflichtungen
Dez 102018
 

Foto: pixabay.de

Pressemitteilung 06.12.2018

Offener Brief von Umweltverbänden und Bürgerinitiativen:
Flüssiggas (LNG)-Terminal in Niedersachsen torpediert Klimaschutzverpflichtungen und führt zu einer Investitionsruine

Gegen die Pläne der niedersächsischen Landesregierung, den Bau eines Flüssiggas-Terminals in Stade oder Wilhelmshaven zu unterstützen, formiert sich großer Widerstand. 50 Bürgerinitiativen, Umwelt-, Ärzte- und Erneuerbare-Energien-Verbände haben in einer ausführlichen Stellungnahme die ökologischen und ökonomischen Gründe gegen angedachte LNG-Terminals (englisch: liquefied natural gas) im Norden Deutschlands dargelegt.

Die Landesregierung wirbt für das LNG-Terminal, das mit staatlichen Subventionen gefördert werden soll. Die InitiatorInnen der Stellungnahme hingegen betonen: „Öffentliche Fördermittel in Millionenhöhe sollen in ein LNG-Großprojekt mit einer ökonomischen Lebenszeit von mindestens 30 Jahren fließen, für das es keinen volkswirtschaftlichen Bedarf gibt.
Die Flüssiggas-Terminals in Europa sind schon jetzt nicht ausgelastet. Die anstehenden Investitionsentscheidungen sollen für Zeiträume erfolgen, in denen aufgrund des fortschreitenden Klimawandels eine radikale Abkehr von fossilen Brennstoffen unumgänglich ist. Deutschland ist bereits überversorgt mit Gas und muss noch vor 2050 vollständig dekarbonisiert werden.“

Die Initiativen und Verbände machen darauf aufmerksam, dass Erdgas nur ein weiterer fossiler Energieträger ist, auf den wir wegen seiner klimaschädigenden Wirkung dringend verzichten müssen. Berücksichtigt man neben dem beim Verbrennen entstehenden CO2-Ausstoß auch die bei Förderung und Transport entweichenden Methan-Emissionen, fällt die Klimabilanz von Erdgas schlecht aus. Handelt es sich um Schiefergas, das mit Hilfe von Fracking  gewonnen wurde, ist die klimaschädliche Wirkung in der gesamten Produktionskette noch wesentlich größer.

Eine Unterstützung für den Import von Flüssiggas – und dies auch noch mit öffentlichen Fördermitteln – liefe den verbindlich beschlossenen Klimaschutzzielen auf Bundes- und Landesebene sowie den Vorgaben des Pariser Abkommens zuwider, betonen die Verbände.
Sie verweisen dabei auch auf aktuelle Forschungsergebnisse, die zeigen, dass der Umstieg auf LNG im Transportsektor nicht dazu geeignet ist, die Klimaziele zu erreichen.

Voraussichtlicher Hauptabnehmer des LNG in Stade wäre der Chemiegigant Dow Chemical. Das vorrangig aus den USA stammende LNG würde für den Betrieb der energieintensiven Anlagen vor Ort und als Rohstoff für Plastik und andere petrochemische Produkte genutzt.

Angesichts der gravierenden negativen Auswirkungen auf den Klima- und Umweltschutz sowie der Gefahr der Schaffung von Investitionsruinen fordern die InitiatorInnen der Stellungnahme, dass das Projekt neu evaluiert wird. Zu diesem Zweck müsse es ein öffentliches Beteiligungsverfahren und eine Strategische Umweltprüfung geben. Vor Abschluss einer Bewertung, die alle Umwelt- und Gesundheitsaspekte berücksichtigt, dürfen keine öffentlichen Fördermittel fließen, fordern die UnterzeichnerInnen des Briefs.

——————————

Anlage:

Offener Brief/Stellungnahme zum geplanten LNG-Terminal in Niedersachsen

 Veröffentlicht von am 10. Dezember 2018

Bericht des IPCC Panel of Climate Change mahnt zu schnellem Handeln!

 Allgemein  Kommentare deaktiviert für Bericht des IPCC Panel of Climate Change mahnt zu schnellem Handeln!
Dez 022018
 

Foto: pixabay

Der neueste Bericht des IPCC Panel of Climate Change vom Oktober 2018 warnt eindringlich und mahnt zu schnellem Handeln! Die nächsten 12 Jahre sind entscheidend. Doch immer noch werden durch gewählte „Annahmen“ die Fakten „geschönt“, sodass der bereits große Ernst der Lage missverstanden werden kann!

Die ausschnittweise Übersetzung einer Meldung dazu im Portal www.ecowatch.com und der nachfolgende Kommentar mit Hinweisen auf Ungereimtheiten in dem Report führen zu der Überlegung, dass die Chance, die globale Erwärmung auf nur plus 1,5 Grad Celcius bis 2100 zu begrenzen, wohl schon vertan ist.

Übersetzung ausschnittweise Klima -und Kommentar – Das Fenster für Möglichkeiten zu handeln ist beinahe geschlossen (EcoWatch 23.11.18)

 Veröffentlicht von am 2. Dezember 2018