Sep 202014
 

Nümmes am Berliner Hauptbahnhof, Energiewende-Demo 31.10.2013

Nümmes am Berliner Hauptbahnhof, Energiewende-Demo 31.10.2013

Hallo!

Nümmes-Straßenrock hat den tollen song “Stop The Frack Attack” von Mike Stout (USA) ins Deutsche übertragen. Wir stellen diesen Song gern der Anti-Fracking-Bewegung zur nichtkommerziellen Verwendung bei Namensnennung des Autors zur Verfügung.

Das Video dazu ist hier zu sehen:
http://youtu.be/I4LhUuuy_3w?list=UUhlMwYYEwtdTuIm2ASr8QbQ

(…) Wir können nicht mehr nur reagieren auf Schweinereien wie Fracking – wir brauchen eine offensive Strategie und Taktik, um Mutter Erde vor dem Kollaps zu retten – da ist Fracking ein Teil…

Viel Erfolg wünsche ich euch und uns im Kampf für die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen auf dieser Erde.

Karl Nümmes, Liedermacher aus Berlin

http://www.nümmes.de/joomla/index.php

 Veröffentlicht von am 20. September 2014
Sep 202014
 

Die Bundesregierung hat am 9. September 2014 auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag geantwortet und gibt außer einigen wachsweichen Antworten auch an, welche Gesetze geändert und wann die Entwürfe in die Verbändebeteiligung gehen sollen:

Die in der Frage angesprochenen Eckpunkte sollen in verschiedene Gesetzesänderungen einfließen, insbesondere in eine Änderung des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG), des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) sowie eine Änderungsverordnung zur Verordnung über die Umweltverträglichkeitsprüfung bergbaulicher Vorhaben (UVP-V Bergbau) und zur Allgemeinen Bundesbergverordnung (ABBergV). Nach erfolgter Ressortabstimmung werden die Entwürfe voraussichtlich im September den Ländern und Verbänden zur Stellungnahme zugeleitet. Die Kabinettbefassung erfolgt dann voraussichtlich im November 2014.

 Veröffentlicht von am 20. September 2014
Sep 162014
 

Epidemiologische Ergebnisse zur Inzidenz verschiedener Erkranungen im Umkreis von gefrackten Erdöl-/Erdgasbohrungen in Pennsylvania, USA

Epidemiologische Ergebnisse zur Inzidenz verschiedener Erkranungen im Umkreis von gefrackten Erdöl-/Erdgasbohrungen in Pennsylvania, USA

Das Ärzteblatt berichtet:

USA: Mehr Gesundheits­beschwerden in Fracking-Gegenden
Montag, 15. September 2014

New Haven – Die Wohnortnähe zu Anlagen, in denen Erdgas mittels Fracking gefördert wird, war in einer US-Umfrage in Environmental Health Perspectives (2014; doi: 10.1289/ehp.1307732) mit einer erhöhten Rate von Hautproblemen und Atemwegssymptomen verbunden.

Ergebnis: Einwohner, die weniger als einen Kilometer von der nächsten aktiven Bohrstelle entfernt wohnten, gaben häufiger Hautprobleme an als entfernter lebende Einwohner (13 versus 3 Prozent). Auch obere Atemwegsbeschwerden waren mit 39 versus 18 Prozent häufiger. Stowe ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 4,13 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,38-12,3) für Hautprobleme und von 3,10 (1,45-6,65) für obere Atemwegsbeschwerden. Gastrointestinale, kardiovaskuläre oder neurologische Beschwerden traten in der Nähe der aktiven Bohrungen (noch?) nicht vermehrt auf.

Originalarbeit:
Peter M. Rabinowitz, Ilya B. Slizovskiy, Vanessa Lamers, Sally J. Trufan, Theodore R. Holford, James D. Dziura, Peter N. Peduzzi, Michael J. Kane, John S. Reif, Theresa R. Weiss, and Meredith H. Stowe
Proximity to Natural Gas Wells and Reported Health Status: Results of a Household Survey in Washington County, Pennsylvania
http://dx.doi.org/10.1289/ehp.1307732
ENVIRONMENTAL HEALTH PERSPECTIVES, Advance Publication: 10 September 2014

http://www.ehponline.org

http://ehp.niehs.nih.gov/1307732/

 Veröffentlicht von am 16. September 2014
Sep 122014
 
Collage Finteler Heide, kontaminiert mit BTEX

Ist die Heide mit krebserregenden Stoffen kontaminiert?

