Okt 292014
 

FDP-FDP kritisiert Herberner Bürgerinitiative

FDP-Meinung: Man darf nicht gegen Fracking  protestieren, wenn man gleichzeitig eine Gasheizung betreibt.
Dann darf man auch nicht gegen Atomkraft demonstrieren, wenn man Strom aus der Steckdose bezieht!!!  So einfach geht es nicht!!! Man kann statt Fracking auch in Power zu Gas investieren und Windkraft so zu Biogas umwandeln. Dann heizt man mit Gas und braucht kein FRACKING!!!

 

Wie falsch die Genossen mit dieser Einschätzung lagen, zeigte sich beim Redebeitrag von Jochen Wismann, der für seine FDP ohne jede Ironie erklärte: “Die Bürgerinitiative protestiert gegen Gasbohren, obwohl die meisten wahrscheinlich zuhause eine Gasheizung betreiben.” Für ihn sei das schlichtweg “Heuchelei”. Die FDP werde “natürlich” Anträge auf Gasbohrungen prüfen. “Aber wir können doch nicht von vornherein eine Fördermethode einfach ablehnen.

via Streit um Gasbohrungen: Fracking: FDP kritisiert Herberner Bürgerinitiative – Ruhr Nachrichten.

Okt 292014
 

Bundeskabinett Merkel III

Im ersten Schritt entscheidet das Bundeskabinett über die “Fracking-Gesetze” (Foto: Tobias Koch, Wikipedia


Die Bundesregierung geht davon aus, dass die angekündigten Regelungen zum Fracking noch in diesem Jahr vom Kabinett beschlossen und in der ersten Hälfte des nächsten Jahres vom Gesetz- bzw. Verordnungsgeber verabschiedet werden.

Das ist die Antwort auf die erste von insgesamt 31 Fragen zur geplanten Regulierung von Fracking, die die Grüne Bundestagsfraktion am 8. Oktober per Kleiner Anfrage gestellt hatten. Die Bundesregierung erwartet offenbar mit großem Optimismus, dass Bundestag und Bundesrat den von Wirtschaftsminister Gabriel vorangetriebenen Gesetzesänderungen zustimmen werden und damit über drei Jahren Hickhack ums Fracking ein Ende setzen.

Dass dies aber mehr als fraglich sein könnte, darauf deuten sowohl die jüngere Geschichte als auch der aktuelle Streit in der Regierungskoalition hin. Dieser Streit reflektiert sicher auch das Tauziehen zwischen den globalen Ölkonzernen, deren Lobbyisten die Regierenden belagern, und der Bevölkerung des restdemokratischen Deutschland, die diese gefährliche Bergbautechnik überwiegend ablehnt. Weil die Risiken des Fracking nicht ausreichend beherrschbar sind, weil Fracking eigentlich nicht mit bestehenden Gesetzen vereinbar ist und auch, weil gefracktes Erdgas nur den winzigen Beitrag von etwa 0,6 Prozent zur Deckung des Energiebedarfs beisteuern könnte. Frack-Gas würde Deutschland weder von Importen unabhängig machen noch würde es den Gaspreis senken noch würde es nennenswert Arbeitsplätze schaffen. Selbst das jüngst veröffentlichte Umfrage-Ergebnis des forsa-Instituts im Auftrag der Ölkonzerne weist lediglich eine Minderheit von 30 Prozent vor, die dem Fracking ohne Weiteres zustimmen würde.

Eingebaute Öffnungsklausel

Kern der geplanten “Fracking-Gesetze” sind ein allgemeines Verbot von Fracking in Schiefergestein und Kohleflözen oberhalb von 3000 Metern zu wirtschaftlichen Zwecken (zu Forschungszwecken soll es auch darüber gestattet werden) sowie, im Umkehrschluss, das Erlauben des in der Praxis nicht minder gefährlichen Fracking in Sandstein auch oberhalb von 3000 Metern. Übrige “verschärfte Bedingungen” bestehen hauptsächlich in Klarstellungen dessen, was die Umweltgesetze (Wasserrecht, Naturschutzrecht etc.) ohnehin heute schon vorschreiben, bzw. im Aufweichen von umweltrechtlichen Vorschriften.

Aus dem Frage-Antworten-Katalog geht nun deutlich hervor, dass “das Verbot des Fracking in Schiefergestein und Kohleflözgestein nur für die Erdgasförderung gelten” soll:

Frage Nr. 24: Welche Vorschriften, die für den Einsatz von Fracking zur Erdgasförderung gelten sollen, werden für den Einsatz bei der Erdölförderung nicht gelten (…), und warum?

