Flüssiggas-Terminal in Niedersachsen torpediert Klimaschutzverpflichtungen

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Dez 102018
 

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Pressemitteilung 06.12.2018

Offener Brief von Umweltverbänden und Bürgerinitiativen:
Flüssiggas (LNG)-Terminal in Niedersachsen torpediert Klimaschutzverpflichtungen und führt zu einer Investitionsruine

Gegen die Pläne der niedersächsischen Landesregierung, den Bau eines Flüssiggas-Terminals in Stade oder Wilhelmshaven zu unterstützen, formiert sich großer Widerstand. 50 Bürgerinitiativen, Umwelt-, Ärzte- und Erneuerbare-Energien-Verbände haben in einer ausführlichen Stellungnahme die ökologischen und ökonomischen Gründe gegen angedachte LNG-Terminals (englisch: liquefied natural gas) im Norden Deutschlands dargelegt.

Die Landesregierung wirbt für das LNG-Terminal, das mit staatlichen Subventionen gefördert werden soll. Die InitiatorInnen der Stellungnahme hingegen betonen: „Öffentliche Fördermittel in Millionenhöhe sollen in ein LNG-Großprojekt mit einer ökonomischen Lebenszeit von mindestens 30 Jahren fließen, für das es keinen volkswirtschaftlichen Bedarf gibt.
Die Flüssiggas-Terminals in Europa sind schon jetzt nicht ausgelastet. Die anstehenden Investitionsentscheidungen sollen für Zeiträume erfolgen, in denen aufgrund des fortschreitenden Klimawandels eine radikale Abkehr von fossilen Brennstoffen unumgänglich ist. Deutschland ist bereits überversorgt mit Gas und muss noch vor 2050 vollständig dekarbonisiert werden.“

Die Initiativen und Verbände machen darauf aufmerksam, dass Erdgas nur ein weiterer fossiler Energieträger ist, auf den wir wegen seiner klimaschädigenden Wirkung dringend verzichten müssen. Berücksichtigt man neben dem beim Verbrennen entstehenden CO2-Ausstoß auch die bei Förderung und Transport entweichenden Methan-Emissionen, fällt die Klimabilanz von Erdgas schlecht aus. Handelt es sich um Schiefergas, das mit Hilfe von Fracking  gewonnen wurde, ist die klimaschädliche Wirkung in der gesamten Produktionskette noch wesentlich größer.

Eine Unterstützung für den Import von Flüssiggas – und dies auch noch mit öffentlichen Fördermitteln – liefe den verbindlich beschlossenen Klimaschutzzielen auf Bundes- und Landesebene sowie den Vorgaben des Pariser Abkommens zuwider, betonen die Verbände.
Sie verweisen dabei auch auf aktuelle Forschungsergebnisse, die zeigen, dass der Umstieg auf LNG im Transportsektor nicht dazu geeignet ist, die Klimaziele zu erreichen.

Voraussichtlicher Hauptabnehmer des LNG in Stade wäre der Chemiegigant Dow Chemical. Das vorrangig aus den USA stammende LNG würde für den Betrieb der energieintensiven Anlagen vor Ort und als Rohstoff für Plastik und andere petrochemische Produkte genutzt.

Angesichts der gravierenden negativen Auswirkungen auf den Klima- und Umweltschutz sowie der Gefahr der Schaffung von Investitionsruinen fordern die InitiatorInnen der Stellungnahme, dass das Projekt neu evaluiert wird. Zu diesem Zweck müsse es ein öffentliches Beteiligungsverfahren und eine Strategische Umweltprüfung geben. Vor Abschluss einer Bewertung, die alle Umwelt- und Gesundheitsaspekte berücksichtigt, dürfen keine öffentlichen Fördermittel fließen, fordern die UnterzeichnerInnen des Briefs.

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Anlage:

Offener Brief/Stellungnahme zum geplanten LNG-Terminal in Niedersachsen

 Veröffentlicht von am 10. Dezember 2018

Bericht des IPCC Panel of Climate Change mahnt zu schnellem Handeln!