Epidemiologische Untersuchung der Samtgemeinde Bothel veröffentlicht:

Männern zweimal so häufig wie erwartet an Blutkrebs erkrankt

Gestern wurden in Rotenburg an der Wümme die Ergebnisse einer kleinen Krebsstudie vorgestellt. Auf Initiative von besorgten Bürgerinnen und Bürgern waren die Diagnosehäufigkeiten fast aller Krebsarten bei der Bevölkerung der Samtgemeinde Bothel, mitten im niedersächsischen Gasland, anhand des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen untersucht worden. Herausragendes Ergebnis ist eine statistisch signifikant erhöhte Erkrankungsrate an Blutkrebs bei Männern. Die zweite meistbetroffene Gruppe sind Kinder bis 14 Jahre, ebenfalls mit Blutkrebs.

Obwohl bekannt ist, dass diese Krebsart häufig durch Kohlenwasserstoffe, insbesondere Benzol, verursacht werden kann, lässt das Untersuchungsergebnis allein noch nicht den Rückschluss zu, dass die Erdgasförderung vor Ort schuld an dieser beklagenswerten Häufigkeit von Krebserkrankungen ist.

Silke Döbel aus Hemslingen, Mitinitiatorin der Untersuchung, war schockiert von dem Untersuchungsergebnis und hat umgehend an den zuständigen Umweltminister geschrieben. Sie erklärt: “Ich möchte von Stefan Wenzel wissen, was seine Behörde unternehmen wird! Ich wünsche mir Ursachenforschung und Aufklärung ohne Rücksicht auf mögliche Verursacher!” Kathrin Otte, stellvertretende Vorsitzende der GENUK e. V. dringt darauf, dass Ärzte und Gesundheitsämter ab sofort mit erhöhter Aufmerksamkeit vorgehen und insbesondere auf mögliche durch Benzol und Quecksilber verursachte Krankheitszeichen achten. Dazu, so die GENUK in ihrer Pressemittteilung, müsse es eine umfassende Gesundheitsuntersuchung der Bevölkerung in diesen Gasfördergebieten geben. Außerdem müssen “… endlich umfassende und langfristige Boden- (aktuelle Untersuchungen durch das LBEG eingeschlossen), (Oberflächen-)Wasser, organisches Gewebe (Wurzeln, Flechten etc.) und Luftmessungen (dringend: bodennahe Luftmesspunkte, Messungen in der Fackel etc.) vorgenommen werden.”

Seit Langem hatten die GENUK e. V. und die “Bürgerinitiative für Gesundheit” (BIG), die “BI Söhlingen” und die “Wittorfer für Umwelt und Gesundheit” (WUG) darauf gedrungen, dass das “gefühlte” Problem abnorm vieler Krebsfälle in ihren Dörfern von den Behörden wissenschaftlich untersucht wird. Schließlich hatte das Gesundheitsamt Rotenburg/W. eine entsprechende Abfrage des Krebsregisters beauftragt. Die Untersuchungsergebnisse sollen am kommenden Montag, 15. September 2014, um 18:30 Uhr in der Aula des Rotenburger Ratsgymnasiums von Vertretern des Landkreise öffentlich vorgestellt werden.

Siehe auch:

Gesundheitsfolgen der modernen Erdgasproduktion: Forschung steht noch am Anfang

Obwohl Erdöl und Erdgas seit über 100 Jahren konventionell und mit extremem Fracking in unkonventionellen Lagerstätten etwa seit 1996 (Amro 2013, nach Rushing und Sullivan 2003) gefördert werden, gibt es den Ansatz einer Gesundheitsfolgenforschung, die die Bevölkerung in Abbaugebieten betrachtet, erst seit etwa zwei Jahren. Einige frühere Untersuchungen aus der Perspektive des Arbeitsschutzes stellten erhöhte Blutkrebsraten bei Arbeitern auf Bohrplätzen fest. Eine Studie, die belegen könnte, dass Männer im Allgemeinen empfänglicher für bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems sind als Frauen, ist nicht bekannt. So ist das Botheler Ergebnis bislang ein Rätsel.

In der Literatur findet sich eine Parallele in einer Studie,[1] die 2010 von einem Forscherteam der Universität von Colorado durchgeführt worden war und unter anderem eine ähnliche Verteilung von “Krebserkrankungen des lymphatischen, blutbildenden und verwandten Gewebes” (ICD 10 C81-C96)” ergab. In der mit Bothel vergleichbar großen Untersuchungsgruppe, der Bevölkerung von Battlement Mesa, zeigte sich ebenfalls eine erhöhte Blutkrebshäufigkeit bei Männern, nicht aber bei Frauen.