Antwort der Bundesregierung
: Nach den Eckpunkten soll das Verbot des Fracking in Schiefergestein und Kohleflözgestein nur für die Erdgasförderung gelten. Die übrigen verschärften Anforderungen sollen auch für die Erdölförderung gelten.

Erdölförderung lässt meist auch Erdgas erwarten, hier am Beispiel der Barth-Struktur, Vorpommern

Erdölförderung lässt meist auch Erdgas erwarten, hier am Beispiel der Barth-Struktur, Vorpommern

Entstehungsgeschichtlich bedingt kommt Erdgas meist dort vor, wo auch Erdöl vorkommt. Für die Unternehmen wird es mit solchen Gesetzen ein Leichtes sein, auf dem Umweg über die Erdölförderung an die meisten Lagerstätten des begehrten Erdgases heranzukommen.

Laut dem Jahresbericht 2013 des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie sind 112.400 km², also fast ein Drittel der Fläche der Bundesrepublik Deutschland inzwischen mit bergrechtlichen Erlaubnissen zur Aufsuchung von Erdöl/Erdgas überzogen. Dazu meint Dr. Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen:

Die geplanten Regelungen sind besonders bedenklich, wenn man sich die Vielzahl der Lizenzen zur Erkundung von Gas- und Ölfeldern anschaut, die in Deutschland bereits vergeben wurden. Es droht ein breiter Rückschlag für den Klima- und Umweltschutz, wenn Fracking zur Erschließung von bisher unzugänglichen Erdgasvorkommen in weiten Teilen Deutschland erlaubt würde. Mit der Erlaubnis für Fracking würde die Bundesregierung ihr Bekenntnis zum Klimaschutz weiter durchlöchern und die ausgerufene Energiewende konterkarieren.

Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel, Mitglied der Fraktion Die Linke., hat indes angekündigt, dass seine Fraktion noch in diesem Jahr einen Antrag auf ein bundesgesetzlich verankertes Fracking-Verbot für Erdöl/Erdgas stellen wird. Zdebel fordert darüber hinaus, die bekannt gewordenen Gefahren und Schadensfälle auch der konventionellen Förderung ohne Fracking zu analysieren und zu bewerten.

Okt 272014
 

20141022_Hughes_Drilling-Deeper_frontDas Post Carbon Institute hatte eine neue Analyse bei dem Geowissenschaftler J. David Hughes in Auftrag gegeben und diese jetzt veröffentlicht – “Drilling Deeper”. Seine Analyse stellt die Prognosen über gewinnbares unkonventionelles Erdöl und Erdgas in Frage, die von Fracking-Befürwortern als Wahrheit proklamiert werden. In dem mit 315 Seiten sehr umfangreichen Bericht stellt Hughes die Ergebnisse seiner detaillierten Berechnungen vor. Diese zeigen: Die bisherigen Prognosen der US-Energiebehörde sind, trotz der unlängst erfolgten, massiven Korrektur nach unten, immer noch viel zu optimistisch – sowohl, was die gewinnbaren Mengen an Öl und Gas angeht, als auch, was die Frage angeht, die lange diese Vorräte noch hinreichen. Das Post Carbon Institute schlussfolgert: Die Zukunft des Fracking ist nicht annähernd so strahlend, wie die Vortänzer aus der Industrie uns das glauben machen wollen.

Zusammenfassung des Inhalts:
„Drilling Deeper“ analysiert die zwölf Verbünde (plays) von Schieferlagerstätten, deren Produktion 82 % des tight-Öls und 88 % des tight-Gases in der Prognose des U.S. Department of Energy’s Energy Information Administration (EIA) ausmachen. Dieser Analyse liegen sämtliche verfügbaren Produktionsdaten aus den untersuchten plays zu Grunde; historische Produktionsdaten, Rückgänge der Produktionsraten von Bohrungen und Feldern, verfügbare Bohrlokationen und Qualitätstrends für jedes einzelne play sowie für Bezirke in den plays.

Anschließend werden, auf der Grundlage von der vorausgesagten Anzahl neuer Bohrungen (und, implizit, Investitionen von Kapital), zukünftige Produktionsraten projeziert. Es stellt sich heraus, dass die Produktion von tight-Öl (Schieferöl) und Schiefergas mittel- und langfristig nicht nachhaltig in der Höhe aufrecht erhalten werden, wie sie die EIA überoptimistisch prognostiziert.