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Dez 022018
 

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Der neueste Bericht des IPCC Panel of Climate Change vom Oktober 2018 warnt eindringlich und mahnt zu schnellem Handeln! Die nächsten 12 Jahre sind entscheidend. Doch immer noch werden durch gewählte „Annahmen“ die Fakten „geschönt“, sodass der bereits große Ernst der Lage missverstanden werden kann!

Die ausschnittweise Übersetzung einer Meldung dazu im Portal www.ecowatch.com und der nachfolgende Kommentar mit Hinweisen auf Ungereimtheiten in dem Report führen zu der Überlegung, dass die Chance, die globale Erwärmung auf nur plus 1,5 Grad Celcius bis 2100 zu begrenzen, wohl schon vertan ist.

Übersetzung ausschnittweise Klima -und Kommentar – Das Fenster für Möglichkeiten zu handeln ist beinahe geschlossen (EcoWatch 23.11.18)

 Veröffentlicht von am 2. Dezember 2018

Bericht zum Monat November 2018: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Nov 172018
 

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Bericht zum Monat November 2018: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

Berichtszeitraum 13.Oktober bis 9. November 2018

Der November 2018 erlebt nach der fortgesetzten Stagnation im September und einem deutlichen Rückgang im Oktober – eine minimale Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme. Der Rückgang nach Februar 2018 ist weiterhin noch nicht durch den neuen Anstieg der im Einsatz befindlichen Bohrtürme bis November ausgeglichen.
Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14. September 2018 bei 70,30 USD/barrel und hatten sich im September weiter gefestigt bis auf 74 USD/barrel  und gaben Anfang Oktober wieder etwas nach und lagen Mitte Oktober bei 71,30 USD/barrel. Danach rutschten die Preise weiter ab, bis auf 61,59 USD/barrel am 8. November 2018.
Nach den Ankündigungen der US-Förderindustrie sind die US-Rohölpreise ab 60 USD/barrel interessant. Es war also in Nordamerika in den Monaten September, Oktober und November mit dem Verkauf von WTI-Rohöl gutes Geld zu verdienen. Dennoch wurden bisher keine Aktivitäten zur Ankurbelung der Ölförderung unternommen.

Es drängt sich immer mehr der Schluss auf, dass das Fördervolumen absichtlich niedrig gehalten wird, um mit den deutlich höheren und profitablen Rohölpreisen Gewinne zu generieren. Das käme auch Russland entgegen, da auch Russland massiv vom Ölverkauf seinen Staatshaushalt finanziert.
Unter diesem Blickwinkel erscheint das neuerliche Embargo gegen Persien in einem anderen Licht. Persien lieferte früher circa 10 Prozent des weltweiten Rohölbedarfes und drängte jetzt natürlich mit aller Macht zurück in den Markt, um auch wieder an Devisen aus dem Ölverkauf zu kommen. Hätte Persien ungehindert seine Ölanlagen wieder hochfahren können, wäre durch das Mehr an Angebot der Preis vermutlich wieder bei 30 USD/barrel oder gar darunter.
Das hätte für die US-Konzerne gewaltige negative Folgen gehabt.
Der Ausstieg aus dem Atomvertrag mit Persien erscheint mir immer mehr nur als Vorwand, um zu erklären, warum die USA den Persern den Ölhahn wieder zudrehen.

Hier bleiben weiterhin – und verstärkt – Fragen offen, deren Klärung evtl. demnächst möglich sein wird.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Monat November nicht gleichsinnig. In den USA  nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gering um 18 Türme zu,  in Kanada dagegen nur um 1 Turm. So ergab sich eine Gesamtzunahme im November von 19 Türmen. Sie verteilte sich etwa zu zwei Dritteln auf Ölbohrtürme und zu einem Drittel  auf Gasbohrtürme.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn:

