Apr 142014
 

Letzten Samstag an der Esso-Tankstelle in Lüneburg: Hier sollten Sie nicht tanken!

Letzten Samstag an der Esso-Tankstelle in Lüneburg: Hier sollten Sie nicht tanken!

Eine Aktion vor der Lüneburger Esso-Tankstelle am vergangenen Samstag sorgt für diese Schlagzeile: Esso — hier sollten Sie nicht tanken! Mit Transparenten, Flyern und einem Infotisch machten Aktivisten der Anti-Fracking-BIs aus Lüneburg und Uelzen Autofahrer und Passanten darauf aufmerksam. Warum nicht? „Esso ist eine 100%-ige Tochter von ExxonMobil“, antwortet dazu Bernd Ebeling von der BI Uelzen. „Exxon verfolgt besonders hartnäckig die Zulassung der hochgefährlichen, umstrittenen Fracking-Technik! Außerdem hat Exxon bislang in Deutschland die meisten Fracs durchgeführt.“
 
Gerade angesichts der erneuten Diskussion um die russischen Gaslieferungen ist es wichtig, die Energiewende und damit die Abkehr von fossilen Brennstoffen mit allen Kräften voran zu treiben. „Das Auspressen der allerletzten Gasreserven mittels Verfahren, die schon im sogenannten „konventionellen“ Betrieb in großen Mengen hochproblematisches Abwasser erzeugt, verfestigt nur den falschen Weg.“ sagt Petra Kruse-Runge von der Gruppe „Wir gegen fracking“ vom BUND in Lüneburg. „Wir brauchen die Energiewende von unten, aus Bürgerhand, denn wir sehen an ExxonMobil deutlich, dass bei den Konzernen nur der Gewinn eine Rolle spielt.“
 
Um die Erkundungsfelder in den Landkreisen Lüneburg und Uelzen hat es schon mehrfach Diskussionen gegeben, nachdem trotz der Ablehnung in den Kreistagen die Landesbergbaubehörde (LBEG) amerikanischen und kanadischen Großkonzernen die Aufsuchungserlaubnis gegeben hatte. Die Bürgerinitiativen sehen klare Verfahrensfehler und fordern die Rücknahme der Erlaubnis und ein sofortiges Verbot der Fracking-Technik!

 Veröffentlicht von am 14. April 2014
Apr 142014
 

Auch nach Wikipedia gehört Tightgas (noch) zu den unkonventionellen Gasen. Politiker der Grünen in Niedersachsen wollen das jetzt ändern und Tightgas zu Erdgas aus konventionellen Lagerstätten erklären. Das ist Wahlbetrug und nicht mehr hinzunehmen. Als Grünen Oppositionsführer sagte er am 16.01.2013 noch Folgendes:

Was Exxon hier und anderswo vorhat, ist unverantwortlich. Das Verfahren ist in hohem Maße umweltgefährdend und wird von den Grünen klar abgelehnt“, sagte Wenzel. Die Grünen wollen die finanzielle Unterstützung des Landes für Fracking stoppen und das undemokratische Bergrecht ins Umweltrecht integrieren. „Die Bürgerinitiativen haben unsere volle Unterstützung, machen Sie weiter Druck auf uns Politiker.”

Keine 15 Monate später ist er total umgefallen und will das in Niedersachsen wieder gefrackt wird. Das ist für uns Bürgerinitiativen untragbar. Wenn man dann noch überlegt, wie wenige Stimmen bei der Landtagswahl entscheidend waren und  den Regierungswechsel zu Rot Grün ermöglicht haben. So ist es nicht verwunderlich, wenn wir BI von Wahlbetrug sprechen.

 „Die Grünen wurden gewählt, weil sie sich gegen das Fracken, für sauberes Trinkwasser und eine intakte Umwelt ausgesprochen haben. Von diesen Zielen haben sie sich mittlerweile weit entfernt. Als Feigenblatt stehen die Bürgerinitiativen den frackfreudigen Grünen nicht zur Verfügung. Wer einen solchen Wahlbetrug begeht und sich klar und eindeutig gegen die ursprünglichen grünen Ziele ausspricht, ist nicht wieder wählbar.“

 

via BI spricht von Wahlbetrug – Jochen Richert äußert sich zu Twesten-Stellungnahme – Zeitung im Landkreis Rotenburg – Rotenburger Rundschau.