Frühere Luftmessungen in Battlement Mesa hatten toxische Substanzen in der Luft ergeben, unter anderem Benzol. Die Studienautoren empfehlen u. a. eine verbesserte Vermeidung von Austritten von Kohlenwasserstoffen und von Feinstaub in die Luft und ein verbessertes Luftmonitoring.

Wie kommt das Benzol bei der Erdgasförderung in die Luft?

Sobald Kohlenwasserstoffe aus dem Untergrund an die Erdoberfläche kommen, können sie sich in der Luft verflüchtigen. Sie sollen den unterirdischen Rissen im Gestein zum Bohrloch folgen und von dort über den Bohrlochskopf aufgefangen werden. Es ist möglich, dass ein Teil der Kohlenwasserstoffe außerhalb des Bohrlochs an die Oberfläche kommt. Doch auch bei der regelhaften Abnahme der gewonnenen Kohlenwasserstoffe am Bohrlochskopf und der Weiterverarbeitung können bis zum Endverbraucher Lecks bestehen und Gas an die Luft austreten.

Damit gewonnenes Rohgas für den Endverbrauch geeignet ist, muss es üblicherweise getrocknet werden. Die meisten Trocknungssysteme funktionieren mit Glykol, die dem Rohgas das Wasser entziehen. Aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol (BTEX) reagieren williger mit dem Glykol als andere Kohlenwasserstoffe (zum Beispiel das begehrte Methan), die ebenfalls im Rohgas vorkommen. Wenn das Glykol durch Erhitzen recycled wird, dann fallen die zuvor gebundenen BTEX-Aromate und andere Kohlenwasserstoffe aus und verfliegen in der Luft, wenn sie nicht aufgefangen werden. BTEX-Emissionen sind als Luftschadstoffe klassifiziert, die toxisch sind, also gesundheitsschädlich für den Menschen.

Ozon, Stickoxide, Feinstaub, BTEX, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid und Benzoapyrene sind Luftschadstoffe, die in Erdgasförderarealen gemessen wurden.[2]

Ist die Heide mit krebserregenden Kohlenwasserstoffen kontaminiert?

Nach wie vor wird aus dem Erdgasfeld Hemslingen/Söhlingen, auf dem auch Bothel liegt, ein Gutteil des niedersächsischen Erdgases gewonnen. 46 aktive Erdgasbohrungen gibt es im Landkreis Rotenburg/Wümme (Stand: 16.04.2014), davon genau 1 (eine) im Bereich der Samtgemeinde Bothel (Hemsbünde Z2). Alle diese technischen Anlagen sind mögliche Emissionsquellen für Luftschadstoffe. Selbst wenn diese Anlagen selbst vollständig dicht sind, so können dennoch Schadstoffe bei Überholungen (workover), beim Abfackeln, bei der Aufbereitung und beim Transport austreten.

Eine weitere Quelle für unkontrollierte Austritte von Kohlenwasserstoffen im Erdgasfeld Hemslingen/Söhlingen könnte der Boden sein. Aus einem Bericht vom 16.09.2012 auf Facebook, verfasst von Franka Strehse, Bürgermeisterin in Visselhövede im Osten des Landkreises, geht hervor, dass dies möglich ist. Dort berichtet sie von einem Gespräch mit Prof. Dietrich Borchardt am 14.09.2012 in Bellen, wo ExxonMobil eine Entquickungsanlage des in diesem Feld stark quecksilberbelasteten Erdgases betreibt:

Auf meine Frage an den Wissenschaftler, ob eine Trinkwasserkontamination durch Leckagen oder Risse im Gestein möglich ist, bekam ich ein klares Nein zur Antwort. Als möglich hingegen wird eingeschätzt, dass Methan unkontrolliert flächig an die Oberfläche gelangen könnte. Das wäre für die Umwelt gefährlich, Methan gilt als Klimakiller. Menschen sind bei unseren geologischen Bedingungen nicht gefährdet. Aber weiter gilt: Hausbrunnen sollten regelmäßig beprobt werden, unabhängig von der Erdgasförderung.
Link (eingesehen am 02.07.2013; inzwischen nicht mehr erreichbar): https://www.facebook.com/permalink.php?id=121262327956059&story_fbid=357780330970923)

Auf Nachfrage bestritt Frau Strehse nicht, diesen Bericht verfasst zu haben.