Monat
gesamt im Einsatz USA
Kanada
USA Rohölpreis WTI USD/barrel
Ende 7 1.178 958 220 46,00
Ende 8
1.157 940 217 46,81
Ende 9 1.155 935 220 52,13
Ende 10
1.115 913 202 51,94
Mitte 11
1.090 889 192 54,27
3. Wo 11
1.110 907 203 57,03
4. Wo 11 1.123 915 208 56,18
15.12.17
1.168 930 238 56,64
19.01.18
1.261 936 325 63,72
16.02.18
1.293 975 318 60,74
16.03.18
1.209 990 219 60,85
13.04.18
1.110 1.008 117 66,74
18.05.18
1.129 1.046 83 71,50
15.06.18
1.198 1.059 139 66,60
13.07.18
1.251 1.054 197 70,60
17.08.18
1.269 1.057 212 65,00
14.09.18
1.281 1.055 226 70,30
12.10.18
1.258 1.063 195 71,31
09.11.18
1.277 1.081 196 61,59

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika noch 1.003 Ölbohrtürme und 274 Erdgasbohrtürme aktiv.
Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (532), Oklahoma (148), New Mexico(106), Louisiana (65), North Dakota (55), Pennsylvania (45), Colorado (34), Wyoming (30), und Ohio (17).

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 Veröffentlicht von am 17. November 2018

Kommentar zu einer LNG-Infrastruktur in Deutschland

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Nov 142018
 

Angeregt durch entsprechende Bemerkung von Wirtschaftsminister Peter Altmaier während seiner Türkeireise Ende Oktober 2018, und durch einen Hinweis der SPD-Bundestagsabgeordneten Timon Gremmels, habe ich die umfangreiche Koalitionsvereinbarung von CDU, CSU und SPD durchgesehen, die am 4. März 2018 veröffentlicht worden war.

Im Bereich „Energie“ steht auf Seite 73, nach vielen Seiten mit Absichtserklärungen bezüglich der Stärkung und Förderung regenerativer Energien, der folgende Satz: „Wir wollen Deutschland zum Standort für LNG-Infrastruktur machen“. Und zum Bereich „Schiffahrt/Seefahrt“ ist auf der Seite 82 zu lesen: Auf nationaler Ebene wollen wir unsere technologieoffenen Initiativen zugunsten alternativer Antriebe und Energiequellen in der Schifffahrt und in den Häfen (LNG, Wasserstoff/Brennstoffzelle, Methanol, Elektromobilität) verstärken und verstetigen.
Im Hafenbereich gehören die Absenkung der EEG-Umlage und der Einsatz energieeffizienter Fahrzeuge dazu. Wir stellen flächendeckend Landstrom für die deutschen Häfen zur Verfügung. Wir setzen uns für eine europaweit einheitliche Nutzungspflicht ein. Der einheitlichen Rechtsanwendung und dem entsprechenden Genehmigungsmanagement beim Thema LNG kommt in den Häfen hohe Bedeutung zu“. (Ende Zitat)

Damit steht fest, dass Wirtschaftsminister Altmaier nur das ausgesprochen hat, was diese Regierungskoalition tatsächlich vor hat, nämlich den Aufbau von LNG-Infrastruktur in Deutschland und die planmäßige Versorgung der Seeschifffahrt mit LNG als Treibstoff in deutschen Häfen.

Dass dieses Vorhaben sich absolut gegen die Ziele des Pariser Klimaabkommens vom Dezember 2015 richtet und sogar zur verstärkten Erwärmung der Erdatmosphäre beiträgt, haben die Verhandler der Koalitionäre dabei offenbar völlig übersehen.
Denn bei dem als LNG-Gas für den Export nach Europa angedachten Erdgas handelt es sich weit überwiegend um das klimaschädlichste gefrackte US-Erdgas.

Wieder einmal wird deutlich, wie groß der Einfluss der Lobbyisten in Berlin und bei den einzelnen Fraktionen ist. Sie bewirkten mit der Summe ihrer Aktivitäten, dass die „Fachleute“ der Fraktionen die Entwicklungen ignorieren, über die von der Wissenschaft und vom IPCC-Pannel berichtet wurde. Dazu gehören auch die Untersuchungsergebnisse zu den Wirkungen des Methans in der Atmosphäre.