Apr 132014
 

Links: Victoria Nuland bringt den Ukrainern Goodies aus dem Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Rechts: Schon abgesteckte bzw. angestrebte Claims bekannter Öl-/Gaskonzerne in der Ukraine. (Screenshots aus MONITOR v. 13.03.2014)Vom Klimawandel bis zur Krim-Krise: Die Erdgasindustrie ist perfekt darin, Krisen für den eigenen Profit auszunutzen – was ich die Schock-Strategie (shock doctrine) nenne.
Ein Beitrag von Naomi Klein in The Guardian, 10. April 2014

Der Weg, um Vladimir Putin zu schlagen, ist, den europäischen Markt mit gefracktem Erdgas aus den USA zu überfluten. So ungefähr will es uns die Industrie weismachen. Im Rahmen der eskalierenden antirussischen Hysterie sind zwei Gesetzentwürfe im US-Kongress vorgelegt worden – einer im Parlament (H.R. 6), einer im Senat (S. 2083) –, die beide darauf ausgerichtet sind, den Export von flüssigem Erdgas (LNG) im Schnellverfahren zuzulassen. Alles im Namen der Hilfe für Europa, sich aus der Abhängigkeit von Putins fossilen Brennstoffen zu befreien, und um die nationale Sicherheit der USA zu verbessern.

Cory Gardner, der republikanische Kongressabgeordnete, der den Gesetzentwurf ins Parlament einbrachte, ist überzeugt: Gegen seinen Entwurf zu opponieren wäre wie das Telefon auflegen, wenn ein Notruf von Freunden oder Verbündeten käme. Das kann sogar stimmen – solange diese Freunde und Verbündeten bei Chevron und Shell arbeiten und der Notfall darin besteht, die Profite hoch zu halten, während die Vorräte von konventionellem Öl und Gas zur Neige gehen.

Damit dieses abgekartete Spiel funktioniert, darf man die Details nicht zu intensiv betrachten. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass viel von dem Gas gar nicht den Weg nach Europa findet – weil das Gesetz erlaubt, dass das Gas auf dem Weltmarkt verkauft wird, an jedes beliebige Land, das der Welthandelsorganisation WTO angehört.

Oder die Tatsache, dass die Industrie uns seit Jahren verkündet, die Amerikaner müssten die Risiken des Fracking für ihr Land, das Wasser und die Luft akzeptieren, um ihrem Land zu helfen, die „Energieunabhängigkeit“ zu erreichen. Und jetzt wurde das Ziel, plötzlich und heimlich, auf „Energiesicherheit“ umgemünzt, was offensichtlich bedeutet, eine zeitweilige Schwemme von gefracktem Gas auf dem Weltmarkt zu verkaufen und dort Energieabhängigkeiten zu schaffen.

Und vor allem ist es wichtig, dass niemand bemerkt, dass die Infrastruktur, die für den Export in diesem Ausmaß erforderlich ist, viele Jahre für Zulassungen und Aufbau benötigen würde – ein einziges LNG-Terminal kann 7 Milliarden US-Dollar kosten, ist abhängig von einem riesigen Netz von Pipelines und Kompressorstationen und braucht sein eigenes Kraftwerk, nur um die Energie zu produzieren, die für die Verflüssigung des Erdgases durch Unterkühlung nötig ist. Bis diese gigantischen Industrieprojekte zum Laufen kommen, sind Deutschland und Russland längst beste Freunde geworden. Aber bis dahin wird kaum noch jemand erinnern, dass es die Krim-Krise war, derer sich die Gasindustrie als Ausrede bedient hat, um ihre lange gehegten Exportträume endlich wahrzumachen, egal, welche Konsequenzen es für die Gemeinden hat, wenn sie gefrackt werden, oder ob der Planet gekocht wird.

Ich nenne diesen Dreh, die Krise für den eigenen Gewinn auszubeuten, die Schock-Strategie (shock doctrine), und sie zeigt keine Anzeichen der Schwäche. Wir wissen alle, wie die Schock-Strategie funktioniert: In Krisenzeiten, egal, ob real oder konstruiert, sind unsere Eliten in der Lage, unter dem Deckmantel der Notsituation unpopuläre Maßnahmen durchzuziehen, die für die Mehrheit Verschlechterungen bringen. Natürlich gibt es Widerstand – von Klimawissenschaftlern, die vor dem starken Klimaerwärmungspotential von Methan warnen, oder von lokalen Gemeinschaften, die diese Hochrisiko-Exportterminals an ihren geliebten Küsten nicht haben wollen. Aber wer hat Zeit zum Diskutieren? Es ist ein Notfall! Ein Notruf, der da klingelt! Erstmal die Gesetze erlassen, über sie nachdenken kann man später.