Diese Analyse zeigt, dass die tight-Öl-Produktion aus den großen plays vor 2020 ihren Höhepunkt erreicht haben wird. Wenn keine neuen plays in der Größenordnung wie Bakken oder Eagle Ford dazu kommen, wird die Produktion bis 2040 weit hinter der Prognose der EIA zurückbleiben. Die tight-Öl-Produktion der beiden großen playsBakken und Eagle Ford – wird von 2013 bis 2040 um 28 % hinter der Menge zurückbleiben, die die EIA prognostiziert. Bis 2040 werden die Produktionsraten von Bakken und Eagle Ford weniger als ein Zehntel dessen betragen, was die EIA als Erwartung definiert. Die tight-Öl-Prognosen für andere plays sind hochgradig optimistisch und es ist unwahrscheinlich, dass diese Prognosen mittel- und langfristig erreicht werden.

Auch die Schiefergas-Produktion aus den sieben besten plays wird sehr wahrscheinlich bereits vor 2020 ihren Höhepunkt überschreiten. Wenn keine neuen plays von der Größe des Marcellus-Feldes hinzukommen, dann wird die Produktion weit unter dem liegen, was die EIA bis 2040 voraussagt. Die Schiefergas-Produktion der sieben Top-plays dürfte die EIA-Prognose von 2014 bis 2040 um 39 % verfehlen. Ebenso dürfte mehr von der erwarteten Produktion im Vorfeld verteilt werden, als es die EIA voraussieht. Bis 2040 wird die Produktion dieser plays etwa ein Drittel unter der EIA-Prognose liegen. Die Produktion aus anderen als den sieben besten Schiefergas-plays müsste gegenüber der EIA-Schätzung vervierfacht werden, damit die Gesamtschätzung der EIA zutrifft.

Kurzfristig wird sowohl die Schiefergas- als auch die tight-Öl-Produktion in den USA als robust angesehen. Die gründliche Analyse der verfügbaren Daten zeigt allerdings auch, dass dieser Zustand nicht sehr lange anhalten wird. Diese Ergebnisse tragen eine klare Botschaft hinsichtlich der mittel- und langfristigen Versorgung in sich und wirken damit auf nationale wie auf globale energiepolitische Diskussionen ein, in denen bislang allgemein davon ausgegangen wird, dass Öl und Gas aus den USA noch für mehrere Jahrzehnte im Überfluss verfügbar seien.

Okt 252014
 
Übergabe von 90000 Unterschriften gegen Fracking bei der UMK in Heidelberg

Übergabe von 90000 Unterschriften gegen Fracking bei der UMK in Heidelberg (v.l.n.r.): Jochen Flasbarth (Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt), Franz Untersteller (Umweltminister Baden-Württemberg), Stefan Henrichs (BIgG), Carsten Grawunder (Bürgermeister Drensteinfurt), Raphaela Blümer (BIgG), Johannes Remmel (Umweltminister NRW) und Jürgen Blümer (BIGG)

Bürgermeister und Bürgerinitiative übergaben Unterschriften gegen unkonventionelle Gasförderung auf Umweltministerkonferenz

Minister Remmel sieht Klärungsbedarf bei Bohrung in Ascheberg

Am vergangenen Donnerstag (23.10.2014) übergaben Vertreter der Stadt Drensteinfurt
und der Bürgerinitiative gegen Gasbohren BigG Drensteinfurt In Heidelberg rund 90 Tausend Unterschriften gegen die unkonventionelle Gasförderung an die Umweltministerkonferenz. Die Unterschriften wurden von den Ministern Johannes Remmel, Nordrhein-Westfalen, und Franz Untersteller, Baden-Württemberg, sowie dem Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth entgegengenommen.

Drensteinfurts Bürgermeister Carsten Grawunder, seine Stadträtin Raphaela Blümer, der Vorsitzende der BigG Drensteinfurt Stefan Henrichs und der Mitautor der Korbacher Resolution und Initiator dieser Unterschriftensammlung, Jürgen Blümer vertraten die deutschen und auch internationale Frackinggegner. Stadträtin und Bürgermeister vertraten mit Drensteinfurt eine Stadt, die sich bereits sehr früh gegen Fracking ausgesprochen und die Korbacher Resolution als eine der ersten Kommunen in Deutschland unterzeichnet hat. Inzwischen unterstützen bereits mindestens 35 Kommunen und Landkreise die Korbacher Resolution.