LNG wird als „Zwischenlösung“ zur Ablösung anderer fossiler Brennstoffe gesehen, obwohl es weitaus atmosphärenschädigender ist.

Die die Untersuchungen ergaben nämlich:

  1. konventionelles Erdgas ist etwa 1/3 schädlicher als Steinkohle
  2. gefracktes Erdgas ist wiederum 3-fach schädlicher als konventionelles

 
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 Veröffentlicht von am 14. November 2018

Landtag will Volksinitiative zum Schutz des Wassers teilweise zulassen

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Okt 292018
 

Landtag will Volksinitiative zum Schutz des Wassers teilweise zulassen

Pressemitteilung der Volksinitiative zum Schutz des Wassers 24.10.2018

Die mit 42.000 Unterschriften von Schleswig-Holsteinern unterstützte Volksinitiative zum Schutz des Wassers sei unzulässig, soweit Fracking verboten werden soll, befand heute die Mehrheit des Innen- und Rechtsausschusses. Zulässig sei sie, soweit Bergbauunternehmen für Schäden haftbar gemacht und der Geheimhaltung von Bohrplänen zum Schutz von „Geschäftsgeheimnissen“ ein Ende gesetzt werden soll. Dies entschied der Innen- und Rechtsausschuss heute nachmittag mit den Stimmen von CDU, Grünen und FDP. SPD und SSW stimmten vergeblich für eine Zulassung auch des Fracking-Verbots. Die Volksinitiative kündigt an, wegen der Nichtzulassung des Fracking-Verbots vor das Landesverfassungsgericht zu ziehen.

„Heute haben wir einen wichtigen Teilerfolg errungen“, erklärt die
Vertrauensperson der Volksinitiative Dr. Reinhard Knof (BI gegen CO2 Endlager). „Bergbau wird zukünftig nicht mehr ohne Einfluss der zuständigen Wasserbehörden der Kreise stattfinden können. Die
Bergbauunternehmen werden in Zukunft für Schäden haften, bei Unfällen ihre Bohrungen unterbrechen müssen und können ihre Absichten nicht mehr hinter Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen verbergen. Damit ist es uns nach über fünf Jahren gelungen, den bisher nur unter der fragwürdigen Aufsicht des Bergamtes agierenden Bergbauunternehmen eine wirkunsvolle Aufsicht durch die Kreisverwaltungen entgegen zu setzen.“

„Zum Schutz unseres Wassers soll Schleswig-Holstein als bundesweit erstes Land komplett aus dem hochriskanten und klimaschädlichen Fracking aussteigen“, fordert die vertrauensperson der Volksinitiative Patrick Breyer (Piratenpartei). „Wir werden das Landesverfassungsgericht darüber entscheiden lassen, ob das möglich ist. Haben wir Erfolg, können auch andere Bundesländer Fracking verbieten und damit unsere Heimat und Lebensgrundlagen schützen.“

Hintergrund:
Zehntausende Schleswig-Holsteiner unterstützen die Volksinitiative zum Schutz des Wassers, die u.a. von BUND, attac, der Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager und der Piratenpartei getragen wird. Die Volksinitiative will Fracking in Schleswig-Holstein verbieten, Bergbau-Unternehmen für Schäden haftbar machen und der Geheimhaltung von Bohrplänen zum Schutz von „Geschäftsgeheimnissen“ ein Ende setzen.

Sowohl der Landtag der letzten Wahlperiode als auch der Koalitionsvertrag der jetzigen Landesregierung haben sich eindeutig gegen Fracking in Schleswig-Holstein ausgesprochen. Bisher fehlt es
jedoch an konkreten Maßnahmen, um Fracking in allen Gesteinsschichten rechtssicher auszuschließen.

Das mit dem Landesentwicklungsplan bereits angestrebte landesweite Fracking-Verbot ist nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Landtags nicht rechtssicher und deshalb nicht ausreichend (Umdruck 18/4945). Deshalb sehen wir die Volksinitiative zum Schutz des Wassers als derzeit einzige Option für ein landesweites Fracking-Verbot an.