Viele Industrien sind gut in solchen Machenschaften, aber keiner ist geschickter, die die Rationalität gefangennehmenden Eigenschaften der Krise für sich zu nutzen als der globale Erdgassektor.
In den letzten vier Jahren hat die Gaslobby die Wirtschaftskrise in Europa dazu genutzt, Ländern wie Griechenland weiszumachen, dass der Weg aus Schulden und Verzweiflung darin besteht, ihr wunderschönes und empfindliches Meer fürs Öl- und Gasbohren zu öffnen. Ähnliche Argumente hat diese Lobby dafür benutzt, um Fracking quer durch Nordamerika und England salonfähig zu machen.

Jetzt ist der Ukraine-Konflikt die Krise des Tages. Sie wird als Rammbock benutzt, um die vernünftigen Regulierungen des Gasexports niederzuschlagen und ein umstrittenes Freihandelsabkommen mit Europa durchzudrücken. Und was für ein Deal: Mehr konzerngetriebene, freihandelsautorisierte, umweltverschmutzende Sparmaßnahmen und mehr Treibhausgase, die die Atmosphäre verschmutzen – und all das als Antwort auf eine Energiekrise, die im Großen und Ganzen künstlich fabriziert ist.
Vor dieser Kulisse lohnt es sich zu erinnern – Ironie aller Ironien – dass die Krise, die die Erdgasindustrie am allerbesten ausschlachtet, der Klimawandel selbst ist.

Macht nichts, dass die einzige Lösung, die die Industrie im Angesicht der Klimakrise zu bieten hat, die dramatische Ausweitung des Fracking ist, was irrsinnige Mengen des Klima destabilisierenden Methans in unsere Atmosphäre entlässt. Methan ist eines der stärksten Klimagase – es hält die Wärme 34-mal stärker zurück als Kohlendioxid, wie die jüngsten Schätzungen des Weltklimarat (IPCC; Intergovernmental Panel on Climate Change) ergeben haben. Und das gilt für eine Periode von 100 Jahren, während der die Potenz des Methans abnimmt.

Viel wichtiger ist, so Robert Howarth von der Cornell-Universität, Biochemiker und einer der weltweit führenden Experten für Methan-Emissionen, den Zeitraum von 15 bis 20 Jahren anzuschauen: Hier hat Methan ein atemberaubendes, 86- bis 100-fach stärkeres klimaerwärmendes Potential als Kohlendioxid. „In diesem Zeitraum riskieren wir, uns selbst in einer sehr raschen Erwärmung gefangen zu setzen“, sagte Howard letzten Mittwoch.

Und denkt daran: Niemand baut eine millionenschwere Infrastruktur auf, der nicht plant, sie mindestens die nächsten 40 Jahre auch zu benutzen. Also, ist das unsere Antwort auf die globale Erwärmung, dass wir ein Netzwerk aus ultra-starken atmosphärischen Öfen bauen? Sind wir wahnsinnig?

Es ist nicht so, dass wir wissen, wieviel Methan tatsächlich beim Bohren und Fracken und von der ganzen daran hängenden Infrastruktur freigesetzt wird. Obwohl die Erdgasindustrie ihr „weniger Kohlendioxidausstoß als Kohle“ ertönen lässt, hat sie ihre Methanleckagen niemals systematisch gemessen. Die wabern über jeder Phase der Gasproduktion, -verarbeitung und -verteilung – von undichten Bohrlöchern und undichten Ventilen an Kondensatoren bis hin zu den brüchigen Pipelines unter den Wohnblocks von Harlem. 1981 kam die Gasindustrie auf die brilliante Idee, Erdgas als Brücke in eine Zukunft der sauberen Energie zu bezeichnen. Das ist 33 Jahre her. Eine lange Brücke. Und das andere Ufer ist noch nicht einmal in Sicht.

Und 1988 – dem Jahr, in dem der Klimaforscher James Hansen den Kongress in einer historischen Darlegung vor dem dringenden Problem der Erderwärmung gewarnt hatte – begann die American Gas Association, ihr Produkt ausdrücklich als Antwort auf den „Treibhauseffekt“ zu bezeichnen. Mit anderen Worten, sie verschwendete keine Zeit und verkaufte sich selbst als die Lösung der globalen Krise, die sie selbst mit verschuldet hat.