Mit der Übergabe der Unterschriften fordern die Stadt Drensteinfurt und die BigG Drensteinfurt im Namen aller UnterzeichnerInnen von den Umweltministern der Länder, mit dem Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger Ernst zu machen und eine die genannte Brückentechnologie Fracking zu stoppen. Keinesfalls soll der Bundesrat als Vertreter der Länder den Gesetzesplänen der Bundesregierung zustimmen, in denen Fracking unter bestimmten Umständen ermöglicht werden soll.

Der Umweltminister von Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel, wurde insbesondere auf die Situation in Ascheberg angesprochen. Dort im südlichen Münsterland will HammGas 2015 mit Probebohrungen in unkonventionellen Lagerstätten, nämlich Kohleflözen beginnen. Bürgermeister Carsten Grawunder stellte nachdrücklich klar, dass er diese Methode der unkonventionellen Gasförderung ablehnt. Remmel machte deutlich, dass er auch weiter zu dem Moratorium in seinem Bundesland stehe, welches die Aufsuchung und Förderung von unkonventionellem Erdgas untersagt. Der Minister betonte, dass es hier keine Begriffsaufweichung geben dürfe.

Zu der Situation in Ascheberg soll ein weiteres Gespräch mit Bürgerinitiative und Bürgermeister folgen.

Remmel, Untersteller und Flasbarth stimmten darin überein, dass sie sich insbesondere für eine rasche Umsetzung der Energiewende einsetzen werden. Darin sahen die Politiker den sichersten Weg, den Abbau fossiler Energieträger zu unterbinden.

“Die Übergabe der Unterschriften zu diesem Zeitpunkt war genau richtig”, so das Resümee von Jürgen Blümer. “Wir haben damit deutlich gemacht, dass weder die PolitikerInnen vor Ort noch die Menschen im Münsterland bereit sind, der Zerstörung ihrer Heimat tatenlos zuzusehen.” Der Umweltschützer sieht in der Ankündigung von HammGas, in wenigen Monaten mit den Bohrungen anzufangen, einen späten aber lauten Weckruf: “Es ist zwar Fünf vor Zwölf, aber noch können wir den Irrsinn der Gasförderung stoppen!” Blümer fordert noch einmal alle Kommunen des Münsterlandes auf, die Korbacher Resolution zu unterzeichnen, um die gemeinsame Ablehnung deutlich zu machen. “Nur wenn wir jetzt an einem Strang ziehen, werden wir in Berlin und Düsseldorf auch gehört”, so Blümer.

Die 90.000 Unterschriften waren seit Mai 2013 von zahlreichen Bürgerinitiativen in ganz Deutschland zur Unterstützung der Korbacher Resolution gesammelt worden. Zusätzlich war die Aktion auf dem Internet-Portal ‘openPetition’ erreichbar, wo die Unterschriften auch online abgegeben werden konnten. Die Korbacher Resolution wurde im Mai 2013 beschlossen und wird heute von über 260 Vereinen, Initiativen, Gruppen, Unternehmern, Parteien und Kommunen unterstützt. In der Resolution wird u.a. ein vollständiges Fracking-Verbot, eine Novellierung des Bergrechts und eine konsequente Umsetzung der Energiewende gefordert.

Die Beschlüsse gegen Fracking und für die Korbacher Resolution hat der Drensteinfurter Stadtrat stets einstimmig verabschiedet. Die BigG Drensteinfurt ist Erstunterzeichner der Korbacher Resolution und engagiert sich seit über zwei Jahren aktiv auf allen Ebenen gegen Fracking. Zuletzt unterstützte die Bürgerinitiative die Stadt Drensteinfurt bei der Abfassung eines Einspruchs zur Verlängerung der Aufsuchungserlaubnis für unkonventionelles Erdgas im Feld Nordrhein-Westfalen Nord.