Die Gesetzgebungskompetenz des Landes ergibt sich aus Artikel 72 Absatz 3 Nummer 5 des Grundgesetzes. Das Verbot des Aufbrechens von Gestein bezieht sich nicht auf bestimmte Stoffe oder Anlagen, sondern ist als verhaltensbezogene Regelung einzuordnen (Umdruck 19/1386).

Zu § 88a Landesverwaltungsgesetz: Bisher werden die Pläne von
Erdölkonzernen vielfach der Öffentlichkeit vorenthalten, um „Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse“ der Unternehmen zu schützen. Die Gesetzesänderung schafft die eindeutige Grundlage dafür, dass Bürger und Behörden in Fällen überwiegender öffentlicher Interessen auch Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse erhalten und veröffentlichen können.


http://www.keinco2endlager.de/landtag-will-volksinitiative-zum-schutz-des-wassers-teilweise-zulassen-fracking/ 

 Veröffentlicht von am 29. Oktober 2018

Bericht zum Monat Oktober 2018: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Okt 202018
 

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Bericht zum Monat Oktober 2018: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

Berichtszeitraum 15. September 2018 bis 12. Oktober 2018

Der Oktober 2018 erlebt nach der fortgesetzten Stagnation im September mit geringster Zunahme einen deutlichen Rückgang – nach schon im August kaum Zunahme – der im Einsatz befindlichen Bohrtürme. Der Rückgang nach Februar 2018 ist weiterhin noch nicht durch den neuen Anstieg der im Einsatz befindlichen Bohrtürme bis September ausgeglichen. Der Abstand hat sich durch den Rückgang im Oktober wieder vergrößert.

Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14. September 2018 bei 70,30 USD/barrel und haben sich im Berichtszeitraum weiter gefestigt bis auf 74 USD/barrel erst in den letzten Tagen gaben sie wieder etwas nach und liegen heute bei 71,30 USD/barrel.
Nach den Ankündigungen der US-Förderindustrie sind die US-Rohölpreise ab 60 USD/barrel interessant. Es war also in Nordamerika in den Monaten September und Oktober mit dem Verkauf von WTI-Rohöl gutes Geld zu verdienen. Dennoch wurden bisher keine Aktivitäten zur Ankurbelung der Ölförderung unternommen.

Es drängt sich immer mehr der Schluss auf, dass das Fördervolumen absichtlich niedrig gehalten wird, um mit den deutlich höheren und profitablen Rohölpreisen Gewinne zu generieren.

Hier bleiben weiterhin – und verstärkt – Fragen offen, deren Klärung eventuell demnächst möglich sein wird.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Monat Oktober nicht gleichsinnig. In den USA  nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gering zu, in Kanada dagegen deutlich ab. So ergab sich eine Gesamtabnahme im Oktober von 23 Türmen.
Sie verteilte sich etwa zu drei Vierteln auf Ölbohrtürme und zu einem Viertel  auf Gasbohrtürme.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn:

Monat
gesamt im Einsatz USA
Kanada
USA Rohölpreis WTI USD/barrel
Ende 7 1.178 958 220 46,00
Ende 8
1.157 940 217 46,81
Ende 9 1.155 935 220 52,13
Ende 10
1.115 913 202 51,94
Mitte 11
1.090 889 192 54,27
3. Wo 11
1.110 907 203 57,03
4. Wo 11 1.123 915 208 56,18
15.12.17
1.168 930 238 56,64
19.01.18
1.261 936 325 63,72
16.02.18
1.293 975 318 60,74
16.03.18
1.209 990 219 60,85
13.04.18
1.110 1.008 117 66,74
18.05.18
1.129 1.046 83 71,50
15.06.18
1.198 1.059 139 66,60
13.07.18
1.251 1.054 197 70,60
17.08.18
1.269 1.057 212 65,00
14.09.18
1.281 1.055 226 70,30
12.10.18
1.258 1.063 195 71,31

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika noch 997 Ölbohrtürme und 261 Erdgasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (532), Oklahoma (142), New Mexico (102), Louisiana (64), North Dakota (52), Pennsylvania (45), Colorado (33, Wyoming (30) und Ohio (17).