Der Gebrauch, den die Industrie von der Krise in der Ukraine macht, um seinen Weltmarkt unter dem Motto „Energiesicherheit“ zu erweitern, muss im Kontext ihres unablässigen Kriseopportunismus gesehen werden. Nur dieses Mal wissen viel mehr von uns, worin die wahre Energiesicherheit besteht. Dank der Arbeit von erstklassigen Forschern wie Mark Jacobson und seinem Team in Stanford wissen wir, dass die Welt sich bis 2030 vollständig mit erneuerbarer Energie versorgen kann. Und dank des jüngsten, alarmierenden Berichts des IPCC wissen wir auch, dass dies ein existentieller Imperativ ist.

Das ist die Infrastruktur, die wir schleunigst bauen müssen – keine gigantischen Industrieprojekte, die uns auch noch die kommenden Jahrzehnte von fossilen Brennstoffen abhängig machen. Klar, diese Brennstoffe werden noch gebraucht, bis der Übergang geschafft ist, aber es sind noch mehr als genug konventionelle Brennstoffe vorhanden, damit wir bis dahin kommen. Besonders dreckige Extraktionsmethoden wie die Produktion von Öl aus Teersand und Fracking sind schlicht nicht notwendig. Wie Jacobson es in einem Interview diese Woche sagte: „Wir brauchen keine unkonventionellen Brennstoffe, um die Infrastruktur herzustellen, die wir brauchen, damit wir vollständig saubere und erneuerbare Wind-, Wasser- und Sonnenenergie erhalten, die für alle Zwecke eingesetzt werden kann. Die existierende Infrastruktur plus die neue Infrastruktur [für die Erneuerbaren] ist vollkommen ausreichend für die Herstellung der restlichen sauberen Infrastruktur, die wir noch brauchen werden. Konventionelles Öl und Gas sind in weit größeren Mengen vorhanden, als wir sie benötigen.“

Vor diesem Hintergrund ist es an den Europäern, ihren Wunsch nach mehr Unabhängigkeit von Russland umzulenken in eine beschleunigte Energiewende. Diese Energiewende – zu der sich die europäischen Nationen nach dem Kyoto-Protokoll verpflichtet haben – kann sehr leicht sabotiert werden, wenn der Markt mit billigem Öl und Gas geflutet wird, die aus dem Untergrund der USA gefrackt wurden. Nicht von Ungefähr arbeitet die NGO Americans Against Fracking, die gegen die Schnellgesetzgebung in Sachen LNG-Export Klage erhoben hat, eng mit ihren Mitstreitern in Europa zusammen, damit genau das nicht passiert.

Der Bedrohung der katastrophalen Erderwärmung entgegen zu steuern, ist unser allerdringendster Energie-Imperativ. Und wir können es uns einfach nicht leisten, uns vom neuesten, von der Krise befeuerten Marketingtrick der Erdgasindustrie ablenken zu lassen.

Warum sich die US-Fracking-Firmen wegen der Ukraine die Lippen lecken
Naomi Klein in: The Guardian, 10. April 2014

Übersetzt von Carin Schomann

Siehe auch: Gegen-Gasbohren.de: Ukraine explained

Apr 122014
 

Keine 300 Meter vom Saaler Ortsrand entfernt liegt der Frac-Platz "Barth 11h/2011"

Keine 300 Meter vom Saaler Ortsrand entfernt liegt der Frac-Platz “Barth 11h/2011″

“Hier in Saal ist der Hund begraben.”, sagt die Frau auf dem Friedhof. Sie mag es nicht, dass hier jetzt wieder nach Öl gebohrt werden soll, sagt sie. “Aber was soll man machen.” Sie zuckt mit den Schultern und geht weiter, Gräber pflegen im Schatten der Kirche. Backsteingotik, erbaut im 13. Jahrhundert, mit massiven Stützmauern, damit sie nicht im weichen Boddenboden einsinkt. Im Krieg, den sie hier den Großen nennen (1914-18), mussten die Saaler Orgelpfeifen aus ihrer Kirche abgeben: Das Blei war damals ein besonders begehrter Rohstoff.
 