—————–
[1] Witter R, McKenzie L, Towle M, Stinson K, Scott K, Newman L, and Adgate J
Health Impact Assessment for Battlement Mesa, Garfield County, Colorado
University of Colorado Denver, Colorado School of Public Health, Denver, Colorado, September 2010

[2] Field RA, Soltisa J and Murphy S
Air quality concerns of unconventional oil and natural gas production
Department of Atmospheric Science, University of Wyoming, Laramie, USA
Environ. Sci.: Processes Impacts, 2014,16, 954-969

Sep 122014
 

Ist die Erdgasförderung schuld an der um 100 % erhöhten Krebsrate? Die ersten Ergebnisse lassen diesen Zusammenhang zumindest vermuten, teilweise liegen die Krebsraten um 100 % höher als normal!!!

Angestoßen wurde die Studie durch die von Bürgern aus Hemslingen und Söhlingen geäußerte Vermutung, in den beiden Dörfern käme es vermehrt zu Krebserkrankungen – ausgelöst durch die Erdgasförderung vor Ort.Da die beiden Orte nicht so viele Bewohner haben, dass allein für die eine statistische Auswertung seriös angefertigt werden kann, wurde das gesamte Gebiet der Samtgemeinde Bothel untersucht.Das Ergebnis: Bei Männern wurde eine erhöhte Rate von Leukämien und Lymphomen nachgewiesen. Aufgrund von Daten einer Vergleichsregion, dem Bezirk Lüneburg, wurden 21,3 Krebsfälle dieser Art erwartet. Tatsächlich konnten 41 nachgewiesen werden. „Schon 21 Fälle sind relativ viel, die tatsächliche Zahl liegt aber doppelt so hoch“, konstatierte Joachim Kieschke vom epidemologischen Krebsregister Niedersachsen während der Vorstellung der Zahlen für die Presse im Rotenburger Kreishaus.

via Erhöhte Krebsrate in Bothel festgestellt – Untersuchungsergebnisse liegen vor / Infoveranstaltung am Montag – Zeitung im Landkreis Rotenburg – Rotenburger Rundschau.

Sep 112014
 
BBU kritisiert verzerrten Panorama-Blick auf Fracking

(Bonn, 11.09.2014 – BBU) Als Kampagne zur Unterstützung der Pro-Fracking-Lobby bewertet der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) die Sendungen der Panorama-Redaktion aus den letzten Tagen. Während die Anhänger der unbeherrschbaren Hochrisikotechnologie und ihre Positionen breit zu Wort kamen, hatten die Beiträge von Vertretern von Bürgerinitiativen eine reine Feigenblattfunktion. Statt die Argumente der Fracking-Befürworter zu hinterfragen, wie es kritischer Journalismus gebieten würde, wurden ihre Meinungsäußerungen fast durchgängig als bare Münze verkauft. Den in der Sendung „Panorama – die Reporter“ selbst formulierten Anspruch, nicht ideologisch, sondern sachlich, ehrlich und emotionsfrei zu diskutieren, konnten die Redakteure nicht einlösen.

Grundsätzlich hält sich der BBU mit Kritik an journalistischen Beiträgen zurück. Zu einer lebendigen Demokratie gehören kontroverse Ansichten. Da jedoch in diesem Fall ein tendenziöser Beitrag zur Legitimierung einer umweltzerstörenden Technik innerhalb einer Woche in immer neuer Gestalt und in ständig wachsender Länge gezeigt wurde, geht der Umweltverband von einer gezielten Kampagne aus, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Dass sich die Panorama-Redakteure nun auf ihrer Homepage über die ablehnende Reaktion der Zuschauer überrascht zeigen und sich rechtfertigen, macht den Vorgang nicht besser. Denn auch diese Rechtfertigung dient lediglich dazu, Halbwahrheiten zu wiederholen.

Diplom-Physiker Oliver Kalusch vom Geschäftsführenden Vorstand des BBU ist Mitglied der Kommission für Anlagensicherheit (KAS), die das Bundes-Umweltministerium und die Bundesregierung in sicherheitstechnischen Fragen berät. Die Verhinderung von Störfällen, die Begrenzung ihrer Auswirken und Risikomanagement sind Themen, mit denen er sich täglich auseinandersetzt. Er ist entsetzt über die Beiträge der Panorama-Redaktion und erklärt: „Aus meiner Sicht verzerren die Autoren konsequent die kontroverse Diskussion über Fracking. So werden persönliche Statements von Fracking-Befürwortern faktisch zur Wahrheit. Gerade am Beispiel der Aussagen des Gutachters Uwe Dannwolf wird dies deutlich. Ohne jeden Beleg bezeichnet er die Fracking-Technik als beherrschbar. Doch dies ist durch das UBA-Gutachten, bei dem er einer der führenden Autoren war und durch seine eigenen Darstellungen von Störfall-Eintrittswahrscheinlichkeiten in diesem Werk in keiner Weise belegt oder plausibel. Sein Sicherheitskonzept wäre in der Chemieindustrie inakzeptabel.“