Der Ölpreis war seit Mitte März stetig gestiegen, auf zwischenzeitlich am 18. Mai 2018 71,50 USD/barrel für WTI , am 15. Juni 2018 etwas nachgegeben auf 66,60 USD/barrel, danach wieder gestiegen bis 74,30 mit Abfall Mitte Juli auf 70,60 USD/barrel und Mitte August weiter bis knapp unter 65,00 USD /barrel, Mitte September waren über 70 USD/barrel erreicht und Mitte Oktober liegen wir bei 71,31 USD/barrel.

Die Unsicherheit an den Börsen sei der Grund für diese Rohstoffpreisentwicklung, kommentieren die Händler an der Wall Street in New York. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 3,20 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu.
Das Erdgas-Überangebot in den US-Netzen drückt die weiterhin die Preise, die im September  bei 2,82 USD/mmBtu lagen und dann mit den Rohölpreisen leicht anzogen auf zur Zeit 3,222 USD/mmBtu.

Die vom US-Statistik-Amt festgestellte Verringerung der gelagerten Ölvorräte der USA besteht weiter. Bisher war davon ausgegangen worden, dass in 2018 die Auswirkung der Rücknahme der Förderkapazitäten der OPEC-Länder und der mit ihnen kooperierenden Nicht-OPEC-Förderländer zur Stabilisierung der Rohölpreise bei 60 bis 70 Dollar/barrel WTI-Qualität beitragen könnte. Das hat sich bisher auch so entwickelt.
Die sprunghafte Außenpolitik der USA, unter Missachtung aller internationalen Vereinbarungen, die gültig abgeschlossen wurden, wesentlich in der Vergangenheit forciert von den USA, bietet für Zocker zusätzliches Wett-Potential und verschärft generell die  Situation.
Die Aktivitäten von Präsident Trump gegen die NATO, als gemeinsame Allianz, vergrößert die Unsicherheit noch weiter, ebenso die Ausrufung des Handelsembargos gegen die Türkei, nachdem dort ein amerikanischer Staatsbürger bei einem Aufenthalt verhaftet worden war und ohne weitere Angaben in Haft gehalten wird. Auch der Handelskrieg Trumps mit China erhöht die Unsicherheit weiter.

Die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA  wird sich auf die inzwischen schon wieder recht starke Ölförderung des Iran auswirken und diese reduzieren.
Es bleibt ungewiss, ob es den Ländern der EU gegen Trump gelingt, iranische Öllieferungen dennoch durchzuführen und finanziell abzuwickeln.
Die damit auf dem Weltmarkt befürchtete Verknappung des Rohöles ist vorerst nicht zu erwarten. Die Reaktionen auf den IPCC-Sonderbericht zur Klimaentwicklung Anfang Oktober können aber dazu führen, dass wenig oder gar nicht mehr in den Ölsektor investiert wird.

Die kürzliche Ankündigung mehrerer wichtiger Erdölförderländer, ihre Förderung wieder hoch fahren zu wollen, wurde offenbar bisher nicht umgesetzt und China hat hohen Energie-und Rohstoffbedarf für seine unter Volllast laufende Konjunktur.
Das Drohpotential der Iraner, den Golf von Hormuz zu schließen, wenn man ihnen den Verkauf ihres Rohöles unmöglich macht, ist zwar erheblich, da dann Tankerlieferungen von Irak, Kuwait, Saudi, Bahrain, Katar und Vereinigte arabische Emirate eingeschränkt würden, was etwa 20 Prozent des weltweiten Ölhandels ausmacht, aber schon vor Jahren haben die Emirate eine Pipeline an die Golfküste im Golf von Oman gelegt, um ihr Rohöl dort zu verschiffen und die Bedrohung in der Straße von Hormuz zu entkräften. Die Tanker bleiben dann draußen im Golf, vor der gefährlichen Passage der Straße von Hormuz.

Die riesigen weltweit zwischengelagerten Rohölmengen, die kurzfristig verfügbar und auch umdirigierbar sind (Lagerung in Großtankerflotten auf Reede), werden jetzt zu sehr profitablen Preisen nach und nach in den Markt gebracht, nachdem sie zu Preisen von unter 30 USD/barrel gebunkert worden waren.