Seitdem hat der Backsteinbau wieder bessere Zeiten gesehen. Die Orgelpfeifen sind längst ersetzt worden. In die Kirche kommt trotzdem kaum noch jemand; es werden immer weniger hier im 1000-Seelen-Dorf Saal, Kreis Vorpommern-Rügen. Das Haus an der Hauptstraße, das einst den Konsum beherbergte, steht leer und zum Verkauf, wie so einige Häuser hier in diesem stillen Ort, die leise vor sich hin verfallen.
 
Bohrlochkopf (blau) und diverses Equipment zum Bearbeiten der Bohrung

Bohrlochkopf (blau) und diverses Equipment zum Bearbeiten der Bohrung (Panorama aus 2 Fotos montiert)

Am Ortsrand, hinter einem blühenden Rapsfeld, liegt die Bohrstelle von CEP. Hier wurde zu DDR-Zeiten schon einmal Öl gefördert, bis sich das nicht mehr gelohnt hat. 2011 kamen die Kanadier und bohrten ein Loch bis in 2700 Meter Tiefe und fanden ein wenig Öl. Danach war erstmal nichts. Jetzt sind sie wieder hier und füllen den Platz mit Hightech. Seit letzten Montag kommt täglich mehr schweres Gerät dazu, allmählich sieht es hier aus wie auf einem Spielplatz für große Jungs: Die roten Halliburton-Fahrzeuge mit der wireline-Rolle und einem Kompressor, LKWs mit flüssigem Stickstoff und anderen Zutaten, Tanks, Behälter, Rohre in allerlei Farben und Formen verschiedener Subunternehmen, Container mit Chemikalien, eine mobile Gasfackel und der Schwerlastkran zur Einrichtung des Bohrplatzes und später zur Unterstützung des Frackings. Mittendrin der blaue wellhead auf der Bohrung. Ein Stück daneben ein weiterer, in Halliburton-Rot, der noch auf seine Montage wartet. Wenn er montiert ist und die Druckschläuche angeschlossen sind, sieht er ungefähr so aus.
 
Testförderung - Unverfängliche Beschreibung eines Frac-Vorhabens (Info-Tafel am Betriebsplatz Barth 11)

Testförderung – Unverfängliche Beschreibung eines Frac-Vorhabens (Info-Tafel am Betriebsplatz Barth 11)

Zwei, vielleicht auch drei Handvoll Männer arbeiten auf dem Platz oder stehen da und schauen. Unter anderem der Wachschutz, der darauf achtet, dass keine Neugierigen aufs umzäunte Betriebsgelände gelangen. Natürlich nur zur Sicherheit. Zwei, drei der PKWs, die hinter dem Wachhäuschen an der Einfahrt parken, haben lokale Kennzeichen, der Rest kommt aus Celle und Soltau-Fallingbostel, einer ist in Düren angemeldet.
 
Weite Wege haben teilweise auch die Chemikalien hinter sich, die am hinteren Ende des rund 40 mal 60 Meter großen Platzes am Zaun stehen. “Völkersen” steht auf dem grünen Anhänger an dem Metallkorb, in dem sich ein Container mit rosa Flüssigkeit befindet. “50 % Antifreeze” lautet der Zusatz auf dem grünen Anhänger. Ob es sich dabei um Ethylenglykol handelt, eine Substanz, die beim hydraulischen Frakturieren häufig zum Einsatz kommt und giftig ist, ist ebenso wenig ersichtlich, wie der Inhalt anderer 1000-Liter-Container, die auf dem Platz herumstehen.
 
6 Flaschen mit künstlicher Luft zu Atemschutzzweckenam Notausgang des Betriebsplatzes

6 Flaschen mit künstlicher Luft zu Atemschutzzwecken am Notausgang des Betriebsplatzes

Klar erkennbar als Behälter für künstliche Luft für Atemschutzzwecke sind dagegen die 6 Gasflaschen mit der schwarzweißen Schulter, die direkt neben dem rückwärtigen Notausgang stehen. Falls bei der hochtechnischen Operation an der Bohrung giftige Gase austreten, kann das Personal hier Zuflucht nehmen. Wenn der Wind nicht aus ungünstigen Richtungen kommt, etwa von Westen oder Norden, dann haben die Bewohner in den nahegelegenen Häusern wahrscheinlich nichts zu befürchten.
 