Am 4. und 5. Mai 2013 haben sich in Korbach anti-Fracking-Initiativen aus ganz Deutschland zur stärkeren Vernetzung und zum Erfahrungsaustausch getroffen und die Korbacher Resolution beschlossen:

Korbacher Resolution

Folgende Forderungen richten wir an Bund, Länder und die Europäische Union:

  • Ein sofortiges ausnahmsloses Verbot sämtlicher Formen von Fracking bei der Erforschung, Aufsuchung und Gewinnung fossiler Energieträger. Dies ist unabhängig davon, ob die Rissbildung mit oder ohne den Einsatz giftiger Chemikalien, hydraulisch oder andersartig erzeugt wird.
  • Ein generelles Import- und Handelsverbot von „gefrackten“ fossilen Energieträgern.
  • Ein generelles Verbot der Verpressung des Rückflusses oder der untertägigen Ablagerung von Fluiden und Lagerstättenwässer.
  • Eine Novellierung des Bergrechts. Die höchsten Umweltstandards und Beteiligungsrechte der Öffentlichkeit haben im Fokus der Novellierung zu stehen.
  • Ein konsequentes Umsetzen der politisch beschlossenen Energiewende, d.h. Abkehr von fossilen Brennstoffen, Ausbau der erneuerbaren Energien und Steigerung der Energieeffizienz.

Korbach, 5. Mai 2013

 Veröffentlicht von am 25. Oktober 2014
Okt 232014
 

Am Donnerstag, 30. Oktober, 18 Uhr laden Herbert Behrens und Hubertus Zdebel (MdB, DIE LINKE) zum Thema „Fracking stoppen! Wege des Widerstandes“ ins Foyer der Lüneburger Volkshochschule (Haagestraße 4) ein. Referent ist Oliver Kalusch vom Bundesverband der Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).

Behrens und Zdebel waren im Sommer in den Landkreisen Rotenburg und Verden unterwegs, um sich ein Bild von den Aktivitäten der Gasindustrie zu machen. „Bereits ohne den Einsatz von Fracking gibt es zahlreiche Probleme im Bereich der Gasförderung“, sagt Herbert Behrens. „Immer wieder kommt es zu Unfällen, bei denen toxisches Lagerstättenwasser austritt. Auch durch das Abfackeln von Gas und erhöhte seismische Aktivitäten sind die Menschen enormen Belastungen ausgesetzt. Aktuell beschäftigt uns in Rotenburg die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der Gasförderung und der erhöhten Zahl von Leukämiefällen gibt.“

Zdebel warnt vor einer Irreführung der Bevölkerung durch die Bundesregierung: „Umweltministerin Hendricks und Wirtschaftsminister Gabriel behaupten, dass sie in ihrem geplanten Gesetzesentwurf Fracking verbieten. In Wahrheit wollen sie nur die Förderung von Schiefergas vorläufig verbieten, Fracking in Sandsteinformationen soll erlaubt bleiben.“ Das sogenannte Tight-Gas soll entgegen der sprachlichen Regelung in allen bisherigen Gutachten plötzlich in den Bereich der konventionellen Gasförderung fallen und erlaubt bleiben. „Wir lassen uns auf dieses Verwirrspiel nicht ein und fordern ein Frackingverbot in sämtlichen geologischen Formationen. Wir brauchen außerdem schärfere Auflagen für die konventionelle Gasförderung, vor allem bei der Entsorgung des Lagerstättenwassers. Ein entsprechender Antrag von uns kommt noch in diesem Jahr auf den Tisch“, kündigt Zdebel an.

 Veröffentlicht von am 23. Oktober 2014
Okt 232014
 

Oldendorf_LuheAm vergangenen Dienstag hatte das gemeinnützige Netzwerk für Umweltkranke Genuk e.V. die Bürgerinitiative „Kein Fracking in der Heide“ aus dem benachbarten Landkreis Harburg eingeladen, um über das Thema Fracking und die Situation rund um Amelinghausen und die Totenstatt Oldendorf zu informieren. Die Veranstalterin Kathrin Otte und die Referenten waren überwältigt: die Lopautalhalle war mit deutlich über hundert neugierigen und interessierten Zuhörern bestens gefüllt.

Die Samtgemeinde Amelinghausen in Person des Bürgermeisterverteters, Herrn Göbel, wünschte der Versammlung einen guten Verlauf. Der Samtgemeinderat hatte sich schon 2012 gegen Fracking auf dem Gemeindegebiet ausgesprochen. Die Politiker und die Verwaltung sind entschlossen, den weiteren Verlauf aufmerksam zu beobachten.