Thorben Gruhl ist Ingenieur und Mitglied der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle e.V. (DGMK) sowie im Aktionsbündnis NoMoor Fracking aktiv. Er hat sich intensiv mit den Fragen der Geologie und Bohrtechnik auseinander gesetzt und ergänzt: „Wenn Panorama darauf verweist, dass seit 1961 in Niedersachsen im Sandstein gefrackt wird und damit suggeriert wird, dass der Fracking-Prozess keine Probleme bereite, führt das in die Irre. Beispiele für fehlgeschlagene Fracs und beschädigte Bohrungen sind in der Fachliteratur und den Akten des Bergamtes zu finden. Eine systematische Auswertung der Umweltauswirkungen der über 330 Fracs steht nach wie vor aus. Eine Unbedenklichkeit lässt sich auf dieser Grundlage nicht belegen.“

Befremdet ist der BBU auch darüber, dass umfangreiche Stellungnahmen der Bürgerinitiativen keine Erwähnung im Panorama-Beitrag gefunden haben. So hatte der Umweltverband eine über fünfzig Seiten umfassende Stellungnahme verfasst, die sich detailliert mit den methodischen und naturwissenschaftlichen Defiziten des zweiten UBA-Gutachtens auseinandersetzt und im Internet heruntergeladen werden kann.

Für den BBU ist die Nichtbeachtung der Stellungnahme kein Versehen. So hatte ein Redakteur der Panorama-Redaktion bereits Wochen vor dem Sendetermin ein ca. einstündiges Telefongespräch mit dem BBU-Fracking-Experten Oliver Kalusch geführt, dessen Gegenstand auch die naturwissenschaftlich-technischen Bedenken gegen Fracking waren. Davon wurde anscheinend nichts in den Fernsehreportagen berücksichtigt. Wird die detaillierte naturwissenschaftlich-technische Analyse der Bürgerinitiativen aber systematisch ausgeblendet, fällt es leicht, in einem Fernsehbeitrag die Kritik an Fracking als rein emotional und unsubstantiiert darzustellen.

Angesichts der Darstellungen der Panorama-Redaktion fühlt sich der BBU auch an die Zeiten der Propaganda für Atomkraftwerke erinnert. Bereits damals war es üblich, von den guten Atomkraftwerken in Deutschland und den schlechten Atomkraftwerken im Ausland zu sprechen, um atomare Unfälle und Risiken herunterzuspielen. Entsprechendes geschieht nun in der Fracking-Debatte, obwohl es keinen Beleg für relevante Unterschiede zwischen den Staaten gibt. Ein systematischer Vergleich US-amerikanischer und deutscher Standards steht bis heute aus.

Und auch der demonstrative Genuss einer Frac-Flüssigkeit mit nach dem Chemikalienrecht als reizend und gesundheitsschädlich eingestuften Inhaltsstoffen durch Exxon-Mitarbeiter in den Panorama-Beiträgen erinnert an die Zeit kurz nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986. Bayerns Umweltminister Dick kostete mit feuchter Fingerspitze radioaktiv belastetes Molkepulver, um dessen Ungefährlichkeit zu demonstrieren. Der BBU ist entsetzt darüber, dass solche Praktiken zur Herstellung einer gewünschten öffentlichen Meinung nun wieder angewandt werden.

Und auch die Angst vor Russland – früher war es die UdSSR – gehört zum emotionalen Repertoire. Angeblich würde Fracking uns von ausländischen Gasimporten unabhängiger machen. Festzuhalten ist, dass eine deutsche Schiefergasförderung nur 2 – 3 %, des Energieverbrauchs nach jahrelangem Aufbau decken könnte. Mit dem forcierten Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien wäre dies schneller und umweltfreundlicher zu erreichen.

Der BBU fordert die Panorama-Redaktion auf, ihr bisheriges Vorgehen und Argumentationsmuster zu überdenken. Auch wenn ihre Redakteure immer noch auf dünnster Argumentationslage verlauten lassen, „generell ist zu sagen, dass die Technologie … beherrschbar ist“, ist die Rückkehr zu einem seriösen Journalismus jederzeit möglich.

Für den BBU steht gerade aufgrund der technisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnisse fest, dass die Gefahren des Fracking unbeherrschbar sind. Er wird weiterhin ein ausnahmsloses Fracking-Verbot fordern.

 Veröffentlicht von am 11. September 2014