CEPetro hat nach eigener Information am 10. März 2014 die Zulassung erhalten, die Bohrung “an das umliegende Gestein anzuschließen”. Dazu sollen insgesamt 10 “hydraulische Stimulationen” auf einer Horizontalstrecke von rund 1000 Metern vorgenommen werden, eine jede von ihnen mit bis zu 150 Kubikmetern (150 Tausend Liter) Wasser, Sand und chemischen Zusatzstoffen. Die Risse, die damit erzeugt werden, sind Modellrechnungen zufolge 70 Meter lang, horizontal wie vertikal, so CEP-Pressesprecher Jens D. Müller.
 
Obwohl es alles andere als plausibel ist, das Bohrloch mit 70-Meter-Rissen ans Gestein “anzuschließen” — immerhin hat CEP-Deutschland-Chef Dr. Thomas Schröter selbst angegeben, das Gestein habe nur im Umkreis von maximal 2 Metern um die Bohrung durch Verschlammung und Zerrüttung beim Bohren an Durchlässigkeit eingebüßt — bemüht sich CEP verzweifelt, das Projekt nicht als Fracking darzustellen. “Das ist kein Schiefergasfracking”, so tönt es seit Monaten aus dem Unternehmen. Natürlich gibt es in Saal kein Schiefergasfracking, weil es kein Schiefer ist, den CEP in der Bohrung Barth 11 fracken will, sondern ein anderes, wenig durchlässiges Gestein (Zechsteinkarbonat lt. Landesregierung), das das Öl ohne Fracking nicht freigibt.

Turm der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dorfkirche_Saal">Dorfkirche von Saal</a<

Unter dem Turm Dorfkirche von Saal ist der Sage nach ein Templer-Schatz vergraben

Weil CEP auch klar wurde, dass sie die Kritik mit einem solch dämlichen Argument nicht aus der Welt bekommen, verlegt sich das Unternehmen jetzt auf eine neue Linie und versucht damit gar, die Deutungshoheit über die Fracking-Debatte an sich zu ziehen: “Die umstrittene Fracking-Debatte betreffe die Förderung von Schiefergas, sagte Müller.”, zitiert Greenpeace eine dpa-Meldung. Es dürfte nicht lange dauern, bis auch dieser Trick nicht mehr zieht: Der Widerstand gegen Fracking richtet sich nicht nur gegen Schiefergasfracking, sondern gegen jegliches Fracking zur Aufsuchung und Gewinnung von Kohlenwasserstoffen. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Korbacher Resolution mittlerweile Hunderte von Institutionen, Gemeinden, Verbänden, Parteigruppen etc. als Unterstützer gefunden hat. Ihr erste Forderung lautet völlig unabhängig von der Gesteinsart:
“Ein sofortiges ausnahmsloses Verbot sämtlicher Formen von Fracking bei der Erforschung, Aufsuchung und Gewinnung fossiler Energieträger. Dies ist unabhängig davon, ob die Rissbildung mit oder ohne den Einsatz giftiger Chemikalien, hydraulisch oder andersartig erzeugt wird.”
 
Denen, die in Saal auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden haben, ist dieser Streit egal. Der Frau, die dort die Gräber pflegt, ist es nicht egal, aber sie sagt, sie sei alt und müde. Im Krieg das Blei, vor einigen Jahren jemand auf der Suche nach dem Heiligen Gral, jetzt die Ölbohrer — Saal hat Schätze oder auch nicht. Sie würde die Probleme, die mit dem Fracking kämen, wohl nicht mehr erleben. Die Jungen, die müssen sich wehren, sagt sie und meint damit die, die es der Politik überlassen, ihr Geschick zu lenken.

Apr 112014
 

Neues aus dem deutschen GASLAND in Niedersachsen. In Söhlingen brennt nicht nur die Gasfackel.

„ExxonMobil“ als Betreiber der Bohrstelle wollte sich gestern nicht zu Spekulationen äußern, wonach durch neue Abfackel-Methoden mit Wasserzufuhr der von den Bürgern wahrgenommene „Regen“ entstanden sein könnte. Pressesprecher Klaus Torp: „Wir haben planmäßig Arbeiten zur Optimierung der Förderung durchgeführt.“ Es seien beim gezielten Verbrennen des Gases keine Flüssigkeiten freigesetzt worden. Dennoch sei die Aufregung verständlich. „Wir nehmen Beschwerden immer ernst“, so Torp.Neben zahlreichen Landtags- und Bundestagsabgeordneten, die gestern bei Schimmeyer anriefen, mischte sich im Laufe des Tages auch Landrat-Kandidat Hans-Peter Daub in die Diskussion ein. Er forderte in einer Presseerklärung, dass sich die Kreisverwaltung und der für die Gefahrenabwehr zuständige, amtierende Landrat persönlich für eine schnelle und umfassende Aufklärung einsetzen müssten. Dass diese – von welcher Seite auch immer – schon bald erfolgen muss, davon ist Schimmeyer überzeugt. In Söhlingen brenne es politisch nun richtig: „Aus dieser Nummer kommen sie nicht mehr so einfach raus.“