Im Anschluss führte Rüdiger Schmidt von „Kein Fracking in der Heide“ in die Thematik ein. Entwicklungen in den USA, der Stand in Niedersachsen und im Aufsuchungsfeld Oldendorf wurden skizziert. Renate Maass zeigte dann anhand einiger Querschnitte durch die Bodenformationen rund um Amelinghausen, wie die geologische Situation hier durch Salz-Diapire bis kurz unter der Erdoberfläche gekennzeichnet ist. Salz steigt auf, oft wie ein riesiger Pilz, über tausende von Metern. Diese Salzdome zeichnen sich durch Instabilität aus, die geologische Lage in der Heide ist nicht sehr zuverlässig. Die Altstadt des nahe gelegenen Lüneburg legt beredtes Zeugnis darüber ab.

Die Hinweise auf die öffentlichkeitsscheue und bisher durch Tricksereien unangenehm aufgefallene Unternehmen Kimmeridge waren keinesfalls geeignet, die anwesenden Bürger zu beruhigen. Auch wenn die BIs in den letzten zwei Jahren einige Erfolge errungen haben, bleibt Sorge die vorherrschende Stimmungslage. Denn die Pläne der niedersächsischen Landesregierung, durch bessere Sicherung der Wasserschutzgebiete und verschärfte Umweltverträglichkeitsprüfungen Schäden möglichst zu verhindern, gehen sicher nicht weit genug. Das Problem der Entsorgung giftigen Lagerstättenwassers ist mehr denn je in der Schwebe. Die Umkehr der Beweispflicht bei Bergschäden durch Erdbewegung und –beben (die in verschiedenen Gegenden Niedersachsens bereits wiederholt aufgetreten sind) ist bisher politisch nur in der Planung, aber immerhin hat ein Schlichtungsausschuss mit Vertretern von Behörden, Wirtschaft und Bürgerinitiativen mittlerweile seine Arbeit aufgenommen. Die Risiken der Wasserverschmutzung durch Risse und Wegsamkeiten entlang der Bohrgestänge und in alten, mittlerweile undichten Bohrungen kommen erst langsam in den Blick.

All das geschah bisher in der Hoffnung, Schlimmeres vielleicht doch noch verhüten zu können. In den letzten Monaten hat sich die Lagebeurteilung aber in den Gebieten Niedersachsens, in denen seit Jahrzehnten Öl und Gas gefördert werden, dramatisch verändert. Es wird immer deutlicher: An allen Ecken und Enden tauchen Altlasten auf. Es zeigen sich Schäden an Natur: Naturschützer und BIs wiesen Quecksilber-Kontaminationen um Bohrplätze nach, die die Betreiber und das Landesbergamt immer übersehen hatten. Alte Bohrlöcher sind unzureichend gesichert, und es liegen ölhaltige Schlämme direkt unter der Oberfläche von Äckern und Wäldern. Viel schlimmer noch sind die eingetretenen Schäden an der Gesundheit von Menschen. Im Umfeld von Förder- und Versenkanlagen im Kreis Rotenburg sind Verdoppelungen der Raten bei bestimmten Krebserkrankungen nachgewiesen. Die Zahlen sind statistisch so eindeutig, dass niemand sagt, das könne Zufall sein. Genuk e.V. sowie die BIs vor Ort in Wittorf, Hemslingen/Söhlingen und umzu haben bewiesen: der Schadensfall ist längst eingetreten. Und all das geschah seit Jahrzehnten ohne das noch riskantere Fracking, einfach im Alltag der konventionellen Öl- und Gasförderung. Es muss daher ein Moratorium der Förderung von Gas und Öl erlassen werden, bis die Gesundheitsgefährdung genauer erkundet worden sind und Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen greifen. Das dürfte einige Jahre dauern. Bis dahin gilt: Kein Gasbohren, auch nicht in Amelinghausen und der Heide! Dieser Zielsetzung stimmten die Anwesenden in einer Resolution zu. Eine Gruppe von Bürgern wird sich weiter treffen, um an dem Thema in ihrer Heimatgemeinde weiter zu arbeiten.

Amelinghausen ist ein beliebter Erholungsort mitten in der Lüneburger Heide, die nördlich von Amelinghausen gelegene Oldendorfer Totenstatt ein bedeutendes Kulturdenkmal. Stadt und Statt liegen jedoch auch mitten im Aufsuchungsfeld Oldendorf, wo das amerikanische Unternehmen Kimmeridge mit ihrer deutschen Tochter nach Öl sucht. Und wenige Kilometer weiter hat der Weltmarktführer Exxon schon mit seismischen Untersuchungen begonnen – im heutigen Aufsuchungsfeld von Kimmeridge. Welche Pläne zur Zusammenarbeit mag es da schon geben?

 Veröffentlicht von am 23. Oktober 2014