Das erwartete Reaktivieren von Bohrtürmen bei Rohölpreisen von 60 USD/barrel WTI und darüber  in den USA und in Kanada ist weiterhin ausgeblieben. Die Gründe dafür sind weiterhin nicht klar auszumachen. Jedoch verstärkt sich der Verdacht, dass durch Beschränkung des Fördervolumens – auch in den USA und Kanada – die Rohölpreise stabilisiert werden sollen. Wenn das Ölembargo der USA gegen den Iran „dicht“ gemacht werden kann, könnte das gelingen.
Die US-Förderunternehmen behaupten, dass sie aus ihren Förderbohrungen in Shale-Vorkommen durch optimierte Massnahmen viel mehr Produktion herausholen als vorher und daher eher wettbewerbsfähig sind (bei niedrigeren Preisen als vorher).
Da insgesamt im Bereich der Ölförderung in Nordamerika der Hauptrückgang in den Monaten März und April 2018 stattgefunden hat und die anschließende Zunahme an Bohrtürmen im Einsatz bis jetzt diesen starken Rückgang nicht ausgleichen konnte, wird im Verlauf des Winters 2018/2019 auch die US-Förderung geringer werden.

Foto: pixabay

Die Situation der Kohlenstoff-Energiebranche wird von großen institutionellen Anlegern weiterhin kritisch gesehen, weil der große Zuwachs bei den regenerativen Energien, gerade und auch in den USA, den fossilen Erzeugern Märkte wegnimmt.
Und die Erzeugung der regenerativen Energien wird immer preiswerter. Inzwischen sind Neuanlagen schon wettbewerbsfähiger als fossile Stromerzeuger. Hinzu kommt die verschärfte Warnung des IPCC vor dem Klimawandel, die deutlich macht, dass das ganz große Geschäft mit den Kohlenwasserstoffen keine Zukunft mehr haben darf, sondern ein Auslaufmodell sein muss.

Eine neue Studie von Carbon Tracker sieht die Möglichkeit, dass schon in 5 Jahren die Nutzung der fossilen Brennstoffe drastisch sinken wird, weil gerade die „jungen Industrie- und Aufsteigerländer gleich mit Sonnenstrom und Windstrom arbeiten werden, anstatt sich in die Abhängigkeit der fossilen Konzerne zu begeben.
Die fossilen Brennstoff-Förderer wollen hingegen diese Länder als neue und künftigm stärkere Kunden gewinnen.

Die Zubauraten an Fotovoltaik-Anlagen in  den USA sind rasant gestiegen.
Der US-Präsident Trump versucht jetzt durch Maßnahmen den weiteren Ausbau zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen.

Weiterhin versuchen große institutionelle Anleger, die bisher im Energiebereich bedeutende Teile ihres investierten Portfolios angelegt haben, aus den fossilen Energien auszusteigen.

Die Freigabe des Offshore-Gürtels vor den Küsten der US-Bundesstaaten für die Förderung von Kohlenwasserstoffen durch Präsident Trump wird weitestgehend von den betroffenen Bundesstaaten abgelehnt.
Sie bestehen auf der Beibehaltung der Schutzsperre der Obama-Regierung. Sie fürchten um die Küstenfischerei, um die Gefährdung der Natur und der Küsten durch Unfälle und Störungen und insgesamt um die Beeinträchtigung des Tourismusgeschäftes an ihren Küsten.
Der zuständige Minister, Bryan Zynke, hat von fast allen Gouverneuren entsprechende ablehnende Bescheide erhalten, außer von dem von Alaska, der allen Ernstes behauptet, die Einnahmen aus der Ölförderung Off-Shore dringend zu benötigen, um die Strukturkosten des Klimawandels für Alaska damit zu einzuspielen. Das ist schon paradox.

 

Volker Fritz
im AK Fracking
Braunschweiger Land

 

 Veröffentlicht von am 20. Oktober 2018