via Behörde sieht bislang keine Hinweise auf Säure-Regen an Erdgas-Bohrstelle in Söhlingen | Rotenburg.

Apr 102014
 

nicht_fuer_geld_verreckenKlare Absage vom Fracking gefordert!

BBU fordert Ende der Kampagne von Fracking-Lobbyisten aus Politik und Wirtschaft – Politische Parteien müssen Forschungsbohrungen für Fracking klare Absage erteilen

Als Angriff auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen bezeichnet der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) die seit Ende März 2014 andauernde Kampagne von Fracking-Lobbyisten aus politischen Parteien und Wirtschaftskreisen. Politiker von CDU, SPD, FDP sowie der Gaskonzern Exxon hatten die Errichtung und den Betrieb einer Fracking-Demonstrationsanlage ins Gespräch gebracht, um die von der Bevölkerung abgelehnte Technik salonfähig zu machen. Die danach erfolgten Dementis aus der Politik bewertet der BBU als halbherzig und unzureichend. Er fordert die Parteien auf, Probebohrungen und Forschungs-Fracking unverzüglich eine klare und unmissverständliche Absage zu erteilen.
Oliver Kalusch vom Geschäftsführenden Vorstand des BBU erklärt hierzu: „Kürzlich haben 30.000 Menschen in ganz Deutschland für den Einsatz regenerativer Energiequellen und gegen Fracking demonstriert. Angesichts der immer stärker werdenden öffentlichen Ablehnung der Fracking-Technik sehen Gaskonzerne und Fracking-Lobbyisten jetzt ihre Felle davonschwimmen und wollen Profit aus der Krim-Krise schlagen. Mittels einer durchsichtigen Kampagne soll Fracking auf Biegen und Brechen gegen den Willen der Bevölkerung auf den Weg gebracht werden. Jegliche Pläne zur Durchsetzung von Fracking werden jedoch auf den konsequenten Widerstand der Umweltbewegung stoßen, unabhängig davon, ob es sich um industrielle Förderung oder Demonstrationslagen handelt. Dabei wird sich die Umweltbewegung auch vom neuesten Pro-Fracking-Einsatz des US-Präsidenten Obama nicht beeindrucken lassen.“

Bisher lässt der Koalitionsvertrag von SPD und CDU/CSU auf Bundesebene Forschungsbohrungen zu. In Nordrhein-Westfalen wurden von Vertretern der SPD/GRÜNEN Landesregierung in der Vergangenheit Forschungsvorhaben ins Gespräch gebracht. Und auch die Äußerungen der politischen Parteien aus den letzten Tagen schaffen keine Klarheit oder gehen sogar in die falsche Richtung.

Der BBU kritisiert insbesondere, dass die Presserklärungen der NRW-Landtagsfraktionen von SPD, CDU und GRÜNEN aus dieser Woche äußerst vage sind und die Problematik der Forschungsbohrungen konsequent ausklammern. Die FDP bekennt sich sogar eindeutig zum Forschungs-Fracking. Und die Pressemitteilung des stellvertretenden umweltpolitischen Sprechers der SPD-Bundestagsfraktion, Frank Schwabe, ist kein Kontrapunkt zu den Interessen der Gaskonzerne, sondern ein Plädoyer für Forschungsbohrungen unter Auflagen.

Daher fordert Oliver Kalusch: „Die Politik darf nicht länger lavieren, sondern muss angesichts der sich zuspitzenden gesellschaftlichen Debatte Forschungsbohrungen eine klare Absage erteilen. Die Bevölkerung hat einen Anspruch darauf, dass die Politiker sich nicht den Interessen der Gaskonzerne beugen. Sie müssen vielmehr Experimente mit den natürlichen Lebensgrundlagen und der Gesundheit der Menschen konsequent untersagen.“

 Veröffentlicht von am 10. April 2014